Wo sind die moderaten Araber und Palästinenser?

8. August 2012 um 15:24 | Veröffentlicht in Nahost-Konflikt, Palästinenser | 4 Kommentare
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Khaled Abu Toameh, Gatestone Institute, 4. Juni 2012

In Israel gibt es Dutzende Organisationen, die offen für Frieden mit den Palästinensern und der arabischen Welt werben. Einige gehen sogar so weit die israelische Regierung aufzufordern die Forderungen der Palästinenser zu 100 Prozent zu erfüllen und sich komplett auf die Linien von vor 1967 zurückzuziehen.

Viele dieser Organisationen und Parteien sind auch aktiv dabei, wenn es darum geht Proteste gegen Israels Handeln in den Palästinensergebieten zu beginnen, besonders gegen den Bau der Sicherheitssperre und neuer Häuser in Siedlungen.

Israelische Menschenrechtsgruppen und andere Organisationen sind gewöhnlich die ersten, die die Israelischen Verteidigungskräfte oder die Regierung verurteilen, wenn mit den Palästinenser etwas schief geht. Einige Israelis haben sich entschieden ihre Proteste auszuweiten, indem sie an palästinensischen Straßendemonstrationen gegen die IDF in der Westbank oder die Polizei in Jerusalem teilnehmen.

Auch sind die israelischen Medien voller Artikel – geschrieben von Juden – die dem israelischen Establishment gegenüber extrem kritisch sind und die offen palästinensische Forderungen nach Eigenstaatlichkeit und Unabhängigkeit unterstützen. Daher überrascht es nicht, dass palästinensisch Zeitungen ganze Seiten der Veröffentlichung von Übersetzungen (pro-palästinensischer) Artikel und Berichte gewidmet sind, die zuerst in den israelischen Medien erschienen.

Einige israelische Politiker, besonders arabische Knesset-Abgeordnete, haben das parlamentarische Podium genutzt, um die Sache der Palästinenser voranzutreiben und zu verteidigen. Politik und Handeln Israels werden in der Knesset stärker verurteilt als im palästinensisch oder jedem arabischen Parlament. Das Palästinenserparlament ist übrigens seit 2007 wegen des Disputs zwischen Hamas und Fatah paralysiert.

In den meisten Parlamenten der gesamten arabischen Welt genießen die Parlamentarier nicht dieselbe Redefreiheit wie ihre Gegenüber in Israel. Abgeordnete in der arabischen Welt können nicht aufstehen und offen Frieden mit Israel fordern. Wann war das letzte Mal, dass ein arabisches Parlament oder ein prominenter Politiker oder Kolumnist Frieden und Kompromiss mit Israel forderte?

Kann irgendjemand in den Palästinensergebieten oder der arabischen Welt eine Partei bilden, die für Frieden, Koexistenz und Harmonie mit Israel wirbt? Im Gegenteil, die einzigen Stimmen, die bei den Palästinensern und anderen Araber zu hören sind, sind die, die Boykott und die Delegitimierung Israels anstreben. Jeder Palästinenser oder Araber, der es wagt mit Israelis zu sprechen oder Israel zu besuchen, wird beschuldigt ein Verräter zu sein, weil er „Normalisierung“ mit dem „zionistischen Feind“ unterstützt.

In Israel gingen einst Hunderttausende auf die Straße, um gegen den israelischen Krieg im Libanon und die Tötung von unschuldigen Zivilisten in Flüchtlingslagern zu protestieren. Die Massenproteste führten zum Rücktritt von Verteidigungsminister Ariel Sharon.

Während des letzten Kriegs im Gazastreifen gab es mehr Proteste innerhalb Israels als in den meisten arabischen Hauptstädten oder in der Westbank – wo die Palästinenser hart daran arbeiteten Proteste zu unterdrücken.

In Israel gibt es eine große Bewegung, die „Frieden Jetzt“ heißt und praktisch den meisten der Forderungen der Palästinenser beipflichtet. Hat irgendjemand jemals von einer palästinensischen oder arabischen „Frieden Jetzt“-Gruppe gehört?

Im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte sind israelische Juden auf Pragmatismus und Moderatheit hin marschiert. Eine Mehrheit unterstützt jetzt die Zweistaaten-Lösung und ist – nach Angaben von Meinungsumfragen – sogar bereit Kompromisse zu Siedlungen und Jerusalem zu machen. Im Gegensatz dazu scheinen die Palästinenser rückwärts zu marschieren.

Die Palästinenser sind bis zu einem Punkt radikalisiert worden, wo es fast unmöglich ist über Frieden und Koexistenz mit Israel zu reden. Für die Palästinenser sind die wahren Helden die Selbstmord-Bomber, die sich in Cafés und Bussen sprengen und unschuldige Zivilisten töten. Friedensaktivisten, Menschenrechtsvertreter, Moderate, Journalisten und Reformer haben fast nichts zu sagen und werden oft als „Verräter“ und „Fünfte Kolonne“ gebrandmarkt.

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4 Kommentare »

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  1. Das Geschilderte könnte natürlich auch damit zusammenhängen, daß die Palästinenser Recht haben.
    Der Artikel ist geeignet Judenhasser in ihrem Bestrebungen zu bestärken – wenn sogar Juden so was sagen…..

    • ?????

      • So schwer zu verstehen? Aus dem Artikel geht doch ganz klar hervor, daß sich israelische und arabische Menschenrechtsgruppen in diesen Fragen (z.b. des Rückzugs auf 1967) völlig einig sind.

  2. [...] Während des letzten Kriegs im Gazastreifen gab es mehr Proteste innerhalb Israels als in den meisten arabischen Hauptstädten oder in der Westbank – wo die Palästinenser hart daran arbeiteten Proteste zu unterdrücken. In Israel gibt es eine große Bewegung, die „Frieden Jetzt“ heißt und praktisch den meisten der Forderungen der Palästinenser beipflichtet. Hat irgendjemand jemals von einer palästinensischen oder arabischen „Frieden Jetzt“-Gruppe gehört? Im Verlauf der letzten zwei Jahrzehnte sind israelische Juden auf Pragmatismus und Moderatheit hin marschiert. Eine Mehrheit unterstützt jetzt die Zweistaaten-Lösung und ist – nach Angaben von Meinungsumfragen – sogar bereit Kompromisse zu Siedlungen und Jerusalem zu machen. Im Gegensatz dazu scheinen die Palästinenser rückwärts zu marschieren. Die Palästinenser sind bis zu einem Punkt radikalisiert worden, wo es fast unmöglich ist über Frieden und Koexistenz mit Israel zu reden. Für die Palästinenser sind die wahren Helden die Selbstmord-Bomber, die sich in Cafés und Bussen sprengen und unschuldige Zivilisten töten. Friedensaktivisten, Menschenrechtsvertreter, Moderate, Journalisten und Reformer haben fast nichts zu sagen und werden oft als „Verräter“ und „Fünfte Kolonne“ gebrandmarkt. {Quelle: heplev.wordpress.com} [...]


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