Der Qassam-Raketenangriff auf Südisrael in eine türkische Perspektive verlegt

9. Oktober 2012 um 12:05 | Veröffentlicht in Israel, Nahost-Konflikt | 2 Kommentare

This Ongoing War, Oct. 4, 2012
[Vorbemerkung heplev: Dieser Text wurde geschrieben, bevor am Montag ein Trommelfeuer von mehr als 50 Raketen auf Israel niederging.]

Das Armee-Radio berichtete in den 21-Uhr-Nachrichten heute Abend (Donnerstag), dass Unbekannte eine Qassam-Rakete aus dem Gazastreifen abschossen, die in offenem Gelände in Südisraels Kreis Hof Aschkelon einschlug und explodierte. Zusätzliche Details zum Ort des Einschlag werden üblicherweise von israelischen Nachrichtenredakteuren zurückgeahlten, um den schießenden Terrorgruppen kein nützliches Feedback zu geben. Soweit wir wissen gab es keine Verletzten und keinen ernsthaften Schaden, das die Qassam in offenem Feld gelandet zu sein scheint. Diese Waffen lassen sich nicht sorgfältig zielen, doch das passt den Terroristen gut. Sie interessiert nicht wirklich, was getroffen wird. Deshalb nennen wir sie Terroristen.

Kompletter Themenwechsel:

·       Nach syrischem Angriff genehmigt Türkei Truppeneinsatz im Ausland – CNN

·       Türkei genehmigt militärisches Vorgehen gegen Syrien – AFP

·       Türkei übt Vergeltung nach tödlichem Artilleriebeschuss aus Syrien – Fox News

·       Türkei genehmigt militärisches Vorgehen in Syrien nach Mörserangriff mit getöteten Zivilisten – Washington Post

·       Türkei übt Vergeltung gegen Syrien: Das kann den Soldaten der Rebellen die Deckung für ausgedehntes Vorgehen geben – TIME Magazine

So ziemlich jeder scheint zu verstehen, warum die türkische Regierung angesichts eines Mörserangriffs auf unschuldige türkische Zivilisten, die in Grenznähe kurz jenseits des Chaos und der endlosen Kämpfe in Nordsyrien leben, zurückschlagen will. Das US-Außenministerium sagte heute schon, dass es die „Reaktion der Türkei auf syrisches Mörserfeuer diese Woche als angemessen, verhältnismäßig und so gestaltete, dass sie jede zukünftige Verletzung ihrer Souveränität durch Syrien abschreckend betrachtet“.

Al-Arabiya zitiert den türkischen Premierminister Tayyip Erdogan, wie er heute sagte, sein Land „ist ein Staat, der in der Lage ist seine Bürger und Grenzen zu verteidigen. Niemand sollte den Versuch unternehmen unsere Entschlossenheit in dieser Sache auszutesten.“ Russlands RT-Nachrichtenagentur zitiert ihn mit den Worten: „Unsere Streitkräfte in der Grenzregion schlugen unmittelbar gegen diesen verabscheuungswürdigen Angriff zurück … indem sie vom Radar ausgemachte Ziele beschossen… Die Türkei wird solche Art Provokationen durch das syrische Regime gegen unsere nationale Sicherheit niemals unbeantwortet lassen.“ Von Erdogan wird berichtet, dass er besonders davon irritiert ist, dass die Syrer sich nicht entschuldigt haben.

Zurückhaltend, fast ans Edle grenzend. Zutiefst vom unzivilisierten Verhalten gewalttätiger Nachbarn mit geringem Wert für menschliches Leben provoziert sagen die Führer der Türkei: Wir müssen ihnen ein paar ernst Klapse geben, damit sie „Entschuldigung“ sagen und sich zukünftig benehmen.

Hier nun unser Standpunkt:

Seit Israel die Kontrolle über den Gazstreifen 2005 bedingungslos an die dort lebenden palästinensischen Araber und letztlich der Hamas übergab, die sich den Weg zur politischen Kontrolle des Gazastreifens 2007 gewalttätig erzwang, wurden mehr als 8.000 Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Ziele geschossen.

Derselbe Herr Erdogan, der sich das Recht herausnimmt, seine Bürger und seine Grenzen zu verteidigen und Übeltäter warnt, sie sollten nicht einmal davon träumen die Entschlossenheit seines Landes auszutesten, hat sich reichlich anders ausgedrückt, als es Israel war, das angesichts von tödlichem Verhalten von Terroristen, das immer weiter ging, Verteidigungsmaßnahmen durchführte.

Denken Sie daran zurück, wie der Türke 2009 auf der Konferenz in Davos in der Schweiz redete. Unter dem Erstaunen und der Verlegenheit der versammelten Staatsoberhäupter und distinguierten Teilnehmer stürmte er auf dem Weltwirtschaftsforum von der Bühne, „mit vom verbalen Duell mit Präsident Shimon Peres wegen der jüngsten Kämpfe im Gazastreifen“ [Quelle] [Video]. Erdogan hatte „Israels Offensive im Gazastreifen heftig kritisiert“, hieß es in der New York Times.

Mit hochrotem Kopf und einer Hand, die den Arm des Moderators packte, den Kolumnisten David Ingatius von der Washington Post, wandte sich Herr Erdogan an den israelischen Präsidenten: „Herr Peres, Sie sind ein älterer Mann als ich“, sagte er. „Ihre Stimme ist ziemlich laut. Die Lautstärke Ihrer Stimme hat mit einem Schuldbewusstsein zu tun… Wenn es ums Töten geht, dann wisst ihr sehr gut, wie man tötet.“ [Bericht der New York Times]

Amr Moussa, ein ehemaliger ägyptischer Außenminister und damals Generalsekretär der Arabischen Liga, sagte [Quelle], Erdogans Handeln sei verständlich. „Herr Erdogan sagte, was er sagen wollte und ging dann. Das ist alles. Er hatte Recht.“ Über Israel sagte er: „Die hören nicht zu.“

Amr Moussa hatte Unrecht. Wir Israelis hören zu und wir erkennen unverschämte Heuchelei, wenn wir sie sehen oder hören.

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2 Kommentare »

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  1. Ein ausgezeichneter Beitrag zur “Doppelmoral” des Herrn Erdogan!!!

  2. [...] Bericht: via Der Qassam-Raketenangriff auf Südisrael in eine türkische Perspektive verlegt. Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies [...]


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