Für uns „bleibt Hamas eine populäre politische Partei“

23. August 2014 um 8:30 | Veröffentlicht in Deutschland, Geistesgrößen, Nahost-Konflikt | 1 Kommentar
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Deutsche Nahost-Experten über den Gaza-Krieg
Von Matthias Küntzel, 22. August 2014 (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Selten wurde das Debakel der deutschen Nahostforschung so kompakt illustriert wie im „Offenen Brief von deutschen Nahost-Experten zur Gaza-Krise“, der seit einigen Tagen kursiert.[1]

Zwar fehlen einige wichtige Namen, doch gehört zu den 94 Erstunterzeichnern die Führungsspitze des Berliner „Zentrum Moderner Orient“ (ZMO), das hauptsächlich aus Mitteln des Berliner Senats und der Bundesregierung finanziert wird, um uns den Nahen Osten zu erklären.

Zu den weiteren Unterzeichnern gehören Leiter von Universitätsabteilungen und Hilfsorganisationen, Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, seriöse Forscher wie Stefan Wild und Helmut Mejcher und hoffnungslose Fälle à la Michael Lüders und Ludwig Watzal.[2]

Angeführt wird die Liste wohl nicht zufällig von Helga Baumgarten, einer Professorin aus dem Westjordanland, die 2006 eine apologetische Schrift über die Hamas veröffentlichte und darin die Hamas-Charta von 1988 dokumentiert. Damals erklärte sie die Charta für „weitgehend überholt“ und berief sich auf „führende Hamas-Mitglieder“, die ihr „in langen Gesprächen“ erklärt hätten, dass die Neuformulierung der Charta längst in Arbeit sei.

Doch das war heiße Luft. Das antisemitische Machwerk blieb unverändert. Bis heute beruft sich die Hamas auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ wie auch auf den Befehl des Propheten: „Die Muslime werden sie [die Juden] töten“. Die Charta verspricht, „Allahs Banner auf jedem Zoll Palästinas zu hissen“, Israel also auszulöschen.[3]

Frau Baumgarten und ihre Mitunterzeichner haben sich jedoch nicht an die Bundesregierung gewandt, um sie über die Hamas-Ideologie aufzuklären, wie es sich für Nahost-Experten eigentlich gehört. Sie wollen stattdessen erreichen, dass Berlin sich der Hamas annähert und sich von Israel entfernt.

Der „Offene Brief“ fordert auf der einen Seite, dass „der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas … nicht länger verweigert werden (sollte)“. Er verlangt andererseits, „die militärische Zusammenarbeit mit Israel auf den Prüfstand zu stellen“, „die restriktiven deutschen Rüstungsexportbestimmungen“ auch auf Israel anzuwenden sowie eine finanzielle „Kompensation von Israel“ für zerstörte Infrastrukturprojekte im Gazastreifen zu fordern.

Menschenrechte in Gaza

Ich fand zunächst bemerkenswert, was die Gruppe der 94 über sich selber schreibt. Sie bezeichnen sich als Menschen, die sich „mit der Entwicklung in den besetzten palästinensischen Gebieten“ beschäftigen, Punkt. Keiner scheint sich auch mit Israel zu beschäftigen.

Diese Abgrenzung entspricht der Arbeitsweise des „Zentrums Moderner Orient“. Es klammert Israel bei seinen Forschungsarbeiten über den „modernen Orient“ aus. Warum aber sollten sich Menschen, die Israel ausklammern, „Nahost-Experten“ nennen?

Eher scheint die Bezeichnung „Palästina-Experten“ angebracht. Immerhin brüsten sich die Erstunterzeichner nicht nur damit, dass sie „Demokratie(arbeit), Friedens(arbeit) und Menschenrechtsarbeit vor Ort in den besetzten palästinensischen Gebieten“ leisten. Sondern sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie „Partner/innen, Kollegen/innen und Freund/innen im Gazastreifen“ haben. Donnerwetter, dachte ich mir, Hut ab! Immerhin werden die Menschenrechte besonders in Gaza permanent verletzt. Einige Beispiele aus dem letzten halben Jahr:

Seit Ende 2013 werden Mädchen und Jungen ab 9 Jahren in Gaza-Schulen nur noch getrennt unterrichtet. Bewaffnete Tugendwächter führen seither verschärfte Kleiderkontrollen durch und unterbinden Kontakte zwischen Jungen und Mädchen. Zur gleichen Zeit setzte die Hamas eigene Schulbücher ein – Lehrmaterial, in dem Israel oder das Oslo-Abkommen nicht vorkommen.[4]

Im Januar 2014 wurden der Palestinian Independent Commission for Human Rights 55 Beschwerden über Folter und Misshandlungen in palästinensischen Gefängnissen übermittelt; 36 aus dem Gaza-Streifen und 19 aus dem Westjordanland. Zusätzlich gab es 85 Beschwerden über Willkürverhaftungen durch palästinensische Bewaffnete.[5]

Im Februar 2014 untersagte die Hamas, dass die von den Vereinigten Nationen geleiteten Gaza-Schulen Unterricht über Menschenrechte erteilen. Dieses Thema widerspräche „auf gefährliche Weise der palästinensischen und islamischen Kultur.“ Die UN-Behörde protestierte, lenkte aber schließlich ein.[6]

Ende März 2014 verschärfte die Hamas ihr Scharia-Strafrecht. Es sieht in seiner neuen Version bei kleineren Vergehen mindestens 20 Peitschenhiebe und bei größeren mindestens 80 Peitschenhiebe vor, weitet die mögliche Anwendung der Todesstrafe aus und ahndet Diebstähle mit Handabhacken. Die PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine) verurteilte das neue Strafrecht scharf.[7]

Im Mai 2014 ließ die Hamas einen 33-jährigen durch ein Erschießungskommando und einen 40-jährigen am Galgen töten, da sie angeblich mit Israel kooperiert hätten. Damit stieg die Zahl der ohne gesetzliche Grundlage durchgeführten Hinrichtungen seit 2007 auf 23.[8]

Im Juli 2014 stellte die Hamas 250 Fatah-Mitglieder nach Kriegsbeginn unter Hausarrest. Jedem, der diese Anordnung verletzte, wurden die Knie mit Gewehrschüssen zertrümmert. 125 Fatah-Mitglieder machte die Hamas zu Krüppeln. Protesterklärungen der Fatah blieben wirkungslos.[9]

Im August 2014 warfen Hamas-Militante den Leichnam des von Kugeln durchsiebten ehemaligen Pressesprechers ihrer Organisation, Ayman Taha, vor das Shifa Krankenhaus. Hier ließ man ihn eine Weile liegen. Der Sohn des prominenten ehemaligen Direktors der Gaza-Universität war im gesamten Gaza-Streifen bekannt. Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Führungsriege der Hamas verhaftet und hingerichtet worden ist. Der Vorwurf: Er habe für Ägypten spioniert.[10] Kurz darauf fand eine Protestdemonstration gegen die Hamas statt, „bei der palästinensische Sicherheitskräfte mehr als ein Dutzend Teilnehmer erschossen“, so ein Bericht der FAZ. Ein Fernsehteam wurde daran gehindert, diese Demonstration zu filmen.[11]

Diese unvollständige Liste zeigt, dass der Terror der Islamisten gegen die eigene Bevölkerung eskaliert. Hat in den letzten Monaten einer der 94 „Palästina-Experten“ und „Menschenrechtsarbeiter vor Ort“ dafür gesorgt, dass einer dieser Menschenrechtsverstöße untersucht, bekannt gemacht, skandalisiert wurde?

Ich jedenfalls habe hiervon nichts bemerkt, bin aber für Hinweise dankbar. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass Verstöße gegen Menschenrechte nur dann Gegenstand des Interesses sind, wenn jüdische Israelis sie begehen, während Verbrechen palästinensischer Regierungsstellen weitgehend unbeachtet bleiben. Sollte man anstatt von „Palästina-Experten“ vielleicht besser von „Anti-Israel-Experten“ reden?

Mildernde Umstände für die Hamas

Der „Offene Brief von deutschen Nahost-Experten“ ergreift für die Hamas gleich dreifach Partei.

Erstens findet sich im Text kein Wort zur Kriegsführung der Hamas. Dass sie den Krieg mit Israel provozierte, dass sie nach der ersten Kriegswoche den ägyptischen Friedensplan, den Israel akzeptiert hatte, zurückwies, dass sie massenweise Zivilisten als Schutzschilde missbrauchte – all dies kommt nicht vor.

Der Brief blendet Kontexte und Zusammenhänge aus und ruft stattdessen Bilder der Zerstörung und des Leids in Erinnerung – Bilder, die keine Hintergründe liefern, sondern Assoziationen wachrufen sollen. Von „Bombardierung“, „Besatzung“ und „Siedlungspolitik“ ist die Rede, während man Worte wie „Tunnel“, „Kassam-Raketen“ oder „Entmilitarisierung“ vergeblich sucht.

Zweitens verniedlichen die Unterzeichner den Terror der Hamas. Dies geschieht zum einen mittels der kühnen Behauptung, dass sich die „bewaffneten Gruppen … von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nähren“. Man greift mit dieser Entschuldigungsformel erneut in die Mottenkiste des Antiimperialismus, um sich mit der totalitären Utopie und der Siegeszuversicht der Islamisten nicht befassen zu müssen. Dieses Ausmaß an Ignoranz ist in einer Zeit, in der der „Islamische Staat“ und „Boko Haram“ Schlagzeilen machen, bemerkenswert.

Zum anderen ist immer nur von „militanten palästinensischen Gruppen“ oder „bewaffneten Gruppen“ die Rede, nie aber von Gewalttätern der Hamas. „Die Hamas bleibt, ungeachtet der Aktivitäten ihres militärischen Flügels, eine populäre politische Partei“, schreiben stattdessen unsere Nahost-Ratgeber. „Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte deshalb nicht länger verweigert werden, die Bilanz der Isolationspolitik seit dem Wahlsieg 2006 ist ernüchternd.“

Wenn auch von einem kritischen Dialog die Rede ist und davon, dass der Verzicht auf Angriffe und terroristische Mittel Voraussetzung dieses Dialogs sein müsse,[12] ist doch der positive Bezug zu dieser Gruppe, die die EU auf ihre Terrorliste setzte, nicht zu übersehen.

Drittens aber tauchen der Name „Mahmoud Abbas“ oder die Bezeichnungen „PLO“ und „Fatah“ in dem „Offenen Brief“ nicht auf. Helga Baumgartens Widerwille gegen den etwas moderateren Kurs des PLO-Führers Mahmoud Abbas ist bekannt.

Die Politik von Abbas, erklärte sie 2003 in einem Interview, stehe „für eine Option, die versucht, sämtliches Widerstandspotential auf der palästinensischen Seite mit Gewalt niederzuschlagen und zwar mit Unterstützung der Amerikaner und des CIA.“ Mahmud Abbas, bekräftigte Frau Baumgarten, gelte „in den Augen der palästinensischen Bevölkerung als ein Vertreter derjenigen, die mit den Israelis kollaborieren.“[13]

Die Professorin hält mit dieser Einschätzung einem Dogma der Achtundsechziger die Treue, demzufolge nur der jeweils radikalste Kämpfer gegen Israel zu unterstützen sei. Diese Haltung steht in einer langen Tradition, die in den dreißiger Jahren mit dem Mufti von Jerusalem – einem Nazifreund und Antisemiten – begann. Es ist eine Tradition, bei der die palästinensischen Araber stets nur als Spielmasse für ideologische Konzepte missbraucht wurden, eine Tradition, die ihnen bis heute nichts als Niederlagen, Tod und Zerstörung beschert hat.

Selten aber war das Paradigma des anti-israelischen Kriegs so isoliert wie jetzt: Der Gaza-Krieg von 2014 hat in der arabischen Welt den Hass auf die Praktiken der Hamas ebenso rasant ansteigen lassen, wie die Hoffnung, der moderatere Abbas möge die Führung in Gaza übernehmen. Ich zitiere im Folgenden eine kleine Auswahl Hamas-kritischer Stimmen aus arabischen Ländern, Stimmen, von denen man in den Medien wenig und von „deutschen Nahost-Experten“ gar nichts hört.

Wir müssen uns von der Hamas befreien!

Am 7. August 2014 schrieb die palästinensische Kolumnistin Dalia Al-`Afifi:

„Wir können nicht ignorieren, dass Ägypten jede Anstrengung unternahm, um die Aggression vollständig zu beenden – doch die Hamas irrte sich und wies trotzig und von Anfang an die ägyptische Initiative zurück. … Die Hamas hätte dem Feind Ärger bereiten können, ohne solch eine humanitäre Katastrophe über die Menschen in Gaza zu bringen, wenn sie nur von Anfang an die entscheidende Bedeutung der ägyptischen Initiative verstanden hätte und für eine Verbesserung der Waffenstillstandsbedingungen verhandelt hätte. … Stattdessen betrachtete sie die Gazaner und deren Sorgen lediglich als Nullen. … Eine solch gewaltige Zerstörung auf einem winzigen Stück Boden wie Gaza … kann nicht als Sieg betrachtet werden.“[14]

Am 12. Juli schrieb die Kolumnistin Dr. Nagla Al-Sayyid in der ägyptischen Tageszeitung Al-Gumhouriyya:

„Die Hamas hat der palästinensischen Sache Schaden zugefügt und sich als eine idiotische und gescheiterte Bewegung erwiesen.“[15]

Am 13. Juli erklärte der saudische Kolumnist Nasser Al-Sarami in Al-Jazirah:

„Während die armen wehrlosen Menschen den Raketen und Panzern ausgeliefert werden, fliehen die Jihadisten und die Führer der Bruderschaft in die befestigten Höhlen, die sie für sich selbst vorbereiteten.“[16]

Am 26. Juli schrieb der ehemalige saudischer Botschafter in den USA, Prinz Turki Al-Faisal, in der in London erscheinenden Al-Sharq Al-Awsat:

Die Palästinenser brauchen „eine Führung, die ihre beständige Kriegsambition beiseitelegt und ihre Anstrengungen dem Erreichen von Frieden widmet.“[17]

Am 8. August erklärte der libanesische Kolumnist Khairallah Khairallah in der Kuwaitischen Zeitung Al-Rai:

„Ist irgendjemand gewillt, zuzuhören und aus der jüngsten und früheren Vergangenheit zu lernen? Oder glaubt die Hamas, sie könne Palästina und Jerusalem ebenso befreien, wie sie den Gazastreifen 2007 von der Fatah befreite?“[18]

Am 10. August appellierte der Geistliche Othman Al-Khamis in Kuwait an die Hamas und erklärte in einer im Internet veröffentlichten Rede:

„Zeigt um Gottes willen etwas Beachtung für die Leben der Muslime, die getötet wurden. … Wer ist dafür verantwortlich? Warum wurden sie getötet? … Ihr sollt den Feind nicht bekämpfen, wenn ihr keine Chance habt, zu gewinnen. Es geht ums Gewinnen, nicht ums Sterben.“[19]

Abschließend das eindrucksvolle Plädoyer des Palästinensers Bassam Eid vom 9. August 2014:

„Die Mehrheit der Palästinenser war gegen die Raketenbeschüsse auf Israel. Die Palästinenser haben kapiert, dass diese Raketen nichts bewirken werden. Palästinenser haben die Hamas aufgerufen, mit dem Beschießen Israels aufzuhören und zu versuchen, mit der israelischen Besatzung zu verhandeln. Doch die Hamas hat niemals die Bedürfnisse der Palästinenser in Erwägung gezogen, sondern nur ihre eigenen Interessen. Also haben sie mit ihren Raketenschüssen auf Israel weitergemacht, im vollen Wissen um die zu erwartenden Resultate: Die Hamas bereitete den Weg für den Tod unserer Leute. (…)

Die Hamas braucht diese Tötungen, um von Sieg sprechen zu können. Der Tod der eigenen Leute macht die Hamas mächtiger und befähigt sie, mehr Geld und mehr Waffen anzuhäufen. (…)

Werden diese Toten – derzeit nahezu 1.800, fast 0,1 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens – eine Lehre erteilen, die wir nie vergessen werden? Die Lehre besteht darin, dass wir uns selbst von der Hamas befreien müssen und Gaza komplett demilitarisieren müssen. Dann werden wir Grenzübergänge öffnen. Ich sage dies als loyaler Palästinenser und deshalb, weil ich für meine Leute Sorge trage.“[20]

Man muss schon „Nahost-Experte“ sein, um in einer Stellungnahme zum Gaza-Krieg nicht nur diese Einschätzungen, sondern auch die Fatah selbst zu ignorieren. Und man muss ein Dampfplauderer vom Schlage eines Michael Lüders sein, um die Hamas im Deutschlandfunk als „die einzige Institution“ zu bezeichnen, „mit der sich die Menschen im Gaza-Streifen identifizieren können.“[21]

Natürlich kann das Ausmaß an Tod und Verstümmelung und die Spur der Verwüstung im Gaza-Streifen spontane Aktivitäten auslösen, die weniger einer bestimmten Analyse als vielmehr der Eingebung des Herzens folgen.

Bei dem „Offenen Brief“ an die Bundesregierung sind aber keine emotional aufgewühlte Laien, sondern „Experten“ am Werk, Fachleute also, die bezahlt werden und auf deren Urteil sich der Durchschnittsbürger verlassen können muss. Mildernde Umstände kann es da nicht geben.

Der „Offene Brief“ fällt den Palästinensern in den Rücken, die für Freiheit und Frieden, d.h. gegen die Hamas kämpfen. Er erschwert friedliche Lösungen, weil er die moderaten Kräfte der Palästinenser ignoriert und auf das islamistische Lager setzt. Er begünstigt den Judenhass auf deutschen Straßen, weil er vom Antisemitismus der Hamas nichts wissen will.

Zusätzlich hat er den Berufsstand des „Nahost-Experten“ desavouiert. Dies zumindest mag ein Fortschritt sein.

[1] https://sites.google.com/site/nahostexpertengaza/.
[2] Mit Lüders beschäftigte ich mich hier: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/michael-lueders-und-die-reichen-new-yorker-juden, mit Watzal hier: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/tag-watzal-darf-ich-sie-antisemit-nennen.
[3] Helga Baumgarten, Hamas, Kreuzlingen 2006, S. 188 und 206. Frau Baumgarten schreibt: „Während wir die abschließende wissenschaftliche Antwort auf die Frage, welche Relevanz die Charta in der aktuellen Politik in Palästina im ersten Jahr der Intifada hatte, noch nicht haben, können wir doch sagen, dass diese äußerst gering war.“ Ebd., S. 199. Der amerikanische Historiker Jeffrey Herf sieht in Charta ein „faschistisches“ Dokument: Siehe auf http://www.the-american-interest.com/articles/2014/08/01/why-they-fight-hamas-too-little-known-fascist-charter/.
[4] Fares Akram, Jodi Rudoren, To Shape Young Palestinians, Hamas Creates Its Own Textbooks, in: New York Times, 3. November 2013.
[5] Khaled Abu Toameh, Palestinian Authority Human Rights Violations Ignored by Media, West, auf: Gatestone Institute, 11. Februar 2014.
[6] Khaled Abu Toameh, Hamas: Teaching Human Rights is Against Palestinian, Islamic Culture, auf: Gatestone Institute, 27. Februar 2014.
[7] Steven Emerson, Hamas Imposes Radical New Law: Lashings, Amputations, and Massive Executions, in: the algemeiner, 30. März 2014.
[8] Fares Akram, Judi Rudoren, Hamas Executes 2 Men Accused of Aiding Israel, in: New York Times, 7. Mai 2014.
[9] Elhanan Miller, Hundreds of Fatah members under Hamas house arrest in Gaza, in: Times of Israel, 17. August 2014.
[10] Khaled Abu Toameh, Hamas Executes One of Its Leaders – Then Blames Israel, auf: Gatestone Institute, 8. August 2014.
[11] Hans-Christian Rössler, Die Raketenwerfer soll man nicht sehen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 2014.
[12] „Die israelische Zivilbevölkerung hat ein Recht auf Leben ohne Angst“, heißt es in dem „Offenen Brief“. „Das gilt ebenso für alle Palästinenserinnen und Palästinenser.“ Es ist kein Zufall, dass einzig den bewaffneten Israelis kein „Recht auf Leben ohne Angst“ zugestanden wird.
[13] Das Zerwürfnis zwischen Arafat und Abbas. Hans-Joachim Wiese im Gespräch mit Helga Baumgarten, auf: DeutschlandRadio Online, 22. April 2003. In einem erst kurz zurückliegenden Interview verteidigt Helga Baumgarten die Hamas-Politik wie folgt: „Hamas ist eine politische Partei. Diese Partei fordert, so ihr politisches Programm vom Januar 2006, ganz ähnlich wie die Fatah, die Errichtung eines palästinensischen Staats im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem.“ Die Hamas-Forderungen seien ganz einfach: „Lasst uns normal leben in Koexistenz mit Israel.“ Frau Baumgarten erzählte hier Unsinn. Im Programm von 2006, dass sie in ihrem Hamas-Buch dokumentiert, heißt es: „Ja zu einem freien, unabhängigen und souveränen palästinensischen Staat auf dem gesamten Gebiet der Westbank, des Gazastreifens und Jerusalems ohne Verzicht auf einen Zoll des historischen Palästinas.“ Die Koexistenz mit Israel wird also abgelehnt. Für gegenteilige Behauptungen gibt es nicht ein Spurenelement des Beweises. (Hamas ist ,zu politischen Lösungen‘ bereit. Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten warnt jedoch vor Radikalisierung der Jugend, auf: Deutschlandradio Kultur, 21. Juli 2014.)
[14] Palestinian Columnist: Hamas Did Not Win The War, Only Brought Suffering Upon Gazans, in: The Middle East Media Research Institute (MEMRI), Special Dispatch No. 5819, 11. August 2014. Sämtliche Übersetzungen stammen vom Autor.
[15] The Current Gaza Conflict: Arab World Losing Patience With Hamas, in: MEMRI; Special Dispatch No. 5796, 16. Juli 2014.
[16] Ebd.
[17] Despite Cairo Talks, Wave Of Arab World Condemnations Of Hamas Continues: This Was No Victory; Hamas’ Foot-Dragging On Egyptian Initiative Increased Palestinian Losses; Hamas Should Be Replaced By Peace-Seeking Leadership, in: MEMRI, Special Dispatch No. 5822, 18. August 2014.
[18] Ebd.
[19] Kuweiti Cleric Othman Al-Khamis Critizies Hamas: Show Some Regard for the Lives of Muslims, in: MEMRI, Clip No. 4416 (Transkript), 10. August 2014.
[20] Bassam Eid, Hamas needs the Palestinian’s deaths in order to claim victory, 9. August 2014, auf: I24 news
[21] „Eine Schande für Deutschland“. Michael Lüders im Gespräch mit Christine Heuer, in: Deutschlandfunk, 20. August 2014.

Die „mutige deutsche Frau“ und Europas Islam-Frage

15. Mai 2014 um 13:47 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, Deutschland, Europa+Islam | 2 Kommentare
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Raymond Ibrahim, Jihad Watch 11. Mai 2014

Heide Mund

Es gibt mehrere sehr wichtige Lektionen, die aus dem Vorfall mit der „mutigen deutschen Frau“ im letzten Jahr zu lernen sind.

Der Kontext: Am 10. November 2013 wurde ein muslimischer Imam eingeladen den islamischen Gebetsruf in der Gedächtniskirche der Protestation in Speyer (Deutschland) zu halten – einer Kirche, die dem ehrenden Gedenken Martin Luthers und der protestantischen Reformation gewidmet ist.

„Als die mutige deutsche Frau, deren richtiger Name Heidi Mund lautet, von der Veranstaltung erfuhr, betete sie“, berichtete CBN News. Unsicher, was sie bei ihrer Ankunft tun würde, griff sich ihre deutsche Flagge mit den Worten „Jesus Christus ist der Herr“ und machte sich auf zum Konzert:

„Bis der Imam anfing sein Allahu Akbar zu rufen, wusste ich wirklich nicht, was ich tun würde. Ich war einfach bereit für das, was Gott von mir wollte“, sagte sie CBN News.

Dann begann der muslimische Gebetsruf und Heidi sagte, sie fühlte etwas in ihr aufsteigen.

„Ich würde es heiligen Zorn nennen“, erinnert sie sich. „Und dann erhob ich mich mit meiner Flagge und ich rief und proklamierte, dass Jesus Christus allein Herr über Deutschland ist.“…

Und sie wiederholte die Worte Martin Luthers von 1521, nachdem er es ablehnte seinen Glauben allein an die Schrift zu widerrufen: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“. Und: „Rettet die Kirche Martin Luthers!“

Ein Video zeigt, wie ein anderer Konzertbesucher versucht sie zu beruhigen und ihr sagt: „Das ist ein Konzert für den Frieden.“

Mund ist zu hören, wie sie auf Deutsch sagt: „Nein, ist es nicht! Allahu Akbar ist das, was Muslime brüllen, während sie Menschen ermorden! Lasst euch nicht täuschen! Lasst euch nicht täuschen! Das ist eine Lüge!“

Sie wurde aus der Kirche geworfen.

„Sie hätten den Imam hinauswerfen sollen, nicht mich, denn ich glaube an Jesus Christus, doch er dient einem anderen Gott. Dieser Allah ist nicht derselbe Gott. Und das ist nicht die Wahrheit.
Dieses ‚Allahu Akbar‘, das benutzen sie, wenn sie Menschen töten“, argumentierte sie. „Das ist für mich Götzenanbetung, ihres Gottes. Und wenn ein Muslime in einer Kirche ‚Allahu Akbar‘ ruft, dann bedeutet das, dass diese Kirche keine Kirche mehr ist, sondern eine Moschee.“

Weitere Einzelheiten zu dieser Story finden Sie in verschiedenen Interviews und Videos mit Mund auf CBN News.

Nun zu einigen Lektionen, die die Bedeutung dieser Anekdote betreffen:

Munds Beobachtungen zur Redewendung „Allahu Akbar“ treffen genau ins Schwarze. Der Kriegsruf des Islam, der die Überlegenheit der Religion Mohammeds über alles bedeutet, die takbir („Allahu Akbar) wird gewöhnlich in gewalttätigen Zusammenhängen proklamiert, insbesondere den Angriff auf und die Abschlachtung von Nichtmuslimen, ob es nun die Enthauptung von „Ungläubigen“ ist oder Bomben gegen Kirchen.

Mohammed selbst schrie ihn laut, bevor er nicht muslimische Stämme angriff, die es ablehnten sich seiner Autorität und Religion zu unterwerfen.

Entsprechend gerechtfertigt ist Munds Empörung, dass sie einen islamischen Imam islamische herrenmenschliche Sprüche brüllen hörte. Wenn „Allahu Akbar“ – was wörtlich übersetzt „Allah ist größer [als X] bedeutet – in einer Kirche proklamiert wird, dann heißt das: „Allah ist größer als der jüdisch-christliche Gott der Bibel und Vater Christi.“

Und wenn man annimmt, dass der Imam das Credo es Islam, die Schahada proklamierte, wie es im muslimischen Gebet Standard ist („Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter“), dann ist auch das gleichbedeutend mit der Erklärung, dass der biblische Gott falsch ist und die von Mohammed übermittelte Botschaft (der Koran) – die einen Angriff auf Christ Göttlichkeit, seinen Tod und seine Auferstehung einschließt – wahr ist (s. z.B. die Koran-Sure 4,157, 4,171, 5,17, 5,116, 9,30-31, 19,35).

Das ist genau das, was der Vandale wohl im Sinn hatte, der vorher auf Arabisch die Redewendung „Allahu Akbar“ auf die Tür einer weiteren deutschen Kirche malte.

Doch trotz all dessen, trotz der Tatsache, dass vor nur zwei oder drei Generationen fast jeder Christ aufgebracht gewesen wäre einen Muslim islamische Losungen in einer Kirche rufen zu hören, die von Haus aus das Christentum bestreiten, wurde Mund von Mitchristen wegen ihrer Haltung gescholten und hinausgeworfen.

Das spricht Bände darüber, wie weit westeuropäische Staaten in einen Sumpf des moralischen Relativismus abgesunken ist, in dem selbst in berühmten Kirchen christliche Wahrheiten angegriffen werden und diejenigen, die Wiederstand leisten, als „intolerant“ ausgegrenzt werden; es spricht für die Naivität und den Nihilismus, die im Westen vorherrschen; von den Folgen der Jahre der Gehirnwäsche und Indoktrination im Namen des „Multikulturalismus“, der die Fähigkeit rational zu denken verkrüppelte; davon, dass politische Korrektheit nicht nur Worte zensiert, sondern die Fähigkeit der Menschen den Zusammenhang in der Stille ihres eigenen Verstandes zu verbinden.

Es gibt jedoch eine Kehrseite des Ganzen: Munds Video der Verurteilung des Imam, „verbreitete sich wie ein Virus“, sagt CBN News, was seine Anziehungskraft signalisiert; und viele, die es sahen, haben ihr Tun als „mutig“ interpretiert – daher die Benennung. „Mut“ bezieht sich oft auf eine Tat, die zwar lobenswert ist, die zu tun aber wenige den Mut haben. Dass dieser Titel so natürlich und weithin auf Mund angewendet wird, legt nahe, dass es viele gibt, die ihr zustimmen; ihnen fehlt nur derselbe Mut oder die Überzeugung, lautstark Widerstand zu zeigen – das ist der Grund, dass sie die „mutige deutsche Frau“ ist.

Fakt ist: Hinter der nihilistischen Fassade Westeuropas würden viele Munds Gefühlen beipflichten. Nicht alles sind Schafe. Doch wegen der schon erwähnten Kräfte – Jahrzehnte der Indoktrination in militant säkular/atheistischer, multikultureller, auf Christen einschlagender und politischer Korrektheit – sind sie nicht in der Lage ihre Kränkungen zu artikulieren.

Doch ob sie in der Lage sind sie auszudrücken oder nicht, sie bleiben verärgert wegen muslimischer Affronts und schwacher Reaktionen der europäischen Eliten.

Immerhin ist es kein sporadisches Phänomen, dass Muslime islamische Losungen in europäischen Kirchen brüllen. Letztes Weihnachten lud der Kaplan der Royal Holloway University eine verschleierte muslimische Frau ein, damit diese während eines Gottesdienstes Koranverse vorliest, wiederum trotz der Tatsache, dass der Koran den Schlüsselgrundsätzen der Christenheit widerspricht.

Manchmal „laden sich“ Muslime selbst in Kirchen ein. So betrat vor ein paar Tagen, ebenfalls in Großbritannien, ein muslimischer Mann – er war „gekleidet wie ein Terrorist“ und trug ein Halstuch mit der arabische Redewendung „Allahu Akbar“ – während des Gottesdienstes eine Kirche und begann Dinge zu rufen wie „das ist Müll, ihr sollte Allah predigen, euch dem Islam zuwenden, wir schicken 10-jährige Jungen in den Krieg“.

Und letztes Ostern sah man einen muslimischen Mann in traditionell islamischer Kleidung eine Kirche während der Messe, legte seinen Teppich neben den Altar und begann den Koran vorzulesen.

Das sagt nichts über die Gewaltverbrechen und Vergewaltigungen, für die Muslime in Europa zunehmend verantwortlich sind.

Worauf es ankommt ist, dass mehr und mehr Westeuropäer verärgert werden, selbst wenn die meisten noch nicht „mutig“ genug sind es zu zeigen und selbst wenn die da oben, einschließlich Medien und Regierung, sie weiterhin herunterspielen und sie unterdrücken.

Vor ein paar Tagen wurde z.B. der Parteichef der britischen Freiheitspartei, Paul Weston verhaftet und sieht sich einer zweijährigen Gefängnisstrafe gegenüber, einfach nur weil er Winston Churchills wenig schmeichelhafte Feststellungen zum Islam öffentlich zitierte.

Kurz gesagt: Die Zeit wird zeigen, ob die Machthaber gestatten werden, dass legitime Kritik am Islam Europa lüftet, oder ob sie sie weiter unterdrücken werden – bis der köchelnde Kessel des Unmuts auf dramatischere Weisen überläuft, als Luther oder Churchill zu zitieren, wie es nur allzu oft in der europäischen Geschichte der Fall war.

Was Deutschland den Juden schuldet

25. April 2014 um 11:48 | Veröffentlicht in Deutschland, Friedensinitiativen, Geschichte, Israel | 2 Kommentare
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Nächstes Jahr wird das Jubiläum einer bröckelnden „besonderen Beziehung“ zu Israel gefeiert. Hier lesen Sie, wie Berlin, statt höflich und uninformiert kritisch zu sein, dabei helfen könnte das Wohlergehen des jüdischen Staates sicherzustellen.

David Horowitz, The Times of Israel, 10. April 2014

Um diese Zeit im nächsten Jahr werden Israel und Deutschland sich bereit machen, den 50. Jahrestag der Einrichtung diplomatischer Beziehungen zu feiern – eine spektakulär sensible Beziehung zwischen der Nation, deren Führung sich daran machte die Juden auszulöschen, und dem Nationalstaat, dessen Wiederbelebung tragischerweise zu spät kam, um sechs Millionen von ihnen zu retten.

Die gängige Meinung lautet, dass die „besondere Beziehung“ Israel-Deutschland sowohl fest als auch heikel sind, gekennzeichnet durch Deutschlands außergewöhnliche Verpflichtung für Israels Wohlergehen als Folge dieser ewig unbezahlbaren historischen Schuld der Deutschen den Juden gegenüber.

Die Wirklichkeit sieht allerdings so aus, dass Deutschland zwar bereitwillig in einem gewissen Ausmaß Israels Verteidigung militärisch und diplomatisch unterstützt, ein großer Teil seiner politischen und diplomatischen Führung aber genauso vernichtend und ignorant Kritik an Israel übt wie der Rest des vorsätzlich blinden europäischen Konsenses. Der einzig echte Unterschied besteht darin, dass deutsche Politiker und Diplomaten ihre wenig sachkundige Kritik und ihre oberflächlichen Schlussfolgerungen nicht allgemein öffentlich machen. In Ehrerbietung gegenüber dieser besondere Beziehung stellen sie sich nicht in Widerspruch zum jüdischen Staat.

Deutsche Politiker und Diplomaten werden Ihnen sagen, dass sie wegen der bilateralen Beziehung besorgt sind. Die Politik entscheidende Elite ist zuverlässig mitfühlend gegenüber Israel sagen sie. Doch es gibt eine sich vertiefende und beunruhigende Kluft zur deutschen Öffentlichkeit, die einzig und ohne Nuancen Israel zunehmend als brutalen Unterdrücker sieht, der unbarmherzig auf palästinensischem Land baut und beharrlich seine Herrschaft über die armen Palästinenser aufrecht erhält, deren einziges Verbrechen darin besteht Unabhängigkeit anzustreben.

Tatsache ist aber, dass ein Großteil der Politik entscheidenden Elite ziemlich dasselbe fühlt und sich unverzeihlicherweise nicht die Mühe gemacht hat tiefer zu blicken.

Premierminister Benjamin Netanyahus Ablehnung sich auf ein Ende des Siedlungsausbaus in Bereichen zu verpflichten, von denen Israel nicht ins Auge fasst sie unter einem vorstellbaren dauerhaften Abkommen zu behalten, ist für Israel spektakulär undurchdacht und schädigt Israels internationalen Ansehen enorm. Doch die deutsche Führung – ausgerechnet – ist es sich und Israel schuldig den israelisch-palästinensischen Konflikt mit einem Mindestmaß an mehr Differenziertheit und Ernsthaftigkeit zu untersuchen, die notwendig sind, um zu erkennen, dass Netanyahus Siedlungspolitik nicht das einzige, noch nicht einmal das zentrale Hindernis für den israelisch-palästinensischen Frieden ist. Und ein Mindestmaß an scharfsinniger Erkundung ist wirklich alles, was verlangt werden kann.

PA-Präsident Mahmud Abbas sprang nicht auf das Angebot an, das Netanyahus Vorgänger Ehud Olmert 2008 machte und das die Beseitigung der meisten Siedlungen gebracht und so gut wie alle angeblichen Forderungen der Palästinenser an Israel erfüllt hätte. Er verhandelte mit Netanyahu während der ersten neun Monate des 10-monatigen Siedlungsbaustopps nicht einmal, den der Premierminister widerstrebend im November 2009 genehmigte. Er forderte in den letzten Monaten die Freilassung grausamer, in vielen Fällen Massenmörder-Terrorverurteilter als erste Stufe – nicht als vollendende Endstufe einer erfolgreichen Partnerschaft für Eigenstaatlichkeit – eines Verhandlungsprozesses und hieß diese Killer als Helden willkommen, während internationale Gelder zur Zahlung von Gehältern an ihre Terrorgenossen in Israels Gefängnissen geschleust wurden. Entscheidend ist: Abbas hat praktisch nichts getan, um sich dem entgegenzustellen, was tatsächlich das Kernhindernis ist, das bedeutsame israelisch-palästinensische Fortschritte und Kompromisse verhindert – das fast von seiner Öffentlichkeit universal geglaubte Narrativ, es gäbe Juden als Volk nicht, sondern nur als Religion und daher hätten sie kein Souveränitäts-Legitimität.

Diese und die anderen düsteren Realitäten, die die Friedensbemühungen so komplizieren, sind für jeden offensichtlich, der seine Augen öffnet. Sie zu erkennen ist zentral für das Ziel der Verbesserung des Schicksals von Israelis und Palästinensern. Deutschen politischen Entscheidungsträgern ist wegen ihrer besonderen moralischen Verpflichtung die sichere Zukunft des jüdischen Staates sicherzustellen in allerhöchstem Maße geboten sich zu bilden und effektive Politik konsequent zu fördern.

Und doch: Kratzt man an der Oberfläche und kommt hinter das Lächeln und die Formalitäten, dann wird schnell klar, dass das Denken der deutsche Elite zu Israel und den Palästinensern komplett in dem Mantra stecken geblieben ist, dass Israel „die Besatzung beenden muss“, ohne ernste Verinnerlichung der Komplexitäten vor Ort. Dieselben politischen Entscheidungsträger beginnen reumütig einzugestehen, dass ihre fröhliche Begrüßung des Arabischen Frühlings als das bevorstehende Aufblühen der Demokratie im gesamten Nahen Osten beherbergend, irgendwie verfrüht und übertrieben gewesen sein könnte. Doch diese aufkeimende Neubewertung ist nicht auf irgendeine ferne Überlegung ausgedehnt worden, dass vielleicht – nur vielleicht – Israel nicht nur dickköpfig, verstockt und paranoid sein könnte, was sein Widerstreben angeht, all sein Vertrauen in Abbas und die Palästinenser zu setzen. Es ist vielen Schlüsselpersonen in Berlin nicht aufgegangen, dass Israel tatsächlich Grund zu der Befürchtung haben könnte, dass Extremisten die von ihm aufgegeben Gebiete übernehmen könnten, dass andere gefährliche Gruppen in der Region aufkommen könnten, die ein auf die Linien von vor 1967 (von denen aus es die ersten 20 Jahre seiner Eigenstaatlichkeit existenziell bedroht wurde) Israel effektiver bedrohen könnten und das die meisten der Westbank-Palästinenser selbst nicht aufrichtig an Koexistenz interessiert sein könnten.

Sicher, der toxische Mix aus Naivität und Herablassung im Herzen der deutschen politischen Entscheidungsfindung ist nicht allein auf mangelhafte Kompetenz und Wunschdenken in Sachen israelisch-palästinensischer Konflikt beschränkt. Viele Deutsche höherenorts scheinen ein von Scheuklappen beschränktes Vertrauen in und Gefolgschaft der UNO zu pflegen, trotz der Tatsache, dass die noblen Ziele dieser Organisation schon lange unterlaufen worden sind und trotz ihrer bewiesenen, beständigen Unfähigkeit unschuldiges Leben in Konfliktzonen überall in der Welt zu schützen, wobei 150.000 Opfer des Schlachtens durch Bashar Assad nur der jüngste Fleck sind.

Diese Deutschen sind ähnlich fehlgeleitet, wenn es um die Gefahr geht, die der Iran darstellt. Einen Deal – jeden Deal – mit Teheran zu dessen Atomprogramm auszuhandeln betrachten sie als hochwichtiges Ziel, in dem Glauben, dass die internationale Gemeinschaft den „moderaten“ Präsidenten Hassan Ruhani und Außenminister Mohammed Javad Zarif gegen die „Hardliner“ des Regimes stärken muss – wobei sie entschieden die Tatsache ignorieren, dass Ruhani vom obersten Führer selbst, Ali Khamenei, handverlesen wurde; und sie ignorieren die von Ruhani selbst eingeräumt Geschichte, dass der Westen Jahre lang über die Fortschritte des Atomprogramms getäuscht wurde. Sie glauben Israel sei unrealistisch in seiner Forderung, dass dem Iran jegliche Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen genommen werden muss, einschließlich der Fähigkeit zur Anreicherung, da sie zu dem Schluss gekommen sind, dass Teheran solchen Bedingungen niemals zustimmen wird. Israel agiert aus ihrer Sicht in böser Absicht und will nicht wirklich einen Deal zustande kommen sehen. (Das schlauere Herangehen all derer, die Teherans Streben nach Waffen durchkreuzt sehen wollen – und das sollte ausdrücklich Deutschland und den Rest Europas, das schrittweise in die Reichweiter iranischer Raketen kommt, wäre es jede Unze der Ausübung politischen und wirtschaftlichen Drucks zu nutzen um sicherzustellen, dass der Iran gezwungen ist genau den von Israel geforderten Bedingungen zuzustimmen. Siebzehn Länder der Welt erhalten reibungslos Brennstoff für ihre friedlichen Atomenergieprogramme von legitimen Atommächten; es bedarf daher keiner umwerfenden analytischen Fähigkeiten um zu erkennen, dass die Iraner somit auf ihren eigenen Anreicherungsanlagen bestehen, weil ihre Ziele über die friedliche Nutzung der Atomtechnologie hinaus gehen.)

Doch es ist zum Konflikt mit den Palästinensern, dass Deutschlands Annahme es wisse es besser sowohl besonders ärgerlich ist als auch wahrhaft reif für konstruktive Veränderung. Berlins Diplomaten legen für die Ansicht, dass die etwas Demut zeigen könnten, wenn es darum geht Israel zu sagen, was es tun soll, Lippenbekenntnisse ab, aber dann vergessen sie in ihrer Anmaßung und ihrem Überlegenheitsgefühl diese Verpflichtung geschwind. Sie scheinen zu glauben, dass wir Israelis nicht in der Lage sind zu erkennen, wo unsere wahren Interessen liegen und vergessen und vergessen, dass wir gerannt gekommen sind, um Frieden mit Ägypten und Jordanien zu schließen, weil die Ouvertüren aufrichtig und glaubwürdig waren; auch, dass wir uns zerrissen haben den richtigen Weg mit den Palästinensern zu finden, weil es da so akute Dilemmata gibt.

Doch statt uns zu lehrmeistern oder sich höflich vom Lehrmeistern zurückzuhalten könnte Deutschland tatsächlich helfen ein Klima für die Freiräumung eines Wegs zu wahrem Friedensschluss zu schaffen. Als mächtige europäische Macht mit beträchtlichem wirtschaftlichem und politischem Einfluss ist Deutschland einzigartig platziert, bei der Verwandlung der palästinensischen Basisgesellschaft zu helfen. Es könnte weit mehr tun, als sich nur zu gestatten über die EU im sperrigen Nahost-Quartett repräsentiert zu sein. Es hat den Einfluss diesen Hierarchien – UNO-Organisationen, Bildungssysteme, Medienorganisationen und weitere – die Finanzen zu entziehen und sie schrittweise zu marginalisieren, die eine Dämonisierung Israels und Feindschaft gegen sein Volk fördern. Gleichermaßen hat es den Einfluss internationale Hilfe und Unterstützung an die Organisationen und Aktivisten zu lenken, die mit offenem Gemüt arbeiten, um Reform zu nähren, ehrliche Diskussion und Moderatheit zu fördern.

Egal wie unfähig US-Außenminister John Kerry sich bezüglich der Internalisierung dessen erweist, es gibt eine Asymmetrie im Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts, die weiterhin substanziellen Fortschritt verhindert, bis sie beigelegt ist. Aus einem Wunsch sowohl aufzuhören über ein anderes Volk zu herrschen als auch die langfristige jüdische Mehrheit und demokratische Funktionsfähigkeit ihres Landes zu garantieren, wollen die meisten Israelis sich wirklich von den Palästinensern getrennt sehen und sie in Eigenstaatlichkeit begleiten; und sie haben bewiesen, dass sie bereit sind Führungspolitiker hinauszuwerfen, von denen sie das Gefühl haben, sie verpassen Gelegenheiten diese Ziele zu fördern. (Netanyahu 1999 … und noch einmal in der nahen Zukunft, wenn er den Siedlungsbetrieb nicht an die Zügel nimmt.) Die Palästinenser haben kein dringendes paralleles Interesse an einer Vereinbarung mit dem jüdischen Staat. Ganz im Gegenteil. Sie wollen glauben, dass sie die Eigenstaatlichkeit ohne einen Ausgleich mit Israel erreichen können. Und weit davon entfernt ihre Führer hinauszuwerfen, die Gelegenheiten für Frieden verpassen, tolerieren sie ausschließlich Führer, die solche Gelegenheiten zurückweisen (erst zuletzt priesen bejubelten sie den ängstlichen, schwachen und inzwischen zunehmend verstockten Abbas, als der aus dem Weißen Haus zurückkehrte, nachdem er Präsident Barack Obamas Flehen für ein ganz klein wenig Flexibilität in den Kernfragen zurückgewiesen hatte.)

Deutschland kann helfen das zu ändern. Deutschland mit seiner Empathie für die Palästinenser und seiner besonderen Verpflichtung den Juden gegenüber hat die Pflicht das zu verändern.

Deutschland will von Israel, dass es „die Besatzung beendet“? Nun, raten Sie mal – das wollen wir auch. Helft uns ein Klima zu schaffen, in dem wir das in Sicherheit tun können. Gibt es einen besseren Weg 50 Jahre einer besonderen Beziehung wieder zum Leben zu erwecken und ihr echten Wert zu verleihen?

Achtzig Prozent der gestohlenen Holocaust-Vermögenswerte wurde nie zurückgegeben

21. April 2014 um 14:24 | Veröffentlicht in Deutschland, Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Sidney Zabludoff (direkt vom Autor)

Fortschritte bei der Rückerstattung gestohlenen jüdischen Vermögenswerte nach dem Krieg erfolgten extrem langsam und dauerten bis in die frühen 1970-er Jahre. In dieser Zeit verschob sich der Schwerpunkt von der Rückgabe von Eigentum in besetzten Ländern zu Druck auf ein wirtschaftlich relativ gesundes Deutschland, damit es mehr für die von den Nazis durchgeführten Plünderungen zahlte. Höchstens 15 Prozent der von 1934 bis 1945 beschlagnahmten jüdischen Vermögenswerte wurden in der ersten Runde der Rückerstattungen an frühere Eigentümer, ihre Erben und jüdische Organisationen, die erbenlose Anspruchsteller repräsentierten, zurückgegeben.

Ein weithin veröffentlichter Rückgabeversuch wurde nach Mitte der 1990-er Jahre unternommen. Mehrere internationale Konferenzen versuchten sich um die unbezahlten Verpflichtungen zu kümmern, es wurde aber wenig erreicht. Den letzten Versuch gab es 2009 in Prag. Obwohl Delegierte herzzerreißende Reden hielten und Rückgabe forderten, wurde kein effektives Mittel eingeführt, um die gestohlenen Vermögenswerte zurückzugeben oder zu vergüten.

Sidney Zabludoff ist ein Ökonom, der dreißig Jahre für das Weiße Haus, die CIA und das Finanzministerium gearbeitet hat. Nach seiner Pensionierung 1995 konzentrierte er sich hauptsächlich auf Fragen, die mit der Rückgabe während der Zeit des Holocaust gestohlenen jüdischen Vermögens zu tun haben.

Die umfangreichsten Vereinbarungen der zweiten Runde waren Zahlungen für inaktive Schweizer Bankkonten und an die 2.100 Juden, die vor dem Holocaust in Norwegen lebten. Beide Fällen repräsentierten einen kleinen Teil des gesamten gestohlenen jüdischen Vermögens. Gleichzeitig hatten die weithin öffentlich gemachten Bemühungen Lebensversicherungsansprüche der Internationalen Kommission für Ansprüche aus der Zeit des Holocaust (ICHEIC) zurückzuzahlen lediglich rund 3 Prozent Rückzahlungen zur Folge.

Am Ende wurden bis Mitte der 1990-er Jahre weniger als 5 Prozent der jüdischen Holocaust-Vermögenswerte zurückgegeben. Damit bleiben mehr als 80 Prozent des Wertes jüdischer Aktiva, die von den Nazis und ihren Kollaborateuren gestohlen wurden, ungezahlt. Das beläuft sich auf mindestens $180 Milliarden nach Wert von 2013.

Am meisten wissen wir über die Entwicklungen in Deutschland. Bis 1954 war die Rückgabe unter den Gesetzen der Alliierten im Wesentlichen abgeschlossen. Ein beträchtlicher Teil der Zahlungen danach bis 1997 erfolgte unter dem BRÜG-Gesetz von 1957, das die Entschädigung für von den Nazis gestohlenes bewegliches Eigentum regelte, das der Anspruchsberechtigte identifizieren, aber nicht länger lokalisieren konnte. Dazu gehörten hauptsächlich Haushaltsgegenstände, Bankkonten, Schmuck und Wertpapiere. Sie wurden fast 750.000 Anspruchsberechtigten ausgezahlt, denen Vermögenswerte in ganz Europa gehörten.

Etwa ein Viertel der Entschädigungszahlungen infolge dieses Gesetzes wurde an Juden gezahlt, die in den späten 1930-er Jahren in Deutschland lebten. Ein unbekannter, aber beträchtlicher Anteil der Zahlungen – vielleicht ein Viertel – ging an Juden, die außerhalb von Deutschland lebten und während der 1930-er Jahre aus Deutschland entkamen. Eine weitere Hälfte wurde an Juden in besetzten Ländern Europas gezahlt.

Alle in allem wurden nicht mehr als rund 12 Prozent der in Deutschland beschlagnahmten jüdischen Vermögenswerte von vor dem Krieg zurückgegeben. Die Zahl ist infolge der Entwertung der deutschen Währung nach dem Krieg so niedrig. Für Österreich wurde etwa ein Drittel des geplünderten Gesamtwerts zurückgegeben, während es für den Rest der westeuropäischen Länder zwischen 40% und 60% waren. In Osteuropa scheint es unwahrscheinlich, dass mehr als 5 Prozent des jüdischen Eigentums zurückgegeben wurde.

Der niedrige Gesamtanteil erstatteter jüdische Holocaust-Vermögenswerte kann zwei wichtigen Aspekten zugeschrieben werden. In Deutschland – auf das rund 25% der gestohlenen jüdischen Werte entfiel – gab es wegen Währungsreformen niedrige Wertfestsetzungen. In Osteuropa – das rund 60% der beschlagnahmten jüdischen Eigentums hatte – gab es eine lange Zeit kommunistischer Herrschaft.

Im Rückblick auf den gesamten Rückerstattungsprozess merkt Zabludoff an: Die Haager Konvention zu internationaler Kriegsführung von 1907 war ein Meilenstein, der festlegte, dass Privateigentum nicht beschlagnahmt werden kann, Plünderung verboten ist und dass religiöse, Wohlfahrts- und Bildungsinstitutionen, die Künste und Wissenschaften als Privateigentum behandelt werden müssen.

Bald nach dem Wiedergewinn ihrer Unabhängigkeit setzten alle besetzten Länder Rückerstattungsverordnungen in Kraft. Die Alliierten kamen bei der Pariser Konferenz von 1945 überein, dass der Nazikrieg gegen die Juden diese zu einer für Entschädigung berechtigte besondere Gruppe machte. Als solche hatten individuelle Juden das Recht von Deutschland Zahlungen für verlorenes Eigentum und andere Schäden fordern.

Holocaust-Rückerstattung blieb nach dem Zweiten Weltkrieg wegen nationaler Interessen von geringer Priorität. Zusätzlich wurde sie höchst kompliziert, da so viele Juden und ihre Erben tot waren. Man könnte das schlechte Ergebnis während beider Zeiten der Rückerstattung damit zusammenfassen, dass man sagt, es war ein Versäumnis eine einzigartige, umfassende und angemessene Anstrengung zu unternehmen, mit einem in den Annalen der modernen Geschichte beispiellosen Ereignis umzugehen – der Auslöschung von mehr als zwei Drittel der Juden des europäischen Kontinents und der Beschlagnahme fast all ihrer Vermögenswerte.

Die Notwendigkeit einzigartiger Lösungen wurde von Nahum Goldmann, dem Vorsitzenden des World Jewish Congress, bei seinem ersten Treffen mit Kanzler Konrad Adenauer betont; eine breite Regelung zu Rückerstattung sollte vorgeschlagen werden. Er erklärte: „Ich weiß, dass ich etwas Ungewöhnliches verlangte. Aber das war ein einzigartiger Fall… Ich kann von Ihnen erwarten, dass sie herkömmliche Regularien außer Kraft setzen.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Ein Antisemitismus Namens Dialog

5. April 2014 um 17:00 | Veröffentlicht in Deutschland, die Welt+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Stefan Göpke (direkt vom Autor)

Vor einigen Tagen bin ich durch Zufall auf die facebook-Gruppe „Dialog Israel-Palästina“ gestoßen. Ich habe es für einen interessanten Ansatz gehalten, da in der Gruppenbeschreibung explizit zu konstruktiven Ansätzen aufgerufen wurde. Doch schnell machte sich Ernüchterung breit. Auf konstruktive Ansätze wurde lediglich mit allem gefeuert, was der antisemitische Phrasen-Bausteinkasten hergibt. Selbst die einfachsten Fragen konstruktiver Art wollte oder konnte der arabische Admin nicht beantworten. Hätte man doch erwartet, dass er an einem Dialog interessiert sein könnte, statt seine israelfeindlichen Plattitüden abzusondern. Begleitet wurde sein Ausweichen von einem Israelfreund der besonderen Art, der permanent vor der Beantwortung meiner Fragen warnte, da diese eine Falle wären und einem Dialog zerstören würden.

Der Grundtenor dieser Gruppe ist zwischen zwei Positionen zu suchen: Einerseits die Anklagen gegen „Verbrechen Israels“. Zum Ausgleich die Aufforderung, dass Israel seine Verbrechen bekennen möge, quasi als ersten Schritt zur Besserung, der Grundlage für einen Frieden.

Die dreistesten antisemitischen Propagandalügen werden in der Gruppe geduldet. Meine Darlegung, dass SodaStream im Endeffekt ein zukunftsträchtiges Friedensprojekt sei, wurde jedoch ohne Argumente als zionistische Propaganda gebrandmarkt. Soweit zum Thema konstruktiver Dialog.

Auf meine Nachfragen erklärte mir ein anderer Admin, der sich als Dialog-Förderer sah, dass er nicht wissen könne, ob die von mir bemängelten Hetzbeiträge nun Lügen seien oder die Wahrheit. Auch ich könne das nicht wissen. Außerdem sei es ja nur Kritik an einem Staat. Und diese sei ja schließlich legitim. Ich erklärte ihm, dass es vielleicht nicht justiziabel sei, Lügen über Israel zu verbreiten. Unmoralisch und verantwortungslos ist es in jedem Fall. Ich versuchte ihm nahe zu bringen, dass mit dieser miesen Hass-Propaganda Menschen zum Mord an Israelis bzw. Juden aufgestachelt werden. Dies schien dem selbstgerechten Dialog-Förderer aber nicht zu stören. Sein Credo: Niemand kann wissen, was die Wahrheit sei. Und alle extremen Positionen hätten ihr direktes Gegenstück. Wenn es Araber gäbe, die die Auslöschung Israels und der Juden forderten, so steht für ihn fest, dass es eben auch Massen von Israelis geben müsse, die die Auslöschung der arabischen Welt forderten. Anders geht es nicht. Außerdem müsse jeder einen Lösungsansatz bei sich selber suchen. Das meinte er auf die Frage nach Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Natürlich sieht er die Israelis in der Pflicht, diesbezüglich Lösungsansätze zu finden. Wen sonst?

Zeit für ein Gedankenexperiment, dachte ich. Ich fragte ihn, welchen Lösungsansatz er denn hätte, wenn ihn jemand des Besitzes von Kinderpornografie beschuldigen würde. Er empörte sich, dass dies nicht der Wahrheit entspräche. Das könne er mit Sicherheit sagen. Das könne ich nicht beurteilen, erwiderte ich. Mir ginge es gemäß seinem Credo um seinen Lösungsansatz bezüglich seiner Person.

Ob denn – die Frage nach der Wahrheit außer Acht gelassen – Kritik an seiner vermeintlichen Kinderpornosammlung legitim sei, beantwortete er mit dem hysterischen Hinweis, dass er mich anzeigen wolle. Er wisse schließlich, dass er keine Kinderpornos besitze. Eine solche Ehrverletzung müsse er sich nicht gefallen lassen. Ich betonte, dass ich nach seiner Maxime nur wissen wolle, welchen Lösungsansatz er für sich sehen würde, da die Wahrheit in seinen Vorstellungen ja keine Rolle spiele. Er wird dünnhäutig, wenn es um seine Person geht.

Zeit für die nächste Stufe. Ich bat ihn, mein Gedankenexperiment fortzusetzen. Er möge sich vorstellen, dass ein Nazi-Lynchmob ein Exempel an einem Pädophilen statuieren wolle. Nazis spielen sich ja gerne mal als Beschützer der Kinder auf. Was wäre, wenn man diesen mordlustigen Barbaren das Gerücht um eine Kinderporno-Sammlung in seinem Besitz antragen würde? Wäre das legitim? Er tobte und ließ seinem Tasten-Tourette freien Lauf. Es ginge schließlich um eine konkrete Person und mögliche Folgen für diese.

Aha. So fragte ich nochmal, warum es denn nach seinen Wertvorstellungen nicht moralisch wäre, wenn Lügen über ihn (also eine konkrete Person) verbreitet werden würden, wodurch er (also eine konkrete Person) ggf. sogar um sein Leben fürchten müsse. Denn andererseits hat er keine Probleme damit, Lügen über Israel zu dulden. Wohl wissend, dass mit dieser Hass-Propaganda andere Menschen zum wahllosen Mord an Israelis oder Juden allgemein angestachelt werden. Seine Antwort war einfach: Er sperrte mich für die Gruppe.

Somit bestätigte er, dass er keine Antworten und keine Moral hat. Sein Problem wäre, dass in meinem Gedankenexperiment nicht immer 100% klar gewesen sei, dass es sich bei der Kinderporno-Sammlung um eine Hypothese handele. Der Mann hat plötzlich Probleme. Probleme, die er jedoch nicht hat, wenn es um Lügen über Israel geht. Das wäre ja legitime Kritik, da es nur um ein Land ginge.

Es hat natürlich nichts mit Antisemitismus zu tun, wenn er großzügig den Bewohnen Israels und den Juden tausendfach das zumutet, was ihn sich in einem Gedankenexperiment die Hose füllen lässt, wenn es um die eigene Person geht.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (23.02.-01.03.2014)

1. März 2014 um 22:15 | Veröffentlicht in Deutschland, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Sonntag, 23.02.2014:

Die Hamas verurteilte die von der UNO genutzten Schulbücher. Damit würde „der Geist unserer geliebten Schüler kontaminiert“ – nämlich dahingehend, dass sie Frieden mit Israel akzeptieren.

Montag, 24.02.2014:

Hamas-Abgeordnete warnten den PA-Vorsitzenden, er dürfe Israel nicht anerkennen, das sei ein „Todesurteil“ für die PA.

Das Großhirn im Auswärtigen Amt hat natürlich wieder einen tollen Rat für Israel: Es solle „schwierige, aber notwendige Entscheidungen treffen“, damit die US-Friedensbemühungen erfolgreich sein können. Die Siedlungspolitik bezeichnete er als zerstörerisch. Hat er ähnlich kritische Worte für die PalAraber? Stellt er dieselbe Forderung an Mahmud Abbas? Und hat Israel nicht schon reichlich „schwierige Entscheidungen“ getroffen?

Offenbar gab es wieder einen „Arbeitsunfall“: Die Al-Quds-Brigaden des Palästinensischen Islamischen Jihad starb bei einer „Jihad-Mission“. Die näheren Umstände erklärten die Terroristen nicht.

Dienstag, 25.02.2014:

Die Hisbollah ist ganz sicher: Israel will die Al-Aqsa-Moschee zerstören und alle Nichtjuden aus Jerusalem vertreiben. Das nennt man Projektion…

Ein einflussreicher arabischer Autor hat ein neues Horror-Szenario aus dem Ärmel gezaubert: Wenn die PLO Israel anerkennt, dann werden nicht nur alle Araber aus Israel vertrieben, sondern auch aus der „Westbank“, weil Israel diese als israelisches Staatsgebiet ansieht.

Mittwoch, 26.02.2014:

Die Hisbollah schwört jetzt doch Rache für den Luftangriff auf ihre Stellung an der syrisch-libanesischen Grenze. War also nicht so „harmlos“, wie sie gestern noch taten. Insgesamt sollen 4 Hisbollah-Terroristen bei dem Angriff getötet worden sein.

Ein hochrangiger Fatah-Vertreter kündigte an, dass ein Nachfolger von Mahmud Abbas „zum gewalttätigen Widerstand zurückkehren“. (Als wäre jetzt alles total friedlich…)

Donnerstag, 27.02.2014:

Hamas bestätigt wieder ihren Friedenswillen: Sie wird weiter „kämpfen“, bis Tel Aviv „befreit“ ist.

Die Fünfte Kolonne am Werk: Arabische Knesset-Abgeordnete bezeichneten Israel als „Palästinas Inneres“ und forderten die „Befreiung Jerusalems von der israelischen Besatzung“.

Mehr als 50% der Israelis sehen sich als eher „rechts“ und misstrauen den „Palästinensern“. Dennoch würden sie einen Friedenshandel akzeptieren und für eine neue, von Netanyahu geführte Partei der Mitte stimmen.

Heckmeck:
Ein Abbas-Berater plauderte aus dem Nähkästchen: Kerry forderte von Abbas die Anerkennung Israels, 10 jüdische Siedlungen sollten annektiert und das Jordantal aufgegeben werden. Das war dem Terrorchef zu viel, er war wütend auf Kerry und drohte mit dem Ende der Gespräche. (Aber Israel ist die Seite, die kompromisslos ist und für ein Scheitern verantwortlich gemacht werden wird…)
– Kerry gab Mittwoch zu, dass die Gespräche bis Ende April keinen Erfolg bringen werden. Deshalb würden sie über den April hinaus weiter gehen. Er glaubt, „es wird niemanden beunruhigen, wenn es weitere neun Monate gibt“. Gleichzeitig ließ Saeb Erekat wissen, dass es keinen Sinn machen würde die Gespräche „auch nur eine einzige Stunde fortzusetzen“, wenn Israel nicht klein bei und sich den Forderungen der Terroristen ergibt.

Freitag, 28.02.2014:

Die PFLP schwört Rache für den toten Terroristen, der sich seiner Verhaftung mit Schusswaffengewalt entziehen wollte. Die PA behauptet, die Aktion sei eine „Ermordung“ gewesen.

Die IDF hat der libanesischen Regierung über die UNIFIL eine Warnung zukommen lassen: Sollte die Hisbollah ihre Angriffsdrohungen wahr machen, wird man die libanesische Regierung dafür zur Verantwortung ziehen und zum Ziel für Gegenschläge machen.

Samstag, 01.03.2014:

Die PA-Medien berichten „Empörendes“ von den Kerry-Vorschlägen. Die PA-Führung lehnt praktisch alles ab, was der Amerikaner vorschlägt. Und die Folge? Hier: Obama will nach Angaben eines Mitarbeiters des US-Präsidenten „sofort Druck auf Premierminister Netanyahu ausüben, wenn er ihn beim anstehenden Besuch im Oval Office trifft“. Passt doch. Wenn der Mörder nicht mit den Bedingungen einverstanden ist, zu denen er aufhören soll zu morden, müssen halt die Opfer unter Druck gesetzt werden sich ermorden zu lassen!

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2014“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).

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