Antiisraelismus in der finnischen Politik

2. Juli 2012 um 15:17 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 3 Kommentare
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Manfred Gerstenfeld interviewt Ken Sikorski (direkt vom Autor)

Im Ausland weiß man nichts von der finnischen Politik und der starken Hetze, die von einigen Politikern dort gegen Israel betrieben wird. Man findet Israels schlimmste Feinde in Finnlands Parlament bei den drei linken Parteien. Die Sozialdemokraten haben 42 Parlamentarier und sind die zweitgrößte Partei der 200-köpfigen Eduskunta (Parlament). Das Linksbündnis und der Grüne Bund haben 14 bzw. 10 Sitze inne.

Der sozialdemokratische Außenminister Erkki Tuomioja pflegt eine unaufrichtige Miene der Unvoreingenommenheit und der Unterstützung einer „Zweistaatenlösung“. Doch in seiner früheren Amtszeit als Außenminister von 2000 bis 2007 verglich er Israels Verhalten mit dem der Nazis.1

Kenneth Sikorski

Kenneth Sikorski

Ken Sikorski ist ein amerikanischer Rentner, der seit 1987 in Finnland lebt. Er schreibt im international bekannten Blog Tundra Tabloids. Ohne dieses Publikationsorgan wäre kaum etwas über den in Finnland zu findenden Antiisraelismus und Antisemitismus bekannt.

Sikorski führt weiter aus: In einem Interview im Magazin Suomen Kuvalehti dämonisierte Tuomioja 2001 die Verteidiungsmaßnahmen, die Israel anwandte, um Yassir Arafats Terrorkrieg zu begegnen, mit den Worten: „Es ist ziemlich schockierend, dass jemand dieselbe Art von Politik gegenüber den Palästinensern umsetzt, deren Opfer er selbst in den 1930-er Jahren war.“

Bevor Tuomioja 2011 wieder Außenminister wurde, unterzeichnete er eine Online-Petition des Israeli Committee Against House Demolitions (ICAHD – Israelisches Komitee gegen Hausabrisse), die sich gegen Waffenhandel zwischen Finnland und Israel richtete. Finnische Waffenverkäufe an die Saudis hatte allerdings keine negative Antwort seinerseits zur Folge.2

2011 erklärte Tuomioja auf einer Podiumsdiskussion [auf Israel gemünzt], die Existenz eines jeden Landes, das auf Apartheid gründet, sei nicht zu rechtfertigen und nicht stabil.3 Hinterher versuchte er zurückzurudern, doch bereits 2003 hatte er Israels Sicherheitszaun mit ähnlichen Vergleichen beschrieben.

Tuomiojas Ministerium hat die Aufsicht über die Finanzierung von NGOs. In einem Bericht von NGO Monitor aus dem Jahr 2006 wurde festgehalten: „Seit 2000 sind die von den Palästinensern verwalteten Gebiete unter den Top-16-Empfängern finnischer Entwicklungsgelder gewesen und haben insgesamt rund €28 Millionen an bilateralen Geldmitteln von Finnland erhalten. […] Allerdings werden einige dieser Mittel abgezweigt, um politisierte NGOs zu fördern, die zur Hetzte [gegen Israel] beitragen.“4

Finnland ist eine der Regierungen, die palästinensische Schulbücher finanzieren. Ido Mizrachi vom Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (Institut zur Beobachtung von Friedens- und kultureller Toleranz in der Schulbildung) sagte dem Bildungsausschuss der Knesset 2010: „Offizielle PA-Schulbücher definieren Juden als ‚Schlangen‘, ‚Rassisten‘, ‚Kolonisatoren‘ und glorifizieren darüber hinaus ‚Schahide‘. […] In Atlanten und PA-Schulbüchern gibt es Israel nicht.“5

Die Partei Linksbündnis (Vasemmisto) ist noch schlimmer. Ihr Sprecher und derzeitiger Kultusminister Paavo Arhinmäki sagte im November 2011 ein einem lokalen Fernsehprogramm, Israel habe sich am Völkermord an den Palästinensern betrieben.6 Einen Monat davor sponserte das Bildungsministerium ein antiisraelisches „Friedensseminar“. Zu den Rednern gehörten der israelische revisionistische Historiker Ilan Pappe und Ali Abunima von Electronic Intifada.7 Einer meiner Kollegen telefonierte mit dem Bildungsministerium, um sich wegen der Beteiligung des Ministeriums zu beschweren. Er wurde informiert, das Arhinmäkis Ministerium für die Veranstaltung verantwortlich war.

In einer Debatte zum Waffenhandel zwischen Israel und Finnland im Parlament beschuldigte Anna Kontula, eine Parlamentarierin des Linksbündnisses, Israel, es sei ein „Kinderfolterer-Staat“. Sie formulierte allgemein, Finnland dürfe nichts mit seinem solchen „Kinder folternden Staat“ zu tun haben.8

Dan Koivulaakso, Sprecher der Jugendorganisation des Linksbündnisses, ist eine wiederholt auftretende Stimme der antiisraelischen Bewegung. 2010 wurde mehreren finnischen linken Aktivisten die Einreise nach Israel für zehn Jahre verboten, nachdem sie zu den Gründen für einen Besuch gelogen hatten. Koivolaakso verurteilte daraufhin sowohl die finnische Botschaft, weil sie nicht für seine Genossen eingetreten war, als auch Israel, weil es seine lügenden Parteimitglieder nicht herein ließ.9

Mehr davon findet man in des Grünen Bundes. 2003 hatte deren Abgeordnete Anneli Sinnemäki den Vorsitz bei einem Podium zum Nahost-Konflikt an der Universität Helsinki. Ich erinnere mich, dass sie in der Einleitung des Seminars mit dem Titel „Unabhängigkeit oder Fortgesetzte Besatzung“10 ihre völlige Ignoranz der den Konflikt umgebenden Fragen erwähnte. Sie dankte ihren Kollegen auf dem Podium dafür, dass sie ihre „Sachkenntnis“ zeigten. Alle Mitglieder des Podiums gehörten zur strammen Linken.

Die antiisraelische Rhetorik des Grünen Bundes kennt oft keine Grenzen. Sein früherer Voristzender Osmo Soininvaara genehmigte einmal einen Kommentar auf seinem Blog, in dem der Wunsch zum Ausdruck gebracht wurde alle Juden ins Meer getrieben zu sehen. Erst nach viel Empörung löschte er den Kommentar ohne eine Entschuldigung abzugeben.11

2009 veröffentlichte, Vihreä, das Online-Magazin der Grünen-Partei, eine antisemitische Karikatur, in der die israelische Flagge mit dem Hakenkreuz der Nazis gleich gesetzt wurde. Gemäß des European Union Monitoring Centre on Racism and Xenophobia (EUMC) schließt Antisemitismus den Vergleich aktueller israelischer Politik mit der der Nazis ein. Das Magazin entschuldigte sich nie für die Karikatur, genauso wenig wurde sie jemals von irgendeinem Politiker der Partei verurteilt.12

Sikorski schließt: Man findet bedeutende Feinde Israels in der Finnischen Lutherischen Kirche, ebenso bei mehreren NGOs. Diese zu analysieren würde allerdings ein längeres Interview erfordern.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre war.

1 Efraim Karsh: Finnish Delusions. In: The Jerusalem Post, 6. November 2011.
2 Mither’s Blitz: Finland: The quiet arms salesman. In: The Jerusalem Post, 14. Dezember 2011.
3 “Israel deplores Tuomioja’s apartheid comments. In: Helsingin Sanomat, 26. Oktober 2011.
4 “Analysis of NGO Funding: Finland’s Ministry for Foreign Affairs Development Cooperation”. In: NGO Monitor, 6. März 2006.
5How Come Israel Forgot To Remove Incitement From PA Textbooks In East Jerusalem?” (http://israelbehindthenews.com/bin/content.cgi?ID=4055&q=1)
6 “Finnish ‘minister of culture,’ radical left wing Marxist Paavo arhinmäki smears Israel with genocide label on state tv”. In: Tundra Tabloids, 21. Januar 2012.
7 “Finnish government sponsors hate fest ‘peace forum’ in Helsinki on 15.10.2011”. In: Tundra Tabloids, 8. Oktober 2011.
8“Finnish Parliament, Minutes of the Plenary” (Protokolle der Plenarsitzungen des finnischen Parlaments; www.eduskunta.fi/faktatmp/utatmp/akxtmp/ptk_23_2012_ke_p_2.shtml)
9 “Radical left-wing Finnish activists banned from Israel for ten years for lying to border guards”. In: Tundra Tabloids, 22. Juli 2010.
10 “Independence or continued occupation? Israeli activists and Finnish researchers and politicians discuss.” Einladung zu einem Seminar, JIPF, November 2003.
11
“Former Finnish Greens Party Spokesman Osmo Soininvaara Approved Disgusting Anti-Semitic Comment on His Blog.” In: Tundra Tabloids, 15. Februar 2009.
12 “Finnish Greens Party Paper Publishes Anti-Semitic Cartoon.” In: Tundra Tabloids, 19. Januar 2009.

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3 Kommentare »

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  1. Reblogged this on Attalan's Blog.

  2. Diese so “sauberen” nordischen Staaten (leider nicht nur sie!) zeichnen sich wohl alle durch massive antiisraelische/antijüdische Aktivitäten aus (was dann verirrte und verwirrte Geister wie jenen A. Brejvik auferstehen läßt). Die dortigen Vertreter der “Friedensreligion” bedanken sich für die (kompensatorisch verinnerlichte) Islamophilie der Einheimischen auf ihre Weise: epidemieartige Vergewaltigungen von nordischen Mädels (und Jungen)! Mal sehen, was sich diesbzgl. in absehbarer Zeit noch so alles offenbaren wird (von den dummen Kälbern und ihren Schlächtern – dort, wie allderdings auch hier). Schalom ISRAEL

  3. Daß Sozialismus mit Antisemitismus Hand in Hand geht, wissen wir bereits. Daß Finnland Spionage-Aufträge gegen den Staat Israel vergibt habe ich auch schon gelesen. Aber der heutige Blog-Eintrag hat mir die Augen weiter geöffnet. Danke für die regelmäßigen Informationen in diesem Blog.


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