Über diese besondere Beziehung

1. August 2012 um 14:05 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Daniel Greenfield, Sultan Knish, 30. Juli 2012

Romney ist in Israel gelandet und Obama droht Israel während seiner zweiten Amtszeit zu besuchen. Das erscheint Amerikanern wie gute Nachrichten, aber für Israelis sind Besuche von Präsidenten und Präsidentschaftskandidaten oft schlechte Nachrichten.

Auf Romney Reiseplan stehen Großbritannien, Israel und Polen; das ist eine clevere Kritik per Reiseroute an Obamas Außenpolitik. Sowohl Kerry als auch Obama machten Wahlkampf mit dem Versprechen die kaputten Beziehungen Amerikas zu seinen Verbündeten zu reparieren. Romney macht auf subtile Weise dasselbe, indem er Verbündete besucht, die die letzten drei Jahre über verprellt wurden.

Als Obama das erste Mal Israel besuchte, waren die umstrittenen Vorwahlen der Demokraten gerade abgeschlossen und die jüdischen Wähler und Organisationen hatten ihre Unterstützung Hillary Clinton gegeben. Obama hatte jüdische Linke, aber er hatte die eher in der Mitte angesiedelten jüdischen Demokraten nicht für sich gewonnen. Und zusätzlich war das Haus des kleinen Satan zu besuchen eine Möglichkeit den Argwohn wegen seiner muslimischen Wurzeln zu zerstreuen.

Obama hat sich nicht mit einem Besuch Israels behelligt, aber er hat sich auch nicht mit einem persönlichen Besuch bei der NAACP gekümmert. Und das ist nur gut so. Israel braucht einen Besuch Obamas so sehr, wie es mehr von diesen „mysteriösen Bränden“ braucht, die als Teil des „Brandstiftungs-Jihad“ gelegt werden.

Ein Präsidentenbesuch ist in vielen anderen Länder eine Formalität, während einer in Israel eine Unannehmlichkeit. Präsidenten, die Israel besuchen, müssen auch einen Stopp bei den Terrorführern einlegen. Präsidenten kommen nicht mal eben vorbei, essen ein Pita, riechen an den Blumen und schütteln ein paar Hände. Stattdessen kommen sie mit Friedensschluss-Pflichten im Gepäck und beauftragen dann alle anderen mit der Friedensschließerei.

Über Putins Besuch in Israel lag etwas Faszinierendes, wenn auch wenig Gutes, denn dieser hatte wenigstens die Atmosphäre des Unberechenbaren. Präsidentenbesuche in Israel sind jedoch schmerzlich vorhersagbar. Bei diesen Reisen kommt nie etwas Neues heraus und auch nichts Gutes. Sie sind zu einem großen Teil wie Familientreffen – theoretisch pläsierlich, praktisch unangenehm. Beide haben eine besondere Beziehung, die man nie wirklich richtig definieren kann und die Besuche sind bringen immer eine Aura der Enttäuschung mit sich.

Ein Präsidentenbesuch hat den Geruch eines Chefs, der runter kommt, um nach einem faulen Mitarbeiter zu sehen. Bei der Ankunft gibt es die üblichen Äußerungen der Hoffnung auf Frieden. Außerhalb der Öffentlichkeit werden dem Premierminister – wer auch immer gerade im Amt ist – Vorwürfe gemacht, dass immer noch kein Frieden erreicht ist. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in einer Hauptstadt, die die Vereinigten Staaten immer noch nicht anerkennt, nach den üblichen Formalitäten zu der besonderen Beziehung und der Verpflichtung zur Sicherheit Israels, wird der Präsident Reportern sagen, dass für den Frieden mehr Opfer nötig sind. „Und das nächste Mal, wenn ich mit euch rede, sollte gefälligst Frieden herrschen“, ist die unausgesprochene Botschaft, die immer in der Luft hängt.

Besuche von Präsidentschaftskandidaten sind eine weniger lästige Pflicht, aber nicht weniger bedeutsam. Kandidaten kommen in Israel vorbei, so wie sie jeden anderen Staat besuchen. Sie besuchen ein paar wichtige Orte, lassen sich dort fotografieren, bekommen eine Tour durch örtliche Offizielle und fliegen über die schmalste Stelle an Israels Grenze, die demonstriert, wie heikel die Lage strategisch ist.

Wie alle erfahrenen Politiker zeigen sie viel Verständnis für die Probleme, die ihre Gäste haben, wie auch immer diese aussehen mögen. Sie betonen, dass sie, anders als der letzte Typ von der anderen Partei, Israel nicht unter Druck setzen werden mehr Zugeständnisse zu machen. Und dann steigen sie ein paar Jahre später aus einem Flugzeug und runzeln auf dem Vorfeld die Stirn, weil der Frieden fehlt. „Wo ist jetzt dieser verdammte Frieden endlich? Ich habe ihn letzte Woche befohlen.“

Für Israel wäre es am besten, wenn der nächste amerikanische Präsident vergäße, dass Israel überhaupt existiert oder sich entscheiden, dass es ein kleines Land wie Slowenien oder Fidschi wäre, mit dem man sich nicht beschäftigen muss. Ein großartiger Monat wäre einer, der ohne irgendwelche Äußerungen des Außenministeriums zu Israel oder ohne eine einzige Frage oder Antwort von einem Pressesprecher des Weißen Hauses über dieses kleine Land, das zwischen viel größere Länder gequetscht ist, wo derzeit offen weit interessantere Dinge im Gang sind.

Stattdessen vergisst niemand Israel. Es ist das eine Land, von dem die westliche Welt und die muslimische Welt gleichermaßen besessen sind. Asien steht durch diese Besessenheit vor einem Rätsel, was seit den Tagen schon immer so war, als es von Nazi-Propaganda überflutet wurde, die  Juden würden die Welt regieren, während gleichzeitig bettelarme jüdische Flüchtlinge in China und Japan auftauchten.

Die Juden kontrollieren nicht nur nicht die Welt, sie kontrollieren nicht einmal ihre eigenen Grenzen oder dürfen ihre Hauptstadt selbst bestimmen. Es vergeht kein Tag, ohne dass ein Experte seine Pfoten aufs iPad legt und etwas Geschwollenes über die Hoffnung auf Frieden heraushaut, der nur verwirklicht werden kann, wenn die kriegslüsternen Israelis den Holocaust hinter sich lassen und die Terrorbanden Fatah und Hamas ihren eigenen Staat haben lassen.

Andere Länder haben Kunst, Wissenschaften, historische Rätsel und schimmernde Strände. Israel hat all diese Sachen auch, aber es gibt sie im offiziellen Narrativ nicht. Die Knochenarbeit fast eines Jahrhunderts gilt nicht mehr als die nebensächliche Erwähnung in noch einer weiteren Nachrichtenmeldung über israelische Checkpoints, die schwangere Frauen und Selbstmordbomber davon abhalten schnell genug nach Jerusalem zu kommen.

Die dunkle Wolke des ewigen Friedensprozesses überschattet alles, was Israel ist und tut. Und er definiert seine Beziehung zu amerikanischen Führungspolitikern, die bei ihren ersten Besuchen Israel als einen Ort betrachten mögen, bei ihren Folgebesuchen aber als Problem, das dringend eine Zweistaatenlösung benötigt.

Die amerikanisch-israelische Beziehung begann, als den Vereinigten Staaten die muslimischen Verbündeten im Nahen Osten ausgingen. Sie begann zu schwinden, als die USA Ägypten aus dem sowjetischen Lager zogen. Sie ist seitdem jedes Mal besser oder schlechter geworden, wenn Administrationen nach langfristigen Beziehungen in der muslimischen Welt suchen gingen. Die amerikanischen und israelischen Regierungen sind wie ein Paar gewesen, das sich mit dem jeweils anderen abfinden musste, weil sie niemand anderen haben.

Israel verlor seine französische Geliebte und die USA fanden nie ein muslimisches Land im Nahen Osten, das ein verlässlicher Freund war und dessen Führer nicht die US Marines zum Schutz vor dem eigenen Volk benötigten. Trotz ihrer besten diplomatischen Bemühungen haben die Vereinigten Staaten niemals jemand anderes gefunden, doch das hält sie nicht davon ab Israel ständig wegen seiner Unzulänglichkeiten zu belehren und es daran zu erinnern, dass ihre besondere Beziehung verhindert, dass die USA irgendeinen der großartigen muslimischen Staaten zu kriegen, die sie haben könnten.

Obama war die beste Chance eine besondere Beziehung mit der muslimischen Welt zu gewinnen, doch trotz seiner größten Bemühungen kam keine solche Beziehung zustande. Doch die Verantwortung dafür wird wie üblich nicht Obama angelastet, sondern den Israelis zugeschoben, weil die jedes potenzielle Rendezvous abschrecken. In Washington DC brüten die Diplomaten über ihren neuesten Plänen beim Iran zu landen oder Ägypten in Ordnung zu bringen, damit sie Israel endgültig abservieren können und die Israels versuchen mit China oder Russland zu flirten; doch am Ende müssen sie alle Leine ziehen, weil es niemanden sonst gibt.

Israel und Amerika müssen miteinander klar kommen. Amerika braucht einen verlässlichen Partner im Nahen Osten, dessen Regierung nicht plötzlich stürzt und von jihadistischen Irren ersetzt wird; und Israel braucht einen Freund, dessen Führer nicht öffentlich davon reden, wie sehr sie den jüdischen Staat hassen. Das ist nicht gerade eine im Himmel gestiftete Ehe, aber für zwei Demokratien mit einem gewissen Maß an gemeinsamer Geschichte und gemeinsamen Problemen ist es alles, was sie haben.

Es gibt nicht viel Besonderes zu den gegenseitigen Besuchen von amerikanischen und israelischen Führungspolitikern. Meistens hören sie sich wie ein lange verheiratetes Ehepaar an, die zum tausendsten Mal denselben Streit haben: „Macht Frieden mit den Palästinensern!“ „Tut etwas wegen des Iran, sonst mache ich das.“ Und dann wird jeder, ohne irgendetwas erreicht zu haben, zähneknirsched nach Hause gehen.

Es gibt große Hoffnung, dass ein neuer Präsident anders sein wird und dass diesmal der Kreislauf durchbrochen werden wird; doch ein paar Jahre später stehen wir wieder genau da, wo wir gestartet sind und in der Regel schlechter da. Nach einer Weile laufen die Schlagzeilen zusammen in eine Schmierspur aus Tinte, die Sendungen sind voller ernster Reporter, die vor einem dunklen Hintergrund stehen und düster von einem weiteren Schlag für die Hoffnungen auf Frieden berichten; alles scheint dasselbe zu sein, egal, wie viele Moden sich geändert haben und wie viele Jahrzehnte vergangen sind.

Die USA erwarten von Israel, dass es seine Probleme mit der muslimischen Welt löst, indem es den Friedensprozess abschließt. Doch das Problem mit dieser Zweistaaten-Lösung besteht darin, dass Israel nicht die Wurzel aller Problem in der muslimischen Welt ist. Amerikas Probleme mit dem Islam kommen von demselben Ort wie Russlands Probleme mit dem Islam und die Probleme aller anderen mit dem Islam.

Dennoch wird weiter geglaubt, dass wenn Israel endlich seine besondere Beziehung mit der muslimischen Welt aufbaut, die USA in der Lage sein werden, ebenfalls ihre besondere Beziehung zur muslimischen Welt  aufzubauen. Und wenn jeder Präsident sich an den Tisch setzt und seine Briefings bekommt, dann setzen diese Briefings die muslimische Gewalt in einen Zusammenhang mit Israel. Und Israel wird zu zionistischen Knoten, der durchschlagen werden muss, um die Feindseligkeit von einer Milliarde Muslime zu entwirren.

Es ist einfacher Israel zu zerstückeln, als mit der Möglichkeit umzugehen, dass die internen Konflikte des Islam und die externen Feindseligkeiten nicht zu lösen sind. Dass sie etwas sind, mit dem wir ohne einfache Abkürzungen durch Jerusalem klar kommen müssen. Und wenn Politiker etwas sind, dann Fans von einfachen Lösungen. Präsidentschaftskandidaten mögen kommen und Gehen, sie mögen drüber fliegen und sehen, wie schmal Israel ist, sich mit Generalen und Soldaten im Feld treffen und mit Bauern und Viehwirten in deren Feldern, aber wenn sie den jüdischen Staat verlassen, dann wird dieser schmale, hingezogene Landstrich zu dem Knoten, der durchschlagen werden muss, damit die muslimische Welt veranlasst wird mit dem Töten aufzuhören und Amerika zu lieben beginnt.

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