Wie berechtigt ist der Vergleich ISIS = Hamas?

26. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in die Welt+Islam, Geistesgrößen, Islam+Islamismus | Hinterlasse einen Kommentar
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Elder of Ziyon, 22. August 2014

ISIS=Hamas

Eine Menge Leute vergleichen in letzter Zeit Hamas mit ISIS und Hussein Ibish schlug gestern auf sie ein:

H.Ibish1Diese israelische Hasbara-Kampagne Hamas=ISIS ist mehr als armselig. Richtig miserabel und es besteht keine Veranlassung dazu. Übertreibung ist durchsichtig idiotisch.

Als Reaktion auf eine Frage von Clifford May, dem Präsidenten der Foundation for Defense of Democracies, sagte Ibish, die Antwort sei „zu grundlegend“:

May+Ibish1May Ernsthafte Frage: In welchen signifikanten Punkten unterscheiden sie sich?
Ibish Ich kann Ihnen auf Twitter keinen Grundkurs Nahost und IR geben. Zu grundlegend. Wenn Sie eine Podiumsdiskussion dazu machen und mit mir diskutieren wollen, ok.

Der Thread ging weiter:

May+Ibish2Ibish – Ich kann auflisten, dass sie in nur so wenig übereinstimmen: 1) beide islamistische; 2) bewaffnet; 3) glauben an unterschiedliche Formen von „Jihad“. Das ist alles.
May – Bewaffnete Islamisten, die Krieg gegen Ungläubige führen, ein neues Kalifat errichten wollen – das erscheint mir als hohes Maß an Gemeinsamkeit.
Ibish – Die 2 letzen nicht wirklich gemeinsam, das Begriffe unterschiedlich definiert. Aber wenn Sie klare Unterschiede nicht erkennen, ist Ihnen nicht zu helfen.
May – OK, bleiben wir dann bei Ihrer Liste. Bewaffnete Islamisten, die Jihad gegen Ungläubige führen. Das ist eine Menge Gemeinsamkeit.
Ibish – Wenn Sie glauben, dass alle bewaffneten Islamisten dasselbe sind, dann sind Sie unfähig eine grundlegende MENA-Analsye zu machen. Traurig.
May – Ich finde, bewaffnete Islamisten, die Jihad gegen Ungläubige führen, haben mehr, das sie eint, als was sie trennt. Stimmen Sie dem wirklich nicht zu?

H.Ibish2

Ibish Bei einer Menge Schlüsselpunkt des zeitgenössischen Nahen Ostens mache ich das in der Tat, ja. Wenn Sie wirklich glauben Hamas = ISIS, dann gewaltiges Mangelhaft.

Ibish argumentierte in diesem Thread nicht wirklich, er stellt nur Behauptungen auf.

Es gibt einige Unterschiede zwischen islamistischen Gruppen. Die Hamas hat z.B. salafistische Gruppen im Gazastreifen bekämpft. Al-Qaida kritisierte einmal die Hamas – man glaubt es kaum: weil diese Zivilisten beschoss!

Doch während die Taktiken der Gruppen sich unterscheiden mögen, gilt das für ihre Ziele nicht. Vielleicht sind das für Ibish grundlegende Unterschiede, aber ich glaube, dass diese Unterschiede taktischer Natur sind, nicht strategischer.

Das alles überragende Ziel eines islamischen Kalifats ist das wichtigste Thema. Natürlich stimmen sie nicht überein; wann sind Araber jemals geeint gewesen? Doch angesichts derselben Ziele und annähernd derselben Missachtung der Menschenrechte sind die Unterschiede weit geringer als ihre Gemeinsamkeiten.

Denn alle drei Gruppen werden tun, was immer sie für notwendig erachten, um ihre Ziele zu erreichen.

Dinge, die den Palästinensern nicht helfen werden

24. August 2014 um 20:41 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geistesgrößen, Nahost-Konflikt, Propaganda | Hinterlasse einen Kommentar
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gefunden bei Israel Matzav:

keine-Hilfe-PA
Dinge, die Palästina nicht helfen werden: T-Shirts in Hitler mit Palästinenser-Flagge.

Anmerkung heplev:
Aber beruhigend zu sehen, wie diese Typen sich selbst entlarven.
Beunruhigend: Dass bei uns das so wenige zur Kenntnis nehmen und die Opfer dieser Islamo- und Friedens-Nazis zu den Nazis erklären.

Für uns „bleibt Hamas eine populäre politische Partei“

23. August 2014 um 8:30 | Veröffentlicht in Deutschland, Geistesgrößen, Nahost-Konflikt | Hinterlasse einen Kommentar
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Deutsche Nahost-Experten über den Gaza-Krieg
Von Matthias Küntzel, 22. August 2014 (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

Selten wurde das Debakel der deutschen Nahostforschung so kompakt illustriert wie im „Offenen Brief von deutschen Nahost-Experten zur Gaza-Krise“, der seit einigen Tagen kursiert.[1]

Zwar fehlen einige wichtige Namen, doch gehört zu den 94 Erstunterzeichnern die Führungsspitze des Berliner „Zentrum Moderner Orient“ (ZMO), das hauptsächlich aus Mitteln des Berliner Senats und der Bundesregierung finanziert wird, um uns den Nahen Osten zu erklären.

Zu den weiteren Unterzeichnern gehören Leiter von Universitätsabteilungen und Hilfsorganisationen, Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung, seriöse Forscher wie Stefan Wild und Helmut Mejcher und hoffnungslose Fälle à la Michael Lüders und Ludwig Watzal.[2]

Angeführt wird die Liste wohl nicht zufällig von Helga Baumgarten, einer Professorin aus dem Westjordanland, die 2006 eine apologetische Schrift über die Hamas veröffentlichte und darin die Hamas-Charta von 1988 dokumentiert. Damals erklärte sie die Charta für „weitgehend überholt“ und berief sich auf „führende Hamas-Mitglieder“, die ihr „in langen Gesprächen“ erklärt hätten, dass die Neuformulierung der Charta längst in Arbeit sei.

Doch das war heiße Luft. Das antisemitische Machwerk blieb unverändert. Bis heute beruft sich die Hamas auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ wie auch auf den Befehl des Propheten: „Die Muslime werden sie [die Juden] töten“. Die Charta verspricht, „Allahs Banner auf jedem Zoll Palästinas zu hissen“, Israel also auszulöschen.[3]

Frau Baumgarten und ihre Mitunterzeichner haben sich jedoch nicht an die Bundesregierung gewandt, um sie über die Hamas-Ideologie aufzuklären, wie es sich für Nahost-Experten eigentlich gehört. Sie wollen stattdessen erreichen, dass Berlin sich der Hamas annähert und sich von Israel entfernt.

Der „Offene Brief“ fordert auf der einen Seite, dass „der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas … nicht länger verweigert werden (sollte)“. Er verlangt andererseits, „die militärische Zusammenarbeit mit Israel auf den Prüfstand zu stellen“, „die restriktiven deutschen Rüstungsexportbestimmungen“ auch auf Israel anzuwenden sowie eine finanzielle „Kompensation von Israel“ für zerstörte Infrastrukturprojekte im Gazastreifen zu fordern.

Menschenrechte in Gaza

Ich fand zunächst bemerkenswert, was die Gruppe der 94 über sich selber schreibt. Sie bezeichnen sich als Menschen, die sich „mit der Entwicklung in den besetzten palästinensischen Gebieten“ beschäftigen, Punkt. Keiner scheint sich auch mit Israel zu beschäftigen.

Diese Abgrenzung entspricht der Arbeitsweise des „Zentrums Moderner Orient“. Es klammert Israel bei seinen Forschungsarbeiten über den „modernen Orient“ aus. Warum aber sollten sich Menschen, die Israel ausklammern, „Nahost-Experten“ nennen?

Eher scheint die Bezeichnung „Palästina-Experten“ angebracht. Immerhin brüsten sich die Erstunterzeichner nicht nur damit, dass sie „Demokratie(arbeit), Friedens(arbeit) und Menschenrechtsarbeit vor Ort in den besetzten palästinensischen Gebieten“ leisten. Sondern sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie „Partner/innen, Kollegen/innen und Freund/innen im Gazastreifen“ haben. Donnerwetter, dachte ich mir, Hut ab! Immerhin werden die Menschenrechte besonders in Gaza permanent verletzt. Einige Beispiele aus dem letzten halben Jahr:

Seit Ende 2013 werden Mädchen und Jungen ab 9 Jahren in Gaza-Schulen nur noch getrennt unterrichtet. Bewaffnete Tugendwächter führen seither verschärfte Kleiderkontrollen durch und unterbinden Kontakte zwischen Jungen und Mädchen. Zur gleichen Zeit setzte die Hamas eigene Schulbücher ein – Lehrmaterial, in dem Israel oder das Oslo-Abkommen nicht vorkommen.[4]

Im Januar 2014 wurden der Palestinian Independent Commission for Human Rights 55 Beschwerden über Folter und Misshandlungen in palästinensischen Gefängnissen übermittelt; 36 aus dem Gaza-Streifen und 19 aus dem Westjordanland. Zusätzlich gab es 85 Beschwerden über Willkürverhaftungen durch palästinensische Bewaffnete.[5]

Im Februar 2014 untersagte die Hamas, dass die von den Vereinigten Nationen geleiteten Gaza-Schulen Unterricht über Menschenrechte erteilen. Dieses Thema widerspräche „auf gefährliche Weise der palästinensischen und islamischen Kultur.“ Die UN-Behörde protestierte, lenkte aber schließlich ein.[6]

Ende März 2014 verschärfte die Hamas ihr Scharia-Strafrecht. Es sieht in seiner neuen Version bei kleineren Vergehen mindestens 20 Peitschenhiebe und bei größeren mindestens 80 Peitschenhiebe vor, weitet die mögliche Anwendung der Todesstrafe aus und ahndet Diebstähle mit Handabhacken. Die PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine) verurteilte das neue Strafrecht scharf.[7]

Im Mai 2014 ließ die Hamas einen 33-jährigen durch ein Erschießungskommando und einen 40-jährigen am Galgen töten, da sie angeblich mit Israel kooperiert hätten. Damit stieg die Zahl der ohne gesetzliche Grundlage durchgeführten Hinrichtungen seit 2007 auf 23.[8]

Im Juli 2014 stellte die Hamas 250 Fatah-Mitglieder nach Kriegsbeginn unter Hausarrest. Jedem, der diese Anordnung verletzte, wurden die Knie mit Gewehrschüssen zertrümmert. 125 Fatah-Mitglieder machte die Hamas zu Krüppeln. Protesterklärungen der Fatah blieben wirkungslos.[9]

Im August 2014 warfen Hamas-Militante den Leichnam des von Kugeln durchsiebten ehemaligen Pressesprechers ihrer Organisation, Ayman Taha, vor das Shifa Krankenhaus. Hier ließ man ihn eine Weile liegen. Der Sohn des prominenten ehemaligen Direktors der Gaza-Universität war im gesamten Gaza-Streifen bekannt. Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Führungsriege der Hamas verhaftet und hingerichtet worden ist. Der Vorwurf: Er habe für Ägypten spioniert.[10] Kurz darauf fand eine Protestdemonstration gegen die Hamas statt, „bei der palästinensische Sicherheitskräfte mehr als ein Dutzend Teilnehmer erschossen“, so ein Bericht der FAZ. Ein Fernsehteam wurde daran gehindert, diese Demonstration zu filmen.[11]

Diese unvollständige Liste zeigt, dass der Terror der Islamisten gegen die eigene Bevölkerung eskaliert. Hat in den letzten Monaten einer der 94 „Palästina-Experten“ und „Menschenrechtsarbeiter vor Ort“ dafür gesorgt, dass einer dieser Menschenrechtsverstöße untersucht, bekannt gemacht, skandalisiert wurde?

Ich jedenfalls habe hiervon nichts bemerkt, bin aber für Hinweise dankbar. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass Verstöße gegen Menschenrechte nur dann Gegenstand des Interesses sind, wenn jüdische Israelis sie begehen, während Verbrechen palästinensischer Regierungsstellen weitgehend unbeachtet bleiben. Sollte man anstatt von „Palästina-Experten“ vielleicht besser von „Anti-Israel-Experten“ reden?

Mildernde Umstände für die Hamas

Der „Offene Brief von deutschen Nahost-Experten“ ergreift für die Hamas gleich dreifach Partei.

Erstens findet sich im Text kein Wort zur Kriegsführung der Hamas. Dass sie den Krieg mit Israel provozierte, dass sie nach der ersten Kriegswoche den ägyptischen Friedensplan, den Israel akzeptiert hatte, zurückwies, dass sie massenweise Zivilisten als Schutzschilde missbrauchte – all dies kommt nicht vor.

Der Brief blendet Kontexte und Zusammenhänge aus und ruft stattdessen Bilder der Zerstörung und des Leids in Erinnerung – Bilder, die keine Hintergründe liefern, sondern Assoziationen wachrufen sollen. Von „Bombardierung“, „Besatzung“ und „Siedlungspolitik“ ist die Rede, während man Worte wie „Tunnel“, „Kassam-Raketen“ oder „Entmilitarisierung“ vergeblich sucht.

Zweitens verniedlichen die Unterzeichner den Terror der Hamas. Dies geschieht zum einen mittels der kühnen Behauptung, dass sich die „bewaffneten Gruppen … von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nähren“. Man greift mit dieser Entschuldigungsformel erneut in die Mottenkiste des Antiimperialismus, um sich mit der totalitären Utopie und der Siegeszuversicht der Islamisten nicht befassen zu müssen. Dieses Ausmaß an Ignoranz ist in einer Zeit, in der der „Islamische Staat“ und „Boko Haram“ Schlagzeilen machen, bemerkenswert.

Zum anderen ist immer nur von „militanten palästinensischen Gruppen“ oder „bewaffneten Gruppen“ die Rede, nie aber von Gewalttätern der Hamas. „Die Hamas bleibt, ungeachtet der Aktivitäten ihres militärischen Flügels, eine populäre politische Partei“, schreiben stattdessen unsere Nahost-Ratgeber. „Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte deshalb nicht länger verweigert werden, die Bilanz der Isolationspolitik seit dem Wahlsieg 2006 ist ernüchternd.“

Wenn auch von einem kritischen Dialog die Rede ist und davon, dass der Verzicht auf Angriffe und terroristische Mittel Voraussetzung dieses Dialogs sein müsse,[12] ist doch der positive Bezug zu dieser Gruppe, die die EU auf ihre Terrorliste setzte, nicht zu übersehen.

Drittens aber tauchen der Name „Mahmoud Abbas“ oder die Bezeichnungen „PLO“ und „Fatah“ in dem „Offenen Brief“ nicht auf. Helga Baumgartens Widerwille gegen den etwas moderateren Kurs des PLO-Führers Mahmoud Abbas ist bekannt.

Die Politik von Abbas, erklärte sie 2003 in einem Interview, stehe „für eine Option, die versucht, sämtliches Widerstandspotential auf der palästinensischen Seite mit Gewalt niederzuschlagen und zwar mit Unterstützung der Amerikaner und des CIA.“ Mahmud Abbas, bekräftigte Frau Baumgarten, gelte „in den Augen der palästinensischen Bevölkerung als ein Vertreter derjenigen, die mit den Israelis kollaborieren.“[13]

Die Professorin hält mit dieser Einschätzung einem Dogma der Achtundsechziger die Treue, demzufolge nur der jeweils radikalste Kämpfer gegen Israel zu unterstützen sei. Diese Haltung steht in einer langen Tradition, die in den dreißiger Jahren mit dem Mufti von Jerusalem – einem Nazifreund und Antisemiten – begann. Es ist eine Tradition, bei der die palästinensischen Araber stets nur als Spielmasse für ideologische Konzepte missbraucht wurden, eine Tradition, die ihnen bis heute nichts als Niederlagen, Tod und Zerstörung beschert hat.

Selten aber war das Paradigma des anti-israelischen Kriegs so isoliert wie jetzt: Der Gaza-Krieg von 2014 hat in der arabischen Welt den Hass auf die Praktiken der Hamas ebenso rasant ansteigen lassen, wie die Hoffnung, der moderatere Abbas möge die Führung in Gaza übernehmen. Ich zitiere im Folgenden eine kleine Auswahl Hamas-kritischer Stimmen aus arabischen Ländern, Stimmen, von denen man in den Medien wenig und von „deutschen Nahost-Experten“ gar nichts hört.

Wir müssen uns von der Hamas befreien!

Am 7. August 2014 schrieb die palästinensische Kolumnistin Dalia Al-`Afifi:

„Wir können nicht ignorieren, dass Ägypten jede Anstrengung unternahm, um die Aggression vollständig zu beenden – doch die Hamas irrte sich und wies trotzig und von Anfang an die ägyptische Initiative zurück. … Die Hamas hätte dem Feind Ärger bereiten können, ohne solch eine humanitäre Katastrophe über die Menschen in Gaza zu bringen, wenn sie nur von Anfang an die entscheidende Bedeutung der ägyptischen Initiative verstanden hätte und für eine Verbesserung der Waffenstillstandsbedingungen verhandelt hätte. … Stattdessen betrachtete sie die Gazaner und deren Sorgen lediglich als Nullen. … Eine solch gewaltige Zerstörung auf einem winzigen Stück Boden wie Gaza … kann nicht als Sieg betrachtet werden.“[14]

Am 12. Juli schrieb die Kolumnistin Dr. Nagla Al-Sayyid in der ägyptischen Tageszeitung Al-Gumhouriyya:

„Die Hamas hat der palästinensischen Sache Schaden zugefügt und sich als eine idiotische und gescheiterte Bewegung erwiesen.“[15]

Am 13. Juli erklärte der saudische Kolumnist Nasser Al-Sarami in Al-Jazirah:

„Während die armen wehrlosen Menschen den Raketen und Panzern ausgeliefert werden, fliehen die Jihadisten und die Führer der Bruderschaft in die befestigten Höhlen, die sie für sich selbst vorbereiteten.“[16]

Am 26. Juli schrieb der ehemalige saudischer Botschafter in den USA, Prinz Turki Al-Faisal, in der in London erscheinenden Al-Sharq Al-Awsat:

Die Palästinenser brauchen „eine Führung, die ihre beständige Kriegsambition beiseitelegt und ihre Anstrengungen dem Erreichen von Frieden widmet.“[17]

Am 8. August erklärte der libanesische Kolumnist Khairallah Khairallah in der Kuwaitischen Zeitung Al-Rai:

„Ist irgendjemand gewillt, zuzuhören und aus der jüngsten und früheren Vergangenheit zu lernen? Oder glaubt die Hamas, sie könne Palästina und Jerusalem ebenso befreien, wie sie den Gazastreifen 2007 von der Fatah befreite?“[18]

Am 10. August appellierte der Geistliche Othman Al-Khamis in Kuwait an die Hamas und erklärte in einer im Internet veröffentlichten Rede:

„Zeigt um Gottes willen etwas Beachtung für die Leben der Muslime, die getötet wurden. … Wer ist dafür verantwortlich? Warum wurden sie getötet? … Ihr sollt den Feind nicht bekämpfen, wenn ihr keine Chance habt, zu gewinnen. Es geht ums Gewinnen, nicht ums Sterben.“[19]

Abschließend das eindrucksvolle Plädoyer des Palästinensers Bassam Eid vom 9. August 2014:

„Die Mehrheit der Palästinenser war gegen die Raketenbeschüsse auf Israel. Die Palästinenser haben kapiert, dass diese Raketen nichts bewirken werden. Palästinenser haben die Hamas aufgerufen, mit dem Beschießen Israels aufzuhören und zu versuchen, mit der israelischen Besatzung zu verhandeln. Doch die Hamas hat niemals die Bedürfnisse der Palästinenser in Erwägung gezogen, sondern nur ihre eigenen Interessen. Also haben sie mit ihren Raketenschüssen auf Israel weitergemacht, im vollen Wissen um die zu erwartenden Resultate: Die Hamas bereitete den Weg für den Tod unserer Leute. (…)

Die Hamas braucht diese Tötungen, um von Sieg sprechen zu können. Der Tod der eigenen Leute macht die Hamas mächtiger und befähigt sie, mehr Geld und mehr Waffen anzuhäufen. (…)

Werden diese Toten – derzeit nahezu 1.800, fast 0,1 Prozent der Bevölkerung des Gazastreifens – eine Lehre erteilen, die wir nie vergessen werden? Die Lehre besteht darin, dass wir uns selbst von der Hamas befreien müssen und Gaza komplett demilitarisieren müssen. Dann werden wir Grenzübergänge öffnen. Ich sage dies als loyaler Palästinenser und deshalb, weil ich für meine Leute Sorge trage.“[20]

Man muss schon „Nahost-Experte“ sein, um in einer Stellungnahme zum Gaza-Krieg nicht nur diese Einschätzungen, sondern auch die Fatah selbst zu ignorieren. Und man muss ein Dampfplauderer vom Schlage eines Michael Lüders sein, um die Hamas im Deutschlandfunk als „die einzige Institution“ zu bezeichnen, „mit der sich die Menschen im Gaza-Streifen identifizieren können.“[21]

Natürlich kann das Ausmaß an Tod und Verstümmelung und die Spur der Verwüstung im Gaza-Streifen spontane Aktivitäten auslösen, die weniger einer bestimmten Analyse als vielmehr der Eingebung des Herzens folgen.

Bei dem „Offenen Brief“ an die Bundesregierung sind aber keine emotional aufgewühlte Laien, sondern „Experten“ am Werk, Fachleute also, die bezahlt werden und auf deren Urteil sich der Durchschnittsbürger verlassen können muss. Mildernde Umstände kann es da nicht geben.

Der „Offene Brief“ fällt den Palästinensern in den Rücken, die für Freiheit und Frieden, d.h. gegen die Hamas kämpfen. Er erschwert friedliche Lösungen, weil er die moderaten Kräfte der Palästinenser ignoriert und auf das islamistische Lager setzt. Er begünstigt den Judenhass auf deutschen Straßen, weil er vom Antisemitismus der Hamas nichts wissen will.

Zusätzlich hat er den Berufsstand des „Nahost-Experten“ desavouiert. Dies zumindest mag ein Fortschritt sein.

[1] https://sites.google.com/site/nahostexpertengaza/.
[2] Mit Lüders beschäftigte ich mich hier: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/michael-lueders-und-die-reichen-new-yorker-juden, mit Watzal hier: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/tag-watzal-darf-ich-sie-antisemit-nennen.
[3] Helga Baumgarten, Hamas, Kreuzlingen 2006, S. 188 und 206. Frau Baumgarten schreibt: „Während wir die abschließende wissenschaftliche Antwort auf die Frage, welche Relevanz die Charta in der aktuellen Politik in Palästina im ersten Jahr der Intifada hatte, noch nicht haben, können wir doch sagen, dass diese äußerst gering war.“ Ebd., S. 199. Der amerikanische Historiker Jeffrey Herf sieht in Charta ein „faschistisches“ Dokument: Siehe auf http://www.the-american-interest.com/articles/2014/08/01/why-they-fight-hamas-too-little-known-fascist-charter/.
[4] Fares Akram, Jodi Rudoren, To Shape Young Palestinians, Hamas Creates Its Own Textbooks, in: New York Times, 3. November 2013.
[5] Khaled Abu Toameh, Palestinian Authority Human Rights Violations Ignored by Media, West, auf: Gatestone Institute, 11. Februar 2014.
[6] Khaled Abu Toameh, Hamas: Teaching Human Rights is Against Palestinian, Islamic Culture, auf: Gatestone Institute, 27. Februar 2014.
[7] Steven Emerson, Hamas Imposes Radical New Law: Lashings, Amputations, and Massive Executions, in: the algemeiner, 30. März 2014.
[8] Fares Akram, Judi Rudoren, Hamas Executes 2 Men Accused of Aiding Israel, in: New York Times, 7. Mai 2014.
[9] Elhanan Miller, Hundreds of Fatah members under Hamas house arrest in Gaza, in: Times of Israel, 17. August 2014.
[10] Khaled Abu Toameh, Hamas Executes One of Its Leaders – Then Blames Israel, auf: Gatestone Institute, 8. August 2014.
[11] Hans-Christian Rössler, Die Raketenwerfer soll man nicht sehen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 2014.
[12] „Die israelische Zivilbevölkerung hat ein Recht auf Leben ohne Angst“, heißt es in dem „Offenen Brief“. „Das gilt ebenso für alle Palästinenserinnen und Palästinenser.“ Es ist kein Zufall, dass einzig den bewaffneten Israelis kein „Recht auf Leben ohne Angst“ zugestanden wird.
[13] Das Zerwürfnis zwischen Arafat und Abbas. Hans-Joachim Wiese im Gespräch mit Helga Baumgarten, auf: DeutschlandRadio Online, 22. April 2003. In einem erst kurz zurückliegenden Interview verteidigt Helga Baumgarten die Hamas-Politik wie folgt: „Hamas ist eine politische Partei. Diese Partei fordert, so ihr politisches Programm vom Januar 2006, ganz ähnlich wie die Fatah, die Errichtung eines palästinensischen Staats im Gazastreifen, im Westjordanland und in Ostjerusalem.“ Die Hamas-Forderungen seien ganz einfach: „Lasst uns normal leben in Koexistenz mit Israel.“ Frau Baumgarten erzählte hier Unsinn. Im Programm von 2006, dass sie in ihrem Hamas-Buch dokumentiert, heißt es: „Ja zu einem freien, unabhängigen und souveränen palästinensischen Staat auf dem gesamten Gebiet der Westbank, des Gazastreifens und Jerusalems ohne Verzicht auf einen Zoll des historischen Palästinas.“ Die Koexistenz mit Israel wird also abgelehnt. Für gegenteilige Behauptungen gibt es nicht ein Spurenelement des Beweises. (Hamas ist ,zu politischen Lösungen‘ bereit. Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten warnt jedoch vor Radikalisierung der Jugend, auf: Deutschlandradio Kultur, 21. Juli 2014.)
[14] Palestinian Columnist: Hamas Did Not Win The War, Only Brought Suffering Upon Gazans, in: The Middle East Media Research Institute (MEMRI), Special Dispatch No. 5819, 11. August 2014. Sämtliche Übersetzungen stammen vom Autor.
[15] The Current Gaza Conflict: Arab World Losing Patience With Hamas, in: MEMRI; Special Dispatch No. 5796, 16. Juli 2014.
[16] Ebd.
[17] Despite Cairo Talks, Wave Of Arab World Condemnations Of Hamas Continues: This Was No Victory; Hamas’ Foot-Dragging On Egyptian Initiative Increased Palestinian Losses; Hamas Should Be Replaced By Peace-Seeking Leadership, in: MEMRI, Special Dispatch No. 5822, 18. August 2014.
[18] Ebd.
[19] Kuweiti Cleric Othman Al-Khamis Critizies Hamas: Show Some Regard for the Lives of Muslims, in: MEMRI, Clip No. 4416 (Transkript), 10. August 2014.
[20] Bassam Eid, Hamas needs the Palestinian’s deaths in order to claim victory, 9. August 2014, auf: I24 news
[21] „Eine Schande für Deutschland“. Michael Lüders im Gespräch mit Christine Heuer, in: Deutschlandfunk, 20. August 2014.

„Palim, Palim, ich hätte gerne Frieden.“ „Ja, hamse denn auch eine RAKETE mit?“

30. Juli 2014 um 18:19 | Veröffentlicht in Geistesgrößen, Nahost-Konflikt | Hinterlasse einen Kommentar
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Gastbeitrag von Stefan Goepke, 30. Juli 2014

DADi

Vorbemerkung heplev: Auf der offiziellen Facebook-Seite von Dieter Hallervorden tauchte gestern spät abends eine Stellungnahme auf, die hier – im Ganzen, wenn auch stückchenweise – zitiert und kommentiert wurde.

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Antisemiten. Nein, bester Dieter Hallervorden, ein Antisemit wärst Du, wenn Du den Mist ernst gemeint hättest. Da wir wissen, dass Du ein Komiker bist, können wir Dir nichts vorwerfen, wenn Du dümmlich ignorante Antisemiten parodierst. Nennen wir die Figur einfach „dummer Antisemit Didi“, kurz DADi, um eine Verwechslung mit „Didi“ (Deiner anderen bekloppten Kunstfigur) auszuschließen. Auch um den Trugschluss zu verhindern, dass der Privatmann Dieter Hallervorden nicht mehr alle Pommes in der Flasche hätte.
DADi schreibt:

Israel hat eine Fläche von 20.770 Quadratkilometern. Gaza hat eine Fläche von 360 Quadratkilometern. Allein schon daran erkennt man, wie asymmetrisch der menschenverachtende Krieg Israels ist: Goliath gegen David, 10.000 Mann gegen Einen!“

Sehr gutes Intro! Abgesehen von seinen Fantasiezahlen verdreht DADi einleitend den Fachbegriff eines asymmetrischen Krieges, der im konkreten Fall eigentlich bedeutet, dass die islamistische Terror-Organisation Hamas einen asymmetrischen Krieg gegen die Juden, gegen Israel und auch die eigene Bevölkerung führt. Aus dem Verborgenen kämpft sie mit brutalsten, menschenverachtenden Mitteln, wie es Terroristen eben machen. Aber die Hamas ist dem dummen DADi absolut nicht bekannt. Gut beobachtet, denn für die Antisemiten spielt die Hamas im Konflikt um den Gaza-Streifen absolut keine Rolle! Nach seiner Logik war es wohl auch ein ungerechter Kampf, den die Attentäter von 9/11 führten, da sie mit gerade mal 19 Männern eine Nation von über 300 Millionen Menschen angreifen mussten. Einer gegen mehr als 15 Millionen. Wie gemein, diese verdammten asymmetrischen Amis, was?

Wir halten die israelische Regierung für blind und borniert, denn sie erkennt seit Jahrzehnten nicht, dass nur ein fairer Interessenausgleich zwischen Israel und Palästina – gleichberechtigt und auf Augenhöhe – die anhaltende Eskalation stoppen kann.“

Natürlich tragen die Juden die Schuld an ALLEM, selbst am mörderischen Antisemitismus. Sie sind einfach zu blind und zu ignorant, um auf einer Augenhöhe mit den Terrorfürsten der Palästinenser zu verhandeln. Offen bleibt hier, ob die israelische Regierung sich herablassen und das Motto „Vernichtet Israel und tötet alle Juden“ aufnehmen und einfach umdrehen sollte. Dies bedeutete, dass Israel alle Araber töten und die arabische Welt vernichten müsste. Oder sollten es nur die sogenannten Palästinenser sein? Aber die Option fällt leider flach, weil die Israelis ein zivilisiertes Volk sind. Bleibt dann wohl nur die zweite Option. Israel müsste mit der Hamas und Konsorten über die Tötung aller Juden und die Vernichtung Israels verhandeln. Wäre es fair, wenn die Israelis einen Kompromiss anstrebten, lediglich nur jeden zweiten Juden töten zu und Israel nur halb zu vernichten lassen? Davon abgesehen, dass der Hamas und ihren Freunden das nie ausreichen würde – die Israelis wären nicht so dumm. Oder wie sähe ein „fairer Interessenausgleich“ aus zwischen den netten Terroristen, die gerne alle Juden umbringen und den Saat Israel vernichten wollen und dem Staat Israel, der einfach (über-)leben möchte? Denn ein (weiteres) Land hätten sie schon oft haben können. Wollten sie aber nicht.

Israel muss endlich begreifen, dass man die Siedlungspolitik in den besetzten Palästinensergebieten beenden und den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat zugestehen muss.“

Nein, nicht etwa die Araber/Palästinenser müssen endlich mal einen Friedenswillen zeigen, nachdem siebisher jeden Friedensvorschlag abgelehnt und die Palästinenser keinen Vertrag eingehalten haben. Ein weiterer arabischer Staat wäre mit Sicherheit noch faschistoider und noch antisemitischer als die anderen über 20. Aber diesen Staat scheint DADi herbeizusehnen. Davon abgesehen haben die Araber vor der Gründung Israels bereits ¾ der Fläche erhalten, die eigentlich für den Staat Israel bestimmt war. Die Engländer haben es den Arabern für ihre Unterstützung im Krieg gegen Deutschland geschenkt. Daraus entstand Jordanien, mit einem Königshaus, das nichts mit diesem Landstrich zu tun hatte. Danach sollte das restliche Land nochmal aufgeteilt werden, was die Araber aber ablehnten, denn sie wollten nicht keinen Staat haben, sondern Israel bzw. die Juden vernichtet sehen. Aber in diesen Teil des Geschichtswissens hat DADi wohl wie sein Schöpfer verpasst.

Wir träumen davon, dass es den Palästinensern gelingt, ihre gerechten Interessen ausschließlich mit Diplomatie und der längst überfälligen Unterstützung der zivilisierten Völkergemeinschaft durchzusetzen.“

Auch Hitler, der die Jugend Hallervordens doch etwas prägte, musste seine „gerechten Interessen“ nach ein paar diplomatischen Erfolgen (Münchner Abkommen etc.) mit anderen Mitteln durchsetzen. Es war eben nur ein Traum, dass die Weltgemeinschaft Hitlers Traum unterstützte.

Dabei hat nirgendwo auf der Welt Rechtsextremismus und Judenhass einen Platz.“

Das gehört noch zum Traum dazu. Andere versuchen den Faschismus und den Antisemitismus zu bekämpfen statt ihn wegträumen zu wollen, ihn aber doch gleichzeitig kräftig unterstützen. Oder meint er „[...] hat nirgendwo […] einen Platz“ im Sinne von „hat nirgendwo NUR einen Platz, sondern ganz viele“?

Und wir träumen davon, dass es in Deutschland möglich ist, der israelischen Regierung einen ständigen Verstoß gegen UN-Resolutionen und die Menschenrechte vorzuwerfen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, Antisemit zu sein!“

Den Traum, ein Antisemit sein zu dürfen ohne so genannt zu werden, träumen viele, DADi. Den Gag hast Du von Nachwuchstalent Kevin geklaut, der sagte, dass man doch nicht gleich Antisemit sei, nur weil man die Juden eben nicht leiden könne.

Aber mal im Ernst, Dieter Hallervorden: Comedy lebt von Überzeichnungen und unerwarteten Wendungen. Deine Kunstfigur jedoch ist ein furchtbar gewöhnlicher Antisemit unserer Zeit. Absolut nichts besonderes. Sie arbeitet sich mit Lügen und Verdrehungen am Staate Israel ab und blendet dabei – vorsichtig gesagt – die eine oder andere Realität aus. Diese Nummer haben andere bereits lange vor Dir entdeckt und touren damit erfolgreich durch die Medien. Gegen einen Totenhöfer, einen Lüders, einen Steinbach oder wie diese Comedians alle heißen, hast Du keine Chance. Schau lieber mal bei Fips Asmussen rein, ob der nicht ein paar neue Gags hat, die Du übernehmen könntest.

Ein Friedenshetzer unterwegs

16. Juli 2014 um 14:55 | Veröffentlicht in Geistesgrößen, Medien+Nahost, Propaganda | 31 Kommentare
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Jürgen Todenhöfer – von Herbert Wehner immer gerne als „Herr Hodentöter“ angesprochen, der wusste schon damals, warum – ist im Gazastreifen. „Fassungslos“ sitzt er dort fest, samt Sohnemann Frederic. „Die Grenzen sind zu“, schreibt er.

Er sitzt – im wahrsten Sinne des Wortes und beweist es mit einem Foto auf seiner Facebookseite.

hodentoeter1

Wieso sitzt er da? Weil das die beste Propaganda ist. Er beschreibt ja noch ganz andere Sachen. Zum Beispiel, dass er sich abends das Feuerwerk ansieht: Wie die Rakete der Hisbollah mit langem Rauschweif in den Himmel steigt; dann das „durch Mark und Bein gehende Zischen einer israelischen Rakete, gefolgt von einer Ohren betäubenden Explosion. Die Erde bebt.“

Man erkennt als kundiger Leser sofort: Das arme Raketchen der Hamas oder des Islamischen Jihad ist völlig harmlos, unscheinbar, kann nichts tun. Die israelische Abwehrrakete dagegen ist bedrohlich, gefährlich, macht Angst. Lässt die Erde erzittern, so böse ist sie.

Und erst die Raketen, mit denen Israel angreift: „Um drei Uhr nachts wird unser Hotel so niedrig von einer israelischen Rakete überflogen, dass das Hotel in seinen Grundfesten wackelt. Wie bei einem schweren Erdbeben… Die Rakete zerstört ein Wohnhaus 200 Meter von uns entfernt. Wir gehen in unsere Zimmer zurück.“

Merkt der geneigte Leser etwas? Zwischen der ganzen Emotionen erzeugenden Schilderung kann man etwas erkennen das die Geistesgröße nicht beabsichtigt hat: Wieso kann der Mann so einfach auf dem Dach stehen und dem Raketenkampf zusehen? Doch wohl nur, weil er eigentlich sicher sein kann, dass die Israelis sein Hotel nicht bombardieren werden – jedenfalls nicht, solange sich dort keine Terroristen stationieren, die auf Israel schießen.

Die Angriffsrakete der Israelis war auch so gut gezielt, dass er keine Sorge haben musste. Sie flog niedrig ein, aber sie traf das beabsichtigte Ziel. „Ein Wohnhaus“, schreibt der mutige Mann. Ohne zu erwähnen, warum Israelis wohl ein Wohnhaus beschießen könnten. Das ergibt sich aus der Böswilligkeit der Juden. Denn dieser Krieg ist eine Schande. Die dreifache Schande führt er ausführlich an: 1. Die ermordeten israelischen Jugendlichen; 2. Der ermordete arabische Junge; 3. „nach wahllosen und brutalen Hausdurchsuchungen und Massenverhaftungen in der Westbank – in der völlig hemmungslosen Bombardierung der 1.8 Mio Ghettobewohner von Gaza. Durch israelische Kampfjets, Raketen, Hubschrauber, Schiffe und Drohnen.“

Klar, nicht? Oder könnte es sein, dass da etwas fehlt? Der einsetzende Raketenterror der Hamas und ihrer Genossen? Ach, das zählt ja nicht, die selbstgebastelten Dinger kann man doch nicht ernst nehmen! Haben wir in der Schilderung oben ja schon gesehen: „weißer Rauchschweif“ und so, im Gegensatz zum fiesen Zischen und drohenden Knallen der israelischen Abwehrrakete (oder der erdbebenden Bombe auf das Wohnhaus „nebenan“).

Doch halt. Herr Todenhöfer attackiert: Er „verurteilt auch ausdrücklich“ die „wirkungslose und dilettantische Schießerei der Hamas und des ‘Islamischen Jihad‘“. Boa ey, jetzt aber! Jetzt kriegen die Terroristen aber – den Zeigefinger gezeigt: „Wirkungslos und dilettantisch“! So geht es aber nicht, bitte! Wie können die es wagen ineffektiv Krieg zu führen? Wenn schon Krieg, dann bitte richtig. Da müssen tote Juden her!“

Die Geistesgröße vergisst geflissentlich: Wenn die Israelis die Eiserne Kuppel“ nicht hätten, das Raketenwarnsystem Teva Adom (Roter Alarm) die Menschen nicht warnen würde und die Bunker und Sicherheitsräume in den Häusern nicht wären, dann könnte er nicht so einen Schwachsinn von „wirkungslos und dilettantisch“ von sich geben! Ist der Mann so verblödet oder so boshaft?

Die „Verurteilung“ hält sich aber auch in Grenzen. Denn sie ist nur ein Feigenblatt gegen Kritik, da Herr Todenhöfer sie nur dafür nutzt weiter gegen Israel zu hetzen. An dieser Stelle mit seiner heroenhaften Schilderung, wie dumme Israelis völlig unnötig wie gehetzt in die Bunker rennen, weil: „Die Geschosse waren wie meist, ohne Schaden anzurichten, im Umland zerschellt.“ Oder: „Ein etwa ein Meter großes Kassam-Geschoss hatte wieder einmal sein Ziel verfehlt. Verbogen lag es auf einer Straßenkreuzung.“ Man kann es nicht ernst nehmen, das Bastelzeugs. Warum sind die blöden Juden solche Angsthasen?

Für seine „Argumentation“, dass die Israelis wahllos schießen und morden, während die „Palästinenser“ zu blöde sind etwas Anständiges anzurichten, müssen natürlich Opferzahlen herhalten: „193 : 0“ steht es für die Juden. Da ist es natürlich „völlig realitätsfremd“, wenn die Israelis behaupten sie würden sich verteidigen. Wer so viele Tote macht, der ist der Aggressor, der überreagiert. Israel steht nicht unter schwerem Beschuss. Sagt der Fachmann im Gazastreifen. Oder: Seit Beginn der 2. Intifada steht es 7.000 : 1110 gegen die Araber. Das ist keine Selbstverteidigung, sagt der Wissende, der sich auf einfache Arithmetik spezialisiert hat. Kontext?

Um Himmels willen, bitte nur solchen, der ins Bild passt! Auf keinen Fall, dass die Hamas die Leute auffordert sich als menschliche Schutzschilde zur Verfügung zu stellen! Oder dass sie aus Wohngebieten schießt, um bei Gegenschläge möglichst viele Menschen zu Opfern zu machen, die der Propaganda dienen. Dass die eine Seite – Israel – alles unternimmt, um die Bevölkerung zu schützen, während die andere – arabische – alles unternimmt, damit es möglichst viele Opfer gibt. Hat Herr Todenhöfer den Schneid zu erzählen, wo es im Gazastreifen Bunker gibt? Wer diese Bunker nutzt (wenn er sich nicht gerade in Luxushotels am Persischen Golf vergnügt)?

Nein, das hat Herrn Todenhöfer nicht zu kümmern. Denn dann müsste er ja tatsächliche Kritik an der Hamas üben, statt seine Feigenblättchen für Attacken gegen Israel zu setzen. Der Mann macht sich – ich unterstelle: bewusst und gewollt, nicht aus Dummheit und Verblödung – zum Propagandainstrument der Terroristen. Ein kleiner Beleg dafür sei gestattet. Ist jemandem in dem Foto oben etwas aufgefallen? Dort, wo der Herr Journalist so schön auf dem Trümmerhaufen sitzt?

Nicht. Dann bitte noch einmal genau hinschauen (Foto von hier):

hodentoeter2

Pallywood, wie es leibt und lebt: Kinderspielsachen, die so offensichtlich dort extra für Fotos platziert wurden, sollen an die Betrachter appellieren, dass Israel ein Kindermörder ist. Fragt sich nur, wie sich in einem solchen Schutthaufen die sauberen Kuscheltiere, Puppen, Bücher und der Kinderwagen oben auf den Trümmern befinden können, wo das Haus doch von oben nach unten zusammenbrach?

Kann Herr Todenhöfer das übersehen haben? Man könnte auch etwas böser fragen, ob er die Sachen selbst aufgestellt/hingelegt hat, um sich dazwischenzusetzen oder ob es jemand anderes gemacht hat.

Außer natürlich, der Mann ist doch so strunzdumm, dass er das nicht gemerkt hat…

UPDATE:

Der prima Mensch, der in Facebook die Aufmerksamkeit auf den Progaganda-Terz von Todenhöfer aufmerksam machte, hat sich des Hetzers mit einem Grafikprogramm angenommen und ihn dahin gesetzt wo er besonders noch hin gehört:

hodentöter3

„Nahost-Sicherheitsexperte“: Aufstieg des globalen Jihad „hat nichts mit dem Islam zu tun“

4. Juli 2014 um 14:00 | Veröffentlicht in die Welt+Islam, Geistesgrößen, Islam+Islamismus, Medien + Islam, Terrorismus | 1 Kommentar
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Robert Spencer, Jihad Watch, 25. Juni 2014

Wie kann eine “radikale Interpretation des Islam” „mit der Religion nichts zu tun“ haben? Wie kann es sein, dass diese Gruppen, die einheitlich ihr Tun auf Grundlage des Islam erklären und rechtfertigen, nichts mit dem Islam zu tun haben? Wie kann es sein, dass ein Gruppe, die sich „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ nennt und eine andere namens „Versammlung des Volks der Sunnah und Dawah und Jihad“ nichts mit dem Islam zu tun haben? Wie kann es sein, dass Studie um Studie gezeigt hat, dass Jihadisten in der Tat allgemein wohlhabender sind als ihre Altersgenossen und Krieg dennoch behauptet, die Jihadisten seien „von Entbehrungen desillusioniert“ und wendeten sich deshalb dem Islam zu?

Wie kommt es, dass dieser offensichtliche Unsinn in den Mainstream-Medien ohne einen Hauch von Widerspruch gedruckt wird? Warum wird nur Krieg zitiert, aber niemand, der sich die verfügbaren Beweise ansieht und sagt, dass der Aufstieg des globalen Jihad nur mit dem Islam zu tun hat? Warum fragt die immer geistlose Daily Mail Krieg nicht, irgendetwas mehr als die mehr als knappen Erklärung für seine den Fakten widersprechenden Behauptungen anzuführen? Warum beeilen sich die Mainstream-Medien immer so sehr den Islam von aller Verantwortung für die immer weiter steigende Zahl an Gräueltaten zu entlasten, die in seinem Namen verübt werden und von seinen Texten und Lehren sind, statt der Ideologie entgegenzutreten, von der die Jihadisten sagen, dass sie sie inspiriert; warum werden keine positiven und effektiven Wege beschrieben, seine Macht zu Gewalt aufzuhetzen zu beschränken?

Ich würde liebend mit gerne Andreas Krieg über diese Frage diskutieren. Ich bin aber sicher, dass er das zu tun ablehnen würde.

„Von Syrien über den Irak nach Kenia und Malaysia: Wie ein neues Zeitalter des islamischen Fundamentalismus in der gesamten Welt Angst und Chaos verbreitet“, von Simon Tomlinson, Daily Mail, 25. Juni 2014:

Andreas Kreig [sic], ein Nahost-Sicherheitsexperte am King’s College London in Qatar, sagte, er habe in den letzten Wochen und Monaten einen Anstieg des Extremismus festgestellt, sagte aber, der Islam sei dafür nicht verantwortlich zu machen.

Er sagte der MailOnline: „Allem empirischen Daten zeigen, dass er zunimmt. Man findet das in allen Schlagzeilen, dann sieht man sich den Irak an, dann sieht man sich Syrien an, dann Nigeria. „Aber in allen drei Fällen hat das nichts mit dem Islam zu tun. Ich glaube, dass die Menschen im Westen glauben, das sei so, weil sie sich vom Islam verprellt fühlen. Es gibt eine Menge Islamophobie.“

Kreig [sic] sagte, mehr und mehr Gemeinschaften – oft durch Entbehrung oder andere Missstände desillusioniert – haben sich in den letzten Jahren religiösen Gruppen als Alternative zu säkularen Regimen zugewandt. Er sagte: „Wenn Gemeinschaften entrechtet werden – und viele davon sind muslimisch – dann nutzen sie den Islam, um ihre jeweilige Sache zu fördern. Sie folgen einer radikalen Interpretation des Islam, aber das hat nichts mit der Religion zu tun.“

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