Neonazis loben deutschen Bürgermeister für Israel-Boykott

10. Juni 2012 um 12:53 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, Deutschland, Europa+Nahost, Geistesgrößen, NGOs | 4 Kommentare
Schlagwörter: , ,

(Der Pax Christi/Albrecht Schröter-Boykottaufruf – 3)

Wiesenthal-Zentrum überlegt Reisewarnung für die Stadt, sagt Bemühungen könnten zu physischen Akten des Antisemitismus führen

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 5. Juni 2012

Berlin – Der örtliche Zweig der Neonazi-Partei (NPD) drückte seine Solidarität mit der Kampagne zum Aufruf zum Boykott israelischer Waren aus, die vom sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter und der linksgerichteten NGO Pax Christi unterstützt wird.

Die NPD im Bundesland Thüringen, in dem Jena liegt, gab am Montag auf ihrer Internetseite schnell Lob für Schröter aus. Die Neonazis schrieben, er sei wegen seiner antiisraelischen Haltung „mutig“ und merkten an: „Als Nationalisten, die sich tagtäglich mit dieser jüdischen / linksliberalen Verleumdungstaktik auseinandersetzen dürfen, fällt uns dabei nur Goethes Zauberlehrling ein, der die ‚gerufenen Geister‘ nun nicht mehr los wird.“

Schröter lehnte es ab auf Anfragen der Jerusalem Post dazu ab, ob der Boykott in Jena ein antiisraelisches und antijüdisches Klima schafft. Er wiederholte am Montag in der Thüringischen Landeszeitung seine Boykott-Aktion in einem Kommentar. Nach Angaben des Bürgermeisters ist sein Ziel „die verpflichtende Kennzeichnung von Waren aus illegalen israelischen Siedlungen zu verlangen, die palästinensisches Territorium besetzen“. Kritiker des Boykotts sagen, sein Sprachgebrauch sei nebulös und pauschal und resultiere in einem Boykott israelisch etikettierter Produkte.

Dr. Shimon Samuels, Internationaler Direktor des Simon Wiesenthal-Zentrums, sagte der Post am Montag, die Menschenrechtsgruppe könnte eine formale Reisewarnung ausgeben, um Diaspora-Juden und Israelis vor dem Besuch der Stadt zu warnen, weil die Möglichkeit antisemitischer Gewalt besteht. Samuels sagte, das Wiesenthal-Zentrum werde „eine Reisewarnung für Jena überlegen“, weil die antiisraelische Boykott-Kampagne „physischen Antisemitismus zur Folge haben kann“.

Er zitierte die 2010 gegen die schwedische Stadt Malmö ausgegebene Warnung; der dortige sozialdemokratische Bürgermeister Ilmar Reepalu trug zu von der Stadt gefördertem Antisemitismus gegen gefährdete Juden bei. „Der Boykott ist eine Form der Diskriminierung und illegal. Es ist nicht nur ein Boykott gegen Siedlungen; das ist ein Vorwand. Es ist ein Boykott gegen den Staat Israel“, sagte Samuels. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir Antisemitismus von Pax Christi erleben“, fuhr er fort und stellte fest, dass der Bürgermeister und Pax Christi sich entschlossen Staaten wie Syrien nicht zu boykottieren, die Menschenrechtsverletzungen betreiben.

Thüringen und die Stadt Jena sind Brutstätten von Neonazi-Aktivitäten. Kevin Zdiara, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Thüringens Hauptstadt Erfurt, sagte der Post, in Jena „gibt es ein Nazi-Problem“, dass die Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds aus Jena kamen und dass Nazis sich weiterhin im „Braunen Haus“ treffen, einem örtlichen Zentrum der Rechtsextremen.

Zdiara, der den Boykott als erster in einer deutschen Online-Publikation beleuchtete, fügte hinzu, dass der Bürgermeister gewiss genug in Jena zu tun hat, statt einseitige Erklärungen gegen Israel auszugeben. Schröters Argumente „erinnern in gewissen Bereichen an antizionistischem Antisemitismus“, weil die Äußerungen Natan Sharanskys „3-D-Test für modernen Antisemitismus“ erfüllen: Dämonisierung, zweierlei Maßstab („doppelte Standards“) und Delegitimierung.

In einer E-Mail an die Post vom Dienstag schrieb Dr. Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress: „Unglücklicherweise unterstützt ein deutscher Bürgermeister nur acht Jahrzehnte, nachdem erstmals jüdische Geschäfte boykottiert wurden, einen Boykott von Waren aus dem jüdischen Staat. Bei all den echten und systematischen Menschenrechtsverletzungen, die in der Welt stattfinden, kann die Tatsache nicht übersehen werden, dass ein deutscher Bürgermeister sich entscheidet nur den jüdischen Staat herauszugreifen.“

„Der Bürgermeister hat sich zwar automatisch selbst gegen Vorwürfe des Antisemitismus verteidigt, doch davon sollte sich niemand täuschen lassen. Darauf treffen alle Kriterien der Arbeitsdefinition des Antisemitismus der Europäischen Union zu und sollte zu Recht verurteilte werden“, fuhr Kantor fort.

About these ads

4 Kommentare »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

  1. [...] Linke, die jedes Wort nicht-linker Kreise auf die Goldwaage legen und stets sorgfältig nach rechts schielen, um Antisemitismus sensibel aufzuspüren, haben hier keine Bedenken. Denn erstens waren es Glaubensbrüder und zweitens ging es gegen Israel. Jenem Land, das allein durch seine bloße Anwesenheit sämtliche Nachbarstaaten zu unvermeidbarem Terror gegen Zivilisten provoziert. Der örtliche Zweig der Neonazi-Partei (NPD) drückte seine Solidarität mit der Kampagne zum Aufruf zum Boykott israelischer Waren aus, die vom sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Jena, Albrecht Schröter und der linksgerichteten NGO Pax Christi unterstützt wird. Weiter hier… [...]

  2. Mich wundert eher, dass der SPD-Bürgermeister nicht seinerseits die Neonazis lobt, angesichts der engen, geistigen Verwandschaft.
    Die NPD ist antiamerikanisch, antiisraelisch, antikapitalistisch, gegen Gentechnologie und Atomkraftwerke sowie für Mindestlöhne.
    Positionen also, die samt und sonders auch bei den Rot-GRÜNEN häufig vorkommen.

    • Vielleicht werden die das ja irgendwann begreifen. Aber das könnte dann so sein wie mit der NSDAP – die machten auch die Linken kaputt, obwohl sie mit den Kommunisten mehr gemein hatten als mit den anderen. Man könnte aber auch genauso fragen, wieso die Bolschewisten die übrigen Kommunisten so heftig bekämpften. Letzten Endes geht es immer darum die absolute Macht zu haben und den politischen Gegner zu beseitigen, auch den, zu dem es kaum Unterschiede gibt – der sorgt nämlich dafür, dass die Macht und Kontrolle nicht absolut ist.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder einen kostenlosen Blog – auf WordPress.com!. | The Pool Theme.
Entries und Kommentare feeds.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 484 Followern an

%d Bloggern gefällt das: