Europa wird über seine muslimischen Probleme informiert – vom israelischen Fernsehen

14. Oktober 2012 um 14:36 | Veröffentlicht in die Welt+Islam, Europa+Islam, Medien + Islam | 2 Kommentare

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Zu meiner Überraschung kam ein belgischer Fernsehsender, um mich über die Dokumentation Allah-Islam, the Spread of Islam in Europe (Allah-Islam: Die Ausbreitung des Islam in Europa) zu interviewen.

Der dritte Teil dieser vierteiligen Serie wurde am Abend davor im israelischen Kanal 10 ausgestrahlt. Er widmete der antiwestlichen Hass-Verbreitung und Ermutigung zum Terrorismus durch die kleine Gruppe Sharia4 in Belgien große Aufmerksamkeit.

Die Zuschauer der Serie hatten bis dahin No-Go-Areas in muslimischen Ghettos in Ländern wie Frankreich, Großbritannien und Schweden gesehen. Sie hatte die Aufmerksamkeit auf Gewalt und andere Verbrechen bei muslimischen Einwanderern in Europa, Ausdruck der Rechtfertigung muslimischen Terrors, Einschüchterung anders Denkender, Diskriminierung gegen und manchmal Mord an muslimischen Frauen sowie religiösen Fanatismus gelenkt. Sie zeigte auch, dass die dritte und vierte Generation der Einwanderer nach Europa oft weniger integriert ist als die erste. Der seitdem gezeigte vierte Teil war dem weit verbreiteten Antisemitismus radikaler Muslime in Europa gewidmet.

Ich erwähnte gegenüber dem Interviewer, dass es aufschlussreich ist, wenn er dies als Nachricht betrachtet. Europäische Sender hätten schon vor langem viele ähnliche Dokumentationen machen sollen. Die in der israelischen Dokumentation gezeigten Probleme mit Teilen der muslimischen Bevölkerung sind europäische. Das israelische Fernsehen hätte eine Auswahl europäischer Filme zum Thema haben sollen, um sie zu kaufen. Ich fragte mich, ob es nicht für Europa beschämend ist, dass Zvi Yehezkeli als israelischer Reporter sich als Palästinenser ausgeben musste, um dieses Material zugänglich zu machen.

Der Interviewer fragte mich dann, warum meiner Meinung nach europäische Sender keine ähnlichen Filme machten. Eine Antwort ist: Es ist politisch nicht korrekt herauszustellen, dass eine beträchtliche Zahl an Menschen einer bestimmten religiösen oder ethnischen Gruppe unverhältnismäßig viele Probleme in den demokratischen Gesellschaften Europas verursachen. Politische Korrektheit ist daher in diesem Fall ein Synonym für die Vernebelung und Verzerrung der Wahrheit.

Zu weiteren Gründen gehören das Verlangen wichtige Probleme zu ignorieren sowie die Angst vor aggressiven Elementen der muslimischen Gemeinschaft. Das fällt in die Rubrik der europäischen Feigheit. Auch die viel gerühmt europäische Pressefreiheit bedeutet nicht, dass alle wichtigen Themen so angegangen werden, wie das nötig wäre. All diese Gründe haben eine weitere Facette: europäische Dekadenz.

Um fair zu sein: In europäischen Ländern sind ein paar Dokumentationen zu wenigen muslimischen Bevölkerungsgruppen gemacht worden. Ihr Ausmaß ist allerdings weit begrenzter als die israelische Serie. Der britische Channel 4 strahlte zum Beispiel 2007 eine Sendung mit dem Titel Undercover Mosque aus. Die Produzenten fassten sie als „ausführliche Untersuchung einer Reihe von britischen Moscheen aus, um offenzulegen, dass eine Botschaft des Hasses und der Absonderung in Großbritannien verbreitet wird.“1

Die West Midland Police beschuldigte die Filmemacher, ihre Dokumentation verzerre die Wahrheit und sie habe „selektiv Zitate von Predigern in Moscheen des gesamten Landes zusammengeschnitten, um sie extremer erscheinen zu lassen“. Nachdem diese Behauptungen der Polizei sich als falsch herausstellten, wurden Channel 4 und den Machern der Sendung 100.000 Pfund Sterling gezahlt.2

Eine von der BBC im November 2010 im Fernsehen ausgestrahlte Panorama-Sendung handelte von den Lehrplänen in von Saudis betriebenen muslimischen Schulen in Großbritannien. Sie stellte fest, dass diese Schule Schulbücher aus Saudi-Arabien nutzten, die Kindern ab dem sechsten Lebensjahr lehren, dass Juden die Nachkommen von Affen und Schweinen sind. Programme nach dem Unterricht sind auf rund fünftausend Schulkinder für Sechs- bis Achtzehnjährige ausgerichtet und wurden vom Kulturbüro der saudischen Botschaft in London beaufsichtigt.

Die Panorama-Sendung vermerkte auch, dass ein Schulbuch erklärte, „Juden sind von Gott verflucht“, und Kinder aufforderte die negativen Eigenschaften der Juden aufzuzählen. Teenager, die dem saudischen nationalen Lehrplan folgen, werden gelehrt, dass die Zionisten für die Juden die Weltherrschaft übernehmen wollen und dass der gefälschte Text Die Protokolle der Weisen von Zion authentisch ist.3

Die israelische Dokumentation zeigte nur die Spitze des Eisbergs. Die Probleme, die die muslimische Einwanderung Europa gebracht hat, sind viel größer. Zum Teil sind die Einwanderer dafür verantwortlich. Andere sind das Ergebnis des Versagens der Behörden in den sie aufnehmenden Länden.

Es wäre zum Beispiel viel mehr zu erfahren, wenn eine weitere Dokumentation gemacht würde, die sich auf die Einstellungen der Mainstream-Muslime gegenüber der westlichen Gesellschaft und besonders den Juden konzentriert, statt auf die extremistischer Muslime. Man muss nicht die Al-Qaida bewundern oder regelmäßig die Moschee besuchen, um Holocaustleugner zu sein, die Juden für minderwertig zu halten oder zu wünschen, dass Israel von der Landkarte gewischt wird.

Es gibt nur wenige Studien zum Antisemitismus in europäischen Ländern, doch diese sind aufschlussreich. Eine Studie zu Einstellungen von Türken in Deutschland stellte fest, dass 18% Juden für minderwertig halten.4 Eine von Mark Elchardus über Antisemitismus in Flämisch sprechenden Grundschulen in Brüssel kam zu dem Schluss, dass rund 50% der muslimischen Schüler als Antisemiten gelten könnte, während es bei den anderen nur 10% waren.5

Europäische Fernsehsender werden die israelische Dokumentation kaufen wollen oder nicht. Nehmen die Probleme aber erst einmal zu, wird dieser Film da sein, um zu beweisen, dass die europäischen Führungsriegen gewollt vor den riesigen Herausforderungen die Augen verschlossen, die bereits seit langem in ihren Ländern offenkundig waren.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 www.channel4.com/programmes/dispatches/episode-guide/series-19/episode-1
2 www.telegraph.co.uk/news/uknews/2604023/Channel-4s-Undercover-Mosque-returns.html
3 Sören Kern: UK: Anti-Semitism Rampant in Muslim Schools, Second Generation More Extreme than Parents. Hudson-New York (heute Gatestone Institute), 9. Dezember 2010.

Update: Die Teile 1 und 2 der Serie gibt es inzwischen mit englischen Untertiteln (in unauthorisierter Version), die Teile 3 und 4 sollen bald folgen.

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2 Kommentare »

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  1. http://www.journal21.ch/israel-land-ohne-grenzen-4

    Diese Adresse hat nichts mit dem Artikel von Manfred Gerstenfeld zu tun. Trotzdem, sehen Sie sich das doch mal an. Danke & schöne Woche

    • Grundsätzlich: Wo sind die Quellen für diese Aussagen Flottaus?
      Müssen die Sätze so interpretiert werden, wie Flottau das tut? Oder sind sie auch ganz anders zu verstehen?
      Die Behauptung, dass Israel “mit dem 1948/49 und 1967 eroberten Territorium nicht zufrieden ist. Expansion bis an den Jordan ist das minimale Ziel, dass Ariel Sharon und in seinem Gefolge Politiker wie Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak auch heute noch verfolgen” wird durch die Fakten schon widerlegt, denn Israel ist weder unter Sharon noch unter Netanjahuoder Barak ausgedehnt worden – alle drei haben 1967 erobertes Territorium abgegeben.
      Allerdings kann man von Flottau wohl nicht erwarten, dass er etwas anders sieht als das Übel Israel und die armen, unterdrückten Araber (http://heplev.wordpress.com/2009/03/14/knallchargen-11/). Nur: Das sollten Leute mal mit Fakten abgleichen. So auch die Behauptungen zu Herzl und den Zionisten. Nur mal so zum Nachdneken, Herr Teusch:
      http://heplev.wordpress.com/2007/12/03/land-ohne-volk-fur-ein-volk-ohne-land/
      http://heplev.wordpress.com/2012/10/05/ein-land-ohne-ein-volk-fur-ein-volk-ohne-ein-land/
      Wer seine Vorurteile durch Hetz-Texte wie den von Flottau bestätigen will, bitteschön. Jeder darf seine eigene Meinung haben, auch wenn sie Unsinn ist. Aber eigenen Fakten, die mit der Realtität nichts zu tun haben, ist mächtig daneben.


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