Der neue NATO-Generalsekretär – nicht nur für Israel problematisch

3. April 2014 um 14:47 | Veröffentlicht in Europa, USA, Weltpolitik | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor Präsident Putins militärischem Handeln innerhalb der Ukraine war vielen Westlern unklar, wie die derzeitige Rechtfertigung der Existenz der NATO aussah. Der Kalte Krieg war Geschichte, warum also weiterhin ein transatlantisches Militärbündnis beibehalten? Doch die jüngsten Spannungen in Osteuropa haben zu großen Sorgen über eine zunehmend unsichere Zukunft geführt.

In diesem Zusammenhang erscheint die Ernennung des ehemaligen norwegischen Premierministers Jens Stoltenberg von der Arbeitspartei zum neuen NATO-Generalsekretär bizarr. Das liegt nicht nur an Norwegens politischer und militärischer Realität unter seiner Führung, die mit der Wahlniederlage im September endete. Die Argumente gegen seine Wahl werden von den Einstellungen seiner Regierung gegenüber Israel gestärkt.

Die Regierung Stoltenberg war die einzige europäische Regierung, der die extreme Linke angehörte. Mehrere Minister wurden von der Partei SV gestellt, zu deren Gründern die norwegischen Kommunisten gehörten. Ingrid Fiskaa von der SV war einige Zeit Staatssekretärin im Umweltministerium. Sie hatte vorher schon erklärt: „Wenn z.B. Palästinenser einem langsamen Völkermord ausgesetzt sind und die UNO nicht viel getan bekommt, dann kommt keine Diskussion auf. Warum nicht? Weil es nicht im Interesse der USA ist. In einigen dunklen Momenten würde ich mir wünschen, dass die UNO einige präzisionsgesteuerte Raketen auf ausgesuchte israelische Ziele schießt.“1

Obwohl Norwegen Soldaten nach Afghanistan schickte, ist seine militärische Wirklichkeit unzulänglich. 2013 sagte der ehemalige norwegische Armeechef, General Sverre Diesen, dass die militärische Verteidigung des Landes weder die Qualität noch die Kapazität hat sich auch nur begrenzten Angriffe auf Norwegen zu stellen.2 Diese militärische Verteidigungssituation wurde 2008 von General Robert Mood, dem Generalinspekteur der norwegischen Armee, auf leicht andere Art zusammengefasst. Er beschrieb das Leistungsvermögen der Armee damals als „nur in der Lage vielleicht ein Viertel von Oslo zu verteidigen, viel weniger als das ganze Land.“3

Die Regierung Stoltenberg legte gegen Israel regelmäßig zweierlei Maß an, ein Verhalten, das zur europäischen Definition antisemitischen Handelns passt. Die Regierung legitimierte de facto bei mehreren Gelegenheiten die völkermörderische palästinensische Terrorbewegung Hamas. Wären ihre Aufrufe Israels Sicherheitsbarriere zu beseitigen erfolgreich gewesen, hätte das palästinensische Terrorakte begünstigt. Sie organisierte außerdem große Festlichkeiten zum hundertfünfzigsten Geburtstag des verstorbenen Schriftstellers Knut Hamsun, einem fanatischen Bewunderer Hitlers.4 Das war nur ein weiteres Beispiel des schlechten Urteilsvermögens eines demokratischen Premierministers.

Stoltenbergs persönliche Unterstützung von Hasspredigten gegen Israel erfolgt hauptsächlich indirekt. Als Premierminister und Parteichef ist er für all den Hass und die Einseitigkeit gegen Israel verantwortlich, die von seiner Regierung ausgingen. In einem Brief an den norwegischen Botschafter in Washington im Jahr 2010 listete der damalige US-Senator Sam Brownback eine Reihe antisemitischer Handlungen der norwegischen Regierung auf. Der Brief erwähnte z.B., dass die norwegische Regierung die Reise zweier linksextremer norwegischer Ärzte in den Gazastreifen während Israels Operation „Gegossenes Blei“ finanzierte. Sie wurden ein Sprachrohr der Hamas. Stoltenberg telefonierte mit diesen Propagandisten palästinensischer Mörder und sagte ihnen: „Ganz Norwegen steht hinter euch.“5

Während seiner Amtszeit finanzierte die norwegische Botschaft in Damaskus eine Ausstellung Israel hassender Gemälde des Künstlers Håkon Gullvag. Der Botschafter sagte bei der Eröffnung: „Diese Ausstellung wird als eine der wichtigsten politischen Ausdrucksformen wahrgenommen, die von einem norwegischen Künstler in langer Zeit gemacht wurde.“6

Die Partei-Jugend AUF ist mit antiisraelischen Hetzern vollgepackt. Nachdem der kriminelle Anders Breivik 2011 Dutzende junger Leute im AUF-Lager auf der Insel Utøya ermordete, wurde bekannt, dass ein beträchtlicher Teil des Lagers der Förderung des Hasses gegen Israel bei seinen Teilnehmern gewidmet war, von denen die jüngsten 14 Jahre alt waren.7

Stoltenberg sprach im Verlauf der Jahre bei mehreren Treffen, auf denen es brutale verbale Attacken gegen Israel gab, zu denen er schwieg. Das Schweigen eines Premierministers deutet an, dass er diese Attacken billigt.

Der jüngste Fall ereignete sich bei den Feiern zum 1. Mai der Gewerkschafts-Dachorganisation LO 2013 in Oslo. Dort sprach Salma Abudahi von der Union of Agriculture Work Committees (UAWC – Gewerkschaft der landwirtschaftlichen Arbeiter) aus Gaza. Davor hatte sie ein Interview gegeben, in der sie Raketen ein „Symbol des Widerstands“ nannte und sagte, besetzte Völker hätten ein Recht sich zu verteidigen. „Es ist wichtig“, sagte Abudahi, „die Verhältnisse zu verstehen. Die Israelis töten ständig unsere Lieben.“ Das war nur ein weiteres Beispiel palästinensischen Schürens von Hass. Stoltenberg sprach auf der Versammlung nach Abudahi und ignorierte deren Hetze in seiner Rede.8

Wenn die NATO glaubt, dass von allen potenziellen Kandidaten diese Person die qualifizierteste ist, um die Tätigkeiten der Allianz zu koordinieren und ihre Belegschaft zu leiten, dann ist das ein Hinweis auf ihre schwachen Urteilskraft. Was Israels Kontakte mit dieser mächtigen Organisation angeht, so wirft Stoltenbergs voraussichtliche Ernennung diese im günstigsten Fall mehrere Schritte zurück.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Olav Østrem: Hauken og duen. Klassekampen, 19. April 2008.
2 www.norwaypost.no/index.php/news/latest-news/28961-former-defence-chief-critical-of-the-armed-forces; übersetzt aus dem Originalartikel von Julie Ryland in Aftenposten.
3 Sveinung Berg Bentzrød, “Army Forced to Sharpen Knife as Cost Cuts Loom,” Aftenposten, 30. Mai 2008.
4 Walter Gibbs: Norwegian Nobel Laureate, Once Shunned, is Now Celebrated. New York Times, 27. Februar 2009.
5 Breaking: Letter from US Senator Brownback on anti-Semitism in Norway. Norway, Israel and the Jews, 10. August 2010.
6 Espen Sandmo und Jan Rye Ravnestad: Gullvåg sensurert i Damaskus. NRK Trøndelag, 17. Oktober 2010.
7 Manfred Gerstenfeld, Interview mit Ivar Fjeld: Preaching Israel-Hatred at Norway’s Terror Island. Israel National News, 27. Januar 2013.
8 Conrad Myrland: Palestinsk taler på Youngstorget tegner fiendebilder og maner til kamp. Med Israel For Fred, 30. April 2013.

Die Wiederaufnahme der Frage der gestohlenen Holocaust-Vermögen am Ende des Jahrhunderts

31. März 2014 um 14:40 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Avi Beker (direkt vom Autor)

Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts kam die Frage der Rückerstattung der während des Holocaust gestohlenen jüdischen Vermögen wieder auf. Diese späte Wiederbelebung des Interesses ist vermutlich das Ergebnis des Zusammenbruchs des Kommunismus und der Beseitigung der sowjetischen Bedrohung sowie des Aufkommens einer neuen und nicht beteiligten Generation in Europa, die begann Fragen zum nationalen Verhalten in der Vergangenheit zu stellen. Das Ende des Kalten Krieges führte zu einem Ausbruch von Emotionen und Bloßstellung der europäischen Holocaust-Erinnerung sowie unterdrückter Schuldgefühle. Dies ermöglichte einen öffentlichen Diskurs, der vorher oft durch Selbstzensur nicht stattfand.

Darüber hinaus halfen das gemeinschaftliche Selbstbewusstsein des organisierten Judentums sich für historische Gerechtigkeit einzusetzen und die wachsende Bereitschaft von Holocaust-Überlebenden ihre Rechte einzufordern, in die europäischen Erinnerung einzudringen und lange bestehende nationale Mythen kritisch zu hinterfragen.
Dr. Avi Beker ist ehemaliger Generalsekretär des World Jewish Congress. Er nahm an Verhandlungen mit mehreren europäischen Regierungen zur Rückerstattung von Holocaust-Eigentum teil. Er gab The Plunder of Jewish Property during the Holocaust (die Plünderung jüdischen Eigentums während des Holocaust) heraus. Derzeit lehrt er internationale Diplomatie an der Universität Tel Aviv.

Die ersten diplomatischen Bemühungen konzentrierten sich auf osteuropäische Länder, die erpicht darauf waren sich der westlichen Welt anzuschließen. Der wirkliche Durchbruch bei Verhandlungen und endgültigen Regelungen erfolgte aber in Westeuropa. In Österreich, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz begann man langsam nationalen Kriegserinnerungen die Stirn zu bieten, wobei die Diskussionen sich auch auf Holocaust-Vermögen verschoben. 1996 ernannte die norwegische Regierung den ersten Ermittlungsausschuss zu Holocaust-Rückerstattung; im selben Jahr veröffentlichte sie als erste Empfehlungen zu einem Kompensationspaket.

Der World Jewish Congress (WJC) initiierte die jüdische diplomatische Offensive zu Holocaust-Vermögen nach dem Fall des Kommunismus. 1992 führte er die Bemühungen zur Gründung der World Jewish Restistution Organization (WJRO). Zu deren Mitgliedern gehörten große amerikanisch-jüdische Organisationen, europäische jüdische Gemeinden und die World Zionist Organization. Der WJC war verantwortlich für die Koordinierung der Kampagne zu Holocaust-Vermögen mit europäischen jüdischen Gemeinden in Europa und der Durchführung von Verhandlungen mit Regierungen. 1992 unterzeichneten der WJC, die WJRO und die israelische Regierung außerdem ein Memorandum, das die Rolle Israels als „natürlichen Erben des jüdischen gemeinschaftlichen und erbelosen Eigentums zusammen mit der jüdischen Welt“ anerkannte.

Der erneuerte Rückerstattungsprozess wurde in Europa, den Vereinigten Staaten und andernorts stark publiziert. Der US-Kongress und die Administration setzten ausländische Regierungen und Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungsgesellschaften unter Druck. Der Rückerstattungsprozess führte zwischen 1996 und 2000 auch zur Gründung von etwa fünfzig nationalen Untersuchungsausschüssen. In einigen Ländern gab es mehrere Ausschüsse, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Rückerstattung beschäftigten. Sie untersuchten, wie Länder sich während des Krieges verhielten und wie nach der Befreiung mit gestohlenem Eigentum umgegangen wurde. Die Erkenntnisse der Ausschüsse wurden in den betreffenden Ländern wie auch den internationalen Medien stark publiziert.

Experten wie Sidney Zabludoff schätzten das jüdische Vorkriegseigentum in Europa auf 10 bis 15 Milliarden US-Dollar zum Nennwert von 1938. Weniger als 20 Prozent davon wurde zurückerstattet. Ab Mitte der 1990-er Jahre beliefen sich Vergleiche mit Ländern und Finanzinstitutionen auf rund $4 Milliarden an Zusagen für eine Vielzahl von Zielen – humanitäre Mittel für bedürftige Überlebende, jüdische Gemeinden und kulturelle Erinnerungsprojekte sowie die tatsächliche Rückgabe von geplündertem Eigentum und Vermögenswerten wie Kunstobjekten. Nur die Hälfte dieser Zusagen wurde bisher eingehalten, manchmal wegen bürokratischer Verzögerungen und manchmal wegen Unstimmigkeiten bezüglich der Zuweisungsziele.

Die Schweiz und ihre Banken boten mit fast $1 Milliarde den größten finanziellen Vergleich, gefolgt von Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Norwegen bot das umfassendste Pro-Kopf-Paket im Verhältnis zu den 2.100 Juden, die dort vor dem Holocaust gelebt hatten.

Der erneuerte Rückerstattungsprozess hatte viele weitere Folgen. Ermittlungen zu Immobilienbesitz und finanziellen Ansprüchen zwangen Staaten sich ihrer Verantwortung für die Ausbeutung und Erpressung der Juden zu stellen, die in den Tod geführt wurden. Dieser Prozess generierte zudem in allen Ländern einen starken Anstieg akademischer Forschung zum Holocaust. Viele Offizielle, insbesondere Staatsoberhäupter, entschuldigten sich für das Verhalten ihrer jeweiligen Länder während des Krieges. Es waren mehr als 50 Jahre für die Holocaust-Erinnerung nötig, mit der sich hauptsächlich Juden beschäftigten, damit sie allgemein akzeptiert wurde.

Enthüllungen in den Medien und die Untersuchungen führten in vielen Ländern zu einer wichtigen Neubewertung der nationalen Geschichte und Erinnerung. Die Einbeziehung von Regierungsvertretern, Intellektuellen, Journalisten und Historikern schuf gemeinsam mit jüdischen Holocaust-Überlebenden Schockwellen in der internationalen öffentlichen Meinung. Staaten beteiligten sich an der Neubewertung ihrer kollektiven Erinnerung, was zu einem Prozess der Neuschreibung der Geschichts-Schulbücher führte.

Beker schließt: Erst am 27. Januar 2005, dem sechzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, kamen viele Führungspolitiker der Welt, einschließlich des Präsidenten der Vereinigten Staaten und europäischet Staatsoberhäupter in das Konzentrationslager, um ihre Zusage für „Nie wieder“ zu verkünden. Im selben Monat verabschiedeten die Vereinten Nationen ihre erste Resolution zum Gedenken an den Holocaust und eröffneten eine Aufstellung zum Thema in ihren Hauptsitz in New York.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war

Als was sie uns bezeichnen

27. März 2014 um 15:43 | Veröffentlicht in Araber, Europa, Israel, Karika-Tour, Nahost, Satire/Humor | Hinterlasse einen Kommentar
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DryBones, 24. März 2014

In der alten Zeit verurteilten Kommunisten Juden als Kapitalisten, während die Rechtsextremen die Juden verurteilten, weil sie Kommunisten seien.

Gestohlene Kunst in niederländischen Museen

24. März 2014 um 14:36 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Rudi Ekkart (direkt vom Autor)

In den späten 1990-er Jahren entwickelte sich ein beträchtliches internationales Interesse zur Frage der Rückerstattung nach dem Krieg. 1997 begann eine von der Regierung finanzierte Vorabuntersuchung zu Kunstobjekten im Besitz des niederländischen Staates, die möglicherweise aus Diebstahl, Beschlagnahmungen oder Zwangsverkäufen durch ihre Eigentümer während des Zweiten Weltkriegs stammten.

1998 begannen niederländische Museen eine ähnliche Untersuchung ihrer Sammlungen. Die Organisation niederländischer Museen (NMV) gründete eine vom Direktor des Rijksmuseum (Nationalmuseum) in Amsterdam, Prof R. de Leeuw geleitete Kommission.

Rudi Ekkart

Prof. Rudi Ekkart
(Foto: Vincent Mentzel)

Er sagt: Eineinhalb Jahre lang sammelten die an der Untersuchung beteiligten Museen viele Informationen. Es wurde entdeckt, dass eine Reihe Museen während der deutschen Besatzung Sammlungen und Objekte privater Eigentümer bei sich aufgenommen hatten. Dadurch überlebte ein Teil des jüdischen Kunstbesitzes den Krieg sicher.

Die Untersuchung betraf auch Objekte, die während des Krieges in Verwahrung genommen worden waren und außerhalb des offiziellen Inventars gelagert wurden. Dazu gehörten Stücke, die Juden gehörten, die den Krieg nicht überlebten und die den Museen zur zeitlich beschränkten sicheren Aufbewahrung übergeben worden waren. Sie wurden später oft unrechtmäßig den Sammlungen der Museen hinzugefügt.

In einigen Fällen bestanden Zweifel über die Herkunft der Werke. Das betraf z.B. Käufe der „Liro Robbery Bank“, die beschlagnahmtes jüdisches Eigentum oder Stücke besaßen oder Werke von deutschen oder enteigneten jüdischen Institutionen erworben hatten. Einige Werke waren auch von Kunsthändlern und Auktionshäusern gekauft worden, die dafür bekannt waren oder verdächtig wurden mit von den deutschen Besatzern beschlagnahmte Kunst gehandelt zu haben. Für eine Reihe Werke blieben Ungewissheiten bestehen.

Ich verglich die Ergebnisse dieser Untersuchung mit internationalen Vereinbarungen in diesem Feld – den Washingtoner Prinzipien zur Rückgabe von durch die Nazis konfiszierte Kunst – und stellte mehrere Löcher fest. Darüber hinaus musste auch nach Stücken gesucht werden, die während eines Großteils des Vorkriegs-Jahrzehnts erworben wurden. Ich begann dann für eine tiefer gehende Nachfolge-Untersuchung zu werben. Letztendlich wurde dieses Projekt 2009 im Namen der Organisation Niederländischer Museen begonnen. Es wurde „Museumsankäufe seit 1933“ genannt. Die niederländische Regierung stellte die Gelder dafür zur Verfügung.

Einhundertzweiundsechzig Museen beteiligten sich an diesem Projekt. Bei seinem Ende 2013 waren zwölf Museen nicht fertig, gaben aber an, wann sie es beenden werden. Dazu gehörte das Nationalmuseum in Amsterdam, das eine riesige Anzahl Werke zu untersuchen hat und dies vollständig erledigt. Die Recherche dort wird noch mehrere Jahre weiter gehen müssen.

Der offizielle Bericht der Kommission wird dieses Jahr veröffentlicht. Bisher sind 139 problematische oder möglicherweise problematische Stücke in 42 Museen gefunden worden. Die meisten wurden in der früheren Untersuchung nicht gefunden. Sie können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Bei weniger als der Hälfte der Stücke ist klar, dass sie zu zwei Sammlungen oder Handelsinventarien gehörten, die geraubt, beschlagnahmt oder aus Zwangsverkäufen erworben wurden. Manchmal fanden wir heraus, wer die Erben der ursprünglichen Eigentümer waren. Die Museen haben sie über ihre Ergebnisse informiert. In anderen Fällen hoffen wir, dass sich Erben infolge unserer Veröffentlichungen melden werden.

In die zweite Kategorie fallen Kunstwerke, zu denen es ernste Zweifel gibt. Wir wissen nicht, ob sie tatsächlich geraubt, beschlagnahmt oder unter Zwang verkauft worden sind. Dazu gehören zum Beispiel Arbeiten, die Sammler oder Händler mit zweifelhaftem Gebaren während des Zweiten Weltkriegs gehörten, Kunstobjekte, die von den deutschen Besatzern zurückgelassen wurden oder Stücke, die aus konfisziertem Besitz von Nazikollaborateuren stammten.

Diese Untersuchung war ein zusätzlicher wichtiger Schritt bei der Entdeckung gestohlener oder unter Zwang verkaufter Kunstwerke, die ihren rechtmäßigen Eigentümern nicht zurückgegeben worden sind. Es ist jedoch noch nicht alles klar. Mehrere wichtige Dinge müssen noch geklärt werden. Man kann unmöglich wissen, welche Kunstwerke in privater Hand Juden gehörten und nicht zurückgegeben wurden. Gelegentlich hören wir von gestohlener Kunst in Privatbesitz. Das gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich, aber wenn ich Kontakt zu einer solchen Person habe, dann sage ich zum Beispiel: „Wenn Sie mit den rechtmäßigen Erben keine Übereinkunft erzielen, dann könnte das Kunstwerk unverkäuflich sein.“ Diese Fälle müssen vertraulich behandelt werden.

Als weitere wichtige Frage, die bleibt, ist die Veröffentlichung einer Gesamtdarstellung im Internet von allem, was über Stücke bekannt ist, die während des Krieges ins Ausland geschickt und von den Alliierten nicht zurückgegeben wurden. Dazu gehören 20.000 Objekte, darunter Hunderte Werke von Museumsqualität. Wo möglich, werden wir auch Bilder dieser Werke auf unserer Internetseite einstellen.

Ekkart schließt: Es wird weitere drei Jahre dauern, bis wir das ganze Projekt abschließen. Ich werde dann zwanzig Jahre lang daran gearbeitet haben. Einige Menschen nennen es mein Lebenswerk.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Europa – gute oder schlechte Nachrichten?

27. Februar 2014 um 15:12 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa, Karika-Tour, Satire/Humor | Hinterlasse einen Kommentar
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Yaakov Kirschen, DryBones, 13. Februar 2014

Die Karikatur stammt aus dem Jahr 2004 – das ist zehn Jahre her und die Lage ist schlechter geworden.

Jüdisch und vorsichtig in Amsterdam

17. Februar 2014 um 15:04 | Veröffentlicht in Europa | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Carla (direkt vom Autor)

In dem Amsterdamer Krankenhaus, in dem ich bis vor kurzem als Pflegerin arbeitete, wurden Bemerkungen wie diese über Juden fallen gelassen: „Ihr Juden habt überall Bekannte.“ Oder: „Ihr Juden seid reich.“ Als ich öffentlich meine jüdischen Überzeugungen zum Ausdruck brachte, wurde ich von vielen als „stereotyp jüdisch“ angesehen.

Ich arbeitete mehr als zehn Jahre an diesem Krankenhaus. Meine Arbeitskollegen wussten, dass mein Sohn in der israelischen Armee gedient hatte. Ich hörte manchmal Sprüche wie: „Da töten sie nur Palästinenser.“ Auch Ärzte und Psychologen sagten das oft. Der Leiter einer medizinischen Abteilung diskutierte regelmäßig und beiläufig „das Leiden der Palästinenser“. Er griff mich immer direkt an, wenn etwas zur israelischen Politik veröffentlicht wurde.

Carla ist mehrere Jahrzehnte Krankenpflegerin gewesen. Angesichts der heutigen Lage in den Niederlanden bat sie für dieses Interview um ein Pseudonym.

Wann immer die niederländischen Medien etwas über Israel schrieben, begannen mehrere Leute mit mir Politisches zu diskutieren. Sie verhielten sich, als würde ich die israelische Politik machen. Niemand würde je jemandem mit Familie in Italien sagen: „Was für etwas Irres hat Berlusconi gerade getan?“

Vor Wahlen fragten mich Menschen, für wen ich stimme. Ich antwortete: „Ich stimme für eine Partei, die Israel unterstützt. Es gibt nicht viele Parteien, die das tun, daher sollten Juden sie unterstützen.“ Ihre Antwort war: „Es gibt weit wichtigere Themen.“ Sie sagten das, während eine beträchtliche Anzahl Niederländer entsprechend eines Parteiprogramms abstimmten, das sich mit Tierschutz befasst.

In den meisten Fällen vermied ich es auf Diskussionen einzugehen. Es macht keinen Sinn mit „normalen Niederländern“ zu diskutieren. Es gibt viele Beispiele für ihre Einstellung. Vor ein paar Jahren besuchte ich mit zwei Kollegen Israel. Ein Abteilungsleiter bemerkte ihnen gegenüber: „Warum geht ihr da hin? Das ist kein Land, in dem man Urlaub macht.“ Er würde das nie über Thailand oder Indonesien sagen. Aber zu Israel und Juden geht alles.

Manchmal habe ich von dieser Haltung die Nase voll. Weil ich nicht immer passiv bleiben wollte, ergriff ich die Initiative. Nach der Affäre mit der Gaza-Flottille zeigte ich ihm im Internet Bilder von Steinschleudern, Messern usw. die auf dem Schiff gefunden wurden. Die Reaktion des Abteilungsleiters war, dass dies normal sei. Er billigte alles, was Israels Feinde taten, so absurd das auch sein mochte.

Auf der Arbeit sagte ich oft, was ich dachte. Ich weiß nicht, ob das mir beruflich schadete. Man kann das nie beweisen. Manchmal ließ ich Dinge einfach unkommentiert, weil ich mich in der Diskussion allein fühlte. Man denkt: „Ich muss weiter mit diesen Leuten arbeiten, also sollte ich vorsichtiger sein.“

Als Jude muss man in den Niederlanden heute vorsichtig sein, was man sagt. In meinem Umfeld sehe ich klar, dass Juden die Außenseiter sind. Würde ich sagen: „Ich könnte nach Israel ziehen, wenn meine Kinder dort bleiben“, dann müsste ich einen feinfühligen Weg finden das zu sagen. Jeder ist dir von Angesicht zu Angesicht gegenüber nett. Ein Niederländer wird selten laut „dreckiger Jude“ zu dir sagen. Doch man weiß nicht, was hinter dem eigenen Rücken gesagt wird. Es gibt in den Niederlanden auch beträchtliche Diskriminierung von Homosexuellen und nicht westlichen Immigranten. Man sollte aber scheinheilige Niederländer damit nicht konfrontieren.

Viele marokkanische, türkische und andere Immigranten-Patienten kamen in unser Krankenhaus. Ich habe immer sorgfältig darauf geachtet meine Religion vor ihnen zu verbergen. Muslimische Frauen tragen Kopftücher. Sie stellen ihre Religion auf diese Weise zur Schau; oder indem sie sagen, dass sie den Ramadan einhalten. Als Jude in den Niederlanden mache ich genau das Gegenteil. Im Allgemeinen wissen die Patienten nicht, dass ich Jüdin bin. Man sieht es mir nicht an. Manchmal trug ich einen kleinen Davidstern. Es hing von der Stimmung ab, in der ich mich befand.

Wenn Muslime entdecken, dass du Jude bist, reagieren manche rassistisch. Ein Marokkaner, dessen Kind ich versorgte, ging zu seinem Hausarzt. Der Vater sagte, er wolle nicht, dass sein Kind von einer jüdischen Krankenpflegerin behandelt wird. Also schickte ihn sein Arzt in ein anderes Krankenhaus. Ich fand die Reaktion dieses Arztes sehr problematisch.

Ich erwähnte diese Erfahrung mit dem marokkanischen Vater gegenüber meinem Team, zu dem auch zwei Ärzte und ein Psychologe gehörten. Ich sagte ihnen: „Es ist eines, wenn dieser Vater das tut. Aber dass der Arzt dem nachgab, ist etwas völlig anderes.“ Meine Kollegen lachten mich aus. Danach hatte ich das Gefühl, ich müsste diesen Leuten gegenüber vorsichtiger sein.

Ich berichtete den Fall mit dem marokkanischen Vater und der Reaktion seines Arztes bei CIDI, einer niederländischen Organisation, die sich mit Antisemitismus beschäftigt. Sie sagte, sie würden einen Brief an medizinische Zeitschriften schicken. Ich habe von ihnen nichts weiter gehört.

Inzwischen habe ich einen anderen Arbeitsplatz bekommen. Ich spreche dort nicht über meine Religion und gebe nur minimale Informationen zu meinem Hintergrund. Für Juden in den Niederlanden ist es zunehmend schwierig geworden unsere Religion offen zu zeigen. Es gibt dabei mehrere Faktoren: die Zunahme der muslimischen Bevölkerung, der Rechtsruck in der Gesellschaft und zunehmende Intoleranz in der Niederlanden. Weitere Faktoren sind die Verschlechterung an geschichtlichem Wissen und die Aushöhlung niederländischer Normen und Werte.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

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