Olympisches Schweigen: Die antisemitische Vergangenheit des IOC

10. August 2012 um 9:12 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geschichte | 1 Kommentar
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Peter Martino, Gatestone Institute, 7. August 2012

Graf Jacques Rogge, der Belgier, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist, lehnte es ab während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele von London eine Schweigeminute für die elf israelischen Olympia-Athleten zu halten, die vor vierzig Jahren in München ermordet wurden. Stattdessen hielt der belgische Aristokrat eine Woche vor der offiziellen Eröffnung der Spiele eine Schweigeminute während einer unwichtigen Zeremonie im Olympischen Dorf.

Graf Rogge hat außerdem angekündigt, dass er an einer Feier heute (Montag, 6. August) in London teilnehmen wird, die von der israelischen Botschaft und der Londoner jüdischen Gemeinde organisiert ist und dass er auf einer Feier in München am 5. September sprechen wird. Kritiker Rogges machen gelten, der Graf habe Angst die ermordeten Israelis bei der Eröffnungsfeier der Londoner Spiele zu erwähnen, weil er fürchtet, das würde die Mitgliedsstaaten der Organisation der Islamischen Länder (OIC) verärgern. Angst vor der OIC ließ das IOC sich ducken.

Normalerweise drückt, wenn ein Athlet stirbt – wie im Fall eines georgischen Athleten vor zwei Jahren während der Winterspiele – der IOC-Präsident sein Beileid während seiner offiziellen Rede aus, während die olympischen Flaggen auf Halbmast wehen.

Die Familien der 11 ermordeten israelischen Sportler erklärten, sie seien von Rogges Entscheidung „sehr verletzt“. Ilana Romano, Witwe des Gewichthebers Yossef Romano, sagte, der Graf habe „den Terror siegen“ lassen. Ankie Rekhess, Witwe des Fechttrainers Andre Spitzer, sagte, Rogge habe die anstehende Feier in München als Ausrede genutzt, um keine Schweigeminute zu halten und hinterfragte seine Motive für die Teilnahme an der Veranstaltung in München. „Wenn sie das Richtige nicht Zuhause, bei der olympischen Feier, tun können, warum überhaupt kommen?“

Rekhess und Romano trafen sich vor kurzem mit dem IOC-Präsidenten. „Mir sind die Hände gebunden“, wurde Rekhess von Rogge gesagt. Sie war nicht beeindruckt: „Ihre Hände sind nicht gebunden“, sagte sie. „Die Hände meines Mannes waren gebunden, ebenso seine Füße, als er ermordet wurde. Das sind gebundene Hände.“

Derweil veröffentlichte Joods Actueel, eine jüdische Monatszeitschrift aus Antwerpen in Belgien, Einzelheiten der beschämenden, antisemitischen Geschichte des Internationalen Olympischen Komitees und seines früheren Präsidenten, Graf Henri de Baillet-Latour – wie Rogge ein belgischer Aristorkrat.

Baillet-Latour war von 1925 bis zu seinem Tod 1942 IOC-Präsident. Joods Actueel vertiefte sich in die Vergangenheit des Grafen. Die Journalisten Geert Versyck und Guido Joris entdeckten dass der Graf und seine Ehefrau Nazi-Sympathisanten waren. Um diese Wahrheit versteckt zu halten, versucht das IOC seine eigene Geschichte umzuschreiben und Baillet-Latour als Kritiker der Nazis statt deren Unterstützer darzustellen.

Baillet-Latour war 1931 IOC-Präsident, als die Entscheidung getroffen wurde die Olympischen Spiele 1936 in Berlin zu veranstalten. Als Hitler 1933 in Deutschland an die Macht kam, begannen die Nazis die Spiele in ein Propagandawerkzeug zu drehen, das der Welt die Überlegenheit der arischen Rasse demonstrieren sollte. 1933 wurden Juden aus dem öffentlichen Dienst in Deutschland geworfen und jüdische Athleten wurden aus Sportvereinen ausgeschlossen. Selbst Gretel Bergmann, die deutsche Rekordhalterin im Hochsprung, wurde – weil sie Jüdin war – die Teilnahme an den olympischen Spielen verboten.

Diese rüpelhafte Verletzung der fundamentalen olympischen Prinzipien schien Baillet-Latour nicht weiter zu stören. 1935 schrieb Ernest L. Jahncke, amerikanisches IOC-Mitglied, Baillet-Latour einen Brief, in dem er das IOC drängte die Berliner Olympiade als Protest gegen „die Verachtung der Nazis für Fair Play und wegen ihrer schäbigen Ausbeutung der Spiele“ abzusagen. Als Reaktion darauf wurde Jahncke zur einzigen Person, die jemals aus dem IOC ausgeschlossen wurde.

Jahncke wurde dann von einem Amerikaner mit weniger Skrupeln bezüglich Antisemitismus ersetzt: Avery Brundage. „Juden fangen in der Regel an zu schreien, bevor sie einen echten Grund dazu haben“, schrieb Baillet-Latour an Brundage in Zusammenhang mit Forderungen nach einem Boykott der Spiele.

Bei der Eröffnung der olympischen Spiele von Berlin stand Baillet-Latour neben Hitler. Es gibt Bilder, die den Grafen beim Nazigruß zeigen. Er steht in der Nähe des amerikanischen Athleten Jesse Owens, der einen regulären Salut mit der Hand an der Schläfe gibt, währen der IOC-Präsident seinen Arm ausstreckt. Nach den Berliner Spielen von 1936 schickte Hitler Baillet-Latour einen Brief, in dem er ihm für die „großzügige Zusammenarbeit“ während der Spiele dankte. Im selben Jahr wurde der Graf zum Ehrenmitglied von „Freude und Arbeit“, der Nazi-Sportorganisation des Propagandaministers Goebbels.

Des Grafen Frau, Gräfin Elisabeth de Clary, war ergebene Nazi. 1938 gratulierte sie Hitler zur Annexion des Sudetenlandes. Als Deutschland 1940 in ihre Heimatland einfiel dankte sie ihm sogar, „dass er die Nazi-Ideologie nach Belgien brachte“.

Graf Baillet-Latour starb 1942 in Brüssel. Führende Nazis wohnten seiner Beerdigung bei, während deutsche Soldaten an seinem Sarg Wache standen. Der Sarg war mit einem Kranz mit Hakenkreuzen geschmückt, der von Hitler geschickt worden war. Der Nazi Karl von Halt, ein führendes IOC-Mitglied, der das Sportamt des Dritten Reichs führte und bis 1961 Präsident des deutschen Nationalen Olympischen Komitees, hielt im Namen Hitlers und des IOC auf der Beerdigung eine Rede.

Nach dem Krieg unternahm das IOC wenig, um für seine Kollaboration mit den Nazis Wiedergutmachung zu leisten. Nicht einmal Ernest L. Jahncke erhielt je eine Entschuldigung dafür, dass das IOC ihn hinauswarf, während sein Nachfolger Avery Brundage später selbst zum IOC-Präsidenten aufstieg. Brundage war während der Münchener Spiele 1972 im Amt, wo er nach dem Massaker an den israelischen Athleten erklärte: „The Games must go on.“

Die offizielle Biographie beim IOC enthält keinen Verweis auf Graf Baillet-Latours Rolle als Organisator der Nazi-Spiele. Das IOC ehrt ihn als eine der großen Persönlichkeiten der olympischen Bewegung. Der Graf ist im kleinen Dorf Latour in Belgien beerdigt. In Anwesenheit des IOC-Präsidenten Jacques Rogge wurde seinem Grab eine neue Platte gegeben, die die olympischen Ringe zeigen.

Dem Friedhof in Latour gegenüber liegt ein Museum, das dem ehemaligen IOC-Präsidenten gewidmet ist. Es wurde gerade mit Kosten von €100.000 aus dem InBev Baillet-Latour Fond erweitert, „als Tribut für diesen Pionier der olympischen Bewegung … der es trotz Drucks der Nazis schaffte gegen die ideologischen Pläne Hitlers Stellung zu beziehen“. Es gibt in dem Museum ein Bild Hitlers mit dem Grafen. Der Text darunter lautet: „Präsident Baillet-Latour warnte Hitler vor der offiziellen Eröffnung, dass das IOC das olympische Protokoll strikt durchsetzen werde.“ Obwohl diesem Satz ein Copyright-Symbol „© IOC“ folgt, ist er eine unvefrorene Lüge. Vielleicht sollte es nicht überraschen, dass eine Organisation, die es ablehnt sich ihrer antisemitischen Vergangenheit zu stellen, die Ehrung ermordeter israelischer Athleten ablehnt.

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1 Kommentar »

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  1. Ein kleiner Nachtrag zur antisemitischen Vergangenheit des IOC:
    “U.S. Olympic Committee chairman Avery Brundage wanted to avoid embarrassing Adolf Hitler by having two Jewish athletes win gold medals”

    http://en.wikipedia.org/wiki/Sam_Stoller

    Möge der beschissene Brundage in der Hölle schmoren.


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