Islamischer Fundamentalismus, die permanente Bedrohung (Teil 3/3)

18. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Ende Juni 2014 verstarb Professor Mordechai Abir. Er lehrte Nahost- und Islam-Studien an der Hebräischen Universität, bevor er in den Ruhestand ging. Manfred Gerstenfeld interviewte ihn vor zwanzig Jahren für sein Buch Israel’s New Future. (Das Buch wurde letztes Jahr mit einer neuen Einleitung unter dem Titel Israel’s New Future Revisited nochmals veröffentlicht.) Damals war der islamische Fundamentalismus gegenwärtig, aber nicht das große Problem, zu dem er seitdem geworden ist. In dem Interview zeigte Abir große Voraussicht dazu, wie der Fundamentalismus sich entwickeln könnte. Unten folgt der zweite Teil des Interviews. (Teil 1, Teil 2.)

Abir spricht offen von seiner Befürchtung, dass die von pazifistischen Vertretern Israels unternommenen Schritte praktisch den Weg zur Gründung eines PLO-Staats in der Westbank ebnen. Er hat wenig Zweifel, dass ein solcher Staat von Fundamentalisten und/oder sich verweigernden Nationalisten übernommen wird.

„Nehmen wir an, dass die Hamas sich aus taktischen Gründen heraushält und der von Arafat geführte Mainstream-PLO-Palästinenserstaat gegründet wird“, sagt er. „In einer zweiten Phase wird die Hamas die Macht übernehmen. Der derzeitige Trend ist, dass die Massen – besonders diejenigen, die wirtschaftlich leiden – zunehmend den Fundamentalisten folgen.

In der Tat könnte ein Palästinenserstaat ohne die riesigen Ressourcen, die nötig sind, um die Probleme seiner Bevölkerung und der Palästinenser in der Diaspora zu lösen, eine sehr schwierige Wirtschaftskrise durchmachen. Er wird von unfreundlichen arabischen Regimen und Israel umgeben sein, außer er schafft eine Art Union mit Jordanien zu bilden und erhält substanzielle Hilfe.

Darüber hinaus, stellt er fest, lebt nur die Hälfte des palästinensischen Volks in der Westbank und dem Gazastreifen, viele davon in Flüchtlingslagern. „Was wird mit den 2 bis 2,5 Millionen Palästinensern geschehen, die sich außerhalb befinden und ihre Identität bewahren?“, fragt er. „Sie leben in Lagern in fast allen arabischen Ländern oder in anderen Teilen der Welt, verschmäht von ihren arabischen Brüdern.

Für sie wird der Krieg nicht vorbei sein, da sie in den 6000 Quadratkilometern der Westbank und des Gazastreifens – wo die Bevölkerung bald die Zahl von einer Million Menschen betragen wird – keinen Platz haben werden; sie werden auf dem „Rückkehrrecht“ (awda) nach Akko, Jaffa, Aschdod und Westjerusalem bestehen. Kann Arafat solche Forderungen auffangen? Will er das ernstlich? Man kann sich den Fall des Libanon und seiner politischen Auswirkungen ansehen.

Ich kann eine solche Lösung als überhaupt nicht praktisch ansehen“, sagte er rundheraus, „außer es wird irgendeine Zauberformel gefunden das Problem mit allen Palästinensern zu lösen. Andernfalls wird der innere Druck weiter bestehen Israel zu überrennen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.“

Er sieht allerdings keine andere Alternative. „Die beste Lösung für das palästinensische Volk wäre es, wenn das haschemitische Königreich fällt“, sagte er. Jordanien, das eine mehrheitlich palästinensische Bevölkerung hat, wird ein Palästinenserstaat mit einem Ableger in der Westbank und dem Gazastreifen werden. Eine weitere, aber problematischere Alternative wäre eine jordanisch-palästinensische Föderation.

Israel muss sich um seine eigenen Interessen kümmern und daher auf Sicherheitsarrangements bestehen, die seine Existenz garantieren“, sagt er. „Ist ein Palästinenserstaat erst einmal gegründet – oder auch nur eine autonome Region – dann wird er vom internationalen Recht und internationalen Organisationen geschützt. Israels Möglichkeit seine Bevölkerung und seine Sicherheit zu schützen wird dann eingeschränkt sein.

Die jordanische Lösung wird den Palästinensern eine ausreichende territoriale Basis geben“, führt Abir fort. „Solch ein palästinensisches Jordanien könnte gemeinsame Wasserressourcen mit Israel und groß angelegte gemeinsame Entsalzungsprojekte haben. Es könnte vielfältige gemeinsame Projekte geben, von denen beide Länder profitieren.

Selbst eine jordanisch-palästinensisch-israelische Wirtschaftsföderation ist möglich“, sagt Abir. Diese könnte bedeutsame arabische und internationale Investitionen anziehen, die das Problem zu lösen helfen.

Die palästinensisch-jordanische Einheit würde eine Flagge, eine Armee und eine Luftwaffe östlich des Jordan haben“, sagt er. „Sie hätte in Aqaba einen Zugang zum Meer, was auch für den Irak von Bedeutung wäre. Es gäbe zudem einen von Israel kontrollierten Korridor in den Gazastreifen und zu anderen Mittelmeerhäfen.

Die Einheit würde einen viel höheren Bildungsstand haben als die Golfstaaten und könnte ein wichtiger Teil der Entwicklung der arabischen Länder werden und von solchen Verbindungen profitieren. Viele Joint Ventures werden bereits vorgeschlagen und viele weitere werden entstehen, wenn die Friedensverhandlungen Frucht tragen und eine jordanisch-palästinensische Einheit schaffen.“

Das Land würde, gibt Abir an, beträchtliches Einkommen aus Öl- und Gas-Pipelines erhalten, die aus Saudi-Arabien, dem Golf, dem Irak und Syrien das Land passieren. Es könnte auch ein Durchgang für Handel von Israel mit der arabischen Welt und zur Verbindungsstelle zu israelischer Technologie in verschiedenen Bereichen sein.

„Ein solches Land könnte echte wirtschaftliche Erwartungen und eine realistische politische Überlebenschance haben, ohne bald auf Krieg zurückgreifen zu müssen“, sagt Abir.

Das ist ein ziemlich rosiges Bild, aber Abir betont, dass dies nur mit einer aus dem Friedensprozess entstehenden palästinensisch-jordanischen Föderation oder wenn Jordanien eine palästinensische Heimat wird Realität werden kann. Während Fundamentalismus und andere ultra-nationalistischen Bewegungen weitermachen, bleibt er dabei, dass sie nicht die von ihnen gewollte Macht erwerben dürfen, wenn ein unabhängiger Palästinenserstaat in den Gebieten entsteht.

„Meine Meinung ist das Ergebnis des Studiums der Weltgeschichte der Muslime“, erklärt Abir. „Zu einem großen Teil ist der Erfolg des Fundamentalismus weniger Ergebnis politischer Unzufriedenheit, als eher der wirtschaftlichen Not. Die muslimische Welt erlebt Wellen steigenden Fundamentalismus. Im Islam gab es immer fundamentalistische Tendenzen und es wird sie immer geben. Die einzige Frage ist, wie mächtig sie sein werden.“

Er kehrt zum Beispiel des Iran zurück und sagt: „Paradoxerweise bot der Fundamentalismus keine Antwort auf die sozioökonomischen Probleme des Iran. Der Lebensstandard der iranischen Bevölkerung ging unter dem verstorbenen Schah zurück. Nur fünf Prozent lebten in Saus und Braus. Es überraschte nicht, dass die ungebildeten Menschen, die oft Pachtbauern waren, nach einer fundamentalistischen Lösung suchten.

Sie sind fromme Muslime. Auf die gleiche Weise generiert das Elend in Ägypten Unterstützung für militanten Fundamentalismus. Doch 14 Jahre nach der islamischen Revolution ist die Wirtschaft des Iran ein Trümmerhaufen und der Lebensstandard seiner urbanisierten Massen wie auch seiner Landbevölkerung ist noch schlechter als in der Vergangenheit und geht weiter bergab.“

Bevor Israel ein endgültiges und bindendes Abkommen mit den Palästinenser und seinen Nachbarn eingeht, drängt Abir seine Führung nicht zu vergessen, was heute den christlichen Minderheiten in „säkularen“ muslimischen Staaten geschieht. Ägypten – das er ungeachtet der christlichen Teile des Libanon als den säkularsten Staat der arabischen Welt bezeichnet – ist nicht in der Lage gewesen den Hass der fundamentalistischen Muslime auf die Kopten zu bekämpfen, die echte Überreste der ursprünglichen ägyptischen Bevölkerung sind. Die Christen im Libanon haben das Menetekel gesehen, seit es ihnen Anfang der 1980-er Jahre nicht gelang einen christlich dominierten Libanon oder ein teilunabhängiges Gebilde in ihrem Teil des Berglands des Libanon zu gründen.

Im säkularen Ägypten von heute genießen Kopten und Muslime theoretisch gleiche Rechte“, sagt er. Dennoch nimmt die Zahl der Kopten stetig ab; das ist eine Folge der weit verbreiteten, verdeckten Diskriminierung und vor allem der zunehmenden Verfolgung durch muslimische Fanatiker. „Die muslimischen Massen lehnen es ab eine Dhimmi-Gemeinschaft als gleichberechtigt zu akzeptieren“, erklärt er.

Manchmal nehmen Personen aus diesen Dhimmi-Gemeinschaften hohe Positionen in der öffentlichen Verwaltung und an anderen Stellen ein. Muslime sind ihnen unterstellt. Das ist für den Durchschnittsmuslim absolut verwerflich. Im ländlichen Ägypten, wo die Menschen ungebildet und rückständig sind, ist die Lage für den Erfolg der fundamentalistischen Propaganda gegen die Kopten noch dienlicher. Diese zunehmende sozio-religiöse Spannung in ländlichen Gegenden und Provinzstädten bricht oft in Pogrome und blutige Zusammenstöße aus, von denen die Regierung feststellt, dass sie sie kaum kontrollieren kann.

Während muslimische Fundamentalisten sich in Oberägypten, Kairo und dem Nildelta ausbreiten, wo viele Fundamentalisten leben, sind viele Kopten zu dem Schluss gekommen, dass die einzige Lösung die Auswanderung ist. Wir kennen die genauen Zahlen nicht, da dies in Ägypten ein sensibles politisches Thema ist, doch sie repräsentierten vermutlich immer 7 bis 9 Prozent der Bevölkerung Ägyptens. Es gibt ansehnliche koptische Gemeinden in New York, Chicago, Kanada und weiteren Orten in Amerika. Die libanesischen Maroniten sehen auch das Menetekel und im Verlauf der letzten 20 Jahre sind Hunderttausende nach Amerika und Europa ausgewandert.

Für Abir sind die Lektionen klar. Israels Führungspolitiker müssen sich der traurigen Realitäten des Nahen Ostens der Gegenwart und der vor uns liegenden schicksalhaften Jahre bewusst sein, warnt er, und sie müssen bemüht sein, tödliche Fehler in den Verhandlungen mit den benachbarten arabischen Staaten und den Palästinensern vermeiden. Vor allem muss Israel seine vitalen Interessen und die Fähigkeit sich zu verteidigen aufrecht erhalten.

„Wir müssen das Risiko eines PLO-Staates in den Gebieten im Auge behalten, der sich schlussendlich in einen fundamentalistischen Palästinenserstaat verwandeln könnte, der dem jüdischen Staat jegliches Existenzrech in seiner Mitte abspricht“, schließt er.

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

Pro-jüdische Werbeanzeige wurde Fiasko

15. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Islam, Europa+Nahost, NGOs | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Infolge des aktuellen Ausbruchs von Antisemitismus in Europa fragen sich jüdische Organisationen, was sie gegen derart massiven öffentlichen Hass unternehmen können. Hierzu illustriert ein in den Niederlanden entwickeltes Projekt, wie notwendig es ist jede Idee bis ganz zu Ende zu durchdenken.

CIDI ist die älteste niederländische Organisation für Israel und die jüdische Gemeinschaft. Sie schaltete in der größten niederländischen Zeitung, De Telegraaf1 eine ganzseitige Anzeige gegen Judenhass, unterschrieben von 86 führenden Politikern und Prominenten. CIDI setzte den eigenen Namen nicht in die Anzeige, veröffentlichte aber, dass sie diese Initiative ergriffen hatte.

Die Führung der CIDI ist aufrichtig der jüdischen Gemeinschaft verpflichtet, doch unglücklicherweise handhabte sie das Anzeigenprojekt falsch. Um die prominenten Niederländer dazu zu bringen Solidarität mit den niederländischen Juden zu zeigen, hätte der Text ziemlich einfach sein können: Er hätte sagen sollen, dass es keine Ausrede für Judenhass gibt.

Dem hätte ein Hinweis folgen sollen, dass die politischen Entwicklungen in anderen Teilen der Welt zu Beleidigungen von und Drohungen gegen niederländische Juden geführt haben und dass einige Demonstranten den Tod der Juden forderten. Die Anzeige hätte auch erklären sollen, dass diese Äußerungen von Hass aufhören müssen und dass jeder in den Niederlanden in der Lage sein sollte sicher und friedlich leben zu können, was auch für die Juden gelten muss. Danach hätten die Unterzeichner die Bevölkerung der Niederlande aufrufen sollen, Antisemitismus in jeglicher Form oder unter jeglichen Umständen nicht zu tolerieren: „Wir alle sagen Nein zu Judenhass.“

So hätte es gewesen sein sollen. In der Tat erschienen, mehr oder weniger, alle oben genannten Äußerungen in der Anzeige. Leider gibt es zusätzlichen Text, der hoch problematisch ist. Die Organisatoren führten in einigen in die Anzeige eingestreuten Sätzen Israel ein, was den Ton und den Kontext ihrer Botschaft zu etwas eher Schlimmem machte.

Die Anzeige beginnt mit einem Irrtum: „Der Kampf zwischen Israel und der Hamas wird zunehmend in den Niederlanden ausgefochten.“ Wenn man dieses Konzept einbeziehen will, dann hätte der Text folgendermaßen lauten müssen: „Der Kampf zwischen Israel und der Hamas hat zu Beleidigungen, Drohungen und Schikanen gegen Juden in den Niederlanden geführt, hauptsächlich durch niederländische Muslime.“ Danach erwähnt die Anzeige die verschiedenen Drohungen gegen Israel, die aus den Niederlanden kommen. Wenn CIDI, angeblich eine pro-israelische Verteidigungsorganisation, dieses Thema schon aufwirft, dann hätte sie auch eine Verurteilung des extrem antisemitischen Charakters einiger dieser Drohungen anführen müssen.

Die Anzeige lautete weiter, dass die niederländischen Juden das Recht haben in den Niederlanden sicher zu leben, „unabhängig von dem, was in Israel geschieht“. Das impliziert, dass in Israel Furchtbares ohne guten Grund geschieht. Ist das einmal gesagt, dann ist es eine enorme Auslassung, die Hamas und andere Islamo-Nazis im Nahen Osten nicht zu erwähnen, ganz zu schweigen von den enormen ideologischen und sonstwie kriminellen Wellen, die aus der muslimischen Welt kommen. Und als wäre das alles noch nicht genug, fährt die Anzeige hiermit fort: „Dies ist keine Solidaritätserklärung mit der israelischen Regierung.“ CIDI hat eine Menge zu erklären, was diese eindeutige Äußerung in einem Text über Antisemitismus gegenüber niederländischen Juden zu suchen hat.

Die Anzeige endet: „Wir, die Unterzeichner, sind hier unterschiedlicher Meinung. Wir stimmen aber in einem überein: Kritik an Israel ist in Ordnung. Judenhass? Nein.“ In der Tat: Warum sollte Kritik an Israel nicht in Ordnung sein? Fast alle Israelis sind in verschiedenen Themen zu Israel kritisch und daran ist nichts falsch – aber das Offensichtliche auf diese Weise zu äußern, gibt der Anzeige einen zusätzlichen, anstößigen Dreh.

Man fragt sich, ob irgendeiner der Unterzeichner die Unterschrift unter der Anzeige abgelehnt hätte, wäre darin Israel nicht erwähnt worden. Wenn dem so sein sollte, hätte CIDI glücklich und zufrieden sein müssen, sie nicht einzubeziehen und sie nach einer Erklärung fragen sollen. Dass Israel erwähnt wurde und die Art und Weise, wie das geschah, hat den klaren Unterton, diesen Unterzeichnern die Chance zu geben sich von Israel zu distanzieren, wenn sie das so wollen. Dies umso mehr, als die verschiedenen antiisraelischen Demonstrationen nicht erwähnt werden, deren niederländische Teilnehmer direkt oder indirekt die Hamas unterstützen, einige auch die Islamo-Nazis der ISIS, der bösartigsten muslimischen Bewegung, die es bisher gab.

Das Management von CIDI ist sich bewusst, dass Israel mit viel von dem, was derzeit in den Niederlanden geschieht, nicht kritisiert sondern dämonisiert wird. Nachdem bereits irrigerweise Israel eingebracht wurde und man sich von ihm distanziert hat, hätte die Anzeige das widerliche Verhalten von Teilen der globalen muslimischen Bevölkerung und ihrer niederländischen Unterstützer thematisieren müssen.

Mit einer solchen Botschaft überrascht es nicht, dass die meisten niederländischen Parteichefs die Anzeige unterschrieben, selbst die der Grün-linken und der Sozialistischen Partei, die einige der Demonstrationen mit organisieren, die immer indirekt die Islamo-Nazis von der Hamas unterstützen. Jetzt können diese politischen Leiter sich und ihre Agenden mit der Anzeige reinwaschen und gleichzeitig behaupten, dass sie Kritik an Israel implizieren.

Geert Wilders, Parteichef der populistischen Freiheitspartei (PVV) ist unter den Unterzeichnern nicht zu finden. CIDI bat auch ihn zu unterschreiben und er hatte sofort zugestimmt. Sein Name wurde allerdings entfernt. CIDI rechtfertigte das mit der Erklärung, dass Wilders dem niederländischen Premierminister Rutte einen Brief geschrieben hatte, mit dem er den derzeitigen Antisemitismus mit dem Islam allgemein in Verbindung brachte.2 CIDI sagte, Wilders hätte den Nahostkonflikt in die Debatte eingebracht und dass sei nicht das, was die Unterzeichner wollten. Wäre CIDIs Argument der wahre Grund für den Ausschluss von Wilders, dann hätten antiisraelische Äußerungen einiger linker niederländischer Spitzenpolitiker ausreichen sollen auch sie auszulassen. Darüber hinaus – und das ist das wirklich Lächerliche – hatte CIDI selbst das Nahost-Problem eingebracht, indem sie in der Anzeige unnötigerweise Israel erwähnte. Wie zu erwarten war, schlug Wilders heftig gegen CIDI und dessen Leitung zurück; er sagte, die Organisation und ihr Direktor repräsentierten die niederländischen Juden nicht.3

Dass Wilders in der Anzeige nicht vorhanden war, wurde von Alexander Pechtold, dem Chef der Liberaldemokraten D66 als Ausrede genommen, um nicht zu unterschreiben. In seiner Erklärung, warum er sich zurückhielt, behauptete Pechtold, dass nicht nur Antisemitismus, sondern alle Formen der Diskriminierung verurteilt werden sollten.4 Wahrscheinlicher ist ein Grund für Pechtolds Verhalten die Tatsache, dass zum ersten Mal in der Geschichte einige aktuelle Umfragen andeuten, dass D66 die größte Partei im Parlament werden könnte. Mehr muslimische Stimmen zu bekommen könnte da hilfreich sein.

Louis Bontes, Parteichef „Für die Niederlande“, einer der kleineren Parteien, taucht ebenfalls nicht auf der Liste der Unterzeichner auf. Die Geschichte dieser Partei ist bezüglich proisraelischem und projüdischem Aktivismus im niederländischen Parlament fast makellos. Es ist nicht vorstellbar, dass Bontes eine Unterschrift abgelehnt hätte, wäre er darum gebeten worden. Wurde er nicht gefragt? Das wäre ein weiterer dicker Patzer seitens der CIDI gewesen. Hatte er unterschrieben, wurde aber ausgeschlossen? Das wäre absolut skandalös.

All das oben Angeführte dient dazu aufzuzeigen, dass noch so gut Gemeintes, wenn es schlecht ausgeführt wird, auf viele Weisen ins Auge geht.

Derweil sind die letzten Zweifel beseitigt worden, dass die antiisraelischen Demonstrationen Pro-Hamas-Demonstrationen sind. In Utrecht kritisierte eine Europaabgeordnete der Grün-Linken Partei die Hamas. Noch bevor sie Israel überhaupt kritisieren konnte, wurde sie bereits niedergebrüllt.5

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

1 s. den Text auf: http://forum.fok.nl/topic/2136206 [in Niederländisch]
2 http://www.cidi.nl
3 Wilders haalt uit naar Joodse organisatie om advertentie. NU, 7. August 2014. [in Niederländisch]
4 Waarom D66 de advertentie van het CIDI niet heeft ondertekend. D66, 7. August 2014. [in Niederländisch]
5 Gazademonstratie verloopt rustig. DeStadUtrecht, 10. August 2014 [in Niederländisch]

Niederländischer Antisemitismus: Juden fragen sich, wie ihre Zukunft aussehen wird

13. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

In den Niederlanden dauern antisemitische Vorfälle an und haben weiter Einfluss. Vor kurzem wurde eine Frau angegriffen, weil sie an ihrem Balkon im östlichen Amsterdam eine Israelflagge aufgehängt hatte. Sie erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma, gebrochene Rippen und Prellungen im Gesicht. Die Kriminellen nannten sie „eine Scheißjüdin“, bewarfen sie mit einem brennenden Stock und schlugen sie in den Bauch. Männer drohten ihr früher schon, sie würden „ihr die Kehle aufschlitzen“. Nun wird Polizei vor ihrem Haus stationiert worden um sie zu schützen.1 Einer anderen Frau, die eine Israel-Flagge an ihrem Balkon hatte, wurde ein Stein durch das Fenster geworfen. Später warf jemand einen Molotowcocktail nach ihrem Balkon, der aber von fort auf den ihrer türkischen Nachbarin unter ihr fiel, die eine Palästinenserflagge aufgehängt hatte.2

Mindestens fünfzehn bis zwanzig jüdische Geschäftsleute haben, nachdem sie Drohungen erhielten, Personenschützer eingestellt. Roland Kahn, der Inhaber einer Modekette, erzählte den Medien von den vielen Drohungen, die er erhalten hat. „Ich werde nicht nur dreckiger Jude genannt und mit dem Tod bedroht; auch meine Geschäfte sind angegriffen worden. Meine in den USA lebende Tochter als auch meine Freundin, die einen muslimischen Hintergrund hat, werden ebenfalls bedroht. Einer Reihe marokkanischer Angestellter wurde auch gedroht, weil sie für mich arbeiten.“3

Langfristig haben jedoch die Äußerungen von Oberrabbiner Jacobs in einer Fernsehsendung und gegenüber den Medien größeren Einfluss. Er erklärte, dass eine steigende Zahl jüdischer Familien die Niederlande wegen des ansteigenden Antisemitismus verlassen will. Der Oberrabbiner erklärte, dass sie sich nicht sicher fühlen und auf der Straße bedroht und beleidigt werden. Er zitierte eine bestimmte jüdische Einzelperson, die sagte: „Meine Eltern haben genug gelitten. Soll ich auch leiden?“ Jacobs fügte hinzu, dass er sich gefragt habe, ob es für ihn sicher sei in den Niederlanden zu bleiben, aber zu dem Schluss kam, dass er bleiben muss, weil der Kapitän das Schiff als letzter verlässt.4 Die Jewish Telegraph Agency interviewte Jacobs später und ließ so seine Äußerung vielen jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt zukommen.5

Das Thema, ob die Zukunft der Juden in den Niederlanden infrage steht, ist nicht neu. Ein einzelner Absatz in meinem Buch von 2010 „Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland“ (Der Niedergang: Juden in den führungslosen Niederlanden) führte dort zu einer großen öffentlichen Diskussion Ich zitierte Frits Bolkestein, ehemaliger Parteichef der Liberalen, Verteidigungsminister und EU-Kommissar, einen der angesehensten Politiker des Landes. Er sagte mir, die Juden sollten erkennen, dass es für sie in den Niederlanden keine Zukunft gibt. Sie sollten daher ihren Kindern raten in die USA oder nach Israel auszuwandern. Bolkestein kam zu diesem Schluss, weil er für die Niederlande infolge der verfehlten Einwanderungspolitik mit hauptsächlich muslimischen Immigranten und den dadurch für diejenigen, die sich mit dem Judentum identifizierten, geschaffenen Problemen eine fragliche Zukunft vorhersah.6

Während Bolkesteins Bemerkungen eher nachdenklicher Natur waren, hat Jacobs öffentlich über die aktuelle Lage innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gesprochen. Jacobs Worte sind eine sachliche Aussage dazu, in welchem Maß innerhalb dieses Jahrhunderts das Umfeld in den Niederlanden verfallen ist. Wäre der Oberrabbiner ein Persönlichkeit aus der Politik gewesen – was er nicht ist – hätte er hinzufügen können: „Die Vorfahren der meisten niederländischen Juden haben hier seit hunderten von Jahren gelebt. Ihr habt eine große Zahl Einwanderer aus muslimischen Ländern, wo Antisemitismus grassiert, ohne irgendeine Selektivität in die Niederlande gelassen; niederländische Juden zahlen dafür jetzt einen großen Preis. Was sagt uns das darüber, wie dieses Land in den letzten Jahren geführt wurde?“

Derweil sind weiterhin Muslime die dominierenden Teilnehmer bei den andauernden antiisraelischen Demonstrationen. Abdoe Khoulani, ein muslimisches Mitglied des Stadtrats von Den Haag – hat (auf Facebook) die Hoffnung geäußert, dass die „zionistische Siedlung Israel von einem Tsunami Allahs getroffen wird“. Er hofft auch, dass David Ben Gurion, Israels erster Premierminister, „in der Hölle brennen“ wird. Früher schon hatte er Unterstützung für die muslimisch-terroristische ISIS-Bewegung zum Ausdruck gebracht.7

Die Dachorganisation der jüdischen Gemeinschaft, CJO, bat den Premierminister um ein Treffen. Bei diesem waren auch zwei weitere Minister anwesend. Daraus entstand eine Erklärung, die veröffentlicht wurde, aber die Wahrheit zu Ungunsten der jüdischen Gemeinschaft verzerrte.8 Darin hieß es, dass Ereignisse in der Welt zu Spannungen zwischen den Gemeinschaften führen können. Wäre die Erklärung ehrlich gewesen, hätte sie gesagt, dass die Wurzel der Spannungen in den Niederlanden die Aggression und der Hass gegen die jüdische Gemeinschaft sind, die hauptsächlich aus Teilen der muslimischen Gemeinschaft entspringt. In der Erklärung hieß es außerdem, „Demokratie“ bedeutet, dass Demonstrationen erlaubt werden müssen.

Der Text hätte auch fairer formuliert werden können, indem man hinzufügt: „selbst wenn diese Demonstrationen indirekt eine Völkermord betreibende muslimische Bewegung unterstützen.“ Diese Äußerung pries außerdem namentlich eine bestimmte muslimische Organisation, die die Muslime auffordert die Juden zu tolerieren. Der gemeinsame Text jedoch verurteilte weder einzelne Muslime noch die Vielzahl muslimischer Organisationen, die die Islamo-Nazis der Hamas unterstützen.

Wie andernorts in Europa geben die Ereignisse in den Niederlanden die Vorahnung einer unangenehmen Zukunft. Was bezüglich der Juden und Israel in den Vordergrund getreten ist, kann als Prisma auf die zeitgenössische niederländische Gesellschaft beschrieben werden. Die aus Teilen der muslimischen Gemeinden kommenden und sich von dort heraus entwickelnden Probleme sind noch größer als bisher geglaubt. In der Vergangenheit verließen Jihadisten die Niederlande, um im Nahen Osten zu trainieren und zu kämpfen. Heute sind Islamo-Nazis in der niederländischen Öffentlichkeit offen sichtbar. So genannte „moderate Muslime“ sind auf Demonstrationen marschiert, die eine von mehreren ideologisch völkermörderischen muslimischen Bewegungen im Nahen Osten unterstützen. Darüber hinaus gibt es unter niederländischen Muslimen wenig Kritik an den entsetzlichen Ereignissen, die sich aus ihren eigenen Gemeinschaften heraus entwickeln.

Mehrere niederländische politische Parteien schwiegen angesichts der öffentlichen Aufrufe muslimischer Demonstranten in den Niederlanden zur Ermordung der Juden so weit wie möglich, um das Thema der von Muslimen im Ausland begangenen Massenmorde nicht zu berühren. Bei den niederländischen Wählern zu punkten spielt dabei eine wichtige Rolle. Diese Ereignisse sind Zeichen der Bereiche zunehmenden moralischen Niedergangs innerhalb der Niederlande, deren internationales Image langfristig schlussendlich die zunehmend korrodierte innenpolitische Realität spiegeln wird.

  1. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 Amsterdam woman injured in second assault over Israeli flag. JTA, 1. August 2014.
2 Tom Reiner: Joodse Amsterdammer bedreigd na ophangen Israelische vlag. Elsevier, 30. Juli 2014 (in Niederländisch).
3 Nederlandse joden voelen zich bedreigd. RTVNH, 26. Juli 2014 (in Niederländisch).
4 Joodse gezinnen weg uit Nederland. Een Vandaag, 2. August 2014 (in Niederländisch).
5 Cnaan Lipshiz: After fifth attack at home, a Dutch chief rabbi says he’d leave if not job. JTA, 5. August 2014.
6 Manfred Gerstenfeld: Het Verval: Joden in een Stuurloos Nederland. Amsterdam (Van Praag) 2010, S. 109. [in Niederländisch]
7 Robin de Wever: Omstreden Haags raadslid wenst een tsunami over Israel. Trouw, 15. Juli 2014. [in Niederländisch]
8 Gemeenschappelijke verklaring na overleg kabinet met Joodse organisaties. Christelijk Nieuws, 6. August 2014. [in Niederländisch]

Hinter den Kulissen des muslimischen Antisemitismus in den Niederlanden

11. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Europa+Islam | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Samar (direkt vom Autor)

Ich habe persönlich gehört, wie eine Reihe Imame in den Niederlanden Verse aus dem Koran und anderen islamischen Texten nutzte, um Hass gegen Israel und die Juden zu predigen. So ist aus dieser theologischen Propaganda politisches Schüren von Hass geworden. Derselbe Hass dringt über arabisches Fernsehen in die niederländisch-muslimische Gesellschaft ein. Mehr davon hört man von Familienmitgliedern, muslimischen Nachbarn und Klassenkameraden.

Samar ist eine junge Frau, die als Muslima traditionell marokkanischer Eltern in den Niederlanden geboren wurde. Im Verlauf der Jahre erlebte sie Judenhass in muslimischen Kreisen und begann ihn zu beobachten. Sie kann ihre Geschichte nur unter Nutzung eines fiktiven Namens erzählen.

Während meiner Jahre an der Universität sprach ich mit schätzungsweise 150 bis 200 Muslimen. Mir fiel auf, dass fast alle dieselben Meinungen hatten. Es spielte keine Rolle, ob sie Marokkaner waren, Türken, Kurden oder Muslime aus Surinam. In all den Jahren traf ich nur zwei Muslime, die Juden oder Israel nicht hassten. Es handelte sich um einen Ahmadijja-Jungen und ein alawitisches Mädchen aus der Türkei. Die gehörten Minderheiten an, die von anderen Muslimen als Häretiker bezeichnet werden.

Muslime betrachteten mich an der Universität als „eine der ihren“. Ich betrachtete mich allerdings nicht mehr als Muslima. In Gesprächen waren sie mir gegenüber absolut offen, während ich meine Meinung für mich behielt. Fast alle muslimischen jungen Leute, die ich an der Universität traf, leugneten den Holocaust. Sie glaubten nicht an die sogenannte „Zweistaatenlösung“ für Israelis und Palästinenser. Sie wollten, dass Israel von der Landkarte gewischt wird. Sie glaubten, Juden müssten aus Israel vertrieben werden, damit es wieder ein muslimischer Staat werden kann. Es gab keinen Unterschied bei den Meinungen zwischen Jungen und Mädchen. In den Niederlanden hört man oft Aussagen, dass weibliche Muslime toleranter sind als Männer. Das ist allerdings nicht richtig, wenn es um den Hass gegen Juden geht.

Diese Studenten glauben auch, dass Muslime höher stehen als andere Völker. Auf Juden sehen sie besonders verächtlich herab. Sie glauben, Juden stammen von Affen und Schweinen ab. Das wird insbesondere von denen betont, die den Koran kennen, wo das geschrieben steht. Es ist nicht so, dass sie glauben, Juden würden sich bei Vollmond in Affen verwandeln. Sie glauben eher, dass Juden keine echten Menschen sind. Diese Botschaft wird auch von arabischen Fernsehsendern ausgestrahlt.

Von denen, die in normalen Gesprächen keinen Antisemitismus zum Ausdruck bringen, wird er zu besonderen Gelegenheiten vermittelt. Das kann z.B. sein, wenn es eine Sammlung für Palästinenser gibt oder nachdem einige eine antiisraelische Demonstration besuchten oder bei Festlichkeiten am Ende des Ramadan. Es fällt auf, dass anwesenden Nichtmuslimen gegenüber keine antisemitischen Äußerungen getätigt werden. Wenn z.B. Niederländer an einem Iftar-Essen teilnehmen, werden die Marokkaner, Türken und andere Muslime, die ich traf, sehr anders reden, als wenn sie unter sich sind. Das gilt besonders, wenn sie über Juden sprechen.

Seit in Amsterdam an der Universität ein Lehrgang zur Ausbildung von Imamen begonnen hat, gibt es mehr salafistische Studenten. Für sie spielen Moscheen eine große Rolle. Das schürt den Judenhass, den sie von Zuhause schon mitbekamen. Unter diesen Studenten gibt es fanatische Islamisten und extreme Antisemiten.

Eine kurze Zeit lang hatte ich einen Kommilitonen, der irakischer Jude war. Dutzende Muslime nannten ihn „Besatzer“, „dreckiger Jude“ und „Nazi“. Er antwortete ihnen nie.

Für ein Studienprojekt besuchte ich eine Reihe muslimischer Organisationen mit verschiedenen Hintergründen. Ich sprach auch mit anderen, die ähnliche Projekte unter solchen Gruppen betreiben. Die einzige muslimische Organisation unter denen, auf die ich traf, die bereit war mit jüdischen Gruppen zusammenzuarbeiten, waren die Ahmadijjas. Wie gesagt, werden sie von anderen Muslimen als Häretiker betrachtet. Wenn man mit offiziellen muslimischen Repräsentanten spricht, bleibt das Gespräch „politisch korrekt“. Dort wird man z.B. nie den Holocaust leugnende Äußerungen hören.

Durch meine Projekte kam ich in Kontakt mit niederländischen Juden, darunter mehrere, die Funktionsträger in jüdischen Organisationen waren. Ich war von ihren Reaktionen überrascht, die denen der muslimischen Gruppen vollkommen entgegen standen. Ich stellte eine große Dialogbereitschaft mit muslimischen Organisationen und zur Zusammenarbeit mit ihnen fest, um gegenseitiges Verständnis zu erzeugen.

Viele niederländische Juden wollten die Wahrheit nicht hören, die ihnen erzählte. Sie zogen es vor sich etwas vorzumachen. Die einzigen, die mir glaubten, waren orthodoxe Juden, die Kippa tragen. Ihre Kinder gehen in jüdische Schulen und tragen ebenfalls Kippa. Wer immer in den Niederlanden als Jude identifizierbar ist, leidet unter antisemitischen Beschimpfungen und manchmal Gewalt.

Offizielle muslimische Repräsentanten und auch eine Reihe Juden erzählen öffentlich immer dieselbe Geschichte. Sie behaupten, Problem des Antisemitismus und verbale Gewalt gegen Juden würden von einer kleinen Gruppe sogenannter „Straßenmarokkaner“ verursacht. Meine Erfahrung ist, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Ich habe nie einen „Straßenmarokkaner“ getroffen. Mein Wissen über den weit verbreiteten muslimischen Antisemitismus und Hass auf Israel entstammt meinen Kontakten zu Studenten an der Universität.

Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

Der Ausbruch von Antisemitismus und Antiisraelismus in den Niederlanden

7. August 2014 um 14:00 | Veröffentlicht in Europa, Europa+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die beste Möglichkeit eine Zwischenbewertung der wichtigen Aspekte des jüngsten Ausbruchs an Antisemitismus und Antiisraelismus in Europa vorzunehmen, besteht darin, sich auf ein einzelnes Land zu konzentrieren. Die Niederlande bieten da aus mehreren Gründen ein gutes Beispiel. In Frankreich z.B. überschattet die hauptsächlich von Muslimen begangene extreme Gewalt gegen Juden alle anderen Aspekte des Judenhasses. Daher ist es in Frankreich weit schwieriger seine vielen Aspekte zu erfassen.

Die Explosion des Antisemitismus in den Niederlanden hat sich bisher hauptsächlich in Drohungen und Hass im Internet manifestiert. Auch war Hass physisch auf der Straße zu erleben. Nach Angaben einer Quelle, die sich um die Sicherheit jüdischer Bürger kümmert, sind im südlichen Amsterdam Autos mit Hakenkreuzen beschmiert worden. Viele jüdische Familien haben ihre Mesusen – eine Pergamentrolle, die sie als Juden identifizierbar macht – vom Türrahmen entfernt, um nicht Ziel von Gewalt zu werden.1

Mindestens fünfzehn jüdische Geschäftsleute haben Wachleute eingestellt. Einer davon ist Roland Kahn, ein bekannter Textilunternehmer. Er sagt, er ist mit Rufen beleidigt worden; man nannte ihn einen dreckigen Juden. Selbst seine marokkanischen Angestellten werden von anderen Marokkanern bedroht, weil sie für ihn arbeiten. Es gibt außerdem Drohungen gegen seine Geschäfte. Kahn fügte hinzu, dass sowohl seine Tochter als auch seine Partnerin (mit muslimischem Hintergrund) bedroht werden.2

Der Meldpunt Discriminatie Internet (MDI) beobachtet Antisemitismus im Internet und hat veröffentlicht, dass er in den siebzehn Jahren seines Bestehens noch nie so viele Beschwerden wegen Antisemitismus bekommen hat. Gewöhnlich gibt es zwei oder drei solche Vorfälle pro Woche. In den letzten Tagen haben sie zwanzig bis dreißig Beschwerden pro Tag erhalten.3

Nach Beginn der israelischen Kampagne im Gazastreifen wurde ein Stein durch das Fenster des Hauses von Oberrabbiner Binyomin Jacobs geworfen. Er sagt, das ist das fünfte Mal, dass dies in den letzten zwei Jahren geschah. Jacobs merkt an: „Die Botschaft ist offensichtlich. Ich bin wahrscheinlich zu sehr pro-Israel, ich bin Jude und ich bin ein Oberrabbiner. Es wäre infantil, würde ich die Verbindung nicht sehen.“4

Jacobs beschwerte sich auch, dass die christlichen Kirchen keine Solidarität mit den niederländischen Juden gezeigt hätten. Er sagte, wenn Protestanten einen Stein durch das Fenster eines katholischen Bischofs geworfen hätten, hätte er bei den Protesten derer, die diese Tat verurteilten, in der ersten Reihe gestanden. Erst danach reagierte der Schlüsselleiter der großen protestantischen Dachorganisation PKN, Pastor Arjan Plaisier. Er bat Jacobs in den Niederlanden zu bleiben.5 Das war auch typisch für andere europäische Länder: dass Juden die Initiative ergreifen und Kirchenorganisationen auffordern mussten Solidarität zu zeigen, statt sie von ihnen aus eigenem Antrieb zu bekommen. Zur PKN gehören auch mehrere Organisationen extrem antiisraelischer Aufwiegler.

In mehreren niederländischen Städten haben antiisraelische Demonstrationen stattgefunden. Nominell steht man dabei für die Bürger des Gazastreifens ein. Der Konflikt findet allerdings zwischen der Demokratie Israel und der völkermörderischen Terrororganisation Hamas statt, die in ihrem Parteiprogramm für den Massenmord an Juden wirbt. Fakt ist, dass diese Demonstrationen indirekt eine palästinensische Islamonazi-Bewegung unterstützen. Der Vorkriegsvorgänger der Hamas, Hadsch Amin al-Husseini, Mufti von Jerusalem, war seinerzeit der wichtigste palästinensisch-arabische Führer. Während des Zweiten Weltkriegs rühmte er die Gleichartigkeit der Werte seiner Vision des Islam als Ganzem und des Nationalsozialismus.6

Die Hauptexzesse gab es während antiisraelischer Demonstrationen in Den Haag. Es gab mehrere Flaggen der ISIS, der kriminellsten der vielen muslimischen Terrororganisationen. Außerdem gab es Jihad-Flaggen und Schilder, die israelische Flaggen mit dem Hakenkreuz gleichsetzten. Der niederländische Staatssender NOS war gezwungen zuzugeben, dass er absichtlich diese Bilder aus seiner Sendung über die Demonstration ausgespart hatte.7

Nach einer weiteren antiisraelischen Demonstration berichtete der Bürgermeister von Den Haag, Jozias van Aartsen, fälschlich, es habe dort keine Gesetzesverstöße gegeben. Es wurde eine Petition für seine Entlassung in Gang gesetzt. Am 31. Juli hatten siebzehntausendfünfhundert Menschen unterschrieben und sie wurde an die niederländische Regierung geschickt.8 Van Aartsen war niederländischer Außenminister, als Arafat im September 2000 die zweite Intifada begann. Im Mai 2001 pries Van Aartsen Arafat und kritisierte Israel.9

Shimon Samuels, Direktor für internationale Beziehungen des Simon Wiesenthal-Zentrums, schrieb in einem Brief an Van Aartsen, dass der Arabisch sprechende Polizist oder Übersetzer, der an der antiisraelischen Demonstration teilnahm, gelogen hatte, (als er sagte) es habe keine illegalen Vergehen gegeben.10 In der Vergangenheit hat es gelegentlich Vorwürfe gegeben, dass Übersetzer z.B. bei Asylfällen absichtlich falsch übersetzten, was die Befragten sagten. Diesmal wurde ein Übersetzer auf frischer Tat ertappt. In einem früheren Brief an Premierminister Mark Rutte hatte Samuels bereits diese Probleme aufgebracht.11

Mehrere niederländische muslimische Leiter, die fälschlich als moderat angesehen werden, sind als indirekte Unterstützer der Hamas geoutet worden. Zu diesen gehört Fatima Elatik, eine Politikerin der Arbeitspartei aus Amsterdam, die an einer der Demonstrationen in Den Haag teilnahm.12 Mehrere Juden versuchten hinterher ihr Verhalten zu beschönigen, weil Elatik in der Vergangenheit geholfen hatte das Aufräumen eines jüdischen Friedhofs zu finanzieren. Das kann aber nicht als Ausgleich für die Teilnahme an einer Versammlung angesehen werden, die die Islamonazis der Hamas unterstützt.

Die niederländische Regierung ist seit vielen Jahren schon oft vor den antisemitischen Problemen gewarnt worden. Es hat eine Reihe Debatten im Parlament gegeben. Eine folgte der Veröffentlichung meines Buch „Het Verval, Joden in een stuurloos Nederland“ (Der Niedergang: Juden in den führungslosen Niederlanden) im Jahr 2010. Darin zitierte ich einen ehemaligen Minister und Leiter der Liberalen Partei, Frits Bolkestein. Er riet den jüdisch Aktiven ihren Kindern zu sagen, sie sollten die Niederlande in Richtung Amerika oder Israel verlassen. Als Grund gab er an, dass es so viele nicht integrierte muslimische junge Leute in den Niederlanden gibt, die ihnen Probleme bereiten würden.13

Im April 2013 traf der stellvertretende Dekan des Simon Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, den stellvertretenden Premierminister Lodewijk Asscher von der Arbeitspartei, um mit ihm den starken Antisemitismus und Antiisraelismus in den Niederlanden zu diskutieren.14 Cooper lenkte die Aufmerksamkeit auf eine Studie der Universität Bielefeld aus dem Jahr 2011, die feststellte, dass mehr als 38% der Niederländer über sechzehn Jahre fälschlich der Äußerung zustimmten, Israel lösche die Palästinenser aus.15 Asscher sagte, er habe von dieser Studie nichts gehört, worauf Cooper sie ihm schickte. Es gab fast ein Jahr lang keine Reaktion.

Ende 2013 wurde das Thema in einer Debatte im niederländischen Parlament aufgebracht. Asscher reagierte damit, diese Ergebnisse Besorgnis seien erregend und inakzeptabel, schlug aber kein Handeln vor. Danach schrieb Cooper ihm und lenkte die Aufmerksamkeit ebenfalls auf die Tatsache, dass die Niederlande das einzige Land in Westeuropa waren, das sein Versagen seiner Regierungen im Londoner Exil im Zweiten Weltkrieg weder zugegeben noch sich dafür entschuldigt hatte.16 Asscher antwortete mit der Wiederholung, dass der Antisemitismus und der Antiisraelismus inakzeptabel seien. Aus seinem Brief war klar, dass die niederländische Regierung nicht die Absicht hatte irgendetwas gegen den weit verbreiteten, extremen Antiisraelismus zu tun.17 Coopers Ersuchen vom März nach einem neuen Treffen, um diese negative Antwort zu diskutieren, ist von Asscher noch nicht beantwortet worden.18

Das oben Angeführte ist eine kleine Auswahl dessen, was in den Niederlanden in Sachen Juden und Israel zunehmend falsch läuft. Es illustriert einmal mehr, das die nicht selektive Masseneinwanderung von Muslimen in den Niederlanden wie andernorts in Europa für Juden das negativste Ereignis der Nachkriegszeit ist. Es zeigt zudem die weiterhin fehlende Bereitschaft der niederländischen Behörden den weitverbreiteten Antisemitismus und Antiisraelismus der Landes zu thematisieren.

  1. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzender vom Jerusalem Center of Public Affairs.

 

1 ANP: Nederlandse Joden bedreigt om conflict Israël. Volkskrant, 26. Juli 2014.
2 Gerda Frankenhuis: Nederlandse Jode huren bewaking in. De Telegraf, 26. Juli 2014.
3 Record aantal meldingen antisemitisme. Radar, 28. Juli 2014.
4 ANP: Raam ingegooid bij huis van opperrabbijn. Volkskrant, 17. Juli 2014.
5 Opperrabbijn Jacobs: Kerken doen niets tegen Jodenhaat. Reformatorisch Dagblad, 28. Juli 2014.
6 Matthias Küntzel: Dschihad und Judenhass. Freiburg, ça-ira-Verlag, 2003, S. 39.
7 Servaas van der Laan: NOS geeft toe: censuur hakenkruizen bij anti-Israëlprotest. Elsevier, 15. Juli 2014.
8 Eis het ontslag van Jozias van Aartsen. Petities24.com
9 Van Aartsen tevreden na gesprek met Arafat. Trouw, 9. Mai 2001
10 Dr. Shimon Samuels Brief an Bürgermeister Jozias van Aartsen, 28. Juli 2014.
11 ebenda
12 Tonen nazivlag bij demo „schandalig“. De Telegraaf, 14. Juli 2014.
13 Manfred Gerstenfeld: Het Verval, Joden in een Stuurloos Nederland. Amsterdam (van Praag) 2010, S. 109.
14 Arutz Sheva Staff: Dutch Newspaper Utilizes Nazi Images to Defame Israel. IsraelNationalNews.com, 26. April 2013.
15 library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf.
16 Rabbi Abraham Cooper, Brief an den stellvertretenden Premierminister Asscher, 6. Februar 2014, TS.
17 Lodewijk Asscher, Brief an Rabbi Abraham Cooper, 19. Februar 2014, TS.
18 Rabbi Abraham Cooper, Brief an den stellvertretenden Premierminister Asscher, 13. März 2014, TS.

Erasmus, Fürst des Humanismus der Renaissance und Antisemit

28. Juli 2014 um 13:45 | Veröffentlicht in Europa, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Hans Jansen (direkt vom Autor)

Viele Gründungsväter der westlichen Kultur waren Antisemiten. Während der Renaissance wurde Erasmus von Rotterdam – er lebte von 1466 bis 1536 – als „Fürst des Humanismus“ angesehen. Obwohl ein sehr innovativer Denker, war Erasmus, wie viele seiner Zeitgenossen, Antisemit. Über sein Leben und Denken wurde viel geschrieben. Doch Akademiker, inklusive der berühmte niederländische Historiker Johan Huizinga, vermittelten nur selten den Antisemitismus des Erasmus. Das änderte sich erst Mitte der 1980-er Jahre.

Prof. Hans Jansen

Prof. Hans Jansen

Professor Hans Jansen ist Autor eines wichtigen und regelmäßig neu aufgelegten Werks in niederländischer Sprache mit dem Titel „Christliche Theologie nach Auschwitz“. Der Untertitel seines ersten Bandes lautet „Die Geschichte von 2000 Jahren kirchlichen Antisemitismus“. Der zweite der beiden Bände trägt den Untertitel „Die Wurzeln des Antisemitismus im Neuen Testament“. Der niederländische Protestant Jansen lehrte Geschichte an der Flämischen Freien Universität in Brüssel (1990 – 2000) und lehrt seit 2002 am Simon-Wiesenthal-Institut in derselben Stadt.

Erasmus beschrieb die Juden mehrmals als „Pest“. 1517 zum Beispiel schrieb er in einem Briefwechsel mit dem Hebraisten und Reformer Wolfgang Fabricius Capito aus Strasbourg: „Nichts ist gefährlicher für die Erziehung des Christen als die übelste Pest, das Judentum.“

Erasmus hat mehrere weitere Obsessionen zum Judentum. Im selben Brief nannte er Hebräisch „eine barbarische Sprache“, wie es der Kirchenvater Hieronimus schon gemacht hatte. 1516 schrieb er in Heronymus‘ veröffentlichten Werken, Häretiker würden den Pöbel gerne täuschen und ihm mit magischen Worten aus dem Talmud und der Kabbala Angst machen. Erasmus war ein leidenschaftlicher Gegner der hebräischen Literatur, die während der Renaissance neu aufgelegt und studiert wurde. Er hatte das Gefühl, die Wiedergeburt des Studiums des Hebräischen und seiner Literatur sei ein Signal für die Wiederbelebung des Judentums.

Erasmus gab einer tiefen Überzeugung Ausdruck, dass denen, die hebräische Literatur studierten, nicht getraut werden könne. Er kritisierte mittelalterliche Kommentare jüdischer Gelehrter zur hebräischen Bibel, die er nicht einmal lesen konnte. Als in Deutschland hebräische Literatur konfisziert und verbrannt wurde, bezog er allerdings keine Stellung. Er wollte die Freiheit der Forscher bewahren. Darüber hinaus hatte er offenbar Angst, dass die katholische Kirche auch einige seiner Bücher verbrennen könnte.

Erasmus hatte zudem eine hysterische Angst vor konvertierten Juden. Er sagte dem Papst, er habe 1517 eine Einladung des Kardinals Ximeres nach Spanien zu kommen abgelehnt. Er wollte keinen Fuß in das, wie er es nannte, „am stärksten judaisierte Land Europas“ setzen. Er hatte dem Kardinal gesagt, trotz seiner großen Bewunderung hätte er wichtige Gründe seine Einladung abzulehnen.

Erasmus war außerdem der Meinung, dass man extrem vorsichtig sein müsse Juden in der christlichen Gemeinde zu akzeptieren. Er betrachtete getaufte Juden als für das Überleben der Kirche und der Christen Europas sogar noch gefährlicher als nicht getaufte. Erasmus sah eine nicht zu überwindende Kluft zwischen Christentum und Judentum. Er fürchtete sogar, dass die Christenheit in Europa durch die Renaissance des Hebräischen und seiner Literatur komplett verschwinden würde.

Erasmus war extrem verärgert, dass der aufgeschlossene Papst Leo X. den berühmten Drucker hebräischer Bücher, Daniel van Bomberghen in Venedig, ermutigt hatte den Talmud zu veröffentlichen. Im Einklang mit der geläufigen Kirchentradition war Erasmus überzeugt, dass ie Kirche die Christen vor Kontakten mit Juden und vor den Gefahren ihrer Texte warnen müsse. Genauso wenig sollte sie tolerieren, dass Juden, Marranen und christliche Hebraisten infolge des aufkommenden Druckerberufs hebräische Schriften in großem Maße verbreiten.

Erasmus schrieb an Capito: „Ich erwäge, dass die Kirche dem Alten Testament nicht so viel Wert zumessen solle. Das Alte Testament behandelt nur die Schatten, mit denen die Menschen eine Zeit lang leben mussten. Das Alte Testament … ist heute fast wichtiger geworden als die Literatur des Christentums. Auf die eine oder andere Weise beschäftigen wir uns emsig damit uns vollständig von Christus zu distanzieren.“ Er sagte, er würde es vorziehen, wenn das gesamte Alte Testament ausgemerzt würde, statt den Frieden unter den Christen über Bücher der Juden zu zerstören.

„Wie kann man Erasmus‘ Hass auf die Juden erklären? Emile Vilemeur Telle sagt in seinem faszinierenden Buch über ihn, dies entstamme einer tiefgehenden Abneigung gegenüber der jüdischen Religion, die Erasmus in seinen exegetischen Werken auf karikaturistische Weise skizziert. Er hegte eine tiefe Verachtung für das Judentums und behauptete, dessen Anhänger glaubten Erlösung durch eine völlig ungeistliche Beachtung der Gesetze Moses, ihrer Riten, Symbole und Regeln zu erreichen. Das bestand aus seiner Sicht in der Erfüllung der Vorschriften zu Essen und denen, die Kleidung, Fasten, den Sabbat und die Feiertage betrafen. Erasmus‘ Kommentar zum Johannesevangelium stellt klar, dass er das Judentum als Anachronismus betrachtete, eine Prophetie, die ihre Erfüllung überlebte, die Verkörperung des Versagens, ein Fossil und so weiter.

In der Diskussion über Europas antisemitische Vergangenheit sind Erasmus‘ Ansichten wichtig. Die Ansichten dieses führenden Humanisten und Persönlichkeit der Renaissance illustriert einmal mehr, dass Antisemitismus sowohl Teil der europäischen Geschichte als auch seiner Kultur ist.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist der ehemalige Vorsitzende des Jerusalem Center of Public Affairs.

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