Wer ist laut ADAC „alle“?

16. April 2009 at 19:53 | In Deutschland, Gesellschaftspolitik, aua | 2 Comments
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Ab und zu muss auch mal was anderes raus, jedenfalls, wenn man damit Luft ablassen kann.

Heute fiel mir die aktuelle „ADAC Motorwelt“ in die Hände. Die hat es auf Seite 3 gleich in sich: „Abwracken boomt – und alle profitieren“ titelt Chefredakteur Ramstetter – und schwärmt erst einmal eine halbe Seite von der neuen E-Klasse, die ja bekanntlich von der Abwrackprämie überhaupt nicht profitiert. Aber dann kommt er von der Ausstattung der E-Klasse doch noch rüber zur Prämie – weil ja „viele der elektronischen Sicherheitsaggregate der neuen E-Klasse… längst auch für kleinere Fahrzeuge Standard“ sind und „sich wie selbstverständlich in den vielen Neuzulassungen“ wiederfinden, die …

Und dann hebt er darauf ab, dass der ADAC-Präsident ja schon ganz früh eine Erhöhung dieses „höchst erfolgreichen Konjunktur- und Umweltprogramms“ forderte, was dann nicht nur die Bundesregierung machte, sondern auch noch 12 andere Länder Europas die Prämie übernehmen ließ. Bei denen schlägt sich natürlich nicht so ein wie bei uns. Aber: „Die meisten Menschen reagieren positiv auf die Möglichkeit, ein altes Auto günstig durch ein neues, umweltschonendes, sichereres und auch schöneres Fahrzeug zu ersetzen.“

Und alle, alle profitieren: der Staat (zusätzliche Mehreinnahmen), die Kommunen (höhere Gewerbesteuer-Einnahmen), die Natur (modernere, abgasarme Fahrzeuge), die Autohersteller, die Autohändler, die Verbraucher…

Wirklich?

Die Gebrauchtwagenhändler sagen etwas ganz anderes. Mal sehen, ob der ADAC das auch irgendwann merkt.

Und wenn ich lese, dass die meisten Menschen positiv auf die Möglichkeit reagieren ein altes Auto günstig durch ein neues … zu ersetzen, dann schwellen bei mir ein paar Adern. Denn es geht den Deutschen leider nicht um den Umweltschutz. Auch nicht um die Wirtschaft oder die Konjunktur. Die Leute „reagieren positiv“, weil sie etwas vom Staat kassieren können. Das ist der Hauptgrund dafür, dass Hunderttausende guter Kraftfahrzeuge, die locker noch einige Jahre fahren könnten, jetzt zu Schrott gemacht werden. Wirtschaftlicher Unsinn ohne Ende.

Die Erfahrung von Steuerberatern zeigt, dass viele alles tun, wenn es darum geht vom Staat Geld zu bekommen bzw. ihm dieses nicht zukommen zu lassen. Dafür verschulden sie sich gegebenenfalls auch bis an den Rand des Bankrotts. Eine Einstellung, die leider weit verbreitet ist. Beim Staat abgreifen, was möglich ist – ohne Rücksicht auf Verluste. Tolle Motivation!

Die Bundesregierung hat aufgestockt. Die Folge ist eine Blase die nach der Verpulverung von fünf Milliarden Euro platze wird. Schon jetzt ist die Sache ein Witz, weil ausschließlich am unteren Rand der Modellpalette eingekauft wird. Weil Milliardenwerte vernichtet werden, denn jede Menge verschrotteter Autos sind mehr wert als die Prämie. Das ist kein gewissenhafter Umgang mit Ressourcen, sondern das Gegenteil. Ganz zu schweigen davon, dass die Großausgabe Kraftfahrzeug anderen Konsumgüterbranchen Umsatz nimmt.

Und der ADAC klatscht dem Beifall. Das zeugt nicht von gesundem Menschenverstand, sondern nur davon, dass einem Trend hinterher gerannt wird. Und schon gar nicht von unabhängiger Meinung oder gar der Sicht des Großen und Ganzen. Der ADAC entpuppt sich einmal mehr als ein Verein Scheuklappen tragender Schmalspurlobbyisten, die sich lediglich dank Mitgliederstärke Einfluss zusprechen können.

2 Kommentare »

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  1. Ich könnte auch meinen zehnjährigen Erdgas-Caddy gegen einen Rumänen-Hobel eintauschen, der im Abgas-Vergleich sicher schlechter abschneidet.
    Außerdem nähme ich z.B. einem Fahrer eines 25-jährigen Sierra die Möglichkeit ein Upgrade zu machen, so er sich nicht ein neues Fahrzeug kaufen will.
    Ökonomischer und ökologischer Schwachsinn!

  2. Der ADAC vertritt Autofahrerinteressen, der Jubel über die unselige Abwrackprämie ist hier nur natürlich.

    Was die CDU getrieben hat diese durchzustzen wird mir immer unklar bleiben. Auf jeden Fall muss Merkel weg, noch nie einen so schlechten Unionspolitiker in einem wichtigen Amt gesehen.


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