Warum glaubt Europa, die Hisbollah sei nur zum Teil terroristisch?

13. Juni 2013 um 14:45 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost, Nahost, Terrorismus | Hinterlasse einen Kommentar
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Bloomberg, 30. Mai 2013

Die Europäische Union ist drauf und dran den militärischen Arm der libanesischen Hisbollah auf ihrer Liste der verbotenen Terrorgruppen zu setzen. Warum nicht die ganze Organisation?

Fangen wir damit an, dass es gute Nachrichten sein werden, wenn Großbritannien die anderen 26 EU-Staaten überzeugen kann, wenigstens einen Teil der Hisbollah als Terrortruppe aufzuführen. Europa hat das viel zu lange gelassen – selbst nachdem die bulgarische Regierung die Hisbollah mit einem Bombenanschlag auf einen Bus in Verbindung brachte, bei dem letzten Juli fünf israelische Touristen und ihr Fahrer getötet wurden. Die Kennzeichnung würde es der Gruppe viel schwerer machen ihre Operationen in ganz Europa und über dessen Banken zu finanzieren; oder es auch europäischen Führungspersönlichkeiten klar erschweren offen mit der Gruppe zu reden.

Eine EU-Arbeitsgruppe soll sich nächste Woche treffen, um die Listung zu diskutieren – und wird der breiteren Organisation eine Empfehlung geben. Frankreich und Deutschland haben sich beide hinter den Vorschlag Großbritanniens für eine teilweise Listung gestellt, wodurch das wahrscheinlich durchgebracht wird. Bisher sind allerdings die Niederlande die einzige europäische Regierung, die die komplette Hisbollah als Terrororganisation führt – etwas, das Israel seit 1989 tut, die USA seit 1997.

Obwohl es absurd scheint einen Unterschied zwischen dem „schlechten“ und „nicht ganz so schlechten“ Teil derselben Organisation zu machen, könnte es genau das Richtige sein. „Wir reden niemals mit Terroristen“ ist ein populärer Spruch von Regierungen, doch auch ein dummer. Großbritanniens Verhandlungen mit Sinn Fein, dem politischen Flügel der Irish Republican Army, half eine Friedensvereinbarung möglich zu machen.

Doch solch selektive Unterscheidungen funktionieren nur unter ganz bestimmten Umständen. Man braucht einen guten Grund, um die Fiktion aufrecht zu erhalten, dass die politischen Führer einer Bewegung keine Verbindung zu ihren terroristischen Operationen haben (nicht einmal die Hisbollah behauptet, sie seien zu trennen), denn es sind Kosten mit dem Versuch verbunden den Unterschied zu treffen. Solange ein Teil der Organisation legal Rekrutierungen vornehmen und Geld sammeln kann, kann sie ihre militärischen Operationen unterstützen – und die Hisbollah hat ein umfangreiches Finanznetzwerk in Europa.

Die meisten europäischen Führungspolitiker glauben, es sei die Kosten wert, im Fall der Hisbollah die Unterscheidung zwischen politisch und militärisch zu treffen. Bis letztes Jahr hatte die Gruppe seit den 1990-er Jahren keinen Terroranschlag in Europa ausgeführt. Sie war außerdem ein wichtiger Teil der gewählten Regierung des Libanon, da sie in der empfindlichen religiösen Balance des Landes die Schiiten repräsentiert. Britische Offizielle sagen, sie zögern die Hisbollah als Bewegung zu verurteilen, weil das den Libanon destabilisieren würde. Frankreich nahm dieselbe Haltung ein.

Dieses Argument sieht heute unhaltbar aus. Der Bombenanschlag in Bulgarien, gefolgt von der Verhaftung und Verurteilung eines Hisbollah-Agenten, der einen gleichartigen Anschlag auf Zypern plante, hat die Bedrohung offen gelegt, die das globale Netzwerk der Gruppe in Europa immer noch darstellt. Derweil ist der Nutzen der Offenhaltung der Kommunikationswege verschwunden. Großbritannien z.B. brach 2010 alle Kontakte zur Hisbollah ab. Die Hisbollah half im März dabei den Zusammenbruch der libanesischen Regierung herbeizuführen und inzwischen kämpft die Gruppe an der Seite der syrischen Regierungsgruppen im Bürgerkrieg auf der anderen Seite der Grenze.

Teilweise als Resultat des Handelns der Hisbollah in Syrien hat dieser Konflikt begonnen ernsthaft in den Libanon zu schwappen; er spielt die Sunniten gegen die Alawiten und Schiiten aus. Europa sollte die Scharade beenden, die gesamte Organisation als die Terrororganisation, die sie ist, auf die Liste setzen und die Finanzierungs- und Rekrutierungsoperationen der Hisbollah in Europa stilllegen.

Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (02.-08.06.2013)

8. Juni 2013 um 21:45 | Veröffentlicht in EU-Europa, Israel, Palästinenser, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Montag, 03.06.2013:

Der Terrorfürst von Ramallah knallt jetzt richtig durch: In einem Interview behauptete der lupenreine „Friedenspartner“, Israels archäologische Grabungen dienten dazu die Al-Aqsa-Moschee zu zerstören, beschwerte sich darüber, dass „jüdischen Extremisten“ das Betreten des Tempelbergs gestattet wird, was alles Teil eines „bösen und gefährlichen Plans“ sei die Moschee zu vernichten, „um den angeblichen Tempel“ zu bauen. Westliche Medien ignorieren das natürlich wieder weitgehend.

Dienstag, 04.06.2013:

Während des Mai schnellten die Fälle von Brandstiftungen in die Höhe, vor allem im Raum Jerusalem. Zwei Hauptbereiche dafür sind der HaShalom-Wald südöstlich der Stadt und die Armeebasis Ofrit auf dem Ölberg. Die Behörden bezeichnen das als besondere Terroranschläge.

Die Hisbollah lässt wissen, dass sie bereit ist, auf dem Golan gegen Israel zu kämpfen.

Die Verbindung der muslimischen Wissenschaftler (der PalAraber) forderte „die arabische und islamische Nation“ auf alle Namen derer, die die Normalisierung mit Israel befürworten, auf eine Liste der wegen Verrat Gesuchten zu setzen.

Saeb Erekat droht wieder: Sollte Israel nicht kuschen und sich John Kerry (und damit den Terroristen) beugen, dann gibt es wieder eine „Intifada“ (die hat dann wieder alles, nur nichts Spontanes, wie bei den letzten auch).

Heckmeck:
PA-Minister Hussein a-Scheik sagt US-Präsident John Kerry bat Mahmud Abbas, er möge mehr Zeit für die Friedensbemühungen geben. Kerry soll gesagt haben, dass bei einem Fehlschlag die Funktionsrolle der PA ein Ende finden würde und Israel die Verantwortung für die Besatzung tragen müsse.
John Kerry spricht vor dem American Jewish Congress. Mindestens drei Personen twittern live darüber. Einer schreibt Klartext: Kerry sagt dem jüdischen Publikum, dass er drauf scheißt, dass Israel von Territorium abzog und ihm dafür mit Terror gedankt wurde.
Mahmud Abbas lässt wieder wissen, dass Verhandlungen allein in der Verantwortung Israels liegen. Sie können stattfinden, sobald Israel alle Forderungen der Terroristen erfüllt hat.

Mittwoch, 05.06.2013:

Shin Bet-Direktor Rubin sagte dem Sicherheitskabinett, dass Mahmud Abbas nicht glaubt, dass es einen Frieden mit Israel gibt.

Am heutigen Mittwoch beginnt zum vierten Mal das „Jerusalem Festival of Light“ (Jerusalemer Lichterferst, hier ein Promo-Video). Das PA-„Außenministerium“ hat seine ganz besondere Charakterisierung dieses fröhlichen Festes: Es ist nichts weniger als Israels Versuch einen regionalen Krieg anzufangen – „ein ausdrücklicher Aufruf im gesamten Nahen Osten einen religiösen Krieg zu führen“.

Der „militärische Arm“ der Hamas wie auch der hochrangige Terrorfürst Mahmud Al-Zahar lassen wissen, dass sie „Palästina mit Gewehren und Raketen aus dem Iran und von der Hisbollah, nicht mit Geld aus Qatar“ befreien wollen.

Donnerstag, 06.06.2013:

Die IDF veröffentlichte Bilder der im Mai bei acht Vorfällen konfiszierten Waffen von Terroristen (davon hört/liest/sieht man in unserem Medien gar nichts).

Versuche israelische Soldaten zu entführen haben im ersten halben Jahr 2013 stark zugenommen. Die IDF listet 27 Versuche, von denen 9 als in fortgeschrittenem Stadium beschrieben werden und die allesamt den Rückhalt einer Terrororganisation hatten. 2012 gab es insgesamt so viele versuchte Soldaten-Entführungen wie bisher im Jahr 2013.

Das „Window of Opportunity“ für Frieden schließt sich, sagte der US-Außenminister – 2013, 2003, 1991…

Heckmeck:
Die EU als Oberarschloch: Wichtige EU-Mitglieder warnten Israel, wegen der festgefahrenen Friedensverhandlungen und der Genehmigung von Wohneinheiten (in Jerusalem und Yescha) würde zur Unterstützung und Werbung der EU für die Anerkennung der PA-Eigenstaatlichkeit bei der UNO und deren Drohung mit Klagen wegen Kriegsverbrechen in Den Haag führen.

Freitag, 07.06.2013:

Herr Abbas wieder absolut friedensorientiert: Israel will die Al-Aqsa-Moschee zerstören (indem es Juden erlaubt auf dem Tempelberg zu beten!) und einen Tempel dort bauen. Außerdem werde arabischen Muslimen der Zugang zu Tempelberg und das Gebet in den Moscheen verweigert. Jerusalem stehe nicht zur Verhandlung, die Araber würden es nie aufgeben und es werde keinen Palästinenserstaat ohne Jerusalem geben.

Anfang der Woche demonstrierten mehrere Tausend „Palästinenser“ in Ramallah für die Einführung des Kalifats. Frieden!

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2013“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).

Warum dieser europäische Boykott von „Siedlungsprodukten“ eine richtig dumme Idee ist

7. Juni 2013 um 14:10 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 2 Kommentare
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Israel Matzav, 4. Jun 2013

In einem früheren Eintrag berichtete ich, dass Deutschland im Gleichschritt mit dem Rest Europas marschiert und einen Boykot von „Siedlungsprodukten“ aus Judäa und Samaria stützt. Für diejenigen, die es vergessen haben, hier eine Erinnerung daran, warum ein europäischer Boykott in Wirklichkeit den „Palästinensern“ schadet:

In Judäa und Samaria produzierte Güter sind nicht berechtigt für dieselben Vorzugstarife, die israelische Exporte in die EU genießen. Nach Angaben von Zahlen der Weltbank von 2012 importiert die EU jährlich Waren im Wert von $300 Millionen aus israelischen Siedlungen, grob geschätzt fünfzehnmal so viel wie von den Palästinensern. Doch hier fängt es erst an interessant zu werden.

Es stellt sich heraus, dass die aus jüdischen Siedlungen kommenden Waren örtlichen Arabern Löhne bieten, die mehr verdienen, indem sie für die „abscheulichen“ Juden arbeiten, als sie durchschnittlich bei der Arbeit für einen arabischen Betrieb arbeiteten.

Die Firma SodaStream mit Sitz in Israel, die ein Getränke-Sprudelsystem produziert, hat weltweit 13 Produktionsstätten, von denen sich drei in Israel und der gefürchteten „Westbank“ befinden und (Stand 2012) 1.100 Menschen beschäftigt.

SodaStreams Haupt-Produktionsstätte befindet sich in Mishor Adumim – dem Industriegebiet der judäischen Stadt Maale Adumim. In dieser Fabrik sind rund 900 Araber beschäftigt, von denen die Hälfte von Jericho bis Ramallah in der PA leben; die andere Hälfte sind Einwohner des annektierten Ostjerusalem.

Wenn also die EU in ihrem Versuch den in der PA lebenden Arabern zu helfen, es SodaStream erschwert seine Produkte in Europa zu verkaufen – wer leidet dann? Richtig: Die in der PA lebenden Araber.

Das israelische Außenministerium ergänzt mit Zahlen:

Das Außenministerium kündigte Mittwoch an, dass der derzeitige internationale Trend zum Boykott von Produkten aus Yescha sich nachteilig auf die Wirtschaft der PA auswirken könnte. Nach Angaben der Bekanntmachung sind 22.500 PA-Araber regelmäßig in Fabriken in Yescha beschäftigt; für den Fall, dass die Folgen des Boykotts Entlassungen nötig machen sollte, werden viele PA-Araber arbeitslos und ohne Unterstützung wiederfinden. „9% des jährlichen PA-Einkommens entstammt der Beschäftigung in israelischen Fabriken in Yescha. Der ‚pro-PA‘-Boykott wird als Bumerang gegen diese Araber wirken“, sagt das Ministerium.

Warum verurteilt die EU palästinensische Folter nicht?

6. Juni 2013 um 15:14 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar

Khaled Abu Toameh, Gatestone Institute, 24. Mai 2013

Mehr als die Hälfte der 306 Beschwerden wegen Folter kamen letztes Jahr von Palästinensern, die von Abbas‘ Sicherheitskräften in der Westbank festgenommen oder inhaftiert wurden; nach Angaben der Palestinian Independent Commission for Human Rights starben 11 Gefangene in den Gefängnissen der PA und der Hamas.

Die EU hat es unterlassen die palästinensische Autonomiebehörde oder die Hamas im Gefolge eines Berichts zu verurteilen, der eine Zunahme der Menschenrechtsverletzungen in der Westbank und dem Gazastreifen aufzeigte. Das ist dieselbe EU, die Israel regelmäßig wegen Bautätigkeit in den Siedlungen oder wegen der Beschlagnahme von der PA zustehenden Geldern verurteilt. In jüngerer Zeit verurteilte die EU Israel wegen des Abrisses von 22 palästinensischen Gebäuden in der Westbank und Jerusalem.

Doch wenn es um von der Hamas und der PA begangene Menschenrechtsverletzungen geht, ist die EU bereit ihr Äußerstes dafür zu tun die beiden palästinensischen Regierungen nicht zu verärgern.

Als Reaktion auf den Bericht, der von der Palestinian Independent Commission for Human Rights veröffentlicht wurde, brachten die EU-Vertretungen in Jerusalem und Ramallah in zaghaftem Ton lediglich „Besorgnis“ wegen wiederkehrender Fälle von Folter und Misshandlung von Gefangenen in palästinensischen Gefängnissen zum Ausdruck. Und statt den PA-Präsidenten Mahmud Abbas wegen von seinen Sicherheitskräften begangenen Menschenrechtsverletzungen zu kritisieren oder zu verurteilen, entschieden sich die EU-Vertretungen seine Anweisung „willkommen zu heißen“, das Verbot von Folter in seinen Strafanstalten und Gefängnissen zu respektieren.

Es lohnt sich anzumerken, dass die EU und ein paar Abbas-Getreue, einschließlich Fatah-Propagandisten und Medienorganen, die einzigen waren, die seine Entscheidung des Verbots von Folter „willkommen hießen“. Abbas wird also nicht nur wegen des Todes zweier Gefangener in seinen Gefängnissen und des Vorgehens gegen die freie Meinungsäußerung und die Medien nicht verurteilt, er wird von der EU sogar dafür gelobt, dass er seinen Sicherheits- und Geheimdienstmitarbeitern befielt mit der Folterung der Palästinenser aufzuhören.

Man hätte erwarten sollen, dass die EU eine härtere Haltung gegenüber den Menschenrechtsverletzungen der PA und der Hamas einnimmt, wie sie von dem Bericht angedeutet wurden. Doch die EU-Vertretungen in Ramallah und Jerusalem zögern, eine solche Haltung einzunehmen, weil sie direkt und indirekt in die Finanzierung und Unterstützung der PA und verschiedener palästinensischer Institutionen in der Westbank und dem Gazastreifen involviert sind.

Die EU schient auch Angst zu haben die PA und die Hamas zu kritisieren, weil sie sich um die Sicherheit ihrer Repräsentanten sorgt, insbesondere derer, die in der Westbank und dem Gazastreifen arbeiten.

Wie der Bericht der Menschenrechtsgruppe zeigt, hat es bei der Zahl der Beschwerden über Folter und Misshandlung durch Hamas und die PA im 2012, verglichen mit dem Jahr davor, eine Steigerung um 10% gegeben. Mehr als die Hälfte der 306 im letzten Jahr eingegangenen Beschwerden kamen von Palästinensern, die von Abbas‘ Sicherheitskräften in der Westbank festgenommen oder inhaftiert wurden, offenbarte der Bericht. Insgesamt starben nach Angaben des Berichts letztes Jahr 11 Gefangene in den Gefängnissen der PA und der Hamas.

Doch die EU sah immer noch keine Notwendigkeit diese Fälle zu erwähnen. Die EU kommentierte auch nicht die Vorwürfe der Berichts, dass Abbas‘ Sicherheitskräfte weiterhin hart gegen Journalisten und Akademiker vorgehen und Gerichtsentscheidungen ignorieren.

„Besorgnis“ wegen ernsthaften Menschenrechtsverletzungen zum Ausdruck zu bringen, wird weder die PA noch die Hamas davon abhalten ihre antidemokratischen Praktiken gegen das eigene Volk zu verfolgen. Abbas dafür zu loben, dass er seine Sicherheitskräfte anweist mit der Folterung palästinensischer Gefangener aufzuhören, ist so, als heiße man das Versprechen eines Räubers willkommen, er würde sich zur Ruhe setzen.

EU bewegt sich in Richtung Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah

16. Mai 2013 um 15:00 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 1 Kommentar
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Es wird erwartet, dass die Europäer dem politischen Flügel der schiitischen-libanesischen Gruppe weiterhin erlauben als legale Organisation zu agieren.

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 12.Mai 2013

Die Europäische Union hat sich auf einen Konsens zum Verbot des bewaffneten Flügels der Hisbollah zu bewegt; dazu gehört, dass er Ende 2013 auf die EU-Terrorliste gesetzt werden soll.

Die EU plant das britische Model der Ächtung des militärischen Flügels als Terrororganisation zu befürworten, während dem politischen Flügel der schiitisch-libanesischen Gruppe erlaubt wird weiter als legale Organisation zu agieren, sagten Quellen, die sich in den inneren Mechanismen der EU-Diskussionen zur Sache gut auskennen, gegenüber der Jerusalem Post in der letzten Woche.

Der britische MP Michael McCann von der Labour Party sagte jedoch in einer Debatte im Unterhaus letzte Woche, dass das bezüglich Erwartungen notwendiger strafender Reaktionen auf die Hisbollah und ihrem Hauptsponsor, der Islamischen Republik Iran, zu kurz greift. „Sie bleiben eine klare und gegenwärtige Gefahr für Millionen israelischer Männer, Frauen und Kinder mit ihren Tausenden Raketen, die auf wichtige Bevölkerungszentren gerichtet sind“, sagte McCann dem Parlament in der Debatte am Donnerstag. „Raketen, die auf ein Wort ihrer korrupten, antisemitischen Zahlmeister in Teheran abgeschossen werden könnten.“

„Es ist klar, dass die Hisbollah in ihrer Gesamtheit sowohl von der Regierung des Vereinten Königreichs als auch der EU geächtet werden sollte“, sagte er.

Eine mit der Antiterror-Strategie der EU vertraute Quelle sagte der Post, dass Zypern und Burgas im Entscheidungsfindungsprozess zum Verbot der  Hisbollah weithin mit Beweismaterial beschrieben werden. Großbritannien und andere EU-Staaten arbeiten daran den Konsens zum Verbot der Hisbollah herauszuarbeiten, bevor die Antiterror-Arbeitsgruppe der EU sich trifft, fügte die Quelle hinzu.

Im Februar beschuldigte Bulgariens Innenministerium die Hisbollah im letzten Juli den Bombenanschlag auf einen israelischen Touristenbus im Schwarzmeer-Ferienort Burgas verübt zu haben, bei dem fünf Israelis und ihr bulgarischer Busfahrer getötet wurden. Im März verurteilte ein Strafgericht in Limassol (Zypern) Hossam Taleb Yaacoub, der seine Mitgliedschaft bei der Hisbollah zugab, wegen der Planung von Terroranschlägen auf Israelis auf der Insel.

Richterin Tasia Psara-Miltiadou sagte bei Yaacoubs Verurteilung: „Es gibt keinen Zweifel, dass diese Gruppe [die Hisbollah] zahlreiche Mitglieder hat und mit verschiedenen Aktivitäten, darunter militärischem Training ihrer Mitglieder, weitermacht… Das Gericht urteilt, dass die Hisbollah als kriminelle Vereinigung agiert.“

Die Hisbollah in militärische und politische Flügel zu trennen, veranlasste McCann – Abgeordenter für East Kilbride, Strathaven und Lesmahagow in Schottland – sich vehement gegen diese Teil-Listung auszusprechen. „Während die letzte Regierung den militärischen Flügel der Hamas verbot, wird oft ihre bedeutende Rolle in der libanesischen Politik als Grund dafür zitiert, dass das Vereinte Königreich nicht weiter ging und die gesamte Organisation verbot, von der selbst ihre eigenen Führer sagen, dass sie unter einem einzigen Kommando agiert. Auch der unangebrachte Glaube, dass die Politiker der Hisbollah legitim und unabhängig von ihrem tödlichen Terrorismus sind, steckt hinter der Untätigkeit der EU“, sagte er.

McCann fuhr fort: „Die Politiker der Hisbollah sind für den jüngsten Zusammenbruch der libanesischen Regierung verantwortlich, die sie lange über militärische Stärke statt Wählerstimmen dominierten; jetzt ist es daher an der Zeit ihre angebliche Rolle bei der Stabilisierung des Libanon als den Denkfehler bloßzustellen, der er ist. Ihre bösartige Rolle bei der Aufrechterhaltung der brutalen militärischen Bekämpfung durch [den syrischen Präsidenten] Bashar Assad gegen sein eigenes Volk – wieder eine genauso politische wie militärische Operation – demonstriert weiter, dass jeder Versuch eine Unterscheidung zwischen militärisch und politisch zu treffen im günstigsten Fall naiv ist.“

Der MP, ein Vizevorsitzender der Labour Friends of Israel, forderte die britische Regierung auf „die ganze Hisbollah“ als Terrororganisation zu verbieten.

Mit Blick auf ein europäisches Verbot der Hisbollah sagte McCann: „Und ich würde weiter gehen, da sich in der französischen und deutschen Gegnerschaft für ein Verbot Brüche zu zeigen beginnen. Ich würde jetzt sagen, dass es auch an der Zeit ist, dass die Regierung diesen parteiübergreifenden Konsens nutzt und für hartes Handeln der EU eintritt.“

Nach Angaben einer Quelle der Post favorisiert die deutsche Regierung ebenfalls ein Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah.

Danach gefragt, ob man plant ein solches Verbot einzubringen, sagte ein Sprecher des deutschen Außenministers Guido Westerwelle der Post letzte Woche: „Die Überlegungen zur Hisbollah werden von der Regierung mit ihren EU-Partnern besprochen. Wir sind in dieser Sache auch in Kontakt mit unseren israelischen Partnern.“

Der Sprecher fügte an, Kanzlerin Merkel und Westerwelle sie klar gewesen, dass die EU im Fall des Beweises einer Verbindung zwischen der Hisbollah und dem Terroranschlag in Burgas handeln müsste. Die Hisbollah hat in Deutschland fast 1.000 Mitglieder und diese Zahl steigt nach Angaben des Verfassungsschutzes.

Die österreichische Tageszeitung Kurier berichtete letzte Woche, dass Verteidigungsminister Moshe Ya’alon sich mit seinem österreichischen Kollegen Gerald Klug in Tel Aviv traf und die österreichische Regierung drängte die Hisbollah auf die EU-Terrorliste zu setzen. Klug sagte, er würde das Thema bei seiner Regierung ansprechen. Österreich ist einer der Schlüsselverweigerer gegen den britischen und niederländischen Druck gewesen die Hisbollah auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen.

In einem Exposé Anfang Mai in der österreichischen Zeitung Die Presse sagte der Journalist Oliver Grimm, wenn die EU die Hisbollah auf die Terrorliste setze, würden ihre im südlichen Libanon stationierten UNO-Friedensschützer verletzbar und „Brüssel, Berlin, Paris, Wien würden lieber wegsehen und hoffen, dass es keine weiteren Hossam Taleb Yaacoubs und ein zweites Burgas geben wird“.

Die Hisbollah nicht als Terrororganisation zu führen ist von Experten als ein Faktor angeführt worden, der die EU daran hindert aggressive Terrorbekämpfungsermittlungen gegen die Beiruter Gruppe und ihre Netzwerke in Europa zu unternehmen. Terrorbekämpfungsexperten sagen, die Hisbollah fahre damit fort Spendengelder zu sammeln und Waffen und Technologie in Europa zu erwerben, um ihre Terroroperationen voranzubringen.

Die European Foundation for Democracy mit Sitz in Brüssel kam in einem Bericht [Titel: „Hezbollah fundraising in Germany tax-deductibe“ - Spendensammlung der Hisbollah ist in Deutschland von der Steuer absetzbar] aus dem Jahr 2009 zu dem Schluss, dass „Waisenkinderprojekte e.V.“ aus Göttingen Spenden direkt an die libanesische Al-Shahid Vereinigung leitet, die Teil des Hisbollah-Netzwerks ist, das für Selbstmord-Bombenanschläge im Libanon wirbt – besonders bei Kindern. In Deutschland sind Spenden an die Projekt absetzbar und damit vom deutschen Staat subventioniert.

Die Gelder der Hisbollah in Europa hat man an die Familien von Selbstmordbombern und an Gruppen fließen lassen, die Terroranschläge gegen Israelis verüben.

Europa hat ein ernstes Hisbollah-Problem

9. Mai 2013 um 15:39 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost | 1 Kommentar
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Nach Jahrzehnten der Leugnung könnten sich Europas Führungspolitiker der düsteren Wahrheit zur fortschrittlichsten Terrororganisation der Welt gegenüber sehen

Benjamin Weinthal, The Tower, Mai 2013

Die legendäre britische Geheimdienstler des Ersten Weltkriegs, T.E. Lawrence – inzwischen auf ewig als „Lawrence von Arabien“ bekannt – beschrieb einmal seinen Kommandeur, Brigadegeneral Gilbert Clayton so: Er ist „wie Wasser oder durchdringendes Öl, das still und beharrlich alles durchtränkt.“ Lawrence‘ eigene Worte bieten eine bemerkenswert treffende Beschreibung der vom Iran gestützten Terrororganisation Hisbollah. Seit ihrer Gründung 1982 unter dem Deckmantel einer religiös-schiitischen Partei hat sich die Hisbollah langsam in eine ausgeklügelte internationale Miliz, ein weltweit agierendes kriminelles Unternehmen, Exporteur des revolutionären iranischen Islamismus und Terrors ausgedehnt; und sie ist die de facto-Regierung des südlichen Libanon, wenn nicht sogar die dominierende Kraft des gesamten Landes.

Die von vielen als „das A-Team der Terroristen“ beschriebene Hisbollah ist neuerdings wieder in den Nachrichten – nach einer Serie von Terrorkomplotten auf europäischem Boden, einschließlich eines größeren Anschlags letzten Sommer in Bulgarien. Das hat eine Diskussion innerhalb der Europäischen Union darüber ausgelöst, ob man die Organisation auf die Liste der Terrorgruppen setzen soll. Das sollte als offensichtliche Reaktion erscheinen, doch für die EU wäre es ein historischer Schritt.

Während des größten Teils der letzten drei Jahrzehnte hat Europa gegen über der Organisation eine Politik verfolgt, die mehr oder weniger genau als Appeasement beschrieben werden kann. Im Tausch für eine nicht ausgesprochene Vereinbarung keine Terroranschläge gegen ihre Mitgliedsstaaten zu verüben, hat die EU weggesehen, der Gruppe erlaubt sich auf dem Kontinent zu organisieren, zu operieren und Spendengelder zu sammeln.

Offensichtlich gibt es ein Problem, wenn eine Regierung nahe legt, dass eine Terrororganisation nur dann eine Terrororganisation ist, wenn sie in ihrem jeweiligen Land agiert. Das gilt besonders für die EU, die einen sich über einen Kontinent erstreckende regionale Union ist, die vorgibt die kollektiven und höchsten Ideale liberaler Demokratie zu symbolisieren und hochzuhalten. Doch wenn die Europäer bezüglich der Hisbollah so eine Art Deal mit dem Teufel gemacht haben, muss beiden etwas aus dem Handel geblieben sein. Die Europäer kauften sich einen langen Zeitraum der Ruhe und haben zumeist Kontrollen oder Verurteilung vermieden. Die Hisbollah hat ein relativ freie Hand gehabt zu agieren.

In den vergangenen Monaten ist aber ein Prozess in Gang gesetzt worden, der die europäischen Führungspolitiker zwingen könnte diesen Status quo zu ändern – und die Folgen für die Hisbollah könnten enorm sein.

Europas offizielle Politik des Herunterspielens der Hisbollah entstand früh in der Geschichte der Organisation. Nach einer Welle an Hisbollah-Anschlägen überall in Europa in den 1980-er Jahren war Europas oberstes Ziel sie nicht mehr stattfinden zu lassen. Die unausgesprochene Vereinbarung zwischen den beiden konzentrierte sich um die Anerkennung der Anwesenheit der Hisbollah – einschließlich Spendenaktionen – in Europa im Tausch dafür, dass es keinen Terrorismus auf europäischem Boden gibt.

Das mag europäische Ängste gelindert haben, aber es hatte schwer wiegende und unbeabsichtigte Folgen. Es machte Europa nicht und politisch und militärisch impotent gegen eine der gefährlichsten Terrororganisationen der Welt, sondern erlaubte der Hisbollah Europa in ihr wirtschaftliches Rückgrat zu verwandeln und eines der mächtigsten kriminellen Unternehmen der Welt zu schaffen. Matthew Levitt vermerkt in einem aktuellen Artikel, die Hisbollah sei „tief in ein breites Spektrum an kriminellen Aktivitäten auf dem Kontinent involviert“. Dazu gehören „Drogenschmuggeln und Geldwäsche“, die Terroristen und andere paramilitärische Aktionen finanzieren, sowie „Spendensammeln und Waffenbeschaffung“ und „Fälschung europäischer und anderer Währungen“.

Dass man sich entschied vor der Tatsache die Augen zu verschließen, dass die die Hisbollah keine Terroranschläge verübte, sie aber kaum als harmlose Kraft in Europa war, verschlimmerte die EU ihre Sünden und konzentrierte sich auf die „positiveren“ Aspekte der Organisation: ihre sozialen Leistungen, ihre romantische Politik, ihre Sorge um die Kinder der militanten libanesischen Schiiten. Vielleicht um den gemachten Handeln zu rechtfertigen wurde Europas durchschaubares Appeasement in aller Stille noch bizarrer: Es gestaltete eine Art Traum-Hisbollah für sich selbst – eine missverstandene, aber irgendwie bewundernswerte Organisation, die half den Libanon zu stabilisieren und soziale Gerechtigkeit sicherzustellen – die dem Terrorgebilde ziemlich unähnlich war, die mehr Amerikaner getötet hatte als jede andere Gruppe außer der Al-Qaida.

Insbesondere ist Europa in das Sozialhilfeprogramm der Hisbollah vernarrt. „Sie sind darin ziemlich professionell“, zitiert die New York Times den Forscher Stephan Rosiny. „Und das ist etwas, von dem einige westliche Spender zugeben, dass einen positiven Eindruck auf einige westliche Politiker macht.“ Das, sagt die Times, „bietet eine Ratio für die gemeinnützigen Netzwerke der Gruppe“ in Europa, die sowohl von Polizei und Geheimdiensten praktisch in Ruhe gelassen werden und den Behörden wenig Möglichkeiten gibt zu wissen, wohin die Gelder tatsächlich gehen. Die Ergebnisse sind offensichtlich und öffentlich gewesen. Der Artikel der Times vermerkt z.B., dass mehr als 1.000 Personen am „Jerusalemtag“ im August 2012 marschierten, „ein Protest gegen die israelische Kontrolle dieser Stadt“, darunter viele offene Unterstützer der Hisbollah. In Amerika würde eine Terrorgruppe, die  Hunderte Unterstützer auf die Straße bringt, ein paar Alarmglocken läuten lassen. Doch die europäischen Behörden verbuchten wenig Sorge, wenn überhaupt. Im Real-Life-Fantasiegemüt der selbstgefälligen Europäer wandelte sich die Hisbollah in einfach eine weitere Aktivisten-Organisation auf einem Kontinent, der mit solchen Gruppen übersät ist.

Die sich herausbildende Legitimität des Stellvertreters des Iran metastasierte sogar ins politische Establishment Europas. Eine Konferenz in Beirut im Februar 2004 zum Beispiel wurde gemeinsam von der Hisbollah und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) organisiert und finanziert; die FES ist ein wichtiger Think Tank der damals in Deutschland regierenden Sozialdemokraten. Man nannte die Konferenz „Internationale Konferenz zur islamischen Welt und Europa in Beirut: Von Dialog zu Verständnis“. NGO-Monitor aus Jerusalem berichtet: „An der Konferenz wirkten Sprecher der Hisbollah und der Hamas mit und zur Tagesordnung gehörte ein Punkt zu ‚Besatzung und Widerstand‘“ – eine ausgelutschte Umschreibung für Gewalt und Mord an Unschuldigen, begangen von Terroristen.

Bill Rammell, ein offizieller Vertreter des britischen Außenministeriums, fasste die allgemeine europäische Sichtweise zur Hisbollah 2009 so zusammen: „Wir werden zusehen weiter zu diskutieren und unser vorrangiges Ziel innerhalb diese wird es sein die Hisbollah zu drängen eine konstruktivere Rolle zu spielen, sich insbesondere von der Gewalt wegzubewegen.“ Europa hat sich, kurz gesagt, selbst überzeugt, dass ihre Umarmung der Hisbollah am Ende eine gute Sache ist und irgendwann helfen wird aus ihr eine friedfertigere Organisation zu machen.

Infolge einer Kombination aus Angst, Wunschdenken und fehlgeleiteten politischen Realismus hat Europa eine Sicht der Hisbollah entwickelt, die zur Rechtfertigung seines Nichtstuns geschaffen ist. Einfach gesagt ist Europas rosafarbene Sicht der Terrororganisation zum Wächter des Status quo geworden. Die einsame Ausnahme dazu sind die Niederlande, die die Hisbollah 2004 als Terrorgruppe klassifizierte.

Der Hisbollah-Mythos blieb noch bis Juli letzten Jahres intakt. Doch das Bild könne sich jetzt ändern, hauptsächlich weil die Hisbollah ihren stillschweigenden Deal mit Europa aufgekündigt zu haben scheint, indem sie Terroranschläge auf dem Kontinent wieder aufnahm. Insbesondere der Bombenanschlag auf einen israelischen Touristenbus in der bulgarischen Ferienstadt Burgas scheint für einige führende Europäer als Schock gekommen zu sein. Der Anschlag, bei dem fünf Israelis und ihr bulgarischer Busfahrer getötet und 32 weitere Personen verletzt wurden, wurde von Geheimdienstquellen der USA und Israels rasch und glaubwürdig einer gemeinsamen Aktion des Iran und der Hisbollah zugeschrieben.

Europäische Führungspolitiker verarbeiteten diese Gräueltat allerdings nur langsam. Viele hielten am Mythos der Hisbollah als einer Art Sozialdienst fst, die lose den weit entfernten Militanten angehört. Erato Kozakou-Marcoullis z.B., damals Außenministerin von Zypern, das zu der Zeit die rotierende EU-Präsidentschaft inne hatte, sagte: „Die libanesische Hisbollah ist eine Organisation, die aus einer politischen Partei und einem Netzwerk von sozialen Diensten besteht.“ Gleichzeitig fügte sie aber an: „Sollte es handfeste Beweise dafür geben, dass die Hisbollah Terrorakte betreibt, würde die EU darüber nachdenken die Organisation auf die Liste zu setzen.“

Solche Beweise tauchten bald darauf ausgerechnet aus dem Land dieser Ministerin auf. Neun Monate nach dem Anschlag von Burgas verurteilte ein zypriotisches Gericht Hossam Taleb Yaacoub wegen der Planung eines weiteren Terroranschlags auf israelische Touristen im Auftrag der Hisbollah. Der Inhaber der schwedischen sowie libanesischen Staatsbürgerschaft gestand sowohl Mitglied der Organisation zu sein als auch „Informationen über die Juden zu sammeln. Das macht meine Organisation überall auf der Welt.“

Weitere Beweise türmten sich zu Hisbollah-Operationen in Europa. Bulgariens damaliger Innenminister Tsvetan Tsvetanov bestätigte im Februar, dass zwei der der verdächtigten Burgas-Bomber „Mitglieder des militanten Flügels der Hisbollah waren“. Ermittler, fügte er an, hatten außerdem Informationen aufgedeckt, „die die Finanzierung und die Verbindung zwischen der Hisbollah und den zwei Verdächtigen zeigen“. Im Januar 2013 deutete ein Bericht des Washington Institute for Near East Policy mit dem Titel „Hezbollah and the Qods Force in Iran’s Shadow War with the West“ (Hisbollah und die Quds-Kräfte in Irans Schattenkrieg mit dem Westen) an, dass „innerhalb weniger Tage nach der Explosion in Burgas – während sich die Ermittlungen zum Bombenanschlag und die Suche nach Komplizen auf ihrem Höhepunkt befanden – von den bulgarischen Behörden berichtet wurde, sie hätten einen Agenten der Quds-Kräfte ertappt, der eine Synagoge in der Hauptstadt des Landes auskundschaftete“. Die Verletzbarkeit Osteuropas als leichtes Einfalltor für Agenten der Hisbollah und des iranischen Regimes wurde weiter hervorgehoben, als eine gut platzierte Quelle in Sofia mir Anfang April erzählte, dass ein iranischer Agent das jüdische Chabad-Zentrum in der bulgarischen Hauptstadt observierte.

Die vielleicht wichtigste Entwicklung sind jedoch nicht Beweise für die Terroraktivitäten der Hisbollah gewesen, sondern der dramatische Anstieg des öffentlichen Interesses aus Washington. Während seines Besuchs in Israel im März sagte Präsident Barack Obama in Jerusalem einem Publikum aus Studenten: „Jedes Land, das Gerechtigkeit wertschätzt, sollte die Hisbollah als das benennen, was sie wahrlich ist: eine Terror-Organisation.“

Daher ist die Frage: Wie viel länger wird Europa seine Seite des Teufelspaktes mit der Hisbollah aufrecht erhalten?

Es hat einige Zeichen gegeben, dass praktisches Handeln gegen die Hisbollah kommen könnte. Ein Sprecher des deutschen Innenministers Hans-Peter Friedrich sagte mir Mitte April, dass Deutschlands Entscheidung die Hisbollah zu verbieten von den Beweisen abhängig sein würde, die in den Verfahren in Bulgarien und Zypern gesammelt würden. Frankreich und Deutschland, die einflussreichsten EU-Länder, haben weitere Anzeichen gegeben, dass sie zumindest bereit sind den „militärischen Flügel“ der Hisbollah auf die EU-Terrorliste zu setzen, wenn schon nicht die Organisation als Ganzes. Großbritannien hat das bereits getan; Außenminister William Hague drängt die EU dem Beispiel zu folgen.

Eine solche Kompromiss-Kennzeichnung ist für Frankreich und Deutschland zweifelsfrei verlockend, doch es wäre weitgehend bedeutungslos. Zwar ein Schritt in die richtige Richtung, würde es den politischen und finanziellen Operationen der Hisbollah in Europa gestatten weiterzumachen, womit der Status quo praktisch erhalten würde. Genau aus diesem Grund haben die Regierungen von Israel, Kanada, den USA und den Niederlanden jeden Schritt der EU abgelehnt, der anstrebt eine Unterscheidung zwischen den militanten, finanziellen und politischen Aktivitäten der Gruppe zu machen. Und während Deutschlands Regierung bezüglich ihrer Haltung zur Hisbollah vage bleibt, hat ein Parlamentarier wiederholt ein komplettes Verbot gefordert.

Philipp Missfelder, Bundestagsabgeordneter und außenpolitischer Sprecher der Christlich-Demokratischen Union der deutschen Kanzlerin Angela Merkel lehnt den Kompromiss, nur den militärischen Flügel der Hisbollah auf die Liste zu setzen, ab. „Die Europäische Union muss jetzt handeln und ihre Instrumente zur Klassifizierung der Hisbollah als Terrororganisation nutzen“, erklärte Missfelder; er hat auch vorgeschlagen, dass Deutschland einseitige Schritte nach dem Vorbild der Niederländer unternimmt und die Trennung zwischen verschiedenen Flügeln der Organisation ablehnt.

Die Hisbollah selbst räumt beide Punkte ein. Entsprechend formulierte es ihr stellvertretender Führer Naim Qassem: „Einen militärischen und einen politischen Flügel haben wird nicht.“ 2009 sagte der der Los Angeles Times: „Dieselbe Führung, die die parlamentarische und Regierungsarbeit leitet, führte auch die Jihad-Aktionen im Kampf gegen Israel.“ Und ihre Führer bestätigen, dass ein europäischer Schritt gegen sie der Organisation schweren Schaden zufügen würde. So wird in dem Artikel der New York Times oben berichtet, dass selbst der Führer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, sagte, ein solcher Schritt würde

die Finanzquellen austrocknen, die moralische, politische und materielle Unterstützung beenden, Stimmen abwürgen, seien sie die Stimmen des Widerstands oder die Stimmen der Unterstützung des Widerstands; er würde Druck auf Staaten ausüben, die den Widerstand auf die eine oder andere Weise schützen und Druck auf den libanesischen Staat, den Iran und den Irak, besonders aber den libanesischen Staat ausüben, um ihn als Staat zu einzustufen, der Terrorismus unterstützt.

Doch trotz der offensichtlichen Vorteile die terroristische Natur der Hisbollah anzuerkennen und der fortgesetzten Komplizenschaft an der Todesmaschine, die in Syrien am Werk ist, sind die EU-Führer immer noch wenig begeistert, wenn es um die Aussicht geht, gegen die Gruppe vorzugehen. Stellt sich die Frage: Warum?

Der offensichtlichste Grund ist Angst. Einfach gesagt: Dass die Hisbollah Terrorismus einsetzt, ist bemerkenswert erfolgreich dabei gewesen den EU-Regierungen Angst einzujagen. Sie haben große Angst davor Vergeltung gegen europäische Ziele zu provozieren. Europäische Offizielle sind dazu recht offen. Letzten November zum Beispiel sagte Frankreichs Botschafter in Israel, Christophe Bigot, dass die Hisbollah auf die schwarze Liste zu setzen Hunderte französischer Soldaten gefährden würde, die als UNO-Friedensschützer im südlichen Libanon stehen. Österreich hat ähnliche Sorgen bezüglich der eigenen Truppen zum Ausdruck gebracht. Deutschlands Inlandsgeheimdienst (der Verfassungsschutz) hat 950 Hisbollah-Mitglieder innerhalb der Staatsgrenzen dokumentiert, von denen viele aktiviert werden könnten, sollte die Hisbollah sich entscheiden an deutschen Zielen Vergeltung zu üben. Obwohl solche Befürchtungen nicht völlig irrational sind, sollten festgehalten werden, dass die Niederländer, die Amerikaner und die Kanadier trotz der Listung der Hisbollah als Ganzem noch keine gewalttätige Vergeltungsakte erleben mussten.

Zu großen Druck auf den Libanon auszuüben ist eine weitere wichtige Rechtfertigung vieler europäischer Regierungen, die geltend machen, die Hisbollah zu einem politischen und diplomatischen Paria zu machen destabilisiere den zerbrechlichen Staat. Gilles de Kerchove, der Terrorbekämpfungs-Koordinator der EU, sagt z.B.: „Zur Hisbollah könnte man angesichts der Lage im Libanon, der ein höchst fragiles, höchst zersplittertes Land ist, fragen, ob sie auf die Liste zu setzen überhaupt helfen wird zu erreichen, was Sie erreichen wollen.“

Der Libanon ist sicher ein ungemein instabiles Land, doch man kann argumentieren, dass die Hisbollah einer der wichtigen Faktoren ist, die zu dieser Instabilität beitragen. Tony Bradan, Research Fellow bei der Foundation for Defense and Democracies, fasst das Thema zugespitzt zusammen:

Sich eine scheinbar so selbstlose Haltung zu eigen zu machen ist ziemlich bequem. Es gewährt den Europäern den Anschein einer umsichtigen Urteilsfähigkeit, was sie in die Lage versetzt die Sache komplett zu umgehen, ohne Rücksicht auf die Belege. In Wirklichkeit hat die Hisbollah das Land und seine Bürger in praktisch jeder Hinsicht unterwandert. Lässt man sie unbehelligt, untergräbt die Hisbollah nicht nur die Sicherheit, die Institutionen und das politische System des Libanon, sondern ist auch dabei seine Auslandsbeziehungen zu kompromittieren, sein Finanzsystem zu ruinieren und zu zerstören, was immer von seinem gesellschaftlichen Zusammenhalt übrig ist.

Badran vermerkt mehrere Gründe dafür. Zuerst einmal wird die Hisbollah wegen dem Mord am ehemaligen Premierminister Rafiq Hariri durch eine Autobombe im Jahr 2005 beschuldigt und „vier ihrer Kommandeure und Agenten sind als Verdächtige benannt worden“. Die Hisbollah wird verdächtigt Hariri im Auftrag des syrischen Geheimdienstes verdächtigt. Sie ist auch stark in den syrischen Bürgerkrieg involviert – wo sie für das herrschende Regime Assad kämpft – und droht diesen Konflikt in den Libanon hinein auszubreiten. Religiös motivierte Gewalt ist im Libanon infolge des Krieges bereits im Anstieg begriffen. Es gibt außerdem starke Belege dafür, dass die Organisation einen weiteren Krieg mit Israel vorbereite. Seit ihr letzter Konflikt mit dem jüdischen Staat 2006 endete deuten konservative Schätzungen an, dass die Hisbollah rund 60.000 Raketen auf Nordisrael ausgerichtet hat. Wenig könnte die libanesische Stabilität mehr bedrohen als ein weiterer unnötiger Krieg mit Israel.

Europas stillschweigendes Abkommen mit der Hisbollah hätte irgendwann einmal Sinn machen können, wenn auch nur auf der machiavellistischsten, pragmatischsten Ebene. Doch heute ist nur schwer zu erkennen, welchen möglichen Nutzen die EU daraus zieht. Sie hat die Hisbollah nicht davon abgehalten den Terror auf dem Kontinent wieder aufzunehmen. Sie hat Europas moralisches und politisches Ansehen in der Welt untergraben. Das ist für die Hisbollah von großem wirtschaftlichen Nutzen gewesen, zum Nachteil von Europas Strafrecht. Und es droht genau die Stabilität im Libanon und dem weiteren Nahen/Mittleren Osten zu untergraben, die Europa erhalten will.

Gleichzeitig stärkt das Versagen der EU zu handeln die Hisbollah genau in dem Moment, in dem die Organisation so anfällig ist wie noch nie. Die Hauptquelle der militärischen Unterstützung der Hisbollah ist der Iran. Der derzeitige Bürgerkrieg in Syrien, in dem die Hisbollah auf Seiten von Bashar Assad eingriff, droht die geografische Verbindung zwischen dem Iran und dem Libanon zu unterbrechen, was es der Hisbollah erschweren würde sich zu bewaffnen. Doch solange die Organisation weiterhin wirtschaftliche Unterstützung durch Spendensammlung und kriminelle Aktivitäten in der Europäischen Union erhält, wird die Organisation in der Lage sein ihre militärischen Fähigkeiten mit anderen Mitteln wiederherzustellen. Im Ergebnis wird die Hisbollah weiterhin israelische und europäische Bürger bedrohen, das mörderische syrische Regime verteidigen, die iranische Politik im Nahen Osten voranbringen und den Libanon als Geisel für ihre Forderungen halten.

Die Welt hat derzeit eine Gelegenheit der Hisbollah einen bedeutenden, vielleicht tödlichen Schlag zu versetzen, doch sie kann es nicht ohne europäische Hilfe tun. Der Terroranschlag in Bulgarien und der vereitelte Versuch in Zypern sollten alle Beweise sein, die die europäischen Führungspolitiker brauchen, um zu dem Schluss zu kommen, dass ihre Beziehung zur Hisbollah nicht länger in ihrem Interesse ist, wenn sie das denn je war. Der Teufel hat sein Wort bereits gebrochen. Wie lange wird es dauern – und welchen Preis wird die Welt zahlen müssen – bevor Europa handelt?

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