Achtzig Prozent der gestohlenen Holocaust-Vermögenswerte wurde nie zurückgegeben

21. April 2014 um 14:24 | Veröffentlicht in Deutschland, Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Sidney Zabludoff (direkt vom Autor)

Fortschritte bei der Rückerstattung gestohlenen jüdischen Vermögenswerte nach dem Krieg erfolgten extrem langsam und dauerten bis in die frühen 1970-er Jahre. In dieser Zeit verschob sich der Schwerpunkt von der Rückgabe von Eigentum in besetzten Ländern zu Druck auf ein wirtschaftlich relativ gesundes Deutschland, damit es mehr für die von den Nazis durchgeführten Plünderungen zahlte. Höchstens 15 Prozent der von 1934 bis 1945 beschlagnahmten jüdischen Vermögenswerte wurden in der ersten Runde der Rückerstattungen an frühere Eigentümer, ihre Erben und jüdische Organisationen, die erbenlose Anspruchsteller repräsentierten, zurückgegeben.

Ein weithin veröffentlichter Rückgabeversuch wurde nach Mitte der 1990-er Jahre unternommen. Mehrere internationale Konferenzen versuchten sich um die unbezahlten Verpflichtungen zu kümmern, es wurde aber wenig erreicht. Den letzten Versuch gab es 2009 in Prag. Obwohl Delegierte herzzerreißende Reden hielten und Rückgabe forderten, wurde kein effektives Mittel eingeführt, um die gestohlenen Vermögenswerte zurückzugeben oder zu vergüten.

Sidney Zabludoff ist ein Ökonom, der dreißig Jahre für das Weiße Haus, die CIA und das Finanzministerium gearbeitet hat. Nach seiner Pensionierung 1995 konzentrierte er sich hauptsächlich auf Fragen, die mit der Rückgabe während der Zeit des Holocaust gestohlenen jüdischen Vermögens zu tun haben.

Die umfangreichsten Vereinbarungen der zweiten Runde waren Zahlungen für inaktive Schweizer Bankkonten und an die 2.100 Juden, die vor dem Holocaust in Norwegen lebten. Beide Fällen repräsentierten einen kleinen Teil des gesamten gestohlenen jüdischen Vermögens. Gleichzeitig hatten die weithin öffentlich gemachten Bemühungen Lebensversicherungsansprüche der Internationalen Kommission für Ansprüche aus der Zeit des Holocaust (ICHEIC) zurückzuzahlen lediglich rund 3 Prozent Rückzahlungen zur Folge.

Am Ende wurden bis Mitte der 1990-er Jahre weniger als 5 Prozent der jüdischen Holocaust-Vermögenswerte zurückgegeben. Damit bleiben mehr als 80 Prozent des Wertes jüdischer Aktiva, die von den Nazis und ihren Kollaborateuren gestohlen wurden, ungezahlt. Das beläuft sich auf mindestens $180 Milliarden nach Wert von 2013.

Am meisten wissen wir über die Entwicklungen in Deutschland. Bis 1954 war die Rückgabe unter den Gesetzen der Alliierten im Wesentlichen abgeschlossen. Ein beträchtlicher Teil der Zahlungen danach bis 1997 erfolgte unter dem BRÜG-Gesetz von 1957, das die Entschädigung für von den Nazis gestohlenes bewegliches Eigentum regelte, das der Anspruchsberechtigte identifizieren, aber nicht länger lokalisieren konnte. Dazu gehörten hauptsächlich Haushaltsgegenstände, Bankkonten, Schmuck und Wertpapiere. Sie wurden fast 750.000 Anspruchsberechtigten ausgezahlt, denen Vermögenswerte in ganz Europa gehörten.

Etwa ein Viertel der Entschädigungszahlungen infolge dieses Gesetzes wurde an Juden gezahlt, die in den späten 1930-er Jahren in Deutschland lebten. Ein unbekannter, aber beträchtlicher Anteil der Zahlungen – vielleicht ein Viertel – ging an Juden, die außerhalb von Deutschland lebten und während der 1930-er Jahre aus Deutschland entkamen. Eine weitere Hälfte wurde an Juden in besetzten Ländern Europas gezahlt.

Alle in allem wurden nicht mehr als rund 12 Prozent der in Deutschland beschlagnahmten jüdischen Vermögenswerte von vor dem Krieg zurückgegeben. Die Zahl ist infolge der Entwertung der deutschen Währung nach dem Krieg so niedrig. Für Österreich wurde etwa ein Drittel des geplünderten Gesamtwerts zurückgegeben, während es für den Rest der westeuropäischen Länder zwischen 40% und 60% waren. In Osteuropa scheint es unwahrscheinlich, dass mehr als 5 Prozent des jüdischen Eigentums zurückgegeben wurde.

Der niedrige Gesamtanteil erstatteter jüdische Holocaust-Vermögenswerte kann zwei wichtigen Aspekten zugeschrieben werden. In Deutschland – auf das rund 25% der gestohlenen jüdischen Werte entfiel – gab es wegen Währungsreformen niedrige Wertfestsetzungen. In Osteuropa – das rund 60% der beschlagnahmten jüdischen Eigentums hatte – gab es eine lange Zeit kommunistischer Herrschaft.

Im Rückblick auf den gesamten Rückerstattungsprozess merkt Zabludoff an: Die Haager Konvention zu internationaler Kriegsführung von 1907 war ein Meilenstein, der festlegte, dass Privateigentum nicht beschlagnahmt werden kann, Plünderung verboten ist und dass religiöse, Wohlfahrts- und Bildungsinstitutionen, die Künste und Wissenschaften als Privateigentum behandelt werden müssen.

Bald nach dem Wiedergewinn ihrer Unabhängigkeit setzten alle besetzten Länder Rückerstattungsverordnungen in Kraft. Die Alliierten kamen bei der Pariser Konferenz von 1945 überein, dass der Nazikrieg gegen die Juden diese zu einer für Entschädigung berechtigte besondere Gruppe machte. Als solche hatten individuelle Juden das Recht von Deutschland Zahlungen für verlorenes Eigentum und andere Schäden fordern.

Holocaust-Rückerstattung blieb nach dem Zweiten Weltkrieg wegen nationaler Interessen von geringer Priorität. Zusätzlich wurde sie höchst kompliziert, da so viele Juden und ihre Erben tot waren. Man könnte das schlechte Ergebnis während beider Zeiten der Rückerstattung damit zusammenfassen, dass man sagt, es war ein Versäumnis eine einzigartige, umfassende und angemessene Anstrengung zu unternehmen, mit einem in den Annalen der modernen Geschichte beispiellosen Ereignis umzugehen – der Auslöschung von mehr als zwei Drittel der Juden des europäischen Kontinents und der Beschlagnahme fast all ihrer Vermögenswerte.

Die Notwendigkeit einzigartiger Lösungen wurde von Nahum Goldmann, dem Vorsitzenden des World Jewish Congress, bei seinem ersten Treffen mit Kanzler Konrad Adenauer betont; eine breite Regelung zu Rückerstattung sollte vorgeschlagen werden. Er erklärte: „Ich weiß, dass ich etwas Ungewöhnliches verlangte. Aber das war ein einzigartiger Fall… Ich kann von Ihnen erwarten, dass sie herkömmliche Regularien außer Kraft setzen.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Der neue NATO-Generalsekretär – nicht nur für Israel problematisch

3. April 2014 um 14:47 | Veröffentlicht in Europa, USA, Weltpolitik | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Vor Präsident Putins militärischem Handeln innerhalb der Ukraine war vielen Westlern unklar, wie die derzeitige Rechtfertigung der Existenz der NATO aussah. Der Kalte Krieg war Geschichte, warum also weiterhin ein transatlantisches Militärbündnis beibehalten? Doch die jüngsten Spannungen in Osteuropa haben zu großen Sorgen über eine zunehmend unsichere Zukunft geführt.

In diesem Zusammenhang erscheint die Ernennung des ehemaligen norwegischen Premierministers Jens Stoltenberg von der Arbeitspartei zum neuen NATO-Generalsekretär bizarr. Das liegt nicht nur an Norwegens politischer und militärischer Realität unter seiner Führung, die mit der Wahlniederlage im September endete. Die Argumente gegen seine Wahl werden von den Einstellungen seiner Regierung gegenüber Israel gestärkt.

Die Regierung Stoltenberg war die einzige europäische Regierung, der die extreme Linke angehörte. Mehrere Minister wurden von der Partei SV gestellt, zu deren Gründern die norwegischen Kommunisten gehörten. Ingrid Fiskaa von der SV war einige Zeit Staatssekretärin im Umweltministerium. Sie hatte vorher schon erklärt: „Wenn z.B. Palästinenser einem langsamen Völkermord ausgesetzt sind und die UNO nicht viel getan bekommt, dann kommt keine Diskussion auf. Warum nicht? Weil es nicht im Interesse der USA ist. In einigen dunklen Momenten würde ich mir wünschen, dass die UNO einige präzisionsgesteuerte Raketen auf ausgesuchte israelische Ziele schießt.“1

Obwohl Norwegen Soldaten nach Afghanistan schickte, ist seine militärische Wirklichkeit unzulänglich. 2013 sagte der ehemalige norwegische Armeechef, General Sverre Diesen, dass die militärische Verteidigung des Landes weder die Qualität noch die Kapazität hat sich auch nur begrenzten Angriffe auf Norwegen zu stellen.2 Diese militärische Verteidigungssituation wurde 2008 von General Robert Mood, dem Generalinspekteur der norwegischen Armee, auf leicht andere Art zusammengefasst. Er beschrieb das Leistungsvermögen der Armee damals als „nur in der Lage vielleicht ein Viertel von Oslo zu verteidigen, viel weniger als das ganze Land.“3

Die Regierung Stoltenberg legte gegen Israel regelmäßig zweierlei Maß an, ein Verhalten, das zur europäischen Definition antisemitischen Handelns passt. Die Regierung legitimierte de facto bei mehreren Gelegenheiten die völkermörderische palästinensische Terrorbewegung Hamas. Wären ihre Aufrufe Israels Sicherheitsbarriere zu beseitigen erfolgreich gewesen, hätte das palästinensische Terrorakte begünstigt. Sie organisierte außerdem große Festlichkeiten zum hundertfünfzigsten Geburtstag des verstorbenen Schriftstellers Knut Hamsun, einem fanatischen Bewunderer Hitlers.4 Das war nur ein weiteres Beispiel des schlechten Urteilsvermögens eines demokratischen Premierministers.

Stoltenbergs persönliche Unterstützung von Hasspredigten gegen Israel erfolgt hauptsächlich indirekt. Als Premierminister und Parteichef ist er für all den Hass und die Einseitigkeit gegen Israel verantwortlich, die von seiner Regierung ausgingen. In einem Brief an den norwegischen Botschafter in Washington im Jahr 2010 listete der damalige US-Senator Sam Brownback eine Reihe antisemitischer Handlungen der norwegischen Regierung auf. Der Brief erwähnte z.B., dass die norwegische Regierung die Reise zweier linksextremer norwegischer Ärzte in den Gazastreifen während Israels Operation „Gegossenes Blei“ finanzierte. Sie wurden ein Sprachrohr der Hamas. Stoltenberg telefonierte mit diesen Propagandisten palästinensischer Mörder und sagte ihnen: „Ganz Norwegen steht hinter euch.“5

Während seiner Amtszeit finanzierte die norwegische Botschaft in Damaskus eine Ausstellung Israel hassender Gemälde des Künstlers Håkon Gullvag. Der Botschafter sagte bei der Eröffnung: „Diese Ausstellung wird als eine der wichtigsten politischen Ausdrucksformen wahrgenommen, die von einem norwegischen Künstler in langer Zeit gemacht wurde.“6

Die Partei-Jugend AUF ist mit antiisraelischen Hetzern vollgepackt. Nachdem der kriminelle Anders Breivik 2011 Dutzende junger Leute im AUF-Lager auf der Insel Utøya ermordete, wurde bekannt, dass ein beträchtlicher Teil des Lagers der Förderung des Hasses gegen Israel bei seinen Teilnehmern gewidmet war, von denen die jüngsten 14 Jahre alt waren.7

Stoltenberg sprach im Verlauf der Jahre bei mehreren Treffen, auf denen es brutale verbale Attacken gegen Israel gab, zu denen er schwieg. Das Schweigen eines Premierministers deutet an, dass er diese Attacken billigt.

Der jüngste Fall ereignete sich bei den Feiern zum 1. Mai der Gewerkschafts-Dachorganisation LO 2013 in Oslo. Dort sprach Salma Abudahi von der Union of Agriculture Work Committees (UAWC – Gewerkschaft der landwirtschaftlichen Arbeiter) aus Gaza. Davor hatte sie ein Interview gegeben, in der sie Raketen ein „Symbol des Widerstands“ nannte und sagte, besetzte Völker hätten ein Recht sich zu verteidigen. „Es ist wichtig“, sagte Abudahi, „die Verhältnisse zu verstehen. Die Israelis töten ständig unsere Lieben.“ Das war nur ein weiteres Beispiel palästinensischen Schürens von Hass. Stoltenberg sprach auf der Versammlung nach Abudahi und ignorierte deren Hetze in seiner Rede.8

Wenn die NATO glaubt, dass von allen potenziellen Kandidaten diese Person die qualifizierteste ist, um die Tätigkeiten der Allianz zu koordinieren und ihre Belegschaft zu leiten, dann ist das ein Hinweis auf ihre schwachen Urteilskraft. Was Israels Kontakte mit dieser mächtigen Organisation angeht, so wirft Stoltenbergs voraussichtliche Ernennung diese im günstigsten Fall mehrere Schritte zurück.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

 

1 Olav Østrem: Hauken og duen. Klassekampen, 19. April 2008.
2 www.norwaypost.no/index.php/news/latest-news/28961-former-defence-chief-critical-of-the-armed-forces; übersetzt aus dem Originalartikel von Julie Ryland in Aftenposten.
3 Sveinung Berg Bentzrød, “Army Forced to Sharpen Knife as Cost Cuts Loom,” Aftenposten, 30. Mai 2008.
4 Walter Gibbs: Norwegian Nobel Laureate, Once Shunned, is Now Celebrated. New York Times, 27. Februar 2009.
5 Breaking: Letter from US Senator Brownback on anti-Semitism in Norway. Norway, Israel and the Jews, 10. August 2010.
6 Espen Sandmo und Jan Rye Ravnestad: Gullvåg sensurert i Damaskus. NRK Trøndelag, 17. Oktober 2010.
7 Manfred Gerstenfeld, Interview mit Ivar Fjeld: Preaching Israel-Hatred at Norway’s Terror Island. Israel National News, 27. Januar 2013.
8 Conrad Myrland: Palestinsk taler på Youngstorget tegner fiendebilder og maner til kamp. Med Israel For Fred, 30. April 2013.

Die Wiederaufnahme der Frage der gestohlenen Holocaust-Vermögen am Ende des Jahrhunderts

31. März 2014 um 14:40 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Avi Beker (direkt vom Autor)

Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts kam die Frage der Rückerstattung der während des Holocaust gestohlenen jüdischen Vermögen wieder auf. Diese späte Wiederbelebung des Interesses ist vermutlich das Ergebnis des Zusammenbruchs des Kommunismus und der Beseitigung der sowjetischen Bedrohung sowie des Aufkommens einer neuen und nicht beteiligten Generation in Europa, die begann Fragen zum nationalen Verhalten in der Vergangenheit zu stellen. Das Ende des Kalten Krieges führte zu einem Ausbruch von Emotionen und Bloßstellung der europäischen Holocaust-Erinnerung sowie unterdrückter Schuldgefühle. Dies ermöglichte einen öffentlichen Diskurs, der vorher oft durch Selbstzensur nicht stattfand.

Darüber hinaus halfen das gemeinschaftliche Selbstbewusstsein des organisierten Judentums sich für historische Gerechtigkeit einzusetzen und die wachsende Bereitschaft von Holocaust-Überlebenden ihre Rechte einzufordern, in die europäischen Erinnerung einzudringen und lange bestehende nationale Mythen kritisch zu hinterfragen.
Dr. Avi Beker ist ehemaliger Generalsekretär des World Jewish Congress. Er nahm an Verhandlungen mit mehreren europäischen Regierungen zur Rückerstattung von Holocaust-Eigentum teil. Er gab The Plunder of Jewish Property during the Holocaust (die Plünderung jüdischen Eigentums während des Holocaust) heraus. Derzeit lehrt er internationale Diplomatie an der Universität Tel Aviv.

Die ersten diplomatischen Bemühungen konzentrierten sich auf osteuropäische Länder, die erpicht darauf waren sich der westlichen Welt anzuschließen. Der wirkliche Durchbruch bei Verhandlungen und endgültigen Regelungen erfolgte aber in Westeuropa. In Österreich, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz begann man langsam nationalen Kriegserinnerungen die Stirn zu bieten, wobei die Diskussionen sich auch auf Holocaust-Vermögen verschoben. 1996 ernannte die norwegische Regierung den ersten Ermittlungsausschuss zu Holocaust-Rückerstattung; im selben Jahr veröffentlichte sie als erste Empfehlungen zu einem Kompensationspaket.

Der World Jewish Congress (WJC) initiierte die jüdische diplomatische Offensive zu Holocaust-Vermögen nach dem Fall des Kommunismus. 1992 führte er die Bemühungen zur Gründung der World Jewish Restistution Organization (WJRO). Zu deren Mitgliedern gehörten große amerikanisch-jüdische Organisationen, europäische jüdische Gemeinden und die World Zionist Organization. Der WJC war verantwortlich für die Koordinierung der Kampagne zu Holocaust-Vermögen mit europäischen jüdischen Gemeinden in Europa und der Durchführung von Verhandlungen mit Regierungen. 1992 unterzeichneten der WJC, die WJRO und die israelische Regierung außerdem ein Memorandum, das die Rolle Israels als „natürlichen Erben des jüdischen gemeinschaftlichen und erbelosen Eigentums zusammen mit der jüdischen Welt“ anerkannte.

Der erneuerte Rückerstattungsprozess wurde in Europa, den Vereinigten Staaten und andernorts stark publiziert. Der US-Kongress und die Administration setzten ausländische Regierungen und Finanzinstitutionen wie Banken und Versicherungsgesellschaften unter Druck. Der Rückerstattungsprozess führte zwischen 1996 und 2000 auch zur Gründung von etwa fünfzig nationalen Untersuchungsausschüssen. In einigen Ländern gab es mehrere Ausschüsse, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Rückerstattung beschäftigten. Sie untersuchten, wie Länder sich während des Krieges verhielten und wie nach der Befreiung mit gestohlenem Eigentum umgegangen wurde. Die Erkenntnisse der Ausschüsse wurden in den betreffenden Ländern wie auch den internationalen Medien stark publiziert.

Experten wie Sidney Zabludoff schätzten das jüdische Vorkriegseigentum in Europa auf 10 bis 15 Milliarden US-Dollar zum Nennwert von 1938. Weniger als 20 Prozent davon wurde zurückerstattet. Ab Mitte der 1990-er Jahre beliefen sich Vergleiche mit Ländern und Finanzinstitutionen auf rund $4 Milliarden an Zusagen für eine Vielzahl von Zielen – humanitäre Mittel für bedürftige Überlebende, jüdische Gemeinden und kulturelle Erinnerungsprojekte sowie die tatsächliche Rückgabe von geplündertem Eigentum und Vermögenswerten wie Kunstobjekten. Nur die Hälfte dieser Zusagen wurde bisher eingehalten, manchmal wegen bürokratischer Verzögerungen und manchmal wegen Unstimmigkeiten bezüglich der Zuweisungsziele.

Die Schweiz und ihre Banken boten mit fast $1 Milliarde den größten finanziellen Vergleich, gefolgt von Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Norwegen bot das umfassendste Pro-Kopf-Paket im Verhältnis zu den 2.100 Juden, die dort vor dem Holocaust gelebt hatten.

Der erneuerte Rückerstattungsprozess hatte viele weitere Folgen. Ermittlungen zu Immobilienbesitz und finanziellen Ansprüchen zwangen Staaten sich ihrer Verantwortung für die Ausbeutung und Erpressung der Juden zu stellen, die in den Tod geführt wurden. Dieser Prozess generierte zudem in allen Ländern einen starken Anstieg akademischer Forschung zum Holocaust. Viele Offizielle, insbesondere Staatsoberhäupter, entschuldigten sich für das Verhalten ihrer jeweiligen Länder während des Krieges. Es waren mehr als 50 Jahre für die Holocaust-Erinnerung nötig, mit der sich hauptsächlich Juden beschäftigten, damit sie allgemein akzeptiert wurde.

Enthüllungen in den Medien und die Untersuchungen führten in vielen Ländern zu einer wichtigen Neubewertung der nationalen Geschichte und Erinnerung. Die Einbeziehung von Regierungsvertretern, Intellektuellen, Journalisten und Historikern schuf gemeinsam mit jüdischen Holocaust-Überlebenden Schockwellen in der internationalen öffentlichen Meinung. Staaten beteiligten sich an der Neubewertung ihrer kollektiven Erinnerung, was zu einem Prozess der Neuschreibung der Geschichts-Schulbücher führte.

Beker schließt: Erst am 27. Januar 2005, dem sechzigsten Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, kamen viele Führungspolitiker der Welt, einschließlich des Präsidenten der Vereinigten Staaten und europäischet Staatsoberhäupter in das Konzentrationslager, um ihre Zusage für „Nie wieder“ zu verkünden. Im selben Monat verabschiedeten die Vereinten Nationen ihre erste Resolution zum Gedenken an den Holocaust und eröffneten eine Aufstellung zum Thema in ihren Hauptsitz in New York.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war

Als was sie uns bezeichnen

27. März 2014 um 15:43 | Veröffentlicht in Araber, Europa, Israel, Karika-Tour, Nahost, Satire/Humor | Hinterlasse einen Kommentar
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DryBones, 24. März 2014

In der alten Zeit verurteilten Kommunisten Juden als Kapitalisten, während die Rechtsextremen die Juden verurteilten, weil sie Kommunisten seien.

Gestohlene Kunst in niederländischen Museen

24. März 2014 um 14:36 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Rudi Ekkart (direkt vom Autor)

In den späten 1990-er Jahren entwickelte sich ein beträchtliches internationales Interesse zur Frage der Rückerstattung nach dem Krieg. 1997 begann eine von der Regierung finanzierte Vorabuntersuchung zu Kunstobjekten im Besitz des niederländischen Staates, die möglicherweise aus Diebstahl, Beschlagnahmungen oder Zwangsverkäufen durch ihre Eigentümer während des Zweiten Weltkriegs stammten.

1998 begannen niederländische Museen eine ähnliche Untersuchung ihrer Sammlungen. Die Organisation niederländischer Museen (NMV) gründete eine vom Direktor des Rijksmuseum (Nationalmuseum) in Amsterdam, Prof R. de Leeuw geleitete Kommission.

Rudi Ekkart

Prof. Rudi Ekkart
(Foto: Vincent Mentzel)

Er sagt: Eineinhalb Jahre lang sammelten die an der Untersuchung beteiligten Museen viele Informationen. Es wurde entdeckt, dass eine Reihe Museen während der deutschen Besatzung Sammlungen und Objekte privater Eigentümer bei sich aufgenommen hatten. Dadurch überlebte ein Teil des jüdischen Kunstbesitzes den Krieg sicher.

Die Untersuchung betraf auch Objekte, die während des Krieges in Verwahrung genommen worden waren und außerhalb des offiziellen Inventars gelagert wurden. Dazu gehörten Stücke, die Juden gehörten, die den Krieg nicht überlebten und die den Museen zur zeitlich beschränkten sicheren Aufbewahrung übergeben worden waren. Sie wurden später oft unrechtmäßig den Sammlungen der Museen hinzugefügt.

In einigen Fällen bestanden Zweifel über die Herkunft der Werke. Das betraf z.B. Käufe der „Liro Robbery Bank“, die beschlagnahmtes jüdisches Eigentum oder Stücke besaßen oder Werke von deutschen oder enteigneten jüdischen Institutionen erworben hatten. Einige Werke waren auch von Kunsthändlern und Auktionshäusern gekauft worden, die dafür bekannt waren oder verdächtig wurden mit von den deutschen Besatzern beschlagnahmte Kunst gehandelt zu haben. Für eine Reihe Werke blieben Ungewissheiten bestehen.

Ich verglich die Ergebnisse dieser Untersuchung mit internationalen Vereinbarungen in diesem Feld – den Washingtoner Prinzipien zur Rückgabe von durch die Nazis konfiszierte Kunst – und stellte mehrere Löcher fest. Darüber hinaus musste auch nach Stücken gesucht werden, die während eines Großteils des Vorkriegs-Jahrzehnts erworben wurden. Ich begann dann für eine tiefer gehende Nachfolge-Untersuchung zu werben. Letztendlich wurde dieses Projekt 2009 im Namen der Organisation Niederländischer Museen begonnen. Es wurde „Museumsankäufe seit 1933“ genannt. Die niederländische Regierung stellte die Gelder dafür zur Verfügung.

Einhundertzweiundsechzig Museen beteiligten sich an diesem Projekt. Bei seinem Ende 2013 waren zwölf Museen nicht fertig, gaben aber an, wann sie es beenden werden. Dazu gehörte das Nationalmuseum in Amsterdam, das eine riesige Anzahl Werke zu untersuchen hat und dies vollständig erledigt. Die Recherche dort wird noch mehrere Jahre weiter gehen müssen.

Der offizielle Bericht der Kommission wird dieses Jahr veröffentlicht. Bisher sind 139 problematische oder möglicherweise problematische Stücke in 42 Museen gefunden worden. Die meisten wurden in der früheren Untersuchung nicht gefunden. Sie können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Bei weniger als der Hälfte der Stücke ist klar, dass sie zu zwei Sammlungen oder Handelsinventarien gehörten, die geraubt, beschlagnahmt oder aus Zwangsverkäufen erworben wurden. Manchmal fanden wir heraus, wer die Erben der ursprünglichen Eigentümer waren. Die Museen haben sie über ihre Ergebnisse informiert. In anderen Fällen hoffen wir, dass sich Erben infolge unserer Veröffentlichungen melden werden.

In die zweite Kategorie fallen Kunstwerke, zu denen es ernste Zweifel gibt. Wir wissen nicht, ob sie tatsächlich geraubt, beschlagnahmt oder unter Zwang verkauft worden sind. Dazu gehören zum Beispiel Arbeiten, die Sammler oder Händler mit zweifelhaftem Gebaren während des Zweiten Weltkriegs gehörten, Kunstobjekte, die von den deutschen Besatzern zurückgelassen wurden oder Stücke, die aus konfisziertem Besitz von Nazikollaborateuren stammten.

Diese Untersuchung war ein zusätzlicher wichtiger Schritt bei der Entdeckung gestohlener oder unter Zwang verkaufter Kunstwerke, die ihren rechtmäßigen Eigentümern nicht zurückgegeben worden sind. Es ist jedoch noch nicht alles klar. Mehrere wichtige Dinge müssen noch geklärt werden. Man kann unmöglich wissen, welche Kunstwerke in privater Hand Juden gehörten und nicht zurückgegeben wurden. Gelegentlich hören wir von gestohlener Kunst in Privatbesitz. Das gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich, aber wenn ich Kontakt zu einer solchen Person habe, dann sage ich zum Beispiel: „Wenn Sie mit den rechtmäßigen Erben keine Übereinkunft erzielen, dann könnte das Kunstwerk unverkäuflich sein.“ Diese Fälle müssen vertraulich behandelt werden.

Als weitere wichtige Frage, die bleibt, ist die Veröffentlichung einer Gesamtdarstellung im Internet von allem, was über Stücke bekannt ist, die während des Krieges ins Ausland geschickt und von den Alliierten nicht zurückgegeben wurden. Dazu gehören 20.000 Objekte, darunter Hunderte Werke von Museumsqualität. Wo möglich, werden wir auch Bilder dieser Werke auf unserer Internetseite einstellen.

Ekkart schließt: Es wird weitere drei Jahre dauern, bis wir das ganze Projekt abschließen. Ich werde dann zwanzig Jahre lang daran gearbeitet haben. Einige Menschen nennen es mein Lebenswerk.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Europa – gute oder schlechte Nachrichten?

27. Februar 2014 um 15:12 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa, Karika-Tour, Satire/Humor | Hinterlasse einen Kommentar
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Yaakov Kirschen, DryBones, 13. Februar 2014

Die Karikatur stammt aus dem Jahr 2004 – das ist zehn Jahre her und die Lage ist schlechter geworden.

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