Muslime empört wegen altem „Na Nach Nachma“-Photoshop
13. April 2013 um 12:50 | Veröffentlicht in Araber, Muslime, Nahost-Konflikt, Satire/Humor | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: arabisch-muslimische Empörung
Vor zwei Jahren veröffentlichte Yisrael Medad auf seinem Blog My Right Word ein lustiges Photoshop des Tempelbergs, auf dem die goldene Kuppel durch eine omnipräsent große Kippa, wie sie von einigen Breslow-Chassidim getragen wird, und ihrem Slogan Na-Nach-Machma-Nachman MeUman ersetzt wurde.
Er schrieb augenzwinkernd: „Ich hoffe, die Waqf sieht das nicht“ – und gab dann die Adresse der Waqf in Jerusalem an.
Nun, es dauerte ein paar Jahre, aber die Muslime haben den Witz dann doch entdeckt.
Ma’an berichtete auf Arabisch von diesem Bild, das man auf der Facebook-Seite von Yehuda Glick sieht, der an der Wiederherstellung jüdischer Rechte am heiligsten Ort des Judentums arbeitet.
Sie „berichten“, das Foto zeige „den Felsendom, dem die goldene Kuppel mit einer Mütze ersetzt wurde, die von Juden und Siedlern mit talmudischen Losungen darauf geschrieben. Diese Fälschung kommt innerhalb der Fortsetzung der Angriffe jüdisch-religiöser Siedler gegen die Al-Aqsa-Moschee und dem Versuch ihr auf vielfältige Weise zu schaden, einschließlich täglichen Eindringens und talmudischer Rituale mit Vorbereitung des Baus des sogenannten „Tempels“ auf ihren Ruinen. Die „Al-Aqsa-Stiftung“ kommentierte diese Foto so: „Diese böswilligen Handlungen demonstrieren den Umfang der Verschwörung, die die Al-Aqsa-Moschee in ihrer Gesamtheit umgibt und bestätigen die Ambitionen der Besatzung den Haram al-Sharif zu schänden und anzugreifen.“
Solche Hysterien sind bei der Al-Aqsa-Stiftung normal, aber Ma’an bezeichnet sich als Medienorgan westlicher Art. Äh, nicht so wirklich.
Übrigens gibt es auf der Facebook-Seite inzwischen eine entzückende Drohung mit einem neuen Holocaust an den Juden in Israel, dank unserer friedlichen muslimischen Vettern.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein mit Photoshop verändertes Bild der Kuppel den Ingrimm der Islamisten steigert.
Mehr muslimische „Beweise“, dass ihnen der Davidstern „gestohlen“ wurde
30. März 2013 um 13:34 | Veröffentlicht in Islamstaaten, Muslime | 2 KommentareSchlagwörter: arabisch-muslimische Empörung, Ägypten, Propagandakrieg
Vor ein paar Monaten berichtete ich, dass der ägyptischen „Antiquitäten-Experte“ Dr. Rahim Rihan behauptete der Davidstern sei ursprünglich ein muslimisches Symbol, das die Juden aber im 17. Jahrhundert gestohlen hätten.
Al-Fajer TV und andere Medien berichteten, dass Rihan seiner Theorie etwas hinzufügte; sie sagten Saladin nutzte den sechszackigen Stern in einer Burg in Ras Sudr, 230 Kilometer von Kairo entfernt:

Saladin lebte im 12. Jahrhundert.
Der lustige Teil daran ist, dass einige der anderen arabischen Medien, die die Story aufgriffen – wie Raya.ps – sie mit diesem Stern illustrierten:

Was, wie ich schon aufgezeigt habe, die Vorderseite des Leningrader Kodex der hebräischen Bibel ist – der 150 Jahre älter ist als Saladin!
Eine andere Internetseite hat allerdings wissenschaftliche Belege, dass der Stern ursprünglich vom Mahdi stammt. Ich kann nicht sagen, dass ich die Beweise verstehe, aber wenn man einige arabische Buchstaben schreibt (ich denke an ein Mohammed mit einem zusätzlichen M), auf eine bestimmte Weise in einem Kreis, dann machen sie anscheinend etwas, das etwas nahe kommte, was entfernt einem sechszackigen Stern ähnelt, wenn das Licht schlecht ist. Hier ist der Beweis, schwarz auf weiß:

Sehen Sie? Es ist so offensichtlich!
Es ist unendlich amüsierend, dass Menschen, die behaupten die Juden würden ihre Kultur stehen, derart besessen davon sind – nun ja, den Juden ihre Kultur zu stehlen.
Ritualmordlüge – in der muslimischen Welt wohlauf
29. März 2013 um 16:00 | Veröffentlicht in Araber, Islam+Islamismus, Islamstaaten, Muslime | 1 KommentarSchlagwörter: Antisemitismus, arabischer Antisemitismus, muslimischer Antisemitismus
Unglücklicherweise ist die „Matzen-Ritualmordlüge“ gesund und munter, sagt Prof. Moshe Sharon von der Hebräischen Universität
David Lev, IsraelNationalNews.com, March 25, 2013
In der heutigen Zeit mag es halluzinogen sein, doch unglücklicherweise ist die „Matzen-Ritualmordlüge“ wohlauf. In einer Diskussion mit Arutz Sheva sagte Professor Moshe Sharon von der Hebräischen Universität, dass es immer noch viele Fälle falscher Beschuldigungen von Juden gibt, die angeblich das Blut von Nichtjuden benutzen, um Matzen zu backen, doch dass diese Anschuldigungen heute in der muslimischen Welt erhoben werden, nicht in der christlichen, in der die Mordlüge 1144 mit der fingierten Geschichte des William in Norwich (England) ins Leben gerufen wurde.
Die Beschuldigung, Juden würden das Blut von Christen oder muslimisches Blut nutzen, ist in der islamischen Literatur recht geläufig. Von der Hisbollah, der Hamas oder anderen Terrorgruppen gedrucktes Material, zusammen mit Büchern, die in der gesamten arabischen Welt verkauft werden, behandeln angebliche Fälle jüdischer Nutzung von Blut zum Backen von Matzen, sagte Sharon. „Historische“ Ermittlungen von Fällen der Nutzung von Blut durch Juden sind alltägliches Futter für akademische Dissertationen; zum Beispiel schrieb der syrische Kriegsminister Mustafa Talas seine Dissertation über den Ritualmordvorwurf von Damaskus des Jahres 1840.
Auch israelische Araber sind von diesen Überzeugungen beeinflusst, sagte Sharon. Er diskutierte den Fall eines seiner Studenten an der Hebräischen Universität, der ihn einmal fragte, wo Juden das christliche Blut finden, das sie für das Backen der Matzen brauchen. „Das zeigt, dass die Tradition des Ritualmordvorwurfs immer noch tief verwurzelt ist“, sagte er. Ein Bestseller in Kuwait beinhaltet eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Prozess der Herstellung von Blut zum Backen von Matzen, einschließlich der schrecklichen, fingierten Beschreibung eines besonderen Fasses mit scharfen Stacheln, in das das christliche Kind geschnallt und wie das Fass über den Boden gerollt wird, so dass die Stacheln es stechen und sein Blut laufen lassen, das in einem besonderen Gefäß im Fass gesammelt wird.
Fragt man, wie die arabische Öffentlichkeit so naiv sein kann, solch mythische Geschichten zu glauben, sagte Sharon, die Tatsache, dass solche Geschichten in Büchern abgedruckt werden, mache sie in den Augen vieler einfachen wie auch gebildeten Araber amtlich. „Der Hass gegen Juden ist derart stark, dass alles, was sie schlecht aussehen lässt, in der muslimischen Welt rasch angenommen wird“, fügte er hinzu.
Einer der Gründe, dass die Araber damit davonkommen, ist der, dass Israel es ihnen erlaubt, sagte Sharon. „Wären wir ein Land, das für das Thema Ehre sensibel wäre, wie es die muslimischen Staaten sind, würden wir eine Entschuldigung für solche Propaganda“ als Voraussetzung für jegliche Verhandlungen fordern. „Wenn die Palästinenser davon reden, dass die IDF arabische Kinder tötet, dann ist das das Thema des Ritualmordvorwurfs, das sie im Sinn haben und das ist das Bild, das sie Europa vermitteln wollen“, fügte er an. „Die Tatsache, dass es keine Pogrome wegen Ritualmord-Vorwürfen in der muslimischen Welt gegeben hat, ist der militärischen Stärke Israels geschuldet. Würde Israel nicht als eindrucksvolle macht im Nahen Osten angesehen, würden sich solche Pogrome wie Buschfeuer ausbreiten“, sagte er.
Die Ironie der lügnerischen Ritualmord-Vorwürfe besteht darin, dass die Thora Juden ausdrücklich den Konsum von Blut in jeglicher Form verbieten, wohingegen heidnische Religionen es als Teil ihrer Rituale machten.
Beendet den arabischen Boykott Israels
14. März 2013 um 15:29 | Veröffentlicht in Araber, Friedensinitiativen, Muslime | 3 KommentareEd Husain, The New York Times, March 8, 2013
An Jerusalems alten Mauern hingen alte Ventilatoren, die ein ratterndes, windiges Geräusch machten. Es war kein Geld für eine Klimaanlage vorhanden. Der Teppich für die Betenden war alt und zerlumpt. Ich befand mich in einem der bedeutendsten Gebäude der Welt, aber Baugerüste und Gerümpel verhinderten, dass ich das Zentrum des Felsendoms sehen konnte.
Undichte Stellen, ungepflegte Schuhregale und unsaubere, altertümliche Kacheln brachten ein Gefühl der Disharmonie in die drittheiligste Stätte des Islam. Nein, das war kein Fehler der Juden oder des Westens, sondern von uns Muslimen, die behaupten täglich an der „Befreiung Jerusalems“ zu arbeiten und ausgerechnet das Herz dieser Stadt vernachlässigen. Warum? Und wie kann sich das ändern?
Vor kurzem besuchte ich zum ersten Mal Israel und die Westbank. Ich bin Muslim; und in muslimischen Gemeinden rund um die Welt bedeutet Israel zu besuchen „das zionistische Gebilde“ zu unterstützen und daher soziale Isolation zu riskieren. Dieses Denken ist nicht nur veraltet, es ist kontraproduktiv.
Die Arabische Liga begann ihren Boykott zionistischer Waren schon 1945 und schuf ein Zentrales Boykott-Büro, um minimalen arabischen Kontakt mit Israel sicherzustellen. In der Realität umgehen die Golfstaaten und andere diese Politik, aber die arabischen und muslimischen Massen müssen sich noch von diesem Denken lösen, alles Israelische zu boykottieren.
Der prominente Kleriker Yusuf al-Qaradawi schreibt zusätzlich zur Rechtfertigung von Selbstmord-Bombenanschlägen gegen Israelis regelmäßig seine Fatwas fort, mit denen er sein Podium bei Al-Jazira nutzt die Muslime zu drängen, Kontakte mit Israel zu meiden. Jüngste Versuche europäischer marxistischer Akademiker Israel zu boykottieren haben diese kontraproduktive Haltung unterstützt.
In vielen Moscheen und Universitäten dürfte diese Sichtweise den Überlegenheitskomplex einiger Akademiker und muslimischer Kleriker stärken. Doch die Hauptopfer dieses Boykotts sind nicht die Israelis, sondern die Palästinenser. Israels Wirtschaft boomt, während die Palästinenser in jämmerlicher Armut stagnieren. Der Jahrzehnte alte arabische Boykott ist elendig gescheitert. Geschätzte 70 Prozent der palästinensischen Familien in Ostjerusalem leben unter der Armutsgrenze.
Araber aus Nachbarstaaten besuchen Jerusalem wegen des Boykotts nicht, aber viele arabische Männer haben diesen Luxus nicht: Sie finden Arbeit als Reinigungskräfte und Gepäckträger in den Hotels der Stadt oder in jüdischen Betrieben oder fahren in die Westbank, um dort Arbeit zu suchen.
Viele Menschen verurteilen die israelischen Siedlungen und fordern einen Wirtschaftsboykott ihrer Produkte, doch ich sah, dass es arabische Bauarbeiter, Klempner, Taxifahrer und andere Arbeiter waren, die israelischen Lebensstil pflegen. Separatismus im Heiligen Land hat nicht funktioniert und es ist an der Zeit ihn zu beenden. Wie viel länger noch werden wir die Palästinenser bestrafen, um ein freies Palästina zu schaffen?
Ich gab das muslimische Gruppendenken auf und reiste nach Israel, weil es neuen Schwung in der Region gibt. Der frühere ägyptische Großmufti Ali Gomaa und der prominente Gelehrte Habib Ali a-Jifri traten aus dem Glied Qaradawis und reisten im letzten April nach Jerusalem. Sie rechtfertigten ihren Besuch auf Grundlage der heiligen Schriften und zitierten die Ermutigung der Gläubigen durch den Propheten Mohammed das Heilige Land zu besuchen. Ihre Reise wurde durch Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal von Jordanien vermittelt, dem wichtigsten religiösen Ratgeber König Abdallahs II.
Muslimische Führer in Jerusalem hießen beide Männer willkommen und palästinensische Imame forderten auf Al-Jazira (Arabisch) und in anderen Medienorganen ein Ende des arabischen Boykotts. Das war eine direkte Herausforderung der Radikalen wie Qaradawi und seiner Unterstützer in der Muslimbruderschaft in Kairo und der islamistischen Ennahda-Partei in Tunis. Warum wollen sie den Boykott fortsetzen?
Das Freihandelsabkommen der Türkei mit Israel, das beiden Seiten Erträge bringt, Jordaniens freundliche Beziehungen zum jüdischen Staat und dass zwei prominente Wissenschaftler neuerdings Führungsqualitäten zeigen, zeigt uns, dass nicht alle Araber und Muslime sich der Konfrontation verschrieben haben.
Präsident Obama wird diesen Monat Israel und Jordanien besuchen. Einmal mehr liegt Gerede von der Erneuerung der Friedensverhandlungen in der Luft, doch die Gespräche werden wieder fehlschlagen, wenn es keine weiter gehenden Haltungsveränderungen gibt. Premierminister Benjamin Netanyahu hat – bei all seinen Fehlern – Recht, wenn er eine breitere Neigung zur Intoleranz gegenüber Israel feststellt. Die Staaten des Arabischen Frühlings können es nicht Ernst damit meinen Demokratie zu wollen, wenn sie ihren Bürgern den Besuch muslimischer (und jüdische und christlicher) heiliger Stätten verbieten.
Die Stimme der palästinensischen Imame, die ein Ende des Boykotts sehen wollen, müssen verstärkt werden. Religiöse Leiter des Al-Azhar-Seminars in Ägypten oder der Universität von Medina in Saudi-Arabien, die für Frieden werben, werden von politischen Entscheidungsträgern oft ignoriert, obwohl sie enormen öffentlichen Einfluss haben. Eine von solchen moderaten Imamen unterschriebene Friedensvereinbarung würde breiten politischen und religiösen Einfluss haben.
Ohne eine Veränderung in der Haltung werden Israels Sicherheitsbedenken niemals vermindert werden. Für Araber Israel menschlich zu machen – indem man Amerikas muslimische Verbündete zusammenbringt, indem man Antisemitismus in Schulbüchern und Predigten in Moscheen angeht, indem man arabischen Bürgern erlaubt Israel zu besuchen und Handel mit ihm zu treiben – sind notwendige erste Schritte.
Um in muslimischen Augen glaubwürdig zu sein, muss jede Friedensvereinbarung den Rückhalt wichtiger sunnitischer Mächte haben, darunter Saudi-Arabiens, der Türkei und Ägyptens. Mit islamistischen Organisationen verschiedener Färbungen an der Macht in Ankara, Tunis, Gaza, Kairo und im Aufstieg in Libyen, dem Jemen, Syrien und Jordanien, kann der Westen nicht weiter die religiösen Dimensionen des arabisch-israelischen Konflikts ignorieren.
Wenn wir den islamistischen Tiger nicht zähmen, werden wir in einem Jahrzehnt zurückblicken und jammern.
Ed Husain ist Senior Fellow für Nahost-Studien beim Council on Foreign Relations.
Niederländisch-türkische Jungs bewundern im Fernsehen Hitler und den Holocaust
12. März 2013 um 15:43 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa, Muslime | 4 KommentareSchlagwörter: Antisemitismus, Muslime im Westen, Niederlande
Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)
Am 17. Februar strahlte der niederländische Fernsehsender Nederland 2 ein Interview des ehrenamtlichen Jugendarbeiters Mehmet Sahin mit niederländisch-türkischen Jugendlichen aus. Er versucht Jugendliche in Arnhem, einer großen Stadt im Osten der Niederlande, zu bilden. In der Sendung gaben die Jugendlichen ihrer Bewunderung für Hitler und seine Rolle bei der Ermordung der Juden im Holocaust Ausdruck.
Mehr als eine Woche lang gab es in den niederländischen Medien kaum eine Reaktion.
Neun Tage später veröffentlichte die Kolumnistin Elma Drayer einen Artikel in der Tageszeitung Trouw, in dem sie schrieb, wie skandalös dieses Schweigen sei. Sie merkte an, hätten niederländische Jugendliche im Fernsehen gesagt, es wäre gut gewesen, wenn alle Muslime abgeschlachtet würden, einschließlich der Babys, dann hätte es eine stürmische Debatte darüber gegeben, wie furchtbar diese Äußerungen seien. Niederländische pro-muslimische Organisationen hätten vermutlich eine Demonstration organisiert, auf der auch prominente Linke mitmarschiert wären. Drayer schloss, dass Judenhass in den Niederlanden eine Stufe erreicht hat, auf der er sich vor dem Holocaust befand.
Das Center for Information and Documentation on Israel (CIDI), das auch antisemitische Vorfälle in den Niederlanden beobachtet, forderte die Bildungsministerin auf, die Initiative für eine landesweite Untersuchung zu antisemitischen Tendenzen bei Oberstufenschülern zu ergreifen. CIDI erwähnte auch, dass eine Studie in Amsterdamer Oberstufenschulen 2012 feststellte, dass solche Vorurteile großflächig vorhanden waren. Die meisten Schüler schienen die Verfolgung von Juden nicht zu befürworten. Sie glaubten allerdings, dass Juden „reich“ und „geizig“ seien. Aus dieser Wahrnehmung heraus erklärten oder verstanden sie die Gründe für die Verfolgung der Juden.
CIDI erklärte auch, dass antisemitische Ansichten sowohl unter nicht westlichen wie auch niederländischen Jugendlichen weit stärker verbreitet waren, als in der Vergangenheit angenommen wurde. Das war eine Schlussfolgerung, die man viel früher hätte ziehen können. Zumindest, was die muslimischen Jugendlichen angeht, ist der weitgehende Antisemitismus unter ihnen bereits seit vielen Jahren bekannt.
Es ist nicht klar, in welchem Ausmaß öffentliches Lob Hitlers und des Holocaust in den Niederlanden Straftaten sind. Derweil ermitteln Vertreter der Staatsanwaltschaft, ob die Jugendlichen strafrechtlich belangt werden sollen. CIDI hat sich entschieden keine Anzeige bei der Polizei zu stellen, um die Arbeit des Ehrenamtlers nicht zu behindern. Das scheint eine falsche Entscheidung zu sein. Die Fernsehsendung mit den türkischen Jugendlichen ist nur die Spitze des Eisbergs. Infolge der verfehlten Einwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte – wie in vielen anderen europäischen Ländern auch – haben die Niederlande die Ankunft von einer Million muslimischer Einwanderer auf willkürliche Weise zugelassen. Sie kommen oft aus Ländern, in denen Antisemitismus grassiert und Hetze gegen Israel und Juden in vielen Teilen der Gesellschaft, einschließlich der Elite, weit verbreitet ist.
Obwohl die niederländischen Behörden das nie untersucht haben, ist klar, dass es bezüglich des Antisemitismus unter Muslimen in den Niederlanden drei offensichtliche Schlussfolgerungen gibt. Die erste ist die, dass Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern und ihren Nachkommen viel weiter verbreitet ist als in der autochtonen niederländischen Bevölkerung. Die zweite besteht darin, dass von Muslimen begangene gewalttätige antisemitische Taten oft schwerwiegender sind als die von einheimischen Niederländern begangene. Drittens schweigen führende Muslime und Organisationen gewöhnlich zu solchen Vorfällen. Das vermittelt den Eindruck, dass „wer auch immer schweigt, zustimmt oder es ihm zumindest egal ist“. In der muslimischen Gemeinschaft gibt es Ausnahmen davon, doch diese sind rar gesät.
Es gibt mehrere Erklärungen, warum die niederländischen Behörden nicht schon vor langer Zeit die Initiative ergriffen haben, um zu muslimischem Antisemitismus zu ermitteln. In einem Gespräch mit einem ehemaligen hochrangigen niederländischen Politiker und Ex-Minister sagte mir dieser vor Kurzem, dies geschehe aus Angst vor der muslimischen Bevölkerung und der möglichen Gewalt ihrerseits. Es gibt jedoch auch andere Gründe. Einige politische Parteien wie die Arbeitspartei erhalten viele muslimische Stimmen und wollen eine wichtige Wählerbasis nicht verärgern. Ein weiterer Grund ist der von den Niederlanden in ihren ehemaligen Kolonien damals praktizierte Rassismus. Viele Niederländer haben ein Schuldgefühl und behaupten unsinnigerweise, dass nur Weiße Rassisten sein können. Sie schauen daher bei Rassismus und Antisemitismus durch Minderheiten weg. In der Praxis bedeutet das, dass der bedeutende muslimische Antisemitismus so weit wie möglich ignoriert wird.
Viele weitere Abwegigkeiten werden verbreitet. Eine betrifft die Tatsache, dass die in der Fernsehsendung interviewten türkischen Jugendlichen „Straßenkinder“ seien. Wenn sie denn über muslimischen Antisemitismus schreiben, dann versuchen die Medien den Eindruck zu schaffen, dass dies der einzige Teil der muslimischen Gemeinschaft ist, in der es Probleme mit Antisemitismus gibt. Das stimmt nicht. Holocaustleugnung und fanatischer Antisemitismus sind auch bei vielen weiteren niederländischen Muslimen zu finden, beispielsweise auch bei Studenten an Universitäten. Es gibt keinen Unterschied bei Jungen und Mädchen. Das Schweigen der niederländischen Medien in diesem groben Fall von extrem antisemitischen Äußerungen muslimischer Jugendlicher illustriert einmal mehr ein Verlangen Wissen zu diesem Thema vom Auge der Öffentlichkeit fernzuhalten. Derweil wurde das Video der Sendung mit englischen Untertiteln ins Internet gestellt.
Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.
Mythen und Wahrheiten zum muslimischen Antisemitismus in Europa
11. Februar 2013 um 14:11 | Veröffentlicht in Europa, Muslime | 4 KommentareSchlagwörter: Antisemitismus
Manfred Gerstenfeld interviewt Günther Jikeli (direkt vom Autor)
Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen in Europa hat bestimmte Eigenschaften, die sich vom Judenhass von Menschen in den sie umgebenden Gesellschaften unterscheiden. Aber er hat auch gemeinsame Elemente. Viele Standardäußerungen über die Herkunft muslimischen Antisemitismus in Europa fehlt die Grundlage. Es gibt keinen Beweis dafür, dass diese von Hass erfüllte Haltung stark von der Diskriminierung muslimischer Jugendlicher in westlichen Gesellschaften beeinflusst ist.
Ich habe 117 Interviews mit muslimischen Jugendlichen im Durchschnittsalter von 19 Jahren in Berlin, Paris und London durchgeführt. Die Mehrheit bringen einige oder stark antisemitische Gefühle zum Ausdruck. Sie drücken ihre negativen Ansichten gegenüber Juden offen aus. Das wird oft aggressiv getan und schließt manchmal die Absicht ein, antisemitische Taten zu verüben.
Dr. Günther Jikeli ist ein nichtjüdischer Antisemitismusforscher am Kantor Center der Universität Tel Aviv. Ihm wurde der Raul-Wallenberg-Preis verliehen. Er erwarb 2011 seinen Doktortitel am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin. Von 2011 bis 2012 arbeitete er als Berater zur Bekämpfung von Antisemitismus am OSCE/ODIHR (Office for Democratic Institutions and Human Rights). Sein Buch „Antisemitismus und Diskriminierungswahrnehmungen junger Muslime in Europa. Ergebnisse einer Studie unter jungen muslimischen Männern“ beschreibt die Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit.1
Viele der von mir interviewten Jugendlichen brachten „klassische“ antisemitische Stereotype zum Ausdruck. Zu den bedeutendsten gehören Verschwörungstheorien und Stereotype, die Juden mit Geld in Verbindung bringen. Juden werden oft für reich und geizig gehalten. Sie werden auch regelmäßig als eine Einheit mit einem gemeinsamen und bösen jüdischen Interesse betrachtet. Diese archetypischen Stereotype stärken in den Köpfen dieser Jugendlichen ein negatives und potenziell bedrohliches Bild „des Juden“.
Sie differenzieren gewöhnlich nicht zwischen Juden und Israelis. Ihre Sichtweise des Nahost-Konflikts kann von ihnen als Rechtfertigung einer allgemein feindseligen Haltung gegenüber Juden – einschließlich deutscher, französischer und englischer Juden – genutzt werden. Sie behaupten oft, dass Juden palästinensisch-arabisches oder alternativ muslimisches Land gestohlen haben. Dies ist für sie ein wichtiges Argument, um den Staat Israel zu delegitimieren. Die Formulierung „Juden töten Kinder“ ist auch regelmäßig zu hören. Das ist ein stützendes Argument für ihre Ansicht, dass Israel fundamental böse ist. Da sie zwischen Israelis und Juden allgemein nicht unterscheiden, wird dies zu einem weitere Beweis für den „bösartigen Charakter“ der Juden. Es macht sie außerdem sehr emotional.
Die Annahme einer allgemeinen oder gar ewigen Feindschaft zwischen Muslimen (oder Arabern) und Juden ist weit verbreitet. Das wird oft mit Äußerungen zum Ausdruck gebracht wie „Muslime und Juden sind Feinde“ oder entsprechend „Araber können Juden nicht leiden“. Das macht es für Jugendliche, die sich stark als Muslime oder Araber identifizieren, schwierig sich von solchen Ansichten zu distanzieren.
Wir wissen, dass Antisemitismus niemals rational ist. Doch einige muslimische Jugendliche versuchen nicht einmal ihre Haltung zu rechtfertigen. Wenn jemand Jude ist, reicht das für ihren Hass aus. Aus Äußerungen einiger der Interviewten ergibt sich, dass negative Haltungen gegenüber Juden in ihrem sozialen Umfeld die Norm ist. Es ist beängstigend, dass eine Reihe von ihnen den Wunsch zum Ausdruck bringen Juden anzugreifen, wenn sie ihnen in ihrem Viertel begegnen.
Einige diskutieren in ihrem Umfeld verübte antisemitische Taten, bei denen die Angreifer niemals ertappt wurden. Einige Interviewte billigen diese Aggressionen. Sich der Tatsache bewusst, dass andere aus ihrem sozialen, religiösen und ethnischen Hintergrund Juden angreifen, nicht erwischt und noch nicht einmal klar verurteilt wurden, erhöht die Normalisierung der Gewalt gegen Juden in ihren Kreisen.
Jikeli fügt hinzu: Die Unterschiede zwischen den Interviewten der drei Länder bezüglich ihrer antisemitischen Standpunkte sind erstaunlich gering. Man sieht ein paar Abweichungen in ihrer Argumentation. Deutsche Muslime erwähnen, dass Juden die Medien kontrollieren und sie manipulieren, um Israels „Gräueltaten“ zu verbergen. In Frankreich sagten die Interviewten oft, dass Juden eine dominante Rolle in den nationalen Fernsehmedien spielen. In Großbritannien erwähnen sie hauptsächlich den Einfluss auf amerikanische Rundfunksendungen sowie in der dortigen Filmindustrie.
Das Wort „Jude“ wird in Deutschland und Frankreich abwertend benutzt, auch von Nichtmuslimen. In Großbritannien ist dieses Phänomen weniger üblich, sowohl allgemein wie auch bei muslimischen Interviewpatnern. Nur in Frankreich werden Juden oft als „Ausbeuter“ angesehen. Einige muslimische Jugendliche erwähnen, dass es falsch ist, dass Juden angeblich in Frankreich ein besseres Leben haben als Muslime. Es könnte durchaus sein, dass dies der Tatsache entstammt, dass französische Juden oft sichtbarer sind als die in Deutschland und Großbritannien und darüber hinaus viele französische Juden auch Einwanderer aus Nordafrika sind und es ein gewisses Konkurrenzgefühl gibt.
In Deutschland nutzten einige Interviewte oft bestimmte Argumente, die sie aus der Gesellschaft als Ganzem aufgenommen haben, so die angeblich hohen Holocaust-Restitutionszahlungen an Israel. Ein weiteres, regelmäßig angebotenes und geglaubtes Argument ist: Die Juden sollten, angesichts des Holocaust, „ein besseres Volk als andere sein, während Israel das Gegenteil verkörpert“.
Doch es gibt auch einige muslimische Jugendliche, die sich vom Antisemitismus distanzieren. Das geschieht selbst dann, wenn sie ursprünglich von antisemitischen Ansichten ihrer Freunde, Familien und den Medien beeinflusst waren.
Jikeli schließt: Der Antisemitismus mag dadurch weiter gestärkt werden, dass auf eine allgemein negative Einstellung der muslimischen Gemeinschaft gegenüber den Juden verwiesen wird. Hinweise auf den Koran oder die Hadithe könnten ebenfalls genutzt werden, mit der Folge, dass Allah mit dieser Ansicht einverstanden ist. Doch man sollte nicht fälschlich zu der üblichen Annahme kommen, dass muslimischer Antisemitismus ein exklusives Produkt von Hass auf Israel oder von westlich-„klassischem“ Antisemitismus, den Lehren des Islam oder ihrer muslimischen Identität ist. Die Wirklichkeit ist weit komplexer.
Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.
1 Günther Jikeli, Antisemitismus und Diskriminierungswahrnehmungen junger Muslime in Europa, Ergebnisse einer Studie unter jungen muslimischen Männern, (Essen: Klartext Verlag, 2012).
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