Jüdische Flüchtlinge und der Irrtum des Daniel Haboucha

18. Oktober 2012 um 15:05 | Veröffentlicht in Geistesgrößen, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Philippe Assouline, Times of Israel, Oct. 8, 2012

Vor kurzem hatte ich das Pech hier in der Times of Israel Daniel Habouchas Tirade gegen Israels neue Kampagne zur Sensibilisierung für jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern zu lesen. Habouchas Text tut Israels Entscheidung, die Aufmerksamkeit auf die Notlage der 800.000 bis 900.000 nach der Gründung Israels 1948 aus den arabischen Ländern vertriebenen Juden zu lenken, als Übung in Zynismus ab. Für Haboucha ist der Zionismus für das Schicksal dieser Juden verantwortlich zu machen. Der Zionismus ist nach Habouchas Meinung ebenfalls für das Leid der Palästinenser verantwortlich, d.h. „das fortgesetzte, kollektive Trauma einer gesamten Nation, die  ihres Heimatlandes beraubt wurde“.

Habouchas These ist unhaltbar und sein Artikel ist eine schändliche Billigung der zynischen Benutzung der palästinensischen Flüchtlinge und ihrer Nachkommen durch die arabischen Staaten.

Eine Billigung von Zynismus als Politik

Haboucha informiert uns zu Beginn, dass seine Familie „gezwungen war Ägypten Anfang der 1960-er Jahre zu verlassen, wobei sie … einen großen Teil ihres Besitzes zurückließ. Ihre traumatische Entwurzelung nach Jahrhunderten Leben im Nahen Osten ist ein ungeheures Beispiel der systematischen religiösen Verfolgung und eines, das fraglos Entschädigung wert ist.“ Und doch verwendet Haboucha den Rest seiner langatmigen Tirade praktisch dazu gegen jedes praktikable Mittel zu argumentieren, mit dem man diese Entschädigung erreichen könnte. Warum? Weil, wie er es darstellt, „zwischen [seinem] ‚Leid‘ [als kanadischer Staatsbürger] heute und dem Leid eines Palästinensers, der in einem Flüchtlingslager aufwuchs, zu vergleichen nicht nur absurd ist, sondern auch für Israel nicht gut sein wird.“

In der Tat kann und sollte das „Leid“ Habouchas mit dem von Palästinensern in Lagern in arabischen Ländern verglichen werden; und das sollte Israel nutzen, indem es den grausamen Zynismus seiner Feinde offenlegt.

Die derzeit in Lagern in arabischen Staaten lebenden Palästinenser sind keine Flüchtlinge. Sie sind – nach mehr als drei Generationen – Nachkommen von Flüchtlingen, so wie Haboucha. Anders als Haboucha sind sie allerdings auf alle Zeiten auf den Flüchtlingsstatus eingeschränkt, nicht durch Israel, sondern durch die Weigerung arabischer Führer sie in die Länder zu integrieren auf deren Territorium sie sich aufhalten. Die Palästinenser, auf die Haboucha verweist, wurden von ihren eigenen Brüdern jeder Chance beraubt ein besseres Leben zu führen; man lässt sie in arabischen Ländern unter echter Apartheid leiden. Im Gegensatz zu jeder andren Flüchtlingsgruppe auf der Erde haben sie ihren Flüchtlingsstatus von Generation zu Generation weitergegeben, womit ihre Kinder den pyrrischen Nutzen der Abhängigkeit von der UNO und ewigen Groll erbten. Wenn ihr Leid beklagenswert ist, dann einzig deshalb, weil die arabische Welt und die UNO arrangiert haben, dass es so ist. Habouchas Weigerung das Leid der Palästinenser in Lagern zu recherchieren belohnt die arabischen Staaten, indem sie vor ihrer direkten Verantwortung für dieses Leid abgeschirmt werden.

Das Bett, das sie machten

Haboucha versucht dann seine Leser über eine angebliche israelische Verantwortung bei der Schaffung des palästinensischen Flüchtlingsproblems zu informieren. Uns wird gesagt, Yitzhak Rabin habe „persönlich die Vertreibung von fast 70.000 palästinensischen Zivilisten aus Lydda und Ramle während einer Woche Kämpfe im Juni 1948 beaufsichtigt“. Haboucha behauptet auch: „Mit dem Ziehen einer direkten Parallele zwischen den Juden, die von arabischen Regierungen gewaltsam enteignet wurden, und den Palästinensern scheint die israelische Regierung endlich ihre Rolle bei der Schaffung der palästinensischen Flüchtlingskrise zuzugeben, mit all den sich daraus ergebenden politischen und diplomatischen Konsequenzen.“

Haboucha arbeitet sich langsam in eine der PLO anstehenden Schilderung (sein Artikel wurde in der Tat auf Mailinglisten der PLO-Abteilung für Kultur und Information mit dem Betreff „lesenswert“verbreitet). Was er in Wahrheit zu sagen versucht: Israel trägt die Verantwortung für den Krieg von 1948, da es dieser Krieg ist, der das Flüchtlingsproblem schuf. Vielleicht begreift er auch einfach nicht, dass im Krieg „shit happens“. Menschen sterben. Andere werden heimatlos. Kriege sind hässlich und man sollte sie nur als allerletztes Mittel nutzen. Und das ist der Grund, warum schon in der Unabhängigkeitserklärung Israel Frieden einklagte und die palästinensischen Araber aufforderte nicht wegzugehen, sondern als Bürger und Gleichberechtigte innerhalb des jüdischen Staates zu bleiben:

Wir wenden uns – selbst inmitten mörderischer Angriffe, denen wir seit Monaten ausgesetzt sind – an die in Israel lebenden Araber mit dem Aufruf, den Frieden zu wahren und sich aufgrund voller bürgerlicher Gleichberechtigung und entsprechender Vertretung in allen provisorischen und permanenten Organen des Staates an seinem Aufbau zu beteiligen.

Wir bieten allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft und rufen zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Hilfe mit dem selbständigen jüdischen Volk in seiner Heimat auf. Der Staat Israel ist bereit, seinen Beitrag bei gemeinsamen Bemühungen um den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens zu leisten.

Als Folge dieser Einladung zählt Israel heute mehr als eine Million arabischer Bürger, darunter Richter, Minister, Abgeordnete, Diplomaten und Offiziere im Militär. Das ist kaum das Kennzeichen eines Landes, das darauf erpicht ist die Araber zu vertreiben.

Die Araber hätten außerdem neben Israel den ersten Staat „Palästina“ der Geschichte gründen können. Sie hätten ein Gegenangebot abgeben können. Sie hätten das junge Israel mit arabischen Einwanderern überschwemmen können. Stattdessen begannen die Palästinenser mit den mtik ihnen verbündeten arabischen Armeen einen völkermörderischen Aggressionskrieg gegen die Juden. „Es wird ein Vernichtungskrieg sein. Es wird ein in der Geschichte bedeutendes Massaker sein, über das man so sprechen wird wie über die Massaker der Mongolen oder die Kreuzzüge”, erklärte Azzam Pascha, der Generalsekretär der Arabischen Liga, zum Krieg von 1948.

Und so waren, während in Europa die Krematorien noch rauchten, die Juden – einschließlich vieler Flüchtlinge aus dem Holocaust, dem Völkermord, von dem sie wussten, dass sie von der Palästinenserführung unterstützt wurde – gezwungen, gegen die örtlichen arabischen Milizen und fünf Armeen um ihre pure Existenz zu kämpfen. Alleine. Es stimmt, einige Palästinenser wurden in dem folgenden Wirrwar aus ihren Häusern gedrängt, Häusern, die oft als Basis für Angriffe auf zivile Hilfskonvois aus Tel Aviv nach Jerusalem genutzt wurden. Was Haboucha nicht erwähnt: Tausend jüdischer Einwohner wurden von den vorrückenden arabischen Armeen ebenfalls vertrieben, zum Beispiel aus dem Jüdischen Viertel Jerusalems und aus den Dörfern des Gush-Etzion-Blocks südlich von Jerusalem; beide Bereiche wurden komplett zerstört.

Haboucha erwähnt keines dieser entscheidenden Details, was einen groben rechtlichen Missbrauch ergibt. Er unterscheidet nicht zwischen der Massenvertreibung und Enteignung von fast einer Million Juden in arabischen Ländern nur aufgrund ihrer Religion einerseits und der Verschiebung von 650.000 Arabern infolge ihres eigenen, völkermörderischen Aggressionskriegs gegen Überlebende eines Völkermords. In seiner Schilderung tragen die Araber keine Verantwortung, obwohl sie den Krieg begannen, der das Flüchtlingsproblem verursachte und obwohl diese Flüchtlinge seit Generationen gefangen gehalten werden. Die Verantwortung muss Rabin – selbst Flüchtling aus Jerusalem, der sein Volk gegen die jordanische Aggression verteidigte – auferlegt werden. Ich frage mich, ob Haboucha seine Kinder diese moralische Ausflucht lehren wird.

Egal, die Verantwortung für das palästinensische Flüchtlingsproblem liegt zweifellos bei den arabischen Führern, die einen Krieg nur aus einem einzigen Grund initiierten – chauvinistischem Aberwitz; einen Krieg, der Israelis wie Palästinensern gleichermaßen nichts als Leid brachte.

Das Verbrechen der jüdischen Selbstbestimmung

Wie der Artikel verdeutlicht, grollt Habouchas der jüdischen Selbstbestimmung an sich:

Israels Gründer wussten lange vor 1948, dass die Gründung eines jüdischen Staates im Herzen der arabischen Welt eine Katastrophe bedeuten würde… Der Zionismus verwandelte die Juden in den arabischen Ländern von Mitgliedern einer tief verwurzelten religiösen Minderheit in „Staatsbürger eines Feindlandes“. Als er auf die drohenden Gefahren aufmerksam gemacht wurde, dem sich die Juden des Irak in den 1940-er wegen der steigenden Feindseligkeit gegenüber dem Zionismus Jahren ausgesetzt sahen, fühlte David Ben-Gurion die Verantwortung für den Schaden, von dem er vermutete, dass er ihnen widerfahren würde; er bezeichnete diese arabischen Juden als potenzielle „Opfer“ der zionistischen Bewegung.

Mit diesem Abschnitt wird eine ganze Reihe von Denkfehlern verkauft. Erstens: Lange vor 1948 war Habouchas „arabische Welt“ faktisch türkisch. Und dazu gehörten Regionen, die heute nur kraft des Kolonialismus „arabisch“ sind. Habouchas „arabische Welt“ besteht in Wirklichkeit also aus Maroniten, Assyrern, Kopten, Kurden, Berbern, Kabylen. Und Juden. Diese indigenen Bevölkerungen würden zusammenschrecken, wenn man ihnen sagte, ihr Land sei arabisch; dass er diesen Begriff benutzt, ist eine Legitimierung der fortgeführten Unterdrückung indigener Völker durch arabische Staaten.

Gleichermaßen ist Habouchas Gebrauch des modischen, aber widersinnigen Begriffs „arabische Juden“ stark ideologisch. Haboucha sollte wissen, dass Juden weit vor den arabischen Invasionen in Nordafrika und dem Nahen Osten lebten. Genetische Untersuchungen haben vor kurzem gezeigt, dass es im Verlauf der Jahrhunderte wenig bis keine Mischung mit den arabischen Besatzern gab. Es gab außerdem kulturelle Unterschiede. Den Begriff „arabische Juden“ in dieser Weise zu gebrauchen soll nahe legen, dass der Zionismus die Juden denaturierte und sie von Arabern in die „Feinde“ der Araber verwandelte. Indem er einen idyllischen vorzionistischen Nahen Osten vortäuscht, stellt er seinen Artikel in eine Reihe mit revisionistischen PLO-Pamphleten. Und er verweigert den Juden ein Volk zu sein, was er andererseits für die Palästinenser voraussetzt.

Wie aufs Stichwort beginnt Haboucha dann die Gewalt, die viele Juden so in Angst versetzte, dass sie in den 1950-er Jahren die arabischen Länder verließen, den Juden selbst zuzuschreiben:

Gleichermaßen nahm die jüdische Emigration aus dem Irak 1951 nach dem Bombenanschlag auf eine Synagoge zu; für diese Tat wurden damals (von Vertretern des britischen Konsulats und vielen irakischen Juden) zionistische Agenten verantwortlich gemacht. Meines Wissens gibt es keine schlüssigen Beweise für diese Behauptung, doch ihr gab das kürzlich abgegebene Eingeständnis eines ehemaligen Mitglieds des irakischen zionistischen Untergrunds Glaubwürdigkeit, dass Mitglieder seiner Gruppe solche Taktiken anwandten.

Das ist nicht viel anders als die Juden für den Holocaust verantwortlich zu machen. Vielleicht sollte man Herrn Haboucha an das Massaker von Farhoud erinnern; oder an all die anderen Massaker an Juden, die vor 1948 schon im Nahen Osten stattfanden. Jedenfalls ist es lächerlich, sollte ein Anwalt seinen Fall auf weniger als eine Hand voll Anekdoten aufbauen – von denen einige, wie er selbst zugibt, völlig ohne Beweise sind – um für, gegen und über die Zeugenaussagen Hunderttausender enteigneter Juden aus arabischen Staaten und ihrer offiziellen Vertreter zu sprechen.

Doch Habouchas Argument, dass die jüdischen Flüchtlinge Opfer des Zionismus (und nicht der arabischen Staaten, die sie zu Flüchtlingen machten) sind, wird noch fadenscheiniger, als der Artikel weiter geht. Er erklärt:

Ihre Not wurde verschlimmert, als die arabischen Juden, die sich in Israel niederließen, schwerer systematischer Diskriminierung unterworfen wurden, man sie wirtschaftlich entrechtete und als kulturell minderwertig behandelte. Dieses Phänomen ist in Israel immer noch so etwas wie eine offene Wunde und wird in einem neu entstehenden Bereich der Literatur ausführlich dokumentiert.

Wenn jüdische Flüchtlinge aus arabischen Ländern in Israel weiter litten, ist das um so mehr ein Grund Entschädigung durch die anzustreben, die sie vertrieben und das Leid verursachten. Und wenn der Zionismus für die vorgeworfene Diskriminierung der nicht perfekten Integration der sephardischen Flüchtlinge in Israel verantwortlich ist, dann sind es gleichermaßen die Araber – und nicht Israel – die für das fortgesetzte Leid der palästinensischen Flüchtlinge und deren Nachkommen in ihrer Mitte zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Ich füge das an, weil Haboucha, um seinen Standpunkt darzustellen, dass sephardische Juden in Israel diskriminiert wurden, (Lied-) Texte eines marokkanisch-israelischen Eherings zitiert. Das allein sollte ausreichen, um seinen Artikel zu diskreditieren. Doch leider gibt es noch mehr.

Opfer oder Landsleute?

Nachdem er uns gerade erzählte, dass sephardische Juden in Israel als Bürger zweiter Klasse behandelt wurden und daher Opfer des  Zionismus waren, macht Haboucha eine Kehrwende und informiert uns: Nein, der Zionismus behandelte die jüdischen in Wirklichkeit als Landsleute, weshalb sie keine Flüchtlinge sind:

Mizrahim, die sich in Israel niederließen, wurden damals von der Regierung – sowohl auf der rechtlichen als auch der rhetorischen Ebene – nicht als Flüchtlinge behandelt, die aus ihren Heimatländern vertrieben wurden, sondern als Landsleute, die nach Jahren im Exil in ihr Heimatland zurückkehrten. Ayalons Initiative veranlasste das palästinensisch-israelische Parlamentsmitglied Ahmed Tibi zu der schlagfertigen Frage: „Wie viele Heimatländer haben [die Juden] denn?“

Übergehen wir mal die Tatsache, dass er sich entscheidet zur Frage doppelter Loyalitäten Ahmed Tibi zu zitieren – einen gewählten Abgeordneten in Israels Parlament, der es akzeptabel fand als Berater des Erzterroristen Yassir Arafat zu dienen. Kehren wir die Tatsache unter den Teppich, dass Menschen heute oft zwei oder sogar drei Heimatländer haben. Habouchas wichtigste Behauptung ist hier, dass, weil die vertriebenen Juden nach Israel statt in ein anderes Land immigrierten, sie keine Flüchtlinge sind. Das ist absurd.

Ein Flüchtling ist jemand, der gezwungen wurde sein oder ihr Land zu verlassen, um Krieg, Verfolgung oder einer Naturkatastrophe zu entfliehen. Diese Definition verändert sich nicht, wenn die Fliehenden an einem guten Ort landen und es schaffen sich ein besseres Leben aufzubauen.

Für Haboucha aber sind der Flüchtlingsstatus und das gebotene begleitende Mitleid denjenigen nicht zu gewähren, die aus ihren Häusern gezwungen wurden, sondern denen, die von ihrer Wahlheimat missbraucht worden sind. Juden sind für Haboucha keine Flüchtlinge, weil sie sich entschieden nach ihrer Vertreibung nach Israel zu gehen und inzwischen Teil des Gewebes dieses Staates sind. Die Palästinenser und ihre Nachkommen jedoch sind Flüchtlinge, weil sie immer noch misshandelt und von ihren Wahlheimat-Ländern ausgegrenzt werden. Das ist so, als würde man sagen, diejenigen, die Anfang des Krieges aus Nazideutschland flohen, waren aufgrund der Tatsache keine Flüchtlinge, weil sie auf amerikanischem Boden ankamen, wo sie Erfolg hatten.

Das heißt das Konzept des Flüchtlings auf den Kopf zu stellen.

Der einzige legale und moralisch ins Auge springende Punkt ist der, dass bis zu 900.000 Juden durch Verfolgung zum Gehen gezwungen wurden, nicht aufgrund eigener Wünsche und nicht mit ihrem Besitz. Wohin zu gehen sie sich entschlossen, nachdem sie vertrieben wurden und ob das am Zionismus ausgerichtet war oder nicht, hat keine Folgen für die Festlegung, ob sie für ihr Trauma und ihre Verluste Entschädigung verdienen. Wenn Israel Flüchtlinge infolge seiner Gründungsideologie Einwanderer als Landsleute willkommen hieß und behandelte, dann ändert das in keiner Weise die Tatsache, dass diese Menschen tatsächlich Flüchtlinge waren. Tatsächlich widerspricht sich Haboucha schon im nächsten Absatz einmal mehr, indem er schlicht geltend macht: „Die meisten arabischen Juden, die ihre Heimatländer verließen, verließen diese nicht freiwillig“.

Die guten werden Letzter

Indem er Israels Anteil nehmendes Willkommen der jüdischen Flüchtlinge gegen Israel verwendet, unternimmt Haboucha nichts anderes als die arabischen Staaten für ihre fortgesetzte Misshandlung der Palästinenser zu belohnen. In der verdrehten Denkweise dieses bien pensant bleibt keine gute Tat ungestraft:

Ob sie nun in erster Linie Opfer des Zionismus waren, wie Ben Gurion schrieb, oder der arabischen Regierungen, wie Ayalon jetzt argumentiert, ist jedoch ein weitgehend überflüssiges Argument, wenn man bedenkt, dass keiner dieser Juden heute ein Flüchtling ist. Sie sind seit Jahrzehnten in ihrer Wahlheimat niedergelassen und blicken zum größten Teil nicht zurück.

Hätten die Araber diejenigen Palästinenser ebenfalls integriert, die der Wahnsinn ihrer Führer heimatlos machte, könnten auch sie heute ein gutes Leben haben; auch sie wären seit Jahrzehnten niedergelassen und würden nicht zurückblicken. Doch sie wurden nicht integriert. Sie werden wütend und in Lagern gefangen gehalten, weil ihre Rage die Aufmerksamkeit von denjenigen ablenkt, die rechtmäßig ihr Ziel sein müssten.

Das „kollektive Trauma“ der Palästinenser dauert nicht wegen irgendeiner Sünde israelischer Existenz an, wie Haboucha es fast ausbuchstabiert; auch nicht wegen einer selbst verschuldeten „Nakba“. Es besteht und dauert an, weil die Palästinenser darauf bestehen einen Staat zu gründen und gleichzeigt jedes einzelne Angebot, das ihnen das zu tun erlaubt, zurückweisen, ohne – wie Haboucha es formuliert – ein veritables „fortgesetztes, kollektives Trauma zu verursachen, dass eine ganze Nation ihres Heimatlandes beraubt wird“ – soll heißen: ohne Israel zu vernichten. Angesichts dessen ist Habouchas Text nichts weiter als eine Billigung des zynischen Missbrauchs der Palästinenser und ihrer Nachkommen als Bauernopfer durch die arabischen Staaten. Er ignoriert nicht nur die Schuld der Araber bei der Vertreibung von fast einer Millionen Unschuldiger aus arabischen Staaten wegen des Verbrechens dem Judentum anzugehören; er befreit sie auch von jeder Schuld an der Verursachung des palästinensischen Flüchtlingsproblems, indem sie sich 1948 für Krieg und gegen die Teilung entschieden und dafür, dass sie die Palästinenser seitdem aus politischen Gründen leiden lassen.

Auch ich bin ein Nachkomme von Juden, die gezwungen waren nach Jahrtausenden ein arabisches Land zu verlassen, mit nur dem Besitz, der in den Hohlräumen hölzerner Kleiderbügel herausgeschmuggelt werden konnte. Für mich spricht Daniel Haboucha nicht.

Hier folgt ein Text, der ausdrücklich als Ergänzung zu Assoulines Artikel geschrieben wurde.

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