Der Wenn-Dann-Trugschluss

28. November 2010 um 10:23 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geschichte, Palästinenser | 1 Kommentar
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Elder of Ziyon, 22. November 2010

Diplomaten, Experten und Politiker, ob Israelis oder Europäer oder Amerikaner, haben beständig denselben Fehler gemacht, wenn es um die Entscheidung ging, was Israel tun müsse, um Frieden zu bekommen. Ich nenne das den „Wenn-Dann-Trugschluss“.

Die angewandte Logik ist die: Wenn Israel einen einseitigen Zug hin zum Frieden unternimmt, dann wird es unvermeidlich eine Art Belohnung bekommen.

Das ist falsch – ständig und beweisbar falsch.

Ich stolperte vor kurzem über eine Version dieser Formulierung im Magazin Time (und zitierte sie), wo der Kolumnist Michael Kramer schrieb:

Wenn [Israel einen detaillierten Plan für Frieden vorlegt und] die Palästinenser ein Angebot zurückweisen, das vernünftige Menschen als entgegenkommend und mutig bezeichnen können – da sie seit fast einem Jahrhundert jeden Kompromissversuch zurückgewiesen haben – [dann] könnte niemand Israel etwas vorwerfen, wenn es sagt: „Schalom. Kommt zu Gesprächen mit uns wieder, wenn ihr erwachsen geworden seid.“

Natürlich hat Israel genau das getan – in Camp David wie auch bei anderen Gelegenheiten. Aber die „dann“-Klausel folgte nie so, wie das Script es verlangte – im Gegenteil, Israels Angebot wurde mit einem im Vorhinein geplanten Krieg gegen israelische Zivilisten beantwortet, bei dem Tausende getötet wurden.

Zaki Shalom geht in der Oktober-Ausgabe von „Strategic Assessment“ die Ziele der israelischen Entkoppelung vom Gazastreifen durch. Er schreibt viele implizite und explizite Gründe auf, dass die israelische Regierung einen derart drastischen Zug vornahm und vermerkt:

Zum Abschluss – und vielleicht der wichtigste Punkt: Die IDF-Truppen aus dem Gazastreifen abzuziehen, die dortigen jüdischen Siedlungen zu zerstören und die israelischen Einwohner zu evakuieren sollte Israels vollständigen Abzug der Verantwortung für den Gazastreifen und seine Einwohner herbeiführen. Von diesem Moment an, so der argumentierten die Autoren des Plan, würden die Einwohner ihre eigenen Herren und Meister sein, die Führung wählen, die sie sich wünschten und die Verantwortung für ihr Handeln tragen, im Guten wie im Bösen. Der Gazastreifen, so wurde erklärt, ist ein Fass ohne Boden, ein Stück Treibsand. Sich von der Verantwortung für den Gazastreifen zu befreien war ein höchst wichtiges strategisches Gut für die zukünftige Entwicklung und Prosperität des Staates Israel.

Wenn Israel diese Aufgabe erledigte, dann würde der Gazastreifen nicht länger Israels Problem sein. Wie ging das aus?

In der Wirklichkeit wurden diese Erwartungen niemals verwirklicht. Auf dem Papier schien es so, als würde die Entfernung der IDF-Truppen aus dem Strip, der Abriss aller jüdischen Siedlungen dort und die Entfernung der Einwohner in Gebiete innerhalb der Grünen Linie eine vollständige Abkoppelung vom Gazastreifen und eine Abgabe aller Verantwortung für das Gebiet erlauben. Die von Yitzhak Rabin geprägte und von Ehud Barak lange nachgeplapperte Idee war: „Wir sind hier und die sind dort.“ Der Abkoppelungsplan vom 18. April 2004 erklärte: „Der Prozess der Abkoppelung wird dazu dienen Ansprüchen bezüglich Israels Verantwortung für die Palästinenser im Gazastreifen zu erheben ein Ende zu bereiten.“

Fünf Jahre später ist klar, dass diese Erwartung sich nicht erfüllt hat. Stattdessen ist „verließen wir den Gazastreifen, aber der Gazastreifen hat uns nicht verlassen“ zur Wirklichkeit geworden. Die internationale Gemeinschaft betrachtet Israel und seine Regierung als diejenigen, die die volle Verantwortung für den Gazastreifen haben.

Dieselbe trügerische Logik wurde im Jahr 2000 benutzt, als Israel sich in Übereinstimmung mit UNO-Resolutionen aus dem Libanon zurückzog. Die UNO bescheinigte, dass Israels Abzug vollständig war. Natürlich gab es unmittelbar nach dem Abzug einen drastischen Rückgang der Spannungen, aber die Hisbollah akzeptierte die von der UNO gezogene Blaue Linie nicht und stellte eine Reihe zusätzlicher territorialer Forderungen an Israel, von denen die Shebaa-Farmen nur die berühmtesten sind.

Dann entführte die Hisbollah 2006 israelische Soldaten, um den Zweiten Libanonkrieg zu entzünden. Irgendwie hatte Israels Handeln für den Frieden keinen Frieden zum Ergebnis, entgegen dem, was jeder versichert hatte. Und in den Jahren nach dem Krieg wird Israel – das keine territorialen Ansprüche gegen den Libanon hegt und auf die zunehmenden Provokationen der Hisbollah reagiert – heute als Aggressor wahrgenommen.

Jetzt gibt es eine neue Instantiierung des Wenn-Dann-Trugschlusses, bei dem sich Israel auf den Abzug aus Ghajar vorbereitet. Die Logik ist wie immer, dass die Hisbollah damit etwas weniger hat, über das sie sich beschweren kann und das daher zum Frieden beiträgt.

Und wie immer ist die Logik falsch. Aus Ma’an erfahren wir:

Die Hisbollah lehnte am Sonntag eine israelische Entscheidung, Truppen aus einem umstrittenen Dorf an der Grenze zum Libanon abzuziehen, als nichts weiter als einen „Trick“ ab und beschuldigte die UNO der Komplizenschaft mit Israel.

„Der israelische Feind will zeigen, dass er vollständig vom libanesischen Gebiet abgezogen ist“, sagte Hisbollah-MdP Mohammed Raad in einer Rede im Südlibanon, von der Auszüge in den Medien in Beirut verteilt wurden.

„Das ist Manövrieren in Mittäterschaft der Vereinten Nationen“, sagte Raad in der ersten Reaktion der militant-schiitischen Gruppe Hisbollah seit Israel seine Entscheidung verkündete.

Die Einwohner von Ghajar werden also für keinen wirklichen politischen oder taktischen Nutzen für Israel geopfert, außer vielleicht für eine sehr begrenzte Menge an gutem Willen seitens der UNO, die beim nächsten von der Hisbollah initiierten Grenzzwischenfall verschwinden wird, sollte Israel es wagen darauf zu antworten.

Es mag zwar etwas kurzfristigen diplomatischen Gewinn für Israel  geben, wenn es diese einseitigen Handlungen ankündigt, aber es gibt einen elementaren Fehler in dieser „Wenn Israel X tut, dann werden die Araber positiv reagieren“-Rezeptur. Der Fehler besteht darin, dass Treu und Glauben seitens derer angenommen wird, die entschlossen sind Israel aus der Welt zu schaffen.

Die Welt und selbst israelische Führungspolitiker vergessen immer weiter, dass der ganze Daseinszweck des arabischen Nationalismus (und der schieren Existenz der Hisbollah) nicht darin besteht einen Staat aufzubauen, sondern einen zu vernichten.

Das gewünschte „historische Palästina“ hatte nie auch nur irgendetwas mit Geschichte zu tun und war immer kongruent mit dem, worüber Israel Kontrolle ausübte. Die wichtigste und militärische Organisation, die den Libanon kontrolliert, hat in ihrer Charta den Satz stehen: „Unser Kampf wird erst enden, wenn dieses Gebilde [Israel] ausgelöscht ist.“ Weder die Hamas noch die PA haben auch nur das geringste Interesse daran gezeigt einen Staat aufzubauen; und jede einzelne Handlung der PA, die auf den Aufbau eines Staates hindeutet, ist wegen Druck der USA unternommen worden, nicht wegen eines eingeborenen Wunsches nach Unabhängigkeit. Das Schicksal von Millionen staatenloser palästinensischer Araber wird gezielt von ihren und anderen arabischen Führern aus keinem anderen Grund als dem, sie als demografische und politische Waffe gegen Israel einzusetzen zurückgestellt. Umfrage auf Umfrage hat gezeigt, dass die palästinensischen Araber nur den Wunsch haben Israel auszulöschen.

Es ist nicht möglich Frieden mit denen zu schließen, die entschlossen sind dich zu vernichten. Diese einfache Tatsache, die axiomatisch sein sollte, wird immer und immer wieder wegen des tief gehegten Wunsches der Westler und der Israelis eine Friedensformel zu finden beiseite geschoben und ignoriert, trotz aller Beweise des Gegenteils. Wunschdenken und falsche Annahmen haben kalte, harte und zugegebenermaßen unangenehme Fakten ersetzt.

Nur weil jeder im Westen eine Lösung haben will, heißt das noch nicht, dass es eine gibt.

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