Gegossenes Blei, 14. Tag
9. Januar 2009 at 23:10 | In Nahost-Konflikt, kurz notiert | Leave a CommentTags: Gaza-Krieg, Gazastreifen, Hanukka-Krieg
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Hamas-Charta:
“Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen … Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung.” (Artikel 13)
Heute läuft offiziell die Amtszeit des Vorsitzenden der Autonomiebehörde aus (fälschlich ständig als „Palästinenser-Präsident“ bezeichnet). Ob Mahmud Abbas wirklich Schluss macht? Ich neige zu einer Wette, dass das nicht eintritt. Womit die „Verfassung“ der PA mal eben kräftig verletzt würde.
Der schwedische Migrationsrat hat den Blogger Lennart Eriksson gefeuert. Auf Israels Seite zu stehen und dann noch so unverschämt zu sein die Hamas als „terroristisch“ zu bezeichnen, ist ja auch zu viel verlangt für so ein Amt!
UNSC-Resolution 1860: Natürlich wird nur Israel wirklich erwähnt, die Hamas nicht namentlich und nur ansatzweise indirekt. Israel soll sich sofort zurückziehen. Und dann? Glauben die im Sicherheitsrat, dass dann die Hamas auch Ruhe gibt? Vollidioten! Am unverständlichsten ist die Haltung der USA, die einerseits eine ägyptische Initiative abwarten wollen, aber gleichzeitig eine einseitige Resolution nicht blockieren. Es gibt eine „Partei“ in diesem Krieg, die keinen Frieden will, die sich der Vernichtung der anderen – Israels – verschrieben hat und das findet in diesem Dokument keinerlei entsprechende „Würdigung“.
Die UNO hat auch auf den Raketenbeschuss aus dem Libanon reagiert. In der üblichen Form: Die Zahl der Raketen wurde halbiert und Israel zu „maximaler Zurückhaltung“ aufgefordert. Kein Wort zu denen, die die Raketen verschossen haben (außer einer allgemeinen „Verurteilung“ der Raketenschüsse durch den Generalsekretär). Das ist das Bilder der UNO, wie sie leibt und lebt: Israel soll sich still und leise vernichten lassen!
SkyNews (6.35 MEZ): „Die Hamas hat weiter Raketen verschossen, vier davon auf Beer Sheva, das bisher nicht beschossen wurde.“ Was für ein „gut“ informierter Blindfisch! Fragt mal Ruth – d.h. lest mal bei ihr, was in Beer Sheva los ist und seit wann.
Eine israelische Stellungnahme zu dem toten Konvoi-Fahrer gibt es immer noch nicht. (6.40 MEZ)
Sebastain Engelbrecht erzählt im WDR2, was es mit Israel und UN-Resolutionen auf sich hat, ganz nüchtern und ohne Wertung – scheinbar. Denn erstens geht es darum, dass Israel ohnehin UN-Resolutionen ignoriert (was ist mit den Terroristen? Ach ja, die werden in solchen Resolutionen ungern erwähnt und sind als nichtstaatliche Akteure auch an gar nichts gebunden!) und zwar schon länger. Dazu führt er u.a. eine nicht bindende Resolution der Vollversammlung zur „Sperrmauer“ (Zaun, Herr Engelbrecht!) an. Aber auch die Resolution 242 von 1967, die von Israel seit über 40 Jahren ignoriert wird und „den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten Westbank und Gazastreifen fordert“. Herr Engelbrecht geruht die in der Resolution dazu enthaltenen Forderungen an die arabische Seite auszulassen, die die Voraussetzungen für den Rückzug bilden; und er übernimmt die falsche Angabe, dass aufgefordert wurde sich „aus den“ Gebieten zurückziehen soll. Ahnungslosigkeit, Ignoranz oder bewusst geäußerte Unwahrheit?
Mal sehen, wie sich die Meldungen weiter verändern: AP meldet (SkyNews-Ticker, 14.10 MEZ), dass der UN-LKW-Fahrer von israelischem Gewehrfeuer getötet wurde. Das ist jetzt die dritte Version/Ursache, die die UNO von sich gibt und nur eines bleibt gleich – der angebliche Täter IDF. Entweder sind die von der UNO zu blöde zu identifizieren, was für eine Waffe/Munition zum Tod des Mannes führte oder wir wurden wissentlich und willentlich in die Irre geführt. Beides spräche dann um so mehr für die Version, die der israelische Sanitäter gestern der Jerusalem Post erzählte.
Außen-Staatssekretär Gerler hält einen Bundeswehreinsatz im Gazastreifen für möglich. Was will er da machen? Terroristen bekämpfen? Oder die Israelis daran hindern Terroristen zu bekämpfen?
Arafats Leibfotograf, Ihad al-Wahidi ist einem Bombenangriff erlegen. Auch Ma’an bringt die Nachricht – ohne die Verbindung zu Arafat.
Hamas-Terrorversprecher Abu Ubaidah sagt, die Hamas wolle weitere weiter weg liegende israelische Orte unter Feuer nehmen. Mit anderen Worten: Sie wollen mehr Zivilisten unter Feuer nehmen als je zuvor. Wo bleibt der Aufschrei der Menschenrechtler?
Um 14 Uhr Ortszeit (13 MEZ) entschied die Regierung, dass die Offensive gegen die Hamas fortgesetzt wird. Über verschiedene Newsticker konnte man lesen, dass das Kabinett verlauten ließ, das Verhalten der Hams zeige, dass eine Waffenruhe nicht funktionieren kann.
SkyNews-Nachrichtensprecherin befragt Mark Regev und muss erst einmal korrigiert werden: Premierminister ist Ehud Olmert, nicht Ehud Barak.
Die Frage, warum ein Waffenstillstand nicht machbar ist, ist einfach beantwortet: Die Hamas hat ihn abgelehnt.
Die immer unvermeidliche Frage: Wann geht ihr aus Gaza wieder raus? Antwort: Wenn Ruhe herrscht und die Hamas die Waffen streckt. Außerdem muss ein Mechanismus geschaffen werden, der den Terror gegen Israel verhindert.
Dieselbe Frage wird in neuen Worten immer wieder gestellt, begleitet von Plattitüden („Konflikt ist nie fair…“). Halten die den Israeli für blöde? Sie bekommen natürlich immer wieder dieselbe Antwort.
„Sie erkennen aber UN-Schulen nicht an, oder?“ Was für eine Unverschämtheit! Regev erklärt auch das wieder: Hamas hat die Schulen in militärische Positionen verwandelt, deshalb musste Feuer von dort erwidert werden. „Zwei respektierte Nachrichten-Agenturen“ haben bestätigt, dass es sich um Hamas-Stellungen handelt. „Finden Sie es richtig, geschützte Einrichtungen und unschuldige Zivilisten zu beschießen?“ Die Frau ist unglaublich. Sie akzeptiert internationales Kriegsrecht nicht. Sie ignoriert, dass die Hamas für die Toten verantwortlich ist, weil sie Zivilisten menschliche Schutzschilde benutzt und möglichst viele Tote haben will. Die Frau besteht darauf, dass die IDF nicht auf die Hamas schießen darf, wenn die sich menschliche Schutzschilde besorgt – mit anderen Worten: Ihr Scheißjuden habt euch gefälligst umbringen zu lassen!
Als nächstes kommt ein Gespräch mit einem PalAraber (Adnan Rashid?), den ich auch schon öfter seine Tiraden habe abgeben sehen. Der darf spekulieren, warum die Hamas die UNO-Aufforderung abgelehnt hat. Antwort: „Wegen der Reaktion der israelischen Regierung darauf.“ Hm, die kam erst heute Mittag, lange nach der Ablehnung durch die Hamas. Macht ja nichts. Ah, der Mann ist ein „gewöhnlicher Bürger“! Das ist interessant. Dafür ist er zu oft im Fernsehen.
Oh, der Mann behauptet, die Israelis hätten selbst gesagt, dass in den UNO-Schulen keine Terroristen – stopp: „Militante“ – waren, als die Israelis sie beschossen; klare Lüge. Aber das ist auch alles egal, die Gewalt muss stoppen, blablabla – alles, was Israel seiner Meinung nach tun muss bzw. zu lassen hat, das alles auf eine Frage nach den Raketenschüssen nach Israel. Er hat sich nicht ansatzweise zu Hamas und deren Verantwortung und schon gar nicht zum Raketenterror geäußert. Und die Moderatorin nimmt das nicht zum Anlass nachzuhaken. Wenn dieser Mann ein „gewöhnlicher Bürger“ und kein Propagandist der Terroristen ist, dann bin ich der Kaiser von China.
ARD-tagesschau 16 Uhr: Die behaupten einen Raketeneinschlag in Aschkelon zu zeigen, dabei ist es ein Raketenabschuss aus Gaza. Es wird betont, dass Israel „trotz der UN-Resolution“ die Angriffe gegen die Hamas fortsetzt. Äh – was ist mit der Hamas? Da braucht es erst wieder Richard Schneider live vor Ort, damit das vernünftig klar gestellt wird.
Die Redaktion reitet auch darauf herum, dass die Hamas immer noch Raketen verschießt und will damit offensichtlich sagen, dass die Kriegsanstrengungen der Israelis nur vergebens sein können. Auch hier hat Schneider wieder klarere Worte: Die Israelis haben von Anfang an gesagt, dass sie das nicht schnell schaffen können; außerdem werden die Terror-Raketen (meine Formulierung) inzwischen aus den kleinen Gebieten der Städte verschossen, die dicht besiedelt sind und gegen die die Israelis nicht einfach so vorgehen wollen (aha, so viel zu den rücksichtslos Krieg gegen die Zivilbevölkerung führenden Israelis, nicht wahr?).
Interview mit IDF-Koordinator Eli Isaacson auf BBC (16.05 MEZ): Die IDF arbeitet mit den übrigen humanitären Organisationen zusammen, man ist nicht wirklich auf die UNRWA angewiesen. Das ist auch mal eine Tatsache, die in den Medien nicht thematisiert wird: Es ist lediglich die UNRWA, die sich entgegen den Interessen der Zivilbevölkerung verhält. Das darf sie, das ist ihr gutes Recht. Mehr aber auch nicht. (Vor dem Grenzübergang von Rafah stehen LKWs der Welthungerhilfe und werden nicht durchgelassen.) Der BBC-Reporter vor Ort fragt die UNRWA-Tussi: Wie viel Vertrauen haben Sie in die Israelis, was die Sicherheit Ihrer Leute angeht? Es folgt eine gehässige Tirade mit allen Vorwürfen, die sie in den letzten Tagen hingelogen haben. Klar, Israel muss schuld sein. Die hatte eben noch gesagt, dass drei ihrer Fahrer getötet wurden. Da es gestern einen gab (es wird gelegentlich auch behauptet, es seien zwei gewesen, was aber durch nichts belegt ist), wer hat wohl die beiden (einen) anderen getötet?
Isaacson hatte doch tatsächlich die Stirn die BBC-Zahlen über Tote und Verletzte nicht voll und ganz als Fakt zu akzeptieren. Oh, das kam aber gar nicht gut. Nicht wörtlich hat er gesagt: „Das sind Zahlen, die von den Palästinensern geliefert werden, sie sind also nicht verifiziert und wahrscheinlich ziemlich übertrieben.“ So etwas lassen sie sich bei der BBC nicht gefallen, jedenfalls nicht von einem Israeli!
Die Kampfpause fand heute nicht statt. Die Hamas hatte weiter Raketen gefeuert und Israel hatte gesagt, wenn das passiert, dann gibt es die Pause nicht. (BBC, 16.20 MEZ) SkyNews hat an der Grenze zum Gazastreifen natürlich nur die Ohren aufgemacht, Artillerie und schwere Maschinengewehre gehört (angeblich alles Israel) und so glücklicherweise die Raketen der Hamas verpasst. (17.15 MEZ)
Gestern hatten Menschen in Sderot einem Al-Jazira-Reporter verbal gezeigt, was sie von seinem Sender halten. Heute zeigten die Bürger der Westbank, wie sie mit ungebetenen Reportern umgehen: Sie werfen Steine, nicht nur auf Israelis, sondern auch auf Reporter. Der Muqata-Blog (2:07pm) ist sich ziemlich sicher, dass das Video davon nicht auf YouTube auftauchen wird.
BBC, 18.00 MEZ: „Dies ist die Antwort der Israelis auf die UNO: Bomben auf Gaza.“ Die Hamas kommt erst im weiteren Verlauf vor: „lehnt den Waffenstillstand auch ab“. Ach ja: Israel wird innerhalb von zwei Sätzen mehrfach vorgeworfen „entgegen allem internationalen Recht“ gegen Zivilisten vorzugehen. Die Hamas scheint sich nach dieser Berichterstattung der BBC an das internationale Recht zu halten!
tagesschau, 20 Uhr: Gaza Stadt am frühen Morgen. Die Hamas verschießt selbst gebaute Raketen und ignoriert damit von vorneherein den Waffenstillstandsvorschlag der UNO. Doch Israel fliegt wieder Angriffe. Hallo? Was denn sonst? Sollen sie schon wieder stillhalten und ihre Bevölkerung straflos beschießen lassen? Das hätten sie in Hamburg gerne, das würde bei denen passen! Die einen schießen, sind gegen alles, was den Krieg beenden würde, aber Israel schießt „trotzdem“ und ist damit der Böse?
Lichtblick wieder mal Richard Schneider, der die Lage neutral schildert und darauf aufmerksam macht, dass Israel eine ganz wichtige Forderung hat, mit der keiner umzugehen weiß, vor allem, weil Ägypten sein eigenes Spielchen treibt und „die anderen eigentlich auch nicht wissen, was sie tun sollen“. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „die wissen nicht, was sie tun sollen“, um Israels Sicherheitsansprüche in die Realität umsetzen zu können! Aber Resolutionen verabschieden, das können sie.
Die neue Entwicklung in der Sache der beschossenen UNRWA-Schule mit den 30 Toten: Es gibt jetzt (auf einmal!) „zuverlässige Augenzeugen“, dass die IDF die Leute am einen Tag dort hingeschickt und -gebracht habe und sie dann am nächsten Tag einfach beschoss. Die IDF streitet kategorisch ab, Gruppen von Zivilisten von hier nach dort zu schicken. „Das machen wir nicht“, sagte Majorin Leibovich schlicht. Bei dem, was schon alles an – sagen wir mal: „Ungereimtheiten“ aus den UNO-Quellen gekommen ist, kann man sich vorstellen, was hier läuft. Nur die Qualitätsmedien, die stellen sich nichts vor, die nehmen alles für bare Münze, was von der UNO kommt, denn die ist der Herrgott. Mit ein wenig geografischen Kenntnissen (oder wenigstens Kenntnissen im Karten lesen) hätten sie einiges Interessantes feststellen können (s. „Ein Wort der Vorsicht an alle“ in den Lesetipps weiter unten).
Oh, oh: Wenn die von SkyNews vorgestern gewusst hätten, mit wem sie sich ihre Sensation heischende Wortwahl teilen, hätten sie es vielleicht nicht gesagt: „Israels Blitzkrieg gegen Gaza“ (wörtlich: Israels blitz on Gaza) gehörte Mittwoch zur morgendlichen Weck-Propaganda. Gleiches sagte der Nazi-Sympathisant Pat Buchanan und legte noch schnell ein „Konzentrationslager“ nach. Heißt das aber nicht eigentlich, dass jetzt Die Tochter, Rupert Neudeck, Udo Steinbach und wie sie alle heißen den Mann in die Arme schließen müssten, weil er ihnen doch aus dem Herzen spricht?
Aus dem Iran kommt die nächste Propganda-Salve, die eigentlich auch nur eine Frage der Zeit war: Israel soll verbotene Munition benutzen. Mad Mads (der norwegische Maoist im Arztkittel) liefert natürlich auch dafür „Verdachtsmomente“. Die betreffenden Granaten, die der Beweis sein sollen, sind allerdings einfach nur Rauchbomben, um Nebelbänke zu legen, die den Soldaten Deckung geben können.
Lese-Tipps:
- Ein Wort der Vorsicht an alle (Lila über die Glaubwürdigkeit der Augenzeugen aus Gaza)
- Es haut mich immer wieder um (Lila über die UNSC-Resolution 1860)
- Die Fernsehbilder vom Krieg in Gaza lügen (DIE WELT, ich wollt’s kaum glauben; aber wenn das eine große deutsche Zeitung bringt, dann diese)
- ..And even uglier (Melanie Phillips hat Augenzeugenberichte von Antiisrael-Demonstrationen gesammelt; Text in Englisch)
Qualitätsmedien/Fauxtographie/Pallywood:
- CNN hat eine Krankenhausszene veröffentlicht. Was da passiert ist reichlich seltsam. Der behandelnde Arzt ist der maoistische Norweger Mads Gilbert (im letzen Link Suchfunktion benutzen). (Auch Fox News hat mehr über den Propaganda-Doktor.)
- CNN hat nicht nur das fragliche Video entfernt, sondern die ganze Seite, auf der es stand. Ein Grund wurde nicht angegeben.
„Friedens“-Demonstranten:
- Ausschreitungen in Oslo (durch Terroristen-Freunde)
- Freiburg (israel-network – der Text beschäftigt sich weit intensiver mit dem Umfeld, allerdings zurecht)
Das Bildchen aus dem Titel dieser Rubrik gibt’s auch etwas schicker:

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