Gegossenes Blei, 13. Tag
8. Januar 2009 at 23:30 | In Nahost-Konflikt, kurz notiert | 3 CommentsTags: Gaza-Krieg, Gazastreifen, Hanukka-Krieg
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Hamas-Charta:
“Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.” (Artikel 13)
ARD-Morgenmagazin: „Während der drei Stunden gestern konnten endlich mal LKWs in den Gazastreifen fahren.“ Fehldarstellung, denn Hilfslieferungen, das hat selbst die UNRWA zugegeben, hat es auch vor dieser Pause gegeben. Auch von den Begrifflichkeiten her scheint der Korrespondent nicht ganz im Bilde zu sein, wenn er von der „so genannten Philadelphia-Route“ redet – der Streifen wird „Philadelphi-Route“ genannt. Kein großer Unterschied, aber einer, der ein Bild davon gibt, wie firm der Mann tatsächlich ist.
Es bleibt immer noch fantastisch zu lesen: UNRWA-Sprecher Chris Gunnes sagt, Terroristen sind in UNRWA-Schulen verboten und verlangte eine „unabhängige“ Untersuchung der IDF-Berichte zu den von dort ausgehenden Schüssen. Er konnte nicht sagen, wer ein eine „unabhängige“ Gruppe für dies Untersuchung darstellen könnte. Man darf mit dem Kopf schütteln.
Er erklärte auch, die Terroristen seien in die Schule gekommen, nachdem die UNO Kinder und Lehrer wegen einer israelischen Militäraktion evakuiert hatte. „Wir haben ihnen nicht die Tür geöffnet.“ – Ah, wunderbar: Damit gibt er schonmal zu, dass Terroristen da waren. Aber ist das wirklich ein Fortschritt?
Die Hamas muss ihr Personal etwas einnorden – oder war das normal (die Zugriffe auf solche Seiten und Fernsehkanäle aus dem arabischen Raum sollen ja enorm sein). Jedenfalls strahlte Al-Aqsa-TV (wäre interessant zu wissen, von wo die inzwischen senden) volle sechs Minuten lang den polnischen Erotikkanal Patio TV aus. MEMRI spekuliert, dass der zuständige Techniker von dem Bild „Gaza bei Nacht“ gelangweilt war und ein wenig zappte, ohne zu merken, dass der von ihm angewählte Kanal damit auch über den Hamas-Sender verbreitet wurde.
Die tägliche Waffenruhe: „Aber Israel hat einen LKW mit Hilfsgütern beschossen, der Fahrer wurde getötet.“ Als ich das hörte, war ich erschrocken. Allerdings fiel mir auf: „Das wurde von der UN bestätigt.“ Was nichts anderes heißt, als dass die Palästinenser das behaupten und die Pali-Propagandisten der UNRWA usw. das als Fakt weiterleiten. Es ist nichts über ein Stellungnahme der Israelis zu hören. Ich bin mal gespannt, was ich nachher lesen werde, wenn ich wieder online bin.
SkyNews (Fernsehen, 15.15 MEZ) berichtet, dass Israel die Schüsse auf den LKW abstreitet.
n-tv sagt, es habe zwei Tote gegeben und Israel schweige sich zu dem Vorfall bisher aus (16.14 Uhr); dafür reden sie bei n-tv auch von einer zweiten Front, die eröffnet wurde.
SkyNews (19.00 MEZ) berichtet, dass die UNO alle Verteilung von Hilfsgütern eingestellt hat. Als Grund wird der Beschuss eines LKWs angeführt, der jetzt von einem Panzer erfolgt sein soll. Auf einmal gilt auch nicht mehr, was sie nachmittags sagten: Jetzt hat Israel weiterhin keine Stellung zu dem Vorfall genommen. Das ist offenbar die richtige Information.
Dafür hat kurz vor 16.30 MEZ die Jerusalem Post Informationen. Demnach behauptet zwar der Rote Halbmond, er habe die beschossenen LKW-Fahrer versorgt und rausgeholt, aber in Wirklichkeit waren es israelische Soldaten, die zwei Verletzte evakuierten, die sich inzwischen in einem israelischen Krankenhaus in Aschkelon befinden. Erstaunlich für den Beschuss durch einen Panzer: Die Leute haben Schusswunden, keine von Granatsplittern. Der Vorfall beim Erez-Übergang. Times online zitierte Richard Miron, UN-Sprecher in Israel, man habe die IDF über den Konvoi informiert, der sich auf dem Weg zum Erez-Übergang befand. Der Jerusalem Post erzählte Miron später, man sei sich nicht sicher, in welcher Richtung der getroffene LKW unterwegs war. Er sagte außerdem, die UNO wollten niemanden beschuldigen (und Angriffe auf die Konvois sollten von allen Seiten eingestellt werden). Da frage ich mich doch, wieso alle Medien berichten, dass die UNO sagt Israel habe den Konvoi beschossen? Widersprüche ohne Ende seitens derer, die Schuld zuweisen. Sollte sich irgendjemand wunder, dass ich so „skeptisch“ gegenüber Angaben dieser Leute bin?
SkyNews bringt (23.10 MEZ), dass die Hamas die Kampfpause nicht respektierte. Vorher wurde Majorin Leibovich interviewt; ich habe leider nicht mitbekommen, was sie über die Tötung des LKW-Fahrers sagte.
(Einschub: Der Artikel der Jerusalem Post ist anscheinend so gefragt, dass die nicht druckerfreundliche Seite derzeit nur Fehler produziert; deshalb habe ich die printerfreundliche Seite verlinkt. Es sieht so aus, als würden verdammt viele Leute wissen wollen, was los ist. Die IDF-Seiten müssten wirklich langsam. Stellungnahmen zeigen!)
Seitens Israels ist der PR-Kampf besser denn je. In diesem Fall aber scheinen sie in alte Verhältnisse zurückzufallen. Auch einen halben Tag nach dem Vorfall gibt es keine Stellungnahme dazu. Die Informationen stammen aus dem Feld; die Führung weiß offiziell nichts.
Das PFLP-GC übernimmt die Verantwortung für die Raketen (The Muqata, 2:59pm)
Der Muqata-Blog berichtet über Hamas-Raketen aus dem Gazastreifen während der dreistündigen Kampfpause und fragt, warum sie das tun; um 14.09 Ortszeit Raketenalarm und Explosionen in Aschkelon, 15 Uhr Ortszeit 2 Raketeneinschläge in Sderot, 15.28 Ortszeit Heckenschützenfeuer bei Sderot; Aussie Dave schreibt auch von „mehreren Raketen während der Pause“ und zählt noch einen Mörserangriff hinzu.
Palestine Today schreibt von den Katjuschas aus dem Libanon als „gegen besetztes Gebiet“ abgeschossen (Nahariya liegt in „nicht umstritten israelischem“ Territorium).
Ich weiß nicht mehr, welcher Sender das war, aber vorhin habe ich eine Karte gesehen, auf der die Reichweite der Raketen aus dem Libanon von 2006 sowie der am weitesten reichenden Raketen aus dem Gazastreifen eingetragen war – bleibt nicht wirklich viel von Israel übrig, das als „sicher“ bezeichnet werden kann.
Da waren sie alle schon auf Waffenstillstands-Kurs, die Hoffnung war so groß. Aber die Hamas will nicht. Vehemente Stellungnahmen, wie im Fall der Ablehnung durch Israel, fließen auch im Hintergrund nicht ein.
Da spielt sicher ein ganzes Stück Hoffnung mit: Die Hisbollah sagt, sie habe die Raketen auf den Norden Israels nicht losgeschickt. Die IDF scheint gleicher Meinung zu sein und hat nur kurz zurückgeschossen. Auch hier wird es spannend, was dabei noch herauskommen wird. Vor allem, was die UNIFIL angeht.
ZDF heute, 19.05 Uhr: „Noch immer lässt Israel keine Journalisten in den Gazastreifen.“ So ganz nebenher. Als hätten die ein Grundrecht darauf. Und natürlich wird nur die UNO-Darstellung berichtet. Die UNO, „die schon mehrfach vom israelischen Militär unter Feuer genommen wurde“. Na ja, die UNO, die ja nieeeeemals einen Hamas-Terroristen in ihren Reihen hatte (bis auf einen angeblich ohne Ansprüche entlassenen Schulleiter, der zu diesem Zeitpunkt schon tot war).
sat.1, 20 Uhr: Erstmals wird in diesen Tagen nicht nur von Israel gesagt, dass es einen Waffenstillstand ablehnt. Bei sat.1 hieß es diesmal sogar nur von der Hamas, sie lehne einen Waffenstillstand ab. (Wahrscheinlich, weil Israel sich heute gar nicht dazu geäußert hat?)
Es wäre schon erfreulich, wenn in Sachen Krieg im Gazastreifen in der Berichterstattung etwas mehr berücksichtigt würde, was nicht nur die Spatzen von den Dächern pfeifen, sondern auch von (zugegebenermaßen vereinzelten) palästinensischen Stimmen kritisiert wird: Der Missbrauch von Zivilisten mit gezieltem Einsatz als potenzielle Leichen für die PR-Arbeit. Gut, das wissen die Gutmenschen alle – und wenn die Opfer keine Juden sind, dann sind es die falschen Opfer. Die Juden haben sich nicht zu wehren!
Aus den USA kommt eine Umfrage: Ob man (bei dem gegenwärtigen Krieg) für Israel oder für Palästina sei. Mal abgesehen davon, dass es „Palästina“ ja überhaupt nicht gibt, ist es sehr interessant, dass auch Kommentare abgegeben werden können. Die werden dann zum Voting des jeweiligen Users eingestellt. Und da tut sich dann ein Abgrund auf – beim größten Teil derer, die für „Palästina“ stimmten. Vom äußerlichen und inhaltlichen Müll sondern sich die pro-Israel-Voter deutlich ab; selbst die, die militärische Erfolge mit Toten wünschen (Einzelfälle und nicht unbedingt erfreulich), machen deutlich, dass sie diese Toten ausschließlich unter den Hamas-Angehörigen wünschen, nicht unter den Palästinensern. Solche Verallgemeinerungen sind den Terror-Freunden vorbehalten.
Eine zutreffende Karikatur beim HR Media Backspin-Kriegsblog: „Bitte schauen Sie, wie die israelische Armee auf diese unschuldigen Kinder schießt, sobald ich diese Rakete abgeschossen habe.“ HR bezeichnet die Karikatur als „Kollateralschäden warten darauf einzutreten“. Hört sich auf Deutsch etwas blöde an, weil nicht unterstellt werden soll, dass diese Schäden selbst gerne als solche enden wollen.
Lese-Tipps:
- Ein aufrechter Israel-Kritiker (Der Lindwurm, mit einer tollen Fotomontage!)
- Gegossenes Blei und Berichterstattung am Beispiel der FAZ, Teil 2 (Zeitung für Schland)
- Der Krieg der israelischen Soldaten (Lila)
- Fanatiker auf beiden Seiten (Gideon Böss – kurz und knackig!)
- Der SPIEGEL „übersetzt falsch“ (= lügt; Leben in Jerusalem)
- Hausbrauerei (David Harnasch über „selbstgebaute“ Katjuschas aus dem Libanon)
- Europa erhebt sich (Walter Schmidt)
- Europäische Antisemiten leben ihren Judenhass aus (Sarah Maria Brech)
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[...] Muslime schon mal unter Slogans wie "Geht zurück in die Öfen, Juden!". Auf Heplev’s Blog kann man wunderbar lesen, was die Qualitäts- und GEZ-Medien uns verschweigen. Man kann [...]
Pingback von Die Nörgelecke :: Israel: “Operation Cast Lead” :: January :: 2009 — 9. Januar 2009 #
UNRWA-Sprecher Chris Gunnes
Der wurde gestern im ZDF als Sprecher des IRK bezeichnet. Wie geht das?
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Aber Israel hat einen LKW mit Hilfsgütern beschossen, der Fahrer wurde getötet.“ Als ich das hörte, war ich erschrocken. Allerdings fiel mir auf: „Das wurde von der UN bestätigt.
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Da ging es mir genauso wie dir.
Kommentar von Bernd Dahlenburg — 9. Januar 2009 #
Die deutschen Qualitätsmedien geben “Pallywood News” unreflektiert wider. Das schlimmste ist, dass die ganzen linken Gutmenschen, die sonst immer mediale Verfälschung wittern, die Unwahrheiten sofort glauben.
Kommentar von Noergler — 10. Januar 2009 #