Südkorea – für Israel ein wichtiger Partner

27. Februar 2012 um 16:55 | Veröffentlicht in Israel | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Yaacov Cohen (direkt vom Autor)

„Es hat in den letzten 19 Jahren eine immense Verbesserung in den bilateralen Beziehungen zwischen Südkorea und Israel gegeben. Strukturelle Reformen in Südkorea nach der dortigen Wirtschafts- und Finanzkrise 1997/98 und die Vorrangigkeit, die es High Tech und Informationstechnologie einräumte, haben enorm zu dieser Ausweitung beigetragen.

1962 stellten Israel und die Republik Korea volle diplomatische Beziehungen her, aber aus Kostengründen schloss Israel 1978 seine Botschaft in Seoul. Danach wurde Israels Botschafter in Tokio zum nicht im Land residierenden Botschafter in Südkorea. Erst 1992 eröffnete Israel seine Botschaft in Seoul erneut. Dem folgte die Eröffnung der Botschaft der Republik Korea in Israel.“

Yaacov Cohen

Yaacov Cohen

Dr. Yaacov Cohen hatte viele diplomatische Posten inne, darunter: Israels Botschafter in Spanien (1992-1995), in Japan und Südkorea (1985-1988) und in Venezuela (1981-1985). In Jerusalem war er von 1988 bis 1992 stellvertretender Generaldirektor (Wirtschaft) im Außenministerium. Seit 1995 ist Dr. Cohen Senior Lecturer für Ostasien-Studien an der Hebräischen Universität. Ihm wurde vor kurzem der Orden für zivile Verdienste der Republik Korea verliehen.

Cohen vermerkt: „In Israel weiß man wenig von der bemerkenswerten Entwicklung der Beziehungen zu Südkorea. Die beiden Wirtschaften ergänzen sich weitgehend. Israel ist zum führenden Markt für koreanische Exporte im Nahen Osten geworden. Eine wachsende Zahl von Mischkonzernen – Chaebols genannt – ist in Israel präsent. Es gibt auch eine Zunahme der Zahl israelischer Firmen in Korea; diese werden von Israelis oder Einheimischen repräsentiert.

Die Turbulenzen des Weltmarkts seit 2008 hat die Bedeutung der ostasiatischen Märkte für die Wirtschaft und den Handel Israels gezeigt. Wir schätzen, dass der bilaterale Handel (ohne Diamanten) – also die Kombination aus Exporten und Importen – zwischen Korea und Israel im Jahr 2011 mindestens zwei Milliarden Dollar erreicht hat. Sechzig Prozent davon sind israelische Importe aus Korea. Wir erwarten, dass unsere Exporte in ostasiatische Märkte in den kommenden Jahren auf über 25% aller israelischer Exporte steigen werden. Dieser Prozentsatz wird auch dann weiter wachsen, wenn unsere Hauptmärkte Europa und die Vereinigten Staaten bleiben.

Die Koreaner hatten gehofft, dass Israel eine große Bestellung für ihre Ausbildungsflugzeuge abgeben würde. Anfang diesen Jahres entschied sich Israel stattdessen jedoch für italienische Flugzeuge, was in Südkorea Enttäuschung auslöste.

Forschungsergebnisse zeigen, dass nur eine von 25 Wirtschaftsverhandlungen zwischen westlichen Firmen – einschließlich israelischen – und ihren Partnern in Ostasien zum Erfolg führen. Der riesige Anteil an Fehlschlägen kommt teilweise durch kulturelle Unterschiede zustande. Israelische Unterhändler mit potenziellen koreanischen oder anderen ostasiatischen Partnern erkennen nicht immer, dass sie, wenn sie einen Vertrag mit einem Partner diskutieren, auch um eine potenziell langfristige Beziehung verhandeln.

Israelische Studenten, Wissenschaftler und Unternehmer sollten daher die Geschichte, Kultur, Verhaltensmuster und Verhandlungsstile koreanischer Partner studieren. Gleiches gilt für andere ostasiatische Länder. Viele wirtschaftliche Erfolgsgeschichten zeigen, dass Investitionen in Ostasien-Studien selbst kurzfristig sehr nützlich sein können.“

Cohen fährt fort: „Ein wichtiger Schritt ist die gegenseitige Aufhebung der Visumspflicht gewesen. Es gibt seit 2008 regelmäßige Direktflüge zwischen Tel Aviv und Seoul. Jedes Jahr besuchen 50.000 koreanische Touristen Israel. An der Hebräischen Universität in Jerusalem gibt es 200 koreanische Studenten.

Die Hebräische Universität ist die einzige Universität des Nahen Ostens, die ein signifikantes Programm zu Korea-Studien betreibt. Es umfasst das Studium der koreanischen Sprache, Geschichte, Religion, Kultur und Kunst, Gesellschaft, Wirtschaft, des politischen Systems und der internationalen Beziehungen. Um die kulturelle Barriere zu überwinden, beziehen wir in Korea-Wirtschaftsstudienprogramme praktische Komponenten zu Fragen wie Verhandlungsstile ein.

Diese gute Beziehung dehnt sich auch auf weitere Felder aus. Über KORIL (The Korea-Israel Research and Develoment Fund) gibt es eine beträchtliche Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung. Jedes Jahr werden eine Reihe gemeinsamer Projekte bewilligt.

Bei von israelischen Cinematheken organisierten Festivals sowie in Kinos werden regelmäßig koreanische Filme gezeigt. Sie werden auch im Fernsehen ausgestrahlt. Ich werde nie vergessen, dass Korea während der zweiten Intifada hundert Mitglieder des Nationaltheaters nach Jerusalem schickte, um das Schauspiel ‚König Uru‘ aufzuführen.

Die freundliche und positive Haltung koreanischer Führungspersönlichkeiten gegenüber Israel wird von der intellektuellen Elite und vielen anderen geteilt. Sie betrachten Israel als eine kleine, demokratische Nation, die sich mächtigen Feinden gegenüber sieht und um seine Existenz kämpft. Religiöser oder wirtschaftlicher Antisemitismus hat in Südkorea nie existiert. Viele Koreaner lesen die Bibel und identifizieren sich mit der Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land der Bibel.“

Cohen schließt: „Koreanische und israelische Ministerien haben in den zwei vergangenen Jahren eine umfassende Evaluation der wirtschaftlichen Auswirkungen eines bilateralen Freihandelsabkommens in durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass dieses für beide von Nutzen sein wird. Über die Wirtschaft hinaus scheint es geboten, dass zu einem solchen Abkommen Abschnitte zu akademischer, kultureller und wissenschaftlicher Zusammenarbeit gehören. Wir erwarten, dass 2012 die Verhandlungen mit Südkorea über ein solches Freihandelsabkommen beginnen werden.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs.

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