Der Mythos der palästinensischen Mäßigung

2. Mai 2008 at 18:08 | In Palästinenser, USA, die Welt+Nahost |
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Michael Freund, Jerusalem Post, 29. April 2008

Selbst für einen Präsidenten, der dazu neigt die englische Sprache falsch zu gebrauchen, hat George W. Bush sich letzte Woche selbst übertroffen.

Als er direkt neben Mahmud Abbas im Weißen Haus saß, schwärmte Bush von dem ihn besuchenden Palästinenserführer; er beschrieb ihn in Begriffen, die normalerweise für Helden und Heilige reserviert sind: „Der Präsident ist ein Mann des Friedens“, versicherte Bush der schnatternden Herde anwesender Reporter. „Er ist ein Mann der Vision. Er weist die Vorstellung der Benutzung von Gewalt zur Erreichung von Zielen zurück, was ihn von anderen Leuten in der Region unterscheidet.“

Bushs Grammatik mag an diesem Tag ungewöhnlich akkurat gewesen sein – seine Beschreibung von Abbas war alles andere. Denn selbst ein flüchtiger Blick auf einige der Ausbrüche des palästinensischen Präsidenten in den letzten Monaten offenbaren einen Mann, der solches Lob absolut nicht verdient.

Am 1. März hatte Abbas die Frechheit die Erinnerung an die sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden zu beschimpfen, als er erklärte, dass Israels Antiterror-Operationen im Gazastreifen „schlimmer als der Holocaust“ wären. (Jerusalem Post, 2. März).

Und in einem Interview am 28. Februar mit der jordanischen Zeitung Al-Dustur prahlte Abbas, dass er der erste Palästinenser gewesen sei, der nach der Geburt der PLO 1965 eine Kugel auf Israel abgefeuert habe.

Dieser vorgebliche „Mann des Friedens“ war dann ganz stolz auf die Tatsache, dass seine Fatah-Bewegung Hisbollah-Terroristen ausgebildet hatte und schloss außerdem nicht aus zukünftig zum „bewaffneten Kampf“ gegen Israel zurückzukehren. Und vor nur zwei Wochen plante Abbas die Al-Quuds-Ehrenmedaille, die höchste Auszeichnung der PLO, an zwei palästinensische Terroristinnen zu verleihen, die an der Tötung von Israelis beteiligt waren (Israel Radio, 16. April). Das Ereignis wurde erst abgeblasen, nachdem es in den Medien weithin veröffentlicht wurde. Müssen wir noch erwähnen, dass der palästinensische Präsident es Ende letzten Jahres ablehnte Israel als „jüdischen Staat“ anzuerkennen?

DAS straft natürlich Bushs hartnäckiger Befürwortung von Abbas als vernünftigem und klugem Führer Lügen, auf den man sich verlassen kann, um eine Friedenslösung zu schmieden. Wenn überhaupt, dann hat der palästinensische Präsident sich wiederholt als maßloser Hitzkopf erwiesen. Nichtsdestotrotz scheint das Washington und einen Großteil der Medien nicht aufzuhalten ihm den begehrten Titel eines „gemäßigten“ Führers zu verleihen, mit dem Israel handeln kann.

  • „Abbas’ moderate und vom Westen gestützte Regierung herrscht in der Westbank“, erklärte Associated Press hilfreich jüngst in einem Bericht (25. April).
  • Nach Angaben von Reuters (24. April) ist Abbas „ein pro-westlicher Gemäßigter“, während Agence France-Presse ihn am Montag als „moderaten palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas“ bezeichnete, als sei die Bezeichnung „moderat“ integraler Bestandteil seines Titels.

All dieses Katzbuckeln vor dem palästinensischen Gangsterboss wirft eine einfache, aber selten gestellte Frage auf: Warum gibt es dieses weit verbreitete Beharren darauf, die Öffentlichkeit dazu zu verleiten zu denken, dass Abbas ein „gemäßigter“ Führer ist, der die Mehrheit der Palästinenser repräsentiert?

Die Frage geht darüber hinaus akademisch zu sein. Fakt ist, dass sie direkt zum Kern der derzeitigen Politik der USA und Israels vorstößt.

Immerhin ist die gesamte intellektuelle Basis für die Sichtweise, dass den Palästinensern ein Staat gewährt werden muss, auf der dubiosen Annahme, dass eine Mehrheit von ihnen tatsächlich vernünftige, friedliebende Menschen ist. Es ist zu schade, dass alle zur Verfügung stehenden Beweise auf etwas anderes hinzudeuten scheinen.

Letzte Woche z.B. veröffentlichte das von Palästinensern betriebene Jerusalem Media and Communications Center die Ergebnisse einer Umfrage, die offenbarte, dass eine Mehrheit der Palästinenser (50,7%) Selbstmord-Bombenanschläge auf israelische Zivilisten befürwortet.

Das stimmt mit früheren Umfragen überein, die beständig eine überwältigende Unterstützung der Palästinenser für antiisraelischen Terror gezeigt haben. Erst letzten Monat stellte das Palestinian Center for Policy and Survey Research aus Ramallah fest, dass erstaunliche 84% der Palästinenser die grausige, hinrichtungsartige Ermordung von acht israelischen Jugendlichen durch einen palästinensischen Terroristen in der Mercaz HaRav-Yeschiva in Jerusalem unterstützten.

Und mit 64% gegenüber 335, also einer Quote von fast 2 : 1 waren die Palästinenser für fortgesetzte Raketenangriffe gegen israelische Städte.

Diese kalten, harten Fakten stellen die Unterstützer des Friedensprozesses vor ein großes Problem, selbst wenn sie nur bestätigen, dass schon die Vorstellung palästinensischer Mäßigung ein Märchen ist.

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