„Ist das Antisemitismus?“

25. Februar 2010 um 17:21 | Veröffentlicht in Alibi-Juden, Medien+Nahost | 2 Kommentare
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Wenn die „Neue Rheinische Zeitung“ diese Frage stellt, dann erledigt sich für ihre Redakteure und Beitragsschreiber die Antwort eigentlich schon von selbst, denn es ist eine rhetorische.

Natürlich ist es Antisemitismus, wenn einer behauptet, der Holocaust sie gar nicht (so) durchgeführt worden, weil die Krematorien in Auschwitz nicht die ausreichende Kapazität hatten. Natürlich ist es Antisemitismus, wenn Juden Verbrechen beschuldigt werden, die sie weder begangen haben noch vorhaben sie zu begehen. Und natürlich ist es Antisemitismus, wenn man den Juden Israels vorwirft, sie würden Völkermord begehen, Araber in KZs halten und die westliche Welt unter ihrer Fuchtel halten.

Wenn dieser ganze Müll von „links“ kommt, dann haben wir eine linksbraune Soße, die sich um keinen Deut besser gibt als die Gülle von rechts draußen. Der ganze Trupp an Leuten, die die oben angeführten Äußerungen regelmäßig und öffentlichkeitswirksam von sich geben, wird in der NRhZ als Zeugen für das Gegenteil angeführt: Aus Norman Finkelstein wird ein pro-zionistischer Aktivist. Wolfgang Benz ist „viel zu differenziert, um platte Kampagnen anzufüttern“ (merke: Kritik an Antisemiten ist immer platte Kampagne), der Kölner Klagemaurer ist völlig koscher, und Felicia Langer, Evelyn Hecht-Galinski und Uri Avnery stellen Israels Überlebenschance durch Ausgleich mit den Nachbarn statt der „Eskalationspolitik der letzten Jahre“ sicher – wenn man sie den lässt. Dabei wird dann Rolf Verleger mit seiner „Jüdischen Stimme“ zum Kronzeugen dafür, dass Juden nichts gegen die Pappnase Ilan und Norman Finkelstein hätten, während sich Grüne und Rosa-Luxemburg-Stiftung perfiderweise auf die Seite des Bösen schlagen.

Sich selbst halten die Antisemiten-Leugner natürlich für progressiv, intelligenter und differenzierter als alles, was sie als pro-Israel ansehen. Vor allem haben sein „einfaches Dualdenkschema“ wie Broder, LizasWelt, WadiNet usw. Diesen und anderen – wie die Initiative honestly-concerned.org – sind gegen freie Meinungsäußerung, gegen Diskussion und für Unterdrückung. Weil sie Veranstalter darüber informieren, wer da bei ihnen auftreten soll. Von links draußen und nicht ganz so weit draußen gibt es so etwas nicht, da heißt das „Demokratie üben“, wenn man mit physischer Gewalt Auftritte unliebsamer Personen oder die Vorführung von angeblich rassistischen Filmen („Rassismus“ wird lediglich damit begründet, dass nicht gegen Israel gehetzt wird) wie in Hamburg beim ersten Versuch der Vorführung von Claude Lanzmans Film „Warum Israel“.

Man könnte also durchaus konstatieren, das diese Leute von sich und ihrem Verhalten – das sie als völlig berechtigt und richtig empfinden – auf andere schließen, die zwar nicht so handeln, denen sie es aber unterstellen und denen sie dieses Handeln verbieten wollen.

Zweierlei Maß fängt gar nicht erst an zu beschreiben, was solche Leute da treiben. Und sie sollten sich nicht wundern, wenn sie selbst als das bezeichnet werden sollten, was sie nach eigener Meinung nun überhaupt nicht sind: Antisemiten. Und zwar welche mit einem ganz besonderen Kennzeichen: Sie wittern Verschwörung und Vernetzung. Dass diese Vernetzung (jedenfalls in diesem Maß) gar nicht nötig ist, damit Menschen zu demselben Ergebnis kommen und gegen Antisemiten aktiv werden, können sie sich nicht vorstellen. Wer hat also hier die einfachen Denkschemata?

Herzlichen Glückwunsch, NRhZ, ihr seid ein Hetz- und Hasstrupp, der sich hinter keinem Islamisten verstecken muss.

Update: Henryk M. Broder beschäftigte sich mit demselben Geschreibsel der NRhZ.

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2 Kommentare »

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  1. Na ja, wer sich ausgerechnet auf die Naziseite Steinbergrecherche stützt, diese verlinkt, kann nur ein Judenhasser sein und unterstützt diese dann selbstverständlich. Wahrscheinlich würden solche unterbelichteten Journalisten erst von Antisemitismus reden, wenn ihr eigenes Volk mal wieder ein paar Millionen Juden ermordet. Alles andere als einen Genocid ist natürlich kein Ausdruck des Judenhasses.

  2. von Vernetzung oder gar Verschwörung kann nun wirklich nicht die Rede sein, wenn Menschen, aus unterschiedlichen Richtungen kommend, irgendwann einmal feststellen, dass sie alle ein ähnliches oder gar ein gleiches Ziel verfolgen.

    Linke sehen vordergründig in Israel den Vorposten des Imperialismus und in palästinensischen Terrororganisationen antiimperialistische Opfer. Hinter der Selbstlüge steckt nichts anderes als die bereits von den französischen Frühsozialisten her bekannte, typisch antisemitische Identifikation der Juden mit dem Kapitalismus, die inerhalb der Linken stets nur zeitweilig unterdrückt werden konnte.

    Mir wird immer klarer, dass der Hamas- und Hisbollah-Unterstützer Finkelstein ein Linker ist und er deshalb so gut zum Milieu der Freunde der antisemitischen DDR passt. Gysis aus rein wahltaktischen Gründen erfolgter Versuch, die Partei “Die Linke” durch geschickt in Szene gesetzte verbale Abstriche an der Parteinahme für die Palästinenser koalitionsfähig zu machen, ist gescheitertn. Die Genossen spielen da nun einmal nicht mit. Mehr dazu .


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