Was die Geschichte zum israelisch-palästinensischen Konflikt beiträgt

17. Juli 2012 um 2:56 | Veröffentlicht in Geschichte, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Seth Mandel, Commentary Magazine, 20. Mai 2012

Im September 1993 erzählte Yassir Arafat eine der wichtigsten Lügen der jüngeren Geschichte. Damals residierte Arafat noch dort, wo er hin gehörte: auf der Terrorliste des US-Außenministeriums. Doch das Datum der Zeremonie am Weißen Haus mit der die Unterzeichnung der Prinzipienerklärung rückte näher und die Clinton-Administration hatte ihren früheren Widerstand aufgegeben Yitzhak Rabin aufzufordern die blutverschmierte Hand des engagierten Mörders auf dem Rasen des Weißen Hauses zu schütteln, damit jeder seinen „historischen“ Moment in der Sonne haben konnte.

Also schrieb Arafat einen Brief. Er würde – Pfadfinderehrenwort – seine Kampagne zur Auslöschung des jüdischen Volkes beenden. „Unsere Anwälte bewerteten diese schriftliche Absage als ausreichenden Grund, dass der Präsident Arafat und die PLO von der Terrorliste des Außenministeriums nahm“, schrieb Martin Indyk in seinen Memoiren zur Nahost-Diplomatie der Clinton-Administration. Der Rest, wie es so schön heißt, ist Geschichte.

Ich berichte diese Story nicht, um einen überflüssigen Schlag gegen die Naivität der Clinton-Administration zu führen oder gegen die nonchalante Art, wie israelische Sicherheitsbedenken in eine Kiste auf dem Dachboden des Weißen Hauses gesteckt wurden, damit Clinton in die Kameras grinsen konnte. Es geht darum, dass Arafat erlaubt wurde die Chancen auf Frieden zu kapern und zu vernichten und das nicht einfach rückgängig gemacht werden kann, selbst wenn wir aus diesen Fehlern etwas gelernt haben.

Aaron David Miller, ein Mitglied von Clintons Team, wirkt jetzt am Woodrow Wilson International Center for Scholars und schreibt regelmäßig Kolumnen für Foreign Policy; er hat seinen Hochsitz für Versuche genutzt die Fehler der Clinton-Administration gutzumachen. Das ist ein ehrenwertes und lobenswertes Tun. Gestern moderierte er im Center eine interessante Diskussion zwischen dem ehemaligen Shin-Bet-Direktor Ami Ayalon und Obamas früherem Wahlkampfberater Robert Malley. Bei der Veranstaltung ging es angeblich darum, das die alten Verhandlungsparadigmen irgendwie unbrauchbar geworden ist und der Wert des Unilateralismus [einseitiges Handeln] vorrückt.

Malley beschrieb eine Strategie der „parallelen unilateralen Schritte“. Ayalon stimmte weitgehend zu, bestand aber darauf, dass „dies ein freundlicher Unilateralismus ist, kein feindseliger Unilateralismus“. Aber keiner ging dazu über detaillierter zu beschreiben, wie dieser freundlich-nachbarliche Unilateralismus in der Praxis aussehen sollte. Und Malley wiederholte Millers These, mit der er nahe legte, dass es schwierig zu verstehen sei, wie die Aufgabe der Fiktion eines bilateralen Friedens derzeit möglicherweise größeren Schaden anrichten könnte, als sie beizubehalten.

Doch hier gibt es zwei Probleme. Erstens gab Ayalon bereitwillig zu, dass „wir die Parameter für einen endgültigen Deal kennen“; diese würden „die Clinton-Parameter sein … und all das, was wir in den letzten 20 Jahren diskutierten“. Weil die „letzten 20 Jahre“ von der Palästinenserführung genutzt worden sind, um so laut und oft wie möglich zu verbreiten, dass sie diese Vorstellung ablehnen, kann man sich schwerlich vorstellen, warum Ayalon immer noch glaubt, dass es sich um einen durchführbaren Plan handelt. Doch seine Eröffnung scheint zu sein, dass Israel sich an diese Parameter halten sollte, ob nun mit oder ohne palästinensische Kooperation.

Jetzt mag es wert sein oder nicht das auszuloten – ich habe über „koordinierten Unilateralismus“ schon früher geschrieben, obwohl ich nicht sicher bin, dass die Taktik zu ändern, während man dieselben Parameter für eine Endstatus-Vereinbarung beibehält, durchführbar ist.

Aber Ayalon hat eine revolutionäre Idee und das ist eine, die in letzter Zeit Aufmerksamkeit erregte. Sie sieht so aus: Behandelt israelische Siedler wie Menschen. Ayalon schrieb im April in der New York Times: „Wir haben gelernt, dass wir mit unserem vorgeschlagenen Plan unvoreingenommen sein, die Anliegen der Siedler diskutieren müssen und sie vor allem nicht dämonisieren dürfen. Sei sind diejenigen, die den Preis der Vertreibung aus ihren Häusern und auch aus ihrem zutiefst empfundenen Auftrag der Besiedlung des Landes zahlen müssen.“

Ayalon wiederholte diese These gestern. Das ist wichtig, denn in den Mainstream-Medienorganen und bei den links stehenden Journalisten wird man keine solche Empathie gegenüber den Siedlern finden. Genauso wenig Nuancen oder Komplexität.

Malley seinerseits will auch die Siedler am Tisch haben. Teilweise, weil Malley jeden mit am Tisch haben will – er vertritt seit langem, dass mit der Hamas verhandelt werden soll. Doch das lässt diejenigen, die die Siedler ausschließen wollen, noch lächerlicher aussehen. (Unter Linken macht die Vorstellung, dass man mit der Hamas redet, aber nicht mit orthodoxen Juden, absolut Sinn – was hilft die Marginalisierung der israelischen Linken zu erklären.)

Doch das wirft eine wichtige Frage auf: Bringt man die Siedler als Requisite an den Tisch, um die eigene Empathie und Humanität zur Schau zu stellen und fordert sie auf still dort zu sitzen, während man ihnen den Kopf tätschelt? Oder bringt man sie an den Tisch, um sie an den Verhandlungen zu beteiligen? Malley, Ayalon und Miller sind alle drei Männer der Linken, daher ist es ermutigend sie so reden zu hören, aber das Germium war nicht gerade ausgewogen. Und die Geschichte ist – einmal mehr – ein Hindernis: Respektlosigkeit gegenüber den Siedlern und die Reinwaschung des gewalttätigen palästinensischen Verweigerertums sind tief sitzende Elemente des Friedensprozesses.

Während seiner Präsentation sagte Ayalon, er glaube „es gibt keinen Frieden ohne Friedenspartner“. Wenn das stimmt, dann gibt es auf Grundlage des Verhaltens des „Partners“ Israels keinen Frieden.

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