Condi hängt ein Schild auf: ‚Für Juden verboten’

13. Dezember 2007 at 12:58 | In Friedensinitiativen, Israel, Nahost-Konflikt, USA |
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Michael Freund
The Jerusalem Post, 11. Dezember 2007

Condoleezza Rice hat Nerven. Erst hat die Außenministerin die Chutzpe Israels Umgang mit den Palästinensern mit dem zu vergleichen, was den Schwarzen der USA in den schlimmen alten Tagen der Rassentrennung im Süden zugemutet wurde.

In einem privaten Gespräch am Ende der Konferenz von Annapolis sagte Amerikas Top-Diplomatin, da sie „als schwarzes Kind im Süden aufwuchs, wo ihr gesagt wurde, dass sie bestimmte Wasserspender nicht benutzen oder in bestimmten Restaurants nicht essen durfte, sie auch die Gefühle und Emotionen der Palästinenser verstünde“.

„Ich weiß, wie es ist zu hören, dass man eine Straße nicht benutzen oder durch eine Straßensperre gehen muss, weil man Palästinenser ist“, zitierte sie die Washington Post (vom 29. November). „Ich verstehe die Gefühle der Erniedrigung und Machtlosigkeit“, fügte sie hinzu.

Unnötig zu erwähnen, dass der Aufmerksamkeit der Außenministerin die Tatsache entgangen zu sein scheint, dass die amerikanischen Schwarzen die Opfer von Gewalt und Hass waren, während die Palästinenser das geübt praktizieren. Darüber hinaus ist Rices Vergleich der israelischen Sicherheitsmaßnahmen mit Amerikas Jim Crow-Gesetzen sowohl intellektuell unehrlich als auch moralisch obszön.

Es gibt absolut keine Ähnlichkeit zwischen den vor Israel errichteten Straßensperren, mit denen palästinensische Selbstmord-Bomber gefasst werden sollen, und dem Verbot des Staates Georgia in den 1960-er Jahren Schwarze und Weiße im selben Restaurant zu bedienen. Etwas anderes anzudeuten ist unverschämt und beleidigend und Rice sollte es besser wissen. Würde sich nach ihrer Logik etwa Hamas-Chefterrorist Ismail Haniyeh als palästinensische Rosa Parks qualifizieren? Und doch zögert Rice trotz all ihrer vorgeblichen Sensibilität in Diskriminierungsfragen nicht sich in eigener Bigotterie zu üben, als man auf die Frage neuer Häuser für Juden in Jerusalem zu sprechen kam.

Nachdem Israel die Genehmigung für die Ausschreibung des Baus von 307 Wohneinheiten im Viertel Har Homa in der Hauptstadt verkündete, setzte bei Ihrer Exzellenz ein, was nur als helle Aufregung beschrieben werden kann.

Im NATO-Hauptquartier in Brüssel sagte Rice am Freitag Journalisten, dass sie die Frage Har Homa gegenüber Außenministerin Tzipi Livni aufgebracht habe – nicht einmal, sondern zweimal! „Ich habe in der Tat Har Homa zur Sprache gebracht, erst bei einem Telefongespräch und dann heute bei unserem Treffen“, sagte Rice. „Ich habe sehr klar gemacht, dass klar gestellt werden soll, was genau das heißt. Ich habe klar gemacht, dass wir in einer Zeit leben, in der das Ziel ist maximales Vertrauen zwischen den Parteien aufzubauen und dass dies nicht hilft Vertrauen aufzubauen“, erklärte sie.

VERTRAUEN? Sagte sie: „Das hilft nicht Vertrauen aufzubauen?“ Und was, Frau Ministerin, ist mit den ständigen palästinensischen Raketenangriffen auf israelische Orte und Städte im Süden? Helfen die, „Vertrauen aufzubauen“? Oder was ist mit der täglichen Hetze zu Gewalt im offiziellen palästinensischen Radio- und Fernsehprogramm? Oder der Ermordung des 29-jährigen Ido Zoldan letzten Monat durch Mitglieder der palästinensischen Polizei von Mahmud Abbas? Es ist schon befremdlich, dass keine dieser widerlichen Taten eine Erwähnung von Rice über ihren Einfluss auf den „Aufbau von Vertrauen“ zwischen den beiden Seiten wert war.

Aber wenn Israel sich entscheidet ein paar neue Wohnung in einem bereits bestehenden Sektor von Jerusalem zu bauen, kennt Rice auf einmal ihre Stimme? Wen glaubt sie damit veralbern zu können? Was aber an ihrer Äußerung über Har Homa noch verstörender ist: Sie macht die diskriminierenden Ansicht glaubwürdig, dass gewisse Orte für Juden einfach deshalb verboten sein sollten, weil sie Juden sind.

Rice selbst wurde in Birmingham, Alabama geboren. Es ist schon Ironie, dass nur 170km nördlich von ihrem Geburtsort eine Stadt liegt – mit Namen Jerusalem, Alabama.

Wollte die Außenministerin vorschlagen, dass das Recht der Juden in Jerusalem, Alabama zu leben und zu bauen, irgendwie eingeschränkt werden sollte, würde sie auf der Stelle als rassistisch und antisemitisch angeprangert werden – und mit Recht. Doch schlägt sie vor, dass Juden nicht erlaubt werden sollte in Jerusalem, Israel frei zu bauen, weil sie Juden sind, wird das unerklärlicherweise als „Vertrauen bildende Maßnahme“ beschrieben.

Nennen Sie es, wie Sie wollen, Frau Rice, aber Ihre Opposition zu jüdischem Hausbau in Jerusalem ist nichts anderes als eine archaische Form der Bigotterie. Sie können kein Schild „für Juden verboten“ aufstellen und von uns erwarten, dass wir das irgendwie anders sehen.

Vorzuschlagen, dass es Juden oder irgendeiner anderen ethnischen Gruppe wegen dem, was sie sind, nicht erlaubt werden sollte in einer bestimmten Gegend frei zu leben und zu bauen, ist etwas, das in den Vereinigten Staaten vor vier Jahrzehnten außer Mode gekommen ist; und ich kann mir keinen guten Grund vorstellen, warum das heute hier in Jerusalem wieder eingeführt werden sollte.

Die Außenministerin weiß sehr gut, dass Bürgerrechte für Juden, wie jedes universale Menschenrecht, nicht zeitlich oder räumlich eingeschränkt werden kann. Sie müssen gelten, ohne Rücksicht darauf, wo ein Mensch zu leben sich entscheidet.

Das gilt besonders, wenn es um Jerusalem geht, dem Herz und die Seele des jüdischen Volkes. Unsere Verbindung zu der Heiligen Stadt erstreckt sich zurück über mehr als drei Jahrtausende. In der Tat haben mehr als 1.500 Jahre vor dem Aufkommen des Islam Juden in Jerusalem gelebt, gearbeitet und gebetet.

Nun sind wir, in den Fußstapfen unserer Vorfahren, wieder gekommen um zu beanspruchen, was rechtmäßig uns gehört.

Also treten Sie zur Seite, Frau Rice. Und bitte, versuchen Sie nicht sich einzumischen.

Sie können es mögen oder nicht, aber nichts kann die Entfaltung dieses historischen Prozesses stoppen.

DryBones-Blog, 12.12.2007

 

Nicht nur Michael Freund hat sich mit dem Thema „für Juden verboten“ beschäftigt, auch Yaakov Kirschen hat sich seine Gedanken gemacht. Zu der Karikatur schreibt er:

Condoleeza Rice wird zitiert, dass sie gegen Ende der Konferenz von Annapolis gesagt haben soll, sie sei „als schwarzes Kind im Süden aufgewachsen, wo man ihr sagte, sie könne bestimmte Wasserspender nicht benutzen und in bestimmten Restaurants nicht essen“.

Ich vermute sie fühlt sich jetzt dazu ermächtigt zu entscheiden, welche Gruppe Menschen ihren Platz zu kennen hat. In ihrer Vorstellung ist ein Gebiet „nur für Weiße“ ein Fluch, aber ein judenreines Stadtviertel oder eine judenreine Stadt oder ein judenreines Land ist offensichtlich “ganz in Ordnung”.

3 Kommentare »

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  1. das ist ein Riesenproblem mit den Arabern in Israel. Einerseits sind das Israelis, anderseits sympathisieren beträchtliche Teile der Araber mehr oder weniger offen mit dem Terrorismus bzw. - pos. formuliert - mit dem Gegner.

    Ich glaube, dass das wieder eines dieser Probleme ist, die (zurzeit) unlösbar sind. Erst ein (teilweises ;) ) Abfallen der Araber vom Islam machte Fortschritte möglich.

    Schreib doch mal was über die Apartheid (nimm es bitte ggf. metaphorisch) in Israel.

    LG

    Kommentar von Hamster — 13. Dezember 2007 #

  2. Rice hat ja wohl nicht das Problem “Araber in Israel”, sondern eines von Rice und in Bezug auf die palästinensischen Araber in den 1967 eroberten Gebieten.

    Kommentar von heplev — 13. Dezember 2007 #

  3. Da bin ich mir nicht so sicher, zumindest nicht so sicher wie der Kollege, der
    “So step aside, Ms. Rice, and please do not try to interfere.”
    ruft.

    Kommentar von Hamster — 13. Dezember 2007 #

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