Der älteste Hass: Europa gegen die Neue Welt

21. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa | Hinterlasse einen Kommentar
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Benjamin Weinthal, Fox News, 15. August 2014

Jede Menge verstörender Beispiele spiegeln das Versagen Europas beim Angehen des „ältesten Hasses“. Die Europäische Union sollte sich die Vereinigten Staaten als Beispielland für die Einführung von Politik zur Bekämpfung von Judenhass ansehen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, fing die antijüdische Atmosphäre ein: „Das ist die schlimmste Zeit seit der Nazi-Ära. Auf der Straße hört man Sachen wie ‚Die Juden sollten vergast werden, die Juden sollten verbrannt werden.‘“

Antisemitische Rhetorik, die in Gewalt übergeht, führte zum Brandanschlag deutscher Teenager auf eine Synagoge in Wuppertal bei Düsseldorf. Das erste Mal wurde die Synagoge während des Nazi-Pogroms 1938 abgebrannt. In Brüssel weigerte sich ein belgischer Arzt einer Frau lebenswichtige medizinische Versorgung uns sagte ihr: „Ich komme nicht… Schickt sie ein paar Stunden nach Gaza, dann wird sie die Schmerzen schon los.“ Letzte Woche wurde eine schwedische Demonstration zum Protest gegen Antisemitismus von den Organisatoren abgesagt, weil antisemitische Gewalt befürchtet wurde.

Es ist nicht länger glaubwürdig Hass auf Israel von Antisemitismus abzukoppeln.

Zwei jüdische Frauen in den Niederlanden hängten bloß israelische Flaggen an ihre Balkone. Als Ergebnis davon wurde eine verprügeln und die andere wurde Opfer eines Brandanschlags. Die Haustür des Amsterdamer Rabbiners Binjamin wurde bei einem Angriff mit Steinen beschädigt.

Roger Cukierman, Präsident der jüdischen Dachorganisation CRIF in Frankreich, sagte: „Sie brüllen ‚Tod den Juden‘.“ In den letzten vier Wochen wurden acht französische Synagogen, viele voller Juden, von „antiisraelischen Protestlern“ angegriffen.

Es ist nicht länger möglich den Hass auf Israel von Antisemitismus zu entkoppeln. Organisationen wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft mit Sitz in Berlin sollen die Sicherheit Israels fördern. Die von der deutschen Regierung finanzierte NGO – und ihr Direktor Reinhold Robbe – priesen die Aktivitäten (und wuschen sie damit rein) der Grünen-Abgeordneten Marieluise Beck. Sie drängte im Bundestag auf die strafende Etikettierung israelischer Produkte.

Die Etikettierung israelischer Produkte aus den umstrittenen Gebieten in der Westbank ist eine traurige Erinnerung an die Ausgrenzung jüdischer Produkte in den 1930-er Jahren. Europa sollte der Führung der USA folgen und alle antiisraelischen Boykotte ablehnen.

Das Europa nach dem Holocaust hat immer noch ein Problem mit Juden. Der Antisemitismus manifestiert sich jetzt lediglich in einer neuen Form. Israel ist zum „Juden unter den Staaten“ geworden, wie der französische Antisemitismus-Historiker Leon Polikaov es ausdrückte.

Europa hat geholfen Israel ein einen Sandsack zu verwandeln, indem es die Tatsache nicht akzeptiert, dass tödlicher Antisemitismus mit damit verbunden ist gegen Israels Recht auf Selbstverteidigung zu sein. Nehmen wir das Beispiel der Hisbollah. Die EU versagt immer noch dabei die libanesische Terrororganisation komplett zu verbieten, die finanzielle und militärische Hilfe aus der Islamischen Republik Iran erhält – dem weltweit führenden Sponsor des Terrorismus.

Europäische Hisbollah-Mitglieder veranstalten jährlich überall auf dem Kontinent Demonstrationen zum Al-Quds-Tag, auf dem sie die Vernichtung Israels fordern. Die Hisbollah ermordete 2012 bei einem Bombenanschlag in der bulgarischen Ferienstadt Burgas am Schwarzen Meer fünf Israelis und ihren bulgarischen Busfahrer. 1995 stufte die USA die Hisbollah als Terrororganisation ein.

Samuel Salzborn, ein führender Antisemitismus-Experte der niedersächsischen Universität Göttingen, sagte Anfang August: „Es gibt eine alarmierende Gleichgültigkeit der deutschen Öffentlichkeit gegenüber der aktuellen Zurschaustellung von Antisemitismus.“ Europa sieht sich, anders als die USA, einem fehlenden Gegendruck gesellschaftlicher Kräfte gegenüber, der die allgegenwärtige Abscheu gegenüber Israel abstumpfen würde. Die USA haben natürlich keine Geschichte eliminatorischen Antisemitismus wie dem Holocaust. Amerikas starke Unterstützung für Israel hat geholfen den zeitgenössischen Antisemitismus zu mindern und bietet eine Vorlage für Europa.

Organisationen wie Christians United for Israel spielen eine wichtige Rolle an der gesellschaftlichen und politischen Basis in den USA. Als Solidaritätsdemonstration mit dem jüdischen Staat flogen Politiker – darunter der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg – während des kurzlebigen und fehlgeleiteten Verbots der FAA für Flüge zu Tel Avivs Ben Gurion-Flughafen im Juli nach Israel. New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo und eine parteiüberreifende Gruppe von Politikern des Bundesstaats fliegen am Dienstag nach Israel, um ihre Solidarität im Kampf gegen den Hamas-Terror zu zeigen. Im Juli verabschiedeten das Repräsentantenhaus und der Senat einstimmig Resolutionen, die Israels Recht auf Selbstverteidigung unterstützt und die Hamas wegen deren Benutzung „menschlicher Schutzschilde“ im Gazastreifen verurteilte.

Warum reisen keine wichtigen europäischen Politiker nach Israel, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen – dem einzigen Land im Nahen Osten, das europäische und amerikanische Werte verkörpert? Man sollte sich an die Reaktion der europäischen Länder und der USA an die obszön einseitige Abstimmung im UNO-Menschenrechtsrat im Juli erinnern, mit der Israel wegen seiner Selbstverteidigung hart kritisiert und eine Ermittlung angeblicher israelischer „Kriegsverbrechen“ eingeleitet wurde. Die USA lehnten die Resolution ab, aber die europäischen Länder – einschließlich Israels wichtigster EU-Verbündetem Deutschland – enthielten sich der Stimme. Die Abstimmung im UNHRC war eine antisemitische Heuchelei.

Das Fehlen moralischer Klarheit in europäischen Hauptstädten sendet sicherlich Signale an ihre Bürger, dass es guten Grund geben dürfte in den UNO-Foren auf Israel einzuschlagen.

Die Staaten Europas sollten eine Nulltoleranz-Politik für gewalttätigen Antisemitismus in Teilen ihrer muslimischen Gemeinschaften einführen. Die Mainstream-Einstellungen der Gleichgültigkeit ohne Anstrengungen an der Basis zu ändern werden massive antiisraelische Demonstrationen weiterhin eine wachsende Mischung aus muslimischen, linken und rechten Extremisten anziehen.

Die europäischen Politiker haben wenig (vielleicht gar keine) Lust gezeigt zu ihrer Wählerschaft zu gehen und über die Notwendigkeit der Unterstützung Israels bei seinem Kampf gegen Terrorismus zu sprechen. Anstrengungen an der Basis, besonders unter europäischen Christen, zusammen mit politischem Willen können einiges des wuchernden Antisemitismus eindämmen. Um ihn beträchtlich langfristig zu reduzieren, wird Europa deutlich mehr wie die Neue Welt aussehen müssen.

Es hat seit der Nazizeit nie solchen Hass gegen Juden gegeben

20. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Fiamma Nirenstein, Times of Israel, 11. August 2014

Lasst uns bitte über die Suhle der Presseerklärungen und Besorgnis-Äußerungen hinaus gehen, die in diesen Tagen nach der jüngsten Eskalation antisemitischer Vorfälle angehäuft wurden. Europas sollte sich schämen; nahe meines Hauses in Rom tauchte eine schwarze Liste jüdischer Händler auf; Europa nährt sich mit Neonazi-Äußerungen sie denen des italienischen Philosophen und Politikers Gianni Vattimo, der erklärte, die Juden seien wie Hitler, dass Israel mit Vergnügen unschuldige Palästinenser, besonders Frauen und Kinder „massakriert“.

Kristallnacht war ein Zeichen totalen Angriffs auf das Judentum und die Zerstörung des europäischen Geistes. Heute geschieht dasselbe; ein entscheidender Raum ist für den Hass auf Juden gefunden worden: im Hass auf Israel. Das kann man in den Äußerungen der Neonazis sehen, ebenso in denen des Führers der Kommunistischen Partei, Ferrero. Es reicht gegen Israel zu sein und schon gehörst du zur Mehrheit.

Es gibt nichts Klassischeres als die Rufe „Tod den Juden“ in Berlin; um in Paris Erfolg zu haben, warum sich nicht Faschisten und Islamisten anschließen, die „Juden ins Gas“ rufen? Europa sollte mit seinen Presseerklärungen und Holocaust-Kursen aufhören: Stattdessen müssen wir lernen, lesen, die Geduld haben, über die Duldung hinauszugehen, die ohne das leichte Mitgefühl des Fernsehens ohne zu denken. Wer immer Solidarität mit den Juden zeigt muss das mit hartnäckiger Vernunft tun und zwischen einem Krieg ohne Wahl und einem Aggressionskrieg unterscheiden, zwischen der Verwendung menschlicher Schutzschilde und der von entschlossenen Soldaten. Du musst die Zahlen studieren, die beweisen, dass die Mehrheit der Getöteten Terroristen waren. Du musst die Hamas-Charta lesen.

Die Erinnerung an den Holocaust hat nichts damit zu tun, also hört auf den Vergleich zu ziehen; stattdessen geht es hierbei um die Verteidigung der europäischen Seele, die einmal mehr von diesem neuen antijüdischen Hass zerstört werden wird. Newsweek zeigt das Foto eines jüdischen Mädchens, das mit einem Koffer in der entkommt und erzählt uns, dass von 53.000 befragten Erwachsenen in 102 Ländern 26 Prozent tiefgreifend antisemitisch sind (in Griechenland 69 Prozent, in Frankreich 37, in Belgien 27, in Polen 45, in Ungarn 41, die Palästinenser zu 93 Prozent, der Irak zu 92). Dieter Graumann, der Vorsitzende des Zentralsrats der Juden in Deutschland, bezeugt: „Das ist die schlimmste Zeit seit dem Nationalsozialismus.“ Wenn du einen Davidstern trägst, kann es passieren, dass du verprügelt wirst; wenn du, wie ich, Journalist ist, schreiben sie: „Wir werden dich töten…“, dazu weitere Beleidigungen; in London brüllen Menschen „Juden ins Gas“. All diese Geschichten sind ein Hinweis: der Verfall Europas.

Wir sind nicht länger in der Lage Freund und Feind zu unterscheiden; das Wort Islamismus ist nicht aussprechbar, wir haben Angst um Israels westliche Identität, die klare Entschiedenheit der Juden sich zu verteidigen wird verabscheut. Antisemitismus ist ein Zeichen von Demenz. Sie tritt ein, wenn eine Gesellschaft in der Krise ist, wenn sie nicht genug Energie hat sich zu informieren, um zu begreifen, zu kritisieren.

Hier erstickt eine Terrororganisation, die Homosexuelle henkt und Frauen verfolgt und offen erkärt, den Tod für das Kalifat anzustreben, ein demokratisches Land mit Plane aus Raketen, das so reagiert, wie es jedes andere Land tun würde, und dieses Tatsache hat einer Welle an Antisemitismus Auftrieb gegeben. De te fabula narratur. Es ist so viel besser zu antijüdischen Urformen zurückzukehren, statt zu glauben, dass der Terror eines Tages auch Europa angreifen wird. Antisemitismus ist etwas für Idioten, doch in erster Linie etwas für Feiglinge. Schande, Europa, hör auf mit diesen Äußerungen.

Pro-jüdische Werbeanzeige wurde Fiasko

15. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Islam, Europa+Nahost, NGOs | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Infolge des aktuellen Ausbruchs von Antisemitismus in Europa fragen sich jüdische Organisationen, was sie gegen derart massiven öffentlichen Hass unternehmen können. Hierzu illustriert ein in den Niederlanden entwickeltes Projekt, wie notwendig es ist jede Idee bis ganz zu Ende zu durchdenken.

CIDI ist die älteste niederländische Organisation für Israel und die jüdische Gemeinschaft. Sie schaltete in der größten niederländischen Zeitung, De Telegraaf1 eine ganzseitige Anzeige gegen Judenhass, unterschrieben von 86 führenden Politikern und Prominenten. CIDI setzte den eigenen Namen nicht in die Anzeige, veröffentlichte aber, dass sie diese Initiative ergriffen hatte.

Die Führung der CIDI ist aufrichtig der jüdischen Gemeinschaft verpflichtet, doch unglücklicherweise handhabte sie das Anzeigenprojekt falsch. Um die prominenten Niederländer dazu zu bringen Solidarität mit den niederländischen Juden zu zeigen, hätte der Text ziemlich einfach sein können: Er hätte sagen sollen, dass es keine Ausrede für Judenhass gibt.

Dem hätte ein Hinweis folgen sollen, dass die politischen Entwicklungen in anderen Teilen der Welt zu Beleidigungen von und Drohungen gegen niederländische Juden geführt haben und dass einige Demonstranten den Tod der Juden forderten. Die Anzeige hätte auch erklären sollen, dass diese Äußerungen von Hass aufhören müssen und dass jeder in den Niederlanden in der Lage sein sollte sicher und friedlich leben zu können, was auch für die Juden gelten muss. Danach hätten die Unterzeichner die Bevölkerung der Niederlande aufrufen sollen, Antisemitismus in jeglicher Form oder unter jeglichen Umständen nicht zu tolerieren: „Wir alle sagen Nein zu Judenhass.“

So hätte es gewesen sein sollen. In der Tat erschienen, mehr oder weniger, alle oben genannten Äußerungen in der Anzeige. Leider gibt es zusätzlichen Text, der hoch problematisch ist. Die Organisatoren führten in einigen in die Anzeige eingestreuten Sätzen Israel ein, was den Ton und den Kontext ihrer Botschaft zu etwas eher Schlimmem machte.

Die Anzeige beginnt mit einem Irrtum: „Der Kampf zwischen Israel und der Hamas wird zunehmend in den Niederlanden ausgefochten.“ Wenn man dieses Konzept einbeziehen will, dann hätte der Text folgendermaßen lauten müssen: „Der Kampf zwischen Israel und der Hamas hat zu Beleidigungen, Drohungen und Schikanen gegen Juden in den Niederlanden geführt, hauptsächlich durch niederländische Muslime.“ Danach erwähnt die Anzeige die verschiedenen Drohungen gegen Israel, die aus den Niederlanden kommen. Wenn CIDI, angeblich eine pro-israelische Verteidigungsorganisation, dieses Thema schon aufwirft, dann hätte sie auch eine Verurteilung des extrem antisemitischen Charakters einiger dieser Drohungen anführen müssen.

Die Anzeige lautete weiter, dass die niederländischen Juden das Recht haben in den Niederlanden sicher zu leben, „unabhängig von dem, was in Israel geschieht“. Das impliziert, dass in Israel Furchtbares ohne guten Grund geschieht. Ist das einmal gesagt, dann ist es eine enorme Auslassung, die Hamas und andere Islamo-Nazis im Nahen Osten nicht zu erwähnen, ganz zu schweigen von den enormen ideologischen und sonstwie kriminellen Wellen, die aus der muslimischen Welt kommen. Und als wäre das alles noch nicht genug, fährt die Anzeige hiermit fort: „Dies ist keine Solidaritätserklärung mit der israelischen Regierung.“ CIDI hat eine Menge zu erklären, was diese eindeutige Äußerung in einem Text über Antisemitismus gegenüber niederländischen Juden zu suchen hat.

Die Anzeige endet: „Wir, die Unterzeichner, sind hier unterschiedlicher Meinung. Wir stimmen aber in einem überein: Kritik an Israel ist in Ordnung. Judenhass? Nein.“ In der Tat: Warum sollte Kritik an Israel nicht in Ordnung sein? Fast alle Israelis sind in verschiedenen Themen zu Israel kritisch und daran ist nichts falsch – aber das Offensichtliche auf diese Weise zu äußern, gibt der Anzeige einen zusätzlichen, anstößigen Dreh.

Man fragt sich, ob irgendeiner der Unterzeichner die Unterschrift unter der Anzeige abgelehnt hätte, wäre darin Israel nicht erwähnt worden. Wenn dem so sein sollte, hätte CIDI glücklich und zufrieden sein müssen, sie nicht einzubeziehen und sie nach einer Erklärung fragen sollen. Dass Israel erwähnt wurde und die Art und Weise, wie das geschah, hat den klaren Unterton, diesen Unterzeichnern die Chance zu geben sich von Israel zu distanzieren, wenn sie das so wollen. Dies umso mehr, als die verschiedenen antiisraelischen Demonstrationen nicht erwähnt werden, deren niederländische Teilnehmer direkt oder indirekt die Hamas unterstützen, einige auch die Islamo-Nazis der ISIS, der bösartigsten muslimischen Bewegung, die es bisher gab.

Das Management von CIDI ist sich bewusst, dass Israel mit viel von dem, was derzeit in den Niederlanden geschieht, nicht kritisiert sondern dämonisiert wird. Nachdem bereits irrigerweise Israel eingebracht wurde und man sich von ihm distanziert hat, hätte die Anzeige das widerliche Verhalten von Teilen der globalen muslimischen Bevölkerung und ihrer niederländischen Unterstützer thematisieren müssen.

Mit einer solchen Botschaft überrascht es nicht, dass die meisten niederländischen Parteichefs die Anzeige unterschrieben, selbst die der Grün-linken und der Sozialistischen Partei, die einige der Demonstrationen mit organisieren, die immer indirekt die Islamo-Nazis von der Hamas unterstützen. Jetzt können diese politischen Leiter sich und ihre Agenden mit der Anzeige reinwaschen und gleichzeitig behaupten, dass sie Kritik an Israel implizieren.

Geert Wilders, Parteichef der populistischen Freiheitspartei (PVV) ist unter den Unterzeichnern nicht zu finden. CIDI bat auch ihn zu unterschreiben und er hatte sofort zugestimmt. Sein Name wurde allerdings entfernt. CIDI rechtfertigte das mit der Erklärung, dass Wilders dem niederländischen Premierminister Rutte einen Brief geschrieben hatte, mit dem er den derzeitigen Antisemitismus mit dem Islam allgemein in Verbindung brachte.2 CIDI sagte, Wilders hätte den Nahostkonflikt in die Debatte eingebracht und dass sei nicht das, was die Unterzeichner wollten. Wäre CIDIs Argument der wahre Grund für den Ausschluss von Wilders, dann hätten antiisraelische Äußerungen einiger linker niederländischer Spitzenpolitiker ausreichen sollen auch sie auszulassen. Darüber hinaus – und das ist das wirklich Lächerliche – hatte CIDI selbst das Nahost-Problem eingebracht, indem sie in der Anzeige unnötigerweise Israel erwähnte. Wie zu erwarten war, schlug Wilders heftig gegen CIDI und dessen Leitung zurück; er sagte, die Organisation und ihr Direktor repräsentierten die niederländischen Juden nicht.3

Dass Wilders in der Anzeige nicht vorhanden war, wurde von Alexander Pechtold, dem Chef der Liberaldemokraten D66 als Ausrede genommen, um nicht zu unterschreiben. In seiner Erklärung, warum er sich zurückhielt, behauptete Pechtold, dass nicht nur Antisemitismus, sondern alle Formen der Diskriminierung verurteilt werden sollten.4 Wahrscheinlicher ist ein Grund für Pechtolds Verhalten die Tatsache, dass zum ersten Mal in der Geschichte einige aktuelle Umfragen andeuten, dass D66 die größte Partei im Parlament werden könnte. Mehr muslimische Stimmen zu bekommen könnte da hilfreich sein.

Louis Bontes, Parteichef „Für die Niederlande“, einer der kleineren Parteien, taucht ebenfalls nicht auf der Liste der Unterzeichner auf. Die Geschichte dieser Partei ist bezüglich proisraelischem und projüdischem Aktivismus im niederländischen Parlament fast makellos. Es ist nicht vorstellbar, dass Bontes eine Unterschrift abgelehnt hätte, wäre er darum gebeten worden. Wurde er nicht gefragt? Das wäre ein weiterer dicker Patzer seitens der CIDI gewesen. Hatte er unterschrieben, wurde aber ausgeschlossen? Das wäre absolut skandalös.

All das oben Angeführte dient dazu aufzuzeigen, dass noch so gut Gemeintes, wenn es schlecht ausgeführt wird, auf viele Weisen ins Auge geht.

Derweil sind die letzten Zweifel beseitigt worden, dass die antiisraelischen Demonstrationen Pro-Hamas-Demonstrationen sind. In Utrecht kritisierte eine Europaabgeordnete der Grün-Linken Partei die Hamas. Noch bevor sie Israel überhaupt kritisieren konnte, wurde sie bereits niedergebrüllt.5

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

1 s. den Text auf: http://forum.fok.nl/topic/2136206 [in Niederländisch]
2 http://www.cidi.nl
3 Wilders haalt uit naar Joodse organisatie om advertentie. NU, 7. August 2014. [in Niederländisch]
4 Waarom D66 de advertentie van het CIDI niet heeft ondertekend. D66, 7. August 2014. [in Niederländisch]
5 Gazademonstratie verloopt rustig. DeStadUtrecht, 10. August 2014 [in Niederländisch]

Niederländischer Antisemitismus: Juden fragen sich, wie ihre Zukunft aussehen wird

13. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In den Niederlanden dauern antisemitische Vorfälle an und haben weiter Einfluss. Vor kurzem wurde eine Frau angegriffen, weil sie an ihrem Balkon im östlichen Amsterdam eine Israelflagge aufgehängt hatte. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, gebrochene Rippen und Prellungen im Gesicht. Die Kriminellen nannten sie „eine Scheißjüdin“, bewarfen sie mit einem brennenden Stock und schlugen sie in den Bauch. Männer drohten ihr früher schon, sie würden „ihr die Kehle aufschlitzen“. Nun wird Polizei vor ihrem Haus stationiert worden um sie zu schützen.1 Einer anderen Frau, die eine Israel-Flagge an ihrem Balkon hatte, wurde ein Stein durch das Fenster geworfen. Später warf jemand einen Molotowcocktail nach ihrem Balkon, der aber von fort auf den ihrer türkischen Nachbarin unter ihr fiel, die eine Palästinenserflagge aufgehängt hatte.2

Mindestens fünfzehn bis zwanzig jüdische Geschäftsleute haben, nachdem sie Drohungen erhielten, Personenschützer eingestellt. Roland Kahn, der Inhaber einer Modekette, erzählte den Medien von den vielen Drohungen, die er erhalten hat. „Ich werde nicht nur dreckiger Jude genannt und mit dem Tod bedroht; auch meine Geschäfte sind angegriffen worden. Meine in den USA lebende Tochter als auch meine Freundin, die einen muslimischen Hintergrund hat, werden ebenfalls bedroht. Einer Reihe marokkanischer Angestellter wurde auch gedroht, weil sie für mich arbeiten.“3

Langfristig haben jedoch die Äußerungen von Oberrabbiner Jacobs in einer Fernsehsendung und gegenüber den Medien größeren Einfluss. Er erklärte, dass eine steigende Zahl jüdischer Familien die Niederlande wegen des ansteigenden Antisemitismus verlassen will. Der Oberrabbiner erklärte, dass sie sich nicht sicher fühlen und auf der Straße bedroht und beleidigt werden. Er zitierte eine bestimmte jüdische Einzelperson, die sagte: „Meine Eltern haben genug gelitten. Soll ich auch leiden?“ Jacobs fügte hinzu, dass er sich gefragt habe, ob es für ihn sicher sei in den Niederlanden zu bleiben, aber zu dem Schluss kam, dass er bleiben muss, weil der Kapitän das Schiff als letzter verlässt.4 Die Jewish Telegraph Agency interviewte Jacobs später und ließ so seine Äußerung vielen jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt zukommen.5

Das Thema, ob die Zukunft der Juden in den Niederlanden infrage steht, ist nicht neu. Ein einzelner Absatz in meinem Buch von 2010 „Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland“ (Der Niedergang: Juden in den führungslosen Niederlanden) führte dort zu einer großen öffentlichen Diskussion Ich zitierte Frits Bolkestein, ehemaliger Parteichef der Liberalen, Verteidigungsminister und EU-Kommissar, einen der angesehensten Politiker des Landes. Er sagte mir, die Juden sollten erkennen, dass es für sie in den Niederlanden keine Zukunft gibt. Sie sollten daher ihren Kindern raten in die USA oder nach Israel auszuwandern. Bolkestein kam zu diesem Schluss, weil er für die Niederlande infolge der verfehlten Einwanderungspolitik mit hauptsächlich muslimischen Immigranten und den dadurch für diejenigen, die sich mit dem Judentum identifizierten, geschaffenen Problemen eine fragliche Zukunft vorhersah.6

Während Bolkesteins Bemerkungen eher nachdenklicher Natur waren, hat Jacobs öffentlich über die aktuelle Lage innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gesprochen. Jacobs Worte sind eine sachliche Aussage dazu, in welchem Maß innerhalb dieses Jahrhunderts das Umfeld in den Niederlanden verfallen ist. Wäre der Oberrabbiner ein Persönlichkeit aus der Politik gewesen – was er nicht ist – hätte er hinzufügen können: „Die Vorfahren der meisten niederländischen Juden haben hier seit hunderten von Jahren gelebt. Ihr habt eine große Zahl Einwanderer aus muslimischen Ländern, wo Antisemitismus grassiert, ohne irgendeine Selektivität in die Niederlande gelassen; niederländische Juden zahlen dafür jetzt einen großen Preis. Was sagt uns das darüber, wie dieses Land in den letzten Jahren geführt wurde?“

Derweil sind weiterhin Muslime die dominierenden Teilnehmer bei den andauernden antiisraelischen Demonstrationen. Abdoe Khoulani, ein muslimisches Mitglied des Stadtrats von Den Haag – hat (auf Facebook) die Hoffnung geäußert, dass die „zionistische Siedlung Israel von einem Tsunami Allahs getroffen wird“. Er hofft auch, dass David Ben Gurion, Israels erster Premierminister, „in der Hölle brennen“ wird. Früher schon hatte er Unterstützung für die muslimisch-terroristische ISIS-Bewegung zum Ausdruck gebracht.7

Die Dachorganisation der jüdischen Gemeinschaft, CJO, bat den Premierminister um ein Treffen. Bei diesem waren auch zwei weitere Minister anwesend. Daraus entstand eine Erklärung, die veröffentlicht wurde, aber die Wahrheit zu Ungunsten der jüdischen Gemeinschaft verzerrte.8 Darin hieß es, dass Ereignisse in der Welt zu Spannungen zwischen den Gemeinschaften führen können. Wäre die Erklärung ehrlich gewesen, hätte sie gesagt, dass die Wurzel der Spannungen in den Niederlanden die Aggression und der Hass gegen die jüdische Gemeinschaft sind, die hauptsächlich aus Teilen der muslimischen Gemeinschaft entspringt. In der Erklärung hieß es außerdem, „Demokratie“ bedeutet, dass Demonstrationen erlaubt werden müssen.

Der Text hätte auch fairer formuliert werden können, indem man hinzufügt: „selbst wenn diese Demonstrationen indirekt eine Völkermord betreibende muslimische Bewegung unterstützen.“ Diese Äußerung pries außerdem namentlich eine bestimmte muslimische Organisation, die die Muslime auffordert die Juden zu tolerieren. Der gemeinsame Text jedoch verurteilte weder einzelne Muslime noch die Vielzahl muslimischer Organisationen, die die Islamo-Nazis der Hamas unterstützen.

Wie andernorts in Europa geben die Ereignisse in den Niederlanden die Vorahnung einer unangenehmen Zukunft. Was bezüglich der Juden und Israel in den Vordergrund getreten ist, kann als Prisma auf die zeitgenössische niederländische Gesellschaft beschrieben werden. Die aus Teilen der muslimischen Gemeinden kommenden und sich von dort heraus entwickelnden Probleme sind noch größer als bisher geglaubt. In der Vergangenheit verließen Jihadisten die Niederlande, um im Nahen Osten zu trainieren und zu kämpfen. Heute sind Islamo-Nazis in der niederländischen Öffentlichkeit offen sichtbar. So genannte „moderate Muslime“ sind auf Demonstrationen marschiert, die eine von mehreren ideologisch völkermörderischen muslimischen Bewegungen im Nahen Osten unterstützen. Darüber hinaus gibt es unter niederländischen Muslimen wenig Kritik an den entsetzlichen Ereignissen, die sich aus ihren eigenen Gemeinschaften heraus entwickeln.

Mehrere niederländische politische Parteien schwiegen angesichts der öffentlichen Aufrufe muslimischer Demonstranten in den Niederlanden zur Ermordung der Juden so weit wie möglich, um das Thema der von Muslimen im Ausland begangenen Massenmorde nicht zu berühren. Bei den niederländischen Wählern zu punkten spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese Ereignisse sind Zeichen der Bereiche zunehmenden moralischen Niedergangs innerhalb der Niederlande, deren internationales Image langfristig schlussendlich die zunehmend korrodierte innenpolitische Realität spiegeln wird.

  1. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 Amsterdam woman injured in second assault over Israeli flag. JTA, 1. August 2014.
2 Tom Reiner: Joodse Amsterdammer bedreigd na ophangen Israelische vlag. Elsevier, 30. Juli 2014 (in Niederländisch).
3 Nederlandse joden voelen zich bedreigd. RTVNH, 26. Juli 2014 (in Niederländisch).
4 Joodse gezinnen weg uit Nederland. Een Vandaag, 2. August 2014 (in Niederländisch).
5 Cnaan Lipshiz: After fifth attack at home, a Dutch chief rabbi says he’d leave if not job. JTA, 5. August 2014.
6 Manfred Gerstenfeld: Het Verval: Joden in een Stuurloos Nederland. Amsterdam (Van Praag) 2010, S. 109. [in Niederländisch]
7 Robin de Wever: Omstreden Haags raadslid wenst een tsunami over Israel. Trouw, 15. Juli 2014. [in Niederländisch]
8 Gemeenschappelijke verklaring na overleg kabinet met Joodse organisaties. Christelijk Nieuws, 6. August 2014. [in Niederländisch]

Geld für den Gazastreifen?

9. August 2014 um 10:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, EU-Europa, Europa, Europa+Nahost, USA | 1 Kommentar
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Der Krieg war noch nicht einmal ansatzweise in einem Waffenstillstand, da übeschlugen sich schon die USA und EUropa mit Ankündigungen, was der Gazastreifen an Geldern bekommen soll. Kommentar: (gefunden auf Facebook und eingedeutscht:)

MillionenDollarGaza

Der Ausbruch von Antisemitismus und Antiisraelismus in den Niederlanden

7. August 2014 um 14:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die beste Möglichkeit eine Zwischenbewertung der wichtigen Aspekte des jüngsten Ausbruchs an Antisemitismus und Antiisraelismus in Europa vorzunehmen, besteht darin, sich auf ein einzelnes Land zu konzentrieren. Die Niederlande bieten da aus mehreren Gründen ein gutes Beispiel. In Frankreich z.B. überschattet die hauptsächlich von Muslimen begangene extreme Gewalt gegen Juden alle anderen Aspekte des Judenhasses. Daher ist es in Frankreich weit schwieriger seine vielen Aspekte zu erfassen.

Die Explosion des Antisemitismus in den Niederlanden hat sich bisher hauptsächlich in Drohungen und Hass im Internet manifestiert. Auch war Hass physisch auf der Straße zu erleben. Nach Angaben einer Quelle, die sich um die Sicherheit jüdischer Bürger kümmert, sind im südlichen Amsterdam Autos mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Viele jüdische Familien haben ihre Mesusen – eine Pergamentrolle, die sie als Juden identifizierbar macht – vom Türrahmen entfernt, um nicht Ziel von Gewalt zu werden.1

Mindestens fünfzehn jüdische Geschäftsleute haben Wachleute eingestellt. Einer davon ist Roland Kahn, ein bekannter Textilunternehmer. Er sagt, er ist mit Rufen beleidigt worden; man nannte ihn einen dreckigen Juden. Selbst seine marokkanischen Angestellten werden von anderen Marokkanern bedroht, weil sie für ihn arbeiten. Es gibt außerdem Drohungen gegen seine Geschäfte. Kahn fügte hinzu, dass sowohl seine Tochter als auch seine Partnerin (mit muslimischem Hintergrund) bedroht werden.2

Der Meldpunt Discriminatie Internet (MDI) beobachtet Antisemitismus im Internet und hat veröffentlicht, dass er in den siebzehn Jahren seines Bestehens noch nie so viele Beschwerden wegen Antisemitismus bekommen hat. Gewöhnlich gibt es zwei oder drei solche Vorfälle pro Woche. In den letzten Tagen haben sie zwanzig bis dreißig Beschwerden pro Tag erhalten.3

Nach Beginn der israelischen Kampagne im Gazastreifen wurde ein Stein durch das Fenster des Hauses von Oberrabbiner Binyomin Jacobs geworfen. Er sagt, das ist das fünfte Mal, dass dies in den letzten zwei Jahren geschah. Jacobs merkt an: „Die Botschaft ist offensichtlich. Ich bin wahrscheinlich zu sehr pro-Israel, ich bin Jude und ich bin ein Oberrabbiner. Es wäre infantil, würde ich die Verbindung nicht sehen.“4

Jacobs beschwerte sich auch, dass die christlichen Kirchen keine Solidarität mit den niederländischen Juden gezeigt hätten. Er sagte, wenn Protestanten einen Stein durch das Fenster eines katholischen Bischofs geworfen hätten, hätte er bei den Protesten derer, die diese Tat verurteilten, in der ersten Reihe gestanden. Erst danach reagierte der Schlüsselleiter der großen protestantischen Dachorganisation PKN, Pastor Arjan Plaisier. Er bat Jacobs in den Niederlanden zu bleiben.5 Das war auch typisch für andere europäische Länder: dass Juden die Initiative ergreifen und Kirchenorganisationen auffordern mussten Solidarität zu zeigen, statt sie von ihnen aus eigenem Antrieb zu bekommen. Zur PKN gehören auch mehrere Organisationen extrem antiisraelischer Aufwiegler.

In mehreren niederländischen Städten haben antiisraelische Demonstrationen stattgefunden. Nominell steht man dabei für die Bürger des Gazastreifens ein. Der Konflikt findet allerdings zwischen der Demokratie Israel und der völkermörderischen Terrororganisation Hamas statt, die in ihrem Parteiprogramm für den Massenmord an Juden wirbt. Fakt ist, dass diese Demonstrationen indirekt eine palästinensische Islamonazi-Bewegung unterstützen. Der Vorkriegsvorgänger der Hamas, Hadsch Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem, war seinerzeit der wichtigste palästinensisch-arabische Führer. Während des Zweiten Weltkriegs rühmte er die Gleichartigkeit der Werte seiner Vision des Islam als Ganzem und des Nationalsozialismus.6

Die Hauptexzesse gab es während antiisraelischer Demonstrationen in Den Haag. Es gab mehrere Flaggen der ISIS, der kriminellsten der vielen muslimischen Terrororganisationen. Außerdem gab es Jihad-Flaggen und Schilder, die israelische Flaggen mit dem Hakenkreuz gleichsetzten. Der niederländische Staatssender NOS war gezwungen zuzugeben, dass er absichtlich diese Bilder aus seiner Sendung über die Demonstration ausgespart hatte.7

Nach einer weiteren antiisraelischen Demonstration berichtete der Bürgermeister von Den Haag, Jozias van Aartsen, fälschlich, es habe dort keine Gesetzesverstöße gegeben. Es wurde eine Petition für seine Entlassung in Gang gesetzt. Am 31. Juli hatten siebzehntausendfünfhundert Menschen unterschrieben und sie wurde an die niederländische Regierung geschickt.8 Van Aartsen war niederländischer Außenminister, als Arafat im September 2000 die zweite Intifada begann. Im Mai 2001 pries Van Aartsen Arafat und kritisierte Israel.9

Shimon Samuels, Direktor für internationale Beziehungen des Simon Wiesenthal-Zentrums, schrieb in einem Brief an Van Aartsen, dass der Arabisch sprechende Polizist oder Übersetzer, der an der antiisraelischen Demonstration teilnahm, gelogen hatte, (als er sagte) es habe keine illegalen Vergehen gegeben.10 In der Vergangenheit hat es gelegentlich Vorwürfe gegeben, dass Übersetzer z.B. bei Asylfällen absichtlich falsch übersetzten, was die Befragten sagten. Diesmal wurde ein Übersetzer auf frischer Tat ertappt. In einem früheren Brief an Premierminister Mark Rutte hatte Samuels bereits diese Probleme aufgebracht.11

Mehrere niederländische muslimische Leiter, die fälschlich als moderat angesehen werden, sind als indirekte Unterstützer der Hamas geoutet worden. Zu diesen gehört Fatima Elatik, eine Politikerin der Arbeitspartei aus Amsterdam, die an einer der Demonstrationen in Den Haag teilnahm.12 Mehrere Juden versuchten hinterher ihr Verhalten zu beschönigen, weil Elatik in der Vergangenheit geholfen hatte das Aufräumen eines jüdischen Friedhofs zu finanzieren. Das kann aber nicht als Ausgleich für die Teilnahme an einer Versammlung angesehen werden, die die Islamonazis der Hamas unterstützt.

Die niederländische Regierung ist seit vielen Jahren schon oft vor den antisemitischen Problemen gewarnt worden. Es hat eine Reihe Debatten im Parlament gegeben. Eine folgte der Veröffentlichung meines Buch „Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland“ (Der Niedergang: Juden in den führungslosen Niederlanden) im Jahr 2010. Darin zitierte ich einen ehemaligen Minister und Leiter der Liberalen Partei, Frits Bolkestein. Er riet den jüdisch Aktiven ihren Kindern zu sagen, sie sollten die Niederlande in Richtung Amerika oder Israel verlassen. Als Grund gab er an, dass es so viele nicht integrierte muslimische junge Leute in den Niederlanden gibt, die ihnen Probleme bereiten würden.13

Im April 2013 traf der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, den stellvertretenden Premierminister Lodewijk Asscher von der Arbeitspartei, um mit ihm den starken Antisemitismus und Antiisraelismus in den Niederlanden zu diskutieren.14 Cooper lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011, die feststellte, dass mehr als 38% der Niederländer über sechzehn Jahre fälschlich der Äußerung zustimmten, Israel lösche die Palästinenser aus.15 Asscher sagte, er habe von dieser Studie nichts gehört, worauf Cooper sie ihm schickte. Es gab fast ein Jahr lang keine Reaktion.

Ende 2013 wurde das Thema in einer Debatte im niederländischen Parlament aufgebracht. Asscher reagierte damit, diese Ergebnisse Besorgnis seien erregend und inakzeptabel, schlug aber kein Handeln vor. Danach schrieb Cooper ihm und lenkte die Aufmerksamkeit ebenfalls auf die Tatsache, dass die Niederlande das einzige Land in Westeuropa waren, das sein Versagen seiner Regierungen im Londoner Exil im Zweiten Weltkrieg weder zugegeben noch sich dafür entschuldigt hatte.16 Asscher antwortete mit der Wiederholung, dass der Antisemitismus und der Antiisraelismus inakzeptabel seien. Aus seinem Brief war klar, dass die niederländische Regierung nicht die Absicht hatte irgendetwas gegen den weit verbreiteten, extremen Antiisraelismus zu tun.17 Coopers Ersuchen vom März nach einem neuen Treffen, um diese negative Antwort zu diskutieren, ist von Asscher noch nicht beantwortet worden.18

Das oben Angeführte ist eine kleine Auswahl dessen, was in den Niederlanden in Sachen Juden und Israel zunehmend falsch läuft. Es illustriert einmal mehr, das die nicht selektive Masseneinwanderung von Muslimen in den Niederlanden wie andernorts in Europa für Juden das negativste Ereignis der Nachkriegszeit ist. Es zeigt zudem die weiterhin fehlende Bereitschaft der niederländischen Behörden den weitverbreiteten Antisemitismus und Antiisraelismus der Landes zu thematisieren.

  1. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzender vom Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 ANP: Nederlandse Joden bedreigt om conflict Israël. Volkskrant, 26. Juli 2014.
2 Gerda Frankenhuis: Nederlandse Jode huren bewaking in. De Telegraf, 26. Juli 2014.
3 Record aantal meldingen antisemitisme. Radar, 28. Juli 2014.
4 ANP: Raam ingegooid bij huis van opperrabbijn. Volkskrant, 17. Juli 2014.
5 Opperrabbijn Jacobs: Kerken doen niets tegen Jodenhaat. Reformatorisch Dagblad, 28. Juli 2014.
6 Matthias Küntzel: Dschihad und Judenhass. Freiburg, ça-ira-Verlag, 2003, S. 39.
7 Servaas van der Laan: NOS geeft toe: censuur hakenkruizen bij anti-Israëlprotest. Elsevier, 15. Juli 2014.
8 Eis het ontslag van Jozias van Aartsen. Petities24.com
9 Van Aartsen tevreden na gesprek met Arafat. Trouw, 9. Mai 2001
10 Dr. Shimon Samuels Brief an Bürgermeister Jozias van Aartsen, 28. Juli 2014.
11 ebenda
12 Tonen nazivlag bij demo „schandalig“. De Telegraaf, 14. Juli 2014.
13 Manfred Gerstenfeld: Het Verval, Joden in een Stuurloos Nederland. Amsterdam (van Praag) 2010, S. 109.
14 Arutz Sheva Staff: Dutch Newspaper Utilizes Nazi Images to Defame Israel. IsraelNationalNews.com, 26. April 2013.
15 library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.
16 Rabbi Abraham Cooper, Brief an den stellvertretenden Premierminister Asscher, 6. Februar 2014, TS.
17 Lodewijk Asscher, Brief an Rabbi Abraham Cooper, 19. Februar 2014, TS.
18 Rabbi Abraham Cooper, Brief an den stellvertretenden Premierminister Asscher, 13. März 2014, TS.

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