Französische Gerechtigkeit
1. April 2008 at 22:18 | In Europa+Nahost, Medien+Nahost | Leave a CommentTags: France2, Frankreich, Justiz
In Frankreich ist ein Revisionsverfahren anhängig, in dem sich ein Journalist gegen den mächtigen französischen Fernsehsender France2 wehren muss, der in erster Instanz ohne jegliche inhaltliche Argumentation eine Verurteilung erreichte. Dieser verurteilte Herr Karsenty ist nicht der einzige, der sich der irren Klagewut der Faktenverdreher und Antiisrael-Hetzer des MSM-Senders erwehren muss. Und einmal mehr wurde ein unglaublich wahnwitziges Urteil gefällt: Ein Christ, der einen Juden zitierte, der anderen Juden vorwarf, sie seien angesichts des offenen Antisemitismus in ihrem Land feige und voller Selbsthass, macht sich des Antisemitismus schuldig! Richard Landes beschreibt das am 30. März 2008 ausführlich in seinen Augean Stables:
Wann ist ein Christ, der einen Juden zitiert, der einen anderen Juden kritisiert, des Antisemitismus schuldig? Wenn er sich vor einem französischen Gericht befindet.
John Rosenthal, einer der besten Journalisten, der über die seltsame Welt der französischen Politik und des Jihad berichtet, hat einen Artikel bei PJMedia stehen, in dem es um die kafkaeske Welt der berüchtigten 17. Kammer des französischen Gerichtssystems, die für Verleumdungsfälle zuständig ist. In diesem Fall, den ich nur angedeutet habe, wurde ein französischer Christ des „Antisemitismus“ für schuldig befunden, weil er den Artikel eines israelischen Juden, Stephane Juffa, postete, in dem dieser unter anderen Charles Enderlin, diesen „wahrhaftigen Kriegs-Pyromanen“ kritisierte. Die Logik der von Enderlin vorgebrachten Beschuldigung ist schlichtweg Schwindel erregend und der Schuldspruch durch Richter Nicolas Bonnal (der zu anderen Zeiten sachliches Urteilsvermögen an den Tag legte) nicht zu fassen. Ich zitiere einige Schlüsselpassagen.
Sind die Al-Dura-Kritiker Antisemiten?
Macht sich ein Christ, der einen Juden zitiert, der einen anderen Juden [von dessen Verhalten] angesichts von Antisemitismus der „Feigheit“ und des „Selbsthasses“ beschuldigt, des Antisemitismus schuldig?
In der seltsamen, durch die Lupe betrachteten Welt der französischen Justiz ist er das offenbar.
Das Szenario ist einmal mehr die Al-Dura-Affäre und besonders die juristische Kampagne, die vom Nahost-Korrespondeten Charles Enderlin und seinem Arbeitgeber, dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender France2, gegen Kritiker geführt wird, die die Authentizität von Enderlins inzwischen berüchtigtem Bericht aus dem Jahr 2000 in Frage stellen, der die behauptete Erschießung des palästinensischen Jungen Mohammed al-Dura durch israelische Soldaten zeigt.
Nicolas Ciarapica ist ein evangelikaler Christ und Eigner der Internetseite Blogdei. Am 8. Januar wurde er aufgefordert vor der 17. Kammer des Pariser Bezirksgerichts (Tribunal de Grande Instance) zu erscheinen. Das ist genau das Gericht, das sich auf Vergehen spezialisiert hat, die „im Zusammenhang mit der Presse stehen“ und das auch die anderen „Verleumdungs“-Fälle von Enderlin verhandelte. Anders als die Beklagten der übrigen Fälle wurde Ciarapica allerdings nicht beschuldigt Charles Enderlin einfach „verleumdet“, sondern ihn genauer gesagt wie einen Juden „verleumdet“ zu haben. Daher die besondere Klage, die in Frankreich als „Rassenverleumdung“ bekannt ist. Mit anderen Worten: Ciarapica wurde beschuldigt an Enderlin gerichtete antisemitische Hassrede verbreitet zu haben.
Klagegegenstand war ein Artikel mit dem Titel „Französische Juden haben die Schnauze voll“, der im Februar 2006 auf Blogdei erschien. Ciarapica erklärte vor Gericht:
Ich versuche Artikel einzustellen, die für die evangelikal-protestantische Gemeinschaft interessant sind. Wie eine Menge anderer Anhänger meines Glaubens achten wir darauf, was in Israel geschieht… Jedes Mal, wenn jemand anfängt die Juden zu beschuldigen, ist das ein Signal, dass mit der Gesellschaft etwas nicht stimmt. Der Durchschnittsfranzose sieht fern und bekommt immer dasselbe. Er sieht niemals einen Bericht über die Juden, der es ihm erlaubt Mitgefühl mit ihnen zu haben. Davon bin ich geschockt. Wir versuchen „Um-Information“ zu betreiben: eine andere Tonart zu präsentieren. Wir suchen nach unterschiedlichen Informationsquellen. Wir fanden Mena. (Quelle: Guyson News, Link in Französisch)
Die fragliche „Mena“ ist die französischsprachige Metula News Agency aus Israel. Wie es so geht, ist es die Mena, die zweifellos mehr als jede andere französischsprachige Nachrichtenquelle getan hat, um die Widersprüche um den Original-al-Dura-Bericht von France2 aufzudecken und die Behauptung voranzubringen, dass der Bericht eine Fälschung ist. In der Folge hat sich die juristische Kampagne von France2 und Charles Enderlin gegen ihre Kritiker in Frankreich zum großen Teil in eine Art Stellvertreterkrieg gegen die Mena entwickelt. Dieser Stellvertreter-Charakter ist im Fall Ciarapica besonders offensichtlich, da der strittige Text von der Mena kommt und von Mena-Chefredakteur Stephane Juffa geschrieben wurde. Ciarapica gab den Text – genauer gesagt nur seinen zweiten Teil – auf Blogdei wieder, nachdem er bereits auf der Mena-Internetseite erschien. Die Teile eins und zwei von „Französische Juden haben die Schnauze voll“ [Le gran ras le bol de Français juif] bleibe auf der Seite von Mena frei verfügbar (hier und hier).
Dass Juffa den Text schrieb, macht den Vorwurf des Antisemitismus noch unfassbarer. Wenn es formell Ciarapica, der proisraelische Evangelikale ist, dem Antisemitismus vorgeworfen wird, dann ist es niemand anders als Juffa, der jüdische Redakteur von Mena, der beschuldigt wird. Was aber den Vorwurf zu einer nahezu perfekten Umkehrung der Wirklichkeit wie der moralischen Verantwortung macht, ist weniger die Identität des Autors des Artikels, als mehr sein Inhalt: denn, wie man bereits aus dem Titel ableiten kann, ist „Französische Juden haben die Schnauze voll“ eine Verurteilung des Antisemitismus in Frankreich. Der unmittelbare Zusammenhang für Juffas Text ist das abscheulichste antisemitische Verbrechen der jüngsten französischen Geschichte – der Ermordung von Ilan Halimi. Halimi war der junge französische Jude, der Anfang 2006 entführt und dann über einen Zeitraum von drei Wochen hinweg von einer Gang aus Bagneux in den Pariser Banlieus grausam gefoltert werde. Beim Verhör bei der Polizei machten Mitglieder der Gang – die sich passenderweise die „Barbaren“ nennt – kein Geheimnis aus dem antisemitischen Vorurteil, das die Gruppe beseelt.
Im ersten Teil von „Französische Juden haben die Schnauze voll“ verbindet Stephane Juffa den offenen Antisemitismus der Folterer des Ilan Halimi mit der verdrehten Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts in den französischen Medien und besonders zu Charles Enderlins al-Dura-Bericht auf France2. „Es ist sehr schwer zu verstehen“, schreibt er,
dass die islamistischen Möchtegern-Verbrecher von Bagneux sich vorstellten, dass sie damit, dass sie Ilan Halimi zu Tode folterten, unter anderem das „Märtyrerwerdung“ des kleinen Mohammed al-Dura rächen, die von Talal Abu-Rahma gestellt und mit Kommentar durch Enderlin versehen und von France Télévisions (die französische öffentlich-rechtliche Sendeanstalt) frei in Frankreich und in die vier Enden der Welt gesendet wurde.
Im zweiten Teil zieht Juffa dann die Verbindung zwischen den Verdrehungen der französischen Medien und Frankreichs traditionell pro-arabischer Nahost-Politik, die allgemein als „la politique arabe de la France“, also französische Arabien-Politik bekannt ist. Dann wendet er sich der Frage der Folgen für die französischen Juden zu: Hier bietet er eine Typologie der unterschiedlichen Wege an, wie die französischen Juden auf den Antisemitismus ihrer Umwelt antworten. Dieser Abschnitt ist es wert ausführlich gelesen zu werden: nicht nur wegen seiner selbst, sondern auch, damit der Leser – offenbar anders als Nicolas Bonnal, der Vorsitzende im Fall Ciarapica – den Zusammenhang des Abschnitts zu schätzen lernt, den das Pariser Gericht als antisemitisch beurteilen möchte. Enderlins Name erscheint in einer Liste einiger französisch-jüdischer Journalisten, die allesamt von Jufffa beschuldigt werden durch falsche oder tendenziöse Berichterstattung antijüdischen Hass geschürt zu haben.
All das muss im Kontext dessen verstanden werden, was Pierre Taguieff „La nouvelle judéophobiegenannt hat (auf Englisch hier erhältlich), den Tsunami des Antisemitismus, der Europa im Oktober 2000 zu treffen begann, kurz nachdem das Bild al-Durahs auf die europäischen Fernsehschirme traf und Ansammlungen europäischer Muslime und Linker auf die Straße ging und Israel beschuldigte wie die Nazis zu sein.
Shmuel Trigano argumentierte in einer Ausgabe „Controverses entitled Alter-juifs“ (d.h. Juden, die sich durch die Augen des feindlichen „Gegenüber“ betrachten), dass in den ersten Monaten des Medienangriffs auf Israel Alter-juifs für mehr als 70% der boshaftesten Angriffe in den MSM verantwortlich waren. Und das begann alles mit Enderlins Bericht:
Lassen Sie uns zurückkehren zu den Juden und den Methoden, die sie entwickelt haben, um sich in die Lage zu versetzen, um der Art zu widerstehen, wie andere sie betrachten: ein Blick, der voller Missbilligung und Kritik ist, wegen der unmenschlichen Unterdrückung, die die Palästinenser durch die Hand Israels erleiden – wenn man den Journalisten glauben kann, die ihre Ausbildung mit Abschlüssen in „französischer Arabienpolitik“ gemacht haben.
Für den jüngsten Fall dieser Ärt Dämonisierung – Dank an die Medien – kann man die Kommentare Bruno Guigues lesen, dem stellvertretenden Präfekten der Stadt Saintes im Südwesten. Wäre das unter Chirac passiert, wie es im Fall des (ungestraften) Kommentars des französischen Botschafters im Januar 2002 auf einer englischen Cocktail-Party geschah, als er Israel als diese „kleine Scheißnation“ bezeichnete, wäre er wahrscheinlich nicht gefeuert worden.
… Die Dritten sind die feigsten: Sie mischen Selbsthass und ihre Herkunft. Sie sind schnell zur Stelle, um im Voraus die Selbstkritik zu liefern, die von ihnen erwartet wird. Sie zögern nicht ihren Brüdern selbst erfundene Ritualmorde anzulasten, die direkt aus den zaristischen Intrigen oder Nazipropaganda stammen. Da gibt es zum Beispiel für Sara Daniel die systematische Vergewaltigung palästinensischer Mädchen durch Soldaten der israelischen Armee, die darauf abzielt, dass die Mädchen von ihren Familien hingerichtet werden.
Das stand in einem Artikel im Nouvel Observateur (ihr Vater ist der Herausgeber), am Ende eines Textes über „Ehrenmorde“ unter Palästinensern, in dem sie, um den Artikel ausgewogen zu gestalten, den grundlosen und völlig unbelegten Vorwurf „Les femmes palestiniennes violées par les soldats israéliens sont systématiquement tuées par leur propre famille. Ici, le viol devient un crime de guerre, car les soldats israéliens agissent en parfaite connaissance de cause. “ [Von israelischen Soldaten vergewaltigte palästinensische Frauen werden von ihren eigenen Familien systematisch getötet. Wir wird die Vergewaltigung zum Kriegsverbrechen, weil die israelischen Soldaten mit sicherem Wissen über die Folgen ihres Tuns handeln.]
Für Edgar Morin-Nahum ist es der atavistische Sadismus [der Israelis] und die Tendenz die Schwachen zu ermorden, nicht Nichtjuden; für Sylvain Cypel [von Le Monde] sind es Spionage und die Tendenz zu Verrat – eine aktualisierte Version der Vorwürfe gegen Alfred Dreyfus; für Dominique Vidal [vom Monatsmagazin Le Monde Diplomatique] ist es die jüdische internationale Verschwörung – die jedes Mal aus der Asche aufersteht, wenn der Antisemitismus Argumente braucht; und schließlich ist es die sadistische Ermordung nichtjüdischer Kinder für den wahrhaftigen Kriegspyromanen Charles Enderlin.
Und wegen der Einstellung solcher Anmerkungen eines Juden befanden Richter Bonnal und seine Mitarbeiter diesen Christen des Antisemitismus für schuldig. Wenn die Leute mich fragen, was meiner Meinung nach im Fall Enderlin gegen Karsenty geschehen wird, dann antworte ich: „Wie könnte ich das wissen? Die Wege der französischen Justiz sind geheimnisvoll.“
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