Das Leben der Palästinenser im Gazastreifen ist besser geworden, warum also eine Flottille hinschicken?

2. Juli 2011 um 9:04 | Veröffentlicht in Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Khaled Abu Toameh, Hudson New York, 1. Juli 2011

Es war ein sehr heißes Wochenende für die Palästinenser im Gazastreifen. Deshalb zogen es Tausende von ihnen vor ihre Zeit mit sauberen Stränden, Schwimmen, Sonnenbaden, Reiten, Segeln, Wasserpfeife rauchen und Grillen zu verbringen.

Diese Fotos wurden nicht von einem jüdischen Fotografen oder naiven westlichen Reporter aufgenommen, die zufälligerweise letzte Woche im Gazastreifen waren. Die Fotos wurden von einer mit der Hamas verbundenen Internetseite veröffentlicht, die damit zu zeigen versuchte, dass die Lage im Gazastreifen unter der Herrschaft der Hamas nicht so schlimm ist, wie viele Leute glauben könnten.

Niemand sagt, dass die Lage im Gazastreifen sehr gut ist. Sie war nie gut – nicht, als Ägypten dort war, nicht, als Israel ihn 1967 eroberte, nicht, als die PLO 1994 die Kontrolle über das Gebiet übernahm und heute unter der Hamas auch nicht.

Es hat im Gazastreifen immer Armut gegeben; dort sind mehr als 80 Prozent der Menschen von Almosen der UNRWA und Dutzender internationaler Hilfsorganisationen abhängig.

Die Ironie ist: Im Vergleich zur Vergangenheit ist die Lage im Gazastreifen in diesen Tagen viel besser. Die Kriminalitätsrate ist die niedrigste seit Jahrzehnten und viele Palästinenser dort sagen, dass sie die Anarchie, die Korruption und Gesetzlosigkeit nicht vermissen, die unter der von der Fatah dominierten PA vorherrschte.

In ein paar Wochen soll das größte palästinensische Einkaufszentrum des Gazastreifens seine Tore öffnen; es wird den Palästinensern ein breites Angebot an Diensten bieten, darunter Kinos, moderne Kaffeestuben und Boutiquen, die internationale Marken wie Armani, Ralph Lauren, Polo, Tommy Hilfiger und Nautica führen.

Nach Angaben von im Gazastreifen lebenden Palästinensern gibt es keinen Mangel an Grundnahrungsmitteln. Regelmäßig wiederkehrende Engpässe an medizinischen Versorgungsgütern werden oft dem anhaltenden Machtkampf zwischen Hamas und Fatah zugeschrieben, deren Repräsentanten in der Westbank manchmal beschuldigt werden Medikamente zurückzuhalten, um damit die Hamas-Regierung zu bestrafen.

Hamas-Premierminister Ismail Haniyeh prahlte letzte Woche, anders als die vom Westen finanzierte Regierung des Salam Fayyad habe seine Regierung keine Schulden und keinerlei Probleme Zehntausenden Menschen auf ihrer Gehaltsliste die Löhne zu zahlen.

Angesichts all dieser guten Nachrichten aus der Gegend wundert man sich über den Zweck der neuen Schiffs-Flottille zum Gazastreifen. Geht es darum den Palästinensern im Gazastreifen zu helfen oder soll einfach Israel herausgefordert werden?

Es ist immer schön humanitäre Hilfe an Menschen zu schicken, die sie brauchen. Und es besteht kein Zweifel, dass es viele Palästinenser im Gazastreifen gibt, die solche Hilfe benötigen. Aber gibt es keine anderen Möglichkeiten den Palästinensern im Gazastreifen zu helfen, ohne Israel herauszufordern und zu provozieren? Warum schickt man zum Beispiel humanitäre Hilfe für den Gazastreifen nicht über die Grenzübergänge mit Ägypten in Rafah? Warum protestieren die Flottillen-Organisatoren nicht gegen Ägyptens fortgesetzte Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der Palästinenser? Warum verhindern die neuen Regeln Ägyptens die Einfuhr von Waren und humanitärer Hilfe in den Gazastreifen durch sein Territorium?

Schließlich: Wäre es nicht besser, wenn die Organisatoren der Flottille eine Reise an die Grenze zwischen der Türkei und Syrien planten, um den Tausenden syrischen Flüchtlingen zu helfen, die in den letzten Wochen aus ihrem Land geflüchtet sind? Diese Flüchtlinge können nicht an den Strand oder in Einkaufszentren gehen und viele von ihnen beklagen das Fehlen von Grundnahrungsmitteln und Medikamenten. Oder wie wäre es, wenn die Flottille den Tausenden libyscher Familien helfen würde, die in den letzten Monaten in die Nachbarländer geflohen sind? Oder mit einer Flottille nach Saudi-Arabien, um Solidarität mit den Frauen zum Ausdruck zu bringen, die verhaftet werden, weil sie Auto fahren?

Einige der Fotos, mit denen PalTimes höchstselbst die Narrenfans der Terrorschiffer Lügen straft:




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