Damals, 1948, wurde Israel auch gesagt, es solle warten

21. August 2012 um 15:17 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geschichte, Nahost-Konflikt | 3 Kommentare
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Dan Margalit, Israel HaYom, 13. August 2012

Die zügellose und weit gespannte Debatte darüber, ob ein Angriff auf das iranische Atomprogramm gestartet werden soll, enthält auch ein Kapitel zu historischen Parallelen. Eines, das immer wieder kehrt, ist das von Menachem Begin, der gegen die Einwände israelischer Militärs und des Shimon Peres weise die Zerstörung des irakischen Reaktor 1981 befahl. Andere Vergleiche sind weniger interessant.

Im Fernsehkanal 2 argumentierte Amnon Abramovich gegen einen Angriff auf den Iran; er sagte, David Ben-Gurion würde niemals ohne die garantierte Unterstützung einer Supermacht einen solchen Zug initiiert haben. Er verwies auf den Sinai-Feldzug von 1956, mit Fug und Recht. Doch Abramovich vergaß, dass Ben-Gurions größte Entscheidungen eigenständig und gegen die Wünsche einer befreundeten Supermacht getroffen wurden, ähnlich zu dem möglichen Szenario, dem wir 2012 gegenüber stehen.

Im Mai 1948 waren die USA bezüglich ihrer Unterstützung der Gründung des Staates Israel unterkühlt und übten Druck auf Ben-Gurion aus, er solle einer UNO-Treuhandschaft zustimmen. Denn damals – so wie heute – „gab es Zeit“. Der angesehene General, Außenminister George Marshall, schickte Moshe Sharett nach Israel, um Ben-Gurion zu überzeugen, dass die Araber die Juden ins Meer treiben würden. Marshall konnte sich nicht vorstellen dem Volk zu Hilfe zu kommen, das gerade dem Holocaust entkommen war.

Doch Ben-Gurion zwang den provisorischen Staatsrat (mit einer knappen Mehrheit von 6 zu 4) zu der Entscheidung, dass der Staat Israel gegründet werden sollte. Sharett wurde befohlen niemandem von Marshalls Albtraum-Szenario zu erzählen.

In einem Interview mit Ari Shavit von Ha’aretz sagte ein hochrangiger israelischer Offizieller (anscheinend Verteidigungsminister Ehud Barak), dass das iranische Schwert, das derzeit an Israels Hals liegt, schärfer ist als die Bedrohung, die Israel in der Zeit ausgesetzt war, die zum Sechstage-Krieg 1967 führte. Das Schwert verursachte Angst. Aber es war trotz allem weniger scharf als das, dem wir uns 1948 gegenüber sahen.

Im Gefolge der Spannungen an der Nordgrenze 1967 drohte der damalige Generalstabschef Yitzhak Rabin das pro-sowjetische Regime in Syrien zu stürzen. Russland setzte Ägypten unter Druck Damaskus zu verteidigen. Das führte Gamal Abdel Nasser dazu internationale Verpflichtungen zu verletzen, indem er die Straße von Tiran sperrte, Streitkräfte in den demilitarisierten Sinai schickte und einseitig die UNO-Beobachter vertrieb. Nasser verhöhnte Israel, so wie es der Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah viele Jahre später machen sollte. Krieg? „Ahlan wa sahlan“ – wir heißen ihn willkommen.

Die israelische Öffentlichkeit befand sich im Schockzustand und verlangte, dass Verteidigungsministerium, das vor dem Krieg Premierminister Levi Eshkol inne hatte, an Moshe Dayan gegeben würde – ein Zug, der dem System Weisheit, Zurückhaltung und Stärke zurück brachte. Die Regierung war erst dagegen. (Als die Frauen von Reserveoffizieren zugunsten der Ernennung Dayans zum Verteidigungsminister demonstrierten, bezeichnete Eshkol sie höhnisch als „Die lustigen Weiber von Windsor“). Rabin hatte nichts für den Fallschirmjäger Dayan übrig (doch niemand bereite etwas gegen Dayan vor wie das Harpaz-Dokument.1 Die Zeit wurde knapp, die Ägypter drangen in den Sinai ein, bauten sich eine Immunitätszone auf und Israel hatte damals das Gefühl, dass die Zeit für einen Angriff auslief. Von Paris aus spielte Charles de Gaulle die Rolle, die derzeit von Barack Obama ausgefüllt wird: „Nicht schießen!“

Ein weiterer amerikanischer Aspekt dieser Geschichte besteht darin, dass nach dem Sinai-Feldzug US-Präsident Dwight Eisenhower 1957 Ben-Gurion versprach, wenn Ägypten die Straße von Tiran schließe, würden die USA eine internationale Flotte aufstellen, die die Belagerung durchbricht. 1967 sagten die Amerikaner, sie könnten das Dokument nicht finden.

„Meine Damen und Herren, die Geschichte wiederholt sich, nichts ist vergangen und nichts ist vergessen. Wir erinnern uns daran, wie der Palmach unter einem Bleiregen in Syrien marschierte“, schrieb Haim Hefer in einem Lied, das über Generationen weitergegeben worden ist. Damals, 1941, in Syrien, wo Dayan sein Auge im Kampf verlor. Die Lage heute ist nicht weniger kompliziert.

1 [Anmerkung heplev:] Ein gefälschtes Dokument zur Verleumdung von General Galant, als dieser 2010 davor stand Genralstabschef zu werden.

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3 Kommentare »

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  1. Danke dafür

  2. Jeder Körper, der den Mund aufmacht und sagt, es gebe so etwas wie “wir Juden”, ist wohl ein Dummkopf. Denn: es gibt zunächst einmal nur individuelle Körper − von denen die meisten zwar vielleicht sprechen, aber darüber hinaus wohl nicht einmal denken können…

    Es gibt nur ein einziges Menschenrecht: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn sich alle daran halten würden (von “Beschneidung” über “Mund zukleben” bis “Kinderausbeutung”)…

    “Ich habe schon genug mit meinem Menschsein zu tun. Warum muss ich denn auch noch Franzose und Calvinist (etc.) sein?” (Michel de Montaigne). Wenn also jemand behauptet,
    er sei “Jude” oder “Deutscher” (etc.), so ist er letztlich “selber schuld” (Immanuel Kant, 18.Jh.) − oder noch schlimmer: hat einfach den Montaigne (16.Jh.) nicht gelesen…

    Die Welt sähe schon SEHR VIEL ANDERS aus, wenn jedes Kind gelernt hätte, all diejenigen “Menschen” als Weichlinge zu verachten, die immer noch glauben, sich AUCH NOCH als
    “Juden”, “Deutsche”, “Buddhisten” oder “Bayern-Fans” (etc.) bezeichnen zu müssen. -

    Wenn jeder Idiot begriffen hätte, wie “soziale” Phänomene (Empathie, Theory of Mind, Bindungen, Faschismus, Initiationsriten, Gruppendruck, Völkismus, Nationalismus, Nationalsozialismus, Religionen) entstehen, so gäbe es keine “unbewussten” “sozialen” Phänomene mehr…

    Ach wie schön war doch noch die Steinzeit: keine Ländergrenzen, keine Parteien, keine “Nationen”, keine “Identitäten”, kein “wir Juden”, keine “die Deutschen”, kein “unser Volk”, kein “Reich”, etc.

    Die Religion einer Pop(p)ulation ist die Er-Zeugung einer Stabilität, die es ausserhalb dieser Pop(p)ulation vermutlich gar nicht gibt…

    Zum Angriff Israels (“Juden”) auf den Iran (“Arier”): Wann werde ich endlich in einer intelligenten Welt leben können ohne diesen jüdisch-christlich-muslimisch-kapitalistisch-kommunistisch-faschistisch-hypersozial-hypermedial-politisch-juristisch-
    wissenschaftlichen Blödsinn überall? Geht lieber Karotten und Bäume pflanzen!

    • Diesen Kommentar habe ich nur freigeschaltet, um der Welt mal zu zeigen, was für Hohlhirne sich manchmal hier rumtreiben.


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