Warum ist Ehrenmord anders?
7. Februar 2008 at 13:26 | In Europa+Islam, Islam+Islamismus |Tags: Ehrenmorde
Islam in Europe 6. Februar 2008
Diese Woche fiel ein 16-jähriges Mädchen in Malmö von einem Balkon im vierten Obergeschoss in den Tod. Zwei Männer, Verwandte des Mädchens, die nach Angaben von Augenzeugen gleichzeitig mit ihr auf dem Balkon standen, wurden unter Verdacht des Totschlags festgenommen. Die Familie stammt aus dem Irak; die Polizei spricht von Ehrenmord.
Der Fall löste in Schweden eine Debatte über „Ehrenmorde“ aus. In einem langen Kommentar in Aftenbladet (schwedisch) behauptet Mohammed Omar, der Kopf des Minaret-Magazin, dass es keinen Unterschied zwischen Ehrenmoden und Eifersuchtsmorden oder „Familiendramen“ gibt. Bei ihnen ginge es um „die Kontrolle, die ein Mann über eine Frau ausübt und die Frau als Eigentum des Mannes. Von 1990 bis 2005 wurden in Schweden 240 Frauen aus „Eifersucht“ ermordet. Im gleichen Zeitraum wurden 11 Frauen bei „Ehrenmorden“ ermordet. Es gibt nichts Besonderes bei Ehrenmorden.
Omar führt einige Beispiele aus der ganzen Welt an, bei denen Frauen oder Kinder vom Vater der Familie getötet wurden, ebenso einige „Ehren“-Morde in nicht muslimischen Familien – zum Beispiel Sikhs oder Yazidis. Er führt auch den Fall einer ethnisch schwedischen Familie an, bei dem der Vater seine Tochter angriff, weil die mit einem Araber ausging.
Omer behauptet, dass Ehrenmord nichts mit dem Islam zu tun habe und dass im Islam Mord verboten ist. Theoretisch hat er recht. In der Praxis aber wird „Ehre“ in muslimischen Ländern bei Mord als mildernder Umstand gewertet. Offensichtlich denken Juristen in muslimischen Ländern, dass „Ehrenmord“ etwas anderes ist.
Omars Behauptung ist nicht ungewöhnlich. Es gibt viele Menschen, die denken, alle Morde an Frauen können auf einen Haufen geworfen werden.
Was ist an Ehrenmorden besonders? Wie unterscheidet sich Ehrenmord von einem Fall, bei dem ein Freund seine Freundin tötet oder ein Ehemann seine Kinder umbringt und dann Selbstmord begeht, um sich an seiner Frau zu rächen? In beiden Fällen werden Menschen getötet. Was ist also der Unterschied?
Hier ein paar Punkte, die bedacht werden sollten:
Ein Ehrenmord entstammt dem Verantwortungsgefühl des Mörders gegenüber seiner Familie und Gesellschaft, während ein Familiendrama abläuft, weil der Mörder sein Verantwortungsbewusstsein verliert. Ein „Ehren“-Mörder hat die Kontrolle über seine Fähigkeiten, während man bei einem „Familiendrama“ gewöhnlich davon ausgehen kann, dass der Mörder durchgedreht ist.
Ein „Familiendrama“ kommt für gewöhnlich unerwartet, selbst wenn der Mörder eine persönliche Geschichte häuslicher Gewalt hat, während ein „Ehrenmord“ in der Regel eine sehr klare Ursache und Einfluss hat. Daher wiegt er schwerer, denn der Mörder handelt nach einer einfachen Logik.
Zusätzlich gibt es die wichtige Rolle der Unterstützung durch die Gesellschaft. Ein gemeiner Mörder wird von der Gesellschaft nicht unterstützt, während der „Ehren“-Mörder handelt, weil die Gesellschaft das von ihm erwartet. Sie meiden das Opfer und applaudieren dem Mörder. Ein Ehrenmörder könnte seine Tochter, Schwester oder Nichte vielleicht gar nicht umbringen wollen, aber er fühlt sich von seiner Gesellschaft unter Druck gesetzt das zu tun.
Ein Ehrenmord ist der Höhepunkt eines Lebens in Angst. Ein Mädchen, das in einer Ehren-Kultur aufwächst, weiß, dass selbst, wenn ein Nachbar nur denkt, er habe sie etwas tun sehen, dies für sie den Tod bedeuten kann. Ihr Verhalten wird immerwährend von der Ehre der Familie des Vaters bestimmt. Für jedes Mädchen, das bei einem Ehrenmord getötet wird, gibt es unzählige andere, die still leiden.
Eine Frau, die von ihrem Freund bedroht wird, hat die Unterstützung ihrer Familie. Ein Mädchen, das von ihrem Bruder bedroht wird, weil sie mit dem falschen Kerl ausgeht, hat diese Unterstützung nicht.
Ehrenmord ist anders. Er ist anders für das Opfer, er ist anders für den Mörder und seinen Komplizen und er ist anders für die Behörden, die ihn von vorneherein verhindern wollen oder ihn später untersuchen. Es ist einfach, nur alle Arten von Mord zusammenzuwerfen und zu behaupten, es gäbe keine Unterschiede zwischen ihnen; wenn man das tut, verliert man die Möglichkeit das Problem anzugehen.
4 Kommentare »
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Ich spreche es aus.
Es ist krank.
Geistesgestört!
Auch Moslem interessieren sich nicht für die Menschen.Sie plärrren wenn jemand etwass falsches über ihren Gott sagt. Aber wenn ein 20 Jähriger Afghanischer Journalistik Student zum tode verurteilt wird weil er etwas aus dem Netz ausgedruckt hat, dass interessiert sie nicht.
Irgendwie sehe ich hier die gleiche Pflege der Doppelmoral wie bei den Amerikanern die sie so verfluchen.
Klingt komisch, ist abe so…………
Kommentar von thalex — 7. Februar 2008 #
“Ein „Ehren“-Mörder hat die Kontrolle über seine Fähigkeiten, während man bei einem „Familiendrama“ gewöhnlich davon ausgehen kann, dass der Mörder durchgedreht ist.”
Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
einen Menschen tötet. Für mich hört sich das oben eher nach einem Amoklauf mit vorübergehender Unzurechnungsfähigkeit an. Also aus meiner Sichtweise, weiß ich worauf das Thema anspielen will, aber der gewählte Weg ist doch sehr verwirrend. Zum Beispiel würde ich gerade die eher starken und nicht ängstlichen Frauen als Opfer der Ehrenmorde ansehen, da sie sich eben nicht in ihre Schranken fügen. “Ein Ehrenmord ist der Höhepunkt eines Lebens in Angst” macht hier also keinen wirklichen Sinn.
Moralisch ist das alles natürlich verwerflich und es ist auch sehr fraglich ob es aus der Sicht eines Opfers einen Unterschied macht, denn tot ist man so oder so. Interessant wären auch ein paar Statistiken und Zahlen, wie z.B. die Ehrenmorde zahlenmässig zu Eifersuchtstaten zahlenmäßig stehen. Vielleicht ein zu weites und kontroverses Feld für einen kurzen Blogeintrag.
Kommentar von AMUNO — 7. Februar 2008 #
Für den qualitativen Unterschied zwischen “Ehren”-Mord und “normalen” Eifersuchtstaten (die im Affekt, nicht lange geplant etc.) sind Zahlen völlig unerheblich.
Kommentar von heplev — 8. Februar 2008 #
Guter Blog-Post!
Wichtig dass wir den Sturz ansprechen.
Das ganze Viertel muss man im Auge behalten,
wo eine solche Ermordung möglich ist,
da gilt es künftige patriarchale
Mädchen- und Frauenmorde zu verhindern.
Das Land von Nils Holgerson,
Pippi Langstrumpf und Bullerbü …
hat ein veritables Islamproblem.
Jacques Auvergne
http://jacquesauvergne.wordpress.com/
Kommentar von Jacques Auvergne — 24. Februar 2008 #