Yassir Arafats abgesagter Besuch im Holocaust Memorial Museum

14. April 2014 um 13:22 | Veröffentlicht in Geschichte, Palästinenser, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Walter Reich (direkt vom Autor)

Im Januar 1998 wurden von Präsident Clintons Administration große Anstrengungen unternommen ein israelisch-palästinensisches Friedensabkommen zu erreichen. Yassir Arafat flog nach Washington, um sich mit Clinton zu treffen. Viele Israelis und amerikanische Juden waren skeptisch, was Arafats Vertrauenswürdigkeit anging, nachdem über Jahre bei Post-Oslo-Bombenanschlägen eine Menge Israelis getötet worden waren.

Das Bemühen der Administration, dass Arafat das Washingtoner Holocaustmuseum besuchen sollte, war ein atemberaubender manipulativer Akt. Der Offizielle, der ihn initiierte, war ein Mitglied des Friedensteams des Weißen Hauses, Aaron David Miller. Er betrachtete den Besuch als Möglichkeit die diplomatische Agenda der Administration voranzubringen und nutzte seine Mitgliedschaft im Museumsvorstand – dem Holocaust-Rat – um dessen Vorsitzenden Miles Lerman zu überzeugen die Einladung zu genehmigen.

Walter Reich war von 1995 bis 1998 Direktor des United States Holocaust Memorial Museum in Washington DC. Heute ist er der Yitzhak Rabin Memorial-Professor für internationale Angelegenheiten, Ethik und menschliches Verhalten an der George Washington University.

Obwohl ich der Museumsdirektor war, wurde ich über die Einladung nicht informiert. Sobald Lerman mir von der „Idee“ Arafat einzuladen erzählte – ohne mir zu sagen, dass die Einladung bereits ausgesprochen wurde – sagte ich, das sei eine furchtbare Idee, denn damit würde die Erinnerung an die Toten des Holocaust ausgebeutet. Ein solcher Besuch, betonte ich, würde das Museum für die Beeinflussung der öffentlichen Meinung missbrauchen. Es würde ein Fototermin sein, bei dem das Museum und die von ihm repräsentierten Opfer als Requisite dienten.

Ich fügte hinzu, dass Arafat eingeladen worden war Yad Vashem zu besuchen, Israels Gedenkstätte für den Holocaust, ebenfalls ein Museum und mindestens genauso lehrreich wie das Holocaust-Museum in Washington. Er machte sich nie Gedanken darüber die Einladung anzunehmen, obwohl er in der Nähe lebte. Der Besuch des Washingtoner Museums würde sich in den eines rituellen Reinigungsbades verwandeln. Ich fragte: „Diese Woche ist es Arafat und nächste Woche Milosevic?“ Ich warnte, dass Arafat durchaus aus dem Museum treten und erklären könnte, dass er endlich verstehe, warum die Israelis sich so um Sicherheit sorgen, aber was Nazideutschland den Juden antat, sei genau das, was Israel den Palästinensern antut.

In Reaktion darauf sagte Lerman Miller, er solle Arafat wieder ausladen, was der auch tat. Die gekränkten Palästinenser ließen die Ausladung an die Presse durchsickern, was Druck für eine Wiedereinladung durch die Clinton-Administration auslöste. Lerman wurde angerufenund Außenministerin Madeline Albright sagte in NBCs „Meet the Press“ es sei ein Jammer, dass die Einladung an Arafat zurückgezogen worden war und: „Es wäre angemessen gewesen, wenn er das Museum als VIP besucht hätte.“

Heimgesucht von diesen sowie weiteren Anrufen und Kritik und Berichten zufolge in der Furcht, er würde seinen Job verlieren, ging Lerman in Arafats Hotel und lud ihn erneut ein. Bei einem Treffen des Exekutivkomitees des Holocaust-Rats bat mich ein Mitglied nach dem anderen, Arafat durch das Museum zu begleiten und sogar neben ihm zu stehen, wenn er einen Kranz vor der ewigen Flamme des Museums niederlegte. Ich lehnte alle diese Anfragen ab. Es war, sagte ich, eine Gewissensfrage in einem Museum des Gewissens.

An dem Tag, an dem Arafat ins Museum kommen sollte, sagte sein Mitarbeiterstab aber den Besuch ab. Der Skandal um Monica Lewinsky war gerade öffentlich geworden und Washingtons Pressekorps und Fotografen brachen über das Weiße Haus herein, um darüber zu berichten. Arafats Gelegenheit für Fotos und die öffentliche Meinung zu beeinflussen wäre vorbei gewesen. Später trat ich als Museumsdirektor zurück. Dem Vorsitzenden schrieb ich, dass ich anderer Ansicht als er sei, „was die Nutzung des Museums und die Erinnerung an den Holocaust im Kontext politischer und diplomatischer Sachverhalte und Verhandlungen angeht“.

Im Gefolge des Arafat-Skandals verfügte der Kongressausschuss, der das Holocaust-Museum finanziert, eine Studie der Institution. Sein Bericht stärkte mir den Rücken. Eine vom Ausschuss in Auftrag gegebene Studie nach dem Arafat-Skandal zitierte Besorgnis, dass „Bundesinstitutionen, besonders eine, die moralisches Gewicht zum Holocaust besitzt, anfällig für politischen Druck seitens der Exekutive und des Kongresses sind“ und dass das Holocaust-Museum „nicht als Mittel genutzt werden sollte bestimmte politische Ziele zu erreichen“, wie es bei der Arafat-Affäre geschah.

Aus all dem gibt es wichtige moralische und psychologische Lektionen zu lernen. Man hat eine Verpflichtung die Integrität der Geschichte zu schützen. Und man sollte erkennen, dass selbst diejenigen, die mit der Verantwortung betraut wurden die Holocaust-Erinnerung zu bewahren, unter Druck gesetzt werden können, diese Erinnerung zum Voranbringen politischer und diplomatischer Ziele auszunutzen – und sich selbst zu überzeugen damit das Richtige zu tun. Eine positive Folge der „Arafat-Affäre“ besteht darin, dass sie das Holocaust-Museum für zukünftige politische Kaperungen durch die Bundesregierung immun gemacht haben könnte.

Es gibt einen Nachtrag zu dieser Geschichte. Zwölf Jahre nach dem Vorfall machte Miller in einem mea culpa-Op-ed in der Washington Post etwas Seltenes und Bewundernswertes. Er gab zu, dass er falsch lag. Er nannte den Versuch Arafat einzuladen „eine der dümmsten Ideen in den Annalen der US-Außenpolitik“. Er gab reumütig zu: „Es gibt eine große Gefahr, die Erinnerung zu missbrauchen und zu versuchen, sie mit einer anderen Agenda oder einer tragischen historischen Erfahrung zu verbinden, die in das Gemüt von Millionen eingebrannt ist.“

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

Schaschlik

13. April 2014 um 21:34 | Veröffentlicht in kurz notiert | Hinterlasse einen Kommentar

Vor etwa einem Monat wurden 3 Soldaten an der israelisch-libanesischen Grenze durch eine Bombe verletzt. Hassan Nasrallah hat jetzt damit geprahlt, dass die Hisbollah die Bombe legte. Die Israelis hätten die Botschaft verstanden und es seitdem nicht wieder gewagt die Hisbollah anzugreifen. Daneben habe Israel „die Krawalle in Syrien organisiert, um seine wichtigsten Ziele zu erreichen, die es nach dem Versagen im Libanon-Krieg hat“.

Großbritannien hat 3 weitere muslimische Gruppen auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt.

Die Antisemiten von der Hackergruppe Anonymus prahlen mit ihren „Erfolgen“ beim Cyberangriff auf Israel – ganz besonders stolz sind sie auf eine Seite, die sie für eine israelische hielten, die aber einem Schwimmverein in Michigan (USA) gehört, sowie einer Seite, die Therapien für Krebspatienten anbietet; bei dieser wussten sie allerdings ganz genau, um wen es sich handelt!

Dank Pakistan verbreitet sich Polio (Kinderlähmung) in Syrien rasend schnell wieder. In Pakistan bekämpfen islamische Extremisten Polio-Impfungen und (infizierte) Jihadisten sind in Syrien unterwegs. Moderne Errungenschaften der Jünger des Terror-Propheten…

Yassir Arafats ehemaliger Personenschützer hat etwas bestätigt, was jeder, der es wollte, bereits wusste: Wann immer der „Rais“ Terroranschläge gegen Israelis verurteilte, log er. Bestätigt hat er das der arabischsprachigen BBC in einem Interview, das am 3. April ausgestrahlt wurde.

Aua: Australien verbietet Rinderexporte in den Gazastreifen – wegen Grausamkeit gegenüber Tieren dort.

Die USA haben die Gruppe Ansar Bayt al-Maqdis aus Ägypten auf die Liste der Terrororganisationen gesetzt. Die sind sauer und reagierten – mit Terrordrohungen gegen die USA.

Verschwörungstheoretikerin: Jehan Sadat, die Witwe des 1981 ermordeten ägyptischen Präsidenten, erklärte, das General Sisi nicht nur Ägypten, sondern alle Araber rettete. Und zwar vor den USA, die Ägypten „in Stücke teilen“ wollte, wie sie es mit dem Irak und Syrien gemacht hätten. Den Plan habe es schon seit Jahren gegeben, Obama sei der, der ihn umgesetzt hätte.

Das war also nichts mit dem Cyber-Großangriff auf Israel. Dafür sind einige der Möchtegern-Angreifer enttarnt worden, weil eine Gruppe Israelis ihre Rechner übernahm, die Typen mit deren eigenen Webcams fotografierte und samt sensibler Daten im Internet veröffentlichte. (Und es gibt tatsächlich eine deutsche Zeitung, die darüber schreibt.)

Sehr christlich liebevoll: Der offizielle Sprecher der koptischen Kirche in Alexandria (Ägypten) sagte, wer das Reiseverbot nach Israel verletze werde von der Kirche bestraft. Der letzte koptische Papst hatte den Kopten verboten ohne Muslime nach Jerusalem zu reisen. Dennoch reisten in den letzten Tagen gut 300 koptische Christen nach Jerusalem, um dort die Ostertage zu verbringen.

Der ganz normale Alltags-Antisemitismus (umfassende wöchentliche Zusammenfassung auf Englisch):
- Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Kanada ist 2013 zurückgegangen, die Zahl der schweren Angriffe nahm allerdings zu.

Die ausgesöhnten Terroristen:
- Munib al-Masri, Abbas‘ persönlicher Gesandter für die Aussöhnung mit der Hamas, sagte, diese sei „noch wichtiger als die Beendigung der Besatzung“. Man könne nicht verhandeln, wenn ein großer Teil der Bevölkerung (sprich: Hamas/Gaza) nicht repräsentiert ist. Der Ball sei jetzt im Feld der Hamas.
- Eine Fatah-Delegation ist in den Gazastreifen gereist, um die Hamas um Versöhnung anzubetteln.

Die befreiten und gefrühlingten Araber- und Muslimstaaten:
- Die Regierung des Irak bereitet den Weg für die Heirat von Mädchen ab dem 9. Lebensjahr.

Die Religion des Friedens, der Toleranz, der Liebe, Kultur… und natürlich der Moderne und der Wissenschaften:
- Nigeria: Muslim child bride, forced into marriage, poisons husband
- India: Muslim politician says women who are raped should be hanged
- Saudi-Barbaria: Islamic Cleric Warns Offering Girls Physical Education Classes Could Lead to ‘Prostitution’

Islam, islamisches Herrenmenschentum im Westen und westliches Dhimmitum (einschließlich „moderater“ Muslime/Muslimorganisationen):
- Craven Cowards at Brandeis Cancel Ayaan Hirsi Ali Honor, Cave to Muslim Thugs’ Demands (s. auch: PROGRESSIVE RULES OF ACADEMIA: Ahmadinejad Allowed to Speak at Columbia But Ayaan Hirsi Ali Disinvited from Brandeis
- “Assemble your bomb”: Al Qaeda calls for jihad attack on San Francisco tram
- Denmark: Muslim attacks apostate from Islam at asylum center
- Denmark: Muslims 218 percent more criminal in 2nd generation than first
- Copenhagen police: (Muslim) youth rob still more, their preferred victims are non-Muslims
- Muslim hospital workers and their imams in Denmark: Sharia more important than hygiene and safety of patients
- Sweden: Police attacked by 50 “youths” in Muslim-dominated area
- UK: Jihadists as “Charity Workers”
- Returning jihadis from Syria now biggest threat to UK’s security
- UK: Muslim NHS Doctor Gave List of Military Attaches in Muslim Countries’ UK Embassies to Islamic Supremacist Group
- MUSLIMS HOLD RALLY In Support of 9-11 Terrorists & World Trade Center Bombers (Video)
- Native French under Attack in Muslim Areas

Jihad:
- Thailand: Jihadists murder one, wound 24 with wave of bombings
- Connecticut: Muslim plotted to bomb federal building and school
- Kenya: Imams tell mosquegoers to “cleanse Mombasa of infidels,” behead kuffar
- Somalia: Jihadist in police uniform screams “Allahu akbar,” murders two UN aid workers
- Nigeria: Islamic jihadists murder eight schoolteachers

Muslim cleric: Muslims in West should “demand their rights” to practice polygamy

Nigeria’s top Islamic group: Muslims “endangered species” because of counter-terror efforts

Christenverfolgung:
- Dutch Priest Shot Dead in Homs as ‘War on Christians’ Continues
- Syria: Islamic jihadists overrun Christian town, murder 80 people
- Egypt: Muslims Returning from Mosque Prayers Murder Five Christians
- Uganda: Sheikh converts to Christianity, is poisoned by Muslim relatives

Andere Religionen:
- Bangladesh: Muslims Set Hindu Temple on Fire

Obama Watch:

Obamacare (Affordable[!] Care Act):
- Confirmed: Health Care Premiums Skyrocket Under Obamacare

Wahlen:
- Die Republikanische Partei gefährde das Wählerstimmrecht in den USA wie nichts zuvor, behauptet der Superpräsi. Grund sind Gesetzesvorhaben in US-Bundesstaaten, die dafür sorgen könnten, dass die Wahlbeteiligung sinkt, was den Demokraten schadet. (Das Problem: Diese Vorhaben würden dafür sorgen, dass Wahlbetrug deutlich erschwert wird!)

Wer beleidigt, greift an, verleumdet hier wen?
- Nice. Democrat Cohen Calls Donald Rumsfeld “A$$hole of the Year”
- Hateful Illinois Democrat Dismisses GOP Colleague as “Half” a Black Person (Video)
- DCCC Chair: Republican Base “Animated by Racism” (Video)

Warum lächelt dieser Mann?

13. April 2014 um 16:26 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost, UNO, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Gefunden auf Facebook:

UNHRC-lets-Assad-smileDer UNO-Menschenrechtsrat ist
„tief besorgt wegen des Leidens der Syrer … auf dem Golan“.
Resolution 25/31, 28. März
pic.twitter.com/6CGBIIZgNN

Der Text der UNO verurteilt Israel wegen „systematischer Menschenrechtsverletzungen.“
Nur die USA stimmten mit Nein.
Die EU enthielt sich.

Obama kloppen

13. April 2014 um 13:56 | Veröffentlicht in Karika-Tour, Satire/Humor, USA | Hinterlasse einen Kommentar
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Was halten Obama und seine Linken von freier Meinungsäußerung? Das hier:


Ein Führer der Progressiven zur freien Meinungsäußerung:
In Ordnung sind: Pornografie, Nazis+Ku Klux Klan, Flaggenverbrennung,
Kunst, die (christlich) Religiöses schändet, Fotos von Grausamkeiten an Tieren.
Nicht erlaubt: politische Spenden an Konservative

Obama und Putin/Russland:

Obama-hate.Putin-hateObama: Ich hasse Amerika.
Putin: Ich hasse es, neben IDIOTEN zu sitzen.
(Quelle)

Was so den Nahen Osten angeht:

Obama.22-23regimes
(Quelle: Sussex Friend of Israel)

Wen unterstützt Obama (was die Gläubigen angeht)?

obama.support-religionQuelle: The Israel Network

hunting-bow-arrowWenn du dafür verhaftet werden kannst,
dass du ohne Lizenz jagst,
aber nicht, weil du illegal im Land bist,
dann könnte es sein, dass du in einem Land lebst
das von Idioten geleitet wird.
(Quelle)

Obamacare:
- Obamacare sorgt für günstige Krankenversicherungen? Aber klar doch, deshalb steigen die Prämien ja wie wild!

Stoff für’s Hirn

13. April 2014 um 9:45 | Veröffentlicht in Lesen! | Hinterlasse einen Kommentar

Wollen die Palästinenser Frieden mit Israel? Beer7 hat mal die Umfragen bei den PalAraber analysiert.

Hamid Abdel-Samad schrieb etwas Grundsätzliches über die muslimische Welt, ihren Judenhass und die Passivität bzw. Gleichgültigkeit der Europäer.

Beer7 hat sich mit einer Variante der Wasser-Lüge zur Verleumdung Israels beschäftigt: Was ist mit dem „Flüchtlingslager“ Shuafat? Es ist keines…

Der Stadtkämmerer von Frankfurt erklärt den Nahost-Konflikt und die falschen (verlogenen!) Ansichten und Stimmungsbilder in Deutschland/Europa dazu. Und das Ganze ausgerechnet in der Frankfurter Rundschau, einer Neven-Dumont-Postille mit mehr als einem Hang zum Israel-Bashing.

Claudio Casula schreibt John Kerry – und mit ihm allen Friedenshetzern – etwas über den Nahost-Friedensprozess und die „Palästinenser“ ins Stammbuch, was die nicht hören wollen.

Ebenfalls von Claudio Casula eine erste Bewertung der „24h Jerusalem“ auf arte – ein Flickenteppich von Dokumentation, der nichts bringt außer den Michel in seiner – hm, sagen wir mal: israelischunfreundlchen Meinung zu bestätigen.

Englischsprachiges:
- Israel hat die Wasserversorgung der PalAraber nicht verschlechtert, sonder verbessert!

„24h Jerusalem“ auf arte

13. April 2014 um 7:00 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Jerusalem, Medien+Nahost | 7 Kommentare
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Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 13. April 2014 (direkt vom Autor)

Innerhalb von 24 Stunden kann man bei ARTE mehr über Jerusalem erfahren, als nach 40 Jahren Leben in dieser Stadt. Arte hat von Samstag bis Sonntag eine Gemeinschaftsproduktion mit dem BR 24 Stunden lang ausgestrahlt. Mit 70 Kamerateams, darunter 20 israelischen und 20 palästinensischen Teams, wurden Menschen der Stadt und Europäer gefilmt und interviewt.

Dank Arte erfährt man, dass fast alle Juden in der Stadt fromm bis ultraorthodox sind oder Uniform tragen und Palästinenser kontrollieren, mit Pferden niedertrampeln oder schikanieren. Dann erfährt man, dass viele der Uniformieren mit großer Aufschrift „Polizei“ (allerdings auf Hebräisch) in Wirklichkeit „Soldaten“ sind…wenn man dem Fernsehbericht glauben darf.

Die betont hervorgehobene graue Beton-„Mauer“ verläuft zwar laut Landkarte überwiegend am Stadtrand, aber wie von Arte dargestellt, zieht sie mitten durch die Stadt. Denn sonst hätte Arte nicht bei jedem Viertel so deutlich betont, dass es in „Ostjerusalem“ oder in „Westjerusalem“ liege oder wie Gilo, eine „Siedlung“ mit 50.000 Einwohnern, mitten in Ostjerusalem liege, „umgeben von arabischen Vierteln“. Tatsächlich liegt Gilo im Süden der Stadt und grenzt nach Süden an Bethlehem und ansonsten an das israelische Westjerusalem. Tatsächlich ist Gilo erst 1967 von Israel erobert worden, wobei Arte verschweigt, dass der Grund und Boden des Viertels seit den Dreißiger Jahren Juden gehört.

Ähnliche Verwirrung entsteht bei Kennern Jerusalems, wenn von jüdischen „Siedlern“ etwa in Silwan die Rede ist, die palästinensische Wohnungen „beschlagnahmt“ hätten. Arte weiß offenbar nicht, dass Silwan vor etwa 150 Jahren von jemenitischen Juden gegründet worden ist und dass die Juden bei arabischen Pogromen vertrieben wurden.

Bei Arte erwähnt der Sprecher gelegentlich, dass es während der Zweiten Intifada 137 Selbstmordattentate gegeben habe. Erst bei dem gefilmten Spaziergang mit der Schriftstellerin Zruria Schalev, die in einem explodierten Bus schwer verletzt worden war, wird klar, dass die Selbstmordattentäter offenbar Japaner und keine Palästinenser waren. Denn Schalev fiel laut Arte einem „Kamikaze“-Attentat zum Opfer.

Die politische Befindlichkeit der Bewohner Jerusalems ist klar aufgeteilt.

Unter den Juden gibt es überwiegend „Extremisten“, „radikale Siedler“, „schikanierende Polizisten“ und vergleichsweise viele linke Aktivisten mit scharfer Kritik an der israelischen Regierung. Einer fährt weit hinaus, bis nach Jericho, um zu zeigen, wie Israel die Jahalin-Beduinen benachteiligt. Dieser Ausflug hat mit Jerusalem genauso wenig zu tun, wie der ausführlich gefilmte Empfang am Ben Gurion Flughafens eines zum Judentum konvertierten amerikanischen Katholiken, der am Abend in einem Jerusalemer Theater auftritt. Eine Gruppe Aktivisten übt sich als Hausbesetzer und bricht vor laufender Arte-Kamera in die verfallende Residenz der ehemaligen Regierungschefin Golda Meir ein, um die Wohnungsnot in Jerusalem zu lösen. Eine Aktivistin von „Peace Now“ (Frieden Jetzt) fährt zur Mauer in Abu Dis, um sich dort mit einem Polizisten anzulegen und zu erklären, dass die Mauer keinen Bestand habe, weil sie Menschen künstlich voneinander trenne. Gewiss hat sie Recht. Doch dass diese 8 Meter hohe Mauer erst vor 10 Jahren errichtet worden ist, nachdem damals fast täglich Busse und Restaurants in die Luft geflogen waren und dass dieser mörderische Spuk schlagartig nach dem Bau der Mauer endete, erwähnt sie nicht und wird dazu auch nicht befragt.

Erstaunt erfährt der ahnungslose Zuschauer, dass nicht nur Jericho, die judäische Wüste und der Ben-Gurion-Flughafen zu Jerusalem gehören, sondern auch Bethlehem, wo ein UNO-Offizier, Christoph von Toggenburg, den Beschuss eines Palästinensers durch israelische Soldaten erkundet und zum Schluss kommt, dass der Soldat gezielt und „absichtlich“ geschossen habe. Das Ergebnis der Prüfung aufgrund der Aussage des verletzten Palästinensers ist so klar, dass sich eine Stellungnahme des israelischen Militärsprechers für Arte offenbar erübrigte. Nach Jerusalem „eingemeindet“ wurde auch Kibbuz Ramat Rachel, obgleich der auf Eigenständigkeit besteht, trotz seiner Lage am Rande der Stadt.

Kritik am Vorgehen der israelischen Regierung und der Jerusalemer Stadtverwaltung, die nur 7% ihres Haushalts in den „palästinensischen“ Vierteln investiert, obgleich die Araber ein Drittel der Stadtbevölkerung ausmachen (selbstverständlich ohne zu prüfen oder zu erklären, woran das liegen könnte), kommt in geballten Ladungen in vielen Interviews mit Palästinensern, israelischen Aktivisten und „europäischen“ Protagonisten vor. Mehrere Palästinenser klagen über die israelischen Behörden, ihnen den israelischen Ausweis zu entziehen, falls sie sich außerhalb Jerusalems niederlassen. In Jerusalem seien sie Bürger zweiter Klasse und würden erniedrigt. Da die palästinensische Autonomiebehörde in Ramallah mit keinem Wort kritisiert wird, steht der ahnungslose Zuschauer vor dem Rätsel, wieso 300.000 Palästinenser es vorziehen, von den Israelis unterdrückt zu werden, anstatt in die Freiheit der palästinensischen Autonomiegebiete zu ziehen.

Wer in Deutschland und Europa vielleicht erwartet hat, in einer 24-stündigen Dokumentation auch über die Reize und Sehenswürdigkeiten Jerusalems zu erfahren, wurde enttäuscht. Im Westen der Stadt gibt es nur die bedrückende Holocaust Gedenkstätte Jad Vaschem und bis zum Überdruss den Gemüsemarkt Machaneh Jehuda. In der Altstadt treibt es den Zuschauer von einer Heiligen Städte zur nächsten, wo entweder gebetet oder Gesang geübt wird. Das einzige Museum in Jerusalem haben jüdische „Extremisten“ geschaffen: Das „Tempelinstitut“, wo die Kultgeräte im künftig wiedererrichteten jüdischen Tempel (anstelle der bestehenden Moscheen) gezeigt werden. Die einzige von Arte gezeigte Ausgrabung ist für das Publikum geschlossen.

Anstatt stundenlang Bäckern und Köchen über die Schulter zu schauen, hätte Arte gewiss ein paar Minuten im Israel-Museum und an anderen Sehenswürdigkeiten innehalten können. Anstatt ausführlich einen arabischen Flüchtling, Abu Issam, aus dem Viertel Lifta sein Schicksal erzählen zu lassen, hätte Arte der Ausgewogenheit halber auch Juden zu Wort kommen lassen können, die fast gleichzeitig aus der arabischen Welt vertrieben worden sind. Niemand bei Arte stellt die Frage, wieso die arabischen Flüchtlinge von damals bis heute in engen Lagern leben müssen und nicht in die (palästinensische) Gesellschaft integriert worden sind. Fast peinlich stößt die offene (Schleich-) Werbung allein für ein einziges palästinensisches Hotel im „Osten“ der Stadt auf, obgleich es in Jerusalem nun wirklich nicht an guten, historischen und sehenswerten anderen Hotels mangelt.

Die Produzenten von Arte haben schriftlich und bei Pressekonferenzen eingestanden, von den Palästinensern zweimal boykottiert worden zu sein und finanzielle Verluste in Höhe von 400.000 Euro eingesteckt zu haben. In der Folge hätten sie das Konzept umgeworfen. Herausgekommen ist eine einseitige pro-palästinensische oder eher anti-israelische Propaganda-Show, auch wenn sie in den Nachtstunden mit langen Interviews uralten Holocaustüberlebenden und der jüdischen Seite mehr Gewicht gegeben haben.

(C) Ulrich W. Sahm

weitere Einordnungen:
- 24h Jerusalem – according to Arte (Claudio Casula, Spirit of Entebbe)
- Auf ARTE ringen nicht existente Völker miteinander (Ulrich W. Sahm)
- Eine Ergänzung von Ulrich W. Sahm zum Artikel bei Audiatur
- Bildungsfernsehen

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