Brief des Beraters des Premier an die „New York Times“

20. Dezember 2011 um 15:56 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Israel, Medien+Nahost, USA | 1 Kommentar
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JPost Staff, 16. Dezember 2011

Netanyahus oberster Berater Ron Dermer schrieb einen Brief an die „New York Times“, in dem er erklärt, warum der Premier das Angebot ein Op-Ed zu schreiben „mit Respekt ablehnt“.

Sehr geehrter Sasha,

ich erhielt Ihre E-Mail mit der Anfrage, ob Premierminister Netanyahu ein Op-Ed in der New York Times einreichen möchte. Unglücklicherweise müssen wir mit Respekt ablehnen.

In Dingen, die Israel betreffen hat die Op-Ed-Seite der „paper of record“ darin versagt die Mahnung des verstorbenen Senators Moynihan zu beherzigen, dass jeder das Reich auf seine eigenen Meinung, aber dass niemand das Recht auf eigene Fakten hat.

Ein typisches Beispiel war Ihre Entscheidung im Mai das folgende Stück Geschichtsveränderung des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu veröffentlichen:

Wichtig ist festzustellen, dass das letzte Mal, als die Frage der palästinensischen Eigenstaatlichkeit bei der Vollversammlung im Zentrum stand, der internationalen Gemeinschaft die Frage gestellt wurde, ob unser Heimatland in zwei Staaten geteilt werden sollte. Im November 1947 gab die Vollversammlung ihre Empfehlung ab und antworte positiv. Kurz darauf verrieben zionistische Streitkräfte palästinensische Araber, um eine entscheidende jüdische Mehrheit im zukünftigen Staat Israel sicherzustellen und arabische Armee intervenierten. Krieg und weitere Vertreibungen folgten.

Dieser Absatz stellt ein Ereignis innerhalb der lebenden Erinnerung praktisch auf den Kopf, bei dem die Palästinenser den UNO-Teilungsplan ablehnten, der von den Juden akzeptiert wurde, und sich dann fünf arabischen Staaten beim Start eines Krieges anschlossen, mit dem der entstehende jüdische Staat ausgelöscht werden sollte. Das hätte die rudimentärste Faktenprüfung nicht überstehen dürfen.

Die Meinungen einiger der regelmäßig bei Ihnen schreibenden Kolumnisten zu Israel sind wohlbekannt. Sie verzerren ständig die Positionen unserer Regierung und ignorieren die Schritte, die sie zur Förderung des Friedens unternommen hat. Sie diffamieren unbekümmert unser Land, indem sie suggerieren randständige Phänomene, die von Premierminister Netanyahu und praktisch jedem israelischen Offiziellen verurteilt werden, spiegelten irgendwie die Regierungspolitik oder die israelische Gesellschaft als ganzes wider. Schlimmer noch: Ein Kolumnist ließ sich sogar herab zu suggerieren, dass die stärksten Äußerungen zur Unterstützung des Premierministers Netanyahu während seiner diesjährigen Rede vor dem Kongress seien „von der Israel-Lobby gekauft und bezahlt“ worden, statt ein Abbild der breiten Unterstützung Israels beim amerikanischen Volk.

Doch statt diesen Ansichten eine andere Meinung gegenüberzustellen, besteht anscheinend der sicherste Weg ein Op-Ed in der New York Times veröffentlicht zu bekommen darin, egal, wie obskur der Schreiber oder seine Ansicht ist, darin Israel attackieren. Allerdings setzte der letzte Text zum „Pinkwashing“, in dem Israel dafür geschmäht wird, dass es die Unverschämtheit besitzt seine Bilanz zu Schwulenrechten zu verfechten, die Latte derart tief, dass es Ihnen schwer fallen wird sie in der Zukunft noch niedriger zu legen.

Damit mir nicht vorgeworfen werden kann ich würde mir die Rosinen heraussuchen, um zu beweisen, dass ich Recht habe: Ich entdeckte, dass Sie während der vergangenen drei Monate (September bis November) 20 Op-Eds zu Israel in der New York Times und der International Herald Tribune veröffentlichten. Nach Unterscheidung der Op-Eds in zwei Kategorien – „positive“ und „negative“, wobei „negative“ eine Attacke gegen den Staat Israel oder die Politik seiner demokratisch gewählten Regierung bedeutet – stellte ich fest, dass 19 von 20 Kolumnen „negativ“ waren.

Der einzige „positive“ Text wurde von Richard Goldstone (der mit den berüchtigten Goldstone-Bericht) geschrieben, in dem er Israel gegen den ehrenrührigen Vorwurf der Apartheid verteidigte.

Allerdings erfolgte Ihre Entscheidung dieses Op-Ed zu veröffentlichen einige Monate nachdem Ihre Zeitung Berichten zufolge Goldstones frühere Einsendung ablehnte. In einem früheren Text, der letztlich in der Washington Post veröffentlicht wurde, änderte der Mann, der in der ganzen Welt mit dem Vorwurf zitiert wurde Israel habe im Gazastreifen Kriegsverbrechen begangen, seine Haltung fundamental. Nach Angaben der Op-Ed-Seite der New York Times waren das offenbar Nachrichten, die für einen Abdruck nicht taugten.

Ihre Ablehnung „positive“ Texte zu Israel zu veröffentlichen, entstammt offensichtlich keinem Versorgungsengpass mit entsprechendem Material. Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass Mehrheitsführer und Oppositionsführer des US-Repräsentantenhauses im September Ihrer Zeitung gemeinsam ein Op-Ed vorlegten, mit dem die Gegnerschaft zum palästinensischen Handeln bei den Vereinten Nationen zum Ausdruck brachten und den Aufruf sowohl Israel als auch die Obama-Administration zu direkten Verhandlungen ohne Vorbedingungen unterstützten. Im Zeitalter erbitterter Parteinahme hätte man meinen sollen, dass starke, parteiübergreifende Unterstützung für Israel in einer so zeitnahen Frage es in Ihr Blatt geschafft hätte.

Mit allem gebührenden Respekt Ihrer angesehenen Zeitung gegenüber: Vergeben Sie uns, dass wir Ihr Angebot ablehnen. Wir wollen nicht als „Bibiwäscher“ der Op-Ed-Seite der New York Times betrachtet werden.

Hochachtungsvoll

Ron Dermer
erster Berater des Premierministers Netanyahu

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1 Kommentar »

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  1. Man erkennt seit ein paar Jahren, daß Israel so langsam auch in den Propagandakrieg mit den Arabern einsteigt. Allerdings sehr viel dezenter, für meinen Geschmack noch viel zu zögerlich und leider einige Jahrzehnte zu spät.
    Ich hoffe ja noch immer, daß sie es noch schaffen werden, das Feld von hinten aufzuholen. Aber es ist ein sehr langer und steiniger Weg die Reputation wieder aufzubauen. Viel zu vielen Lügen der Araber wurde nicht widersprochen, der Wahrheit nicht zur Geltung verholfen.
    Ich kann dazu nur sagen: weiter so!

    Und der Spruch: “Jeder hat ein Recht auf eine eigene Meinung, abernicht auf eigene Fakten.” ist richtig gut. :-)


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