Die Schriftrollen vom Toten Meer: Alles, nur nicht jüdisch?

21. Dezember 2012 um 12:18 | Veröffentlicht in Geschichte, Nahost-Konflikt, Palästinenser | 1 Kommentar
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Petra Marquardt-Bigman, The Warped Mirror, 19. Dezember 2012

Am Dienstag starteten die Israeli Antiquities Authority und Google Israel die Digitale Bibliothek der Schriftrollen vom Toten Meer. Wie die Projekt-Seite des Google Cultural Institute feststellt, bieten die Schriftrollen „entscheidende Einsicht in die jüdische Gesellschaft im Land Israel während der Zeit des Zweiten Tempels, der Zeit der Geburt des Christentums und des rabbinischen Judentums“; Die neue Leon Levy Dead Sea Scrolls Digital Library bietet detailliertere Informationen zum historischen Hintergrund und Bedeutung und verspricht auf seiner Homepage „eine außergewöhnliche Begegnung mit dem Altertum“.

Während dieses faszinierende Projekt die Schriftrollen vom Toten Meer mit der Welt teilt, erinnerte mich die Nachricht zum Start der digitalen Bibliothek daran, dass vor ein paar Jahren eine Ausstellung der Rollen in Kanada einmal mehr veranschaulichte, dss diejenigen, die immer begierig die alte jüdische Verbindung zum Land Israel bestreiten, nicht zögern würden mit den armseligsten Geschichten anzukommen, um zu behaupten die Rollen seien ihr Erbe. Was ich Anfang 2010 über den Vorfall schrieb, ist nicht länger online verfügbar wird daher unten neu eingestellt.

* * *

Beispiele für arabische Missachtung jüdischer historischer Stätten und Artefakte könnten leicht ein Buch füllen; es wäre auch kein Problem einen zusätzlichen Band mit Beispielen arabischer Leugnung der historischen jüdischen Verbindung zu Jerusalem und der Region zu füllen. Es scheint jedoch, dass diese Bilanz nicht heißt, dass jordanische Behörden sich in irgendeiner Weise genieren würden zu behaupten die Schriftrollen vom Toten Meer seien „unsere Antiquitäten“ oder dass die Palästinenser Bedenken hätten zu behaupten, die Rollen seien „Teil des palästinensischen Erbes“.

In einem offensichtlichen Versuch diese Behauptungen zu stärke teilte neulich der palästinensische Journalist Daoud Kuttab seine Erinnerungen daran, wie er „in Bethlehem mit den Rollen vom Toten Meer“ aufwuchs mit den Lesern der Huffington Post.

Kuttab gibt vor besonders von den israelischen Ansprüchen erbost zu sein, „die Rollen haben keine Verbindung zu Jordanien und dem jordanischen Volk“, sondern seien stattdessen „ein wesentlicher Teil des jüdischen Erbes und der jüdischen Religion“. Kuttab scheint zu glauben, diese israelischen Ansprüche seien durch seine Kindheitserinnerungen leicht ungültig zu machen, die in der Geschichte über die Entdeckung der ersten Schriftrollen vom Toten Meer durch einen beduinischen Ziegenhirten geschildert werden, der dann einen arabischen Schuster beauftragte ihm daraus Sandalen zu machen. Glücklicherweise erkannte der Schuster, dass diese Rollen wertvoll sein könnten, und nach Angaben von Kuttab wurden sie irgendwann an einen hochrangigen Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirche weitergegeben, der es schaffte sie für ein Vermögen zu verkaufen.

So viel zur tief empfundenen arabischen Bindung an diesen einzigartigen historischen Schatz.

Darüber hinaus schient Kuttabs Kindheitserzählung nur teilweise korrekt zu sein, denn von den ursprünglich entdeckten sieben Rollen wurden drei direkt von Professor Eliezer Lipa Kukenik im Auftrag der Hebräischen Universität gekauft. Die verbliebenen vier Rollen wurden 1954 im Wall Street Journal zum Verkauf angeboten und Yigael Yadin, Sukeniks Sohn, schaffte es sie mit Hilfe eines amerikanischen Vermittlers für den Staat Israel zu erwerben. [Dazu können Sie sich inzwischen in der ditigalen Bibliothek auch die Beschreibungen und Illustrationen ansehen.]

Kuttab behauptet aus irgendeinem Grund, die Rollen wären an das Britische Museum verkauft worden; er erklärt außerdem, dass jordanische und palästinensische Ansprüche sich auch auf Rollenfragmente beziehen, die erst 1952 entdeckt und von dem Schuster verkauft wurden – der sich in einen Antiquitätenhändler verwandelt hatte – und zwar an das „Palestine Archeological Museum“, das man auch als Rockefeller-Museum in Jerusalem kennt.

Das Museum hatte im Januar 1938 seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet; zehn Jahre später wurde es von jordanischen Streitkräften erobert und 1966 wurde es von König Hussein von Jordanien nationalisiert.

Es ist sicher ziemlich interessant in diesem Kontext festzustellen, dass Kuttab Empörung über die Ansicht zum Ausdruck bringt, dass „Jordaniens Herrschaft über arabischen Mitbürger vor 1967 eine „Besatzung“ ist. Angesichts von Kuttabs Sichtweise spielt es offenbar keine Rolle, ob die Jordanier oder der Palästinenser ihren Anspruch auf die Schriftrollen vom Toten Meer als Teil ihres eigenen „Erbes“ rechtmäßig ist oder nicht – alles, was zählt ist, dass Israels Anspruch auf die Rollen als Teil des jüdischen Erbes zurückgewiesen und abgestritten wird. Unvermeidlicherweise klingen Kuttbas Abschlussausführungen daher eher hohl:

Das heilige Land ist den drei monotheistischen Religionen heilig. Ansprüche auf religiöse Exklusivität und der Gebrauch dieser Arroganz zur Rechtfertigung des Landdiebstahls und der Besetzung von Völkern haben katastrophale Ergebnisse gebracht. Je schneller wir einander und unseren Glauben ehren und anerkennen, des schneller werden wir in der Lage sein die tröstenden Worte der Engel zu verstehen, die Frieden auf Erden und Wohlwollen allen Menschen fordern.

Es überrascht nicht, dass Kuttab nicht die Kurve bekommt und anerkennt, dass die Schriftrollen vom Toten Meer Jahrzehnte älter sind als das Christentum und Jahrhunderte älter als der Islam.

Es scheint recht bedrückend, dass dies das ist, was ein weithin respektierter Journalist anzubieten hat, wenn er über „Wohlwollen“ schreibt. In der Tat scheint Kuttabs Vorstellen von „Wohlwollen“ immer zu bedeuten, dass von Juden verlangt werden sollte, ihre historischen Verbindungen zu verleugnen: ein weiterer seiner jüngsten Artikel beschreibt Jerusalem als „Stolperstein“ für den Frieden und dort behauptet Kuttag:

Es war wegen Jerusalem, dass der damalige israelische Führer Ariel Sharon der Al-Aqsa-Moschee im Jahr 2000 einen provokanten Besuch abstattete. Seinem Besuch wurde mit wütenden Protesten begegnet, anders als in der vorherrschenden israelische Darstellung, es scheine so als sei die Intifada nicht wegen dieses Besuchs ausgebrochen. Es kann diskutiert werden, dass die Intifada wegen der Brutalität ausbrach, die israelisches Sicherheitspersonal gegen die wütenden Demonstranten einsetzte.

Natürlich besuchte Sharon die Al-Aqsa-Moschee nicht; er besuchte den Tempelberg nur rund eine halbe Stunde lang während der normalen Zeiten, wenn der Bereich für Touristen geöffnet ist. Doch offenbar hat Kuttab das Gefühl die muslimische Randale und Gewalt seien gerechtfertigt, wenn ein jüdisch-israelischer Politiker es wag den Tempelberg zu besuchen – immerhin gibt es den Tempelberg vermutlich für jemanden nicht, der behauptet Sharon besuchte die Al-Aqsa-Moschee. Warum sich Kuttab berechtigt fühlt gegen „Ansprüche religiöser Exklusivität“ zu predigen, ist eine offene Frage.

Man kann nur zum Schluss kommen, dass der Frieden weit weg ist, wenn ein weithin respektierter arabischer Journalist so hartnäckig die Bedeutung des Tempelbergs für die Juden leugnet und gleichzeitig glaubt, seine Kindheitsgeschichte eines arabischen Schusters, der sich in einen Antiquitätenhändler wandelt, alles ist, um die jüdischen Ansprüche auf Schriftrollen zu bestreiten, die fast exklusiv in Hebräisch geschrieben wurden, lange bevor die Christenheit oder der Islam gegründet wurden.

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1 Kommentar »

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  1. Es ist richtig heplev, dass Du darauf aufmerksam machst welches Volk im Nahen Osten gelebt und natürlich auch seine Spuren hinterlassen hat.
    Es bleibt dabei Jesus war ein jüdischer Rabbi und kein Imam.
    Auch König David, Moses, Abraham und alle anderen waren Juden und nicht Moslems, wie ich es auch schon gelesen habe.

    Es ist notwendig, diesen Lügen immer wieder offensiv zu begegnen und nicht darauf zu hoffen, dass sich die Wahrheit von alleine durchsetzen werde.


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