Simon Wiesenthal Center stellt europäischen Hass auf Israel bloß

14. November 2013 um 17:46 | Veröffentlicht in Christen+Kirchen, die Welt+Nahost, NGOs | 2 Kommentare
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Rabbi Abraham Cooper, Associate Dean des Simon Wiesenthal Center (SWC), brachte am 13. November 2013 die Erkenntnisse aus Manfred Gerstenfelds Buch Demonizing Israel and the Jews (Dämonisierung Israels und der Juden) im Gespräch mit dem philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila auf. Im Bild unten sieht man Rabbi Cooper bei der Übergabe des Buchs an den Kardinal. Es dokumentiert, dass 150 Millionen von 400 Millionen erwachsenen Europäern glauben Israel lösche die Palästinenser aus oder verhalte sich ihnen gegenüber wie die Nazis gegenüber den Juden.

RabbiHier+CardinalTagle

Während des Treffens vor ein paar Wochen, an dem 60 Mitglieder des Simon Wiesenthal Centers teilnahmen, brachte der Leiter des SWC, Rabbi Marvin Hier, das Thema beim Papst auf. Das Simon Wiesenthal Center hat Exemplare des Buchs an die Kardinäle und Erzbischöfe geschickt, die die Bischofskonferenzen diverser westeuropäischer Länder leiten

Rabbi Cooper hat die niederländischen Aspekte der Dämonisierung Israels, wie sie in dem Buch umrissen werden, bereits bei einem Treffen mit dem stellvertretenden Premierminister der Niederlande, Lodewijk Asscher, und kürzlich in einem Brief an Premierminister Mark Rutte angesprochen.

Naziverbrecher jagen – Operation Letzte Chance

27. Januar 2012 um 6:04 | Veröffentlicht in Geschichte | 1 Kommentar
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Manfred Gerstenfeld interviewt Efraim Zuroff (direkt vom Autor)

„2002 starteten das Simon Wiesenthal Center Israel (SWC) und die Targum Shlishi-Stiftung in Florida die ‚Operation Letzte Chance‘ (OLC), um die Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern – hauptsächlich im postkommunistischen Europa – zu unterstützen. Bis Ende 2011 hat sie die Namen von mehr als 600 Verdächtigen in 32 Ländern erbracht. Von diesen Namen wurden 102 örtlichen Staatsanwälten vorgelegt, 46 davon aus Litauen, 14 aus Lettland und 6 aus Deutschland.

Es gibt sechs Erfolgsebenen bei dem Versuch Nazi-Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen: Den Kriminellen in den Medien zu entlarven, offizielle Ermittlungen der Regierung gegen den Verdächtigen zu erreichen, dass eine Anklage, einen Haftbefehl oder einen Auslieferungsantrag gegen ihn erlassen wird, ein Gerichtsverfahren gegen den Verdächtigen, eine Verurteilung vor Gericht und schließlich die Bestrafung des Verdächtigen.“

Efraim Zuroff

Efraim Zuroff

Der Holocaust-Historiker Dr. Efraim Zuroff ist Direktor des Simon Wiesenthal Center (SWC) in Israel und weithin als „der letzte Nazijäger“ bekannt. Er hat einen Großteil seines Berufslebens mit der Suche nach Nazi-Kriegsverbrechern und den für ihre Verurteilung benötigten Beweisen zugebracht, außerdem mit Lobbyarbeit bei oft störrischen Regierungen, damit die dies Leute strafrechtlich verfolgen. Zuroff hat mehrere Bücher veröffentlicht, deren jüngstes, Operation Last Chance; One Man’s Quest to Bring Nazi Criminals to Justice (Operation Letzte Chance: Die Suche eines Mannes, um Nazi-Verbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen)1 den  Hintergrund des Projekts und ausführlich seine fünf wichtigsten Fälle darlegt.

Er sagt: „Die Bildungsaspekte des Programms wurden so gestaltet, dass die Menschen für die Geschichte des Holocaust sensibilisiert werden und die öffentlich Aufmerksamkeit sich auf die Fragen konzentrieren, die Menschen in diesen Ländern sich selbst stellen sollten. Die Antworten in den verschiedenen Ländern reichten von voller Unterstützung und Bewunderung bis zu eisernem Widerstand. Eine besondere öffentliche Reaktion, die im postkommunistischen Osteuropa recht verbreitet war, bestand darin OLC zu attackieren, weil sie sich nur auf Naziverbrechen konzentrierte, nicht auch auf kommunistische Verbrechen; und weil sie nutzte, was einige als sowjetische Methode ansahen, nämlich den Einsatz bezahlter Informanten.

Ein Großteil des Erfolgs der OLC hängt in erster Linie davon ab, ob die Regierung vor Ort Holocaust-Täter vor Gericht stellen will und es dort eine Wählerschaft gibt, die das Projekt unterstützt.

Die OLC wurde in den baltischen Staaten angestoßen, weil wir glaubten dort sei das Potenzial Informanten zu finden besonders groß. In diesen Ländern gab es jedoch keinen politischen Willen Täter gerichtlich zu verfolgen und praktisch keine Unterstützung vor Ort. Die einzig unterstützenden Menschen waren Einzelpersonen, die ihrer Zeit voraus waren. Sie verstanden, dass diese Frage für die Zukunft ihrer Länder von entscheidender Bedeutung ist.

Auch die Qualität der zu erhaltenden Informationen variiert von Land zu Land. Fast alle, die die Call Center kontaktierten, sind Nichtjuden gewesen. In Österreich schätze ich, dass unter den mehr als einhundert Anrufen, die wir erhielten, 90 bis 95 Porzent antisemitisch waren.“

Zuroff bemerkt: „Jede Regierung ist ein anderer Fall, abhängig von ihrer Einstellung zu den Bemühungen solche Kriminellen strafrechtlich zu verfolgen. In Deutschland z.B. trifft die OLC auf keinerlei offizielle Behinderung oder Opposition. In Osteuropa sind die ortsansässigen Authoritäten angesichts der Aussicht auf Erfolge unsererseits beim Auffinden nicht verfolgter einheimischer Nazi-Kriegsverbrecher kaum begeistert. Die Staatsanwaltschaft ist in der Regel ein Spiegel der Anschauung der lokalen Authoritäten ist. Kurz gesagt: Keine Regierung würde sich offen gegen das Projekt stellen, aber die von den Staatsanwälten eingebrachte Energie und Ressourcen sind ein weit genaueres Barometer für die dortigen Empfindungen.

Die OLC sah sich sogar einmal juristischen Schritten gegenüber, die sich auf Datenschutzgesetze Ungarns gründeten und den „Export“ von Information über ungarische Staatsbürger ins Ausland betrafen. Es blieb nur bei einer Drohung, die nie juristisches Vorgehen zur Folge hatte. Die OLC war in Ungarn sogar äußerst erfolgreich, was praktische Gesichtspunkte angeht, trotz der anfänglichen Zweifel zu unseren Erfolgsaussichten dort infolge der Besonderheiten der von ungarischen Nazi-Kriegsverbrechern und Kollaborateuren begangenen Verbrechen. Dies steht im Gegensatz zum Beispiel zu denen im Baltikum begangenen, wo die Zahl der Einheimischen, die sich aktiv an Massenmord beteiligten, ungewöhnlich hoch war.“

Zuroff erwähnt, dass 2011 „Operation Letzte Chance II“ begonnen wurde. „Sie konzentriert sich in erster Linie auf die Wachen der Todeslager und Personal der Einsatzgruppen. Sie können jetzt – in Folge der Verurteilung Demjanjuks im Mai 2011 in München – erfolgreich wegen Mittäterschaft belangt werden, auch ohne Beweise für ein konkretes Verbrechen an einem konkreten Opfer.“

Zuroff fasst die Erfolge der Operation Letzte Chance so zusammen: „Sie half bei der Identifizierung derer, die für furchtbare, während der Schoah begangene Verbrechen verantwortlich sind. Darüber hinaus konzentrierte sie die Aufmerksamkeit auf die sehr wichtige Rolle, die die ortsansässigen Helfer der Nazis spielten. Deren Mithilfe bei der Umsetzung der Endlösung war entscheidend, besonders in Osteuropa, wo die Beteiligung an Massenmord dazu gehörte. Angesichts der in die OLC investierten, sehr begrenzten Ressourcen sind die erzielten Ergebnisse relativ bedeutend gewesen.

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Vorsitzender des Aufsichtsrats des
Jerusalem Center of Public Affairs.

1 Veröffentlicht bei Palgrave/Macmillan

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