Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (09.-15.03.2014)

15. März 2014 um 22:30 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost, Friedensinitiativen, Israel, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
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Sonntag, 09.03.2014:

Auf dem aufgebrachten Schmuggelschiff fanden die Israelis 40 Raketen (Typ M-302, Reichweite 160km), 180 Mörsergranaten und rund 400.000 Kugeln Kaliber 7,62mm.

Heckmeck:
- Mahmud Abbas stellte wieder klar: keine „Siedlungsblöcke“, kein jüdischer Staat. Und die „Rückkehr“ von mehr als 5 Millionen „Palästinensern“ nach Israel. Frieden! (Friedhofsfrieden durch Vernichtung Israels und seiner Juden.)
- Nabil Al-Araby, Generalsekretär der Arabischen Liga, forderte alle arabischen Staaten auf sich der Forderung nach Anerkennung Israels als jüdischem Staat zu widersetzen. Die Forderung sei ein Versuch die diplomatischen Verhandlungen zwischen den beiden Seiten zu untergraben.
- Premierminister Netanyahu sagte erstmals selbst, dass er eine Zwangsräumung der „Siedlungen“ in der „Westbank“ ausschließt. Was mit Israelis in Gemeinden geschieht, die jenseits der zu ziehenden Grenzen zwischen Israel und „Palästina“ liegen, müsse abgewartet und verhandelt werden.
- Die PA-Zeitung Al-Quds behauptet eine US-Außenamtssprecherin habe gesagt, die israelische Forderung nach Anerkennung als jüdischer Staat sei nicht entscheidend für die Friedensgespräche; die Berichte der Sprecher des Außenministeriums zeigen allerdings keinerlei derartige Äußerung.

Montag, 10.03.2014:

Die Hamas enthüllte in Gaza eine Raketen-Statue und kündigte an in einer nächsten kriegerischen Auseinandersetzung auch den israelischen Norden zu beschießen.

Dienstag, 11.03.2014:

Der Revolutionsrat der Fatah begrüßte (enthusiastisch) die Weigerung von Mahmud Abbas Israel als jüdischen Staat anzuerkennen.

Bei einer Explosion bei Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen wurden mehrere Menschen getötet; der Grund für die Explosion ist unklar, Quellen sagen aber, es handelte sich nicht um einen IDF-Angriff.

Mittwoch, 12.03.2014:

Seit Beginn des Jahres 2014 schossen Terroristen 70 Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel. Seit 2001 waren es mehr als 12.800 Raketen! Im Schnitt ist im Verlauf des letzten Jahrzehnts alle 7 Stunden eine Rakete in Israel eingeschlagen.

Al-Arabiya behauptet, dass heute mindestens 130 Raketen auf Israel geschossen wurden.

Ein Video aus dem Gazastreifen zeigt, dass die heutigen Raketen aus zivilen Gegenden geschossen wurden.

Blödsinn: David Cameron ist in Israel zu Besuch und gab als erstes schonmal von sich, dass die Erzielung eines Friedenshandels mit den Palästinensern für die Welt „aboslut lebensnotwendig“ sei.

Die EU droht wieder: Israel soll die Blockade des Gazastreifens lockern oder „ernste Konsequenzen“ zu spüren bekommen. Israel sei hauptverantwortlich für die humanitäre Lage im Gazastreifen. (Also auch für die von Ägypten zerstörten Schmuggeltunnel, das wird ausdrücklich erwähnt!)

Nach dem massiven Raketenterror von heute sagte Netanyahu, dass es im Gazastreifen „eine Menge Lärm“ geben wird, sollte es keine Ruhe für den Süden Israels geben; die Hamas verspricht „Widerstand“ (also Terror).

Die Hamas ließ der Agence France Presse gegenüber wissen, dass Israel im nächsten Krieg mit fortschrittlichen Raketen „zugedeckt“ würde.

Heckmeck:
- John Kerry gibt zu, dass das Misstrauen zwischen Israelis und Palästinensern enorm ist; dennoch ist er zuversichtlich, dass „irgendeine Vereinbarung“ erreicht werden kann.
- Mahmud Abbas: Im Fall einer Einigung mit Israel wird es eine Volksabstimmung geben – aber nicht unter den PalArabern vor Ort, sondern weltweit. Außerdem bekräftigte er wieder mal sein Nein zu einem jüdischen Staat.

Donnerstag, 13.03.2014:

Von Mahmud Abbas kommt natürlich, dass Israel die „Situation im Süden eskaliert hat“ – die Terrorraketen ignoriert er geflissentlich. Später – gegenüber David Cameron – „verurteilte“ er dann „alle militärische Eskalation, einschließlich Raketen“.
Von der Hamas kommt natürlich derselbe Müll – „alle Gaza-Fraktionen“ hätten einer Waffenruhe zugestimmt, die „das zionistische Gebilde“ aber verletzt habe. (Der übliche Schwachsinn: Wir schießen, dann sagen wir „Waffenruhe“ – und wenn Israel die nicht einhält, dann ist das die Eskalation.)
Die Terroristen vom Palästinensischen Islamischen Jihad behaupteten auch, Ägypten habe eine Waffenruhe vermittelt, die um 14 Uhr Ortszeit in Kraft treten sollte. Israel bestreitet dies: „Ruhe wird mit Ruhe beantwortet.“ (Nach Beginn der „Waffenruhe“ gab es direkt wieder 2 Raketen…) Zudem geben sie Fotos einer Explosion in New York als Werk ihrer Raketen aus.

Der Palästinensische Islamische Jihad forderte Israel auf „aus unserem Land zu verschwinden“ – womit ganz Israel gemeint ist.

Ein offizieller Vertreter der PA nannte Israelis im offiziellen PA-Fernsehen „ein hochentwickeltes Instrument des Bösen ohne Glauben, ohne Prinzipien“. „Allah wird sie sammeln, damit wir sie töten können.“

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte die Raketenangriffe auf Israel, forderte dieses aber besonders zu „Zurückhaltung“ auf (dann forderte er diese „von beiden Seiten“).

Ein Politik-Professor in Gaza verkündete, dass „beide Seiten Botschaften schicken, dass sie keine unbeschränkte Konfrontation suchen“. Die Hamas wolle lediglich Aufmerksamkeit. Beweis: Die Raketen schlugen größtenteils in offenem Gelände ein und die israelischen Gegenschläge trafen Terrorlager, nachdem diese geräumt wurden.

David Cameron, selbsterklärter Freund Israels: Eine Vereinbarung zwischen Israel und den Palästinensern ist möglich; die humanitäre Lage im Gazastreifen ist eine Katastrophe; israelische Führungspolitiker sollten „unpopuläre Maßnahmen“ treffen.

Die IDF stationierte zwei Batterien Eiserne Kuppel bei Beer Sheva und Aschdod; außerdem wurden Luftwaffen-Reservisten einberufen.

Die Al-Aqsa-Märtyrerbrigaden (Fatah, Abbas‘ Truppe!) beansprucht in einer Veröffentlichung 4 der gestrigen Raketen für sich. Dabei bezeichnen sie Zionisten/Juden als „Söhne von Affen und Schweinen“.

Heckmeck:
- Mahmud Abbas „wartet immer noch“ auf eine Ausgabe des Kerry-Rahmenplans.
- Die Raketen im Süden werden die „Friedensgespräche“ wohl nicht scheitern lassen.

Freitag, 14.03.2014:

Heckmeck:
- Mahmud Abbas lässt wissen, dass er bisher noch keine Anfrage zur Verlängerung der Gespräche mit Israel bekommen hat. Auf einmal behauptet er aber, dass er das nicht ablehnt, sondern eine Anfrage gründlich überdenken würde.
- John Kerry findet auf einmal, es sei ein Fehler, dass Israel die Anerkennung als jüdischer Staat durch die Palästinenser verlangt. (Im Januar gab er das noch als Pflichtpunkt an.)

Samstag, 15.03.2014:

Terroristen aus dem Sinai gaben bekannt, dass ein Terrorist starb, der für einen Anschlag auf Israelis mit 8 Toten in Eilat im Jahr 2011 verantwortlich war; er wurde mit seinem Auto in einen Unfall verwickelt wurde, bei dem der von ihm transportierte Sprengstoff explodierte.

Zur Erinnerung: die „täglichen Vorkommnisse“ (verhinderte Terroranschläge, versuchte Morde usw.) finden sich auf der Seite „Friedfertigkeiten 2014“; die humanitären Lieferungen und Maßnahmen Israels unter „Humanitäres“ (beides in der Sidebar zu finden).

Britische linke Medieneinseitigkeit gegen Israel*

9. Dezember 2013 um 15:13 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost, Medien+Nahost | Hinterlasse einen Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Zvi Shtauber (direkt vom Autor)

Als ich in London ankam, war ich nicht auf den antiisraelischen Hass vorbereitet, der in Europa existiert. Meine Treffen mit der britischen Linken waren ein böses Erwachen.

ZviShtauber

Zvi Shtauber

Nach seinem Aufenthalt in London holte er seine Erinnerungen an die linken Medien hervor: Die linke, antiisraelische Einseitigkeit in gewissen Medien war fast irreversibel. Ich fragte einen Redakteur des Guardian: „Waren Sie während der Verhandlungen in Camp David für Israel?“ Er sagte: „Oh nein.“ Ich fuhr fort und fragte nach: „Warum zitieren Sie immer israelische Extremisten – Siedler oder Rechte – statt Sprecher des Mainstream?“ Er verteidigte sich: „Viele unserer Autoren sind Juden.“ Das zeigte, dass er nicht viel über die britische jüdische Gemeinschaft wusste und außerdem die Stereotype glaubte, dass jeder Jude proisraelisch ist. Gegen Israel zu schreiben bringt die eigene Karriere voran. Suzanne Goldenberg, damals die Korrespondentin des Guardian in Israel, erhielt mehrere Journalismuspreise.

Simon Kelner, damals Chefredakteur des Independent, ist Jude. Seine Zeitung veröffentlichte eine extrem antisemitische Karikatur von Dave Brown, die den ehemaligen Premierminister Ariel Sharon als Kinderfresser zeigte. Ich fragte Kelner, ob der Independent jemals eine ähnliche Karikatur einer anderen öffentlichen Person veröffentlichte. Er musste achtzehn Jahre zurückgehen, um eine ähnliche zu finden. Tim Benson, Präsident der Political Cartoon Society, die Browns Karikatur als beste des Jahres 2003 auswählte, sah an Browns preisgekrönter, rassistischer Zeichnung nichts Falsches. Im gleichen Jahr wurde der Independent im Vereinigten Königreich wieder als „Zeitung des Jahres“ ausgezeichnet.

Der New Statesman ist das Flaggschiff der Mainstream-Linken. Anfang 2002 veröffentlichte er eine Titelgeschichte über die Macht der zionistischen Lobby in England. Sie brachte einen goldenen Davidstern, der die britische Flagge durchstach und der Artikel hatte die Überschrift „Eine koschere Verschwörung“. Ich ging auf die Internetseite der Zeitung und dachte einen Moment lang sie gehöre dem Ku-Klux-Klan. Sie bot eine Liste aller jüdischer Leiter großer Firmen und Parlamentsmitglieder. Sie nannte außerdem die jüdischen Adligen und ihre ursprünglichen Namen. Es gab darüber hinaus eine zehnseitige Liste mit Texten angeblich jüdischer Quellen, die Hass und das Töten von Nichtjuden befürworten.

Die zu Israel eingesetzte Sprache in verschiedenen britischen Medien würde mit Bezug auf keine andere Minderheit in Großbritannien verwendet. Das verstärkt die Trends des antisemitischen Verhaltens. Sie lässt über folgendes nachdenken: Wenn mutmaßlich ehrenwerte Europäer Israel verunglimpfen, warum sollten die Araber Frieden mit Israel schließen? Zumal, wenn Europäer Lügen auf arabischen Internetseiten lesen, dass Israelis Wasser vergiften und AIDS verbreiten.

Die BBC ist ein eigenes Problem. Im Verlauf der Jahre hatte ich endlose Diskussionen mit ihnen. Jeder Zuschauer, der über einen längeren Zeitraum die Informationen der BBC zu Israel ansieht, bekommt ein verzerrtes Bild. Das entstammt nicht einer einzelnen Sendung hier oder da. Es entstammt aus der Sendemethode der BBC. Wenn sie über Israel berichtet, zeigt sie gewöhnlich im Hintergrund die Moschee auf dem Tempelberg, die dem Zuschauer den Eindruck vermittelt, dass Jerusalem vorwiegend muslimisch ist.

Als Sharon zum Premierminister gewählt wurde, fiel mir auf, dass die BBC von ihm als „starkem Mann des Militärs“ sprach. Ursprünglich glaubte ich dieser Ausdruck würde nur einmal genannt werden. Sie setzten das mehrere Monate lang fort. Ich kontaktierte sie und fragte, ob sie Pakistans Präsident Musharraf als „starken Mann des Militärs“ bezeichnen, da er durch einen Militärputsch an die Macht kam. Das machten sie nicht. Ich fragte dann, zum wem sonst sie diese Terminologie nutzten und sie konnten niemanden nennen.

Es war eine fast tägliche Aufgabe auf die Verzerrungen der BBC zu Israel zu reagieren. Sie legten großen Wert darauf Saddam Hussein „Präsident“ zu nennen. Statt „Premierminister Sharon“ sagten aber immer „Sharon“.

Mehrere Schlüsselpositionen der BBC werden von Linksextremen gehalten. Die BBC veröffentlichte ihre Personalsuche-Anzeigen im Guardian, womit sie Journalisten mit einem bestimmten Hintergrund rekrutieren. Den Guardian kauft das linke Publikum. Für viele dieser Menschen ist man als Israeli schon schuldig geboren.

In den Medien gibt es keine Grenzen für die Idiotie, mit der man konfrontiert wird. Viele junge Journalisten hören dem nicht zu, was man ihnen sagt. Die von ihnen vorbereiteten Berichte sind oft unprofessionell. Das ist aber nicht nur eine Frage der Unerfahrenheit dieser Leute. Kurz nachdem ich in London ankam, kam der Vorstand einer Journalistenvereinigung zu mir zu Besuch. Einer der fünf ehrbaren Besucher, ein sehr wichtiger Journalist, bat mich: „Wir möchte Ihre Zusicherung, Herr Botschafter, dass es nicht die offizielle Politik der Regierung Israels auf Journalisten zu schießen.“ Ich sah ihn an und wusste kaum, was ich sagen sollte.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

* Gekürzt aus: Manfred Gerstenfeld: Israel and Europa: An Expanding Abyss? Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs, Adenauer-Stiftung), 2005, S. 183-192.

Ein offener Brief an William Hague von Tante Mindy

5. Dezember 2013 um 15:15 | Veröffentlicht in Europa+Nahost, Geistesgrößen, Geschichte | Hinterlasse einen Kommentar
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Daniel Rose, The Times of Israel blogs, 19. November 2013

Britischer Jude zu sein ist ein echter Spaß. Wir sind eine lautstarke, stolze und leidenschaftliche Truppe. In der Tat sind wir so laut, dass wir nicht zu hören scheinen, wenn uns gesagt wird, dass wir im Kontext des jüdischen Volks eine winzige Truppe aus der tiefsten Provinz sind, da dieses Volk – seien wir ehrlich – eigentlich nur in Israel und den USA zu finden ist. Wir lieben unsere britische Kultur, unseren Tee, unseren Fußball und Cricket und sogar unsere Queen. Doch wir vertrauen niemals unserer Regierung und wir sind uns unseres Platzes in der britischen Gesellschaft nie sicher.

Im Verlauf vieler Jahre der Erfahrung als Lehrender von Schülern aus den USA und Großbritannien, nach ihrem Schulabschluss ein Jahr in Israel verbringen, nach der Diskussion und erforschen von Identitätsfragen, habe ich wieder und wieder die Spannung gesehen, die die Lösung der Scherzfrage „Bin ich ein amerikanischer Jude oder ein jüdischer Amerikaner?“ für junge amerikanische Juden beinhaltet. Diese Spannung gibt es für die Parallelfrage „Bin ich ein britischer Jude oder ein jüdischer Brite?“ weitgehend nicht. Weil ich glaube, dass wir instinktiv begreifen, dass unsere Kernidentität jüdisch ist. Und ich glaube, das liegt daran, dass amerikanische Juden sich als Partner in der laufenden Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft fühlen, britische Juden aber nicht.

Nehmen Sie zum Beispiel meine Eltern. Leute, von denen ich glaube, dass sie nie Aliyah machen werden. Sie werden aber offen zugeben, dass sie sich in Britannien nie wirklich Zuhause fühlten und kein Problem damit haben zuzugeben, dass ihre nationale Loyalität eher bei Israel als bei Großbritannien liegt. Keine Überraschung, dass ihre Kinder dann beide Aliyah machten!

Wenn also der britische Außenminister William Hague sich Präsident Obama und er US-Außenpolitik anschließt und erklärt, dass Großbritannien auf Israels Seite steht, was das Recht seine Bürger vor der Bedrohung durch die Hamas verteidigt, sind wir alle irgendwie angenehm überrascht. Und dann, wenn er nahtlos dazu übergeht Israel mit der Hamas gleichzusetzen, wenn er beide Seiten dazu aufruft zu deeskalieren und ihr Äußerstes für den Schutz zivilen Lebens zu geben, zuckt niemand von uns auch nur überrascht mit den Wimpern.

Aber dann entschied sich Mr. Hague Israels, Regierung den Köder des Mitgefühls der internationalen Gemeinschaft anzubieten – ein Versuch sie von davon abzubringen mit Bodentruppen in den Gazastreifen zu gehen. Dieselbe internationale Sympathie war 1945 derart offenbar, dass Herrn Hagues Vorgänger, der berüchtigte Ernest Bevin, sich entschied dieses Mitgefühl zugunsten des MacDonald-Weißbuchs von 1939 aufrecht zu erhalten und die in Heimatlosen-Lagern in Europa vor sich hinrottenden 200.000 Überlebend davon abzuhalten in ihre Heimat zu kommen. Was für eine Chutzpe, Mr. Hague.

Aber jetzt haben Sie Tante Mindy (eine Tante meiner Frau) aufgebracht, eine Dame, mit der man es sich nicht verscherzen darf!

Sehen Sie, was die Juden vielleicht von den Briten unterscheidet, ist ein immer vorhandenes Bewusstsein der Geschichte und geschichtlichen Kontextes. Die Briten scheinen bereit und willens zu sein das zu aufzugeben und sich auf den verzerrten Kontext der sehr jungen Vergangenheit zu konzentrieren. Wir sehen das immer wieder an der Art, wie die BBC aus dieser Region berichtet und an den politischen Statements und der Politik der britischen Regierung. Doch wir Juden, wir können die Geschichte nicht ignorieren … und werden es nicht. Wir nehmen historischen Kontext mit der Muttermilch auf. Von einer Generation zur nächsten weitergegeben, von Eltern an die Kinder – auch von Tante Mindy.

Bitte nehmen sie sich einen Moment Zeit, Mr. Hague, und lesen Sie, was unsere Tante Mindy von Ihren jüngsten Äußerungen hält. Denn so sehen wir es alle.

Sehr geehrter Mr. Hague,

Sie haben erklärt, wenn Israel versucht seine Bevölkerung durch eine Bodenoffensive im Gazastreifen zu verteidigen, dann „riskiert es das Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft zu verlieren“.

Lassen Sie mich Ihnen etwas zum Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft sagen, Mr. Hague. Mein Vater wurde 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit; er hatte seine gesamte Familie verloren, damals aber das Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft gewonnen. Nachdem 6 Millionen Juden durch die Hände des Nazi-Regimes vernichtet worden waren, hatte die internationale Gemeinschaft jede Menge Mitgefühl für das jüdische Volk. Es gibt immer jede Menge Mitgefühl für Opfer.

Israel braucht das Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft nicht.

Es muss seine Bürger verteidigen.

Als es als winziges Land 1948 unabhängig wurde, musste es 800.000 Juden aufnehmen, die aus den arabischen Ländern des Nahen/Mittleren Ostens geworfen wurden; das machte es ohne Aufhebens und mit Würde, gab ihnen Unterkunft und einen sicheren Ort, an dem ihre Kinder aufwachsen konnten, um produktive Bürger zu werden.

Als Jordanien, Ägypten, der Libanon und Syrien 1948 und erneut 1967 versuchten Israel zu vernichten, nahmen sie Hunderttausende palästinensischer Araber auf, aber gaben sie ihnen Würde und Unterkunft? Nein, sie ließen sie in Flüchtlingslager verrotten, um ein Symbol der Klage gegen Israel beizubehalten und sie als politisches Werkzeug gegen den jüdischen Staat zu benutzen. Aus diesen Lagern ist eine komplizierte Lage entstanden, aber das ist das, was zum heutigen Gaza führte.

Belehren Sie mich als nicht über das internationale Mitgefühl, Mr. Hague. Nicht, wenn Israel mit der ihm größtmöglichen militärischen Präzision nur auf Terroristen und ihre Basen schießt und sein Möglichstes gibt zivile Opfer zu verhindern.

Belehren Sie Israel nicht zu internationalem Mitgefühl, Mr. Hague. Nicht, wenn die palästinensischen Medien bewusst Bilder von Opfern des syrischen Bürgerkriegs benutzen und als Opfer in Gaza präsentieren, um internationales Mitgefühl zu gewinnen.

Gehen Sie und lesen Sie Geschichtsbücher, Mr. Hague, sehen Sie, dass seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts alles, was die Araber tun wollten, Israel zu vernichten war. Sehen Sie sich das Land Israel an, seit die Juden dort einen Staat aufgebaut haben. Lesen Sie, welche Fortschritte in Wissenschaft, Medizin, Biotechnologie, Landwirtschaft und High Tech Israel entwickelt hat und wie es dieses Wissen dem Versuch gewidmet hat die Welt einen besseren Ort für die Menschheit zu machen. Können Sie sich irgendein anderes Land vorstellen, dass 60 Jahre kontinuierlich angegriffen wurde und trotzdem so viel erreicht hat?

Also, Mr. Hauge, belehren Sie Israel nicht über internationales Mitgefühl. Israel wird tun, was immer nötig ist, um sich gegen klare Angriffe auf seine Bürger zu verteidigen, ob diese nun von der Hamas, der Hisbollah, dem Iran oder sonst einem Land oder einer Terrorgruppe kommen.

Und wenn es dabei das Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft verliert, dann bitte, einverstanden. Wir brauchen das Mitgefühl der internationalen Gemeinschaft nicht. Wir brauchen keine weiteren 6 Millionen Opfer.

Hochachtungsvoll

Mindy Wiesenberg

Europa verliert die Geduld

2. Juli 2013 um 14:21 | Veröffentlicht in EU-Europa, Europa+Nahost, Geschichte | 2 Kommentare
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Dan D. Aridor, Gatestone Institute, 25. Juni 2013

Das Europa des Mr. Hague verliert nicht die Geduld; es verliert die Nerven, seinen Charakter, seine Werte, sein Zuhause.

Ende Mai diesen Jahres gab der britische Außenminister William Hague eine Äußerung ab: „Europa verliert die Geduld“. Es gibt eine ganze Menge Gründe dafür, aus denen Minister Hague eine solche Erklärung hätte abgeben können:

  • Ein britischer Soldat wurde auf der Straße ermordet; auch in Frankreich wurde ein Soldat ermordet. Beide Angriffe scheinen Hass-Verbrechen von Muslimen gegen Christen zu sein.
  • 60.000 britische Frauen wurden genital verstümmelt – durch ein Ritual, das von Muslimen praktiziert wird. 20.000 weitere sind in unmittelbarer Gefahr gezwungen zu werden, dieser Prozedur unterzogen zu werden.
  • In Ägypten machen Muslime Jagd auf die Ureinwohner des Landes, die christlichen Kopten.
  • In Syrien haben die Gräueltaten durch den Einsatz von Chemiewaffen ein neues Hoch erreicht. Die Zahl der Todesopfer im Bürgerkrieg geht auf die 100.000 zu.
  • In Saudi-Arabien werden Frauen diskriminiert und eine Kultur von Frauen als Sexsklavinnen blüht auf.
  • Eine wichtige Persönlichkeit der PA, Jibril Rajoub, hat gerade erklärte, dass Palästinenser, wenn sie denn könnten, Israel mit Atomwaffen angreifen würden. Von keinem palästinensischen Politiker war eine Verurteilung oder Zurückweisung zu hören.
  • In Mauretanien gibt es immer noch Sklaven; in Indonesien werden Menschen immer noch mit dem Stock geschlagen; der Iran hängt Homosexuelle an Kränen; in der Türkei sitzen mehr Journalisten im Gefängnis als in jedem anderen Land, einschließlich dem Iran und Nordkorea; Saudi-Arabien verweigert Frauen Bewegungsfreiheit, gestattet nicht, dass Bibeln ins Land mitgebracht werden und es gibt keine Gleichberechtigung vor dem Gesetz, beim Eigentumsrecht, keine freie Meinungsäußerung, keine freie Presse und keine freie Religionsausübung.
  • In Großbritannien und überall in Europa werden israelische Sprecher, jüdische Studenten oder einfach nur Juden regelmäßig angegriffen; die Art kann man als die neuen „Braunhemden“ Europas beschreiben. (Gelegentlich geschieht das auch an amerikanischen und kanadischen Universitäten.)

Minister Hagues Kommentare richteten sich allerdings gegen Israel und die Siedlungen. Hague verfehlte es vermutlich nur durch Zufall sich daran zu erinnern, dass die meisten Araber – sowohl in der PA und der Hamas-Charta sowie mit allen Landkarten Palästinas, die derzeit bei ihnen in Gebrauch sind – den gesamten Staat Israel als eine große „Siedlung“ betrachten. Hage gab diese Kommentare während seines Besuchs in Israel Ende Mai ab. Was Minister Hague offenbar verurteilt ist die Siedlung des jüdischen Volkes in seiner historischen Heimat – dessen Schaffung das britische Empire zu verhindern versuchte, trotz der San Remo-Vereinbarung von 1920 (ein internationales Treffen, an dem Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan teilnahmen, wo unter anderem die Balfour-Erklärung übernommen wurde). Das britische Mandat für Palästina gründete auf den Entscheidungen von San Remo und sollte in Palästina eine jüdische Heimstatt schaffen.

Anscheinend sind es also nicht Hass-Verbrechen überall in der muslimischen Welt, in arabischen Ländern oder in Sharia-Enklaven in Großbritannien oder gar in London, die Minister Hague erzürnen.

Das jüngst Hass-Verbrechen, die Enthauptung eines britischen Soldaten in London, trieb einen der die politische Korrektheit am stärksten unterstützenden Vertreter unserer Zeit – den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair – endlich dazu zu sagen, was niemand sonst zu sagen wagt: dass es ein „Problem mit dem Islam“ gibt.

In einem Schritt, der an Nazideutschland erinnert, ist das von den Herren Cameron und Hague geführte Großbritannien Teil wachsender Bemühungen in der Europäischen Union aus den Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinien von 1949 – wo das Schießen endete, nachdem Israel am Vorabend seiner Geburt die von fünf arabischen Armeen durchgeführte Invasion von 1948 überlebte – exportierte israelische Produkte zu kennzeichnen. Die Linien sind auch als „Grenzen vo 1967“ bekannt; nach dem Sechstage-Krieg wurden neben anderen Schwachstellen diese „Grenzen“ vom verstorbenen, linken Außenminister Israels, Abba Eban, die „Auschwitz-Grenzen“ genannt – eine Breite von gerade 14km, weniger als die Länge der Insel Manhatten. Diese „Taille“ macht heute das Zentrum Israels aus und ist sein am engsten besiedelter Teil.

Bemerkenswert: Die EU schlägt keinerlei ähnliche Kennzeichnung von Waren aus anderen Territorien vor, die als „besetzt“ gelten. Darüber hinaus verurteilten die Briten zwar Israel wegen dem, was man dort „die Gebiete“ nennt, „besetzen“ aber weiter die Falkland-Inseln, die ihnen von Argentinien als deren „Malvinas“ abgesprochen werden – auf der anderen Seite des Atlantiks, alles andere als nahe Großbritannien.

Mr. Cameron und Mr. Hague setzten ihre Namen auf die Liste der Leute, die dafür eintreten jüdische Waren oder Firmen zu kennzeichnen. In einer Zeit, in der sowohl der Staat Israel als auch die Juden in so vielen internationalen Foren derart gewalttätig angegriffen werden – nicht wegen der so genannten Gebiete, sondern einfach aufgrund ihrer Existenz – stellt sich dieser Außenminister in die Reihe einer unheiligen Tradition britischer Politiker seit den Tagen des britischen Mandats in Israel vom Ende des Ersten Weltkriegs bis 1947. Dieses ungehörige Verhalten schient die britische Bürokratie und viele in der britischen Elite gegenüber anderer Politik und andere Zeiten blind zu machen; vermutlich wird so eine Kampagne gegen die Legitimität Israels und seines Existenzrechts in seiner 3000 Jahre alten historischen Heimat.

Nach Angaben von The Bible and the Sword, einer umfassenden Studie der historischen Beziehung  zwischen dem englischen Volk und den Juden und ihrer Verbindung zum als Israel oder Palästina bekannten Land durch die Jahrhunderte, verfasst von der zweifachen Pulitzerpreis-Gewinnerin Barbara Tuchman, war es eine der größten Persönlichkeiten der britischen Geschichte, Richard Löwenherz, der so viele Christen für eine Chance opferte Jerusalem zu erobern. William Marshal, der als der größte König beschrieben wird, kämpfte ebenfalls um das Heilige Land. Für Richard Löwenherz und William Marshal gab es keinen Waffenstillstandsvertrag von 1949, „Grenzen von 1967“, „Besatzung“ oder „Siedlungen“. Unter Verweis auf die Bibel schrieben sie ihre Rechtfertigung zum Kampf um das Land Israel – das Verheißene Land – einer höheren Macht zu.

Jerusalem befindet sich im Herzen des Landes, so wie es sich in den Herzen so vieler Christen befand, die bei dem Versuch starben es von der muslimischen Besatzung zu befreien. In den Jahrhunderten, als die Muslime Jerusalem kontrollierten, war es nie Hauptstadt. Es wird nirgendwo im Koran erwähnt, nicht ein einziges Mal. Doch es ist mehr als zwei Jahrtausende von den Lippen eines jeden Juden bei den täglichen Gebeten, an den hohen Feiertagen und bei jeder Hochzeit genannt worden und es war – und ist immer noch – das Herz und die Seele des jüdischen Volks. Fünfmal täglich wendet sich jeder folgsame Muslim von Jerusalem ab, um in Richtung Mekka zu beten.

William Hague verliert die Geduld mit einer Verbindung von mehr als drei Jahrtausenden zwischen dem jüdischen Volk und einem winzigen Landstrich – eine Verbindung, die für Generationen britischer Führungspolitiker so entscheidend war. Tuchman erklärt im Vorwort zu ihrem Buch: „Der britische Verrat am eigenen Impuls der Schaffung einer nationalen Heimstatt; die Weißbuch-Politik, die Absprache mit den Arabern, das Stauchen des Exodus und die Internierung vor Hitler geflohener Juden in neuen Konzentrationslagern auf Zypern sowie schließlich die Ermutigung der arabischen Offensive in der direkte Folge des britischen Abzugs waren alle unmöglich ohne Empörung in einen Zusammenhang zu bringen.“

Das waren aber nicht die letzten Male, dass britische Politiker das jüdische Volk und den Staat Israel verrieten. Innerhalb einer Zeitspanne von acht Jahren bewiesen die Briten dass Israel und sein Überleben die britische „Elite“ nicht interessierten. Einer fand im Juni 1967 statt, als die Armeen von Jordanien, Syrien und Ägypten drei Wochen lang damit drohten den Staat Israel auszulöschen – der damals keine „Gebiete“ hatte. Nicht England, nicht Frankeich und nicht einmal die Vereinigten Staaten kamen Israel zu Hilfe.

1973, etwas mehr als sechs Jahre danach, während der dunkelsten Stunden des Yom Kippur-Krieges, als die Amerikaner eine Luftbrücken-Operation zur Hilfe für die überraschten Israelis schicken wollten, konnten sie nicht eine einzige westliche Demokratie finden, die ihren Flugzeugen gestatten würde zu landen und aufzutanken. Nicht einmal England, Amerikas strategischer und kultureller Partner, der von den Amerikanern in zwei Weltkriegen gerettet worden war. Nich tnur lehnten es die westlichen Länder ab den wenigen Übriggebliebenen zu Hilfe zu kommen, die den Holocaust überlebt hatten; sie weigerten sich, amerikanischen Flugzeugen durch Betanken zu helfen oder ihnen zu gestatten ihren Luftraum zu nutzen. Die amerikanischen Piloten, die Europa mit ihrem Blut retteten, mussten ihr Leben riskieren genau die Route zwischen Europa und den arabischen Ländern zu fliegen, die ans Mittelmeer grenzen, um nicht den Luftraum europäischer Länder zu verletzten. Nur die Diktatur Portugal erlaubte es den Flugzeugen auf den Azoren zu landen und aufzutanken.

Ein paar Jahre davor, am 7. Dezember 1970, war der westdeutsche Kanzler Willy Brandt, ein Friedensnobelpreisträger, vor dem Denkmal des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943 auf die Knie gefallen. Viele in Polen und Deutschland war von dieser berühmten Geste der Buße und Abbitte tief gerührt. Der Kanzler sagte später: „Unter dem Gewicht der Geschichte tat ich, was Menschen tun, wenn ihnen die Worte fehlen. Auf diese Weise gedachte ich der Millionen Ermordeten.“ Diese Geste hielt Kanzler Brandt allerdings nicht davon ab, 1973 Verrat an seinen eigenen Worten zu begehen, indem auch er amerikanischen Flugzeugen das Auftanken in Deutschland verweigerte. Er lehnte es ab den Flüchtlingen des Holocaust und ihren Nachkommen zu helfen, also genau den Menschen, die er – auf Knien und mit Tränen – um Vergebung angefleht hatte.

Großbritannien, das so schnell dabei ist Israel zu verurteilen und ungeduldig mit ihm ist, verhängte 2009 nach der Operation Gegossenes Blei praktisch eine Blockade, indem es Waffenexport-Lizenzen widerrief. Operation Gegossenes Blei wurde durch den damaligen Premierminister Ehud Olmert ausgeführt, nachdem Jahre lang von der Hamas tausende Raketen in israelische Städte, auf israelische Zivilisten geschossen wurden. Das Embargo von 2009 war kein isolierter Vorfall: 2002 lehnte die britische Regierung es ebenfalls ab, Schleudersitze für F-4 Phantom-Flugzeuge zu verkaufen, die von der israelischen Luftwaffe geflogen wurden. Derselbe Ehud Olmert schlug 2008 das weitreichendste Friedensangebot an PA-Präsident Mahmud Abbas vor, der es genauso ablehnte wie Yassir Arafat Premierminister Ehud Baraks Angebot in Camp David im Jahr 2000 ablehnte und wie die Arabische Liga Israels Verhandlungsangebot für die Rückgabe der „Gebiete“ mit der Resolution von Khartoum ein paar Monate nach dem Sechstage-Krieg von 1967 ablehnte – jede Zurückweisung ohne auch nur ein Gegenangebot zu machen.

Die britische Politik ist – wie gewöhnlich – doppelgesichtig und heuchlerisch. Britannien verurteilt Israel bei jeder sich bietenden Gelegenheit, will dann aber Israels Beistand und guten Willen für sich in Anspruch nehmen. Dieses Jahr wurde der Geburtstag ihrer Majestät Queen Elizabeth II. in Israel im weltbekannten Weizmann-Institut gefeiert. Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels und ein Weltklasse-Wissenschaftler leistete große Beiträge in der Unterstützung der Kriegsanstrengungen der Alliierten im Ersten Weltkrieg; seine wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit wird von der britischen Regierung in Ehren gehalten – derart, dass Premierminister David Cameron ein persönliches Interesse daran hat. Großbritannien hat in der britischen Botschaft in Tel Aviv ein Technologiezentrum gegründet – das erste seiner Art. Der Zweck dieses Zentrums ist unter anderem israelische Firmen zu ermutigen ihren Hauptsitz in Großbritannien zu nehmen. Als er im November 2010 Israel besuchte, nannte Außenminister William Hague die wissenschaftlichen und Geschäftsverbindungen „einen der Grundpfeiler der Beziehung zwischen Britannien und Israel“. Es ist fast so, als würde sich die Geschichte wiedeholen. In dem Versuch seine Wirtschaft voran zu bringen, sucht England jüdische Hilfe – eine Einladung, die der von Oliver Cromwell aus dem Jahr 1657 ähnelt, der den 350 Jahre dauernden Bann der Juden in England aufhob.

Vielleicht würden Minister Hague und Premierminister Cameron wegen der Gesetzlosigkeit und der Menschenrechtsverletzungen, insbesondere die der Frauen, im eigenen Land in Sorge geraten – das direkte Ergebnis des Nachgebens gegenüber muslimischen Forderungen nach dem Scharia-Gesetz im Land. Diese Politik der Unterwerfung sollte dem Westen ernsthaft Sorge bereiten. Die Lage hat sich derart verschlechtert, dass England seine eigenen Männer in Uniform nicht mehr auf die Straße lassen kann; britische Soldaten sind jetzt nicht in Israel Ziel, sondern in London. Wenn die Herren Cameron und Hague sich immer noch um Menschenrechte sorgen, sollten sie vielleicht damit anfangen mit offiziellen Vertretern Saudi-Arabiens oder Ägyptens zu beginnen, wo es reichlich Geduld zu verlieren gibt: Die herrschenden Wahhabiten und Muslimbrüder trampeln systematisch auf den Menschenrechten, Frauenrechten, Kinderrechten, Landbesitzrechten, gleicher Rechte vor dem Gesetz, Rechtstaatlichkeit, freier Meinungsäußerung und freie Religionsausübung herum – abgesehen von anderen widerwärtigen Gepflogenheiten. Es gibt Verfolgung von Christen und jedem sonst, der als „nicht muslimische genug“ angesehen werden.

Juden zu drangsalieren ist relativ leicht; es gibt keine wirklichen Konsequenzen, außer dass mann die wahre Farbe seines Charakters offenbart. Vielleicht muss William Hague sich nicht wegen der Politik sorgen, die seine Regierung bezüglich Palästinas vorantreibt: Zukünftige Generationen Briten könnten ihren Anspruch auf Jerusalem weiterführen, doch aus einer religiösen Grundlage heraus, die nicht die anglikanische ist. Zu dieser Zeit könnten die Briten die Frage der „besetzten Gebiete“ näher an Zuhause finden, wie es bereits in Spanien der Fall ist, wo Muslime ihre Ansprüche auf das „besetzte“ Andalusien abstecken. Das Europa des Mr. Hague verliert nicht die Geduld; es verliert die Nerven, seinen Charakter, seine Werte, sein Zuhause.

Jenseits der Entschuldigungen: Die Ritualmord-Karikatur

5. Februar 2013 um 14:36 | Veröffentlicht in Europa+Nahost, Medien+Nahost | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Die von der britischen Wochenzeitung The Sunday Times angebotene Entschuldigung für eine antisemitische Karikatur, die am internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlicht wurde, thematisierte nur einen, wenn auch wichtigen Aspekt der Problems. Die Zeitung erklärte, die Veröffentlichung der Zeichnung „war ein Fehler und überschritt eine rote Linie“. Sie gab zu, dass Gerald Scarfes Karikatur „historische Ikonografie spiegelte, die verfolgend und antisemitisch ist“.1 Die Zeichnung zeigte den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu beim Bau einer Mauer, wozu er als Zement benutzte, was das Blut von Palästinenser zu sein schien. Die Beschreibung lautete: „Wird die Zementierung des Friedens fortgesetzt?“

Die allgemeine Bedeutung von Entschuldigungen besteht darin, dass sowohl der Täter als auch das Opfer übereinstimmen, das das, was geschah, falsch war. In diesem Fall aber unterstreicht die Entschuldigung auch die Notwendigkeit, dass einige Zusatzfragen gestellt werden. Nicht angesprochen wurde, dass die Karikatur die Wahrheit auf den Kopf stellte, statt sie zu übertreiben. Scarfe legt nahe, dass das, was hauptsächlich ein Sicherheitszaun ist – hier als Mauer dargestellt – dazu dienen soll Palästinenser zu töten. Er wurde jedoch gebaut, um palästinensische Mörder daran zu hindern nach Israel einzudringen und jüdische Zivilisten zu töten.

Darüber hinaus spiegelt die Zeichnung ein wichtiges antisemitisches Motiv, das seinen Ursprung in Großbritannien hat – den Ritualmord-Vorwurf. Er wurde im zwölften Jahrhundert in Norwich erfunden. Damals wurde fälschlich behauptet, dass Juden einen zwölfjährigen christlichen Jungen namens William für rituelle Zwecke töteten. Die Geschichte zog immer weitere Kreise. Ein paar Jahrzehnte später wurden in Norwich – wie an vielen anderen Orten in England – alle Juden ermordet. Von Britannien aus verbreitete sich der Ritualmord-Vorwurf gegen die Juden in andere christliche Länder.

Eine weitere wichtige Frage: Wo sind die Entschuldigungen für andere Karikaturen, die Inkonografie nutzen, die den Ritualmord-Vorwurf in Erinnerung rufen, in Großbritannien wie andernorts? Die vielleicht bekannteste Karikatur dieses Genres wurde von der britischen Tageszeitung The Independent veröffentlicht. Dave Brown zeichnete den damaligen israelischen Premierminister Ariel Sharon als Kinderfresser. Für diese antisemitische Darstellung durch diese Zeitung gab es nie eine Entschuldigung.

In Reaktion auf Proteste sprach die Pressebeschwerdestelle des Königreichs Browns Karikatur von den Vorwürfen frei. Sie wurde weiter „normalisiert“, nachdem sie den britischen Preis „Politische Karikatur des Jahres 2003“ der Political Cartoon Society gewann. Der Preis wurde Brown im November 2003 in den Büros der prestigeträchtigen Wochenzeitung Economist von Clare Short, der Labour-Abgeordneten und ehemaligen Ministerin für Auslandshilfe, übergeben.2

Damals war Zvi Shtauber israelischer Botschafter in Großbritannien. Er sagte mir später: „Simon Kelner, der Herausgeber des Independent, ist Jude. Ich fragte Kelner, ob der Independent jemals eine ähnliche Karikatur einer öffentlichen Person veröffentlicht hatte. Er musste achtzehn Jahre zurückgehen, um eine ähnliche zu finden. Tim Benson, der Vorsitzende der Political Cartoon Society … fand nichts Falsches an der rassistischen Karikatur, die den Preis gewann.“3

Der Independent war nicht die einzige „progressive“ Zeitung, die Ritualmord-Karikaturen abdruckte. Mitte des letzten Jahrzehnts war Michael Howard – ein Jude – Parteichef der Konservativen, die sich damals in der Opposition befanden. Im April 2005 veröffentlichte der Guardian eine Karikatur von Steve Bell, die Howard mit Vampirzähnen darstellte; von einem dieser Zähne tropfte Blut und er hielt ein Glas mit Blut in der Hand. Die Beschreibung lautete: „Trinkst du, was wir trinken? Wähle konservativ.“4 Um das Ganze noch schlimmer zu machen, pries ihn Annabel Crabb von der Australian Broadcasting Corporation für die Karikatur in einem Fernsehinterview.5 Bell hat Howard auch bei anderen Gelegenheiten mit Vampirzähnen gezeichnet.6

Der belgische Politikwissenschaftler Joël Kotek hat eine Sammlung tausender antiisraelischer und antijüdischer Hass-Karikaturen aus arabischen und westlichen Medien angelegt. Eine Auswahl davon hat er in seinem Buch Cartoons and Extremism (Karikaturen und Extremismus) veröffentlicht. Man muss nur die oben erwähnten britischen Karikaturen mit dieser breit angelegten, hauptsächlich aus der arabischen Welt und einigen aus der Nazizeit stammenden Sammlung vergleichen, um zu erkennen, dass ihre Ikonografie perfekt zu einander passt.7

Eine Studie der Universität Bielefeld für die sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung in Deutschland stellte 2011 fest, dass 42% der Briten – ein Prozentsatz, der dem in einigen anderen europäischen Ländern ähnelt – glauben, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führt.8 Eine wichtige Frage sollte gestellt werden: Wer hat diese extrem antisemitische Weltsicht in die Hirne der Briten eingepflanzt? Die Karikaturen sind daher nur die Spitze des Eisbergs eines weit größeren Problems, das die britischen Behörden und die Bevölkerung als Ganzes betrifft.

Die Entschuldigung der Zeitung macht es mit der Erklärung richtig: „Das Bild, das wir von Benjamin Netanyahu veröffentlichten … zeigte ihn, wie er im Blut der Palästinenser schwelgt.“ Jetzt muss gefragt werden: Welche britischen Politiker, Medien, NGOs, Akademiker, prominente Christen und Gewerkschaften haben beständig geholfen das völkermörderische Bild zu stärken, das so viele Briten von Israel haben? Diese Weltsicht zu schaffen, war mehr als ein Fehler. Es war ein Verbrechen. Hier sind die Grenzen in einem unendlich größeren Ausmaß überschritten, als bei einer am internationalen Holocaust-Gedenktag veröffentlichten antisemitischen Karikatur.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war.

1 „Sunday Times apologizes for Netanyahu cartoon“. 3. Februar 2013.
2 http://www.politicalcartoon.co.uk/html/exhibition.html.
3 Manfred Gerstenfeld: Interview mit Zvi Shtauber: Britische Einstellungen gegenüber Israel und den Juden. Europe: An Expanding Abyss? (Jerusalem Center for Public Affairs and Konrad-Adenauer-Stiftung, 2005) S. 188.
4 http://guardian.co.uk/cartoons/stevebell/0,,1454141,00.html
5 http://www.abc.net.au/insiders/content/2005/s1357217.htm
6 http://www.guardian.co.uk/cartoons/stevebell/0,,1319967,00.html
7 Joël Kotek: Cartoons and Extremism (Middlesex: Vallentine Mitchell, 2009).
8 library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

Die Sunday Times aus London begeht den Holocaust-Gedenktag mit einer widerwärtig antisemitischen Karikatur

27. Januar 2013 um 17:18 | Veröffentlicht in Europa, Medien+Nahost | 3 Kommentare
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Israel Matzav, 26. Januar 2013

Sonntag, 27. Januar – heute – ist der jährliche Holocaust-Gedenktag der Vereinten Nationen, der in der gesamten Welt begangen wird, besonders aber in Europa.

Die Karikatur in diesem Eintrag wurde von der Sunday Times of London (die neben dem Telegraph einst eine der weniger antisemitischen Zeitungen Londons war) als angemessen bewertet für den Anlass bewertet und veröffentlicht wurde. „Wird die Zementierung des Friedens weiter gehen?“ Raheem Kassam vom Commentator schreibt dazu:

Letzte Woche war es MP David Ward, dessen Fall ein Schlaglicht auf ein ständig wachsendes Kontingent an antiisraelischen Stimmungen innerhalb der britischen Regierung setzt. Das sind die Pappnasen, die Sie glauben machen wollen, dass Israels Sicherheitswall zu 100 Prozent aus Beton besteht, 30 Meter hoch ist und mit dem Blut von Palästinensern gebaut wurde.

Und wer könnte sie möglicherweise dafür verantwortlich machen, dass sie diese vor schlechter Information strotzende Vorstellung haben, wenn ihre Kollegen im Parlament sie zu einseitigen Schritten in der Westbank einladen, während sie gleichzeitig die Hamas und die Hisbollah als „Freunde“ bezeichnen?

Wichtiger ist aber: Wer kann ihnen Vorwürfe machen, wenn einige der klügsten Medien des Landes Israel und seine Führer in genau dieses Licht stellen: den großnasigen Juden, der über einer Mauer kauert, mit dem Blut von Palästinensern baut, während die sich darin unter Schmerzen winden?

Denn genau das hat die Sunday Times heute gemacht; sie hat sich nicht nur auf der dünnen Linie zwischen Kritik und Ritualmord-Lüge bewegt, sondern sie spuckend überschritten, sie als Dreck hinterlassen und volles Tempo voraus nach Antisemitismusstadt hinein galoppiert.

„Wird das Zementieren des Friedens weiter gehen?“, heißt die Bildunterschrift unter dem Bild eines quasimodoartigen Netanyahu. Als würde dieser halbherzige Versuch eines Wortspiels helfen könnte den offenkundigen Rassismus dieses Bildes zu maskieren. Nein.

Im Gespräch mit einem Freund wurde ich unlängst gefragt: “Glaubst du, dass die Menschen nach 200 Jahren den Holocaust vergessen haben werden oder glauben, dass er ein Märchen ist?“ Meine naive Antwort lautete: „Nein. Ich glaube, es gibt genug gute Menschen in der Welt, die sicher stellen, dass das nicht geschieht.“ Damals hätte ich niemals gedacht, dass die Redakteure der Sunday Times zu denen in der Welt gehören würden, die wahrer Stürmer-Manier den Holocaust-Gedenktag nutzen würden, um eine Ritualmord-Lüge zu veröffentlichen und wissentlich die Erinnerung an einen der größten Völkermorde überhaupt untergraben.

Ich nehme an, in diesem Punkt lag ich falsch. Ich hoffe wirklich, dass ich bei dem andren nicht falsch liegen werde.

Ist irgendjemand wirklich überrascht? Großbritannien unternahm mehr als jedes andere Land der Welt, um die Gründung des jüdischen Staates zu verhindern. Es unternahm mehr als jedes andere Land außerhalb Deutschlands, dass der Holocaust durchgeführt wurde, indem es die Juden an der Emigration in ihre jüdische Heimat verhinderte. Das einzige, das sich in den letzten 65 Jahren geändert hat, ist: Der Islam ist nach Großbritannien gekommen, wo er weithin von der multikulturellen Schwatztruppen begrüßt wurde, die ihn exotisch finden…

Sie dürfen erwarten, dass Großbritannien in nicht allzu ferner Zukunft den Weg Somalias einschlagen wird. Ich hoffe nur, dass seine Juden rechtzeitig aufwachen und es verlassen.

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