Erfolg: Rekordmüllmenge
8. April 2008 at 18:36 | In Gesellschaftspolitik, aua | No CommentsDie Stadt Leverkusen hat eine jährliche Aktion, die recht lobenswert ist: „Wir für unsere Stadt“. Dabei sammeln Freiwillige aus der Einwohnerschaft in allen möglichen und unmöglichen Ecken der Stadt Müll ein. Die Aktion läuft schon ein paar Jahre und erfreut sich jedes Jahr größerem Zulauf. Inzwischen beteiligen sich ganze Organisationen (z.B. eine Grundschule) daran. Die Stadt wird sauberer.
Allerdings kann man bei der Pressemitteilung der Stadt auf etwas falsche Gedanken kommen. Überschrieben ist sie so (Information über www.presse-service.de):
Rekordteilnehmerzahl ermöglichte Rekordmüllmenge
Aua. Die Teilnehmer ermöglichten die Müllmenge? Hatten sie die verstreut?
In der Meldung dann Genaueres: „Dabei sind sage und schreibe 55 Tonnen Müll zusammengetragen worden. Wie die über 6.600 Teilnehmer bedeutet auch diese Zahl einen absoluten Rekord.“
Aha. 6.600 Teilnehmer tragen 55 Tonnen Müll zusammen. Rekord und Erfolg. Ich werde nächstes Jahr mal da vorbeisehen und auch etwas Müll in die Landschaft geben, damit wieder ein neuer Rekord erzielt wird…
Mal ernhaft: Ist diese Menge falsch „entsorgter“ Müll wirklich ein Grund zu Stolz? Ist es nicht eher ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, dass 6.600 Menschen sie in einer solchen Riesenaktion einsammeln müssen?
Die Freiwilligen haben eine enorme Arbeit geleistet und das soll nicht geschmälert werden. Aber sicherlich wäre es auch nicht falsch einmal darüber nachzudenken, was man tun kann, damit solche Müllmengen gar nicht erst in der Natur herumliegen. Allerdings: Die Gesellschaft „umzuerziehen“ ist ein Prozess, der langwierig und nicht sonderlich kostengünstig sein könnte. Ich persönlich fände es allerdings sinnvoller, wenn man den Müll erst gar nicht aus der Pampa holen müsste.
Gebrochene Tabus
24. Februar 2008 at 12:21 | In Gesellschaftspolitik, Medien+Nahost | No CommentsWahrscheinlich ist das ja nur ein unbedeutender und falscher Eindruck. Aber wenn ich beispielsweise die putzige Ulrike lese, wie sie von einer „Tabubrecherin“ schreibt und sich damit selbst also solche beweihräuchert, dann frage ich mich: Wieso lese ich von solchen Brechern immer nur dann, wenn es gegen Israel geht? Wieso hält sich jeder für einen Tabubrecher, nur weil er/sie den jüdischen Staat „kritisiert“ und irgendetwas zu meckern hat, was sonst nicht einmal den Weg in die Randnotizen finden würde?
Spätestens der große Tabubrecher Jürgen Möllemann (gut, der hat einige Tabus gebrochen, was aber nun wirklich keine Meisterleistung war) hat bei diesem Thema den Maßstab gelegt, als er behauptete, es müsse ja wohl erlaubt sein Israel kritisieren zu dürfen. Damit baute er die Fassade auf, die heute noch von allen Tabubrechern gestützt wird: dass Israel zu „kritisieren“ nicht erlaubt sei. Dass das mit der Wirklichkeit nun überhaupt nichts zu tun hat, spielt keine Rolle, bis heute nicht. Die selbst ernannten Tabuerkenner und –brecher haben es so definiert, also hat es so zu sein.
Angesichts des allgemeinen Konsenses, dass die Israelis der Buhmann bis das Unglück der Welt sind, hat es nichts mit Tabubruch zu tun, sich gegen diesen Staat zu äußern. Das passiert überall und jederzeit. Wer also „Kritik“ an Israel übt, der befindet sich voll im Mainstream – und zwar so mittendrin, dass er keinerlei Kritik zu fürchten braucht, weil jeder seiner Kritiker sofort vom Rest niedergewalzt wird.
Wirklicher Tabubruch ist also heute in unserer Gesellschaft die Stellungnahme für Israel. Echter Tabubruch ist die Kritik an den Palästinensern dafür zu benutzen, sich auf die Seite der Opfer in diesem Konflikt zu stellen; auf die Seite des Volkes, das in Wirklichkeit belagert ist, aber angeblich immer nur die anderen belagert; das einstecken muss, ohne sich darüber beklagen zu dürfen, von dem aber immer behauptet wird, es würde nur austeilen; dessen Lobby angeblich jegliche Kritik verhindert, während genau diese „Kritik“ in allen Medien fröhlich verbreitet wird, ohne auch nur beanstandet werden zu dürfen.
Wenn sich also jemand in Sachen Nahost zum Tabubrecher stilisiert, dann ist er wohl eher jemand, der ein Brechen verursacht, das mit Mageninhalten ausgeführt wird.
Klimavergifter
8. Februar 2008 at 23:32 | In Christen+Kirchen, Deutschland, Gesellschaftspolitik | No CommentsTags: Intoleranz, Linke, Toleranz
Nein, es geht nicht um den Weltklima-Wandel und die steigenden Temperaturen in China. Es geht um die selbst ernannten Toleranten, die alles tolerant finden, was mit ihrer Meinung übereinstimmt und alles für verboten erklären, was ihrer Meinung entgegen steht.
Wir können das in den verschiedensten Bereichen erleben. In den USA haben die Linken die Definition der „Trennung von Kirche und Staat“ umgekehrt und versuchen – zum Teil recht erfolgreich – alles aus dem öffentlichen Leben verbannen zu lassen, was mit „Kirche“ zu tun hat, statt dem ursprünglichen Motto zu folgen, nach dem der Staat sich nicht in Kirchliches und Glauben einmischt, so lange keine Gesetze gebrochen werden oder der Staat bedroht ist. Ähnliche Ansätze gibt es bereits auch bei uns, z.B. wenn Schulen wegen einer Minderheit (nur ein Elternpaar) keinerlei Kreuze mehr in ihren Räumlichkeiten aufhängen dürfen.
Interessant ist, dass sich solche Intoleranzen und Umkehrungen wichtiger Errungenschaften und Prinzipien meist ausschließlich gegen Christen richten. Linke Beschwerden gegen Kreuze sind an der Tagesordnung – gegen andere religiöse, gar religiös intolerante Kennzeichen sind rar. Eher im Gegenteil: Wer sich von denen – insbesondere muslimischen – in massiver Präsenz gestört fühlt, der wird umgehend abgemahnt, ins Abseit gedrängt, als rechtsextrem und diskriminierend verunglimpft und übelst beschimpft.
Dabei wird von den Toleranz-Behauptern gerne Unwahres verbreitet. Vor ein paar Jahren gab es „Aufregung“ um die Initiative „Wahre Liebe wartet“. Diese christliche Initiative wirbt dafür, dass Jugendliche sich entschließen bis zur Ehe auf Sex zu verzichten. Die Betonung liegt auf „wirbt“ – niemand war oder ist gezwungen sich das anzuhören, diese Meinung zu teilen oder wird unter Druck gesetzt sich ihr anzuschließen. Trotzdem schossen sich die Medien gewaltig auf die Initiative ein. Darstellungen als durchgeknallte, gefährliche Fundamentalisten waren üblich. Angekommen bei Otto Normalverbraucher war dann das, was eine Kollegin äußerte: „Ich lass mir doch von niemandem vorschreiben, wann ich Sex habe!“
Die Darstellung linker Medienschaffender hatte also Erfolg. Aus einem Werben wurde „verbieten“, aus dem Angebot die versuchte Aufzwingung. Abweichendes Verhalten, „rückständige“ Moralvorstellungen können nicht toleriert werden. Es wird alles getan, um „solche Leute“ zu diskreditieren. Um das zu erreichen sind Unwahrheiten gerne drin – seien es bewusste Lügen oder ideologisch bedingtes, gewolltes Falschverständnis.
Der Einfluss solcher linken Christenverfolger ist reichlich groß geworden. An der Grenze zu Polen wollten Freunde von mir ein Projekt beginnen, mit dem man Jugendliche von der Straße holen und ihnen eine Perspektive bieten kann. Es war geplant, vorgestellt, genehmigt – und weil die Heilsarmee daran beteiligt war, wurde von linken Politikern dafür gesorgt, dass Zuschüsse wieder gestrichen wurden und das ganze Ding starb. Es ist für Linke wichtiger, dass Christen davon abzuhalten etwas für die Gesellschaft zu tun, als dass Jugendliche nicht mehr herumlungern, kiffen und kriminell werden.
Wie die Toleranz gegenüber Christen auszusehen hat, demonstriert zur Zeit auch wieder einmal Volker Beck, Vorzeigeschwuler im grünen Parteivorstand. Weil beim größten christlichen Jugendtreffen „Christival“ ein Seminar „Homosexualität verstehen – Chancen zur Veränderung“ angeboten wurde, verlangte er von Ministerin von der Leyen die Schirmherrschaft für das Treffen aufzugeben. Ein solches Seminar darf (!) nicht angeboten werden. Bevor die Ministerin sich dazu äußern konnte, wurde das Seminar gestrichen. Dass die Veranstalter in die Knie gingen, reicht eigentlich schon aus, um zu zeigen, wie intolerant hier agiert wird und wie weit die Intoleranz in die Gesellschaft Einzug gehalten hat. Demonstriert wiederum von Volker Beck, dem die Streichung nicht ausreichte und eine Kampagne gegen den Christival-Vorsitzenden Roland Werner startete (ideaSpektrum 6/2008, S. 6), weil der Bücher geschrieben und Vorträge gehalten habe, die eine „Homosexuellenheilung“ zum Thema hätten. Auf Teufel komm raus muss nieder gemacht werden, was nicht Herrn Becks Vorstellungen von Lebenseinstellung entspricht. „Psychologen und Ärzte warnen vor den psychologischen Folgen solcher Angebote. Sie sind gesellschaftspolitisch Teil einer minderheitenfeindlichen und antihomosexuellen Debatte.“
Das ist natürlich sehr natürlich. Wie diskriminierend Herr Beck in seiner Argumentation ist, wird er wohl nie merken. Dass es homosexuell empfindende Menschen gibt, die unter dieser Neigung leiden, darf es für ihn nicht geben. Diese Minderheit unter den Homosexuellen muss man offenbar diskriminieren und darf ihnen nicht anders helfen, als sie dahin zu drängen ihre Homosexualität kräftig auszuleben, ob es ihnen nun gefällt oder nicht – sie zur gelebten Homosexualität zu zwingen, auch wenn es sie psychisch kaputt macht.
Jeder, der ein Angebot macht – niemanden zwingt sich zu ihm zu begeben, sich keinem aufdrängt, und niemanden verdammt, der nicht kommt – wird von den Becks dieser Republik als feindselig-aggressive Kampagne definiert. Für Lebensphilosophien und –einstellungen, die mit denen der Becks nicht übereinstimmen, haben sie weder Toleranz noch Ansätze von Berechtigung übrig. Lieber lassen sie eine Minderheit innerhalb seiner Minderheit vor die Hunde gehen. Sie dürfen nicht einmal daran denken nicht mehr homosexuell sein zu wollen. Sollte jemand trotzdem wieder hetero sein, dann kann das nicht freiwillig passiert sein. Alles „pseudowissenschaftlich“, niemals echt und vor allem religiös-extremistisch, gleich zwei teuflische Attribute. Es darf nicht sein, was das Beck-Volk nicht haben kann. Also wird gegiftet, verunglimpft und darf nichts stehen gelassen werden. Toleranz für andere Lebenskonzepte? Vergiss es!
Das Klima wird gewollt und gezielt vergiftet, es wird ausgegrenzt. Und weil eine Minderheit der Mehrheit vorschreibt und diese sich vorschreiben lässt, was sie als einziges für gut und richtig zu halten hat. Leben und leben lassen? Woher denn das?
Beck unterstellt Organisationen, die Homosexuellen „Ausstiegsangebote“ zur Verfügung stellen, sollten diese das wollen, Motive, die er selbst auslebt. Psychologisch ausgedrückt: Er projiziert seine Intoleranz und sein Verhalten auf andere. Seine Einbildung wird für ihn zur Realität. Und deshalb und damit vergiftet er das gesellschaftliche Klima.
Bedauerlicherweise machen das alle möglichen Leute in wichtigen Funktionen mit, gerade auch Kirchen, „konservative“ Politiker, die Medienschaffenden sowieso. So werden Menschen ausgegrenzt, die niemandem Schaden zufügt und nur einer ganzen Reihe von Leuten zu ihrem Seelenheil – oder einer stabilen Psyche – verholfen hat. Menschen, die sonst vielleicht an ihrer inneren Zerrissenheit zugrunde gegangen wären.
Wie leider immer wieder bestätigt einer, der sich lauthals als tolerant bezeichnet – und mit ihm einige Gruppen, die immer viel von Toleranz schwadronieren – ihre unglaubliche Intoleranz, ihren Extremismus gegenüber anders Denkenden, ihre Feindseligkeit gegenüber allen, die nicht ihrer Meinung sind. Und selbst, wenn diese Angefeindeten zurückstecken, reicht es nicht aus, sie müssen vernichtet werden. Gift für unsere Gesellschaft. Es muss möglich sein, dass Menschen, die homosexuell leben wollen, das tun können; es muss auch möglich sein, dass man diesen Menschen sagen kann, wenn man ein anderes Lebenskonzept hat und ihres nicht gut findet; und es muss erst recht möglich sein, dass man Menschen, denen ein Leben mit Neigungen nicht zusagt, die sie als Gefängnis empfinden, einen Weg aus diesem anbieten kann. Volker Beck und seine Partei stehen gewiss nicht dafür. Viele andere leider auch nicht. Und das kann unserer Gesellschaft nicht gut tun.
„Abgestempelt“
2. Februar 2008 at 15:32 | In Deutschland, Geschichte, Gesellschaftspolitik | 6 CommentsTags: Abgestempelt, Antisemitismus, Ausstellung
Wanderausstellung zu Juden und Antisemitismus in Deutschland
(Die Links im Text führen zu weiteren Fotos aus der Ausstellung)

Die Ausstellung „Abgestempelt“ stellt die Bundeszentrale für politische Bildung zur Verfügung und wurde in deren Auftrag von Museum für Kommunikation und dem Jüdischen Museum der Stadt Frankfurt erstellt. Bis zum 21. Februar 2008 gastiert sie in der Hoffnungskirche im Leverkusener Stadtteil Rheindorf, wo sie am 28. Januar von Oberbürgermeister Küchler eröffnet wurde.

Die Ausstellung ist nicht groß, aber sie beeindruckt. Große Stellwände liefern kurze, einprägsame Erklärungen der Exponate, einer Vielzahl von Postkarten, vor allem aus dem Zeitraum von etwa 1890 bis in die 1920-er Jahre und dem Zweiten Weltkrieg, durch die offenbar auch der Name der Ausstellung entstanden ist. Sie gehören zu den fast 1.000 Postkarten mit antisemitischen Motiven, die Wolfgang Haney gesammelt hat.

Thematisch sind die Ausstellungsstücke in mehrere Themen gegliedert. Zum Einstieg gibt es eine kurze Geschichte der Postkarte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dann erfolgt der Übergang zur Nutzung dieses Kommunikationsmittels durch Antisemiten und wie einige antisemitische Motive entstanden sind. Der Rest der Geschichte vor dem Dritten Reich besteht aus Fragen, die mit erklärenden Äußerungen zu den ausgestellten Postkarten beantwortet werden:
- Wovor haben Antisemiten Angst?
- vor Wucherseelen und Halsabschneidern (
- vor’m „Ostjuden“ und vor „Fremden“
- vor „Betrug“ und „Überredung“ - Worüber lachen Antisemiten?
- über „Schmutz“ und „Schmuddel“ - Worüber lachen Antisemiten?
- über „alte Thaler und junge Weiber“
- über „friedliche Löwen und gefräßige Raben“
- über „unbrauchbare Isidore, Manasse und Abrahams“
- über den „kleinen Cohen“ - Was wünschen sich Antisemiten?
- die Vertreibung der Juden
- „judenfreie“ Sommerfrische
- ein Zimmer in Frankfurts einzigem „judenfreien“ Hotel - Womit hetzen Antisemiten?
- mit Legenden [unter anderem die „Dolchstoß-Legende“ als Beispiel]
- mit antidemokratischen Ansichten
- mit „Rassenschande“ und „Unterdrückung“
- mit einfachen Erklärungen
Es ist wahrscheinlich wenig bekannt, dass während der Inflation 1922/23 das von Städten gedruckte Notgeld ebenfalls oft antisemitische Motive enthielt.

Hier gibt es in der Ausstellung allerdings auch ein Fragezeichen: Neben dem von einzelnen Städten ausgegebenen Notgeld sind eine ganze Reihe Reichsbank-Noten ausgestellt; die darauf befindlichen antisemitischen Aufdrucke erscheinen nicht zum Originalzustand zu gehören, sondern später aufgedruckt worden zu sein. Es müsste nachgeforscht werden, von wem diese Aufdrucke zu welchem Zweck gemacht wurden.

Der vorletzte Abschnitt beschäftigt sich mit dem Thema „Wenn der Antisemitismus an die Macht kommt“ – soll heißen, mit dem systematischen Antisemitismus des Dritten Reichs. Er glieder sich wieder in Abschnitte, die die Phasen der antisemitischen „Arbeit“ der Hitler-Diktatur darstellen und zunächst erklärt werden („Antisemitismus als Staatsideologie im Nationalsozialismus“): „Machtergreifung“, „Ausstellungs-Offensive“ und „totaler Krieg“:
- In der ersten Phase gab es „Ausschreitungen gegen Juden“.
- Ab 1936 folgten Ausstellungen über den Charakter der Juden und ihre Beiträge gegen die Menschheit („Bolschewismus“, „Entartete Kunst“, „Der ewige Jude“)
- Der „totale Krieg“ gegen die Juden begann mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939, als die Kriegsgegner als von den Juden geführt und beherrscht dargestellt wurden, unterstützt von Filmen wie „Jud Süß“, der „Ewige Jude“ usw. Ab etwa Mitte des Krieges gab es antisemitische Feldpostkarten, die von der Ostfront und den besetzten Gebieten im Osten von Soldaten, Angehörigen der „Einsatzgruppen“ und Zivilpersonal der Besatzungsbehörden nach Hause geschickt wurden.

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Blick auf die Gegenwart: Wie gehen wir heute mit Stereotypen um? Wann wird die Grenze des „Erträglichen“ überschritten? Gibt es antisemitische Klischees, die bis heute überlebt haben?
Zur Verdeutlichung gibt es eine Tabelle mit „Stammtischansichten“ der Europäer über einander, zwei Comics (Asterix, Tim und Struppi), in denen Stereotype zu finden sind, ein paar Markenprodukte, die Stereotype aufzeigen (könnten), sowie die Kunstinstallation „Feinkost Adam“, die die Unkenntnis des und Umgang mit dem jüdischen Leben aufgreift und mit Vorurteilen konfrontiert. Es fällt angenehm auf, dass die Ausstellungsstücke der Markenprodukte dem Zuschauer nicht vorgibt, was daran stereotyp oder diskriminierend sein könnte, denn nicht alles muss so sein; aber Betrachter kann sich seine eigenen Gedanken machen – was sicher beabsichtigt ist.
Die letzte Stellwand führt eine problematische Entwicklung der letzten Jahre an, die zeigen, wie schief das Bild auf die Juden heute noch/wieder ist.

Dazu werden Besorgnis erregende Umfrageergebnisse aus den Jahren 2002 bis 2004 zitiert, nach denen Israel als größte Bedrohung des Weltfriedens betrachtet wird; eine Mehrheit der Befragten die CIA und den Mossat als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 ansehen; 20% der Befragten den Juden die Schuld geben, „dass wir so große Weltkonflikte haben“; 33% der Deutschen der Meinung sind, dass die Juden zu viel Einfluss in der Welt haben.
Diese Ausstellung zeigt vor allem den – wie ich es nennen möchte – „deutschen Alltags-Antisemitismus“ auf, dem die Bevölkerung sich ausgesetzt sah. Sie beschreibt, wie tief verankert er im Denken eines nicht unbedeutenden Teils der Deutschen war, ohne Staatspolitik zu sein – aber auch ohne systematisch bekämpft zu werden. Antisemit war man offenbar so „gleichberechtigt“, wie andere bei den Sozialdemokraten, Mitglied in Veteranenvereinen oder Kleingärtner waren (wobei das eine das andere nicht ausschloss).
Der heute grassierenden Antisemitismus wird von der Ausstellung nicht dargestellt. Angesprochen wird er lediglich im Rahmen allgemeiner Stereotypisierungen und möglicher Diskriminierungen und über die Zitierung der Israelfeindlichkeit offenbarenden Umfragen. Der heutige bei uns sichtbare rechtsradikale und muslimische (und arabische) Antisemitismus kommt überhaupt nicht zur Sprache. Das mag als Defizit angesehen werden, würde aber wohl eine Ausstellung sprengen, in der es um den „persönlichen“ Antisemitismus, seine „stilleren“ Erscheinungsformen und das Einschleichen ins (Unter-)Bewusstsein der Menschen geht, über das aufgeklärt werden soll. Dazu wäre vielleicht auch ein etwas umfangreicherer Teil über die Gegenwart wünschenswert, der aber schnell auch in politische Korrektheit hätte abgleiten können. So gesehen ist es gut, dass der Besucher sich seine eigenen Gedanken über die heutigen Zustände machen muss.
Zu viel verlangt, weil zu einfach
11. Dezember 2007 at 22:34 | In Europa+Islam, Gesellschaftspolitik, Islam+Islamismus, Islamstaaten, Muslime, die Welt+Islam | No CommentsTags: Halal-Hippies, Islamophobie, Gutmenschen
In Istanbul gab es ein „Muslime sind Opfer“-Fest, bei dem lauthals über sich ausbreitende „Islamophobie“ lamentiert wurde. Sie wollen dagegen kämpfen – darunter Koryphäen wie Norman Finkelstein, John Esposito, Lord Nazim Ahmed, Tariq Ramadan und der türkische Ministerpräsident Erdogan. Dazu noch eine Reihe anderer toller Typen, einschließlich mindestens eines Neoznazis.
Diese Bekämpfung der Islamophobie soll politisch, juristische und wirtschaftlich sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene, systematisch und strategisch erfolgen. „Der Kampf gegen Islamophobie sollte eine Grundverpflichtung für jedermann sein, für jede Institution und jede Regierung“, erklärten sie zum Abschluss. Mit anderen Worten: Es darf keine kritische Untersuchung der Möglichkeiten geben, auf die die Jihadisten Texte und Lehren des Islam benutzen, um Gewalt und Vormachtstellung zu rechtfertigen. Islamophobie ist ein Verbrechen!
Die cleveren Herrschaften da in Istanbul scheinen entweder nicht zu begreifen oder bewusst zu verdrängen, wie unglaublich einfach es ist „Islamophobie“ ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Sie würde auf der Stelle verschwinden, wenn Folgendes gemacht würde, das Robert Spencer schon mehrfach auf seinem Jihad Watch vorgeschlagen hat:
- Ihre Empörung sollten sie auf von Muslimen begangene Gewalttaten im Namen des Islam konzentrieren, nicht auf Nichtmuslime, die auf diese Taten aufmerksam machen.
- Nicht nur dem „Terrorismus“ sollte definitiv abgeschworen werden, sondern jeglicher Absicht die US-Verfassung (oder Verfassungen anderer nicht muslimischer Staaten) durch die Scharia zu ersetzen, selbst mit friedlichen Mitteln.
- Die Muslime müssen das Gebot gelehrt werden mit Nichtmuslimen friedlich und als Gleiche auf unbeschränkter Grundlage zusammenzuleben.
- Sie müssen umfassende internationale Programme in Moscheen weltweit beginnen, die gegen die Ideen des gewalttätigen Jihad und islamische Vormachtstellung lehren.
- Sie müssen aktiv mit westlichen Gesetzeshütern zusammenarbeiten, um die Jihadisten in den westlichen muslimischen Gemeinden zu identifizieren und festzunehmen.
Sollten die Muslime diese fünf Dinge tun, dann wird die „Islamophobie“ verschwinden.
Die Frage ist nur: Werden unsere Gutmenschen und Halal-Hippies diese einfach Lösung akzeptieren? Von den Ramadans und ihren Genossen erwarte ich das gar nicht erst. Das wäre wirklich etwas zu viel verlangt. Aber auch ihre nicht muslimischen Helfershelfer werden das als nicht zumutbar betrachten, einfach unverschämt, feindselig. Wie kann man von Muslime erwarten, dass sie etwas gegen ihr extremistischen Glaubensgeschwister unternehmen? Die Forderungen alleine stellen schon wieder „Islamophobie“ dar! Schließlich wird der gesamte Islam wieder über einen Kamm geschoren… halt die üblichen leeren Phrasen.
Links nur Opfer, selbst die Täter
3. Dezember 2007 at 19:02 | In Deutschland, Gesellschaftspolitik, USA | No CommentsTags: Hassverbrechen, Linke, linke Toleranz, Ursachen von Gewalt
Universitäten in den USA sind ein Hort der Freiheit. Dort kämpft man für alle Unterdrückten, man kämpft gegen Unterdrücker, man ist gegen Diskriminierung und vor allem: man ist divers – also vielfältig, alle „Rassen/Ethnien“ gehören überall hin, auch in nicht proportionalen Verhältnissen, beschäftigt sich mit anderen Kulturen und Religionen und schützt sie. Und vor allem ist man für die freie Meinungsäußerung.
Das ist Toleranz. Vor allem die äußerlich, ethnisch und religiös Andersartigen müssen geschützt werden, sie sind Minderheit und werden deshalb leicht diskriminiert. Wenn die etwas tun, was dem weißen Normalbürger nicht zugestanden wird, dann ist das erklärbar und man muss sensibel damit umgehen, auf diese Person eingehen und ihr Verständnis entgegen bringen.
Nicht so unbedingt anders als bei uns allgemein auch, würde ich sagen.
Ebenso üblich ist das Ende der Toleranz, wenn als weiter „rechts“ stehend wahrgenommene Personen oder Organisationen eine andere Meinung vertreten. Diese gehören dann ausgesperrt, es werden massive Demonstrationen gegen sie organisiert und selbst physische Gewalt darf als legitimes Mittel angesehen werden, um den aus dem Reich des Bösen stammenden Meinungsdiktatoren und Gesinnungsschnüffler mit dem Ansinnen der Unterdrückung der freien Welt vom Zugang zur Öffentlichkeit, insbesondere der akademischen, zu verweigern. Die Öffnung der Diskussion durch das Vorhandensein mehrerer Standpunkt ist dem politisch anders Denkenden, wenn er weiter „rechts“ steht, dem konservativen Lager oder gar den Neocons zugeordnet werden kann (unabhängig davon, ob das stimmt), nicht zuzugestehen, weil diese furchtbaren Leute nur die Freiheit abschaffen wollen.
Mit dieser toleranten Haltung sieht man natürlich auch gerne, wenn Hass gegen die geliebten Minderheiten zu finden ist. Es gibt keine größere Empörungsmöglichkeit, als wenn diese Minderheiten oder ihre Verteidiger und Fans angegriffen werden, wie auch immer. Nun gibt es trotz aller Beschwörung der dramatischen Lage nicht gerade viele dieser Hassverbrechen, mit denen man dann die Öffentlichkeit gegen die bösen Rechten aufheizen kann. Mit dem Aufsehen kann die Öffentlichkeit aufrütteln, auf die Machenschaften der Unmenschen aufmerksam machen, deren Hass demonstrieren und verurteilen und die Gesellschaft in die richtige Richtung erziehen. Klasse!
Was aber, wenn die Macht des Bösen nicht den Stoff liefert, der für das Ansinnen des Guten gebraucht wird?
Nun, dann hat man zwei Möglichkeiten. Erstens kann man das Verständnis von Hassverbrechen so weiter entwickeln, dass bestimmte Ansichten schon so definiert werden können, dass diese per se schon verbrecherisch sind. Gedanken-Verbrechen, sozusagen.
Die zweite Möglichkeit – und auch die, die mehr Öffentlichkeit und Empörungspotenzial verspricht – ist die, tatsächliche Hassverbrechen zu machen. Gegen sich selbst, natürlich. So war eine Uni ziemlich in Aufruhr, dass auf die Zimmertür einer Studentin vom linken Fach immer wieder Hakenkreuze gemalt wurden. Die Polizei ermittelte sich einen Wolf und dann stellte sich irgendwann heraus, dass es die saubere Dame selbst war, die das Verbrechen an sich verübte – was natürlich nicht mit derselben Effektivität berichtet wurde (wenn überhaupt).
Darüber hinaus gibt es natürlich noch eine Möglichkeit, echte Hassverbrechen auszunutzen. Wir kennen das von Schröders „Aufstand der Anständigen“ (natürlich gegen „Rechts“, was dafür sorgte, dass auch CDU-Vertreter auf Anstands-Demos nieder gemacht und ausgepfiffen wurden, wenn sie denn überhaupt dort auftauchen durften), der sich an einem Mordversuch an Juden in Düsseldorf aufhängte – der nicht von Neonazis verübt wurde, sondern von zwei arabisch-muslimischen Migranten! Das war dann – natürlich? – nicht mehr Thema, schon gar nicht an der großen Glocke. Reflexhaft wird jede Tat, die nach Hassverbrechen aussieht, nach „Rechts“ geschoben. Und so sind inzwischen mehrfach „Autonome“ dabei erwischt worden, wie sie in „rechten“ Demonstrationen die Nazis gaben, damit die Gutmenschen-Szene sich auch anständig gegen die Gegner des Multikulturalismus empören kann.
Aber was, ist, wenn ein Hassverbrechen statt findet und das nun überhaupt nichts mit Rassismus, Neocons und bösen Rechten zu tun hat – und man das auch herausfindet? Wo liegen die Ursachen für die Tat? Bei den „Rechten“ ist klar, dass Ideologie und Boshaftigkeit zu ihrem bösen Tun führen. Für Angehörige der geliebten Minderheiten kann und darf das nicht gelten. Die sind immer Opfer. Opfer der Gesellschaft. Auch und gerade als Täter. Denn sie können nur aus Verzweiflung und Benachteiligung so handeln.
Und so ist auch der schwarze Feuerwehrmann, der in Baltimore eine Henkerschlinge und eine rassistische Notiz an seine Feuerwache hängte, lediglich Opfer seiner Umgebung (also der Gesellschaft) – so jedenfalls ein Vertreter der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People): „Es macht uns wirklich traurig zu hören, dass die Dinge offenbar eine Ebene erreicht haben, dass selbst ein Afroamerikaner ein Ungerechtigkeit gegen sich selbst und sein Volk verübt, als Ergebnis einer negativen Kultur in diesem Amt.“
Man kann alles drehen und wenden, bis es passt. Hauptsache, das Ergebnis stimmt und der Täter von der falschen Gruppe wird zum Opfer.
Kennen wir auch hier, oder? Herr Ermyas beispielsweise wird gerne immer noch als Opfer dargestellt, auch wenn die Justiz das inzwischen anders sieht und die fulminante Rechtsradikalität der Provozierten nicht weiter kolportiert wird. Die Denkrichtung muss stimmen. Der Rest kommt von alleine. Die dumme Herde namens Volk wird sich gerne leiten lassen.
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