Gift im Nahost-Konflikt

10. Juli 2012 um 14:02 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Medien+Nahost, Nahost-Konflikt | 4 Kommentare
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Richard Landes, The Augean Stables, July 9, 2012

Die New York Times brachte die folgende Karikatur von Patrick Chappatte, angeblich über die Vergiftung des Yassir Arafat.

(Arzt: Wir fanden Spuren von Gift in der palästinensisch-israelischen Beziehung)

Mancher hält das für eine empörende Karikatur, die die Verleumdung unterstützt Israel habe Arafat vergiftet. Und das könnte genau das sein. Immerhin ist Chappatte ein Befürworter der Vernichtung Israels; oder er ignoriert total, was auf dem Spiel steht, wie in dieser Karikatur:

(Netanyahu: Ihr mauert euch selbst in eine Ecke.
Bildunterschrift im Orginialartikel: Als ob die Wiedervereinigung von Hamas und Fatah gut wäre für den Frieden…)

Doch ob nun unabsichtlich oder nicht, sie bringt ein sehr anderes und kritisches Argument an. Von Anfang an ist die Beziehung zwischen Israel und seinen Nachbarn von dem vergiftet worden, was Nidra Poller „tödliche Narrative“ genannt hat – Geschichten, die (in diesem Fall) Israel des absichtlichen Mordes an unschuldigen Zivilisten beschuldigt, vorzugsweise an Kindern. Tödliche Narrative sind Schlüsselelemente der kognitiven Kriegsführung, dazu geschaffen unmittelbar Hass und das Verlangen unter „uns“ (deren Kinder ermordet werden) zu schaffen, Schuld und Selbstverachtung von „ihnen“ (deren Soldaten das Töten ausführen) und Feindseligkeit bei den Zuschauern (den Westlern, deren Urteil eine kritische Rolle in der Bestimmung der Politik spielt).

Das mächtigste tödliche Narrativ, die Geschichte des Mohammed al-Durah, war eine Atombombe der kognitiven Kriegsführung. Es rüttelte Muslime in der ganzen Welt auf; es füllte die Israelis mit Entsetzen und untergrub ihre Fähigkeit sich gegen Beschuldigungen zu verteidigen; und es begeisterte verschiedene Gruppen, in erster Linie Europäer und Link, die es als einen „schuldfrei aus dem Holocaust herauskommen“-Fahrschein betrachteten, der sie von jeder Verpflichtung entband Israel gegenüber fair zu sein.

(Bildunterschrift im Originalartikel: Von der Internetseite von „International ANSWER“)

Der Zug war ein Geniestreich des kognitiven Krieges. Jihadis brachten die Europäer dazu ihr tödliches Narrativ während der frühen Intifada wiederholt im Fernsehen zu spielen, die Flagge des Jihad vor ihrer muslimischen Einwanderer-Bevölkerung zu schwenken. Als Ergebnis bekam das Europa des 21. Jahrhunderts eine „muslimische Straße“.

Die Mainstram-Nachrichtenmedien waschen tödliche Narrative und präsentieren sie der Öffentlichekit als „Nachrichten“; das spielt eine kritischer Rolle in der palästinensischen (und darüber hinaus der islamistischen) kognitiven Kriegsführung. Nachdem sie sich erst einmal wegen des al-Durah-Gifts ausgetobt hatten, glaubten die Mainstream-Nachrichtenmedien alle Behauptungen der Palästinenser, dass Israelis Kinder getötet hatten, bis das als falsch bewiesen wurde; sie bezweifelten alle israelischen Reklamationen der Unschuld, bis diese sich als wahr erwiesen. Und wenn das geschah (lange nachdem das ursprüngliche tödliche Narrativ verbreitet worden war) murmelte die Presse Korrekturen und machten mit den nächsten tödlichen Narrativ weiter.

Persönlich hatte ich eine direkte Erfahrung mit dieser Dynamik, als ich 2007 in Budapest einen Vortrag zu Millenarianismus hielt. Ich stellte al-Durah als Schlüsselelement der sich rasend ausbreitenden muslimisch-apokalyptischen Überzeugungen dar und vewies auf die Geschichte als „Blutschuld-Vorwurf“. Die Organisatorin der Konferenz stellten fest:

Ich habe vor nachlässigem Wortgebrauch auf dieser Konferenz gewarnt [davor hatte ich nahe gelegt, dass Marx ein Millennialist war] und Ihr Gebrauch des Blutschuld-Vorwurfs ist ein erstklassiges Beispiel: Das ist einfach nur Mord an Kindern, von dem wir als Fakt wissen, dass Israelis ihn tagtäglich verüben. (kursive Hervorhebung durch RL)

In ihrer „Erklärung der Fakten“ bewies die Sprecherin die Wirksamkeit der Blutschuldvorwurfs, den sie abstritt.

Eine der Schlüsselfunktionen der Mainstream-Nachrichtenmedien ist es, als Dialysemaschine zu dienen, die Gifte auszufiltern, die die zivilen Verfassungen zu schwächen, in denen sie agieren. Doch zumindest im arabisch-israelischen Konflikt haben sie leider die Rolle des Gifteinflößers tödlicher Narrative in den Informationsstrom des Westens gespielt.

Wir alle sind anfälliger dafür geworden. Wir finden in der Tat Giftspuren in der israelisch-palästinensischen Beziehung und die groteske Story Israel habe Arafat vergiftet ist nur das jüngste Beispiel – und die Karikatur oben eine armselige Illustration dafür.

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4 Kommentare »

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  1. Arafat vergiftet? Schön wär’s, den das würde heißen, dass sich die Israelis zu spät das getan haben, was sie vor x Jahren getan haben sollten: Arafat vom Leben zum Tode zu befördern.

    • Finde ich unangemessen.

      • Du findest WAS unangemessen? Arafat zu seinen 72 Jungfrauen zu schicken? Mann, die Israelis haben schon geringeren Terroristen eine Fahrkarte in die Hölle ausgestellt und Arafat war DER Top-Terrorist, den Israel am Hals hatte. Und den Rest deines Beitrags hab ich nich gelesen, um ehrlich zu sein, TL;DR :D :P

        P.S.: Bin wohl nich der einzige, der zu dieser Uhrzeit nicht schläft im DE-Teil des Netzes ^^

        • Die Begeisterung finde ich unangemessen. Und demnächst liest du vielleicht dann doch lieber den ganzen Text.


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