Spieglein, Spieglein an der Propagandafront
20. Juli 2008 at 18:26 | In Medien+Nahost, WDR | Leave a CommentTags: SPIEGEL, SPIEGEL online
Der SPIEGEL hat den irakischen Premierminister Nouri al-Maliki interviewt. Die Hamburger fassten das in der Überschrift so zusammen: Premier Maliki unterstützt Obamas Abzugsplan.
So weit, so zu erwarten. Vom SPIEGEL, nicht von Maliki. Denn bisher hatte sich der irakische Premier zu einem Zeitplan zum Abzug der US-Truppen aus dem Irak überhaupt nicht positiv geäußert. (Weiß der SPIEGEL-Leser das?) Zitat: Iraks Premier Nuri al-Maliki unterstützt die Pläne des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers, die amerikanischen Truppen binnen 16 Monaten aus dem Land abzuziehen. „Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten“, sagte er im SPIEGEL-Interview.
Im weiteren Verlauf (und in einem weiteren Artikel) wird darüber sinniert, dass sogar Präsident Bush auf Obamas Linie einschwenkt und sich erstmals für einen „allgemeinen Zeitplan“ ausgesprochen hat. Als Hintergrund „der Kehrtwende“ werden „derzeit laufende Verhandlungen über die US-Präsenz im Irak“ angegeben; die „Kehrtwende“ al-Malikis wird aber nicht beschrieben. Letztlich wirbt der Artikel dafür, dass Obamas Position sich durchgesetzt habe. Dass dem nun gar nicht so sein muss, zeigt Paul13 von No Blood for Sauerkraut auf, der zurecht darauf hinweist, dass die jetzigen Überlegungen viel mehr aus der extrem verbesserten Sicherheitslage im Irak heraus zu erklären sind.
Noch interessanter ist die Frage, weshalb der SPIEGEL nicht das Interview veröffentlicht, sondern nur eine Art Ergebnis-Darstellung; aber auf Englisch hat er es eingestellt. Und gleich ein Beispiel seiner Parteinahme und Desinformationskampagne geliefert. Aufmerksame Augen fiel nämlich auf, dass der SPIEGEL den Text veränderte; sie haben einen recht wichtigen Satz herausgenommen. Zuerst stand dort (Hervorhebung von HotAir):
SPIEGEL: Would you hazard a prediction as to when most of the US troops will finally leave Iraq?
Maliki: As soon as possible, as far as we’re concerned. US presidential candidate Barack Obama is right when he talks about 16 months. Assuming that positive developments continue, this is about the same time period that corresponds to our wishes.
Übersetzt: Würden Sie eine Vorhersage wagen, wann der Großteil der US-Truppen den Irak endgültig verlassen wird?
So bald wie möglich, was uns angeht. Der US-Präsident Barack Obama hat recht, wenn er von 16 Monaten spricht. Unter der Annahme, dass die positive Entwicklung sich fortsetzt, ist das in etwa die Zeitspanne, die unseren Wünschen entspricht.
Wer jetzt auf die Seite geht, wird den fett gedruckten Teil sowie den Rest des Satzes nicht mehr vorfinden. Warum? Könnte es sein, dass der Hinweis auf die geänderte Sicherheitslage nicht der Vorstellung entspricht, dass jetzt Obamas Position übernommen wird? Schließlich hat Obama reichlich andere Gründe für seinen Zeitplan. Ein weiterer Hinweis auf die Gründe für den „Zeitrahmen von 16 Monaten“, den auch Obama vorgeschlagen hat, kommt später noch einmal:
So far the Americans have had trouble agreeing to a concrete timetable for withdrawal, because they feel it would appear tantamount to an admission of defeat. But that isn’t the case at all. If we come to an agreement, it is not evidence of a defeat, but of a victory, of a severe blow we have inflicted on al-Qaida and the militias.
Bisher hatten die Amerikaner Probleme einem konkreten Zeitplan für den Abzug zuzustimmen, weil sie das Gefühl hatten, es käme der Zugabe einer Niederlage gleich. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. Wenn wir eine Übereinkunft erzielen, ist das nicht Belege für eine Niederlage, sondern für einen Sieg, für einen schweren Schlag, den wir der Al-Qaida und den Milizen zugefügt haben.
Ganz klar: Ohne die dramatisch verbesserte Sicherheitslage würde al-Maliki nicht von einem Zeitplan für den Abzug der US-Streitkräfte reden. Den Zusammenhang mag aber der SPIEGEL offensichtlich nicht präsentieren – jedenfalls nicht direkt. Beim Leser soll hängen bleiben: „Der Plan von Obama wird unterstützt.“
Untermauert wird diese Sicht von der Reaktion aus dem Irak (hier abgekupfert); ein Sprecher Malikis korrigiert die aktuelle Darstellung des SPIEGEL: Seine Aussagen wurden „missverstanden, falsch übersetzt oder nicht korrekt weitergegeben“. Die „Möglichkeit des Truppenabzugs gründet weiterhin auf der Fortsetzung der Verbesserungen der Sicherheit“. Das entspricht den Erklärungen, die das Weiße Haus nach einem Treffen zwischen al-Maliki und Präsident Bush ausgab.
So gut kann Barack Hussein Obama in Berlin gar nicht reden und bei den Amerikanern für sich werben wie der SPIEGEL für ihn in Deutschland wahlkämpft.
Nachtrag vom 21.07.: Das ist „lustig“ – WDR2 „berichtet“ den ganzen Morgen schon von Obamas Besuch im Irak, seinen Abzugsplänen und dass der irakische Regierungschef zu „einem Interview“ klarstellen lässt, … Nicht erwähnt wird, wer dieses Interview geführt und veröffentlicht hat. Die Krähen hacken eben einander keine Augen aus!
Unser Lokalradio bringt in seinen Weltnachrichten allerdings nur, dass Obama innerhalb von 16 Monaten die Truppen abziehen will. Kein Hinweis auf das Interview, keiner auf den Widerspruch der Iraker.
Mittags sah das dann noch etwas anders aus. Hier wurde von einem Korrespondenten erklärt, wieso die Misstöne aus Bagdad zu hören waren: Mit einem Anruf aus Washington seien die Iraker zurückgepfiffen worden, weiß der gute Mann zu berichten. Dass Donnerstag (zwei Tage vor der Veröffentlichung und anschließenden Änderung des Interviewtextes im SPIEGEL) schon die gemeinsame Erklärung von Bush und al-Maliki entstand, entging ihm wohl.
Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Medienleute den Quatsch glauben, den sie da verzapfen; das würde allerdings bedeuten, das Recherche praktisch nicht mehr stattfindet und wenn doch, dann so lückenhaft, wie es das Weltbild der Reporter gerade mal erlaubt.
GEZ-Fernsehen
27. Juni 2008 at 19:52 | In WDR | 1 CommentTags: öffentlich-rechtliche Medien, GEZ
Das ist eine abfällige Bezeichnung für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die immer dann auftaucht, wenn eine ARD-Anstalt oder das ZDF, arte, Phoenix und wie sie alle heißen mal wieder etwas vergeigen. Besonders bei konservativen Blogs ist der Begriff mehr als beliebt, er wird heiß geliebt, wenn wieder Phrasendrescherei der öffentlich-rechtlichen Anstalten stattfindet, die üblichen Klischees bedient werden und dann vielleicht gar noch als „mutig“ verkauft werden soll.
So gesehen ist der Begriff reichlich unvollständig, denn er schließt den Hörfunk nicht mit ein, der sich als genauso fürchterlich herausstellt (s. „Hallo Ü-Wagen“-Sendung zu Israels 60. Gründungs-Jahrestag). Ein wenig mehr Genauigkeit wäre also gar nicht so falsch.
Nun soll das hier nicht unbedingt auf eine Verteidigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinaus laufen. Die machen so viel Stimmung in die falsche Richtung, dass von der in ihrer Werbung behaupteten Objektivität rein gar nichts übrig bleibt.
Allerdings scheint der abfällige Umgang mit den Öffentlich-Rechtlichen zu suggerieren, dass die privaten Sender als besser eingeschätzt werden. Das wäre fatal. Denn auch dort herrschen in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle das gleiche Vorgehen und das gleiche Denken wie beim Staatsfunk. Beispiele findet man zuhauf. Die Zeitungen, die sich sachlich richtig zu Israel äußern und wirklich berichten, statt Stimmung zu machen, kann man an einer Hand abzählen. Und Fernsehsender wie RTL sind nun alles andere als keine Stimmungsmacher gegen Israel und andere.
Es sollte also niemand auf die Idee kommen, dass das „GEZ-Fernsehen“ wegen seiner Stimmungsmache so gerne niedergemacht wird. Das Problem liegt woanders. Und ein weiterer „Spitzname“ macht das deutlich: „Zwangsgebühren-Sender“ ist eine andere Vokabel, die gerne die Runde macht. Die Privaten Sender sowie die Zeitungen und Zeitschriften finanzieren sich und ihre Schieflagen wenigstens selbst. Wenn mir nicht passt, was die sich zusammenheucheln, dann schalte ich sie ab, kaufe sie nicht, lasse sie links liegen. Bei den Öffentlich-Rechtlichen geht das so nicht; vom Staat werde ich gezwungen sie zu finanzieren. Ich habe keine Wahl. Ich muss zahlen. Und damit unterstützen, was ich nicht für unterstützenswürdig halte.
Eine solche Zwangsabgabe ist undemokratisch. Es ist nicht einsehbar, dass man für etwas zahlt, das nur Meinung ist (TÜV z.B. ist nicht Meinung, sondern soll Sicherheit bringen), das einem absolut nichts bringt, nicht gefällt und das man nicht beeinflussen kann. Vor allem angesichts des Umgangs der Öffentlich-Rechtlichen nicht nur mit den Mitteln, sondern auch mit der Marktmacht, die damit einher geht. So hat der WDR es geschafft in Nordrhein-Westfalen landesweite Konkurrenz zu verhindern. Während in jedem anderen Bundesland wenigstens ein landesweiter Radiosender zu finden ist, gibt es in NRW genau Null davon. Statt dessen hat der WDR sich wie eine Krake weiter ausgebreitet, Sendefrequenzen belegt und ein „Regionalstudio“ nach dem anderen eröffnet (inzwischen sind das eher Lokalstudios!), was natürlich den Finanzbedarf entsprechend erhöht. Dazu wurde das Internetangebot drastisch hoch gefahren, was auch nicht gerade wenig kostet.
Und auf dieser Grundlage jammern diese Sender dann jedes Jahr wieder, sie bekämen nicht genug Geld (sprich: Gebühren). Mit „Grundversorgung“ hat das nichts mehr zu tun; hier geht es um Marktmacht und Einfluss; es geht ausdrücklich NICHT um Meinungsvielfalt und Pluralismus. Und das ist es, was mich persönlich an den öffentlich-rechtlichen Sendern so stört. So, wie sie sich derzeit gerieren und bei dem Einfluss, den sie ausüben, gehören sie abgeschafft.
Breuckmann vs. Biermann
13. März 2008 at 17:20 | In WDR | Leave a CommentEben im WDR2 (leider im Auto gehört, bevor ich Zuhause war) – Manfred Breuckmann mal eben zwischendrin:
„Da hat der Wolf Biermann aber nicht recht. Er sagt, es ist Machtgier, die die SPD dazu treibt mit den Kontakt mit den Linken zu suchen.
Ich meine es ist das staatspolitisch motivierte Bedürfnis Verantwortung zu übernehmen.“
Politisch korrekt berichtet
1. März 2008 at 19:52 | In Medien+Nahost, WDR | Leave a CommentTags: Nachrichten, SPIEGEL online, tagesschau, Ulrike Putz, WDR2
„Die israelische Armee hat erneut Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei wurden 14 Palästinenser getötet. Weitere 20 Menschen wurden verletzt. Nach Angaben von Palästinensern waren unter den Opfern auch Kinder [Zahl angeführt, ich erinnere mich leider nicht an sie]. Ein Angriff galt offenbar dem Flüchtlingslager Jebaliyah. Auslöser war der Tod eines Israelis durch einen Raketenangriff am Mittwoch.“
So der WDR2 am Ende seiner 10-Uhr-Nachrichten.
In den 11-Uhr-Nachrichten wird ausführlicher berichtet, mit Augenmerk ausschließlich auf palästinensischen Opfern, vor allem den Zivilen (obwohl von den 20 berichteten Toten auch einige als „Kämpfer“ der – nicht so genannten – Terrorgruppen genannt wurden). „Ein Vater und seine Kinder“ ist eine Aussage, die betroffen macht/machen soll. Dafür fallen die Terror-Raketen jetzt endgültig unter den Tisch.
Was lernt der Hörer daraus? Zuallerst einmal, dass es Israel ist, das angreift und mordet. Und zwar massenhaft und Unschuldige. Und dass die Israelis/Juden es nicht bei einem Gegenschlag sein lassen, sondern schon drei Tage lang weiter machen – was ganz klar ein Fall von völliger Unverhältnismäßigkeit und „biblischer“ Rachsucht ist.
Was lernt der Hörer nicht?
- dass die Angriffe Terroristen gelten.
- dass die Terroristen sich menschliche Schutzschilde halten, die sich an den Abschusgeräten aufhalten.
- dass die Terroristen im Februar 289 Qassams und Katjuschas aus dem Gazastreifen nach Israel geschossen haben, davon alleine 113 in der letzten Woche (24.-29.02., Samstag noch nicht mitgezählt) – von den weitaus mehr Mörsergranaten ganz zu schweigen.
- dass das ausdrückliche Ziel dieser Raketen ist, israelische Zivilisten zu treffen, zu töten und israelisches Eigentum zu zerstören.
- dass es nicht nur einen Toten gab, sondern auch jede Menge z.T. schwer Verletzte.
Zu berichten, dass jetzt sogar ein UN-Beauftragter die Raketen auf Sderot als Terror gegen die Zivilbevölkerung Israels bezeichnete, geht endgültig über den Horizont des WDR hinaus. (Gut, das muss man nicht gelesen haben, da der Bericht ansonsten nur die üblichen antiisraelischen Parolen enthält; da kann man das vielleicht auch leicht übersehen). Danke, WDR, das ist Berichterstattung vom Feinsten! Die Terroristen sind die Opfer, die Dauerbombardierten die Täter. Hervorragend!
Die tagesschau (18.50 Uhr) will offenbar mithalten. „Nach Militärangaben“ wurden 45 Palästinenser getötet und mehr als 100 verletzt. Äh – welches Militär? Die Terroristen haben keins und die Israelis haben bisher wohl kaum so genau gezählt, oder? Oder vielleicht doch? Bei IsraelNationalNews.com haben sie eine recht detaillierte Auflistung, wer da wo getroffen wurde. Aber Ungenauigkeiten sind ja das Salz in der Suppe des Israel-Bashing.
Ebenfalls keine Erwähnung in den deutschen Medien habe ich von der Festnahme der verhinderten 17-jährigen Selbstmord-Bomberin in Jerusalem gefunden
Ach ja, der SPIEGEL darf auch nicht fehlen. Die putzige Ulrike hat ausschließlich die palästinensische Opferseite im Blick, bei der Seitenhiebe gegen Israel nicht fehlen dürfen, durch Auslassungen:
- wie ist es möglich, dass zwei sich im Haus aufhaltende Jugendliche durch Schusswechsel bei Kampfhandlungen getötet werden?
- die meisten „Kinder“ (Jugendlichen) sind bei Qassam-Aschussanlagen oder bei Raketentransport getötet worden;
- der massive Raketenbeschuss fehlt (lediglich eine putzige Erwähnung von „Raketenangriffen“, keinerlei Spezifizierung);
- Opfer der Raketen auf israelischer Seite sind uninteressant.
Dafür geben die Schlagzeilen anderer Meldungen weiter den Ton an:
- Israelische Armee tötet Dutzende Palästinenser;
- Palästinenser werfen Israel „verrückten Krieg“ vor (ausgerechnet die Terroristen, die in den letzten Wochen immer mehr Raketen auf Israel schossen – was ist verrückter?).
Gerade der letztgenannte Bericht geht gleich in die Vollen – die Eskalation wird auf Israel geschoben (wenn man den Eingangsabsatz nicht mehrfach liest). Da wäre eine Bewertung der Haniye-Äußerung nicht schlecht, die dem SPIEGEL fehlt: Gezielte Tötungen von Führern des „Widerstandes“ sowie Kindern würden die Palästinenser weder einschüchtern noch vom Dschihad (heiliger Krieg) bis zum Sieg abbringen, sagte Hanija in Gaza.
Wenn sie sich durch die israelischen Maßnahmen „nicht davon abbringen“ lassen, dann haben sie dieses Ziel (egal, was alle sonst behauptet wird) und wollen es auch ohne militärisches Vorgehen Israels nicht aufgeben – was eigentlich nur heißen kann, dass Israel wohl alle beseitigen muss, die dieses Ziel vertreten. Bis nur noch Leute übrig sind, die der Hamas dann doch nicht mehr folgen (was ja nach Angaben der Terror-Versteher die Mehrheit sein soll).
Der „verrückte Krieg“ hat dann nach SPON-Angaben auch erst am Mittwoch begonnen; seitdem sind 120 Raketen nach Israel abgeschossen worden. Ah ja. Wie wär’s, wenn mal der gesamte Februar mit seinem Raketen- und Mörserregen betrachtet würde? Oder wenigstens die ganze letzte Woche (immerhin 289 Raketen!)? Aber irgendwie müssen die Terroristen-Taten heruntergeschrieben und Israels Handeln zum Bösen umgedeutet werden.
Hach, was haben wir tolle Medien! Die sind ja soooooo objektiv! Und berichten immer nur neutral…
Was allerdings beim SPON besser ist, als man erwartet: Er schreibt sehr deutlich, welchen Propaganda-Blödsinn die Terroristen jetzt wieder versuchen, indem sie dem stellvertretenden Verteidigungsminister unterstellen, er wolle einen Holocaust an den Gaza-PalArabern verüben: Vilnai sagte dem israelischen Armeerundfunk, dass die fundamental-islamistische Hamas-Organisation mit ihren Raketenangriffen den Palästinensern im Gaza-Streifen eine große Katastrophe bringen werde. Auf Hebräisch benutzte er dabei das Wort „Shoah“ – aber ohne den bestimmten Artikel, was übersetzt eben „Katastrophe, Untergang, Desaster“ bedeutet. Mit bestimmtem Artikel meint es „die Shoah“, also den Holocaust. Zunächst hatten mehrere Agenturen vom Holocaust gesprochen. Von „Holocaust“-Absichten kann also keine Rede sein. (Was die Wortwahl des Politikers nicht gut heißen soll; er hätte andere Vokabeln zur Verfügung gehabt.)
Weitere lesenswerte Bemerkungen zur Berichterstattung über die Ereignisse im und am Gazastreifen (und was in unseren Medien so eklatant fehlt):
- Zusatzinformationen (Lila, Letters from Runghold)
- Kurze Presseschau (Lila, Letters from Runghold)
- Nur zur Erinnerung (Lila, Letters from Runghold)
- Eine Schande (Lila, Letters from Rungstet)
- Wenn mal wieder von einem Massaker die Rede ist (Ruth, Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus)
- Internationale Reaktionen auf die Kämpfe im Gazastreifen (Ruth, Blick auf die Welt – von Beer Sheva aus)
- Hamas kils PalArab baby with its own rocked (Elder of Ziyon)
- Wie, die Juden wehren sich? (Rowlf the Dog, Spirit of Entebbe, zum SPIELGEL online)
und besonders zur putzigen Ulrike:
- Die Libido der „Israelkritiker“ (Lizas Welt)
- Putz’ Welt (tw_24)
Korrekte Übersetzung? Wozu das denn?
5. Februar 2008 at 12:09 | In USA, WDR | 2 CommentsTags: Antiamerikanismus
„Warum wählen die Amerikaner dienstags?“, wollte der WDR wissen (wahrscheinlich nicht nur der). Die Antworten wollten sie um 11.45 Uhr im WDR 2 bringen. Haben sie auch – gewissermaßen. Die Präsidentschaftskandidaten-Kandidaten wussten es jedenfalls nicht, wusste der Korrespondent zu vermitteln – und brachte das Beispiel von Mike Huckabee von den Republikanern, „der sonst bei jedem Thema mit vielen Worten ganz schnell einfache Lösungen verkündet“. Mir fällt auf, dass es (wie üblich) kein Kandidat der Demokratischen Partei ist, der als ahnungslos geoutet wird. Über den Republikaner schickt man dann schnell noch ein paar „Nettigkeiten“ hinterher – auch solches habe ich vom WDR über Kandidaten der Demokraten noch nicht gehört.
Dann kommt eine Historikerin zu Wort, die den pragmatischen Charakter der Wahlen am Dienstag erklärte. Sie setzte an: „People couldn’t travel on Sundays.“ Der Korrespondent „übersetzte“ das so: „Weil die frommen Amerikaner sonntags lieber zur Kirche gingen als zur Wahl.“ Na Klasse! Das nenne ich unvoreingenommen Berichterstattung!
Wen’s interessiert: Es gibt da so etwas wie das Sabbat-Gebot. Der Sonntag ist der „christliche Sabbat“ und an dem sollten keine Reisen unternommen werden. Was auch dazu führte, dass öffentliche Transportmittel – so weit sie denn in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der USA vorhanden waren – auch gar nicht zur Verfügung standen. Es hatte also gar nichts mit „lieber hier als da“ zu tun, sondern mit der ganz praktischen Angewohnheit, Sonntags „nicht zu arbeiten“, wozu auch gehörte, dass man nicht auf Reisen ging.
Darüber hinaus – und das wurde dann korrekt wiedergegeben – war die Anreise zum Wahllokal in vielen Gegenden eine sehr langwierige Angelegenheit, weshalb der Montag als Wahltag ebenfalls wegfiel. Der Dienstag war also der früheste praktikable Tag der Woche, an dem von allen gewählt werden konnte. Und so werden die Präsidenten, die Abgeordneten und auch die Präsidentschaftskandidaten der Parteien an Dienstagen gewählt. Heute ist „Super Tuesday“ – in 24 Bundesstaaten geben die Bürger in den Vorwahlen ihre Stimmen für die Kandidaten der Parteien ab.
Interessant? Ja, aber nur, weil die Juden es haben
12. Dezember 2007 at 19:18 | In Araber, Israel, Medien+Nahost, Nahost-Konflikt, Palästinenser, WDR | Leave a CommentTags: Jerusalem, WDR
Der WDR definierte heute Morgen Har Homa so: „eine Siedlung nördlich von Bethlehem“. Dass es sich um ein Stadtviertel von Jerusalem handelt – uninteressant. Dass es sich um ein Gebiet handelt, wo sich nie Araber niedergelassen haben – aber den Juden gefälligst abgesprochen wird. Eine Stelle, keinen interessiert hat – bis die Juden anfingen dort zu bauen.
Es handel sich um ein typisches Muster im Nahen Osten. Jeder Fleck Land wird völlig ignoriert, egal, wie „heilig“ oder sonstwie er eigentlich vielleicht unter Umständen interessant sein könnte. Das fing schon bei den ersten Juden an, die im 19. Jahrhundert aus Russland ankamen. Die kauften Land – zu völlig überhöhten Preisen. Land, das niemand wollte, das von allen Arabern als völlig unbrauchbar angesehen wurde. Sie machten das unbrauchbare Land urbar, verwandelten z.B. Sümpfe in Äcker. Heute heißt es, die Juden hätten den Arabern das Land genommen.
So ging es Jahrzehnte weiter. Juden kauften Land von Arabern – und mussten es unter Lebensgefahr in Besitz nehmen oder später, wenn es nicht mehr „unbrauchbar“ war, verteidigen. Es war interessant geworden, weil es auf einmal Wert bekam. Werte konnte man den Juden nicht genehmigen.
Die Juden haben niemandem Land weggenommen. Sie haben es rechtmäßig erworben. Sie haben sich dort niedergelassen, wo freies Land war. Land, das keinem Araber wert schien es zu besitzen, oder zu besiedeln. Öde.
Das war in der Mandatszeit so. Das war auch nach 1967 so. Und es war mit Har Homa so. Eine Müllkippe, bestenfalls. Nichts, das irgendjemandem irgendwie der Rede wert gewesen wäre. Bis die Stadt Jerusalem dort Häuser bauen wollte. Seitdem gibt es ein Geheule und Gezetere. Aber erst seitdem.
Wie üblich, selbst mit den „heiligen“ Orten der Araber. Wie war es mit dem Felsendom, bis Juden nach „Palästina“ einwanderten? Er verfiel, sah abgewrackt aus und eine Moschee irgendwo, wo niemand hin wollte (die Juden stellten zwei Drittel der Bevölkerung Jerusalems, die arabische Christen gab es immer noch doppelt so viele wie Muslime). Erst in den 1920-er Jahren wurde die Kuppel des Felsendoms renoviert – nachdem Juden im Mandatsgebiet für steigenden Wohlstand in der Normalbevölkerung sorgten und der Mufti von Jerusalem Stimmung gegen die Juden schürte, islamisch-antisemitische Hetze betrieb und Geld sammelte, um alte Herrlichkeit wieder herzustellen.
Der saudische König klagte nach dem Sechs-Tage-Krieg, er könne nicht mehr in der Al Aksa-Moschee beten – ohne das bis dahin jemals getan zu haben. Jerusalem war uninteressant, der Tempelberg mit den Moscheen war völlig uninteressant, so lange die Juden nicht die Hand drauf hatten. Auf einmal aber wird der Ort interessant und fehlender Zugang beklagt; das allerdings ohne je ausprobiert zu haben, ob die Israelis ihn wirklich nicht dort hin lassen würden.
Das Muster lässt ich beliebig fortsetzen. So lange die Juden nichts damit zu tun hatten, war jeder leere Platz im Land Israel (Mandatsgebiet Palästina) uninteressant, keiner kümmerte sich darum. Bis Juden sich darum kümmerten. Auf einmal ist dieses Fleckchen Land das wichtigste des Universums. Die Juden haben es „gestohlen“, Araber vertrieben, ihnen Rechte genommen. Und so kam ein US-Präsident mit Vorliebe für weibliche Lippen in seinen unteren Körperregionen dazu zu behaupten, die Israelis hätten geglaubt in ein leeres Land zu kommen, dann aber eine einheimische Bevölkerung vorgefunden, der sie nichts hätten wegnehmen dürfen. Und weil Billy Boy das sagte, gilt es heute als unverrückbar wahr. Die Lüge hat ihren offiziellen Segen der Welt erhalten. Und vor diesem Hintergrund wird dann auch ein Stadtteil von Jerusalem zu einer „Siedlung nördlich von Bethlehem“, statt einer ehemaligen „Müllhalde“, die von niemandem benutzt wurde.
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