Der Nahostkonflikt und die Provinz

28. Juni 2012 um 15:06 | Veröffentlicht in Deutschland | Hinterlasse einen Kommentar
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Stefan Göpke (Gastbeitrag)

„Provinz ist da wo man Lehrer zu den Intellektuellen zählt“ sagt Andreas Rebers, der 8 Jahre in meiner Heimatstadt Braunschweig künstlerisch wirkte. Er meint wohl auch die Selbstgefälligkeit, mit der gewisse Gruppen widerspruchslos ihre Phrasen dreschen können. Gestern hatte ich wieder einen der Abende, an dem sich mir die Überlegung aufdrängte, ob Braunschweig Provinz sei oder nicht. Hier gibt es eine sehr rührige Israel-Hasser-Szene, organisiert in „Friedens“-Bewegung, IPPNW (Internationale Ärzte zur Förderung der iranischen Atombombe und Israel-Bashing), wohlwollenden Kirchengemeinden und nicht zuletzt Dr. Tarmassi und sein Heimatvertriebenverein, die uns die Hamas als Sozialvereinigung verkaufen möchten. Bei Demos und „Mahnwachen“ wirken auch mal zusätzlich eine breit gefächerte Front von Islamisten, Faschisten, Kommunisten und sonstigen Friedens nahen Mitbürgern unterstützend. Aktuell ist in Braunschweig im Stadtteil-Kulturzentrum Brunsviga die legendäre Nakba-Ausstellung zu sehen. Nakba ist übrigens arabisch und drückt die Trauer über die nicht gelungene Auslöschung Israels und seiner Bevölkerung aus.

Als deutlichen Kontrapunkt zur Ausstellung haben DIG, GCJZ und DGB zu einen Vortrag mit dem Journalisten Daniel Dagan eingeladen, der auch die falschen Aussagen und Eindrücke der Ausstellung korrigieren sollte. Was war jetzt das Besondere an diesem Abend?

Da es um die Ausstellung im gleichen Hause ging fühlte sich das Pali-Friedens-Milieu genötigt, mal eine echte Informationsveranstaltung zu besuchen statt der üblichen eigenen Israel-Basher-Abende, bei denen hochkarätige Vorbeter der „Israelkritiker“-Szene wie Prof. Steinbach oder die jüdischen Kronzeugen „Dr. Krull“-Moskovitz, Prof. Verleger, Felicia Langer und die Tochter „mal eine andere Meinung äußern dürfen“. Nächste Woche kommt die Fortsetzung mit weiteren „mal anderen Stimmen“: „Friedensforscher“ Prof. Galtung, nochmal „Menschenrechtsaktivistin“ Felicia Langer und „Völkerrechtler“ Prof. Paech, Ex-Kreuzfahrt-Passagier auf dem Sperrmüllkutter der Terror-Organisation IHH. Diesen Abend jedoch mussten sie sich Fakten anhören, die sie bisher erfolgreich verdrängten oder verleugneten. Verzweiflung manifestierte sich in ihren Gesichtern. Dagan ging zwar auf die Befindlichkeiten der Palästinenser ein, bestand aber darauf, die Fakten zu nennen und dass diese akzeptiert werden. Unter anderem bezog er sich auf die Definition „Flüchtling“ und folgerte, dass es reell vielleicht noch 30.000 lebende Geflüchtete von damals gibt. Da der in Kairo geborene Dagan selber mal ein echter Flüchtling gewesen ist, dessen Familie bei der Flucht nach Israel viel verloren hat, konnten die eingebildeten Flüchtlinge und ihre Unterstützer nicht so aggressiv wie gewohnt agieren. Hätte sich jemand auf einer ihrer Veranstaltungen nur halb so laut und aggressiv verhalten, dann wäre er schon lange von den palästinensischen „Saalordnern“ angegriffen worden, wie es bei deren letzten Veranstaltungen üblich war. Dagan reagierte selbst bei größtem Unfug souverän. So beklagte der Chef-Propagandist Dr. Tarmassi, dass er als Flüchtling nicht in seine Heimat Palästina zurückkehren dürfe. „Wo sind Sie denn geboren?“ „Beach Camp.“ „Das ist im Gaza-Streifen. Warum können sie denn da nicht hin?“ „Ich will in meine Heimat Palästina. Wir sind aus Ashdod vertrieben worden.“ (Anm.: Ashdod liegt in Israel.) „Waren Sie jemals in Ashdod?“ „Nein, aber meine Eltern wurden von dort vertrieben.“ „Wie wollen Sie irgendwohin zurückkehren, wo sie noch nie vorher gewesen sind?“ … pure, betroffene Verzweiflung bei Pseudo-Flüchtling Tarmassi. Da musste die lokale Koordinatorin von „Kauft nicht bei Juden“/BDS helfen: „Flüchtling sein ist ja schließlich auch eine gefühlte Sache.“ (Zitate sind sinngemäß verkürzt wiedergegeben.)

Trotz seiner Aufforderung konnte aber niemand den von Daniel Dagan vorgebrachten Fakten ernsthaft widersprechen. Plumpe Versuche, Aussagen Dagans zu verfälschen, wurden von diesem schnell in die passenden Bahnen gelenkt. Einige der vorgebrachten Aspekte wären jedoch in der Beantwortung zu lang gewesen. So schlug Dagan vor, die Fragenden mögen ihn zu einer weiteren Veranstaltung einladen, damit er ihre Fragen ausführlich beantworten könne. Mal sehen, ob sie nicht wirklich an Antworten und Fakten interessiert sind.

Für einen Abend hat es Daniel Dagan jedenfalls geschafft meine Heimatstadt der Provinzialität zu entreißen. Nächsten Montag jedoch kommen Johann, Felicia und Norman und werden mit ihren „mal anderen Stimmen“ Braunschweig wieder einen Teil seiner Provinzialität zurückgeben. …und natürlich den Nahostkonflikt endgültig lösen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie uns erklären, warum Israel die Schuld trägt, dass es immer noch keinen Frieden gibt, obwohl die Palästinenser ihn so sehnlichst herbei wünschen. Da die Begriffe Palästinenser und Frieden als Synonyme gelten, braucht „Palästina“ auch keine Friedensbewegung. So arbeiten deutsche und israelische Friedensfreunde mit Palästinensern zusammen, die sich so anhören als seien sie von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Hamas.

Stefan Göpke, Braunschweig

Linktipp: http://www.danieldagan.com/

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