Amoklauf in Fort Hood – „Plötzlicher Jihad-Syndrom“?

6. November 2009 at 15:07 | In Terroranschläge, USA | Leave a Comment

Die Spekulationen schossen gleich massenhaft ins Kraut. SPON berichtet – ohne ein Forum für Diskussionen freizuschalten, seltsam… – und schreibt, dass z.B. Debbie Schlussel in ihrem Blog vermerkte: „Noch so ein loyaler, moderater, amerikanischer Muslim.“

Unsere Medien, das Militär und wohl auch der größte Teil der US-Medien und der Politik sind vorsichtig. Es ist von einem Einzeltäter die Rede, in dem Sinn, dass er auch vom Hintergrund keine Mittäter, Anstifter oder Unterstützer hatte. Dass er keine aktiven Täter im Sinne von weiteren Mordschützen hatte, war rasch klar.

Das Abwiegeln dient vor allem der Beruhigung – es wird befürchtet, dass sich Ressentiments bilden oder verstärkt werden. Man möchte nicht, dass Überreaktionen kommen. Berechtigte Anliegen, die aber auch der Political Correctness in die Hände spielt und zur Unterdrückung anderer berechtigter Sorgen und Anliegen dienen. So sind Muslimverbände sofort mit Klagen dabei, jetzt seien die Muslime gefährdet. Das war bisher so praktisch nicht der Fall, trotzdem dient es natürlich als Vorwand Leuten wie Schlussel vorzuwerfen, sie würden die Stimmung schüren.

Tun sie das wirklich? Oder ist das nicht wieder eine Gelegenheit Kritikern zu verbieten Finger in Wunden zu legen und Probleme aufzuzeigen?

„Natürlich“ ist Schlussels Reaktion einseitig, nicht moderat und konzentriert auf einige ganz spezifische Indikatoren: Muslim, gläubiger Muslim, Palästinenser usw. Aber ist es verwunderlich, dass es Leute gibt, die so denken?

Von der Familie des Mörders kommen Schwüre, man sei schockiert und bestürzt, liebe Amerika usw. Das kennen wir von jihadistischen Mördern nicht nur in den USA. Deren Familien haben immer geschildert, wie nett, harmlos und anständig ihre mörderischen Familienmitglieder gewesen seien und dass die Familien in Amerika Zuhause seien, gegen Gewalt seien, die Tat nicht verstehen. Wenn ein Einzeltäter mordet, dann ist es allerdings unbedeutend, wenn die übrige Familie friedlich ist. Wenn das stimmt, dann bedeutet es nur, dass sie den Täter nicht falsch beeinflusst hat. Anders sieht es mit den Beschreibungen der Täter selbst aus. Entweder haben die Familien – ob nun durch Wegschauen oder die Heimlichkeit des Jihadisten – nicht mitbekommen, was da abging oder sie haben es unterstützt und versuchen sich nun selbst zu schützen.

Im Falle des mordenden Psychologen sieht das etwas anders aus. Wenn das stimmt, was über SPON zu uns dringt (vielleicht ist ja auch das auch nur Gerücht), dann gibt es eine Konflikt-Geschichte zwischen dem Major und dem Militär. Angeblich soll er schon nach dem 11. September versucht haben aus dem Militär entlassen zu werden. Weshalb, das wird (noch?) nicht gesagt. Dann heißt es, er sei mit der Kriegspolitik Obamas nicht einverstanden und „immer aufgewühlter“ gewesen. Außerdem hatte er offenbar entsetzlich Angst vor seiner anstehenden Versetzung in den Irak.

Jetzt kann man in zwei Richtungen denken: Einerseits kann man rein vom psychischen Stress ausgehen, der den Mann durchdrehen und den Amoklauf begehen ließ. Man kann aber auch die Motive hinterfragen, die die Einstellungen des Mannes bedingen – und die bisher nicht bekannt sind. Warum wollte er schon nach den Anschlägen in New York und Washington aus dem Militär raus? Was brachte ihn an Obamas Kriegspolitik auf? Wie sah es damit zur Zeit von George W. Bush aus?

Fragen, die erst beantwortet werden müssen, um die Situation bewerten zu können. Die ausstehenden Fragen lassen viel Raum für begründete Spekulation auf beiden Seiten. Und da haben im Moment diejenigen bessere Karten, die sich über „noch so einen loyalen, moderaten, amerikanischen Muslim“ aufregen oder finden, es liege ein weiterer Fall von – wie Daniel Pipes es nennt – „Plötzlicher Jihad-Syndrom“ vor.

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