Die Zustände im Gazastreifen? „Nie sind Inneneinrichter da!“

10. November 2012 um 16:12 | Veröffentlicht in Nahost-Konflikt | Hinterlasse einen Kommentar
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Elliott Abrams, Pressure Points, 29. Oktober 2012

Am 20. Oktober fing Israel das bisher letzte einer Reihe von Schiffen ab, die versuchten die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Dieses Schiff, die MV Estelle, hatte fünf Europa-Parlamentarier und eine kanadisches ehemaliges Parlamentsmitglied an Bord. Der angebliche Grund dieser Besuche, zumeist durch europäische „Aktivisten“, ist es Aufmerksamkeit auf die horrende, furchtbare, unmögliche Isolation und die verzweifelten humanitären Bedingungen dort zu lenken, die alle durch die israelische Blockade aufgebürdet wurden.

Diese Woche erzählte The New York Review of Books, ein schickes, linkes Journal, eine ganz andere Geschichte. Nicolas Pelham, der in erster Linie für The Economist und The New Statesman schreibt, nahm den gerade erfolgten Besuch des Emirs von Qatar (der $400 Millionen an Geschenken mitbrachte) zur Kenntnis du beschrieb den Gazastreifen so:

Dank seiner Nachschublinien aus Ägypten überstieg das Bruttoinlandsprodukt des Gazastreifens das der von der vom Westen finanzierten Hamasrivalen PA in der Westbank um das Fünffache. Die Wirtschaft des Gazastreifens wird weiter von arabischen Regierungen der Region wie der Qatars angetrieben; diese verschieben Hunderte Millionen Dollar an Hilfsgeldern von der PA zur Hamas, was etwas signalisiert, das eine historische Verlagerung in der palästinensischen Politik sein könnte… Zahlen der Weltbank geben an, dass der Beginn von Neubauten in der ersten Hälfte des Jahres 2011 um 220 Prozent anstieg… nachdem sie 2008 gerade mal 6 Prozent Wachstum erzielte, wuchs die Wirtschaft des Gazastreifens 2010 um 20 Prozent und letztes Jahr um riesige 27 Prozent; die Arbeitslosigkeit der formellen Wirtschaft fiel auf 29 Prozent, die niedrigste der letzten zehn Jahre und eine Verbesserung um acht Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Ein gerade erstellter Bericht der International Labor Organization zitierte das Entstehen von 600 „Tunnel-Millionären“; viele davon haben auf der Suche nach Möglichkeiten ihre Profite zu parken, zuerst in Landbesitz investiert und dann in  Hunderten von Luxusapartment-Häusern. Die Nachfrage ist derart groß, dass die Gazaner sich beschweren, weil die Bauherren Monate im Voraus buchen müssen und nie Raumgestalter zur Verfügung stehen.

Pelham legt nicht nahe, dass es keine Armut gibt: „Zum ersten Mal entstehen Slums in den Außenbezirken von Gaza Stadt.“ Und er diskutiert die komplexen Beziehungen zwischen der Hamas und der neuen Regierung der Muslimbruderschaft in Ägypten, den Spendern vom Golf und sogar den extremeren Palästinensergruppen.

Doch sein Artikel demonstriert die bemerkenswerte Blindheit der nach Gaza schippernden „Aktivisten“, um die imaginäre Isolation und die nicht existente humanitäre Katastrophe zu lindern. Fakt ist: Es gibt in der Nachbarschaft eine humanitäre Katastrophe, in Syrien. Ich warte immer noch auf die Schiffe voller europäischer „Aktivisten“ und Parlamentarier, die Tartous und Latakia ansteuern, um ihre Solidarität mit dem syrischen Volk zum Ausdruck zu bringen.

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