Nochmal zurück zu Yitzhak Rabin

28. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Europa+Nahost, Friedensinitiativen, Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser | 1 Kommentar
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Lewis Rosen, Times of Israel blogs, 22. August 2014

Die Raketen- und Tunnel-Angriffe im Juli 2014 aus dem Gazastreifen auf Israel haben Israels legitime Sicherheitsbedenken bezüglich der Westbank verstärkt. Wegen der engen Nähe der Westbank zur Küstenebene, wo die Mehrheit der Bevölkerung des Landes lebt und ein Großteil seiner wirtschaftlichen Aktivität stattfindet und zu der auch der Ben Gurion-Flughafen gehört, erkennen die meisten Israelis die tief gehende existenzielle Bedrohung, die solche Angriffe darstellen würden. Diese verstärkten Bedenken lassen die Aussichten der lange angestrebten Zweistaaten-Lösung noch weiter entfernt erscheinen. Viele Kommentatoren sagen, die einzige Alternative zur Zweistaaten-Lösung sei ein einziger Staat vom Jordan zum Mittelmeer, eine unattraktive Zukunft. Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit, die eigentlich ein altes Muster ist: „Autonomie“. Sie könnte weitgehend auf Ideen gründen, die am 5. Oktober 1995 von Yitzhak Rabin in seiner letzten Rede vor der Knesset vorgelegt wurden, nur 30 Tage vor seiner Ermordung.

Das „Zweistaaten“-Konzept hat eine lange Geschichte, die mit der britischen Peel-Kommission von 1937 beginnt. Die am 29. November 19147 angenommene von der UNO-Vollversammlung angenommene Resolution 181 forderte die Gründung eines jüdischen Staates und eines arabischen Staates, dazu einen Sonderstatus für Jerusalem. Bedauerlicherweise wurde Resolution 181 einmütig und vehement von allen arabischen Staaten abgelehnt, ebenso von allen arabischen Führungspolitikern, die arabische Einwohner Palästinas repräsentierten. Nach Israels Unabhängigkeitskrieg blieb die Kontrolle des Gazastreifens bei Ägypten und Jordanien kontrollierte einen Teil Jerusalems und das Gebiet, dass es Westbank nannte; beides wurde von ihm annektiert. 1964 wurde die Palästinensische Befreiungsorganisation gegründet. Ihr Ziel war kein Palästinenserstaat in der Westbank und dem Gazastreifen, die zu dieser Zeit nicht von Israel kontrolliert wurden, sondern die Eliminierung Israels. Nach dem Sechstage-Krieg vom Juni 1967 kontrollierte Israel die Sinai-Halbinsel, den Gazastreifen, die Westbank du die Golanhöhen. Die arabische Antwort, formuliert im September 1967 in Khartoum, waren die berühmten „drei Nein“: „Nein zum Frieden mit Israel, nein zur Anerkennung Israels, nein zu Verhandlungen mit Israel.“

Nachdem Yitzhak Rabin 1992 Premierminister wurde, fanden eine Reihe geheimer Treffen zwischen Israelis und Palästinensern statt – ursprünglich ohne Rabins Wissen. Diese führten zu den Vereinbarungen von Oslo. Diese Vereinbarungen und die dem folgenden gründeten die palästinensische Autonomie in Teilen des Gazastreifens und der Westbank und stellte sich eine fünfjährige Verhandlungsphase vor, die 1999 in einer langfristigen Vereinbarung münden sollten.

Bemühungen der Präsidenten Clinton, Bush und Obama eine Lösung des arabisch-israelischen Konflikts durch Verhandlungen zu fördern (in den Jahren 2000, 2007/08 und 2014) zielten alle auf eine „Zweistaaten-Lösung“.

Yitzhak Rabin hatte eine lange und hervorragende Karriere im Militär, zu der die Führung zahlreicher Palmach-Aktionen in der Periode vor der Staatsgründung ebenso gehörten wie der Aufstieg in die Position des IDF-Generalstabschefs und der Dienst als Verteidigungsminister. Angesichts der Größe und Topografie der Westbank, die Israels dicht besiedelte und hoch industrialisierte Küstenebene überragt und da die Westbank Jerusalem auf drei Seiten umschließt, war in Rabins Augen die militärische Kontrolle über die Westbank unerlässlich.

Yitzhak Rabin hielt am 5. Oktober 1995, einen Monat vor seine Ermordung, vor der Knesset eine höchst wichtige Rede. Darin umriss er seine Vision einer dauerhaften Lösung zwischen Israel und den Palästinensern. Seine Hauptpunkte waren:

  • Israels dauerhafte Grenzen werden über die vom 4. Juni 1967 hinausgehen.
  • Israels Sicherheitsgrenze wird dauerhaft im Jordantal verortet sein, „in der weitesten Bedeutung dieses Begriffs“.
  • Die palästinensische Einheit in der Westbank und dem Gazastreifen wird „weniger sein als ein Staat“.
  • Das vereinigte Jerusalem wird die Hauptstadt Israels unter israelischer Souveränität sein, während das Recht auf freie Religionsausübung für die Mitglieder aller Glaubensrichtungen erhalten bleibt.
  • Einige Gemeinden jenseits der Linien vom 4. Juni 1967 werden Teil des Staates Israel sein.
  • Israels Ziel ist es ein jüdischer Staat zu sein, dessen Einwohner zu mindestens 80% Juden sind, was praktisch eine Rückkehr der palästinensischen „Flüchtlinge“ ausschloss.

Während der von John Kerry unterstützten, fehlgeschlagenen Verhandlungen vom Juli 2013 bis März 2014 lehnten die Palästinenser jegliche langfristige Präsenz israelische Truppen im Jordantal und innerhalb der Westbank ab. In Reaktion darauf versuchten die USA einen Sicherheitsplan zu entwickeln, der die israelische Militärpräsenz ersetzen würde, was aber für Israel inakzeptabel war, eine Haltung, die mit der Vision Rabins vom Oktober 1995 übereinstimmt.

Wie gesagt hat der aktuelle Gaza-Krieg die grundlegende Notwendigkeit verstärkt, dass Israel die militärische Kontrolle über die Westbank behält. Als Raketen aus dem Gazastreifen auf Tel Aviv, Lod und andere Orte im Zentrum geschossen wurden, gab es eine Vorwarnzeit von rund 90 Sekunden. In Kombination mit dem System Eiserne Kuppel gestattete dies vielen Aktivitäten normal weiterzulaufen. Würden aber Raketen und Mörser aus der Westbank auf den Flughafen oder Tel Aviv geschossen werden, würde die Vorwarnzeit sich verringern, wahrscheinlich auf rund 15 Sekunden. Das normale Leben und reguläre wirtschaftliche Aktivitäten würden erheblich eingeschränkt, in der Art wie es für die Gemeinden und Städte in der Nähe des Gazastreifens während der jüngsten Feindseligkeiten der Fall war. Die wahrscheinliche Einstellung der Flüge durch die meisten oder alle Auslands-Fluglinien wäre nur eine von mehreren strategischen Bedrohungen Israels, würde es nicht die effektive Kontrolle über die Westbank behalten. Doch solche Kontrolle ist mit einem Palästinenserstaat nicht vereinbar.

Die alarmierende neue Stärke und Aggressivität des Islamischen Staats (IS) in Teilen des Irak und Syriens könnte, zusammen mit seiner höchst expansionistischen Weltsicht Jordanien und letztlich Israel bedrohen. Diese Entwicklung verstärkt die Notwendigkeit der Kontrolle des Jordantals durch Israel. Daher ist aus Gründen der Sicherheit Israels etwas weniger als ein Staat für die Palästinenser notwendig.

Soll dieser Ansatz politisch Aussicht auf Erfolg haben, müssten die USA und europäische Schlüsselstaaten anerkennen, dass ein kurz- oder mittelfristiger militärischer israelischer Abzug aus der Westbank und dem Jordantal eine unzumutbare Forderung wäre. Es wäre zwar eine beträchtliche Änderung in ihrer öffentlichen Haltung, doch machte es der jüngste Krieg zusammen mit einer objektiven Anerkennung der Topografie der Westbank und ihrer Nähe zu Israel das zu einer angemessenen Veränderung. Angesichts des hohen Respekts, den Yitzhak Rabin hat, muss seine Vision stark beworben werden, um zu helfen die westlichen Mächte davon zu überzeugen, dass Israels Haltung vernünftig ist. Es wäre auch sehr willkommen, wenn Israels Arbeitspartei zu den stärker im Zentrum angesiedelten Positionen zurückkehren würde, die sie unter Rabin einnahm, die den folgenden Parteiführungen jedoch fehlte.

Wäre Autonomie eine dauerhafte Lösung? In Rabins Denken war sie das. Doch wir könnten die Möglichkeit der Bewegung hin zu einer reduzierten israelischen Sicherheitspräsenz in der Westbank überlegen, wenn es einige tiefgreifenden langfristige (über 20 bis 30 Jahre) Veränderungen gibt, die die palästinensische Körperschaft weniger potenziell bedrohlich machen.

Dazu würde ernsthafter Aufbau von Institutionen mit deutlich reduzierter Korruption gehören. Während der Zeit von den 1920-er bis in die 1940-er Jahre hatte David Ben-Gurion den Vorsitz über den Aufbau wichtiger sozialer, wirtschaftlicher und Regierungsinstitutionen sowie eine stark wachsende Wirtschaft. Leider haben die Palästinenser noch sehr viel vor sich, um einer solchen Leistung zu entsprechen und wirtschaftlich autark zu werden. Weitere notwendige langfristige Veränderungen würden die Eliminierung der antiisraelischen und antijüdischen Verleumdungen beinhalten, die derzeit in palästinensischen Bildungsinstitutionen, Medien und Moscheen vorherrschen. Dazu würde die Beendigung der Verherrlichung von Judenmördern gehören. Die Hamas und andere Extremistengruppen müsst neutralisiert und die Palästinensergebiete demilitarisiert werden. Die Umwandlung von Flüchtlingslagern in dauerhafte Wohnsitze ist ein weiterer wichtiger Schritt, der umgesetzt werden muss. All dies würde gekrönt von der Anerkennung, dass Israel der Nationalstaat des jüdischen Volkes ist. Ein solches Programm erfordert eine neue Palästinenserführung, die die erfolgreiche Umsetzung all dessen anstrebt.

Natürlich würden diese gedachten langfristigen Veränderungen in der palästinensischen Gesellschaft und Wirtschaft eine Entspannung der Verteidigungsstellung der IDF in der Westbank und dem Jordantal erlauben, aber nicht ihre Abschaffung, da die regionalen Bedrohungen wie der Islamische Staat voraussichtlich eine Realität oder potenzielle Realität der vorhersehbaren Zukunft bleiben werden.

Unrealistisch? Vermutlich. Aber die „Zweistaaten-Lösung“, die sich die US-Regierung und die EU vorstellen, hat sich als unrealistisch erwiesen und ist seit dem aktuellen Krieg im Gazastreifen noch unrealistischer geworden.

Ein verfluchter, endloser Frieden

22. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Nahost-Konflikt | Hinterlasse einen Kommentar
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Daniel Greenfield, 10. Juli 2014

„Krieg ist Frieden“ hielt in unser kulturelles Vokabular vor rund 60 Jahren Einzug. Um die gleiche Zeit, in der Orwells Meisterwerk gedruckt wurde, wurde ein Waffenstillstand zwischen Israel und den arabischen Invasionsarmeen ausgehandelt. Dieser Waffenstillstand begann den langen friedvollen Krieg oder den kriegerischen Frieden.

Der ganze Affenzirkus betrat das Reich des Orwellianischen nicht wirklich, bis der Friedensprozess begann. Der Friedensprozess zwischen Israel und den Terrormilizen, die von Ländern dieser eindringende Armeen finanziert werden, dauert inzwischen länger als die meisten tatsächlichen Kriege. Er hat auch mehr Leben gefordert als die meisten tatsächlichen Kriege.

Krieg hat ein Ende. Frieden nicht. Ein Frieden, in dem man sich ständig im Krieg befindet, kann für immer weiter gehen, denn während den Kriegsenthusiasten irgendwann ihr Patriotismus ausgeht, geben die Friedensenthusiasten ihre Friedensmacherei niemals auf. Kriegstreiber mögen nach ein paar tausend Toten aufgeben, aber Friedenshetzer werden auf einer Million Leichen Pirouetten drehen.

Zwei Jahrzehnte später hat der Friedensprozess auf jede vorstellbare Weise versagt und Friedhöfe auf beiden Seiten sind voll mit Opfern des Friedens. Zwei Jahrzehnte, die zwei misslungene Palästinenserstaaten geschaffen haben, die sich miteinander und mit Israel im Krieg befinden.

Nach zwei Jahrzehnten ist immer noch Zeit für Frieden angesagt.

Friedenszeit bedeutet, dass es an der Zeit ist ein paar weitere israelische Zugeständnisse einzubongen, in der Hoffnung die Terroristen und ihre zerstrittenen Staaten für einen weiteren Fototermin für das herrliche Fotoalbum der Friedensmacher zurück an den Verhandlungstisch zu bringen. Es wäre schön, könnte man glauben, die Friedensseuche sei einer der Virusse, die nur im Blut der Linken unterwegs sind. Das ist aber nicht so.

Von Zeit zu Zeit werde ich nach einer Lösung des israelisch-palästinensisch-arabisch-muslimischen Konflikts gefragt und die Fragesteller sind verdutzt, wenn ich ihnen sage, dass es keine Lösung gibt. „Überhaupt keine Lösung? Aber es muss eine Lösung geben. Was ist mit all den moderaten Stimmen guten Willens? Was ist mit all den Müttern, die nur ihre Kinder mit frohen Lidern über Frieden groß ziehen wollen? Was ist mit all den alten Soldaten, die des Kriegs müde sind? Was ist, wenn wir sie alle in einen Raum bekommen, damit sie sich die Hände schütteln und für Fotos aufstellen können? Wird es dann keinen Frieden geben?“

Sowie die Gesellschaft progressiver wurde, wurde es zunehmend schwieriger selbst intelligenten Leuten zu erklären, dass die Welt so einfach nicht funktioniert. Für die zwei Generationen des Kalten Krieges war es beinahe unmöglich zu kommunizieren, dass es wirklich keinen Frieden mit der Sowjetunion geben würde, der anders war als die kalte Art, die durch gegenseitige Machtbalance beibehalten wurde. Ihre Kinder und Enkel scheinen gleichermaßen unausgerüstet zu sein zu verstehen, dass die gravierendsten Kriege damit enden, dass entweder die eine oder die andere Seite endgültig verliert und sich als Ergebnis dieser Niederlage fundamental verändert; oder dass beide Seiten einen kalten Frieden beibehalten, solange keine Seite glaubt, dass sie die andere mit Hilfe eines Überraschungsangriffs zerquetschen kann.

Israel hatte Frieden, bis es Friedensverhandlungen anfing. Es war kein perfekter Frieden, aber abgesehen von dem kleinen Problemen der Intifada – verglichen mit der Gewalt, die nach dem berüchtigten Handschlag im Rosengarten begann ein Nadelstich – war es eine gute Zeit, wie man sie nie wieder erlebte, bis Israel aufhörte Friedensprozess mit den Terroristen zu spielen und stattdessen lernte sie auf Abstand zu halten.

Doch die relative Abwesenheit von Gewalt ist nach Angaben der Amateur-Friedensmacher nicht Frieden. Und Kriegszeiten-Frieden ist nicht das, was sie wollen. Was sie willen, ist ein Krieg im Frieden. Lasst es Händeschütteln und Selbstmord-Bombenanschläge geben. Lasst blutige Leichen von den Bürgersteigen kratzen, aber lasst auch Kinderchöre vom Frieden singen. Lasst tausend Grabsteine aufstellen, solange nur jeder glauben kann, dass Frieden nahe ist.

Dieses vulgäre Workshop des Friedens als Religion, ein Bekenntnis, das den Gauben gläubiger Männer und Frauen an die Menschheit wiederherstellt, ist eine Kombination leerer Sentimentalität und kalkulierter Ignoranz.

Wir müssen Frieden in unserer Zeit haben, sagen die Friedensmacher. Und Israel muss in liefern. Es müssen weitere territoriale Zugeständnisse auf den Tisch. Mehr guter Wille muss gezeigt werden, damit die Friedensmacher auf ihre Fernseher starren und seufzen können, ihr Glaube an das Gute in jedem Mann, jeder Frau, jedem Kind und jedem Selbstmordbomber einmal mehr wiederhergestellt.

Mit wem will Israels Frieden schließen? Präsident Abbas von der PA, der seit dem Wahlsieg der Hamas nicht wieder zur Wahl stand, will nicht verhandeln. Die Hamas will nur eine kurzfristige Pause in ihrem Feldzug zur Vernichtung Israels verhandeln. Wenn er nicht mit der Hamas im Krieg ist, erklärt Abbas, dass er dieselbe Haltung zum Terrorismus einnimmt wie die Hamas. Jetzt, wo Abbas wieder mit der Hamas zusammengeht, gibt es nicht einmal mehr jemanden, mit dem man verhandeln kann.

Doch die Friedensmacher interessieren Details nicht. Sie mögen das geistlose Bild ihres Idealismus. Und das große Bild lautet, dass es eine Antwort geben muss. Zehntausende forderten sie in London vor dem Krieg und Chamberlain lieferte sie ihnen. Frieden kam in unserer Zeit an, kurz vor den Nazi-Bombern. Tausende weitere forderten sie von jedem amerikanischen Präsidenten, der sich einem kommunistischen Strolch auf der anderen Seite des Verhandlungstischs gegenüber sah. Und sie bekamen sie.

Es gab Atomverträge, die den Sowjets nichts bedeuteten und die keinen Frieden brachten, aber das ließ sich all die Amateur-Friedensmacher wegen sich selbst besser fühlen. Und statt dass Frieden über einen Verhandlungstisch kam, brach dann die Sowjetunion zusammen, weil ein pingeliger Cowboy ein Raketenabwehrprogramm nicht aufgeben wollte, von dem jeder Harvard-Absolvent wusste, dass es nie funktionieren würde. Und jetzt, wo ein weiterer Harvards-Absolvent stolz versucht die Lorbeeren für Israels Eiserne Kuppel einzuheimsen, wissen sie immer noch, dass es nicht funktionieren kann.

Reagan beendete den Kalten Krieg nicht mit Verträgen; er beendete ihn durch beharrliches Anstreben überlegener Feuerkraft. Und das ist der Grund, warum der sich bei seinem Besuch in Israel die Eiserne Kupel ansehende Harvard-Absolvent im Namen des Friedens Russland seine friedliche Flexibilität gezeigt hat, indem er die Endstufe der Raketenabwehr aufgegeben hat. Jeder Harvard-Absolvent weiß, dass Raketenabwehr keinen Frieden bringt.

Doch was konnte man schon von Reagan erwarten? Dieser arme Tropf ging auf das Eureka College. Wie konnte er wissen, dass die UdSSR zu besiegen nicht funktionieren konnte?

Obama will dasselbe von Israel, das er zu bekommen versucht, indem er Polen in Sachen Raketenabwehr hintergeht. Frieden. Während es die einzige Zeit, in der Israel irgendeine Art von Frieden hatte, nach einem Krieg gegeben hat.

Harvard-Absolventen und die Leute, die ihnen zuhören, wissen, dass Frieden nur am Schwanzende einer langen Reihe von Zugeständnissen und Appeasement herbeizuführen ist. Und dann, wenn du endlich deinem Peiniger den Schlüssel zu deinem Haus, deine Autoschlüssel und deinen Glückspfennig übergeben hast, er dann deine leeren Taschen durchsucht hat, wird er schließlich widerwillig nicken und widerwillig Frieden zustimmen. Soll heißen: Wenn er dich nicht eigentlich töten will.

Und das ist das Problem mit den Friedensmachern; sie kalkulieren nicht ein, wie mit Killern Frieden gemacht werden kann.

Die meisten Länder schließen gewalttätige Mörder weg, wenn diese aus Spaß ein Dutzend Menschen töten. Aber wenn sie ein Dutzend Menschen töten, um andere Mörder zu befreien oder Anspruch auf ein Stück Land zu erheben, dann sind sie es wert, dass man mit ihnen verhandelt. Und der einzige Ausgang der Verhandlungen besteht darin, Mord als Verhandlungstaktik zu etablieren.

Frieden führt zu Krieg, weil Frieden machen die Kriegshetzer belohnt. Es belohnt die hartnäckigen Killer, die es ablehnen mit dem Töten aufzuhören. Und je mehr sie damit belohnt werden, desto mehr töten sie.

Das ist der Grund, dass Israel Jahrzehnte zu spät dran ist den Frieden zu liefern, den all die Amateur-Friedensmacher haben wollen. Jedes Mal, wenn es bei Terrorismus & Co. anruft, um Frieden mit etwas zusätzlicher Bruderschaft oben drauf zu bestellen, fährt ein Selbstmordbomber vor seiner Tür vor. Und so hat seit zwei Jahrzehnten in einer nervtötenden Realität des Friedensmachens, die keiner der Friedensmacher hören wollen … hat Frieden Krieg bedeutet.

Jedes Mal, wenn eine neue Phase des endlosen Friedensprozesses gestartet wird, sterben mehr Menschen. Während den Verhandlungen sterben mehr Menschen als sonst. Die Friedensmacher erklären das damit, dass sie sagen, die nicht am Verhandlungstisch sitzenden Terroristen versuchten die Terroristen zu sabotieren, die am Verhandlungstisch sitzen. Die Toten sind Opfer für Frieden und wenn Israel sich gegen eine der Terrorgruppen wehrt, dann ist es schuldig den Friedensprozess zu blockieren, der abgesehen von all dem Terrorismus richtig gut läuft.

Die rationale Antwort ist, dass Frieden einfach nicht stattfinden wird. Die zwei Terrorgruppen in ihren beiden Staaten wurden aus einem einzigen Grund gegründet: Israel zu vernichten. Sie werden von Ländern finanziert und unterstützt, die israelische Bauernhöfe mit Panzern etwa zu der Zeit angriffen, als Orwell „Krieg ist Frieden, Sklaverei ist Freiheit und Ignoranz ist Stärke“ den Feinschliff gab.

Sie werden nicht aufhören Israel zu vernichten, weil das alles ist, was sie kennen und ihr einziger Daseinsgrund. Und als wäre das nicht genug, haben sie Generationen damit verbracht ihre Kinder hassen zu lehren; es gibt zudem absolut kein Zeichen dafür, dass sie die Hass-Maschine bremsen, die klarer als alles andere zum Ausdruck bringt, dass sie nicht vorhaben jetzt – oder in zwanzig Jahren – mit dem Kampf aufzuhören. Nicht, wenn ihr Bildungssystem darin besteht den Selbstmordbomber von Morgen auszubilden.

Ignoranz ist jedoch eine besondere Stärke der Friedensmacher. Sie wollen keine Gründe dafür, dass er nicht eintreten kann. Sie wollen auch nicht hören, dass die beste Möglichkeit Frieden mit Leuten zu haben, deren Religion ihnen sagt, sie werden in den Himmel kommen, wenn sie dabei sterben deine Kehle durchzuschneiden, der schwer bewaffnete Frieden des kalten Eisens und Stahls ist.

Krieg ist ihr Frieden und Ignoranz ihrer Stärke.

Islamischer Fundamentalismus, die permanente Bedrohung (Teil 3/3)

18. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Ende Juni 2014 verstarb Professor Mordechai Abir. Er lehrte Nahost- und Islam-Studien an der Hebräischen Universität, bevor er in den Ruhestand ging. Manfred Gerstenfeld interviewte ihn vor zwanzig Jahren für sein Buch Israel’s New Future. (Das Buch wurde letztes Jahr mit einer neuen Einleitung unter dem Titel Israel’s New Future Revisited nochmals veröffentlicht.) Damals war der islamische Fundamentalismus gegenwärtig, aber nicht das große Problem, zu dem er seitdem geworden ist. In dem Interview zeigte Abir große Voraussicht dazu, wie der Fundamentalismus sich entwickeln könnte. Unten folgt der zweite Teil des Interviews. (Teil 1, Teil 2.)

Abir spricht offen von seiner Befürchtung, dass die von pazifistischen Vertretern Israels unternommenen Schritte praktisch den Weg zur Gründung eines PLO-Staats in der Westbank ebnen. Er hat wenig Zweifel, dass ein solcher Staat von Fundamentalisten und/oder sich verweigernden Nationalisten übernommen wird.

„Nehmen wir an, dass die Hamas sich aus taktischen Gründen heraushält und der von Arafat geführte Mainstream-PLO-Palästinenserstaat gegründet wird“, sagt er. „In einer zweiten Phase wird die Hamas die Macht übernehmen. Der derzeitige Trend ist, dass die Massen – besonders diejenigen, die wirtschaftlich leiden – zunehmend den Fundamentalisten folgen.

In der Tat könnte ein Palästinenserstaat ohne die riesigen Ressourcen, die nötig sind, um die Probleme seiner Bevölkerung und der Palästinenser in der Diaspora zu lösen, eine sehr schwierige Wirtschaftskrise durchmachen. Er wird von unfreundlichen arabischen Regimen und Israel umgeben sein, außer er schafft eine Art Union mit Jordanien zu bilden und erhält substanzielle Hilfe.

Darüber hinaus, stellt er fest, lebt nur die Hälfte des palästinensischen Volks in der Westbank und dem Gazastreifen, viele davon in Flüchtlingslagern. „Was wird mit den 2 bis 2,5 Millionen Palästinensern geschehen, die sich außerhalb befinden und ihre Identität bewahren?“, fragt er. „Sie leben in Lagern in fast allen arabischen Ländern oder in anderen Teilen der Welt, verschmäht von ihren arabischen Brüdern.

Für sie wird der Krieg nicht vorbei sein, da sie in den 6000 Quadratkilometern der Westbank und des Gazastreifens – wo die Bevölkerung bald die Zahl von einer Million Menschen betragen wird – keinen Platz haben werden; sie werden auf dem „Rückkehrrecht“ (awda) nach Akko, Jaffa, Aschdod und Westjerusalem bestehen. Kann Arafat solche Forderungen auffangen? Will er das ernstlich? Man kann sich den Fall des Libanon und seiner politischen Auswirkungen ansehen.

Ich kann eine solche Lösung als überhaupt nicht praktisch ansehen“, sagte er rundheraus, „außer es wird irgendeine Zauberformel gefunden das Problem mit allen Palästinensern zu lösen. Andernfalls wird der innere Druck weiter bestehen Israel zu überrennen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.“

Er sieht allerdings keine andere Alternative. „Die beste Lösung für das palästinensische Volk wäre es, wenn das haschemitische Königreich fällt“, sagte er. Jordanien, das eine mehrheitlich palästinensische Bevölkerung hat, wird ein Palästinenserstaat mit einem Ableger in der Westbank und dem Gazastreifen werden. Eine weitere, aber problematischere Alternative wäre eine jordanisch-palästinensische Föderation.

Israel muss sich um seine eigenen Interessen kümmern und daher auf Sicherheitsarrangements bestehen, die seine Existenz garantieren“, sagt er. „Ist ein Palästinenserstaat erst einmal gegründet – oder auch nur eine autonome Region – dann wird er vom internationalen Recht und internationalen Organisationen geschützt. Israels Möglichkeit seine Bevölkerung und seine Sicherheit zu schützen wird dann eingeschränkt sein.

Die jordanische Lösung wird den Palästinensern eine ausreichende territoriale Basis geben“, führt Abir fort. „Solch ein palästinensisches Jordanien könnte gemeinsame Wasserressourcen mit Israel und groß angelegte gemeinsame Entsalzungsprojekte haben. Es könnte vielfältige gemeinsame Projekte geben, von denen beide Länder profitieren.

Selbst eine jordanisch-palästinensisch-israelische Wirtschaftsföderation ist möglich“, sagt Abir. Diese könnte bedeutsame arabische und internationale Investitionen anziehen, die das Problem zu lösen helfen.

Die palästinensisch-jordanische Einheit würde eine Flagge, eine Armee und eine Luftwaffe östlich des Jordan haben“, sagt er. „Sie hätte in Aqaba einen Zugang zum Meer, was auch für den Irak von Bedeutung wäre. Es gäbe zudem einen von Israel kontrollierten Korridor in den Gazastreifen und zu anderen Mittelmeerhäfen.

Die Einheit würde einen viel höheren Bildungsstand haben als die Golfstaaten und könnte ein wichtiger Teil der Entwicklung der arabischen Länder werden und von solchen Verbindungen profitieren. Viele Joint Ventures werden bereits vorgeschlagen und viele weitere werden entstehen, wenn die Friedensverhandlungen Frucht tragen und eine jordanisch-palästinensische Einheit schaffen.“

Das Land würde, gibt Abir an, beträchtliches Einkommen aus Öl- und Gas-Pipelines erhalten, die aus Saudi-Arabien, dem Golf, dem Irak und Syrien das Land passieren. Es könnte auch ein Durchgang für Handel von Israel mit der arabischen Welt und zur Verbindungsstelle zu israelischer Technologie in verschiedenen Bereichen sein.

„Ein solches Land könnte echte wirtschaftliche Erwartungen und eine realistische politische Überlebenschance haben, ohne bald auf Krieg zurückgreifen zu müssen“, sagt Abir.

Das ist ein ziemlich rosiges Bild, aber Abir betont, dass dies nur mit einer aus dem Friedensprozess entstehenden palästinensisch-jordanischen Föderation oder wenn Jordanien eine palästinensische Heimat wird Realität werden kann. Während Fundamentalismus und andere ultra-nationalistischen Bewegungen weitermachen, bleibt er dabei, dass sie nicht die von ihnen gewollte Macht erwerben dürfen, wenn ein unabhängiger Palästinenserstaat in den Gebieten entsteht.

„Meine Meinung ist das Ergebnis des Studiums der Weltgeschichte der Muslime“, erklärt Abir. „Zu einem großen Teil ist der Erfolg des Fundamentalismus weniger Ergebnis politischer Unzufriedenheit, als eher der wirtschaftlichen Not. Die muslimische Welt erlebt Wellen steigenden Fundamentalismus. Im Islam gab es immer fundamentalistische Tendenzen und es wird sie immer geben. Die einzige Frage ist, wie mächtig sie sein werden.“

Er kehrt zum Beispiel des Iran zurück und sagt: „Paradoxerweise bot der Fundamentalismus keine Antwort auf die sozioökonomischen Probleme des Iran. Der Lebensstandard der iranischen Bevölkerung ging unter dem verstorbenen Schah zurück. Nur fünf Prozent lebten in Saus und Braus. Es überraschte nicht, dass die ungebildeten Menschen, die oft Pachtbauern waren, nach einer fundamentalistischen Lösung suchten.

Sie sind fromme Muslime. Auf die gleiche Weise generiert das Elend in Ägypten Unterstützung für militanten Fundamentalismus. Doch 14 Jahre nach der islamischen Revolution ist die Wirtschaft des Iran ein Trümmerhaufen und der Lebensstandard seiner urbanisierten Massen wie auch seiner Landbevölkerung ist noch schlechter als in der Vergangenheit und geht weiter bergab.“

Bevor Israel ein endgültiges und bindendes Abkommen mit den Palästinenser und seinen Nachbarn eingeht, drängt Abir seine Führung nicht zu vergessen, was heute den christlichen Minderheiten in „säkularen“ muslimischen Staaten geschieht. Ägypten – das er ungeachtet der christlichen Teile des Libanon als den säkularsten Staat der arabischen Welt bezeichnet – ist nicht in der Lage gewesen den Hass der fundamentalistischen Muslime auf die Kopten zu bekämpfen, die echte Überreste der ursprünglichen ägyptischen Bevölkerung sind. Die Christen im Libanon haben das Menetekel gesehen, seit es ihnen Anfang der 1980-er Jahre nicht gelang einen christlich dominierten Libanon oder ein teilunabhängiges Gebilde in ihrem Teil des Berglands des Libanon zu gründen.

Im säkularen Ägypten von heute genießen Kopten und Muslime theoretisch gleiche Rechte“, sagt er. Dennoch nimmt die Zahl der Kopten stetig ab; das ist eine Folge der weit verbreiteten, verdeckten Diskriminierung und vor allem der zunehmenden Verfolgung durch muslimische Fanatiker. „Die muslimischen Massen lehnen es ab eine Dhimmi-Gemeinschaft als gleichberechtigt zu akzeptieren“, erklärt er.

Manchmal nehmen Personen aus diesen Dhimmi-Gemeinschaften hohe Positionen in der öffentlichen Verwaltung und an anderen Stellen ein. Muslime sind ihnen unterstellt. Das ist für den Durchschnittsmuslim absolut verwerflich. Im ländlichen Ägypten, wo die Menschen ungebildet und rückständig sind, ist die Lage für den Erfolg der fundamentalistischen Propaganda gegen die Kopten noch dienlicher. Diese zunehmende sozio-religiöse Spannung in ländlichen Gegenden und Provinzstädten bricht oft in Pogrome und blutige Zusammenstöße aus, von denen die Regierung feststellt, dass sie sie kaum kontrollieren kann.

Während muslimische Fundamentalisten sich in Oberägypten, Kairo und dem Nildelta ausbreiten, wo viele Fundamentalisten leben, sind viele Kopten zu dem Schluss gekommen, dass die einzige Lösung die Auswanderung ist. Wir kennen die genauen Zahlen nicht, da dies in Ägypten ein sensibles politisches Thema ist, doch sie repräsentierten vermutlich immer 7 bis 9 Prozent der Bevölkerung Ägyptens. Es gibt ansehnliche koptische Gemeinden in New York, Chicago, Kanada und weiteren Orten in Amerika. Die libanesischen Maroniten sehen auch das Menetekel und im Verlauf der letzten 20 Jahre sind Hunderttausende nach Amerika und Europa ausgewandert.

Für Abir sind die Lektionen klar. Israels Führungspolitiker müssen sich der traurigen Realitäten des Nahen Ostens der Gegenwart und der vor uns liegenden schicksalhaften Jahre bewusst sein, warnt er, und sie müssen bemüht sein, tödliche Fehler in den Verhandlungen mit den benachbarten arabischen Staaten und den Palästinensern vermeiden. Vor allem muss Israel seine vitalen Interessen und die Fähigkeit sich zu verteidigen aufrecht erhalten.

„Wir müssen das Risiko eines PLO-Staates in den Gebieten im Auge behalten, der sich schlussendlich in einen fundamentalistischen Palästinenserstaat verwandeln könnte, der dem jüdischen Staat jegliches Existenzrech in seiner Mitte abspricht“, schließt er.

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

Die Palästinenser: das erfundene Volk

14. August 2014 um 11:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Palästinenser | 6 Kommentare
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Y.K. Cherson, Cherson and Molschky, 9. Januar 2014

“Die Geschichte des palästinensischen Volks geht so weit zurück wie“… Das ist die Stelle, wo „Historiker“ sich nicht einigen können. Einige sagen, das „palästinensische Volk“ hat eine stolze Geschichte von 4000 Jahren; andere sagte 10.000 Jahre, 30.000 Jahre und sogar – bitte nicht lachen – 200.000 Jahre, was die Neanderthaler im Vergleich zu dem mysteriösen „palästinensischen Volk“ zu ziemlich jungen Leute macht. Doch obwohl die arabischen Historiker sich nicht auf die „unbedeutenden „ Details wie das Alter des „palästinensischen Volks“ einigen können, stimmen sie darin überein, dass dieses Volk unglaublich älter ist, weit älter als die Juden, Römer oder Griechen.

In der glorreichen Geschichte des „palästinensischen Volks“ gibt es nur ein „kleines“ Problem: Niemand in der Geschichte hat sie je gesehen.

721 v.Chr. eroberte Assyrien das Königreich Israel. Das ist eine historische Tatsache, die niemand bestreitet. Natürlich kämpfte das „palästinensische Volk“ heldenhaft gegen die Aggressoren und fügte ihnen schwere Verluste zu, oder? Nun, nicht ganz. Nicht eine einzige assyrische Chronik, nicht einmal eine einzige Tontafel erwähnt dieses edle Volk. Könnte es sein, das hunderttausende „Palästinenser“ heldenhaft gegen assyrische Eindringlinge kämpften – und diese Eindringlinge das nicht einmal bemerkten? Zur gleichen Zeit sind assyrische Chroniken voller Berichte über die Schlachten mit den Israelis. Die Assyrer fanden also durchaus Israelis vor, bemerkten aber keine „Palästinenser“?

Auch keine “Palästinenser” in den Chroniken der Babylonier (Foto: http://www.bible-history.com/)

Nun, die Assyrer bemerkten also kein „palästinensisches Volk“. Höchstwahrscheinlich, weil König Sargon II. Zionist war. Und was ist mit den Babyloniern? Dasselbe Rätsel erwartet uns, wenn wir anfangen die babylonischen Chroniken über die Eroberung des Königreichs Judah zwischen 597 und 582 v.Chr. zu lesen. Juden gibt es dort auf jeder zweiten Seite. Und „Palästinenser“? Es gibt nicht ein einziges Wort über sie. Die Babylonier fanden sie auch nicht.

Doch gewiss fanden die Perser „Palästinenser“ und hinterließen uns eine detaillierte Beschreibung dieses wunderbaren Volks, seiner reichhaltigen Kultur, interessanten Gewohnheiten, Sprache…? Leider nein. Die persischen Chroniken erzählen uns von Juden, davon, wie Kyros ihnen die Erlaubnis erteilte nach Jerusalem zurückzukehren, wie die persischen Satrapen Judah und Israel regierten… aber über die „Palästinenser“ – nicht ein einziges Wort.

Was die „Suche nach den Palästinensern“ noch unterhaltsamer macht: Alexander der Große marschierte 332 [v.Chr.] die gesamte Küste Palästinas von Tyrus bis Gaza ab – aber er fand nicht einen einzigen „Palästinenser“, nur Juden.

Wo zum Henker versteckten sich die „Palästinenser“?

Nun gut, Assyrer, Babylonier, Perser, selbst Alexander der Große: Das ist total lange her! Aber was ist mit den gewissenhaften und methodischen Römern? Genau dasselbe.

Die Römer erklärten sehr ausführlich, wie sie Jerusalem belagerten; sie informieren uns penibel darüber, wie verzweifelt die Juden es verteidigten. Sie beschreiben die jüdischen Revolten und wie sie sie niederschlugen und liefern Informationen dazu, wie die Juden gegen sie in Massada kämpften, darüber, wie die Römer Judah teilten und in Palästina umbenannten, wie sie Jerusalem in Aelia Capitolina umbenannten… Sie erzählen uns eine Menge Dinge – aber sie sagen nicht ein einziges Wort über „Palästinenser“.

Darüber hinaus benannten sie das Land zwar in „Palästina“ um, aber sie nannten die Einwohner weiterhin so, wie sie seit tausenden Jahren genannt wurden: Juden. „Palästina“ wurde der offizielle Name des Landes, aber seine Einwohner blieben Juden.

Moment mal: Und wo waren die „Palästinenser“, als die Araber kamen?

Das ist die Millionen-Dollar-Frage. Moderne Araber sagen sie seien „Palästinenser“. Und was sagten dazu die Araber des 7. Jahrhunderts – die, die Palästina eroberten?

Kennen sie irgendein in der Zeit der arabischen Herrschaft in Palästina geschriebenes Dokument, das auch nur ein Wort über ein „Palästina“ sagte? Ich nicht. Und niemand kennt eins, denn ein solches Dokument existiert nicht.

Die Situation wird langsam amüsant! Heute schäumen Araber darüber, ihre Vorfahren hätten seit undenkbaren Zeiten in Palästina gelebt und ihre Vorfahren hatten keinerlei Ahnung von ihrer ruhmreichen und uralten Vergangenheit dort.

Nun, immerhin dauerte die arabische Herrschaft über Palästina nicht lange. Nur 300 Jahre nach der arabischen Eroberung warfen Türken – erst die Mamlelucken, dann die Ottomanen – sie raus. Unter verschiedenen namen – Seldschuken, Mamelucken, Ottomanen – herrschten die Türken 600 Jahre über Palästina. Reichlich Zeit, um eine zahlreiche und ruhmreiche ethnische Gruppe wie das „palästinensische Volk“ zu finden. Fanden die Türken sie? Ach! Die offiziellen Statistiken der Türken führen akkurat die Juden, Araber, Tscherkessen und Bosnier in Palästina auf, sie liefern detaillierte Informationen über die Zahl der Muslime, Christen und Juden – aber sie erwähnen nirgendwo ein „palästinensisches Volk“.

Selbst die Römer, die das Land in “Palästina” umbenannten, fanden keine “Palästinenser”.

Gut. Assyrer, Babylonier, Griechen, Römer, Perser und Araber bemerkten überhaupt kein „palästinensisches Volk“. Die Türken fanden sie in den 600 Jahren, in denen sie in Palästina herrschten, auch nicht. Und wo versteckte sich dieses unglaublich alte und ungläubige, heldenhafte Volk nach 1917? Die zahlreichen Kommissionen des Völkerbunds (später UNO-Kommissionen) fanden es nicht; alle Dokumente des Völkerbunds aus dieser Zeit sprechen nur von Juden und Arabern, aber es gibt nicht ein einziges Wort über irgendwelche „Palästinenser“ als eigenes Volk. Vielleicht sprachen die Politiker der westlichen Staaten damals von „Palästinensern“? Nein, machten sie nicht. Delegiert aus 11 Staaten reisten in die Region und stellten fest, was lange offensichtlich war: zwei widerstreitende Gruppen, Araber und Juden, deren nationale Ansprüche sich nicht versöhnen ließen. „Palästinenser“? Wer sind die?

Aber die Politiker der arabischen Länder natürlich … Ach, die Politiker der arabischen Länder waren in dieser Sache sehr deutlich:

„Wir betrachten Palästina als Teil des arabischen Syrien, da es von diesem niemals getrennt war. Wir sind damit durch nationale, religiöse, linguistische, natürliche, wirtschaftliche und geografische Bande verbunden.“ (Erster Kongress muslimisch-christlicher Vereinigungen, Februar 1919)

Der Repräsentant des Hohen Arabischen Rats bei den Vereinten Nationen legte im Mai 1947 der Vollversammlung eine Erklärung vor, in der es hieß: „“Palästina war Teil der Provinz Syrien“ und: „Politisch waren die Araber Palästinas nicht unabhängig in dem Sinn, dass sie eine eigene politische Einheit bildeten.“

1937 sagte ein örtlicher arabische Anführer, Auni Bey Abdul-Hadi, der Peel-Kommission, die letztlich die Teilung Palästinas vorschlug: „Ein Land Palästina gibt es nicht! ‚Palästina‘ ist ein Begriff, den die Zionisten erfanden! Es gibt in der Bibel kein Palästina. Unser Land war Jahrhunderte lang Teil von Syrien.“

„Palästina und Transjordanien sind eins.“ König Abdallah, Treffen der Arabischen Liga in Kairo, 12. April 1948

Die Araber bemerkten also in den 1940-er Jahren kein „Palästina“. Darüber hinaus „bemerkten“ sie auch keinerlei „Palästinenser“!

Gut, in den 1940-ern fanden die arabischen Politiker keinerlei „palästinensisches Volk“. Das überrascht nicht; niemand konnte sie finden.

Aber vielleicht „fanden“ sie dieses mysteriöse „palästinensische Volk“ später? Fanden sie nicht.

Der syrische Präsident Hafez Assad erklärte dem Palästinenserführer, dem Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Präsident der Palästinensischen Nationalen Behörde (PNA) und „Vater des palästinensischen Volks“, Yassir Arafat:

„Du repräsentierst Palästina nicht mehr als wir. Vergiss niemals dies: So etwas wie ein palästinensisches Volk gibt es nicht, es gibt keine palästinensische Einheit, es gibt nur Syrien. Ihr sei integraler Bestandteil des syrischen Volks, Palästina ist integraler Teil von Syrien. Deshalb sind wir es, die syrischen Autoritäten, die die wahren Repräsentanten des palästinensischen Volks sind.“

Natürlich wies der Palästinenserführer, „Vater des palästinensischen Volks“ und so weiter diese Unterstellungen entrüstet zurück und … Machte er tatsächlich nicht.

“Unsere Nation ist die arabische Nation, die vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer und darüber hinaus reicht… ” – Yassir Arafat (Foto: http://www.familysecuritymatters.org/)

Vielmehr gab Arafat selbst eine entschiedene und unmissverständliche Äußerung in der gleichen Art ab, noch 1993, als er erklärte: „Die Frage der Grenzen interessiert uns nicht… Vom arabischen Standpunkt aus dürfen wir nicht über Grenzen reden. Palästina ist nichts als ein Tropfen in einem gewaltigen Ozeans. Unsere Nation ist die arabische Nation, die vom Atlantischen Ozean bis zum Roten Meer und darüber hinaus reicht… Die PLO bekämpft Israel im Namen des Pan-Arabismus. Was ihr ‚Jordanien‘ nennt, ist nichts anderes als Palästina.“

Vor nicht allzu langer Zeit sagte Azmi Bishara (Ex-Knesset-Abgeordneter, der aus Israel ins Exil ging, weil er der Hisbollah während des Zweiten Libanonkriegs sensible Informationen zukommen ließ), der alles andere als Israels Freund ist, dasselbe: Es gibt kein palästinensisches Volk. Seine Worte können Sie selbst hören und sich den Mann ansehen, hier ist der Link.

„Die Wahrheit ist: Jordanien ist Palästina und Palästina ist Jordanien“. König Hussein von Jordanien, 1981

„Palästina ist Jordanien und Jordanien ist Palästina; es gibt nur ein Land, mit einer Geschichte und ein und demselben Schicksal“, wurde Prinz Hassan von der jordanischen Nationalversammlung zitiert; er hatte das am 2. Februar 1970 gesagt.

Abdul Hamid Sharif, Premierminister von Jordanien, erklärte 1980: „Die Palästinenser und Jordanier gehören nicht verschiedenen Nationalitäten an. Sie haben dieselben jordanischen Reisepässe, sind Araber und haben dieselbe jordanische Kultur.“

Doch die Araber, die in Palästina, wie sie uns versichern, seit unvorstellbaren Zeiten lebten, ließen sich natürlich von syrischen und jordanischen Diktatoren ihrer stolzen palästinensischen Vergangenheit berauben, oder? Sie werden überrascht sein, aber sie ließen. Und sie hatten dafür sehr ernste Gründe.

Wussten Sie, dass die Jerusalem Post bis 1950 PALESTINE POST hieß?
Dass das Magazin der Zionist Organization of America das NEW PALESTINE war?
Dass der ursprüngliche Name der Bank Leumi ANGLO-PALESTINE BANK war?
Dass der ursprüngliche Name der Israel Electric Company PALESTINE ELECTRIC COMPANY war?
Dass es den PALESTINE FOUNDATION FUND und das PALESTINE PHILHARMONIC (Orchestra) gab?
Und dass all diese JÜDISCHE ORGANISATIONEN waren, organisiert und betrieben von JUDEN?
In Amerika sang die zionistische Jugend ihre Hymne „PALESTINE, MY PALESTINE“ (Palästina, mein Palästina), den „PALESTINE SCOUT SONG“ (Palästina-Pfadfinder-Lieg) und den „PALESTINE SPRING SONG“ (Palästain-Frühlingslied).

Bis in die späten 1960-er wäre einen Araber als „Palästinenser“ zu bezeichnen für ihn eine Beleidigung gewesen, denn bis Ende der 1960-er wurde das Wort „Palästinenser“ allgemein und einmütig in aller Welt mit Juden in Verbindung gebracht und alle wussten: Palästina ist nur ein anderes Wort für Israel und Judah, wie z.B. Kemet nur ein anderer alter Name für Ägypten war. In Palästina lebende Araber identifizierten sich selbst als Araber und waren beleidigt, wenn jemand sie „Palästinenser“ nannte: „Wir sind keine Juden, wir sind Araber“, pflegten sie zu antworten.

Stellen wir richtig

Es gibt ein Land im Fernen Osten. Dort leben Leute (und haben seit vielen Jahrhunderten in diesem Land gelebt), die dieses poetisch „Land der aufgehenden Sonne“ nannten. Dann kamen westliche Reisende und Geografen in dieses Land und gaben ihm einen anderen Namen. Warum? Vielleicht waren sie keine Poeten oder vielleicht kamen sie bei Sonnenuntergang dort an oder vielleicht konnten sie den ursprünglichen Namen in der Originalsprache nicht aussprechen… Veränderten sich die dort lebenden Menschen, weil westliche Reisende und dann Politiker und Journalisten anfingen ihr Land bei einem anderen Namen zu nennen? Nein. Sie waren dieselben Menschen und sie nannten ihr Land weiter „Land der aufgehenden Sonne“.

Und der Westen nennt es Japan.

Es gibt ein Land im Nahen Osten. Die dort seit vielen Jahrhunderten lebenden Menschen nannten es „Eretz Israel“ – das Land Israel. Dann kamen Leute aus dem Westen und gaben ihm einen anderen Namen. Veränderten sich die dort lebenden Menschen? Nein. Sie waren dieselben Menschen und sie nannten ihr Land weiter „Das Land Israel“.

Und der Westen nennt es Palästina.

Islamischer Fundamentalismus, die permanente Bedrohung (Teil 2/3)

8. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Islam+Islamismus, Muslime | 1 Kommentar
Prof. Mordechai Abir

Prof. Mordechai Abir

Ende Juni 2014 verstarb Professor Mordechai Abir. Er lehrte Nahost- und Islam-Studien an der Hebräischen Universität, bevor er in den Ruhestand ging. Manfred Gerstenfeld interviewte ihn vor zwanzig Jahren für sein Buch Israel’s New Future. (Das Buch wurde letztes Jahr mit einer neuen Einleitung unter dem Titel Israel’s New Future Revisited neu veröffentlicht.) Damals war der islamische Fundamentalismus gegenwärtig, aber nicht das große Problem, zu dem er seitdem geworden ist. In dem Interview zeigte Abir große Voraussicht dazu, wie der Fundamentalismus sich entwickeln könnte. Unten folgt der zweite Teil des Interviews. (Teil 1, Teil 3)

Als Beispiel zitiert er den nicht arabischen Iran, der unter Ayatollah Khomeini eine totalfundamentalistische Revolution durchmachte. „Das Schicksal des iranischen Durchschnittsbauern verbesserte sich im Vergleich zur Zeit des Schahs zeitweise. Das ist aber nicht mehr so und das städtische Proletariat sieht sich zunehmendem Elend ausgesetzt. Damit hat der fundamentalistische Modellstaat nicht nur dabei versagt die sozioökonomischen Probleme des Iran zu lösen, er hat sie verschärft.

Der Iran hat das Potenzial eine gut situierte Gesellschaft zu werden, wenn er seine Öleinnahmen dazu nutzt seine Wirtschaft zu entwickeln. Er reserviert allerdings einen großen Prozentsatz seines Einkommens für den Aufbau seiner militärischen Stärke, mit dem er bei seinem Streben zur Wiedergewinnung des Status als Regionalmacht im Golf und möglicherweise der muslimischen Welt konventionelle und nicht konventionelle Waffen erwirbt.

„Der schiitische Iran sieht sich selbst als Vorhut des wahren Islam in der muslimischen Welt“, fährt Abir fort. „Das erste Ziel seines militant-fundamentalistischen Islam ist die arabische Welt. Der Iran ist zum Unterstützer aller islamischen Revolutionsbewegungen von Marokko bis Afghanistan geworden, einschließlich der Hamas und der Bewegungen des Islamischen Jihad in den Gebieten und in gewissem Umfang selbst der israelisch-arabischen Fundamentalisten.“

Abir sagt, die Hamas und der Islamische Jihad erhielten beide direkte wie auch indirekte finanzielle Hilfe aus dem Iran, der außerdem die Hisbollah im Libanon unterstützt. „Ihre Kader werden im Iran ausgebildet oder iranische Revolutionsgarden bilden sie im Libanon und dem Sudan aus. Dafür wird eine Menge Geld ausgegeben, sagt Abir.

Er merkt an, dass die iranische Regierung auch Trainingslager für fundamentalistische Extremisten im Sudan und – indirekt – deren Aktivitäten gegen Ägypten, Libyen und Nordafrika finanziert. Präsident Rafsandschani hat den Ägyptern angedeutet, er werde weiterhin ihr Regime untergraben, solange sie mit den Amerikanern bei den Anstrengungen zum Voranbringen des arabisch-israelischen Friedensprozesses zusammenarbeiten.

„Die Iraner zielen darauf ab, alle säkularen sunnitischen, muslimisch-arabischen Regime zu destabilisieren. Sie hoffen das direkt oder in Kooperation mit dem sunnitisch-fundamentalistischen Regime im Sudan zu erreichen, ebenso über die verschiedenen militant-islamischen Organisationen in der arabisch-muslimischen Welt und ihren Schwestergesellschaften im Westen“, sagt er.

Obwohl im Westen weithin geglaubt wird, es gebe in Irans islamischem Regime zwei gegnerische Strömungen, verficht Abir, dass sie sich in ihrer fundamentalistischen Ideologie nicht unterscheiden. „Rafsandschani ist nicht weniger extremistisch als seine Gegner, aber er ist auch Pragmatist“, sagt er. „Er ist bereit sich den Umständen zu beugen und will westliche Technologie und Investitionen für sein Land erwerben, um seine wirtschaftliche Macht und militärischen Fähigkeiten zu verbessern, während der Lebensstandard verbessert wird.“

Dieser Pragmatismus ist allerdings eine Taktik, die neben den traditionellen Insignien des schiitischen Regimes existiert, wie sie von seinem Mentor, dem verstorbenen Ayatollah Khomeini propagiert wurden. Sein Propaganda- und Indoktrinierungsbüro Da’wa ist für alle zwielichtigen Operationen verantwortlich. Der Iran nutzt es, um per Terrorismus und Subversion „das Wort Allahs auszubreiten“.

„In der Tat steckt Rafsandschanis Regime hinter starken Bemühungen der letzten Jahre muslimische Regime zu ‚islamisieren‘“, sagt Abir und stellt fest: Solange ein fundamentalistisches Regime im Iran die Macht behält, wird sich die Lage nicht dramatisch ändern. „Irans erstes Ziel ist die schwächeren pro-westlichen arabischen Regime zu untergraben“, sagt er. „Man hilft einheimischen sunnitischen Fundamentalistengruppen mit finanzieller Unterstützung, Training für Terroristen, Hilfen für Guerillakämpfer und der Lieferung von Waffen und Sprengstoff.

Rafsandschani beabsichtigt weiterhin die Ziele der islamischen Revolution seines Mentors zu erreichen, aber er ist derart Pragmatist, dass er sich bemüht auf der Seite des Westens zu überleben. Anders als seine Gegner sucht er nach Möglichkeiten seine Ziele zu erreichen, aber die Konfrontation mit dem Westen zu vermeiden.

Viele Experten und einige Regierungen im Westen, insbesondere Deutschland, sind völlig verwirrt“, klagt Abir an. „Viele nehmen nicht nur an, dass Rafsandschani Pragmatist ist, sondern dass er bereit ist sich der Wirklichkeit anzupassen und dem Iran letztlich zu gestatten sich der ‚zurechnungsfähigen‘ Gemeinschaft der Nationen wieder anzuschließen. Das ist völlig falsch.“

Abir zeigt auf die grundlegenden Widersprüche in Rafsandschanis Philosophie: „Man kann wissenschaftliche und technologische Fortschritte nicht von der westlichen Zivilisation isolieren, die diese hervorgebracht haben. Nichtsdestotrotz ist der von muslimischen Fundamentalisten dem Westen erklärte Krieg ein Krieg der Zivilisationen.“

Er vermerkt, dass die lange vertretene gängige Meinung dabei blieb, dass stark besiedelte, arme Länder der Dritten Welt mit sehr hohen Geburtenraten keine Hoffnung hätten ihr Los zu verbessern. Indien hat diese düsteren Vorhersagen widerlegt. Trotz seines Bevölkerungswachstums ist das Pro-Kopf-Einkommen in Indien im Rahmen seiner Gesamtentwicklung beträchtlich gestiegen. China ist ein weiteres herausragendes Beispiel.

Abir vertritt die Meinung, dass China und Indien beweisen, dass Länder der Dritten Welt Hoffnung haben und sich entwickeln können. Doch die Apathie der islamischen Welt und ihre Feindseligkeit gegenüber dem Westen verhindern, dass ein riesiger Teil der Weltbevölkerung sich der modernen Wirtschaft und Technologie anpasst, ebenso ihrer Modernisierung. Stattdessen suchen sie ihr Heil in islamischen Modellen aus dem siebten Jahrhundert.

Wenn sie sich der modernen Welt anpassten, müssten die Muslime ihre kulturellen Grundwerte nicht aufgeben. Doch solange sie ihre fremdenfeindliche, antiwestliche Einseitigkeit nicht überwinden, versichert Abir, werden die meisten muslimischen Staaten kaum die Armut und das Chaos besiegen. „Die Habenichtse sind nicht in der Lage ihren wirtschaftlichen Niedergang ohne größere Finanzhilfe der Ölproduzenten oder des Westens aufzuhalten, die in absehbarer Zukunft eher nicht zunehmen werden“, sagt er.

Als wollte er demonstrieren, dass diese Irrationalität nicht gemeinsam mit der Suche nach Entwicklung existieren kann, deutet Abir auf den Irak unter Saddam Hussein. „Ironischerweise war dies das einzige ölreiche Land mit einer ansehnlichen Bevölkerung und einer breit gefächerten Wirtschaft, die beträchtliches Wirtschaftswachstum durch Öleinkommen hatte“, sagt er. „Doch das war, bevor er 1980 in einen Krieg mit dem Iran verwickelt war und vor Saddams panarabischen, antiwestlichen und antiisraelischen Ambitionen.“ Seit diesem Krieg und Saddams folgenden militärischen Raubzügen ist die Wirtschaft des Irak fast völlig zerstört worden und wird viele Jahre brauchen um sich zu erholen.

Nach allen Einschätzungen Abirs und seinem Überblick über die Situation der gesamten muslimischen Welt stellt sich die unausweichliche Frage: Was bedeutet das alles für Israel?

„Die Schlussfolgerungen sind sehr betrüblich“, sagt er. „Die pazifistischen Elemente in der israelischen Regierung gewannen die Oberhand und sie verhandeln mit der PLO über die palästinensische Autonomie, was wahrscheinlich zur Gründung eines Palästinenserstaates führt. Wenn das geschieht, ist fraglich, ob die PLO in der Lage sein wird einen Prozess zu kontrollieren, der überall in der arabisch-muslimischen Welt im Gang ist: dem Aufstieg des Fundamentalismus. Solcher Fundamentalismus – oder Ultranationalismus – könnte sich sogar unter den israelischen Arabern ausbreiten, deren Verbindungen zu ihren Vettern stärker als je zuvor sein wird.

Wir sehen den Anfang eines Prozesses“, sagte er. „Die Macht des Fundamentalismus in den Gebieten ist im Steigen begriffen. Er hat sich aus dem Gazastreifen in die Westbank ausgebreitet und bringt dem Kampf gegen den jüdischen Staat neu gefundenen Elan.“ Er verweist auf ein im Fernsehen ausgestrahltes Interview mit Scheik Yassin, den Gründer der Hamas-Bewegung, das vor ein paar Jahren geführt wurde, außerdem auf jüngste Äußerungen der Hamas und von Führern des Islamischen Jihad. Alle lehnen das Existenzrecht des jüdischen Israel auf Land ab, das sie waqf nennen, Teil einer religiösen Schenkung. Sie fordern weiter einen unaufhörlichen heiligen Krieg – Jihad – zur Vernichtung Israels.

„Scheik Yassin sagte, er habe nichts gegen die Juden und akzeptiere sie als dhimmis – eine tolerierte Gemeinschaft ohne politische Rechte“, sagt Abir. „Sie wurden in den muslimischen Gemeinschaften in der Vergangenheit immer gut geschützt und behandelt. Dieser Dhimmi-Status ist genau das, was einige alt eingesessene Israelis von einem potenziellen Palästinenserstaat erwarten können, aber Neuankömmlinge werden in ihre Herkunftsländer deportiert werden, sobald die Araber das politische jüdische Gemeinwesen zerstören. Das Volk des Buches kann als Gemeinschaft ohne politische Rechte in Sicherheit in einem islamischen Staat leben.“

Obwohl Scheik Yassin beabsichtigt haben dürfte, dass seine Worte beruhigend klingen – immerhin will er die Juden nicht beseitigen – interpretiert Abir ihn so nicht. Er glaubt, Bemühungen die Verhandlungen mit den von Arafats PLO-Fraktion repräsentierten Palästinensern auszudehnen, die klar zur Gründung eines Palästinenserstaats führen werden, dürften sich als Schritt über den Punkt hinaus erweisen, an dem es kein Zurück mehr gibt.

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

(Weiter zu Teil 3)

Islamischer Fundamentalismus, die permanente Bedrohung (Teil 1/3)

4. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Islam+Islamismus, Muslime | Hinterlasse einen Kommentar

Ende Juni 2014 verstarb Professor Mordechai Abir. Er lehrte Nahost- und Islam-Studien an der Hebräischen Universität, bevor er in den Ruhestand ging. Manfred Gerstenfeld interviewte ihn vor zwanzig Jahren für sein Buch Israel’s New uture. (Das Buch wurde letztes Jahr mit einer neuen Einleitung unter dem Titel Israel’s New Future Revisited neu veröffentlicht.) Damals war der islamische Fundamentalismus gegenwärtig, aber nicht das große Problem, zu dem er seitdem geworden ist. In dem Interview zeigte Abir große Voraussicht dazu, wie der Fundamentalismus sich entwickeln könnte. Unten folgt der erste Teil des Interviews. (Teil 2, Teil 3)

Manfred Gerstenfeld interviewt Mordechai Abir (1994) – direkt vom Autor

Prof. Mordechai Abir

Prof. Mordechai Abir

Mordechai Abir lehrt Nahost- und Islam-Studien an der Hebräischen Universität. Er hat Bücher zu so unterschiedlichen Themen wir Saudi-Arabien, Öl und Äthiopien veröffentlicht. Sein jüngstes Buch, Saudi Arabia, Government, Society and the Gulf Crisis (Saudi-Arabien, die Regierung, die Gesellschaft und die Golfkrise) behandelt den Hintergrund und Einfluss der Golfkrise von 1990/91 und den Krieg.

In einer Diskussion, die in Jerusalem stattfand, begutachtet er den vermutlichen Einfluss des muslimischen Fundamentalismus auf islamische Staaten, globale Stabilität und Israel. Er seziert und analysiert die verschiedenen Kräfte am Werk mit der Präzision eines Chirurgen. Seine nüchterne Beurteilung bietet Grund für Sorge, ebenso seine Warnung, dass Israels Führung jeden Schritt sorgfältig abwägen muss, den sie in Richtung auf Frieden mit der arabischen Welt und besonders der PLO unternimmt, um eine mögliche Katastrophe zu vermeiden.

Seine Studie zur muslimischen Welt konzentriert sich auf den steigenden Einfluss des Neofundamentalismus; der gesamte Rest, glaubt er, ist zweitrangig. Und jede Untersuchung der Trends in der muslimischen Welt muss mit der arabischen Welt anfangen, deren Rolle ausschlaggebend ist.

Trotz der Fassade des sagenhaften Ölreichtums stellt Abir fest, dass die riesige Mehrheit der Araber arm und rückständig geblieben ist. Nur ein paar wenige der mehr als 20 arabischen Staaten – hauptsächlich die spärlich besiedelten – genießen beträchtliche Ölreserven und keines dieser Länder neigt dazu diesen Reichtum mit anderen gleichberechtigt zu teilen.

Bevölkerungswachstum, fehlende Entwicklung und ein fallender Lebensstandard schaffen vor dem Hintergrund von die Massen umgehendem Ölreichtum ein Umfeld, das für Fundamentalismus reif ist. Das ist der Schlüsselfaktor für alle Veränderungen, die in den kommenden Jahren voraussichtlich in der arabischen Welt stattfinden werden.

Neufundamentalismus, so nennt Abir den gegenwärtigen Trend, unterscheidet sich stark vom „modernen“ Fundamentalismus, der im späten 19. Jahrhundert entstand; er steht aber in keinerlei Zusammenhang zu seinem Vorgänger.

Der „moderne“ Fundamentalismus von vor 100 Jahre kam auf, als die arabische und muslimische Welt mit der bitteren Wahrheit konfrontiert wurde: Sie hinkte der globalen Entwicklung hinterher. „Sie war nicht länger ein wichtiger Teil der zivilisierten Gesellschaft“, sagt Abir. „Sie gehörte zur Dritten Welt. Die verachteten, ungläubigen christlichen Gesellschaften hatten die Araber nicht nur in jedem Bereich überholt, sondern sie schließlich auch noch kolonisiert.“

Abir betont, dass Fundamentalismus seine Grundlage in der Suche nach Antworten auf Probleme hat, die durch die auf die Welt des Islam treffende neue Welt aufgeworfen werden. Jamal al-Din-al-Afghani, der Vater des modernen Fundamentalismus, glaubte, dass die westliche Kultur und Philosophie von der Technologie getrennt werden könnte, von der er behauptete, der Westen habe sie in Wahrheit von den Muslimen entlehnt und weiter entwickelt. Sein Volk, predigte er, sollte sich zurückholen, was rechtmäßig ihm gehörte; die anderen Aspekte der westlichen Zivilisation lehnte er insgesamt ab.

Die Botschaft hat im Lauf der Jahre gewisse Veränderungen erlebt, sagt Abir, doch die grundsätzliche Ablehnung der westlichen Werte und Hegemonie bleibt im Kern unverändert. Was sich verändert hat, sind die Taktiken.

Unter den Umständen einer Zukunft ohne Hoffnung lehren islamische Fundamentalisten, dass die wahre Antwort auf die Missstände der Gesellschaft und die persönlichen Probleme der Menschen in der Rückkehr zu den Wurzeln liegt – den ursprünglichen Lehren Mohammeds und seiner Anhänger, das Leben, das sie führten und den Erfolg, die sie in den ersten Jahrhunderten hatten“, erklärt Abir. Was bedeutet das? Er weist auf gewisse Anziehungspunkte des Lebens in den frühen Jahren des Islam hin: Die Gesellschaft war egalitärer und die Menschen sorgten für einander, als die muslimische Welt von strenggläubigen, rechtschaffenen Herrschern geführt wurde.

Die alte Schule des Fundamentalismus des 20. Jahrhunderts, so die Muslimbrüder vor dem Zweiten Weltkrieg, strebten die Schaffung einer besseren Gesellschaft an“, sagt Abir. „Sie suchten nicht die Kontrolle über die Regierung. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand eine wichtige Veränderung statt: Die Muslimbrüder verlegten sich zunehmend auf Militanz und Terrorismus, um ihre Ziele zu erreichen.“

Diese Militanz führte zu einer zunehmend offenen Konfrontation zwischen Fundamentalisten und der erfolgreichen säkularen, nationalistischen panarabischen Bewegung, wie Nasser sie vertrat. „In Nassers Gefängnissen veränderten in den späten 1950-er Jahren einige Muslimbrüder ihren Ansatz komplett“, sagt Abir. „Sie glaubten nicht länger, dass eine säkulare Regierung sich in eine muslimische verwandeln konnte. Sie betrachteten Regierung und Gesellschaft als derart korrupt, dass sie sie von Grund auf neu aufbauen mussten, damit sie die Prinzipien des wahren Islam einhalten.“

Auf ihrer Suche nach totaler Veränderung, sagt Abir, begannen die Neofundamentalisten über Jihad - heiligen Krieg – nachzudenken, um ihre korrupten Regierungen zu stürzen und zu ersetzen. Sie setzten die arabischen Staaten mit den vorislamischen, Götzen dienenden Gesellschaften gleich. Die Neofundamentalisten lehnten das arabische Gemeinwesen ab, das sie mit westlicher Kultur, ihrem Materialismus und ihren philosophischen Grundlagen verbinden. Ihr führender Ideologe, Sayyid Qutb, der einige Jahre in den USA lebte, kehrte um 1950 nach Ägypten zurück, ganz und gar der westlichen Kultur entfremdet, die er beobachtete und verabscheute.

Qutb forderte die Nutzung aller zur Verfügung stehenden Mittel im Krieg gegen westlichen Einfluss. Sein oberstes Ziel: die örtlichen muslimischen Regierungen, die die Korruption und den Niedergang ihrer Gesellschaften zuließen. Er machte sie für die Einführung westlicher Missstände in die muslimische Gesellschaft verantwortlich. Er war außerdem überzeugt, dass diese Regierungen nicht in der Lage waren die sozialen und wirtschaftlichen Probleme ihrer Völker zu lösen.

Wie viele andere Muslimbrüder, die Nassers Regime ablehnten, wurde Qutb 1954 inhaftiert. Er wurde 1964 freigelassen, nur um 1966 vom Regime hingerichtet zu werden. Seine Bücher und Briefe aus dem Gefängnis hatten einen enormen Einfluss auf die Veränderung der Einstellung der Muslimbruderschaft. Sie stimulierten das Aufkommen des Neofundamentalismus in den 1960-er Jahren, seine Ausbreitung in den 1970-ern, seine weitere Verbreitung in den 1980-ern und die wachsende Militanz in den frühen 1990-ern.

Abir bringt das Bild auf den neuesten Stand: „Die Neofundamentalisten wollen das Gesellschaftssystem in eine von Juristen oder religiösen Führern regierte Theokratie verändern. Wir sehen heute einen militanten islamischen Fundamentalismus, der danach strebt arabische und muslimische Regime zu stürzen, um sie durch islamische zu ersetzen.“

„Sayyid Qutb und seine Anhänger fanden, dass der populäre Islam und der des Establishments, wie er in der islamischen Welt landläufig ausgeübt wird, den wahren Islam korrumpiert hatte“, sagt Abir. „Nach ihrer Auffassung war das schlimmer als die Lehren der Ungläubigen. Qutbs Anhänger hatten das Gefühl, dass sie sich aus den korrumpierten Gesellschaften lösen mussten, in denen sie lebten, um einen neuen Zirkel wahrer Muslime zu schaffen. Das gestalteten sie entsprechend des Hijra, des Umzugs Mohammeds von Mekka nach Medina. Das Denken der verschiedenen neofundamentalistischen Organisationen gründet immer auf dem Prinzip des Jihad und dass das Ziel die Mittel heiligt.

Das in diesem Ansatz zum Ausdruck gebrachte radikale Denken findet unter der Intelligenzia und den Massen in großen Teilen der frustrierten muslimischen Welt ein empfängliches Publikum. Abir hält fest, dass nur ein paar Millionen Araber tatsächlich den großen Reichtum genießen, der von den Öleinnahmen generiert wird. „Die muslimischen Habenichtse zählen rund 800 Millionen, darunter 200 Millionen Araber“, sagt er. „Ihr Lebensstandard verschlechtert sich ständig, weil sie sich so schnell vermehren. Das Wirtschaftswachstum vieler Länder kann dem nicht folgen. Doch die Habenichtse sind, zusammen mit einigen Intellektuellen, die sich ihnen angeschlossen haben, durch politischen Frust motiviert, der das Ergebnis des Niedergangs der muslimischen Macht gegenüber dem Westen ist.“

Er verweist auf das zeitgenössische Ägypten als typisches Beispiel. Armut lebt dort mit extremem Reichtum zusammen, stellt er fest; und der Lebensstandard der Massen verschlechtert sich weiter. Unkontrolliertes Bevölkerungswachstum und die Grenzen der Zahl der Menschen, die durch die Landwirtschaft existieren können, tragen zur steigenden Migration in die Städte bei, denen die Infrastruktur fehlt, um sie aufzunehmen.

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzender(2000-2012)
des
Jerusalem Center of Public Affairs.

(weiter zu Teil 2)

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