Auge um Auge – von alttestamentarischer und mittelalterlicher Rache im Heute

7. Mai 2011 um 11:53 | Veröffentlicht in die Welt+Islam, Medien + Islam | 9 Kommentare

Im Zusammenhang mit der Tötung des Terrorfürsten Osama bin Laden kam wieder der Vorwurf, die Amerikaner handelten nach dem „alttestamentarischen Racheprinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Deutsche Politiker (leider inzwischen aller Couleur), Qualitätsmediale, Intellektuelle und sogar (vor allem evangelische) Theologen ergehen sich mit besonderem Eifer in diesem Vorwurf. Wenigstens die Theologen sollten es eigentlich besser wissen, aber angesichts dessen, was heutzutage von Theologen in Sachen Bibel und Glaube in die Welt gesetzt wird, wundert man sich über gar nichts mehr.

Wer noch nicht weiß, was es mit „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wirklich auf sich hat, der lese bitte die Erklärung von Ulrich Sahm dazu, ebenso einen ergänzenden Text von Pfr. i.R. Klaus-Peter Lehmann. Es ist mitnichten dieser „alttestamentarische Rachegeist“, sondern ein Prinzip, auf dem unsere heutige Rechtsprechung immer noch gründet!

Wie müsste eine wirkliche „Rache“ aussehen? Wäre das tatsächlich nur die gezielt Aktion gegen diesen einen Mann? Wenn der Rachegedanke bestimmend wäre, müsste dann nicht viel mehr Tod in diese Gegend gebracht werden? Und zwar Tod nicht im Sinne von Bekämpfung von Terroristen und ihren Bundesgenossen, sondern gezielte Tötung von viel mehr Menschen, die nichts auch nur ansatzweise mit z.B. der Vernichtung der Menschen am 9/11 (New York und Pentagon), nichts mit dem Anschlag auf die USS Cole, mit der Ermordung von Daniel Pearl und weiteren Westlern, die nichts mit den militärischen oder sonstigen Aktionen gegen die Terroristen zu tun haben? Müssten nicht die Amerikaner (und Briten, Franzosen und wer weiß noch alles) einfach hingehen und ganze Landstriche platt machen, wie es z.B. die Nazis in Jugoslawien und der Tschechoslowakei taten, wenn Partisanen dort gegen die Wehrmacht zuschlugen?

Wäre es nicht so, dass Afghanistan, wenn der Rachegedanke so bestimmend wäre, inzwischen mehr oder weniger entvölkert worden wäre und Pakistan deutlich weniger Einwohner haben müsste? Müssten nicht Muslime in den USA in Lagern sitzen und/oder tot sein, weil Muslime die Flugzeuge in die Türme und das Pentagon rammten? Müssten nicht die Saudis längst bombardiert und heftig dezimiert worden sein, weil bis auf einen die Terroristen vom 9/11 aus dem Königreich stammten? Müsste nicht der Iran längst eine Atombombe abbekommen haben, weil die Terror-Mullahs ständig und überall am Mord an Westlern, besonders Amerikanern und Israelis arbeiten und alles und jeden unterstützen und anstacheln, die Israel vernichten wollen?

So weit denken diese Nachdenk-Legastheniker* lieber erst gar nicht. Sie wollen und müssen plakative Dummbatz-Sprüche in die Welt setzen, um die Verhassten zu verleumden und sich selbst als fortschrittlich zu gerieren. Sie sind dabei allerdings zu blöde zu merken, dass sie sich mal wieder einseitig gegen jemanden richten für etwas, das andere an den Tag legen.

Wieso besteht denn jetzt die – nicht ganz unbegründete – Befürchtung, dass es vermehrt zu Anschlägen in Europa und Amerika kommen wird? Warum haben diese gutmenschlichen Geistesgrößen die Hosen derart voll, sie könnten jetzt zu Opfern der Terroristen werden?

Sie haben diese Ängste ausgerechnet deswegen, weil die von ihnen immer wieder geschützten und verteidigten Islamisten das betreiben, was die Herrschaften den Amerikanern (und sonstigen kritischen Menschen) vorwerfen: wegen des uralten, „mittelalterlichen“, gerade nicht „alttestamentarischen“ Racheprinzips genau nicht nur der Muslime, die sich dem Osama bin Laden als Handlanger und Kanonenfutter zur Verfügung stellten oder es noch „besser“ treiben wollen.

Ausgerechnet die Muslimtruppen, die von unseren Verhätschlern und Verstehern immer unter Schutz gestellt werden, gehen so vor: Du hast mir ein Haar gekrümmt, dafür muss du sterben – und nicht nur du, auch deine Familie. Dein Präsident hat gesagt, wir seien gewalttätig, deswegen machen wir deine Landsleute tot, wo wir sie finden. Aktuelles Beispiel für die unmäßige Rachsucht: Weil Osama getötet wurde, verkündet einer ihrer Hass-Prediger, ALLE Amerikaner und Europäer seien jetzt legitime Ziele, die zu töten sind. Typische Beispiele aus Pakistan und Afghanistan: Einem „Ungläubigen“ oder „nicht angemessenen“ jungen Mann oder Jugendlichen wird ein Verhältnis zu einer Muslima nachgesagt (die nicht einmal sexuell sein muss) und das reicht für eine „Bestrafung“ – nicht des vermeintlichen (oder tatsächlichen) „Täters“ sondern seiner ganzen Familie bis Sippe, indem Töchter derselben von ausgesuchten Männern vergewaltigt werden und so die Familie in Schande gebracht wird.

Haben wir je ein Wort der „Kritik“ an dieser maßlosen Racheausübung gehört? Haben sich die Leute, die jetzt gerade wieder die Vokabeln „alttestamentarisch“, „Rache“ usw. im Zusammenhang mit den Amerikanern und sonst auch immer gerne den Israelis im Munde führen, sich jemals so vehement gegen die islamischen Terroristen und einfachen, bodenständigen Islamisten gewandt? Ich kenne solche Äußerungen nicht. Gerade war wieder im Radio ein Experte zu hören, der davon erzählte, dass die Terroristen der Al-Qaida „und anderer Organisationen mit einer ähnlichen ideologischen Ausrichtung“ „Vergeltung“ üben wollen. Vergeltung – nicht Rache, also viel harmloser, gerechtfertigter und bestimmt nicht so bösartig wie die Muslim-Mörder aus den USA?

Entweder wird die rachsüchtige muslimische Maßlosigkeit verniedlicht oder ganz außen vor gelassen. Wenn sie nicht als „natürliche“ Folge westlichen (sprich: amerikanischen und israelischen) Handelns akzeptiert wird.

Womit wir dann wieder beim von Henryk Broder immer wieder festgestellten Punkt sind: Die Terror-Muslime und die wilden Bewohner ultra-muslimischer Gegenden der Welt können nicht anders, es ist alles ganz natürlich, es kann nicht anders sein, deshalb ist es auch in Ordnung für sie, dass sie so sind – und für uns halt Pech. Das Prinzip des „edlen Wilden“, auch wenn die Terroristen allesamt alles sind, nur keine Winnetous.

Wer sind also hier die Rassisten?


* Ich entschuldige mich hiermit bei allen Menschen mit diagnostizierter Lese-Rechtschreib-Schwäche; Sie sind im Gegensatz zu den von mir hier kritisieren Personen(-gruppen) für Ihre Schwäche nicht selbst verantwortlich.

Clemens Wergin hat sich ebenfalls mit den Thema “Rache” beschäftigt.

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9 Kommentare »

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  1. Stringente Logik brillant geschrieben – dafür lohnt es sich, dieses Blog zu abbonieren. Danke für diesen hervorragenden Artikel.

  2. Sehr gut geschrieben! Du bringst es auf den Punkt. Danke.

  3. Diesen Artikel kann ich ohne Einschränkungen unterschreiben!
    Bravo!

  4. Gerade zu diesem Thema hatte ich zwei Artikel auf Quotenqueen veröffentlicht. Das ausgerechnet viele Theologen und Journalisten dieses missverstandene Talionsgesetz immer wieder zitieren, bringt mich auch auf die Palme.

    http://quotenqueen.wordpress.com/2011/03/20/ist-die-bibel-richtig-ubersetzt-teil-1/

    http://quotenqueen.wordpress.com/2011/04/03/ist-die-bibel-richtig-ubersetzt-teil-2/

    Gerne können diese Artikel auch weiterverwendet werden.

  5. Sogar die TAZ hats kapiert. :D

  6. Super Artikel. Btw: “Auge um Auge, Zahn um Zahn” ist die religiöse Vorform des Äquivalenzprinzips, was heute noch in jedem (wenigstens halbwegs gerechten) Tausch vorkommt. Außerdem gibt es auch eine positive Variante: Liebe um Liebe, Kuss um Kuss. Unser gesamter Sozialstaat ist die Anwendung dieses “bitterbösen” Prinzips, sozusagen auf Vorschuss. Das nehmen unsere Fürsorglinge dann nur allzu gern in Anspruch. Sollen wir das Osama zu Liebe nun abschaffen?

  7. Was die “btw”s und anderes angeht: Warum tragt ihr Eulen nach Athen? Das steht in den beiden verlinkten Artikeln!

  8. [...] (crossposted von abseits vom mainstream) [...]


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