Enthüllt: USA stoppten während Gaza-Krieg Waffenlieferungen an Israel

27. Oktober 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, USA | 1 Kommentar
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David Hornik, FrontPageMag, 22. Oktober 2014

Am 14. August berichtete das Wall Street Journal, dass im Juli, nachdem Israel die Operation „Fels in der Brandung“ im Gazastreifen begann, Washington Israel damit überrascht hatte, dass es eine israelische Anfrge wegen einer „großen Anzahl Hellfire-Flugkörper“ ablehnte. Hellfires sind eine wichtige Luft-Boden-Präzisionswaffe, passend für die Art Krieg, wie Israel ihn gegen die Hamas und andere Terrorgruppen im Gazastreifen führt.

Jetzt berichtet Amir Rapaport, Reporter-Veteran für israelische militärische Angelegenheiten und Herausgeber der Website Israel Defense:

Die ganze Wahrheit … ist weit schwerwiegender: Offenbar haben die USA während der Operation „Fels in der Brandung“ alle Verbindungen zu Israels Verteidigungs-Beschaffungsdelegation in den USA gekappt. Tage lang konnte nicht ein einziger Poste verschickt werden. Die erwartete Luftbrücke an US-Munition kam nie an ihrem Verschiffungspunkt an.

Die Krise begann rund 10 Tage nach Beginn der Operation „Fels in der Brandung“ in der Folge von Vorwürfen, der Anteil nicht betroffener ziviler Toter am Gazastreifen sei extrem hoch (die IDF hat zugegeben, dass rund die Hälfte aller palästinensischer Toter vermutlich Zivilisten waren, die nicht an den Kämpfen beteiligt waren).

An diesem Punkt reichte der israelische Verteidiungsbetrieb den USA einen Antrag auf verschiedene Munitionstypen vor, darunter Hellfire-Flugkörper, um die schrumpfenden Bestand der ID aufzustocken. …

Die Anweisung die Abarbeitung aller israelischer Anfragen zu stoppen kam von weit oben – vermutlich dem Weißen Haus, u.a. weil Israel die Initiativen von Außenminister John Kerry ignorierte und es vorzog die Operation über einen direkten Kanal mit den Ägyptern zu beenden. Das Außenministerium war über mehrere Monate über Israel verärgert, seit preisgegeben wurde, dass der israelische Verteidigungsminister Mosche Ya’alon Kerry unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „messianisch“ bezeichnet hatte.

Für Washingtons Ingrimm gegen Israel werden hier nicht weniger als drei Gründe angeführt. Bezüglich des ersten – der angeblich hohen Zahl palästinensischer ziviler Opfer – stellte eine noch andauernde Studie des Meir Amit Intelligence and Information Center fest, dass die Quote der Toten bisher tatsächlich bei etwa 50% Kombattanten und 50% Zivilisten beträgt. Damit schneidet Israel im Vergleich mit Raten von drei für jeden Kombattanten in Afghanistan getöteten Zivilisten und vier Zivilisten für jeden Kombattanten im Irak und im Kosovo gut ab.

Was Israels „Ignorieren“ von Kerrys „Initiativen“ angeht, so beinhaltend diese Initiativen die Aushandlung eines Waffenstillstands mit der Hamas über die prima Hilfe der Türkei und Qatars – ein
Schritt, der sowohl von Israel als auch Ägypten stramm abgelehnt wurde, weil sowohl die Türkei als auch Qatar offenkundig pro-Hamas agieren.

Und was Ya’alons Titulierung Kerrys als „messianisch“ angeht, so machte er das im Zusammenhang mit Kerrys Versuchen an einem israelisch-palästinensischen Friedensprozess, in denen die USA sich politisch wie militärisch Ya’alons Autorität als israelischer Verteidigungsminister aneigneten, indem intensiv ein israelischer militärischer Abzug aus dem Jordantal geplant wurde – ein Schritt, den Ya’alon als unvereinbar mit Israels Sicherheit betrachtet.

Jedenfalls nennt Rapaport den Munitionsstopp ein „bedeutendes Traum in den amerikanisch-israelischen Beziehungen die bereits Rückschläge erlebten. Zu weiteren Folgen beichtet er, dass

Innerhalb des israelischen Verteidigungsestablishments dieser neueste Fall zu einer Neubewertung des fast automatischen Verlassens auf einen Lufttransport aus den USA als Teil praktisch jeden Kriegsszenarios geführt hat.

Zu den derzeit in Betrachtung genommenen Maßnahmen gehört … eine massive Wende hin zu in Israel produzierter Munition. Zum Beispiel könnten die von den Amerikanern nicht gelieferten Hellfire-Flugkörper durch solche IAI [Israel Aerospace Industries] ersetzt werden, während Präzisionsmunition von Rafael die Luft-Boden-Waffen aus den USA ersetzen können. Seit der Operation „Fels in der Brandung“ hat die israelische Verteidigungsindustrie bereits dringende Aufträge für Waffen und Munition im Wert mehrere Milliarden Schekel.

Rapaport vermerkt jedoch, dass

die Waffenfrage gegen Ende der Operation „Fels in der Brandung“ gelöst wurde und … trotz der jüngsten Ereignisse die strategischen Verteidigungsbeziehungen zwischen den beiden Ländern auch jetzt noch weitergehen, einschließlich intensiver Geheimdienst-Kooperation. Das US DOD (US-Verteidigungsministerium) und das IMOD (israelische Verteidigungsministerium) machen auch mit zahlreichen gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten weiter und US-Verteidigungshilfe wird ein beträchtliches Element des israelischen Verteidigungsbudgets bleiben, was es Israel ermöglicht so extrem kostspielige System wie das zukünftige Kampfflugzeug F-35 zu erwerben. Die Amerikaner haben außerdem während der Operation „Fels in der Brandung“ ihre Unterstützung für das Projekt Eiserne Kuppel verstärkt…

Alles in allem dürfte diese Begebenheit eine wichtige Lernerfahrung für Israel signalisieren, außerdem einen Schritt zur Reifung als Land: Die Erkenntnis, dass die USA zwar ein Freund und Verbündeter sind, aber kein großer Bruder, auf den man sich in einem Ausmaß verlassen kann, dass man ihm das eigene Schicksal ins seine Hände legt.

Nach Darstellung von Rapaport und anderen überlebt die tief institutionalisierte strategische amerikanisch-israelische Beziehung und gedeiht selbst in der Ära Obamas. Das bedeutet aber nicht, dass eine ideologisch feindselige Administration wie die Obamas Israels Abhängigkeit nicht nutzen wird, um es für vermeintliche Missstände bestraft, selbst wenn – oder besonders – zu einer Zeit, in der Israel angegriffen wird, wie es mit tausenden Hamas-Raketen im letzten Sommer der Fall war.

Da es in der Zukunft durchaus weitere derart ideologisch feindliche oder Israel unfreundlich gesonnene Administrationen geben kann, ist es gut zu wissen, dass Israel sein „fast automatisches Verlassen“ auf US-Luftfrachtlieferungen neu überdenkt und einen „massiven Übergang zu in Israel hergestellter Munition“ überlegt. Es wäre deutlich realistischer.

Von Panzern und Dankbarkeit

12. September 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Israel | Hinterlasse einen Kommentar
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Rena Bierig, Israel HaYom, 8. September 2014

Ich stand vor Beit Geschwer in Jerusalem und wartete darauf einen komplett Fremden zu treffen. Das seltsame daran ist, dass er zwar ein Fremder war, ich aber das Gefühl hatte einen lange vermissten Cousin zu treffen. Ich bemerkte einen Mann, der auf mich zukam.

„Rena?“, fragte er. Ich lächelte. „Aner?“ Ich wusste sofort, dass er es war.

Unser Treffen war das Ergebnis der wahren Kraft des hessed (Taten der Freundlichkeit) und der Bedeutung von Dankbarkeit.

Es begann im Juli, als die Teenager-Teilnehmerinnen von GIVE (Girls Israel Voluteer Experience) einem von der Jugendorganisation der Orthodox Union NCSY organisiertem fünfwöchigen Sommerprogramm, das sich auf hessed konzentriert, in Israel ankamen. Es gab einen drastisch veränderten Reiseplan. Als Beraterin des Programms hatte ich die Aufgabe den Mädchen zu erklären, wie unser gemeinsamer Sommer sich gestalten würde.

Als die Operation „Fels in der Brandung“ weiterlief, behielten wir den größten Teil des Programms bei, änderten aber die Örtlichkeiten um unsere Sicherheit sicherzustellen. Wir unternahmen zusätzlich einige Aktivitäten, um beim „Kriegseinsatz“ zu helfen, Projekte, die dazu dienen sollten dem Geist der Soldaten an der Front im Gazastreifen und der direkt in der Schusslinie befindlichen Familien Auftrieb zu geben.

Einmal waren wir in der schönen Stadt Safed stationiert. Als der Tag begann informierte uns unser Chef-Berater, dass wir den Nachmittag damit verbringen würden Care-Pakete zusammenzustellen, die Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen geschickt würden. Die Mädchen waren sehr aufgeregt wegen dieser Aufgabe und packten rasch die Taschen. Doch sie ließen beträchtlich nach, als es an der Zeit war Dankesbriefe zu schreiben, die die Pakete begleiteten.

Obwohl das als Aktivität für die Mädchen gedacht war, fühlte ich mich verpflichtet einen eigenen Brief zu schreiben.

Im Verlauf des vergangenen Jahres schloss ich meinen Zivildienst ab und hoffte im Oktober Aliyah zu machen. Ich spürte das Bedürfnis eine Verbindung zu den mutigen jungen Männer und Frauen aufzubauen, die für unsere Sicherheit sorgen und von denen viele nicht viel älter waren als ich. Ich verspürte das Bedürfnis selbst zu geben und etwas zu der nationalen Anstrengung beizutragen, um unser Land zu schützen und zu sichern.

Und so schrieb ich einen Brief, zumeist auf Hebräisch, mit ein wenig Englisch am Ende. Ich unterschrieb meinen Brief mit dem hebräischen Ausdruck „ad matai“, was mit „bis dann“ übersetzt werden kann, aber in den israelischen Streitkräften genutzt wird, um auszudrücken, dass der eigenen Dienst nie wirklich beendet ist. Ich schrieb auch meinen Namen und Handynummer dazu.

Wir schickten die Pakete in einem LKW weg, der zur Gaza-Grenze fuhr, in der Hoffnung, dass unsere Notizen ein Lächeln auf die Gesichter der Soldaten bringen würde, die sie erhielten. Wir hätten uns niemals vorstellen können, was dann geschah.

Fast zwei Wochen später erhielt ich einen Anruf von einer Nummer, die ich nicht kannte. Der Anrufer stellte sich als Aner vor, ein im Gazastreifen stationierter Soldat. Er erklärte, dass er meine Notiz erhalten hatte und anrief, um mir für das Care-Paket und meine inspirierende Worte zu danken.

Als wir miteinander sprachen, erzählte Aner mir, wie sehr er die Snacks genoss und wie er sie in seinem Panzer unterbrachte. Unser kleines Paket hatte in seinem Dienst einen großen Unterschied gemacht. Aber am dankbarsten war er für meinen Brief, der ihm täglich Kraft gab.

Ich war sprachlos, was ihm mein Brief bedeutete und stand neben mir, als er vorschlug, dass wir uns treffen, nachdem er aus dem Dienst entlassen wurde, damit er mir passender danken könnte. Ich sagte Aner, dass ich mich freuen würde ihn zu treffen, doch nur so, das sich ihm dafür danken konnte, dass er sein Leben riskierte, um mich zu schützen.

Ich erwähnte auch, dass ich Beraterin in einem Sommerprogramm für eine Gruppe Teenager aus Amerika war, die ohne Aners Schutz nicht in der Lage gewesen wären durch das Land zu touren. Unser Gespräch erreichte sein natürliches Ende und wir sagten Auf Wiedersehen.

Einige Zeit später erhielt ich eine SMS von Aners Nummer. Er übermittelte ein „Dankeschön“ von seiner Frau. An diesem Punkt dämmerte mir, dass vor mir eine wichtige Chance für Lehre lag. Ich schrieb zurück, dass es unser letzter Abend beim GIVE war und bat, ob er kommen und mit den Mädchen über seine Erfahrung in der Armee sprechen könnte und was ihre Pakete bewirkten.

Nach Rücksprache mit seiner Frau sagte er zu, ein paar Minuten mit uns zu sprechen. Und das bringt uns zurück zu Beit Gescher und mein erstes direkte Treffen mit Aner.

Als wir das Gebäude betraten, nahm Aner sein Handy heraus und zeigte mir ein Bild. Ich nahm an, es würde sich um einen niedlichen Schnappschuss seiner Tochter oder ein inspirierendes Foto seiner Einheit vor ihrem Panzer handeln. Stattdessen war es ein Bild meines Briefs auf dem grellgelben Bastelpapier, das im Inneren seines Panzers klebte. Es war kaum zu glauben, dass etwas, das ich in weniger als drei Minuten hingekritzelt hatte, ein in Ehren gehaltenes Andenken war.

Wir sprachen kurz darüber, dass mein Vater auch in der Panzertruppe der IDF gedient hatte und über meine Aliyah-Pläne, bevor wir über unseren Plan für den Ablauf des Abends redeten. Ich sagte ihm, dass ich einen kurzen Abriss des Hintergrunds der Geschichte geben und ihm dann signalisieren würde zu übernehmen.

Am Ende lief alles wie geschmiert und die Mädchen reagierten genau so, wie ich gehofft hatte. Alle 73 starrten mit andächtiger Aufmerksamkeit durch den zweiteiligen, spontanen Vortrag. Und alle 73 gaben meinem neuen Freund Aner und mir stehend Applaus, als wir fertig waren.

Fünf Wochen lang versuchten die GIVE-Mitarbeiter den Mädchen die Wichtigkeit eines einfachen Aktes der Freundlichkeit zu erklären und wir verwickelten sie in mehrere unterschiedliche hessed-Projekte, um das klar zu machen. Aber nichts davon war mit dem Treffen mit Aner zu vergleichen. Er war der lebende, atmende Beweis, dass ein Akt der Freundlichkeit eine starke Auswirkung beim Empfänger, seiner Familie und der gesamten Nation haben kann.

Meine Hoffnung: Dass diese Begebenheit die GIVE-Mädchen – und alle anderen, die diese Geschichte hören – inspiriert ihre Rolle als Handelnde anzunehmen. Wir sehen selten das Resultat eines Akts der Freundlichkeit, aber wir können beruhigt sein, dass jede solche Tat, egal ob groß oder klein, Leben verändert und die Welt voran bringt.

Joe’s World: Propaganda!

7. September 2014 um 14:30 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Karika-Tour, Medien+Nahost, Nahost-Konflikt, Propaganda | Hinterlasse einen Kommentar
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Niederlage in Sderot und die Notwendigkeit strategischen Lernens

2. September 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt | 1 Kommentar
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Dr. Joel Fishman, Times of Israel (blogs), 27. August 2014

Der verstorbene Ze’ev Schiff (1932 – 2007) war ein herausragender Militärkorrespondent für Ha’aretz. Wir haben das enorme Glück in der Lage zu sein, auf seine analytischen Fähigkeiten zurückzugreifen, um den gegenwärtigen heißen Krieg zu verstehen, mit dem Israel beschäftigt ist.

Die Worte Ze’ev Schiffs klingen nach Aufrichtigkeit und Dringlichkeit, was uns das Gefühl gibt, dass er direkt zu uns spricht. Er veröffentlichte seine Analyse am 8. Juni 2007 unter dem Titel „Eine israelische Niederlage in Sderot“. Als er schrieb, lag hauptsächlich Sderot unter Raketenfeuer. Zur Zeit fallen Hamas-Raketen auf die Städte und Siedlungen im Süden, den Küstenstädten und weit darüber hinaus. Sieben Jahre später hat sich die Lage beträchtlich verschlechtert. Das Ausmaß und die Kraft der Hamas-Aggression hat dramatisch zugenommen.

Hier haben wir einige Auszüge aus Schiffs Artikel. Sie vermitteln einen Sinn für seinen Sprachgebrauch und seine Persönlichkeit. Kurz gesagt schrieb Ze’ev Schiff, dass die Hamas Israel in Sderot besiegte und legte sein Gründe dar:

  • Selbst wenn wir Dutzende Male erklären, dass die Hamas unter Druck steht und einen Waffenstillstand möchte, wird das nicht die Tatsache auslöschen, dass in der Schlacht um Sderot Israel faktisch besiegt wurde.
  • Israel erfährt in Sderot etwas, das es seit dem Unabhängigkeitskrieg nicht erlebt hat, wenn überhaupt: Der Feind hat eine ganze Stadt zum Schweigen gebracht und dort das normale Leben lahmgelegt.
  • Die Regierung war nicht erfolgreich dabei das bombardierte Sderot in ein nationales Verteidigungsprojekt zu wenden. Das verstärkt die Einschätzung, dass diese Regierung nicht in der Lage ist die Nation in einer wichtigen militärischen Konfrontation zu führen.
  • Der Feind, der Sderot besiegte, ist eine Terrororgaisation, die militärisch schwach ist, aber angesichts ihrer Schwäche erfolgreich ein Abschreckung vis-á-vis Israel erreicht hat, wie es auch die Hisbollah schaffte. Die Regierung und das militärische Establishment versuchen die Lage mit Ausreden wie der folgenden wegzuerklären versucht: Das sei eine schwierige Schlacht, in der eine große Zahl Palästinenser getötet und Israel große Verluste erleiden würde. Die IDF würde in einer Zeit im Gazastreifen festsitzen, in der die syrische Front wahrscheinlich in Flammen aufgehen wird; die internationale öffentliche Meinung würde eine harte israelische Reaktion ablehnen. Derweil schießt die IDF, wenn Raketen aus bewohnten Gebieten geschossen werden, nicht einmal auf die Abschussorte zurück.
  • Es zählt das Endergebnis, nicht die Erklärungen. Und das Ergebnis besteht darin, dass es gegenseitige Abschreckung zwischen Israel und dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen gibt. Israel findet sich in einem militärischen Patt mit der Hamas wieder. Das ist ein ernstes nationales Scheitern, das meiner Meinung nach schlimmer ist als das Versagen im Zweiten Libanonkrieg.
  • Israels stragetische Tiefe ist (nicht nur geografisch) gering. Wenn Israel das, was im Gazastreifen geschieht, in der Westbank passieren sollte, wären wir wieder in einer Situation wie der des Unabhängigkeitskriegs und dazu würde die Vertreibung von Terrorhelfern gehören.

Es ist offensichtlich, dass Israel den Feind nicht besiegen kann, indem es dieselben Maßnahmen dupliziert, die im Verlauf der letzten Jahre fehlgeschlagen sind. Es ist nötig einen Prozess des „strategischen Lernens“ zu beginnen, um sich von den Fehlern der Vergangenheit zu lösen. Strategisches Lernen ist ein Prozess, über den ein Land seine strategischen Ziele auf der Grundlage ständiger Evaluation ändern kann. Gleichzeitig sollte man sich erinnern, dass im Geschäftsmanagement die Maßnahme einer soliden Entscheidung darin besteht, dass ein Problem langfristig gelöst wird, was die Notwendigkeit beseitigt Buschbrände zu löschen.

Heute – 2014 – kämpfen wir denselben Krieg, den Schiff 2007 beschrieb. Das beweist, dass Ariel Sharon und Ehud Olmert in ihrer Entscheidungsfindung erfolglos waren. Daher können wir die aktuelle Regierung nicht völlig für die jetzige Situation und falsche Doktrin verantwortlich machen, die sie geerbt hat. Das akzeptierte Denken des israelischen Verteidigungsestablishments hat darin bestanden, die Situation im Süden Israels sei im Wesentlichen handhabbar. Es würde zyklische Kämpfe mit der Hamas geben, doch in den ruhigen Intervallen dazwischen würden beide Seiten die Gelegenheit nutzen sich auf die nächste Runde der Gewalt vorzubereiten.

Israel entwickelte die Eiserne Kuppel und die Hamas grub Tunnel. Das ist keine Lösung und wenn die aktuelle Regierung wirklich eine Verbesserung anstrebt, muss sie sich von der Falle des fehlgeleiteten Denkens, der geerbten „Conceptsia“ lösen.

Was zählt, ist das Endergebnis, nicht die Erklärungen. Wir müssen in einen Prozess des strategischen Lernens eintreten, der langfristige politische und militärische Lösungen zum Ergebnis haben wird. Für die israelische Öffentlichkeit ist es offensichtlich geworden, dass Improvisation gescheitert ist. Es ist an der Zeit, dass etwas klares Denken einsetzt.

(Zuerst auf der hebräischssprachigen Internetseite Mid’a, 26. August 2014, veröffentlicht.)

Schon wieder?

1. September 2014 um 14:30 | Veröffentlicht in Israel, Karika-Tour, Nahost-Konflikt | Hinterlasse einen Kommentar
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DryBones, 29. August 2014

Sag’ nicht, es sei nicht so!

UNO-Landkarten zu Zerstörungen in Gaza

27. August 2014 um 13:00 | Veröffentlicht in Nahost-Konflikt, UNO | 1 Kommentar
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von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 19. August 2014 (direkt vom Autor)

Mit großem Aufwand hat die UNO-Unterorganisation „OCHA“ (Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten) Landkarten vom Gazastreifen geschaffen, auf denen jedes zerstörte Haus, jeder Bomben- oder Raketenkrater als roter Punkt eingetragen ist. Die Fleißarbeit wurde aufgrund eines Vergleichs von Satellitenaufnahmen geleistet, die am 6. Juli, vor Beginn der israelischen Operation, und Aufnahmen aus der Zeit zwischen dem 1. und 14. August aufgenommen worden sind.

Der „Gaza-Krisen-Atlas“ kann im Internet eingesehen werden. Er teilt die 360 Quadratkilometer des Gazastreifens in 108 Rasterquadrate auf. Auf Satellitenaufnahmen von „davor“ und „danach“ sind Schulen, Krankenhäuser, Moscheen, Hotels und andere öffentliche Gebäude mit Namen gekennzeichnet.

Auf Anfrage im Hauptquartier von OCHA im „okkupierten palästinensischen Ostjerusalem“ hieß es, diese Landkarten sollten Hilfsorganisationen ermöglichen, den bestehenden Schaden zu ermessen und Wiederaufbaumaßnahmen einzuleiten.

Unklar bleibt, unter welchen Umständen die Gebäude zerstört wurden, deren Trümmer auf den „danach“ Bildern gut zu erkennen sind. Neben israelischen Bomben wären als Ursache für die Zerstörung auch Nachexplosionen palästinensischer Munitionslager oder frühzeitig explodierte Raketen der Hamas denkbar. Dazu OCHA: „Es gehörte nicht zu unserem Mandat, festzustellen, wer den Schaden angerichtet hat, Israelis oder Palästinenser.“

Die israelischen Siedlungen, die nach dem Rückzug Israels 2005 zerstört wurden, sind zwar auch Trümmerfelder. Doch an den Stellen sind die Landkarten der UNO so unscharf, dass die Siedlungen lediglich anhand der Straßen erkennbar sind – und das auch nur, wenn man deren Lage kennt.

Da die UNO nur Schäden registriert hat, ohne deren Ursachen zu ermitteln, lässt sich nur erahnen, wo Raketenabschussrampen der Hamas von der israelischen Luftwaffe gezielt ausgeschaltet worden sein könnten. Einzelne Gewächshäuser wurden offensichtlich zu Zielen, weil dort Abschussrampen versteckt waren. Auffällig sind dichte Trefferquoten auf Dünen oder Feldern, die sich nur erklären lassen, wenn es dort Hamas-Stellungen gegeben hat. Die OCHA-Sprecherin erklärte, dass auch Bäume und die Landwirtschaft Schaden erlitten hätten, insgesamt angeblich 450 Millionen US-Dollar. Auch dafür sollten Geberländer aufkommen.

Das Flüchtlingslager Rafah am Südende des Gazastreifens scheint so gut wie keinen Treffer erhalten zu haben. Direkt daneben entlang der Grenze zu Ägypten ist der Landstreifen aber mit roten Punkten dicht gespickt. Offensichtlich hat die Luftwaffe Israels dort unterirdische Schmugglertunnel angegriffen. Etwas nördlich von Rafah, nahe Khan Younis, kann man einige Felder ohne Wohnhäuser sehen, die ebenfalls viele Treffer erhalten haben, während angrenzende Gebiete unberührt sind.

Die Behauptung, dass es in dem kleinen und angeblich so dicht besiedelten Gazastreifen keine „sicheren Orte“ gebe, wird durch diese Landkarten visuell widerlegt. Je mehr man sich der israelischen Grenze nähert, umso dichter ist die Kennzeichnung von Schäden.

An manchen Stellen sind in gerader Linie zerstörte Straßenzüge erkennbar. Das könnten Häuser über den sogenannten Angriffstunnels der Hamas sein, die von den Israelis nach ihrer Entdeckung mit Sprengstoff gefüllt und gesprengt wurden. In so einem Fall wurden natürlich auch die darüber liegenden Häuser zerstört. Allerdings dürften bei diesen Aktionen kaum oder keine Palästinenser ums Leben gekommen sein, da sie rechtzeitig gewarnt wurden. Manche dieser Häuser waren zudem vermint, als Sprengfalle für israelische Soldaten.

Auffällig ist, dass es in dicht bewohnten Gebieten der meisten Städte wie Gaza, Rafah oder Khan Younis nur wenige, offensichtlich gezielte Bombardierungen gegeben hat. Spuren von Flächenbombardements, etwa vergleichbar mit dem deutscher Städte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, sind auf den Landkarten nicht zu entdecken. Offensichtlich werden in den Medien nur die Bilder der Trümmer verbreitet, nicht aber die der unberührten Wohnviertel.

Nur wenige Krater oder zerstörte Häuser sieht man in der Muwassi-Gegend im Süden, wo Beduinen von der Landwirtschaft leben. Die Luftaufnahmen des Gazaflusses oder des Flughafens von Dahanijah sind auf den UNO-Karten nicht als Luftaufnahme im Original belassen, sondern wurden aus unerfindlichen Gründen übermalt. Die OCHA-Sprecherin hatte dafür keine Erklärung.

Kurios sind einige rote Punkte im Mittelmeer, die Explosionen bezeugen, durch die schlimmstenfalls ein paar Fische Schaden genommen haben. Den palästinensischen Fischern war während des Krieges untersagt, aufs Meer hinaus zu fahren.

Die Organisation „OCHA“ ist als „Büro für die Koordination humanitärer Angelegenheiten“ dem Sekretariat der Vereinten Nationen unterstellt und mit 2000 Angestellten in 30 Ländern tätig. Die „okkupierten palästinensischen Gebiete“ sind offenbar ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. So hat die Organisation bislang keine vergleichbaren Landkarten zu den unermesslichen und mit dem Gazastreifen kaum vergleichbaren Zerstörungen in Libyen, Syrien oder dem Irak veröffentlicht.

(C) Ulrich W. Sahm

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