Das Schweigen der niederländischen Medien zum weit verbreiteten Hass auf Israel
1. Mai 2013 um 12:58 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Antisemitismus, Manfred Gerstenfeld, Niederlande
Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)
Rund 5 Millionen Niederländer glauben, dass Israel Völkermord begeht. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Bielefeld in Deutschland.1 1000 Niederländer wurden befragt, ob Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt. Mehr als 38% der Befragten bejahten das.
Ich schrieb einen Artikel über diese von vielen Niederländern vertretenen Überzeugungen, die den dunklen, antisemitischen Ansichten ähneln, die während des Mittelalters verbreitet wurden. Ich schickte ihn an zwei niederländische Zeitungen. Beide lehnten einen Abdruck ab. Dann wurde er auf einem der größten niederländischen Blogs eingestellt, Dagelijkse Standaard.2 Dieser Blog wird auch von Journalisten der großen niederländischen Zeitungen gelesen, doch sie veröffentlichten nichts über die Studie. Nur der kleine christliche Internet-Radiosender Pillar of Fire, dessen Chefredakteur von den Ergebnissen des Berichts schockiert war, kontaktierte mich, um ein Interview zuführen.3
Viele wichtige niederländische Medien veröffentlichen triviale Artikel zu Israel, solange die negativ genug sind. Sowohl die erbärmliche Überzeugung von rund 5 Millionen Niederländern als auch das Schweigen der Medien zum extremen Hass auf Israel spiegeln Aspekte dessen, was in der niederländischen Gesellschaft radikal falsch läuft. Ich erhielt allerdings einige private Reaktionen. Mehrere kamen von Weißwäschern, die sagten, die Ergebnisse seien falsch. Sie ignorierten nicht nur diese deutsche Studie, sondern auch eine Studie von Eurobarometer aus dem Jahr 2003, die feststellte, dass 59% der Europäer glauben Israel sei eine Bedrohung für den Weltfrieden. Kein anderes Land wurde von so vielen Befragten so gesehen. Der Anteil in den Niederlanden war mit 74% der höchste unter den EU-Staaten.4
Im Rückblick unterscheidet sich die Wirklichkeit stark von der Wahrnehmung. Die Niederländer, nicht die Israelis, kämpften an der Seite der Amerikaner in Afghanistan, während andere europäische Staaten sich ihnen im Irak-Krieg anschlossen. Das hatte wichtige Konsequenzen für die Weltordnung. Darüber hinaus war die Zahl der Toten in beiden Kriegen weit höher als die aller Feldzüge mit Beteiligung Israel.
Einige wenige weitere Niederländer, die mir wegen des Artikels schrieben, waren schockiert. Ein niederländischer Journalist informierte mich, dass meine Schlussfolgerungen korrekt seien, er aber glaube, dass sie vom niederländischen Volk nicht anerkannt würden. Zu einer dritten Gruppe gehörten diejenigen, die sich all der großen Probleme bezüglich Normen, Werten und Einstellungen in den Niederlanden sehr bewusst sind. Einige von ihnen glauben, dass die Rückentwicklung des Landes so aussieht, dass es keine Hoffnung für die Zukunft gibt. Ein Akademiker schrieb: „Leider war dieser Artikel nötig.“
Das Schweigen der niederländischen Medien half dem Image der Niederlande nicht sonderlich. Die Story der teuflischen Sicht, die 5 Millionen Niederländer von Israel haben, wurde im überall Internet aufgegriffen. Ein internationaler jüdischer Fernsehsender widmete dem eine Nachrichtenmeldung5, der von YNetNews aufgegriffen wurde.6 Kanadas größte jüdische Zeitung erwähnte ihn auf ihrer Internetseite.7 Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Dekan des Simon-Wiesenthal-Zentrums, brachte das Thema während eines Treffens im Büro des stellvertretenden niederländischen Ministerpräsidenten Lodewijk Asscher diesem gegenüber auf. Er forderte Asscher auf, die extremistischen Ansichten vieler Niederländer zu Juden und Israel zu bekämpfen. Die Nachrichten zu diesem Treffen verbreiteten sich ebenfalls im Internet.8
In Jerusalem besuchte mich ein Journalist eines niederländischen Fernsehsenders. Er zog in Betracht mit mir ein Interview über die deutsche Studie zu führen, gab seine Idee aber sehr schnell auf. Ich sagte ihm, dass niederländische Journalisten wichtige Informationen oft nicht veröffentlichen. Er antwortete: „Sie beleidigen mich und meine Kollegen!“
Doch das Fehlen einer Reaktion auf meinen Artikel ist nur ein kleines Beispiel des manchmal lange andauernden Schweigens oder der Verzerrung durch niederländische Medien und Institutionen zu wichtigen negativen niederländischen Themen. 1969 wurde Raymond Westerling, niederländischer Kommandeur einer Armee-Einheit, von einem niederländischen Fernsehjournalisten interviewt. Seine Einheit hatte in den 1940-er Jahren einen Aufstand auf der inzwischen indonesischen Insel Celebes niedergeschlagen. Westerling gab zu, dass seine Soldaten größere Kriegsverbrechen begingen, darunter Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren. Er machte geltend, dass ihm nichts passieren könnte, weil die niederländischen Behörden davon wussten. Zum Teil wegen Drohungen, die die Medien erhielten, wurde das Interview erst 2012 gesendet.9
Während so genannter niederländischer „Polizeiaktionen“ in den späten 1940-erJahren in Niederländisch Indien wurden angeblich rund 150.000 Menschen von Kombattanten beider Seiten getötet. Mit offiziellem Auftrag untersuchte der niederländische Historiker Cees Fasseur vor ein paar Jahrzehnten von niederländischen Soldaten verübte Verbrechen. 2008 gab er zu, dass diese Recherche oberflächlich war.10
Im Jahr 2000 interviewten die niederländischen Fernsehjournalisten Alfred Edelstein und Karin Coevorden Menschen im Dorf Rawagede auf der indonesischen Insel Java. Dort wurden während der „Polizeiaktionen“ unschuldige Zivilisten von niederländischen Soldaten ohne Gerichtsverfahren exekutiert. Rawagedes Einwohner waren vom Besuch der Journalisten in ihrem Dorf überrascht und sagten ihnen, dass ähnliche Morde durch die niederländisch-indonesische Armee in einer Reihe weiterer Dörfer in der Gegend geschahen.11
In den Jugoslawien-Kriegen während der 1990-er Jahre fand in der Stadt Srebrenica ein Völkermord statt. Den niederländischen UNO-Soldaten dort wurde von ihrer Regierung gesagt sie sollten die Stadt verlassen – ohne Autorisierung durch die UNO. Danach ermordeten bosnische Serben zwischen 6.000 und 8.000 männliche Muslime aus Srebrenica. Eine mehrjährige Studie des Niederländischen Instituts für Kriegsdokumentation (NIOD) befand, dass die niederländische Regierung nichts vom Risiko für die Zivilbevölkerung wusste, als sie ihren Soldaten die Flucht befahl. Kurz nach der Veröffentlichung dieses Berichts erklärten zwei Minister dieser Regierung, Jan Pronk und Els Borst, öffentlich, dass diese wichtige Erkenntnis der langatmigen Studie nicht wahr sei und dass die Regierung die Risiken kannte. Als ich ein paar Jahre später die ehemalige stellvertretende Premierministerin Borst interviewte, bestätigte sie mir das.12
All das ist Geschichte. Die Frage lautet nun: Wie lange werden die niederländischen Medien dem niederländischen Volk die Daten der Universität Bielefeld zum extremen Antiisraelismus in den Niederlanden verheimlichen?
Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.
1 Andreas Zick, Beate Küpper, Andreas Hövermann, ‘Intolerance, Prejudice and Discrimination. A European Report’, Friedricht Ebert Stiftung Forum Berlin, 2011, 57. library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf
2 Manfred Gerstenfeld: Nederlands Duivelse Visie op Israel. Dagelijkse Standaard, 6. März 2013.
3 Jack van der Tang, Pillar of Fire, Interview im Internetradio. 12. März 2013. (www.radioisrael.nl)
4 European Commission: Iraq and Peace in the World. Eurobarometer Survey, No. 151, November 2003.
5 Jewish News 1, http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=UeB3hRW97XI#!
6 Report: Dutch anti-Semitism widespread. Y-net News, 21. März 2013.
7 Dutch antisemitism widespread: report. 28 März 2013, www.jewishtribune.ca/news/2013/03/28/antisemitism-watch-7.
8 Rabbi Warns Dutch about Fatwa against Churches and Synagogues. Israel National News, 22. April 2013. http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/167348
9 Lidy Nicolasen: Kapitein Westerling geeft in tv-interview wandaden op Zuid-Celebes toe. Volkskrant, 14. August 2012.
10 Nota over wandaden in Indonesië is onvolledig. Novum, 3. Dezember 2008. http://binnenland.nieuws.nl/537720
11 persönliches Gespräch mit Alfred Edelstein.
12 Manfred Gerstenfeld, Interview with Els Borst-Eilers: Nederland moet excuses aanbieden aan de Joodse gemeenschap. In: Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland, (Amsterdam, Van Praag, 2010).
Auf Englisch erschien der Text auf den Times of Israel blogs.
Die baltischen Länder, der Holocaust und Antisemitismus
29. April 2013 um 14:45 | Veröffentlicht in Europa | 2 KommentareSchlagwörter: Antisemitismus, Manfred Gerstenfeld
Manfred Gerstenfeld interviewt Efraim Zuroff (direkt vom Autor)
Der zeitgenössische Antisemitismus in den baltischen Ländern knüpft an dominante, klassisch antisemitische Themen der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg an. Zu diesen gehören Bezichtigungen angeblicher jüdischer Kontrolle der Weltwirtschaft, des Bankensystems und der Medien.
In den vergangenen Jahrzehnten sind neue Erscheinungsformen des Antisemitismus hinzugekommen. Die sensibelsten Fragen in den zeitgenössischen baltischen Staaten betreffen deren Beziehungen zum Holocaust. Dazu gehört auch die Art und Weise, wie mit diesen Themen seit 1990/1991 umgegangen wurde, seit Litauen, Lettland und Estland ihre Unabhängigkeit wiedererlangten.
Efraim Zuroff ist der Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums (SWC) in Israel. Er ist weithin als „der letzte Nazijäger“ bekannt. Zuroff verbrachte einen Großteil seines Arbeitslebens mit der Suche nach Nazi-Kriegsverbrechern und nach Beweisen, die für deren Verurteilung gebraucht wurden.
Er merkt an: Eine wichtige historische Frage betrifft Holocaust-Verbrechen, an denen örtliche Nazi-Kollaborateure in allen drei Ländern beteiligt waren. Litauer, Letten und Esten ermordeten sowohl ihre jüdischen Nachbarn als auch Auslandsjuden, die aus ihren Ländern zur Tötung deportiert wurden. Baltische Einheiten der Sicherheitspolizei wurden auch an andere Orte geschickt, in erster Linie nach Weißrussland und Polen, um dort bei der Ermordung der Juden zu helfen.
Die größten Spannungen mit diesen Ländern wird durch die fehlende Strafverfolgung und Bestrafung örtlicher Nazi-Kriegsverbrecher, die Frage der kommunalen und persönlichen Entschädigung der Juden und die widersprüchlichen Schilderungen der Ereignisse während des Zweiten Weltkriegs verursacht. Die baltischen Länder betrachten die Ortsansässigen, die den Kommunismus bekämpften, als Helden, egal, ob sie Juden ermordeten und/oder die Nazis unterstützten.
Der einzige Unterschied in der Haltung der drei baltischen Länder ist der Umfang und die Intensität der oben angeführten Fragen. Sie sind mit der Größe der jüdischen Gemeinschaften der Vorkriegszeit, ihrer Bedeutung innerhalb der Gesellschaft wie auch in der jüdischen Welt verbunden. Nach der Rückkehr Wilnas und seines Umlands nach Litauen im Herbst 1939 lebten etwa eine Viertelmillion Juden im Land. Damals gab es 90.000 Juden in Lettland und 4.500 in Estland.
Keines der baltischen Länder hat sich seiner Mitwirkung an den Verbrechen des Holocaust gestellt. Sie binden in ihre Programme zur Holocaust-Bildung keine genauen Fakten über die Verwicklung der örtlichen Kollaborateure in die Morde ein, auch nicht das umfangreiche Ausmaß ihrer Beteiligung, die Tatsache, dass sie alle Freiwillige waren, die bei zahlreichen Gelegenheiten zur Schau gestellte unglaubliche Grausamkeit sowie die Tatsache, dass diese Mörder in erster Linie durch Patriotismus motiviert waren.
In den seltenen Fällen, in denen örtliche Beteiligung zugegeben wird, schreibt man sie gewöhnlich einzig kriminellen oder marginalen Elementen zu, obwohl die Kollaboration mit den Nazis bei der Ermordung der Juden alle Schichten der baltischen Gesellschaft umfasste – ein Phänomen das in Litauen besonders erwähnenswert war. Dazu kommt die irrige Identifizierung aller Juden mit den verhassten Kommunisten.
Die Situation in Litauen unterscheidet sich von der in Lettland und Estland, wo es zahlenmäßig beträchtliche russische Minderheiten gibt. Diese haben klare politische Agenden. Sie stellen sich standhaft gegen die Umschreibung der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust, wie auch das Verstecken der Verbrechen örtlicher Nazi-Kollaborateure. In Lettland und Estland geben die russischsprachigen Medien dieser Opposition kampfstark Ausdruck. Es gibt jedoch keine ethnischen Letten und Esten, die Partner bei diesen Themen sind. Die örtliche ethnische Presse ist ebenfalls beständig einer „patriotischen“ und stark nationalistischen Linie gefolgt. Alle drei Länder erlauben, dass Feiern überlebender Nazis, Neonazis und Ultranationalisten stattfinden können.
Eine dazugehörige Konfliktquelle ist die Veröffentlichung der Prager Erklärung von 2008. Sie wirbt für die Falschmeldung der Gleichwertigkeit von Verbrechen der Nazis und der Kommunisten und fordert ein breites Spektrum an Schritten. Die Erklärung lehnt die Anerkennung der Einzigartigkeit des Holocaust ab, der auf der Totalität eines Programms der Nazis zur Auslöschung des jüdischen Volkes gründete. Nie war ein solcher Plan gegen ein anderes Volk entwickelt worden, ganz zu schweigen vom Versuch seiner Durchführung. Ein zweites einzigartiges Charakteristikum der Schoah ist die Art und Weise, in der sie umgesetzt wurde – durch industriellen Massenmord, wie es ihn in der Geschichte der Menschheit noch nie gab. Besonders Litauen spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung und Förderung der Prager Erklärung. Das Land wird am 1. Juli 2013 die EU-Präsidentschaft übernehmen, was daher höchst problematisch sein könnte.
Die jüdischen Gemeinden sind klein. In Litauen gibt es 3.500 bis 4000 Juden. In Lettland gibt es zwischen 10.000 und 12.000 und in Estland 3.500. Die in den beiden letzten Ländern lebenden Juden sind zumeist nicht dort geboren. Diese Gemeinden spielen in ihren örtlichen Gesellschaften kaum eine Rolle.
Größtenteils hat es bisher keinerlei Verbindung zwischen der kläglichen Bilanz der drei baltischen Länder in mit dem Holocaust in Zusammenhang stehenden Fragen, dem Vorhandensein örtlichen „klassischen“ Antisemitismus und jeder Art von Antizionismus gegeben. Die gegen Juden hetzende extreme Rechte hat wenig politische Macht. Doch in Litauen hat sie bezüglich ihrer nationalistischen Agenda einigen Einfluss auf die Mainstream-Parteien.
So weit antiisraelische Gefühle im Baltikum gehen, werden diese oft in Kommentaren auf Internet-Nachrichtenportalen zum Ausdruck gebracht, doch die Auslöser solcher Feindseligkeit gegenüber oder unfairer Kritik an Israel sind fast unvermeidlich Dinge, die mit dem Holocaust im Zusammenhang stehen. Es hat bisher keine großen Differenzen zwischen den verschiedenen baltischen politischen Parteien gegeben, wenn es um Themen mit Bezug zu Israel geht. Im Gegenteil haben diese Länder beständig enge politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Israel angestrebt. Es ist sowohl ironisch als auch traurig, dass Israels fast totale Weigerung sie wegen ihrer dürftigen Bilanz in Dingen, die mit der Schoah zusammenhängen, zu kritisieren den Weg zu guten Beziehungen mit allen drei baltischen Ländern geebnet haben dürfte.
Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.
Amsterdam verhängte Geldbußen und Steuern gegen versteckte Holocaust-Überlebende
9. April 2013 um 14:30 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | 1 KommentarSchlagwörter: Antisemitismus, Niederlande, Zweiter Weltkrieg
Studentin entdeckt, dass die Stadt Überlebende noch bis 1947 verfolgte; Verwaltung will ermitteln
The Times of Israel, April 2, 2013
Den Haag (JTA) – Die Stadt Amsterdam stellte gegen Hunderte jüdischer Holocaust-Überelbende Bußbescheide aus, weil die keine Steuern gezahlt hatten, während sie sich versteckt hielten oder in Konzentrationslagern saßen.
Die Angelegenheit wurde am 30. März in einem Artikel in Het Parool, einer Lokalzeitung, veröffentlicht. Viele der fraglichen Häuser wurden konfisziert und von Mitgliedern der niederländischen Nazispartei NSB genutzt, während die jüdischen Eigentümer sich versteckten oder in Lagern waren.
Die Stadt verfolgte die Überlebenden noch bis 1947, hieß es in dem Bericht. Andere niederländische Gemeinden erließen solche Schulen, berichtete Het Parool. Im Jahr darauf erstattete die Stadt die Hälfte dessen, was sie einigen Juden in Rechnung gestellt hatte, die in Abwesenheit zur Kasse gebeten worden waren. In den Archiven der Stadt befinden sich 342 Erstattungsersuchen, berichtete Het Parool.
Die Dokumente dieser Steuersachen wurden von Charlotte van den Berg entdeckt, einer 23-jährigen Studentin. Sie sagte, sie fand sie mit Gummiband zusammengebunden im Archiv einer der Dezernate der Stadt, als sie zu jüdischen Hausbesitzern recherchierte.
Ein Sprecher der Stadt sagte der Zeitung, die Stadt würde die Sache untersuchen, einschließlich der Frage, wie viel Geld von Holocaustüberlebenden eingezogen wurde; die Untersuchung wird zusammen mit dem NIOD-Instistut für Krieg, Holocaust und Völkermordstudien durchgeführt werden.
Rund 75 Prozent der 140.000 Menschen zählenden jüdischen Bevölkerung der Niederlande vor dem Zweiten Weltkrieg wurde im Holocaust ermordet, gibt das Center for Information and Documentation on israel an, eine Watchdog-Organisation zu Antisemitismus, die vor Ort unter ihrem Akronym CIDI bekannt ist.
Ronny Naftaniel, der oberste Berater des CIDI sagte gegenüber der JTA, dass diese Entdeckung zwar „schockierend“ sei, es aber verschiedene Berichte zum Verhalten der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben habe, wenn auch „die Fakten nicht bekannt waren. Die Stadt Amsterdam hat meines Wissens nie Schritte unternommen, dieses Tun zu korrigieren“, sagte Naftaniel, der früher als Schatzmeister im Jüdischen Zentralvorstand der Niederlande (CJO) diente.
Antisemitismus in Europa
3. April 2013 um 15:12 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Islam | 1 KommentarSchlagwörter: Antisemitismus
Guy Millière, Gatestone Institute, 1. Februar 2013
Juden, die das können, verlassen Europa. Diejenigen, die nicht die Mittel haben zu gehen, wissen, dass sie extrem vorsichtig sein müssen: Es ist wieder gefährlich in Europa Jude zu sein. Noch gefährlich ist es, ein Jude zu sein der Israel unterstützt.
2012 stieg die Zahl antisemitischer Verbrechen in Frankreich stark an. Die sechs Monate nach den Morden an einer jüdischen Schule in Toulouse waren besonders brutal. Der Mörder, Mohammed Merah wurde in vielen Vororten zum Helden, sein Name fand sich auf vielen Graffitis. Für einige Menschen ist Kinder in den Kopf zu schießen offenbar gerechtfertigt, denn dass sie Juden sind inspiriert.
Obwohl Taten wie die der Morde in Toulouse nirgendwo sonst ein Äquivalent fanden, ist Frankreich keine Ausnahme: Statistiken zeigen, dass Beleidigungen, Übergriffe und Hassgeschrei gegen Juden ist in ganz Europa vervielfältigen. Jüdische Schulen, Synagogen und jüdische Kulturzentren werden überall bedroht und brauchen dringend strengere Sicherheitsmaßnahmen.
Führungspolitiker sagen, ihnen sei das Problem bewusst und sie seien zum Handeln entschlossen. Im November sagte der französische Präsident François Hollande: „Der Kampf gegen Antisemitismus hat oberste Priorität.“ Angela Merkel benutzte ein paar Wochen später in Deutschland dieselben Worte. Anfang Dezember, nach einer Steigerung verbaler und physischer antisemitischer Vorfälle in Großbritannien, sagte David Cameron, er wolle „den Antisemitismus direkt anpacken“.
Worte wie diese, die in den letzten Jahrzehnten viele Male in den Mund genommen wurden, hatten aber eindeutig keine Wirkung. Die kehrten den Trend nicht um.
Wenn europäische Führungspolitiker und Kommentatoren von Antisemitismus sprechen, sind sie sehr vage und geben fast nie detailliertere Erklärungen. Sie sagen nie, warum Antisemitismus abscheulich und gefährlich ist. Sie führen eine Art abstraktes Ritual durch, das mehr und mehr von der Realität losgelöst zu sein scheint.
Andererseits verweisen europäische Führungspolitiker und Kommentatoren, wenn sie präziser werden, allgemein nur auf einen gewissen Typ Antisemitismus: den faschistischen Antisemitismus. Selbst wenn faschistischer Antisemitismus nicht verschwunden ist, ist er heute in Europa nicht der heftigste Antisemitismus und an dem Großteil der antisemitischen Verbrechen beteiligt. Es ist so, als würden sie eine Krankheit bekämpfen, indem sie nur einen einzigen Aspekt der Krankheit benennen und ihre wichtigste Dimension auslassen.
Europäische Führungspolitiker und Kommentatoren sprechen fast nie vom bösartigsten Strang des Antisemitismus im heutigen Europa: dem islamischen Antisemitismus. Sie haben Angst die beiden Worte „islamisch“ und „Antisemitismus“ zusammen auszusprechen. Sie wissen, wenn sie das tun, werden sie sofort beschuldigt „rassistisch“ und „islamophob“ zu sein. Sie wissen, dass muslimische Organisationen anfangen in den Mainstream-Medien zu sagen, dass Muslime unfair „stigmatisiert“ werden. Sie wissen auch, dass die muslimische Bevölkerung in Europa rasch zunimmt und dass einige ihrer Mitglieder mit Gewalt reagieren werden.
Es gibt heute in Europa keinen Kampf gegen islamischen Antisemitismus. Wollte ein nicht muslimischer Buchhändler „Die Protokolle der Weisen von Zion“ in Paris, Berlin oder Brüssel verkaufen, würde die Polizei sofort eingreifen und er würde verhaftet und käme vor Gericht. Wenn ein muslimischer Buchhändler dasselbe tun will, dann kann er es, ohne irgendetwas zu riskieren. Würde ein französischer oder deutscher Fernsehsender sich entscheiden eine antisemitische Sendung auszustrahlen, würde er geschlossen und es gäbe einen Skandal. Islamische Fernsehsender strahlen antisemitische Sendungen aus, die in Europa ein breites Publikum anziehen und niemand traut sich darüber zu reden.
Ein weiterer Grund, dass wegen Antisemitismus in Europa niemals jemand wachgerufen wird, ist die Verbreitung von „Antizionismus“. Die „palästinensische Sache“ und das „Leiden des palästinensischen Volks“ sind die Hauptsorge einer wachsenden Zahl von Europäern geworden, die eigenartigerweise nicht am Leiden irgendeines anderen Volks interessiert sind – z.B. dem der Syrer. Israel ist das Land geworden, das zu hassen in Mode gekommen ist. Weit verbreiteter Hass gegen eine israelische Regierung nach der anderen hat zu Hass gegen die jüdische Bevölkerung und Hass gegen Juden allgemein geführt, besonders wenn sie Israel unterstützen.
Europäische Führungspolitiker und Kommentatoren bekämpfen „Antizionismus“ nicht, außer er wird extrem und wenn seine antisemitische Dimension nicht mehr zu verbergen ist. Viele scheinen antiisraelische Vorurteile zu haben und bewusst oder unbewusst zur Verbreitung dieses Hasses beizutragen.
Antisemitismus in Europa ist heute wie ein komplexer, dunkler Nebel. Er schließt Überbleibsel des faschistischen Antisemitismus ebenso ein wie zunehmende Grade an islamischem Antisemitismus; diesem Mix ist noch der „Antizionismus“ hinzuzufügen. Faschistische Antisemiten schließen sich oft, um ihren Antisemitismus zu verbergen, „antizionistischen“ Bewegungen an, wo sie Hand in Hand mit islamischen Antisemiten arbeiten, um Proteste gegen Israel zu organisieren. Islamische Antisemiten nutzen Elemente der faschistischen Propaganda und verbreiten sie ohne Einschränkung.
Europäische Führungspolitiker und Kommentatoren geben vor Antisemitismus zu bekämpfen; einige von ihnen mögen glauben, dass sie tatsächlich Antisemitismus bekämpfen. Doch so lange sie den gesamten Nebel nicht einbeziehen und so lange sie sich nicht klar gegen all seine Komponenten aussprechen, ist das, was sie sagen und was sie tun sinnlos.
Juden, die das tun können, verlassen Europa. Diejenigen, die nicht die Mittel haben zu gehen, wissen, dass sei extrem vorsichtig sein müssen: Es ist wieder gefährlich in Europa Jude zu sein. Noch gefährlich ist es, ein Jude zu sein der Israel unterstützt.
Juden, die öffentlich Israel verachten oder die sagen, das jüdische Volk existiere nicht, werden weithin gelobt. Was Theodor Lessing in einem 1930 in Deutschland veröffentlichten Buch „jüdischen Selbsthass“ nannte, schwängert die Atmosphäre einmal mehr.
Die dunkelste Zeit der Geschichte Europas in Erinnerung zu rufen mag pessimistisch erscheinen. Und diejenigen, die sagen Geschichte wiederhole sich nicht, haben vermutlich Recht, aber gewisse Formen der Heimtücke scheinen besonders fähig neue Kleider zu finden, damit sie überleben und wieder zu gedeihen.
In einem Interview mit einem französischen Magazin sagte vor ein paar Jahren ein Mann, der das Todeslager in Auschwitz überlebte: „In den 1930-er Jahren fanden Pessimisten Wege zu überleben; es waren die Optimisten, die starben.“
Österreichischer Antisemitismus und Antiisraelismus
1. April 2013 um 14:14 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa, Medien+Nahost | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Antisemitismus, Österreich
Manfred Gerstenfeld interviewt Anton Pelinka (direkt vom Autor)
Antisemitismus in Österreich drückt sich in klassischen Vorurteilen und außerdem verkleidet als Antizionismus aus. Die Tendenz, Juden mit Ausbeutung und rein spekulativem Kapitalismus zu identifizieren, ist immer noch in Teilen der österreichischen Gesellschaft zu beobachten – besonders bei älteren und weniger gebildeten Menschen. Perverserweise werden Juden gleichzeitig oft für alle Varianten des Kommunismus verantwortlich gemacht. Es hat allerdings seit einer Reihe von Jahren keine Berichte über antisemitische Gewalt im Land gegeben.
Die jüdische Gemeinschaft in Österreich ist klein. Sie zählt nur 10.000 Mitglieder, von denen 9.000 in Wien leben. Juden repräsentieren damit kaum ein Tausendstel der 8,5 Millionen zählenden Bevölkerung Österreichs.
Professor Anton Pelinka ist ein führender und international bekannter Politikwissenschaftler. Er ist Professor für das Studium des Nationalsozialismus und Politikwissenschaften an der Zentraleuropäischen Universität in Budapest.
Die Leute, die antisemitische Taten begehen, kommen aus verschiedenen Hintergründen. Es gibt mehrere rechtsextreme Organisationen, von denen manche Verbindungen zur weit rechts stehenden Freiheitlichen Partei haben. Ein Aspekt ihres Antisemitismus ist historischer Revisionismus, der von der Verneinung der deutschen Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg bis zu seiner extremsten Form, der Holocaust-Leugnung reicht.
Ein zweites, eher kleines antisemitisches Segment sind extrem konservative Katholiken. Sie beleben alte christlich-antisemitische Stereotype neu, darunter „die Juden sind die Christusmörder“. Zu ihnen gehört die „Pius-Bruderschaft“. Eine dritte Gruppe sind weit links stehende „Antizionisten“ und Globalisierungsgegner.
Die Österreichisch-Arabische Gesellschaft ist eine offen antiisraelische Lobby. Sie hat mehrere Verbindungen zur Sozialdemokratischen Partei. Diese Organisation besteht zumeist aus linken Österreichern, die behaupten der antizionistischen Politik des verstorbenen jüdischen Kanzlers Bruno Kreisky zu folgen. Sie könnten infolge der Umbrüche in arabischen Staaten seit 2011 etwas an Einfluss verloren haben.
Österreichs derzeitige Regierung – eine Koalition aus den Sozialdemokraten und der konservativen Österreichischen Volkspartei – achtet gewöhnlich sorgfältig darauf sich auf keine Seite zu stellen, wenn es um den israelisch-arabischen Konflikt geht. Aber 2012, als die UNESCO über die Mitgliedschaft der Palästinenser entschied, stimmte Österreich dafür. Österreich stimmte auch für den „Nichtmitgliedsstaat“-Status Palästinas in der UNO-Vollversammlung.
Einige österreichische Politiker sich heftig antiisraelisch geäußert. Der extremste Fall von zweierlei Maß, der immer ein wichtiges Merkmal des Antisemitismus war, ereignete sich im Frühjahr 2010. Damals kritisierte der gesamte Wiener Stadtrat – der aus Sozialdemokraten, Freiheitlichen, ÖVP und den Grünen besteht – Israels Angriff auf die Mavi Marmara, das türkische Schiff in der Gaza-Flottille. Syrien hat der Rat jedoch nie verurteilt.
Ein weiteres Beispiel gab es im Mai 2012, als der Sozialdemokrat Norbert Darabos – damals noch Verteidigungsminister – sagte, Avigdor Lieberman sei als israelischer Minister „untragbar“. Diese konzentrierte Diskriminierung war ein typisches Beispiel latenter antiisraelischer Einseitigkeit in allen Parteien Österreichs. Von Darabos gibt es keine Aufzeichnung kritischer Äußerungen über irgendeinen anderen Außenminister.
Die Kronenzeitung, Österreichs auflagenstärkste Tageszeitung, nimmt eine sehr ambivalente Haltung ein: Die Zeitung ist moderat pro-israelisch, spielt aber auch Beispiele weit rechten und Neonazi-Extremismus herunter. Die zweitgrößte landesweite Zeitung, der Kurier, ist traditionell pro-israelisch und auch weit kritischer zu Aspekten der Nazivergangenheit Österreichs. Die führenden „Qualitäts“-Zeitungen Die Presse und Der Standard sind zumeist unparteiisch, wenn es um Israel geht. Der Standard kritisiert Fehltritte der österreichischen Behörden im Umgang mit Neonazi-Gruppen. Ihr Journalist Hans Rauscher und die Wochenzeitung Profil stellen regelmäßig Antisemitismus bloß.
Die österreichischen Medien sind sehr sprunghaft. Sie benutzen oft einen bestimmten Politiker wie den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu für allgemeineres Israel-Bashing. Israels Politik wird auf schärfere Weise kritisiert, als wenn Länder wie Frankreich, Ägypten, Österreich oder der Iran für dieselbe Politik verantwortlich sind. Derartiges zweierlei Maß ist auf viele Weise offenkundig. Wenn z.B. ein arabisches Kind im Gazastreifen von einem israelischen Soldaten getötet wird, gibt es einen Aufschrei. Es gibt aber keine Missbilligung, wenn tagtäglich Hunderte Araber in Syrien von anderen Arabern getötet werden.
Es gibt aber auch Gruppen, die Antizionismus bekämpfen. Eine ist „Café Critique“, die hauptsächlich aus jungen Intellektuellen besteht. Sie kritisieren antiisraelische Einseitigkeit, z.B. wenn die existenzielle Notwendigkeit der Selbstverteidigung Israels ignoriert wird. Sie gehen auch gegen Antisemitismus in der muslimischen Welt vor, insbesondere gegen den im Iran.
Die Zahl der Muslime nähert sich der halben Million. Die meisten leben in Wien und in geringerem Maß in kleineren Industriestädten im westlichen Österreich. Sie sind zumeist Einwanderer der ersten und zweiten Generation und gehören zu wirtschaftlich schwächeren Teilen der Gesellschaft. Viele Muslime mit türkischem oder bosnischem Hintergrund sind säkular. Es gibt eine fundamentalistische Minderheit wie auch eine kleine Gruppe Konvertiten vom Christentum. Zu diesen gehören extreme Fundamentalisten mit Verbindungen zu talibanartigen Gruppen in Pakistan.
Pelinka schließt: Es wäre ratsam, wenn Israel junge Politiker aus den großen österreichischen Parteien – mit Ausnahme der Freiheitlichen Partei – zu Besuchen einlädt. Sie sollten es nicht nur als Land der Holocaust-Überlebenden sehen, sondern auch als komplexe und multikulturelle Demokratie.“
Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.
Finanziert Norwegen die Mörder von Israelis?
26. März 2013 um 14:41 | Veröffentlicht in Europa | 2 KommentareSchlagwörter: Norwegen, Terroristenfreunde
Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)
Es hat in Norwegen in den letzten Wochen sehr überraschende Entwicklungen gegeben. Der konservative Parlamentarier Peter Gitmark hat im Fernsehen gesagt, dass sein Land indirekt palästinensische Terroristen finanziert.1 Die drei größten Oppositionsparteien des Landes – die Konservativen, die Fortschrittspartei und die Christdemokraten – haben eine Untersuchung der norwegischen Finanzierung der palästinensischen Autonomiebehörde seitens des Parlamentsausschuss für Überprüfung und Verfassungsfragen gefordert.2 Dieser Ausschuss hat das Außenministerium aufgefordert angemessene Dokumentation vorzulegen, die die Finanzierung der an verurteilte Terroristen gezahlten palästinensischen Gehälter klärt.3
Außenminister Barth Eide gab zu, dass sein Vorgänger Jonas Gahr Støre das Parlament zweimal täuschte.4 Er hatte 2011 und 2012 gesagt, sein Ministerium wisse, wohin die norwegischen Hilfsgelder für die PA gingen und dass verurteilte Terroristen in israelischen Gefängnissen nur Taschengeld für die Cafeteria erhielten, während ihren Familien finanzielle Unterstützung gegeben würde. Staatssekretär Torgeir Larsen hat jetzt offengelegt, dass Häftlinge in israelischen Gefängnissen, die langjährige Haftstrafen absitzen, von der PA Zahlungen erhalten.5 Diese Häftlinge können wählen, wem sie dieses Geld geben wollen.6 Mit rund 50 Millionen Dollar jährlichen Zuschüssen an die PA ist Norwegen einer der größten Spendenzahler.7
Das staatliche Fernsehen NRK strahlte am 28. Februar eine Sendung aus, in der es angab, Teile der norwegischen Steuerzahlergelder fließe in die Finanzierung palästinensischer Mörder in israelischen Gefängnissen.8 Das war bemerkenswert, da NRK eine lange Geschichte antiisraelischer Einseitigkeit und verzerrter Berichterstattung zum Nahen Osten hat.
All dies wurde durch Informationen ausgelöst, die von Palestinian Media Watch (PMW) bereitgestellt wurden. Diese zeigten, dass die PA Geld aus ihrem Budget nutzt, um allen palästinensischen Häftlingen, die wegen Sicherheitsvergehen in israelischen Gefängnissen sitzen, Gehälter zu zahlen. Zu den Empfängern gehören auch die, die mehrfach lebenslängliche Haftstrafen wegen Mord verbüßen. Darunter befindet sich Ibrahim Hamed, der Mann, der unter anderem hinter dem Bombenanschlag auf die Cafeteria der Hebräischen Universität steckt und wegen des Mordes an 46 Israelis verurteilt wurde.9
Bis vor Kurzem kam die härteste Kritik an dem massiven Fehlverhalten der von der Arbeitspartei dominierten norwegischen Regierung üblicherweise aus dem Ausland. Mein Buch von 2008 – Behind the Humanitarian Mask: The Nordic Countries, Israel and the Jews (Hinter der humanitären Maske: Die nordischen Länder, Israel und die Juden) – war eine einsame Stimme aus dem Ausland, die dokumentierte, dass Norwegen ein Pionier der Werbung für Israelhass und antisemitisches Handeln ist. Die meisten norwegischen Medienreaktionen dazu sind klassisch gegen interne Andersdenkende und Auslandskritiker gewesen. Man erwähnt sie nicht, doch wenn das nicht mehr zu vermeiden ist, dann werden sie dämonisiert.
Zur selben Zeit gab es keine Studien zu Antisemitismus in Norwegen und damit keine Statistiken, die diese massiven anekdotenhaften Informationen unterstützen. Selbst die mit weniger als 900 Mitgliedern winzige organisierte jüdische Gemeinde Norwegens versuchte öffentlich den hohen Grad des Antisemitismus zu bagatellisieren.
In etwa gleicher Weise verschwiegen 2010 fast alle norwegischen Massenmedien einen Brief des ehemaligen amerikanischen Senators Sam Brownback, den dieser an den norwegischen Botschafter in Washington sandte.10 Er gab Besorgnis hinsichtlich des norwegischen Antisemitismus und Antiisraelismus Ausdruck. Sie war von Dokumentationen des Simon Wiesenthal-Zentrums begleitet, die Beispiele der Unterstützung antiisraelischen Hasses durch den norwegischen König, den Premierminister, den Außenminister, den Finanzminister und den stellvertretenden Umweltminister auflisteten. So weit bekannt, erhielt Brownback nie eine Antwort.
Ein Durchbruch bei der Aufdeckung aus dem Ausland kam, als Harvards Juraprofessor Alan Dershowitz 2011 Norwegen besuchte. Die Universitäten von Oslo, Bergen und Trondheim lehnten sein Angebot eines kostenlosen Vortrags zu internationalem Recht und Israel ab. Die Studentenvereinigungen organisierten darauf alternative Vorträge.11 Dershowitz schrieb danach einen Artikel im Wall Street Journal, in dem er sagte, dass Norwegen ihn an Südafrika unter dem Apartheidregime erinnere.12
Ein paar Monate später zeigte eine von der Stadt Oslo in Auftrag gegebene Studie, dass ein Drittel aller jüdischen Oberstufenschüler mindestens zwei- oder dreimal im Monat verbal oder physisch belästigt werden.13 Eine Studie des Zentrums zur Studie von Holocaust und religiösen Minderheiten aus dem Jahr 2012 zeigte, dass 38% der Norweger der Aussage zustimmen, dass Israel sich gegenüber den Palästinenser auf dieselbe Weise verhält wie die Nazis gegenüber den Juden handelten.14 Die Autoren der Studie beschönigten in ihrem Fazit diese Ergebnisse, indem sie sie nicht in ihre Antisemitismus-Statistiken übernahmen. Ihnen muss bewusst gewesen sein, dass Israel einen Nazistaat zu nennen nach der Europäischen Arbeitsdefinition für Antisemitismus antisemitisch ist.
Derweil sind interne norwegische Stimmen gegen diese antiisraelische Hass-Hetze stärker geworden. Eine ist die Organisation MIFF, die Israel unterstützt. Eine weitere ist die norwegische Sachbuchautorin Hanne Nabintu Herland. Sie behauptet, dass Norwegen das antisemitischste Land des Westens ist.15 Ihr Ansehen im Land ist so herausragend, dass selbst wichtige internationale Medien das drucken mussten.
Gegenwärtig liegen die Oppositionsparteien in den Umfragen zur Parlamentswahl im September 2013 klar vorne.16 Die beiden größten – die Konservativen und die Fortschrittspartei – haben sich bereits auf eine positive Veränderung der Haltung zu Israel geeinigt, sollten sie gewinnen.17 In diesem Zusammenhang bekommt der derzeitige Druck auf die Regierung die Finanzierung palästinensischer Terroristen zu beenden noch mehr Bedeutung.
Fußnoten:
1 «Dagsrevyen, 13: Gjest Peter Gitmark,» NRK, 28. Februar 2013, http://tv.nrk.no/serie/dagsrevyen/nnfa19022813/28-02-2013#t=22m11s
2 «Frp: Norge bør true palestinerne med pengestans,» Dagen, 11. März 2013, http://www.dagen.no/2013/03/11/samfunn/palestinere/palestinske_selvstyreomrader/fanger/114951
3 ebenda
4 «Feilinformerte Stortinget om pengestøtte til palestinske fanger ,» Verdens Gang, 12. März 2013, http://www.vg.no/nyheter/utenriks/artikkel.php?artid=10108398
5 «Dagsrevyen, 12: Lønn til Palestinske terror-fanger,» 28. Februar 2013, http://tv.nrk.no/serie/dagsrevyen/nnfa19022813/28-02-2013#t=18m16s
6 „PMW report in UK Parliament: UK money pays terrorist salaries.” Palestinian Media Watch, http://palwatch.org/main.aspx?fi=157&doc_id=7592
7 «Dagsrevyen,» 28. Februar 2013, http://tv.nrk.no/serie/dagsrevyen/nnfa19022813/28-02-2013#t=18m16s
8 ebenda
9 „Norwegian MP says government “indirectly” funds terrorism.” Palestinian Media Watch, 6. März 2013, http://palwatch.org/main.aspx?fi=157&doc_id=8630
10 Brief von Senator Sam Brownback an Botschafter Wegger Strommen, 3. August 2010.
11 «Avvist av universiteter, studenter tar imot ham,» Vårt Land, 23 March 2011, http://www.vl.no/samfunn/avvist-av-universiteter-studenter-tar-imot-ham/
12 Alan Dershowitz: „Norway to Jews: You’re Not Welcome Here, Anti-Semitism doesn’t even mask itself as anti-Zionism”. Wall Street Journal, 20. März 2011.
13 «Kartlegging av kunnskaper og holdninger på området rasisme og antisemittisme, Perduco, April 2011, http://www.utdanningsetaten.oslo.kommune.no/getfile.php/utdanningsetaten%20(UDE)/Internett%20(UDE)/PED/Dok/Rapport_UDA_7.6.2011.pdf
14 «Antisemittisme i Norge? Den norske befolkningens holdninger til jøder og andre minoriteter,» HL-senteret. 20. Mai 2012 , http://www.hlsenteret.no/publikasjoner/antisemittisme-i-norge
15 Manfred Gerstenfeld: Norwegen: das antisemitischste Land des Westens. Interview mit Hanne Nabintu Herland, abseits vom mainstream, 26. März 2013 http://heplev.wordpress.com/2012/03/26/norwegen-das-antisemitischste-land-des-westens/
16 „Ny blåblå rekord på meningsmåling,“ Aftenposten, 14. März 2013. http://www.aftenposten.no/nyheter/iriks/Ny-blabla-rekord-pa-meningsmaling-7146948.html#.UUl2LRyeMrt
17 „ Høyre og Frp varsler mer Israel-vennlig politikk,” Dagbladet, 7. Dezember 2012. http://www.dagbladet.no/2012/12/07/nyheter/politikk/israel/palestina/innenriks/24717585/
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