Land für Frieden – die französische Lösung

10. Oktober 2011 um 14:24 | Veröffentlicht in Europa+Nahost, Satire/Humor | 4 Kommentare
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Vorbemerkung: Steven Plaut schrieb diesen Text schon im Jahr 2000 – heute passt er unglaublich gut als Antwort auf Monsieur Sarkozys aktuelles Gesabbel, Israel als jüdischen Staat bezeichnen zu wollen sei „dumm“.

Steven Plaut, Middle East Quarterly, Juni 2000 (S. 96)

Vor kurzem drängte der französische Premierminister Lionel Jospin auf einer Reise nach Israel, dieses solle Zugeständnisse für Frieden machen. Interessanter ist allerdings, dass in Dokumenten, die sich auf seinen Besuch beziehen, wurde Jerusalem „Hauptstadt der palästinensischen Autonomie“ bezeichnet. Und was betrachtet er als Hauptstadt Israels? Tel Aviv natürlich.1 Dieser Reise folgte einer, die vor ein paar Jahren Präsident Jacques Chirac machte, der die Gelegenheit seines Besuchs im Jahr 1996 nutzte, um anzukündigen, dass „Syrien ein moralisches Recht auf die Rückgabe der Golanhöhen hat“.2

Diese französischen Politiker könnten etwas Wichtiges vorhaben. Da ich mich vor keiner Herausforderung drücke, habe ich einen Satz Überlegungen vorbereitet, über die das französische Volk nachdenken sollte, damit sie einen vollen, dauerhaften und gerechten Frieden mit ihren historischen Kontrahenten schließen können.

Zuerst werden wir alle übereinstimmen, dass Territorium nicht durch Gewalt annektiert werden darf. Daher können wir auch übereinstimmen, dass Deutschland ein moralisches Recht auf die Rückgabe von Elsass-Lothringen hat, wegen der französischen Aggression von 1945 und weil deren nachfolgende Besatzung nicht belohnt werden darf. „Ein voller Rückzug für vollen Frieden“ sollte hier durchgeführt werden. Weiterhin muss Frankreich der Rückgabe und Rehabilitierung aller ethnischen Deutschen zustimmen, die nach dem beiden Weltkriegen aus Elsass-Lothringen vertrieben wurden, ebenso all derer, die von diesen als ihre Nachkommen definiert werden.

Doch das ist natürlich nur ein erster Schritt hin zu einer Lösung, da keine Aggression belohnt werden kann – und Frankreich hat viel weiteres gestohlenes Territorium zurückzugeben. Korsika nahm es Genua ab, Nizza und Savoyen dem Piedmont; als Nachfolgestaat muss Italien diese Ländereien zurückerhalten. Ebenso gehen den Habsburgern abgenommene Territorien an Österreich zurück, einschließlich Franche-Comté, Artois und dem historischen Burgund. Die Gegen um Roussillon (entlang der Pyrenäen) muss an Spanien zurückgegeben werden, das ihr rechtmäßige Eigentümer ist. Und die Normandie, Aquitaine und die Gascogne müssen ihrem rechtmäßigen Eigner zurückgegeben werden, der britischen Königsfamilie.

Noch nicht einmal das reicht für den Frieden. Die Bretagne und dem Languedoc müssen sofort Autonomie gewährt werden, womit die bretonische sowie die okzitanische Befreiungsbewegung als deren legale Herrscher anerkannt werden. Das lässt der französischen Regierung die Kontrolle über die Ile de France (die Gegend um Paris).

Das wird allerdings das Problem der Heiligen Stadt Paris nicht lösen, die Künstlern, Gourmets und Ehebrechern heilig ist. Die Korsen haben offensichtlich einen historischen Anspruch auf das Grab von Kaiser Napoleon, ihren berühmten Sohn, wie auch auf den Komplex des Invalidendoms und seiner Umgebung. Ist es um des Friedens willens wirklich zu viel verlangt, dass Paris die Hauptstadt zweier Völker wird? Die französischen Autoritäten müssen  zustimmen, dass man die französischen Pariser daran hindert das Umfeld des heiligen Grabes zu betreten, weil das sonst die Korsen verärgern könnte.

Die Saint Chapelle und die Kirche Notre Dame werden natürlich internationalisiert, unter gemeinsamer Schirmherrschaft des Vatikans und der Kunst. In der Tat sollte Frankreich es höchstes Kompliment ansehen, dass so viele Menschen Paris als  internationale Stadt betrachten.

Die Franzosen können sich wirklich nicht beschweren. Sei werden die Vorteile des Friedens genießen und die Kontrolle über die Champs Elysées behalten.

Nun ja, wenn man darüber nachdenkt, könnten selbst die Champs Elysée zu viel sein. Wenn man sich daran erinnert, dass die Franzosen die Position vertreten, Jerusalem sei nicht die Hauptstadt Israels, dann ist vielleicht die wahre Hauptstadt Frankreichs gar nicht Paris, sondern Vichy.

1 The Jerusalem Post, 24. Februar 2000.
2 The Jerusalem Post, 23. Oktober 1996.

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4 Kommentare »

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  1. Es ist gut, dass die Vorschläge der “Friedenstifter”, neben Frankreich gehört Deutschland auch dazu, mal als das dargestellt werden was sie sind: Unsinn.

    Die Überlegungen die hier in Bezug auf Frankreich angestellt wurden, können auch für Deutschland bedenkenswert sein.

    Die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges sind auch nur Auswirkungen eines verlorenen Krieges.

    Die jetzige Situation in Israel ist auch das Ergebnis verlorener Kriege. Nur waren eben Araber die Verlierer.

    Das wird von Vielen, die jetzt Friedensvorschläge unterbreiten bewusst negiert.

  2. Korsika, Nizza und Savoye sollten dann vielleicht doch lieber nach Italien und nicht wie im Text gefordert nach Israel.

    Ansonsten stimme ich den Aussagen voll und ganz zu. Die französische Besatzung Frankreichs zu beenden ist eine der dringensten Aufgaben unserer Zeit.

    • Danke, ist korrigiert! :)

  3. [...] Übersetzung: Heplev [...]


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