Kommentar: Eine Erinnerung des Oslo-Schlüsselmannes Beilin – die israelische Oslo-Führung plante nicht voraus

20. Dezember 2012 um 16:03 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt | 2 Kommentare
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Dr. Aaron Lerner, IMRA, 13. Dezember 2012

Man kann es würdigen, dass Ausländer kaum akzeptieren können, dass die halbaren Ideen von Israelis mit eindrucksvollen militärischen Karrieren oder Jahren an Erfahrung in arabisch-israelischen Angelegenheiten wirklich genau das sind: halbgare Ideen.

Immerhin sollten man hoffen und erwarten, dass jemand, der z.B. in der Lage war bis ganz an die Spitze der IDF zu kommen, sowohl den gesunden Menschenverstand als auch die Integrität haben würde, die politischen Empfehlungen bis zum Ende zu durchdenken, bevor er den Mund aufmacht.

Doch das ist nicht neu.

Von ganz von Anbeginn des Oslo-Prozesses verfochten die Gegner Oslos, dass das ein halbgarer Plan war; dass die für Oslo werbende israelische Führung das nicht bis zu Ende gedacht hatte.

Und Dank Ari Shavits Interview mit Yossi Beilin („Yossi nimmt die Brille ab“, Ha’aretz Magazine, 7. März 1997) haben wir die Bestätigung des Schlüsselmannes von Oslo, dass es sich in der Tat um ein halbgares Programm handelte.

Hier ist meine Übersetzung einiger Auszüge:

+++

Shavit: Als Sie in den Oslo-Prozess eintraten, Rabin, Peres und Sie, war Ihnen da klar, dass dies ein Palästinenserstaat werden würde?

Beilin: Nein. Es ist sehr interessant festzustellen, dass die Seelen-Gespräche zum Thema „Wohin wird dieser Prozess führen“ nur zwischen den Parteien stattfand, nicht innerhalb von diesen. Innerhalb der Arbeitspartei und innerhalb der Regierung und  innerhalb des Verhandlungsteams kann ich mich nicht an irgendeine echte und ernste Diskussion der endgültigen Lösung erinnen.

Shavit: Ich verstehe das nicht. 1992 wurden Sie in die Regierung gewählt. 1993 schufen Sie den Oslo-Prozess. In keiner Phase stellten Sie sich die Frage, wohin das alles führen wird?

Beilin: Nein.

Shavit: Sie sprachen nie mit Rabin über die langfristige Bedeutung von Oslo?

Beilin: Nie.

Shavit: Und mit Peres?

Beilin: ich sprach auch nie mit Peres darüber.

Shavit: Das heißt also, dass wir in einen historischen Prozess gehen, der in seiner Dramatik seinesgleichen sucht und in keiner Phase sagen Sie: „Moment mal, lasst uns darüber nachdenken“, lasst uns prüfen, wohin wir grundsätzlich marschieren?

Beilin: Mit Rabin war die Vermeidung einer endgültigen Vereinbarung eine Art Politik. Er stieß das weg. Nachdem er starb, saß ich bei Leah Rabin und sagt ihr: Wenn jemand hätte wissen können, welche endgültige Vereinbarung Rabin im Kopf hatte, dann bist du das. Sie sagte mir: „Schau, ich kann es dir nicht sagen. Er war sehr pragmatisch, hasst es sich mit dem zu befassen, was viele Jahre später sein würde. Er dachte daran, was jetzt, was sehr bald sein würde. Nach meinem bestem Wissen hatte er kein sehr klares Bild davon, wie die endgültige Vereinbarung aussehen würde.“
Rabin glaubte, dass die Dinge sich entwickeln würden, sah etwas Instrumentelles wie, eine Autonomie, die ein Staat werden könnte oder nicht. Er hatte kein klares Bild.

Shavit: Die Frage muss gestellt werden, ob die Entscheidungen in Oslo überhaupt in einem rationalen Prozess getroffen wurden.

Beilin: Im Allgemeinen gibt es keine rationalen Prozesse. Rational bedeutet am Ende fast immer vernünftig begründen. Wenn man sich diese Art von Prozessen ansieht, dann stellt man fest, dass die Dinge fast immer aus inneren Gefühlen der Teilnehmer heraus geschehen, dass sie das Richtige tun. Aus ihren Gefühlen heraus und ihrer Intuition und persönlicher Erfahrung.

+++

Es hat sich nichts geändert.

Wer also über die politischen Empfehlungen der israelischen Linken nachdenkt, sollte sich daran erinnern: caveat emptor (Abnehmer, sieh dich vor!).

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2 Kommentare »

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  1. He, he… Erinnert mich irgendwie an die vollkommen planlose “Euro-Rettung” ;-)
    Und auch an die plötzlich aus dem Nichts gekommene “Energiewende”.

  2. Und die “Klimahysterie” und die “Einwanderungspolitik in Deutschland” und und und.
    Da taucht dann schon mal die Frage auf, ob Politiker überhaupt in der Lage sind etwas bis zum Ende zu durchdenken.
    Ich denke nein, weil sie nur in Wahlperioden denken können, müssen, sollen. Also niemals bis an das wirkliche Ende einer Entwicklung, weil sie nicht wissen, ob sie dann überhaupt noch “an der Macht” sind.

    Das unterscheidet das strategische Denken der Politiker von dem des Unternehmers. Der Unternehmer ist verpflichtet eine Entscheidung “bei Strafe des eigenen Untergangs” bis zum Ende zu denken.
    Der Politiker nicht. Der kann aus ganz anderen Gründen untergehen. Aber kaum wegen einer Fehlentscheidung. (Na ja, ganz selten.)


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