Gut, dass er nicht da war – und noch ein paar Peinlichkeiten

9. November 2009 at 20:12 | In Deutschland, Medien allgemein | 4 Comments
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Viele haben bedauert bis geschimpft, dass Barack Hussein Obama, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, nicht zu den Feiern zum Fall der Berliner Mauer gekommen ist. Ehrlich gesagt: Ich finde gut, dass er nicht da war.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Das mediale und veröffentlichte Deutschland leugnet die entscheidende Rolle der USA beim Wandel im Osten, der das Erstarken der Opposition in der DDR und später die Vereinigung erst möglich machte. Es passt, dass gerade, als ich dies schreibe und nebenher die Feierlichkeiten in der ARD verfolge, seitens der Moderation an einen Satz Ronald Reagans erinnert wird, den Herr Pleitgen gar nicht gut findet (dummerweise – oder zum Glück? – beginnt Herr Wowereit gerade seine Rede und die miese Nummer ist damit unterbrochen; vielleicht greifen sie es nicht mehr auf).

Was hätte ein US-Präsident hier an Anerkennung bekommen können? Welche Anerkennung der Rolle Amerikas hätte hier schon erfahren dürfen? Im „I love Gorbi“-Land, das Symbolfiguren erhebt, die nicht wirklich die ganz großen Rollen spielten, die ihnen angedichtet werden? Er hätte eine untergeordnete Rolle gespielt, die der Bedeutung seines Landes nicht entspricht, insbesondere nicht der Rolle seines Landes in der Geschichte unseres Landes. Es gibt kein Land, das mehr für uns getan hat als die USA. Es gibt kein Land, dem das weniger gedankt wird.

Abgesehen davon hätte Obama aber auch nicht hierher gepasst. Wie hätte ein Narziss diese untergeordnete Rolle annehmen können? Doch wie hätte er auch dafür sorgen können, dass die Rolle Ronald Reagans gewürdigt würde – der das krasseste Gegenteil seiner Person und Politik nicht nur symbolisiert, sondern auch war?

Dieser US-Präsident hätte nicht in diese Feierlichkeiten gepasst, weder von seiner Persönlichkeit noch von dem, für das er steht. Es ist gut, dass er weg blieb. Auch wenn ihn das einmal mehr bloßstellt. (Er lässt Hillary Clinton reden; und ein Video wird abgespielt, mit dem er sich dann doch noch in den Vordergrund spielen lässt – sowohl durch die Ankündigung des Videos durch Clinton wie auch das, was er sagt.)

Die Peinlichkeiten erledigten heute andere für ihn. Clinton ein wenig (die Lobhudelei, mit der sie sein Video ankündigte, spricht für sich; die Auslassung Ronald Reagans ebenfalls.) Aber auch die ARD zum Beispiel, die nicht in der Lage ist ihr Programmschema zu ändern, um die Feierlichkeiten und Reden – so langweilig sie für manchen sein mögen – vollständig zu übertragen. Es geht nicht in die Beamten-Mentalität dieser Programm-Macher, die Tagesschau mal sausen zu lassen oder zu verschieben, um ein nationales Ereignis weiter zu übertragen. So etwas geht nur für Fußball. Wer die Mauerfall-Feiern ganz sehen will, muss auf Privatsender gehen (n-tv, N24)! Wo bleibt da der Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender?

Die ARD-Zeitzeugen und Kommentierer Fritz Pleitgen und Jürgen Engert finden übrigens, der 9. November sei der falsche Tag zum Feiern, weil der 9. Oktober der entscheidende Tag gewesen sei – die Demonstration in Leipzig sei das entscheidende Element gewesen, das die DDR zu Fall brachte.

Eine Frage an die ARD-Dödel: Was hat die Menschen damals mehr bewegt? Die Demonstrationen – aber nicht nur die vom 9. Oktober in Leipzig – haben das Regime mürbe gemacht. So wichtig sie waren, überall bewegt waren die Menschen am 9. November, als die Grenzen geöffnet wurden. Vorher war man besorgt, vorher hat man vor Sorge gezittert – wen’s denn interessierte – und man hat gehofft. Aber gejubelt, vor Freude geweint, gefeiert hat man in der Nacht vom 9. auf den 10. November, als die Leute aus dem Osten in den Westen strömten – und nicht unbedingt, um zu bleiben, sondern um auch wieder zurückzugehen. Bis zum 9. November konnte niemand wissen, ob der demokratische Aufstand im Osten gewinnen würde oder nicht. Aber dieser Nacht war das anders.

Wenn jetzt die Linksmedien-Truppe der ARD sich für besonders klug und überlegen daran macht, wieder einmal ein Ereignis kleiner zu reden und Feiern anders legen zu wollen, erinnert mich mächtig daran, dass solche Leute auch daran beteiligt waren, die DDR aufrecht erhalten zu wollen, für einen „dritten Weg“, der ausprobiert werden müsse. Derart an der Wirklichkeit, am Wunsch der Menschen vorbei zu reden und zu agieren ist offenbar Kennzeichen dieser nicht wirklich Intellektuellen. Es ist Kennzeichen der Überheblichkeit, der Selbsterhebung über alle anderen, die diese Leute an den Tag legen – und die ich so zum Kotzen finde.

Mich erinnert noch etwas an etwas anderes: Oberbürgermeister Wowereit bedankt sich bei den Bürgerrechtlern und Dissidenten, die 1989 in enormem Maße mit dafür gewirkt haben, dass die DDR-Führung aufgab. Wenn ich mir so überlege, welche Rolle diese Bürgerrechtler und Dissidenten heute spielen, wie sie ausgegrenzt werden, wenn sie sich nicht der rot-roten Ostalgie und Politik anschließen, dann frage ich mich, ob ihnen noch eine andere Rolle zugestanden werden wird, als die der Gedenkfeiern-Staffage. Böse gesagt: Werden sie etwas anderes sein als die ermordeten Juden, derer man gedenkt, ohne den Überlebenskampf der heutigen Juden zu unterstützen?

(Inzwischen spricht Angela Merkel.)

Die Grenzen des höflichen Diskurses

7. September 2009 at 16:57 | In Medien allgemein, Medien+Nahost | Leave a Comment
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Menschen bösen Ideen aussetzen oder das Böse als das Böse offen legen?

Barry Rubin, 5. September 2009

Nach der Veröffentlichung eines Kommentars eines radikalen israelischen Professors, der zu einem Boykott Israels drängt, sagte der zuständige Redakteur der Los Angeles Times, Tim Newton: „Hätte Hitler in den späten 1930-er Jahren einen Auszug aus Mein Kampf vorgelegt, [dann hätte ich ihn veröffentlicht], weil die Welt davon profitiert hätte bösartigen Ideen ausgesetzt zu werden.“

Das ist ein interessantes Diskussionsthema, aber zuerst sollte vermerkt werden, dass Newton seine Antwort falsch formulierte, was für einen professionellen Journalisten und Redakteur ein recht heftiger Fehler ist. Vielleicht handelt es sich gar um eine freud’sche Fehlleistung.

Wahrscheinlich würde es der Welt genutzt haben, Hitlers Behauptungen als böse und unredlich ausgesetzt worden zu sein. Aber zieht die Welt, um Newtons Formulierung zu nutzen, Nutzen „aus der Aussetzung bösartiger Ideen“, das heißt, indem man ihnen einfach ein größeres Publikum gibt?

Nein. Immerhin tun diejenigen, die bösartige Ideen verbreiten, das aus dem Grund, diejenigen für sich zu gewinnen, die sie vernehmen. Die Welt wurde den bösartigen Ideen des Faschismus ausgesetzt. Eines der Hauptresultate war eine Menge Unterstützung durch Millionen Menschen in vielen Ländern.

Und das geschieht heutzutage natürlich auch haufenweise mit den zeitgenössischen, äquivalenten bösartigen Ideen.

Die Medien publizieren bösartige Ideen nicht nur, sondern verstärken sie in vielen Fällen. Newtons Fehler zeigt das Problem auf: Die Medien entlarven bösartige Ideen nicht als bösartig. Sie stellen sie oft als korrekt und genau oder gut oder zumindest einfach eine weitere glaubwürdige Meinung dar.

Newtons Argument wirft auch eine weitere Frage auf: die nach den Grenzen dessen, was „höflicher Diskurs“ genant worden ist.

In Gesellschaften, die freie Meinungsäußerung praktizieren könnte – zumindest bis vor kurzem – alles gesagt werden. Der schädliche Einfluss des Konzepts der „Hass-Rede“, das erstmals auf die Holocaustleugnung angewandt wurde, ist für die freie und offene Diskussion furchtbar Einschränkend geworden. In Kanada, das nominal einer der freiesten Staaten ist, kann man vor Gericht gestellt und verurteilt werden, wenn man etwas sagt oder schreibt, das von einer Gruppe als beleidigend angesehen wird.

Newton stellt sich korrekterweise dagegen, glaube ich; er hält das Konzept der freien Meinungsäußerung hoch. Aber noch einmal: Er impliziert nicht, er würde Hitler veröffentlichen, weil der deutsche Diktator das Recht hat seine Ansichten zum Ausdruck zu bringen, sondern gerade, um ihn als bösartig bloßzustellen. Woher weiß man, dass sie bösartig sind?

Bedeutet das, die Zeitung müsse anderes Material veröffentlichen – bis hin zu einer kritischen Einführung – um zu sagen, dass diese Ideen bösartig sind? Oder sagen dem Leser der gesunde Menschenverstand und seine politische Kultur von Haus aus, dass diese Ideen bösartig sind? Sicher würden nicht alle sie so sehen, wie Pat Buchanan, Hitlers führender zeitgenössischer amerikanischer Bewunderer oder David Irving, sein Gegenpart in Großbritannien, uns wiederholt in Erinnerung bringen.

[Lassen Sie mich hier einen Moment abschweifen. Hitlers Buch „Mein Kampf“ ist interessant zu lesen und ich habe es in meinem Buch „Modern Dictators“ analysiert, um Parallelen zu kommunistischem und islamistischem Denken aufzuzeigen. Das soll nicht heißen, dass die drei Doktrinen gleich sind, sondern sie teilen eine Menger ihrer grundsätzlichen Herangehensweisen an Politik, Rationalität, Kritik westlicher Demokratien und der Rezepte einer Diktatur, die die gesamte Gesellschaft und ihre Institutionen kontrolliert.]

Doch wenn es um Kommunikationskanäle geht, die durch Zeit und Raum begrenzt sind – Zeitungen, Nachrichten-Agenturen, Radio, Fernsehen und Buchveröffentlichungen – muss gewählt werden. Die Leute, die diese Wahlen treffen, entscheiden, was veröffentlicht, gedruckt, über den Äther oder im Fernsehen gesendet wird.

Dasselbe gilt für den Umgang der schwedischen Regierung mit der Geschichte, dass Israel Palästinenser ermordet, um ihre Organe zu stehlen. Schwedens Vertreter stellen sich selbstgerecht als Verteidiger der freien Meinungsäußerung dar. In Wirklichkeit bezahlte jedoch die schwedische Regierung den Schreiber, der diese abscheulichen Behauptungen machte und finanzierte die Veröffentlichung seines Werks. Die schwedische Regierung entschied sich nicht jemanden zu subventionieren, der ein Buch zur Verteidigung Israels schrieb oder genau die wirklichen Verbrechen aufzuzeigen, die von radikalen Islamisten und Terroristen begangen werden.

Wir reden hier nicht von freier Meinungsäußerung, sondern von Entscheidungen, die von Regierungsvertretern und Redakteuren getroffen werden.

Wie treffen sie diese Entscheidungen?

Diese Entscheidungen werden angeblich von professioneller Ethik und Praxis bestimmt. Ein Faktor, der bestimmt, welche Storys veröffentlicht werden, ist die Wichtigkeit; ein weitere die Ausgewogenheit (die Darstellung unterschiedlicher Sichtweisen); ein weiterer ist Fairness, den Kritisierten eine angemessenen Raum zur Antwort zu geben. Das „Recht der Öffentlichkeit auf Information“ zu dem, was ihre Regierung und Institutionen tun, ist ein weiterer Gesichtspunkt. Auch der Stand in Ranglisten und der Verkauf von Zeitungen durch Sensationslust oder menschliches Interesse ist Teil der Mischung.

Klaus Kleber atomisiert die Welt

31. Juli 2009 at 8:55 | In Medien allgemein | 3 Comments
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Klaus Kleber vom ZDF dokumentiert die Gefahr der Atomkonflikte, die es geben könnte. Ein Land, das dabei nicht fehlen darf, ist der Iran. Und zu dem und seinen Empfindlichkeiten hat Kleber im zweiten Teil seines Mammut-Projekts folgendes zu sagen:

„Irak hat Iran 1980 überfallen. Mit amerikanischer Hilfe. Das ist eingebrannt im kollektiven Gedächtnis.“

Das referiert er. Das übernimmt er so. Sicher, er will nur die Position der Mullahs darstellen, die vielleicht sogar die des gesamten iranischen Volkes ist. Das soll bestimmt keine Wertung sein.

Aber es so alleine hinzustellen, völlig unkommentiert in einem langen, langen Teil, der Verständnis „des Iran“ vermitteln soll (und eventuell noch nicht einmal von Kleber mitgetragen wird), das heißt für den Zuschauer: Übernimm das.

Und das wäre fatal. Denn weder hat Amerika den Kriegsbeginn unterstützt, noch dabei geholfen. Die französische Unterstützung des Irak WÄHREND des Krieges, seine Ausstattung mit den Waffen, die in diesem Krieg eingesetzt wurden, fällt unter den Tisch. Dass die USA durchaus Gründe gehabt hätten sich eher auf die Seite des Irak zu stellen, so sie denn Partei ergreifen sollten, wird auch nicht gesagt. Und wie war das noch mit dem Überfall auf die US-Botschaft und den mehr als 400 Tagen Geiselnahme?

Oh übrigens: Wie war das mit dem Iran-Contra-Skandal und der Waffenlieferung der USA an Khomeini?

Herr Kleber redet vom Fanatismus der Mullahs. Aber stellt er deren Geschichtsklitterung richtig?

Nein, macht er nicht.

Thematisiert er die in Reflexen wie bei pawlowschen Hunden ausgegebenen Beschuldigungen der USA, sie seien (mit Israel natürlich) an allem Schuld, was den Mullahs quer in den Hals geht?

Nein, macht er nicht.

Diese pawlowschen Reflexe sind anscheinend in der arabisch-muslimischen und iranischen Politik und politischen Kultur genetisch verankert. Selbst Nasser hatte 1967 nur einen Gedanken, als Israel seine Luftwaffe vernichtete: Die Juden hatten Hilfe von den Amerikanern und den Engländern; die hatten mit Marinefliegern von Flugzeugträgern auf Seiten Israels eingegriffen. Das glaubte er zwar selbst nicht wirklich, aber es wurde als „Wahrheit“ hinaus posaunt und verbreitet, selbst noch, nachdem sogar die Sowjets den Ägypten deutlichst sagten dass das Gegenteil richtig war.

Aber auf die Wahrheit kommt es nicht an. Auf Tatsachen auch nicht. Die arabisch-muslimische Welt (und zu der zählen wir jetzt auch mal die Iraner, die keine Araber sind) baut sich ihren eigenen, tatsachenunabhängigen Mythos und der wird geglaubt. Fakten? Nur das, was ihnen nutzt, ansonsten wird jede Lüge gebastelt, die auch nutzt und von eigener Unfähigkeit und Fehlern ablenkt. Thematisiert Kleber das?

Nein, macht er nicht.

Er wird behaupten, das sei nicht Thema seiner Dokumentation.

Aber wenn das nicht Teil der Dokumentation ist, wozu soll sie gut sein? Wenn Lügen einfach stehen gelassen werden, wozu soll das gut sein? Wenn es nicht einmal einen Hinweis darauf gibt, dass da eklatant falsche Behauptungen in die Welt gesetzt werden, was wird dem unbedarften Zuschauer dann vermittelt? Übrigens wird bei US-Strategien durchaus gewertet! Und die Brasilianer mit ihrem Atomprogramm kamen sogar noch schlechter weg. Nur beim Iran, da zieht er den Schwanz ein.

Was soll man sich da denken?

(Über den ersten Teil von Klebers Machwerk hat Castollux geschrieben.)

Wikipedia als Quelle

22. Juli 2009 at 13:34 | In Lesen!, Medien allgemein, WWW | 2 Comments

Als kleine Ergänzung zum Dialog mit Malte Lehming und seiner Art seine Sicht zu belegen (s. Update vom 22.07.09), möchte ich darauf hinweisen, wie „zuverlässig“ gerade Wikipedia ist. Der BILDblog brachte ein markantes Beispiel: Der aktuelle Wirtschaftsminister hat von seinen Eltern reichlich Vornamen verliehen bekommen. Ein Witzbold hatte bei Wikipedia spaßeshalber noch einen zusätzlichen eingefügt. Die Folge? Lest selbst: Wie ich Freiherr von Guttenberg zu Wilhelm machte.

Maltes Fehlgriffe

20. Juli 2009 at 20:20 | In Geistesgrößen, Medien allgemein, Medien+Nahost | 8 Comments
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Wenn man anderen am Zeug flicken will, um die eigenen Rechtschaffenheit hervorzuheben, dann muss man ihnen aufzeigen, dass sie an den Problemen der Welt vorbei schreiben und sich an Kinkerlitzchen aufhängen.

Genau das hat Malte Lehming im Tagesspiegel versucht und den Kritikern von „Israel-Kritikerinnen“ ins Stammbuch zu schreiben probiert. Anhand des Beispiels dreier völlig unbedeutender und unbekannter „Damen“ will er aufgezeigt haben, dass die Empörung über sie völlig fehlgeleitet und proportional aus der Bahn gegangen ist. Die großen Themen würden nur gegen Obama ins Feld geführt, dem muss Kritik am US-Präsidenten anscheinend verboten werden. Weil sie in Sachen Israel/Israelkritik eben nicht ins Feld geführt, sondern Nebenkriegsschauplätze ohne Wert gegen weibliche Nichtse aufgemacht werden.

Dumm nur, wenn diese Kritik a) ungerechtfertigt ist und b) mit falschen Argumenten geführt wird. (Könnte es sein, dass da einer seiner Präsi-Anhängerschaft frönt und es nicht verknusen kann, dass jemand den Obamessias nicht mag?)

Festzustellen ist jedenfalls, dass die von Lehming angegriffenen Achse-Schreiber (die übrigens Maltes Text bei sich eingestellt haben – Gruß vor allem an Herrn Posener) sich oft genug zu den von Lehming genannten Themen äußern. Fehlgriff Nummer eins.

Zweitens ist festzustellen, dass Herr Obama eben nicht recht hat. Entgegen seiner Behauptung gibt es eben nicht die Juristen von Weltruf, die die Illegalität nicht bestreiten – oder besser gesagt: Vielleicht gibt es sie, aber sie sagen nichts. Das überlassen sie weniger kompetenten Schreihälsen. Bisher gibt es keine Äußerungen von Juristen von Weltruf, die die Illegalität der „Siedlungen“ anprangern (außer solchen, die sich selbst Weltruf attestieren, ihn aber nicht besitzen). Selbst Kofi Annan, seligen Amts-Angedenkens, hatte nur ein einziges Mal von der Illegalität der Siedlungen gesprochen – und das nie wieder gemacht, weil seine Juristen ihn offenbar zurückgepfiffen haben. Fehlgriff Nummer zwei.

Und zum Schluss noch etwas zur Unwichtigkeit der drei nach Lehmings Meinung unbedeutenden Damen, wegen denen viel zu viel Aufhebens gemacht wird (Fehlgriff Nummer drei): Gerade diese drei – gut zumindest zwei, Frau Schiffer könnte man noch ausnehmen – werden immer wieder als Kronzeugen und wichtige Persönlichkeiten hofiert, auf den Schild gehoben, prominent vorgestellt, verlinkt und auf Bühnen gestellt, die ihnen zwar eigentlich viel zu groß sind, auf die sie auch nicht gehören, die sie aber immer gerne bevölkern und die ihnen mit viel Tamtam zur Verfügung gestellt werden. Eine – Felicia Langer – hat gerade das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen bekommen. Das ist nun wirklich nicht mehr als unbedeutend zu bezeichnen. Sie äußern sich in einer Weise, die inzwischen auch juristisch bestätigt durchaus als antisemitisch bezeichnet werden kann. Sie erfreuen sich einer dubiosen Popularität, die vielleicht nicht über begrenzte Kreise hinaus geht, aber trotzdem stetig vorangetrieben wird – von Medien, von antiisraelischen Organisation und auch, wie man im Fall Langer sieht, von Politik und Prominenz.

Es wird wohl so sein, dass Frau Langer eben noch nicht so bekannt ist, dass jeder sie kennen müsste, denn sonst hätte Präsident Köhler vielleicht die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an sie nicht unterschrieben. Aber auch andere waren nicht immer weithin bekannt und haben später – besonders weil man sie ignoriert hatte – „groß“ herausgekommen.

Deshalb ist es absolut richtig und wichtig, dass über solche Leute geschrieben und ihre unsägliche Hetze offengelegt wird. Und wenn es Herrn Lehming zu viel ist, dann ist das sein Problem. Ist ihm auf der Achse zu wenig über den Iran, Afghanistan, Irak, Pakistan, Libanon, Wasserknappheit und Terrorismus zu lesen, dann ist das auch sein Problem. Die Themen werden auch dort behandelt. Aber vielleicht ist es auch mal wichtig, dass über das, worüber alle schreiben und für das extra neue Internetseiten eingerichtet werden (s. z.B. Free Iran Now!, an dem auch Achse-Autoren beteiligt sind) nicht auch noch immer und ständig etwas dazuzuhäufen, sondern sich Themen vorzunehmen, die sonst untergehen.

All das berücksichtigt Herr Lehming nicht. Statt dessen behauptet er Dinge, die so nicht stimmen und will Unangenehmes unter den Teppich kehren. Das ist auch eine Haltung – allerdings keine sonderlich sinnvolle oder ehrenhafte.

Nachtrag, 21.07.09:
Beer7 hat neben Malte Lehming auch noch Viktor Kocher von der NZZ gelesen und eine sehr richtige Feststellung gemacht: Auf die Siedlungen wird eingedroschen, der Staat Israel ist gemeint. Letztlich heißt das nur: Wir wollen nicht nur die Siedlungen weg haben, sondern den ganzen Judenstaat.

Update 22.07.09: Malte Leming antwortete auf mein Schreiben an ihn, dass Juristen von Weltruf eben NICHT die Illegalität der israelischen Siedlungen vertreten:

Sehr geehrter Herr,

wir können die Debatte über den völkerrechtlichen Status der israelischen Siedlungen lange, lange führen.
Das haben andere vor uns getan, und es werden andere nach uns tun.
Dass meine Auffassung zumindest nicht komplett gaga ist, könnten die ersten Wikipedia-Sätze zum Thema belegen:

Israeli settlements are residential areas inhabited by Jewish Israelis in the „territories“ (lands that were captured by Israel in the west bank during the 1967 Six-Day War). Such settlements currently exist in the West Bank, which is militarily occupied by Israel and is under Israeli military administration and partially under the control of the Palestinian National Authority, and in the Golan Heights, which are under Israeli civilian administration.

International intergovernmental organizations such as the Conference of the High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention, every major organ of the United Nations, and the European Union have declared that the settlements are a serious violation of international law. Non-governmental organizations including Amnesty International, and Human Rights Watch have also characterized the settlements as a violation of international law. In 1978, the Legal Adviser of the Department of State to the United States Congress concluded that „the establishment of the civilian settlements in those territories is inconsistent with international law.“

Schade, dass Herr Lehming sich nicht weiter mit Fakten auseinandersetzt oder richtig recherchiert. Meine Antwort an ihn:

Sorry, Herr Leming,

aber das ist ja wohl nun ganz schwach.

Abgesehen davon, dass Sie offenbar weder die israelische Rechtsposition zu berücksichtigen bereit sind, ist Wikipedia nun wirklich alles andere als die beste Quelle:

Wenn dort gesagt wird, dass internationale Organisationen die Siedlungen zu einer schweren Verletzung des internationalen Rechts seien, dann ist das nichts weiter als eine Behauptung – von Wikipedia ebenso, wie von diesen Organisationen. Weiter als bis zu diesem Hinweis auf die Vierte Genfer Konvention gehen die kaum einmal; und wenn, dann stützen sie sich darauf. Da gibt es aber ein Problem:

Die Vierte Genfer Konvention ist auf die so genannte Westbank nicht anwendbar, weil ihre Voraussetzungen nicht erfüllt sind. So gibt es beispielsweise keinen (anerkannten) Souverän vor der Eroberung 1967, als auch keiner der Siedler vom Staat dorthin umgesiedelt wurde.

Die Nichtanwendbarkeit der Vierten Genfer Konvention ist der Haupt-Knackpunkt, den zu berücksichtigen keine dieser Koryphäen zu bedenken bereit ist.

Recht ist halt nicht „demokratisch“ oder einfach das, was eine Vielzahl an Leuten behauptet – sonst bräuchten wir keine Anwälte mehr, nicht wahr?

Mit freundlichem Gruß

SPON und der Superpräsi

30. Mai 2009 at 21:56 | In Deutschland, Medien allgemein, USA | Leave a Comment
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Das ist interessant:

Charles Thomas Payne , 84, Großonkel des US-Präsidenten Barack Obama, hat den Ostdeutschen mit seinen Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg einen Staatsbesuch beschert. Payne hatte als Mitglied der 89. Infanterie-Division der US-Armee Anfang April 1945 als einer der Ersten das Zwangsarbeiterlager S III im thüringischen Ohrdruf betreten, das als Außenstelle des KZ Buchenwald firmierte. Später erzählte er Obama von seinen Erlebnissen. Der Präsident verkündet stolz, die Truppe seines Verwandten hätte das Lager befreit. Historische Quellen sprechen von einer kampflosen Übernahme. Payne selbst gibt sich bescheiden: „Ich habe keine heroische Geschichte zu erzählen. Ich war einfach dort.“ Trotzdem gilt die vermeintliche Heldentat von „Uncle Charlie“ als Hauptgrund für die im Juni geplante Reise nach Ostdeutschland, die Obama nach Buchenwald, Weimar und Dresden führen soll. Außerdem bemüht sich Kanzlerin Angela Merkel den Amerikaner für den 9. November nach Berlin einzuladen. Dann plant die Bundesregierung eine große Feier zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, zu der zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet werden.

Die beiden hervorgehobenen Sätze sind problematisch. Zum Einen hatte der Superpräsi nicht stolz die Befreiung der Außenstelle von Buchenwald durch die Truppe seines Verwandten verkündet, sondern die von Auschwitz. Das alleine war schon wieder ein Beispiel der mehr als übertriebenen Selbstdarstellung Obamas, der es liebt sich mit den Federn anderer zu schmücken. Und wie sein Großonkel selbst es beschreibt: Da war kein Heldentum dabei, er war einfach da. Solche Nuancen interessieren den Mann im Weißen Haus aber nicht – haben ihn auch nie interessiert.

Der andere Satz ist insofern ein Problem, als der SPIEGEL selbst weiß, dass das nicht stimmt. Und zwar direkt aus der besten Quelle, die es dazu gibt, dem Großonkel, der bei der Befreiung von Ohrdruf dabei war. Der SPIEGEL hat den Mann interviewt. Er hat das Interview auch ins Internet gestellt. Allerdings nur auf Englisch, in Deutsch ist es nicht zu haben: Gleich die erste Antwort von Charles Payne zeigt auf, wer Obama ist und – und was die SPIEGEL-Redaktion ihren deutschen Lesern vorenthält:

Ich war ziemlich überrascht, als die ganze Sache aufkam und Barack über meine Kriegsverfahrungen in Nazideutschland sprach. Wir haben darüber nie zuvor gesprochen.

Barack Hussein Obama hat nie mit seinem Großonkel über dessen Kriegseinsatz gesprochen. Aber der SPIEGEL schreibt, der Großonkel habe Obama von seinen Erlebnissen erzählt.

Payne erzählt, auf die Behauptung Obamas, er habe Auschwitz befreit: „Das kann er nicht von mir haben, denn wir haben nie über diese Episode des Krieges gesprochen.“ (Allerdings haben zwei andere Verwandte ziemlich viele Geschichten rumgetrascht, dabei kann etwas durcheinander gekommen sein – aber so viel Geschichte hätte ein Präsidentschaftskandidat doch wohl an den Tag legen müssen, um zu wissen, dass Auschwitz von der Roten Armee befreit wurde.)

Wäre es nicht langsam angebracht, dass die Verlogenheit dieses Magazins etwas mehr thematisiert wird?

Payne hat übrigens eine sehr klare Aussage über seinen Großneffen getätigt: Der Trip nach Buchenwald erfolgt nur aus politischen Gründen. Obama versucht Punkte zu machen. (Das heißt nicht, dass Payne seinen Großneffen kritisiert; er beschreibt ihre Beziehung positiv und würde gerne in der Air Force One mitfliegen, sollte er eingeladen werden.)

Aber vor diesem Hintergrund noch eine Frage: Wäre es nicht langsam an der Zeit der Öffentlichkeit reinen Wein über den Superpräsi und sein Verhältnis zu Wahrheit und Ehrenhaftigkeit einzuschenken, statt unangenehme Teile – wenn überhaupt, dann – nur im Englischen Teil zu veröffentlichen? Ihn als den narzisstischen Präsidenten-Darsteller zu entlarven, der er ist?

Öffentlich-rechtliche LRS

7. Dezember 2008 at 19:46 | In Medien allgemein, aua | 2 Comments
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ARD Teletext Seite 310 (Weltspiegel): Was ist Dobing, bitte?

Teilweise Korrektur. Mehr oder weniger

30. Oktober 2008 at 14:47 | In Europa-USA, Medien allgemein | Leave a Comment
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Letzten Samstag habe ich mich hier über die Zwiespältige WELT gewundert und einiges aufgelistet, was an Widersprüchlichem und Zwiespältigem zu finden ist. Das scheint ein wenig korrigiert werden zu müssen. Denn im Bereich der WELT debatte haben sie – anders als letzte Woche vermutet – den Beitrag von Daniel Pipes über Barack Obama doch eingestellt. Sonntagabend, 20 Uhr ist als Posting-Datum vermerkt.

Insofern also eine Entschuldigung, denn ich vermute mal, dass sie das nicht aufgrund meines Blog-Eintrags geändert haben. Gehen wir mal davon aus, dass sie einfach spät dran waren. Die vermutete Einseitigkeit ist also in diesem Bereich zumindest nicht in dem Ausmaß vorhanden, wie von mir vermutet.

Allerdings ist im Fall dieser Kolumne dann auch wiederum das Verhalten der Leser und ihrer Kommentare nicht so, wie von mir für den Rest der untersuchten Seiten beschrieben. In den ersten 10 Kommentaren toben sich weit gehend Leute aus, die nicht nur den Inhalt der Kolumne nicht begreifen, sondern sich Teile rauspicken, um ihren Heiligen zu verteidigen und jegliche Kritik an ihm zu verunglimpfen, sondern auch ganz klar machen, dass es a) entweder völlig egal ist, was Obama für Dreck am Stecken hat (weil ja die Republikaner viel schmutziger sind) oder b) die recherchierten Fakten alles Mumpitz sind.

Letzteres kann man den Kommentierenden nicht voll umfänglich zur Last legen, das die WELT debatte die reichlich vorhandenen Links des Originals (bzw. der deutschen Übersetzung auf der Seite von Daniel Pipes) nicht mitliefert. Andererseits kühlen die Herrschaften mit dem Giftspritzen ihr Mütchen nach der Methode „Alles, was nicht für Obama ist, ist schlecht“, und scheren es über einen einzigen Kamm. Statt z.B. einmal nachzulesen, welche Kritik Pipes an Bush hat (oder auch McCain am Amtsinhaber kritisiert), wird gleich gegen alles geschossen, ohne sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen.

So haben wir im Fall dieser einen Kolumne ein Bild, das vielleicht genau das Umgekehrte spiegelt, was ich mich gefragt habe: Hier wurde eine mutige Kolumne eingestellt und die Kommentare zeugen von Unverstand. Vor allem den Fälscher und Lügner Michael Moore als Kronzeugen gegen die Republikaner (und damit alles, was nicht Obama ist) anzuführen, ist ein Paradebeispiel für abhanden gekommenes Realitätsbewusstsein.

Am beschriebenen Gesamteindruck ändern allerdings eine einzelne Kolumne und ihre Kommentierung nichts.

Zwiespältige WELT

25. Oktober 2008 at 17:02 | In Europa-USA, Medien allgemein | Leave a Comment
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DIE WELT gilt weithin als konservative Tageszeitung. Im Vergleich mit anderen Blätter ist sie das sicherlich auch. Und manchmal erscheint sie sogar recht mutig – macht aber dann dieses Bild auch direkt wieder kaputt.

Den verhältnismäßigen Mut zeigt die WELT z.B. im Abdruck eines CNN-Interviews (einen Tag später folgt die Berliner Morgenpost) mit Sarah Palin, in dem diese einige der Lieblings-Verleumdungen ihrer Gegner auseinander nimmt. Andererseits wird dieses Interview mit einer Überschrift versehen, die die Frau schlecht machen soll und dem Leser den gegenteiligen Eindruck dessen vermittelt, wofür Palin steht.

Die Palin-Negativliste führt die Zeitung dann in ihrem Online-Auftritt gleich selbst ein, indem sie „weiterführende Links zum Thema“ als Kasten in den Text einfügt; dieser enthält zehn Überschriften (verlinkte Artikel) mindestens neunmal Aussagen über Frau Palin, die diese nicht gut aussehen lassen; die einzige, wo das anders ist, kann auch als Angriff auf sie gesehen werden: „Sarah Palin zeigt John McCain ihre Krallen“ – das ist ja wohl mangelhaft loyal gegenüber ihrem „Chef“.

In der rechten Spalte finden sich ein Quiz nach dem anderen. Natürlich auch welche zum Thema. Und so wird gefragt: „Kennen Sie Sarah Palin? Die Frau, die ins Weiße Haus will“ und US-Wahlkampf. Wie gut kennen Sie John McCain“. Sarah Palin will ins Weiße Haus? Ich dachte, die ist „nur“ Vizepräsidentschafts-Kandidatin? McCain will ins Weiße Haus. Seltsam.

„Mutig“ ist wieder, dass im Bereich WELT ONLINE DEBATTE mit Daniel Pipes einer der meist verleumdeten Kolumnisten der USA zu Wort kommen darf. Jedenfalls dann, wenn es der Redaktion gefällt. Denn einige der knackigsten, interessantesten und informativsten Kolumnen des Mannes aus Philadelphia kommen nicht vor – die jüngste, die Barack Obama nicht gut aussehen lässt, auch nicht.

Am 24. Oktober kommt Ralph Giordano zu Wort und fordert „Stoppt die Großmoscheen in Deutschland“. Der Text wird von einer ausgewogeneren Auswahl an „weiterführenden Links“ zum Thema begleitet (von denen mindestens einer aber auch von Giordano stammt). Dazu gibt es eine Umfrage: „Hat gelungene Integration etwas mit der Religion zu tun?“ Die Leser haben eine mehr als klare Meinung, die sich offenbar nicht mit dem Kasten von den als Gegenpol eingefügten (?) wunderschönen Fotos deutscher Moscheen widerspiegelt. Diese Leser nehmen insgesamt weit klarer Stellung als die Zeitung selbst. Das zeigt sich bei Giordanos Text auch in den Kommentaren; dort hat ein Umay erst einmal losgekotzt – er bekommt (meist) sachliche Prügel für seinen Blödsinn und seine Falschaussage zu Christen und Kirchen in der Türkei. Und das lässt etwas vermuten:

Es erscheint so, als würden die Redakteure nicht ganz hinter dem stehen, was in ihrem Blatt geschrieben und auf den Internetseiten eingestellt wird, sondern nur die Leserschaft bedienen, die sie über die Überschriften und Neben-Angebote umerziehen wollen, wie beim Palin- und das McCain-Quiz. Letzteres wird eingeleitet mit: John McCain – die Bilder seiner Kriegsgefangenschaft gingen um die Welt. Doch was wissen Sie noch über den republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten? Testen Sie sich selbst. Ist es unverschämt, hier zu vermuten, dass „doch was wissen Sie…“ dem Leser sagen soll: Du weißt nicht wirklich und die Kriegsgefangenschaft ist kein Argument – als wenn sie je das einzige gewesen wäre. (Ich habe versucht das Palin-Quiz zu machen und bin im McCain-Quiz gelandet, wobei ich mir gleichzeitig das erste „falsch“ einhandelte, weil die Beantwortung der Frage, in welchem Krieg McCain Kriegsgefangener war, mir die Belehrung einbrachte, dass Sarah Palin Gouverneurin von Alaska ist. Als dann als nächstes die Frage kam welchen Beruf die Eltern McCains ausübten, habe ich das Quiz abgebrochen.) Wo ist das Obama-Quiz? Oder muss man diesen Kandidaten nicht besser kennenlernen? Und was ist mit seinem „Vize“, Joe Biden? Na ja, vielleicht zu gefährlich, interessierte Leser könnten auf die Idee kommen despektierliche Fragen zu stellen.

Zurück zu den Kommentaren der Leser: Bei Sarah Palins Interview frohlockt einer, dass endlich die Wahrheit über die Verleumdung des Amtsmissbrauchs ans Licht kommt. Weitere Pro-Palin/McCain-Kommentare folgen, aber auch Sinnfreies findet seinen Weg (“… und der Irak hat Massenvernichtungswaffen. Das ist alles so schmutzig!“ – was soll denn damit gesagt werden?). Die Leser machen also wohl aus, was inhaltlich in der WELT steht. Bis auf eines: Obamas Fragwürdigkeiten werden ausgeklammert. Kritisches zu McCain/Palin – so weit hergeholt oder unsinnig auch immer – wird gerne geschrieben oder übernommen. Die Obama-Probleme werden nirgendwo thematisiert. Eine Google-Suche mit dem Stichwort „Obama“ für die Seiten der WELT ergibt nicht einen Link zu etwas Kritischem. Dafür steht ein Link dort zu „Gemäßigte Republikaner entdecken ihre Liebe zu Obama“ (merke: Republikaner sind gemeinhin Extremisten) – die Hillary Clinton-Frauen, die gegen Obama sind, hat es dort vielleicht nie gegeben, jedenfalls führt die Suchmaschine nichts in dieser Richtung (vielleicht muss man erst die 465 weiteren Artikel durchforsten und Monate zurück gehen?).

Ein Link-Kasten zu „Wen die Hollywood-Stars wählen würden“ fördert „McCain-Helferin erfindet Angriff eines Schwarzen“ – was konservative Journalisten/Blogger wie Michelle Malkin schon bei der Meldung des angeblichen Angriffs vermuteten. Gibt es Artikel, die die reichlich vorhandenen Fälle falscher, selbst zugefügter Hass-Verbrechen gegen Linke berichten? Gibt es Artikel, die die wirklichen An- und Übergriffe gegen Anhänger von McCain/Palin weiter geben (jüngste Beispiele hier, hier und hier)?

Dafür wird die künstliche Aufregung um den von der Partei bezahlten neuen Kleiderschrank-Inhalt Palins intensiv durch’s Blatt gejagt, als würden damit Steuergelder verschwendet (dabei behält sie sie nicht einmal, sondern sie werden mit größter Wahrscheinlichkeit nach der Wahl mit Gewinn versteigert und der Erlös einer wohltätigen Sache gespendet!) – während die Spenden-Betrügereien und die Wählerregistrierungs-Fälschungen durch Obamas Team (Google-Suche) und ihm nahe stehende Organisationen kein Thema sind.

Ist das das Fazit, das wir ziehen müssen? Die „Springer-Presse“ als nur noch vorgeblich konservative Zeitung(en), die ihren Lesern zwar noch teilweise das geben, was die wissen wollen, sie aber versuchen umzuerziehen, indem sie ihnen Stimmung machende Schlagzeilen ins linke Propaganda-Lager liefern und teilweise Informationen vorenthalten? Indem sie nur vordergründig Kritisch-Konservatives bieten, mit linkem Mainstream-Denken und Parolen versetzen, damit das heraus kommt und vom Leser möglichst bald gedacht, was alle anderen auch in der veröffentlichten Meinung propagieren?

Post an ein Qualitätsmedium

23. Oktober 2008 at 17:16 | In Medien allgemein | 3 Comments
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Der Kölner Stadt-Anzeiger war einmal ein Blatt, das allmorgendlich bei mir vor der Tür lag. Bis mir die Berichterstattung dieses Qualitätsmediums derart das Kotzen verursachte, dass ich das Abo kündigte. Einer der Gründe (der, den sie notierten) war die Berichterstattung über den Nahen Osten, die unter aller Sau war. Was eine Inge Günther dort abdrucken lassen kann, war und schon in den 1990-ern eine Unverschämtheit und ist es bis heute.

Für mich war damit das Kapitel „Stadt-Anzeiger“ (bzw. die hiesige Lokalausgabe) abgeschlossen. Nicht so für die Werbeabteilung des Qualitätsmediums. Die sind hartnäckig, völlig unempfindlich gegenüber Kritik und absolut resistent, was die ausdrücklichen Wünsche ihnen ablehnend gegenüber stehender Nichtkunden angeht. Und so erhielt ich in regelmäßigen Abständen wieder Werbeschreiben des Qualitätsblattes.

Eines Qualitätsblattes, das es mehrfach nicht fertiggebracht hat, in Berichten über meinen Arbeitsort diesen richtig zu benennen; deren Lokalredakteure es schaffen, anlässlich des Abschlusses einer fünfzehnmonatigen beruflichen Fortbildungsmaßnahme trotz in den Block diktierter Aussagen diese zu verzerren und meinen buchstabierten Namen nicht auf die Reihe zu bekommen – ganz abgesehen davon, dass die Lokalredaktion in den letzten 15 Jahren mehrfach bewiesen hat, dass ihre Ortskenntnisse von vor mindestens 20 Jahren sind.

Letzte Woche erhielt ich wieder so einen Anruf mit einem Angebot „für ehemalige Abonnenten“. Der Dame am Telefon setzte ich sehr deutlich auseinander, dass ich kein Interesse habe und nie wieder haben werde – und dass ich keine weiteren Angebote wünsche. Respektiert die Firma Neven Dumont eine solche Ansage? Mitnichten. Heute erhielt ich Post mit genau demselben Angebot, das mir letzte Woche telefonisch gemacht wurde.

Was soll man bei solcher Ignoranz tun? Ich habe ihnen eine Brief geschrieben, der morgen eingeworfen wird:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe da eine Frage:

Was ist an der Aussage „Ich habe kein Interesse (an Ihrem Schmierblatt „Kölner Stadt-Anzeiger“) und will auch in Zukunft keinerlei Angebote“ nicht verständlich?

Letzte Woche rief mich eine Ihrer Mitarbeiterinnen an, um mir als ehemaligem Abonnenten mit einem 5-Euro-Angebot ein neues Abo aufzuschwatzen. Ich habe der Dame gesagt, dass ich nicht interessiert bin und keinerlei weitere Belästigung durch Sie und Ihre Firma mehr wünsche. Egal, welcher Art.

Anscheinend um Ihre Arroganz und Selbstherrlichkeit zu beweisen, habe ich heute dasselbe, von mir bereits vehement abgelehnte Angebot, noch einmal schriftlich erhalten.

Halten Sie mich für dement?

Ich fordere Sie hiermit auf

- mich aus Ihrer Kartei zu streichen

- mich NIE WIEDER mit ihren Angeboten oder auf andere Weise zu belästigen.

Sollten Sie dem nicht nachkommen – d.h. sollte ich noch einmal, in welcher Form auch immer, von Ihnen kontaktiert werden – werde ich mich für Sie kostenpflichtig zu wehren wissen, damit Sie die Chance haben einen Ansatz von Anstand und Respektierung der Wünsche anderer zu erlernen.

„Hoch“achtungsvoll

Jetzt bin ich gespannt. Diese Worte, zusammen mit dem Werbematerial, das auf jedem Blatt das mit einem dicken Edding vermerkte NEIN! trägt, sollten doch wohl selbst den ignorantesten Schmierfinken-Werbern klar machen, was Sache ist. Ansonsten muss ich ihnen tatsächlich mit kostenpflichtigen Lektionen kommen.

Eine ähnliche Aktion hatte ich vor ein paar Jahren mit einem Versicherungsvertreter durchziehen müssen. Warum muss man eigentlich erst derart pampig werden, bis diese Kotzbrocken ernst nehmen, was man ihnen sagt?

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