Drohungen mit Antisemitismus und Terrorismus im Internet

20. August 2012 um 15:23 | Veröffentlicht in Medien allgemein | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Rabbi Abraham Cooper (direkt vom Autor)

Der explosive Anstieg der Internetnutzung im gegenwärtigen Jahrhundert hat eine neue Art der Übermittlung einer weiten Bandbreite klassisch antisemitischer Bilder und Botschaften mit sich gebracht. Terroristische, rassistische, bigotte und antisemitische Internetseiten sind in großer Zahl aufgekommen und oft verlinken sie auf einander. Traditionelle Hass-Gruppen wie Neonazis, der Ku-Klux-Klan und Skinheads nehmen im Net stark zu. Sehr unterschiedliche Aktivistengruppen haben Koalitionen im Namen der Antiglobalisierung, Antiamerikanisierung und der Angriffe auf Israel gebildet.

1995 gab es eine einzelne Hass-Seite, Stormfront. Sie ist immer noch aktiv und hat Hunderttausende Einträge. Das Digital Terrorism and Hate Project des Simon Wiesentha-Zentrums beobachtet derzeit – im vierzehnten Jahr seines Bestehens – mehr als 15.000 hass- und terrorverbundene Internetseiten. Das exponentielle Wachstum viralen sozialen Networkings macht allerdings das Zahlenspiel zunehmend irrelevant, dass ein einzelner Eintrag, ein Bild, Lied oder YouTube-Video unzählige Tausende und mehr erreichen kann.

Rabbi Abraham Cooper

Rabbi Abraham Cooper

Rabbi Abraham Cooper ist Associate Dean am Simon Wiesenthal-Zentrum in Los Angeles. Seit dreieinhalb Jahrzehnten hat Rabbi Cooper das Projekt des SWC zur Agenda internationalen sozialen Handelns geleitet, durch das Bereiche vom weltweiten Antisemitismus, Nazi-Kriegsverbrehen und Entschädigung bis hin zu Extremistengruppen und Erziehung zu Toleranz abdeckt.

Er stellt fest: Man kann irgendeine Website ins Internet stellen, jede Idee wieder auferstehen lassen und schick machen, während man seine Botschaft an ein bestimmtes Publikum richtet. In diesem Medium kann man sogar sagen, dass Juden das Blut ihrer Opfer trinken – ohne deswegen sofort gerügt oder in Frage gestellt zu werden. Zu bedeutenden antisemitischen Themen gehören die Mythenbildung nach dem 11. September, Holocaust-Leugnung, Ritualmord-Legenden und die Protokolle der Weisen von Zion. Das Internet bietet eine machtvolle Plattform für wohlbekannt antisemitische Themen und bildet einen Teil einer weit größeren Online-Subkultur des Hasses.

Eine Reihe Faktoren macht das Internet für Förderer des Hasses attraktiv. Es ist billig, schwer zu kontrollieren und praktisch unmöglich eine Botschaft aus dem Internet herauszuhalten. Darüber hinaus kennt es keine Grenzen; folglich kann ein unwichtiger Akteur einer Hass-Bewegung jetzt zu einem global Operierenden werden.

Die verheerenden Bedrohungen durch den internationalen Terrorismus haben zu einer bedeutenden Verschiebung darin geführt, wie Abgeordnete und Meinungsmacher in der amerikanischen Gesellschaft das Internet betrachten. Der 11. September wurde in den USA zu einem Weckruf. Das Hauptproblem ist nicht die länger persönliche freie Meinungsäußerung, sonder grundlegende gemeinschaftliche Sicherheit. Was den Terrorismus angeht, gibt es einen willkommenen Trend weg von dem Reagieren auf Online-Drohungen hin dazu proaktiv zu werden. In der Welt nach dem 11. September können die Behörden es sich nicht leisten erst zu kommen, wenn ein Terror-Ereignis eingetreten ist. Um Terrorakte effektiv zu stoppen, müssen sie handeln, bevor die Katastrophe eintritt.

Trotz dieser willkommenen Entwicklung leisten die Amerikaner wegen des ersten Zusatzes zur US-Verfassung Widerstand gegen Regierungseinmischung in (bloße) „Hass“-Rede. Das trägt zu der Tatsache bei, dass die USA die digitale Offshore-Hauptstadt des Hasses sind. Ein Beispiel: Die 1960-er, 1970-er, 1980-er und 1990-er Jahre hindurch wurden Nazi-Bücher, die in Deutschland illegal waren, hier veröffentlicht und dann nach ganz Deutschland verschickt. Internetseiten, die gezwungen wurden deutsche Server zu verlassen, erschienen dann auf amerikanischen.

Um die Zahl und den Einfluss der Hass-Seiten zu reduzieren, müssen wir die Online-Firmen ständig in die Pflicht nehmen, ihren Anteil dabei zu leisten. Wenn wir es mit Firmen wie Facebook, Google und YouTube zu tun haben, tun wir unserer Sache nichts Gutes, wenn wir das Prinzip der freien Meinungsäußerung hinterfragen; stattdessen bestehen wir darauf, dass Firmen ihre Teilnehmer dafür zur Verantwortung ziehen, wenn diese die Firmenregeln verletzen.

Jedes Mal, wenn ein Online-User den „Ich stimme zu“-Button anklickt, wird eine vertragliche Vereinbarung geschlossen. Wenn man sich für ihren Dienst anmeldet, dann muss man ihre Regeln einhalten. Und die Online-Vorlagen ihrer Verträge geben diesen Firmen die Macht Einträge zu entfernen oder den Dienst ganz zu kündigen. Diese Herangehensweise ergab positive Ergebnisse und führte zur Entfernung vieler Tausend Internetseiten, Foren und Facebook-Seiten. Derzeit geben wir einem nicht perfekten Facebook eine 2+ für die Kooperation auf diesem Kampfplatz. YouTube erhält eine 4- und twitter ist nicht zu bewerten. Dort müssen sie sich erst einmal eingestehen, dass ihre Dienste regelmäßig von Terroristen missbraucht werden.

Rabbi Cooper sagt, jüdische Gruppen müssten viel mehr tun, um das Internet zu beobachten. Grund dafür sind die damit zusammenhängenden Gefahren. Als Steuerzahler in Demokratien haben wir das Recht die Behörden aufzufordern einen Teil dieses Geldes darauf zu verwenden, dass sichergestellt wird, dass Terroristen unsere demokratischen Gesellschaften nicht zerstören. Wenn wir mit bestimmten Online-Drohungen derer konfrontiert werden, die den Terrorismus unterstützen, haben wir auch das Recht und die Verpflichtung den Schutz durch die Behörden einzufordern. Zusätzlich müssen wir wachsam und proaktiv sein, um den politischen Kampf gegen Zionismus und Israel und die zunehmenden Kampagnen zur Besudelung des Judentums zu bekämpfen.

Wir brauchen eine gemeinschaftliche Vorgehensweise gegen diese Herausforderungen; mitarbeiten müssen Regierungen, Gesetzeshüter, Geheimdienste, NGOs und die Internetgemeinschaft als Ganzes. Eine weitere große Herausforderung bleibt es, Lehrende, Eltern und die Medien dazu zu bringen das Ausmaß der Gefahr zu begreifen, die ein unkontrolliertes Internet für die Werte der Demokratie darstellt. Gleichzeitig bilden Online-Fanatismus, Antisemitismus und Terrorismus sich ständig weiter entwickelnde Bedrohungen Israels und des jüdischen Volkes.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

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