Unterricht ohne Bücher

27. August 2012 um 8:17 | Veröffentlicht in EU-Europa, Schule + Bildung | Hinterlasse einen Kommentar

Das ist ein Konzept, das in der einen oder anderen Schule betrieben wird. Gewollt, gezielt und als moderner Unterricht. Wer’s mag und will, gut. Gelegentlich muss aber auch zwangsweise darauf zurückgegriffen werden. Und da ist dann die EU beteiligt (bzw. die deutschen Handlanger, die durchsetzen, was jeder normale Menschenverstand als unsinnig bezeichnen würde).

So dieses Jahr auch in einer Stadt am Rhein, die zwischen zwei Metropolen ein gewisses Stiefmütterchen-Dasein fristet. Die Schulbücher werden allesamt zentral von der Stadt bestellt, die die Anforderungen der Schulen einsammelt und dann ausschreibt. Dieses Jahr wurden die Schulverwaltung kalt erwischt: Irgendjemand von irgendwo weiter oben guckte mal richtig hin und erklärte die Ausschreibung für ungültig. Grund: Sie war nicht europaweit erfolgt. Also Kommando zurück, die Bestellung muss neu ausgeschrieben werden.

Folge: Gegen Ende der Ferien standen Schulleitungen da und fragten sich, ob sie vergessen hatten die Bücher zu bestellen; dann kam eine E-Mail des Inhalts, dass sich leider „aus technischen Gründen“ die Bestellung verzögert. Telefonisch – weil die Mail gerade noch nicht reingekommen war – erfuhr eine Sekretärin dann: Die Ausschreibung musste erneut erfolgen, weil moniert wurde, dass sie nicht europaweit erfolgte. Aufgrund der entsprechenden Regularien lief diese bis Sonntag, 19.08. um 24 Uhr – womit die Auswertung frühestens am Montag erfolgen konnte. Die Bestellung – mit Glück – ebenfalls. Wie lange das dann dauern wird, bis die Lieferung erfolgt? „Kann ich Ihnen nicht sagen. Es sollte schnell gehen, aber es kann auch bis Weihnachten dauern.“

Jetzt sitzen sie also dort vor leeren Tischen; die Lehrer könnten sich ja vielleicht auf Unterricht ohne Bücher einrichten. Doch das wäre ein längerfristiges Projekt und man soll die bestellten Bücher ja noch bekommen. Nur weiß keiner, wann. Schwebezustand. Improvisationsdruck. Die Kosten für Kopien ufern fast unkontrolliert aus. Weil EU-Europa Vorschriften hat, die festlegen, dass immer aufs Neue herausgefunden werden muss, dass es weder in Island noch in Rumänien oder Zypern Buchhändler gibt, die deutsche Schulbücher billiger liefern können als deutsche Buchhändler. Besonders angesichts des Transportwegs – der übrigens wieder auch die Ökobilanz ganz enorm „verbessern“ würde, nicht wahr?

So dürfen wir uns weiter über den Sinn, vor allem aber den Unsinn der EU und ihrer Vorschriften „erfreuen“. Leidtragende sind natürlich nicht die Granden in den Behörden des Wasserkopfs. Die freuen sich höchstens, dass sie die Untertanen gängeln können. Und das können sie in Deutschland immer noch am besten: Untertanen sein, denen da oben folgen und das alles ganz herrlich und in Ordnung finden.

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