Die wahre Apartheid ist palästinensisch

22. Juni 2012 um 15:50 | Veröffentlicht in Israel, Nahost-Konflikt | 1 Kommentar
Schlagwörter: , ,

Emily Amrousi, Israel HaYom, 20. Juni 2012

Ein recht bekannter Radiomoderator sagte mir vor kurzem, als Siedlerin sei ich schon okay und meine Argumente könnten auch überzeugend sein. Das Problem, sagte er, sei die „Besatzung“. Der Gedanke, dass die Leute vielleicht endlich aufhören könnten „die Siedler“ für das Problem verantwortlich zu machen, fühlte sich wie ein frischer Luftzug an, reiner Sauerstoff. Doch dann fuhr der Moderator fort: Die Menschen in der ganzen Welt sehen unsere Apartheid-Straßen in Judäa und Samaria und das schade Israels Image immens. Er forderte mich auf darüber nachzudenken, was ich denken würde, wäre ich Palästinenserin und jemand sagte mir ich dürfe auf gewissen Schnellstraßen nicht fahren. Der eben erwähnte frische Sauerstoff verwandelte sich rasch in nicht zu atmendes Kohlendioxyd.

Man kann nicht einmal anfangen dieser Behauptung entgegenzutreten, ohne mit der dezidierten Wahrheit zu beginnen, dass es hier keine Apartheid-Schnellstraßen gibt. Dieser Radiomann setzte einfach das erfundene Narrativ fort. Es gibt nirgendwo in Judäa und Samaria Schnellstraßen, deren Benutzung den Palästinensern verboten ist, die aber Juden nutzen dürfen. Das schließt alle Umgehungsstraßen und alle Siedlungsschnellstraßen ein. Es schließt ebenso die Straße innerhalb der Gemeinde ein, in der ich lebe (nach Aufforderung eines Urteils des Obersten Gerichtshofs erst aus dem letzten Jahr), auf denen ein Palästinenser fahren kann, um von Kindergarten seiner Kinder zum Supermarkt zu fahren, genauso wie ich darauf fahre, um von meinem Haus zu den Nachbarn zu kommen. Entlang der Transsamara-Schnellstraße gibt es Schilder, die alle Fahrer zur Vorsicht vor Radfahrern am Straßenrand mahnen; sowohl palästinensisch als auch israelisch zugelassene Autos fahren mit derselben hohen Geschwindigkeit. Wenn es so etwas wie eine „Apartheid-Schnellstraße“ gibt, dann bezieht sich das auf Schnellstraßen, die nur für Juden gesperrt sind.

Vor etwa drei Jahren hörte der Oberste Gerichtshof innerhalb von nur einer Woche zwei Petitionen an, in denen es um Schnellstraßen ging. Eine der Petitionen wurde von Palästinensern eingereicht, die die Erlaubnis beantragten die Straße 443 zu benutzen. Die andere Petition wurde von jüdischen Siedlern eingereicht, die die Schnellstraße von Talmon (einer Siedlung bei Ramallah) nach Jerusalem benutzen wollten. Beide Petitionen beriefen sich auf das Prinzip der Reisefreiheit. Bitte jetzt noch nicht vom Stuhl fallen. Der Gerichtshof legte fest, dass die Sicherheitsbehörden den Palästinensern die Benutzung der Schnellstraße 443 gestatten müssen, selbst wenn das Israelis auf dieser Straße gefährden könnte. Doch gleichzeitig verbot es dem Verteidigungsestablishment Siedlern die Nutzung der kurzen Schnellstraße von Talmon nach Jerusalem zu gestatten. Jetzt bitte am Stuhl festhalten: Die zweite Entscheidung gründete auf der Sorge des Gerichtshofs um die Sicherheit der Siedler.

Warum bringe ich diese Fälle gerade jetzt auf? Vor einer Woche gab die Zivilverwaltung in Judäa und Samaria – die trotz ihres Namens die volle militärische Kontrolle über jeden Aspekt des Lebens der 360.000 Siedler kontrolliert – palästinensisches Land, das davor zum Bau einer Alternativstraße konfisziert worden war – einer, die die Juden nach Ansicht des Gerichtshofs nicht „gefährden“ würde. Sie hätte auch endlich tausenden Israelis aus dem Bereich Talmon erlaubt die wichtigste Stadt in ihrem Distrikt, Jerusalem, leichter zu erreichen.

Hier sind die Fakten: 20.000 andere Israelis und ich leben in absolut legalen Siedlungen in der westlichen Region Binyamin, die mit Genehmigung der zuständigen Behörden gegründet wurde. Jerusalem liegt direkt auf der anderen Seite des Berges, rund 15 Kilometer Luftlinie; wir können am Nachthimmel klar die Lichter der Stadt sehen. Bis in die späten 1990-er Jahre hinein konnten die Einwohner der Gegend auf einer Schnellstraße fahren, über die man die Stadt in rund 20 Minuten erreichte. Doch dann schlug der Terror auf den Straßen zu und einige Siedler zahlten die Fahrt mit ihrem Leben. Die kurze Schnellstraße nach Jerusalem wurde aus Sicherheitsgründen gesperrt und stattdessen wurden die Autos über eine neue, 60 Kilometer lange, gewundene Straße umgeleitet, die zuerst nach Westen führt, dann wieder östlich und schließlich nach Süden; die Fahrer mussten drei IDF-Checkpoints passieren, bevor sie Jerusalem erreichten.

Der Staat begriff irgendwann, dass er eine akzeptable Route für die Einwohner der Region Binyamin schaffen muss, also wurde 1998 entschieden eine neue Schnellstraße vom Bereich Talmon nach Jerusalem zu bauen. Sie mögen vielleicht fragen: Warum die Palästinenser bestrafen und ihr Land konfiszieren, um eine neue und bequeme Straße für die Siedler bauen? Zuerst einmal ist der palästinensische Terror der absolut einzige Grund, dass diese Menschen die bestehende Schnellstraße nicht nutzen können. Zweitens waren die Siedler bereit die bestehende Schnellstraße zu benutzen aber der Gerichtshof verbot ihnen das. Drittens war die neue Straße für jeden Führerscheininhaber geplant, egal, welche Farbe das Nummernschild hat, ob israelisch oder palästinensisch.

Doch das ist immer noch nichts geworden und jetzt sieht es so aus, als werde es nie passieren. Als Antwort auf eine von Yesh Din vorgelegte Petition (eine NGO, die für Menschenrechte eintritt) kündigte die Zivilverwaltung an, sie habe die Pläne zum Bau einer alternativen Straße gestrichen. Hier sind also die Optionen: Wenn man Jude ist, muss die lange Route gewählt werden, die geografisch völlig unlogisch ist. Ist man Araber, dann kann die effiziente, kurze Straße genommen werden, die seit dem Beginn der ersten Intifada im Dezember 1987 für jüdischen Verkehr geschlossen ist. Wer Gerechtigkeit will und Kind einer jüdischen Mutter ist, sollte diese nicht beim israelischen Obersten Gerichtshof suchen. Das ist im Wesentlichen die Geschichte der Apartheid in Judäa und Samaria.

About these ads

1 Kommentar »

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI

  1. [...] Heplev – Originalartikel bei Israel haYom Dieser Beitrag wurde unter Bekanntmachung, [...]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder einen kostenlosen Blog – auf WordPress.com!. | The Pool Theme.
Entries und Kommentare feeds.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 518 Followern an

%d Bloggern gefällt das: