Terror in Jerusalem

7. Juli 2008 at 17:16 | In Israel, Jerusalem, Medien+Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser, Terroranschläge, Terrorismus | Leave a Comment
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Es ist zwar fast eine Woche später, aber die Inhalte dieses Editorials der Redaktion sind eigentlich zeitlos:

Jerusalem Post, Staff editorial, 3. Juli 2008, S. 13

Es wäre einfacher mit dem klar zu kommen, was am Mittwoch in Jerusalem geschah, wennw ir uns selbst davon überzeugen könnten, dass Jusam Taysir Dwayat einfach durchgedreht hätte, als der so mörderisch in Fußgänger, Autos und Busse hineinpflügte.

Könnte doch nur ein forensischer Psychiater belegen, dass der 30-jährige Baggerfahrer einen psychotischen Anfall erlitt, die ihn zwang, auf seiner Mammut-Maschine sitzend durch eine der engsten Engstellen der Stadt zu randalieren und so viele unschuldige wie möglich zu töten und zu verwunden, wie er konnte. Wir könnten entsetzt unseren Kopf schütteln, uns aber sagen, dass es letztlich keinen Schutz vor Verrückten gibt.

Aber die auf der Jaffa Road angerichtete Verwüstung war aller Wahrscheinlichkeit nach nicht das Werk eines Wahnsinnigen; uns von etwas anderes überzeugen zu wollen, wäre Einbildung.

Augenzeugen beschreiben die Szene eines Gemetzels. Dwayat begann seinen Ansturm von einer Baustelle an der nahe gelegenen Straße Sarei Yisrael aus; er rammte in einen Linienbus und verwundete Menschen entlang des Wegs, bevor er auf die Jaffa Road einbog – die noch verstopfter war als normal, weil an den Straßenbahngleisen gearbeitet wurde.

Während Fußgänger aus dem Weg spritzten, um nicht von dem Baufahrzeug zermalmt zu werden, fuhr der Killer in Richtung des Freiluftmarktes Mahaneh Yehuda, wobei er gezielt einen zweiten Linienbus heftig rammte und ihn umkippte. Er rammte und zermalmte einige weitere Fahrzeuge, die ihm im Weg waren.

Drei Menschen wurden getötet und jede Menge verletzt, bevor ein Soldat außer Dienst und ein besonders ausgebildeter Motorradpolizist es schafften auf den Radlader zu klettern und Dwayat, während er „Allahu akbar“ (Allah ist groß) schrie, erschossen.

Nur Stunden nach dem Mordzug war der umgekippte Bus wieder aufgerichtet und abgeschleppt worden. Der Radlader war ebenfalls entfernt, wie auch die zermalmten Autos. Freiwillige wuschen das Blut der Opfer von der Straße. Die Jaffa Road und die angrenzende Umgebung des zentralen Busbahnhofs nahmen ihr normales Erscheinungsbild an.

Aber die Menschen Jerusalems sind schwer traumatisiert worden. Es gibt das nagende Gefühl, dass die Ruhe, der sich die Einwohner jetzt seit einigen Jahren; seit dem inoffiziellen Ende der zweiten Intifada; erfreuen konnten, vorüber sein könnte – und dass die größte Gefahr aus dem Bereich innerhalb der Stadtgrenzen selbst kommt.

Dwayat wohnte in Sur Baher, einem palästinensisch-arabischen Viertel in der Nähe des Kibbutz Ramat Rachel im Südosten Jerusalems und innerhalb der Sicherheitsbarriere gelegen. Als Einwohner der Großstadt Jerusalem besaß Dwayat, anders als die der Westbank, einen blauen Personalausweis, der dem ähnlich ist, den alle israelischen Staatsbürger besitzen.

Das Verbrechen von Mittwoch bringt den Anschlag in Erinnerung, der erst vor drei Monaten im Lesesaal der Marcaz Havat-Yeschiwa statt fand; damals ermordete ein anderer Jerusalemer Araber, Ala Abu Dhaim aus Jebl Mukaber acht Schüler, bevor er von einem außer Dienst befindlichen IDF-Offizier erschossen wurde.

Neben einigen bemerkenswerten Ausnahmen habe die Araber Jerusalems dazu tendiert sich nicht in die zweite Intifada hineinziehen zu lassen. Aber in den letzten Monaten gab es eine Reihe von Zwischenfällen, darunter die Beinahe-Lynchung zweier Stadtinspektoren an der Saladin-Straße und den Versuch zwei Sicherheitsleute in der Altstadt zu ermorden, die das Augenmerk auf das richten, was ein Trend zur Radikalisierung zu sein scheint. Die arabische Bevölkerung der Hauptstadt hat bei den palästinensischen Wahlen von 2006 ihre Unterstützung der Hamas gegeben.

Die arabischen Viertel, die als Sprenkel den Großstadtbereich Jerusalems durchsetzen – nicht nur im Osten, sondern auch im Norden und Süden – wurden nach dem Sechstage-Krieg in die Grenzen der Hauptstadt übernommen; seine arabischen Einwohner bekamen blaue Personalausweise. Sie hatten die Möglichkeit die volle israelische Staatsbürgerschaft zu beantragen, entschieden sich aber in ihrer überwältigenden Mehrzahl dazu, das nicht zu tun, aus Solidarität mit der palästinensischen Sache.

Die Dichotomie, unter der diese Araber leben, scheint immer stärker gespannt zu werden. Sie mögen für Juden arbeiten; sie mögen Krankenversicherung und Sozialleistungen vom zionistischen Staat erhalten, aber kulturell und politisch sind sie vom sie umgebenden arabischen Milieu nicht zu trennen. Sie sehen dasselbe Satelliten-Fernsehen und hören die Prediger für dieselben radikalen Botschaften Partei ergreifen, wie ihre Landsleute in der Westbank und dem Gazastreifen.

Wir müssen zumindest wahrnehmen, dass dieser Rahmen – die Beziehung zwischen Jerusalems Arabern und Juden und ihre Auswirkungen auf die Sicherheit – wie er seit 1967 angewendet wurde, eine Neubewertung benötigt. Es anders zu sehen, würde uns der Selbsttäuschung überlassen.

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