Wie ein wirklicher Friedensprozess aussehen würde

20. September 2013 um 13:45 | Veröffentlicht in Friedensinitiativen, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , ,

Evelyn Gordon, CommentaryMagazine.com, 10. September 2013

Das Vorfeld zum 20. Jahrestag der Oslo-Vereinbarungen am Freitag ist eine gute Zeit, nicht nur darüber nachzudenken, was mit dem damals begonnenen „Friedensprozess“ schief gelaufen ist, sondern auch, wie ein brauchbarer Friedensprozess aussehen würde. Man muss nicht weit groß suchen, um Antworten auf beide Fragen zu bekommen. Wie ich schon letzte Woche feststellte, hat alleine der letzte Monat zahlreiche Beispiele für das Problem gebracht, die den Oslo-Prozess von Anfang an zum Scheitern verurteilten: Der Palästinenserführung fehlt völlig das Interesse Frieden zu schließen. Dafür, wie ein realisierbarer Friedensprozess aussehen würde, ist die neue Palästinenserstadt ein gutes Beispiel, die gerade bei Ramallah entsteht.

Die Stadt Rawabi ist komplett die Initiative eines privaten Geschäftsmannes: Die New York Times berichtete letzten Monat, dass die PA finanzielle Hilfe versprach, diese aber nie kam. Und das bietet in zwei entscheidenden Punkten einen bemerkenswerten Kontrast zur offiziellen PA. Erstens soll mit dieser Stadt das Leben der Palästinenser tatsächlich verbessert werden – in diesem Fall, indem komfortable Mittelklasse-Häuser und qualitativ gute städtische Dienste geboten werden. Das ist etwas, das die PA über 19 Jahre ihrer Existenz abgelehnt hat, obwohl sie weltweit zu den Top-Empfängern internationaler Hilfe pro Kopf gehören. Zweitens wurde der Name der Stadt (er bedeutet „Hügel“ auf Arabisch) bewusst gewählt, um antiisraelische Hetze zu unterlassen: Ihre Entwickler veranstalteten einen Wettbewerb für den Namen, berichtete die Times, lehnten aber die zahlreichen Vorschläge ab, die antiisraelischen Terror glorifizierten, so „Arafat-Stadt“ oder „Jihad-Stadt“. Die PA dagegen betreibt tagtäglich solche Hetze.

Die Durchschnittspalästinenser habe das Gefühl, sie haben nichts vom Friedensprozess. Und sie haben Recht. Allerdings ist das so, weil die PA sich bewusst entschied ihnen nichts zu geben. Sie nutzte nie ihre massiven Finanzspritzen, um – sagen wir – bessere Häuser für palästinensische Flüchtlinge zu bauen, die in armseligen Lagern der Westbank leben; im Gegenteil, sie gelobten öffentlich, selbst wenn eines Tages ein Palästinenserstaat entsteht, dann würde den Flüchtlingen die Staatsbürgerschaft nicht gegeben. Sie nutzte Auslandshilfen auch nicht, um ihre Krankenhäuser aufzuwerten: Patienten, die topmoderne Behandlung benötigen, werden immer noch regelmäßig nach Israel geschickt. Sie lehnt es ab mit Israel in so banalen Fragen wie Abwasseraufbereitung zu kooperieren, was das Leben der Palästinenser verbessern würde; und sie gestattet Antinormalisierungs-Strolchen der herrschenden Fatah-Partei israelische Geschäfte zu verjagen, die Palästinensern Arbeitsplätze bieten würden. Kurz gesagt: Statt ihrem Volk zu helfen, hat die PA alles in ihrer Macht stehende getan, um sie in einem Zustand immerwährenden Elends zu halten.

Was die antiisraelische Hetze angeht, enthüllt selbst ein flüchtiger Blick auf die Archive von Palestinian Media Watch, wie zügellos diese ist. Um nur ein paar wenige Beispiel zu geben: Die Facebook-Seite der Fatah verzehrt sich nach Terroristinnen, die zurückkehren und palästinensische Frauen über die Notwendigkeit von „Opfer und Blut“ unterrichten sollen; Organisationen von Tanzgruppen bis zu Jugendgruppen werden nach Terroristen benannt, die als Vorbilder hingestellt werden; offizielle PA-Vertreter und von der PA kontrollierte Medien schleudern regelmäßig verleumderische Beschuldigungen gegen Israel, so dass es vorsätzlich Palästinenser drogenabhängig macht oder versucht die Al-Aqsa-Moschee zu zerstören; außerdem drängen sie Kinder sich an antiisraelischer Gewalt zu beteiligen und versprechen, dass Israel eines Tages aufhören wird zu existieren.

Wenn jemals eine Palästinenser aufkommt, die es vorzieht ihrem Volk zu helfen statt ihr Elend zu verewigen und seine Kinder Koexistenz lehrt statt antiisraelischen Hass, könnte Frieden möglich sein. Doch bis dahin wird jeder „Friedensprozess“ bestenfalls eine Farce sein – und im schlimmsten Fall eine blutige Tragödie wie Oslo.

Der Oslo-Friedensprozess

18. September 2013 um 14:46 | Veröffentlicht in Geschichte, Nahost-Konflikt, Palästinenser | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: , , ,

Lassen wir Arafat selbst zu Wort kommen (von Israel Matzav abgekupfert):

Arafat1993

Israel: Zwanzig Jahre nach Oslo

12. September 2013 um 14:15 | Veröffentlicht in Europa+Nahost, Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt | 1 Kommentar
Schlagwörter:

Manfred Gerstenfeld (direkt vom Autor)

Am 13. September werden zwanzig Jahre seit der Unterzeichnung der Oslo-Vereinbarungen vergangen sein. Die heutige politische Situation im Nahen Osten ist weit entfernt von der, die Abba Eban wahrnahm, als ich ihn ein paar Monate später interviewte. Er sagte damals: „Niemals haben sich Israelis und Araber auf so viele Weisen in Washington, Tokio, Moskau, Ottawa, Rom und in unserer Region getroffen. Militärisch sind die Araber gegen Israel sehr erfolglos gewesen. Jetzt wollen sie von den Traumata der Niederlagen frei sein.“

Das Interview mit Eban war eines von 16 mit prominenten Israelis für mein Buch Israel’s New Future, das Anfang 1994 veröffentlicht wurde. Es behandelte sowohl interne als auch externe israelische Ausblicke nach Oslo. So stark sich Israels interne Situation auch geändert hat, die gegenwärtige Realität der Welt außerhalb ist sogar deutlich anders als vor 20 Jahren.

Israels derzeitige Position im Nahen Osten ist komplexer als sie es lange Zeit gewesen ist. Viele Jahrzehnte lang waren Israels Beziehungen mit einer oder mehr der drei Mächte, die die Region dominieren – Türkei, Iran und Ägypten – gut oder zumindest angemessen. Das ist nicht länger der Fall. Die Beziehungen zum Iran, unter dem Schah Israels Verbündeter, sind grottenschlecht, seit Ayatollah Khomeini 1979 an die Macht kam. Doch zur Zeit der Oslo-Vereinbarungen gab es keine signifikanten Zeichen für die völkermörderischen Absichten der Führung des Iran.

Wäre dieser Artikel vor dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Morsi im Juli 2013 geschrieben worden, wäre aufgrund seiner Agenda klar gewesen, dass zunehmende Feindseligkeit gegen Israel eine herausragende Rolle gegeben würde. Die Lage mit der derzeitigen, temporären ägyptischen Regierung kann bestenfalls als verwirrend beschrieben werden.

Die Beziehungen Israels zu früheren türkischen Regierungen waren normalerweise gut. Allerdings arbeitete der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdoğan seit vielen Jahren daran die türkisch-israelischen Beziehungen zu schwächen. Der beschuldigte bereits 2004 Israel fälschlich des Staatsterrorismus. Steven Merley, der auf das Studium politischen Extremismus spezialisiert ist, deckte Fakten auf, die zeigten, dass die türkische Regierung an vielen Aspekten der Vorbereitung der Gaza-Flottille von 2010 stark beteiligt war.

Eine weitere wichtige Veränderung im Vergleich zu 1993 besteht darin, dass Israels Ansehen in der öffentlichen Meinung Europas in diesem neuen Jahrhundert stark beschädigt ist. Israels den Palästinensern gegenüber gemachte Zugeständnisse in den Oslo-Vereinbarungen wie auch sein einseitiger Abzug aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 sind dort seit langem vergessen. Studien zeigen, dass mindestens 150 Millionen Bürger der Europäischen Union im Alter ab 16 Jahren eine dämonische Sicht Israels haben. Sie stimmen der Äußerung zu: „Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser.“ In Norwegen glauben 38% der Erwachsenen-Bevölkerung, dass Israel sich den Palästinensern gegenüber verhält wie die Nazis gegenüber den Juden.

Im aufschlussreichen Interview des Originalbuchs mit dem Politologen Dan Segre (Titel: „Kann Israel Europa jemals vertrauen?“) sagte dieser bereits, dass Europa einigen Aspekte seiner „Shylock-Politik“ nicht abgeschworen zu haben scheint. „Es erwartet von Israel ein Pfund territorialer Zugeständnisse, ohne dem Schaden Aufmerksamkeit zu schenken, den diese dem Gesamtstaat zufügen könnten, was die Verteidigungsmöglichkeiten Israels angeht.“ Segre fügte hinzu, dass Israel „in den 45 Jahren seiner Geschichte gezeigt hat, dass ein nicht entwickeltes Land sich modernisieren kann, während viele der europäischen Kolonien kollabieren“. Das kennzeichnet Erfolg, während Europa versagt hat, was viele Europäer frustriert.

Bereits vor zwanzig Jahren war klar, dass viele der politischen, militärischen, kulturellen und wirtschaftlichen Erfahrungen Israels Vorläufer dessen waren, was später in der westlichen Welt stattfinden sollte. Mit anderen Worten: Bis zu einem gewissen Ausmaß fungierte Israel als „Labor für den Westen“. Dem kann man inzwischen hinzufügen, dass Israel eine neue Rolle annahm. Es ist zunehmend zu einem Indikator des Zustands der westlichen Welt geworden, ebenso für dessen weit verbreitete und weithin fragwürdige Moral.

Blickt man zwanzig Jahre zurück, dann gibt es etwas, das die Interviewten nicht bemerkten: Die Art, wie die palästinensische Autonomiebehörde ihre Kinder erzieht, war ein Schlüsselindikator ihrer wahren Absichten. Dass die damals interviewten prominenten Israelis, die Bedeutung davon nicht vorherzusehen in der Lage waren, sollte Grund großer Sorge bezüglich der Genauigkeit aktueller Voraussagen zu wichtigen Fragen sein.

Noch eine weitere entscheidende Entwicklung der letzten zwanzig Jahre ist die riesige, fortgesetzte Hetze gegen Israel durch palästinensische Quellen gewesen. Als die PLO und Arafat im Exil waren, konnten sie Hass gegen Israel nicht in dem massiven Maße vorantreiben, wie es sowohl die Palästinensische Autonomiebehörde als auch die Hamas seitdem getan haben. Die Palästinenser haben durch diese Hetze viele Verbündete gewonnen.

Israel hat aus den Oslo-Vereinbarungen einigen Nutzen gezogen, beispielsweise diplomatische Beziehungen zu mehr Ländern. Langfristig allerdings dürfte der von der massiven palästinensischen und arabischen Hetze verursachte Schaden weit über jeglichen Nutzen hinausgehen, den Israel je aus den Vereinbarungen ziehen konnte.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist emeritierter Vorsitzender des Jerusalem Center of Public Affairs. Er hat mehr als 20 Bücher veröffentlicht. Vor kurzem wurde sein Buch „Israel’s New Future“ mit einer neuen Einleitung als „Israel’s New Future Revisited“ veröffentlicht.

MGerstenfeld.Israel'sNewFutureRevisited

Sie lieben uns, wenn wir schwach sind

18. Januar 2013 um 16:27 | Veröffentlicht in die Welt+Nahost, Geschichte, Israel | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: ,

Nadav Shragai, Israel HaYom, 17. Januar 2013

Während des Oslo-Prozesses fühlte Israel Warmherzigkeit des Weißen Hauses. Dann begannen im Land Ströme aus Blut zu fließen.

Wäre es nach US-Präsident Barack Obama oder auch früheren amerikanischen Präsidenten gegangen, die Israel freundlicher gegenüber standen, dann wäre Jerusalem abgeriegelt und geteilt zurückgeblieben. Wäre es nach den Amerikanern gegangen, dann würden die Vereinten Nationen bis heute die Altstadt kontrollieren; Israel wäre gehindert worden Jerusalem zu vereinigen; die Gasse an der Westmauer wäre immer noch lächerlich eng, wie sie es während des britischen Mandats war; die Golanhöhen wären ohne jüdische Besiedlung geblieben; Israel wäre davon abgehalten worden 1981 den irakischen Atomreaktor zu bombardieren; und David Ben-Gurion hätte 1948 einen Rückzieher von der „Besetzung“ des Negev gemacht.

Ginge es nach den USA, dann ist es sehr möglich, dass der Staat Hamastan nicht nur im Süden ausgedehnt worden wäre, sondern die Tore von Kfar Saba, Netanya und Tel Aviv erreicht hätte – Zehntausende Juden wären auf dieselbe Weise aus ihren Häusern in Judäa und Samaria vertrieben worden, wie aus dem Gush Katif im Gazastreifen.

Vor nicht allzu vielen Jahren – 19, um genau zu sein – wurden die katastrophalen Oslo-Vereinbarungen unterschrieben; die israelische Regierung und die sie steuerten, wurden in Washington sehr geliebt und bewundert. Israel gewöhnte sich dann an die Wärme und große Beliebtheit im Weißen Haus. Danach flossen Ströme aus Blut durch unsere Straßen – die Früchte der Diplomatie der Oslo-Führer – und diese Führer wurden immer beliebter. Blutend, schwach und beliebt. Als 2002 die Operation Verteidigungsschild begann, nahm unsere Beliebtheit wieder ab. Und als die Selbstmord-Bombenanschläge begannen, stieg unsere Beliebtheit wieder. Manchmal – und was kann man schon tun? – muss der Premierminister Israels stolz mangelnde Beliebtheit und internationale Verachtung erdulden, um die Interessen seines Staates zu verteidigen, selbst wenn dieser Staat Sanktionen, mehr Sanktionen und Strafen erleiden wird.

Selbst die Hatnuah-Pareichefin Tzipi Livni, der ehemalige Premierminister Ehud Olmert und Präsident Shimon Peres denken anders.

Olmert – der jetzt Netanyahu beschuldigt Israels Beziehungen zu den USA aufzugeben – begriff übrigens, dass er mit Washington über die Vereinigung Jerusalems streiten musste, als das für ihn immer noch eine Leitlinie war. Auch Ben-Gurion und Yitzhak Shamir ertrugen schwierige Augenblicke mit Washington, doch sie waren knallhart, wenn sie glaubten, dass israelische Interessen das verlangten. Der damalige Premierminister Menachem Begin stellte dem US-Botschafter gegenüber einmal klar: „Israel ist keine amerikanische Bananen-Republik.“

Vielleicht muss jemand Obama auf die politische, aber bestimmte Weise antworten, mit der Begin Präsident Jimmy Carter ansprach, der darauf bestand Jerusalem zu teilen. Begin sagte: „Wir werden nie auf einen Nenner kommen; wir dürften nur übereinstimmen, das wir unterschiedlicher Meinung sind.“

Oslo: Anerkennung des Fehlschlags, aber nichts draus gelernt

28. Dezember 2012 um 11:57 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel | Hinterlasse einen Kommentar
Schlagwörter: ,

Ze’ev Jabotinsky, Israel HaYom, 27. Dezember 2012

Das neue Programm der Meretz-Partei schlägt vor die Oslo-Vereinbarungen zu kippen. Die Führer dieser Partei gehörten zu denen, die die Vereinbarungen ursprünglich initiierten und zu den Aktivsten bei ihrer Genehmigung. Doch selbst sie geben inzwischen zu, dass die Oslo-Vereinbarungen ein Fehlschlag waren.

Oslo verursachte enormen Schaden: Es wertete den Status der Palästinensischen Befreiungsorganisation von einer Terrororganisation zu einer international anerkannten, legitimen, politischen Organisation auf. Zwei Wochen vor der Enthüllung der geheimen Gespräche von Oslo tauchten riesige Schlagzeilen auf, die nahe legten, dass die PLO      wegen der Verzweiflung ihrer hochrangigen Mitglieder und den fehlenden Geldern für die Fortsetzung des Terrorismus gegen Israel der endgültigen Auflösung nahe war. Genau an diesem Punkt wurde dem damaligen PLO-Führer Yassir Arafat eine Rettungsleine zugeworfen und er nutzte sie, um einen bewaffnete Präsenz innerhalb Israels aufzubauen – ein Schritt, von dem er bis dahin nur hatte träumen können.

Unter dem Schutz von Oslo ermordeten Arafats Emissäre mehr als 1.600 Israelis und fügten Tausenden weiteren sie verkrüppelnde Verletzungen zu, während die israelische Wirtschaft Milliardenverluste erlitt, Tausende Familien zu Flüchtlingen im eigenen Land wurden und – am schlimmsten – Israel in der Welt seine Legitimität verlor. Die Legitimität wurde verloren, weil Israel eine internationale Bühne für Arafat baute, die der nutzte, um seine Lügen über erfundene Rechte zu verbreiten, die auf Kosten der Rechte kommen, die nach dem internationalen Recht uns zustehen.

Arafat erhielt für seine Delegitimierungskampagne Hilfe von Gruppen, die mit Meretz verbunden sind, so den Bericht der Anwältin Talia Sasson über „illegale“ Siedlungen in Judäa und Samaria; sie ignorierte komplett, dass uns nach dem internationalen Recht zusteht uns im ganzen Land in Israel niederzulassen. Die Schlussfolgerungen aus Sassons Bericht wurden Jahre später von Richter Edmond Levys Bericht in vollem Umfang widerlegt, doch der politische, öffentliche und juristische Schaden war bereits angerichtet.

Die Oslo-Vereinbarungen machten aus den Bürgern Israels Laborratten in einem Experiment in Politikwissenschaften. Trotz des Fehlschlags des Experiments, der dazu führte, dass Meretz jetzt fordert die Vereinbarungen zu kippen, bereuen die Parteichefs immer noch nichts. Im Gegenteil. Wie ein zwanghafter Spieler kommt Meretz jetzt wieder mit einem noch riskanteren Wetteinsatz, in dem Bemühen ihr Verschulden am Scheitern der ursprünglichen Vereinbarungen zu kaschieren.

Das neue Wahlprogramm der Meretz ersetzt das Prinzip der direkten Verhandlungen durch einen „internationalen Schirm“, zu dem unter anderem offensichtliche „Freunde“ Israels wie Saudi-Arabien, die Türkei und Ägyptens Präsident Mohammed Morsi gehören. Diese manipulativen Worte beinhalten lediglich die Schaffung eines internationalen Mechanismus, der Israel Zugeständnisse diktieren würde, die für die meisten seiner Bürger inakzeptabel sind. Meretz tut ihr bestes den demokratischen Prozess zu sabotieren und die Umsetzung von Politik durchzusetzen, die sich gegen den Willen der Mehrheit stellt. Meretz benutzt Umwege, um das Hindernis namens Demokratie zu umgehen.

Der Eckstein des neuen Meretz-Parteiprogramms ist die Übernahme der Genfer Initiative als Grundlage zum Handeln. Es gibt eine Vereinbarung von nicht autorisierten Personen beider Seiten; sie als politische Vereinbarung darzustellen, ist pure Irreführung. Genf ist höchstens ein Versuch von Ländern des Auslands die israelische öffentliche Meinung durch massive Finanzierung seitens dieser Regierungen zu beeinflussen. Diese Gelder sollen unsere Demokratie untergraben, indem sie politischen Interessen dienen, die im Widerspruch zu denen des Staates Israel stehen, zumindest der Meinung der meisten Bürger, wie wir bei der anstehenden Wahl sehen werden.

Kommentar: Eine Erinnerung des Oslo-Schlüsselmannes Beilin – die israelische Oslo-Führung plante nicht voraus

20. Dezember 2012 um 16:03 | Veröffentlicht in Geschichte, Israel, Nahost-Konflikt | 2 Kommentare
Schlagwörter: , , ,

Dr. Aaron Lerner, IMRA, 13. Dezember 2012

Man kann es würdigen, dass Ausländer kaum akzeptieren können, dass die halbaren Ideen von Israelis mit eindrucksvollen militärischen Karrieren oder Jahren an Erfahrung in arabisch-israelischen Angelegenheiten wirklich genau das sind: halbgare Ideen.

Immerhin sollten man hoffen und erwarten, dass jemand, der z.B. in der Lage war bis ganz an die Spitze der IDF zu kommen, sowohl den gesunden Menschenverstand als auch die Integrität haben würde, die politischen Empfehlungen bis zum Ende zu durchdenken, bevor er den Mund aufmacht.

Doch das ist nicht neu.

Von ganz von Anbeginn des Oslo-Prozesses verfochten die Gegner Oslos, dass das ein halbgarer Plan war; dass die für Oslo werbende israelische Führung das nicht bis zu Ende gedacht hatte.

Und Dank Ari Shavits Interview mit Yossi Beilin („Yossi nimmt die Brille ab“, Ha’aretz Magazine, 7. März 1997) haben wir die Bestätigung des Schlüsselmannes von Oslo, dass es sich in der Tat um ein halbgares Programm handelte.

Hier ist meine Übersetzung einiger Auszüge:

+++

Shavit: Als Sie in den Oslo-Prozess eintraten, Rabin, Peres und Sie, war Ihnen da klar, dass dies ein Palästinenserstaat werden würde?

Beilin: Nein. Es ist sehr interessant festzustellen, dass die Seelen-Gespräche zum Thema „Wohin wird dieser Prozess führen“ nur zwischen den Parteien stattfand, nicht innerhalb von diesen. Innerhalb der Arbeitspartei und innerhalb der Regierung und  innerhalb des Verhandlungsteams kann ich mich nicht an irgendeine echte und ernste Diskussion der endgültigen Lösung erinnen.

Shavit: Ich verstehe das nicht. 1992 wurden Sie in die Regierung gewählt. 1993 schufen Sie den Oslo-Prozess. In keiner Phase stellten Sie sich die Frage, wohin das alles führen wird?

Beilin: Nein.

Shavit: Sie sprachen nie mit Rabin über die langfristige Bedeutung von Oslo?

Beilin: Nie.

Shavit: Und mit Peres?

Beilin: ich sprach auch nie mit Peres darüber.

Shavit: Das heißt also, dass wir in einen historischen Prozess gehen, der in seiner Dramatik seinesgleichen sucht und in keiner Phase sagen Sie: „Moment mal, lasst uns darüber nachdenken“, lasst uns prüfen, wohin wir grundsätzlich marschieren?

Beilin: Mit Rabin war die Vermeidung einer endgültigen Vereinbarung eine Art Politik. Er stieß das weg. Nachdem er starb, saß ich bei Leah Rabin und sagt ihr: Wenn jemand hätte wissen können, welche endgültige Vereinbarung Rabin im Kopf hatte, dann bist du das. Sie sagte mir: „Schau, ich kann es dir nicht sagen. Er war sehr pragmatisch, hasst es sich mit dem zu befassen, was viele Jahre später sein würde. Er dachte daran, was jetzt, was sehr bald sein würde. Nach meinem bestem Wissen hatte er kein sehr klares Bild davon, wie die endgültige Vereinbarung aussehen würde.“
Rabin glaubte, dass die Dinge sich entwickeln würden, sah etwas Instrumentelles wie, eine Autonomie, die ein Staat werden könnte oder nicht. Er hatte kein klares Bild.

Shavit: Die Frage muss gestellt werden, ob die Entscheidungen in Oslo überhaupt in einem rationalen Prozess getroffen wurden.

Beilin: Im Allgemeinen gibt es keine rationalen Prozesse. Rational bedeutet am Ende fast immer vernünftig begründen. Wenn man sich diese Art von Prozessen ansieht, dann stellt man fest, dass die Dinge fast immer aus inneren Gefühlen der Teilnehmer heraus geschehen, dass sie das Richtige tun. Aus ihren Gefühlen heraus und ihrer Intuition und persönlicher Erfahrung.

+++

Es hat sich nichts geändert.

Wer also über die politischen Empfehlungen der israelischen Linken nachdenkt, sollte sich daran erinnern: caveat emptor (Abnehmer, sieh dich vor!).

Nächste Seite »

Bloggen Sie auf WordPress.com. | The Pool Theme.
Einträge und Kommentare feeds.

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 419 Followern an

%d Bloggern gefällt das: