Waffenstillstand und Friedfertigkeit? (17.-23.05.2015)

Sonntag, 17.05.2015:

Umfrage: 92% der israelischen Juden sagt, dass Jerusalem die ewige Hauptstadt Israels ist.

Nach Angaben der PA ist diese dabei die Anklage gegen Israel vor dem ICC fertigzustellen und will sie nächsten Monat vorlegen.

Montag, 18.05.2015:

Friedenswille der PA: „Vom Fluss bis zum Meer gehört alles uns.“ Schreibt die Fatah auf der Hauptseite ihrer Internetseite.

Der Zoll verhinderte an einem Übergang in den Gazastreifen, dass 40 Taucheranzüge in den Gazastreifen geschmuggelt werden konnten; mit diesen hätten Hamas-Terroristen weitere Anschläge übers Meer ausführen können.

Arbeitsunfall: Ein Hamas-Terrorist starb, als der Tunnel einstürzte, den er im nördlichen Gazastreifen nach Israel baute.

Dienstag, 19.05.2015:

Es gibt Presseberichte, dass Israel und die Hamas in Europa geheime Gespräche führen. Die PA-Terroristen sind deswegen besorgt. Die Hamas sagt nichts dazu. Israel dementiert.

Und wenn Frau Mogherini sich noch so sehr auf den Kopf stellt und mit dem Schwanz wedelt – es wieder klare Worte aus Ramallah: Es wird keine Verhandlungen mit Israel geben (weil ja angeblich Netanyahu nicht an Frieden interessiert ist.)

Benjamin Netanyahu hat zwar Silvan Shalom als Beauftragten für Gespräche mit der PA ernannt, behält sich aber das letzte Wort und die Verantwortung für die Verhandlungen vor.

Die nächste Lügen-Anleihe: Die PA behauptet Israel führe an „palästinensischen“ Häftlingen heimlich medizinische Experimente durch. Die Juden sind halt doch Nazi – und Mengele ist ein toller Vorwurf…

Mittwoch, 20.05.2015:

Heckmeck:
– Der UNO-Sondergesandte Nikolai Mladenow forderte Israel auf die Bautätigkeit in Judäa und Samaria einzustellen sowie weitere Schritte zu unternehmen, um die Verhandlungen mit der PA wieder aufzunehmen. Der UNO-Generalsekretär werde sich mit der neuen Regierung in Verbindung setzen, um realistische Optionen für die Rückkehr zu sinnvollen Verhandlungen hin zu einer Zweistaatenlösung zu erkunden. (Israel soll also ins Blaue hinein Vorleistungen erbringen, während Abbas sich nicht einmal bemühen muss, sondern wieder alles auf einem Silbertablett serviert bekommen soll.)
– Premierminister Netanyahu hat in einem Gespräch mit der EU-Außenbeauftragten Mogherini betont, dass er die Zweistaatenlösung unterstützt. (Was ihm natürlich von den Friedenshetzern nicht geglaubt wird.)

Sinai:
– Die Ägypter haben die Pufferzone am Gazastreifen in einigen Bereichen auf 3km Tiefe vergrößert.

Donnerstag, 22.05.2015:

Friedensbeweise – PA-Fernsehmoderator: „Israel ist ein Krebsgeschwür. Juden sind Wucherer. Sie kontrollieren die Medien, die Presse, die Ressourcen,…“

Mal hüh, mal hott, was die Termine angeht: Jetzt sagen sie von der PA, sie würden dem ICC am 25. Juni 2 Klagen gegen Israel vorlegen.

Der gestern getötete Autoterrorist wurde von seiner Familie heute eingewickelt in eine Hamas-Flagge beerdigt.

Entgegen allen Wünschen von Sepp Blatter (der wünscht, statt Tacheles zu reden und auf den Tisch zu hauen) ist der Palästinensische Fußballverband nicht bereit die Beziehungen zum israelischen Gegenüber irgendwie wieder in Ordnung zu bringen. „Es wird keine Kompromisse geben“, heißt es seitens der Araber.

Freitag, 22.05.2015:

Saeb Erekat: Die neue israelische Regierung ist „rassistisch“ – tönt ein Antisemit…

Noch ein Antisemit: Izzat al-Rischak vom Hamas-Politbüro giftete über eine Entscheidung der israelischen Regierung, Büros nach Jerusalem zu verlegen. Die Verlegung „in das besetzte Jerusalem“ widerspräche internationalen Entscheidungen. Jerusalem werde am Ende palästinensisch sein – und „frei von Juden“.

Mahmud Abbas in Jordanien: Die Palästinenser wollen gerechten Frieden, aber Israel verhindere das mit physischer Gewalt und „Sieldungsbau“. Es sei an der Zeit für einen Zeitplan zur Beendigung der Besatzung. (Von Verhandlungen hält der Typ halt nichts.) Natürlich steht nur Israel einem Friedenshandel im Weg, weil es seine militärische Besatzung perpetuiert und Siedlungen ausweitet.

Warum hat Deutschlands junge Generation negative Ansichten zu Israel?

Benjamin Weinthal, Jerusalem Post, 12. Mai 2015

Viele junge Deutsche können Israels Verteidigungskriege gegen tödlich-antisemitische Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah und den Islamischen Jihad für sich schlicht nicht als gültig annehmen.

Der unvergleichliche Nahost-Historiker Bernard Lewis schreib vor fast 30 Jahren in seinem bahnbrechendes Buch Semites and Anti-Semites, dass deutsche Schuld nach dem Holocaust zur positiven Reaktion auf die Gründung Israels beitrug. Er warnte jedoch vorherwissend, dass „solche Gefühle ein schwindender Aktivposten für Israel sind und unweigerlich wegsterben, da die Erinnerung an Naziverbrechen in die Vergangenheit verschwindet“.

Die Worte Lewis‘ überbringen für den heutigen 50. Jahrestag der diplomatischen Aussöhnung zwischen Deutschland und Israel große Dringlichkeit. In einer E-Mail an die Jerusalem Post sagte Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, die „junge Generation wird im Zentrum des diesjährigen Jubiläums stehen“.

Lässt man die Unmenge an Artikeln über in Berlin lebende junge israelische Künstler als implizites Zeichen jüdischen Vergebens für die Schoah beiseite, gibt es ein wachsendes Fehlen an Gegenseitigkeit seitens der Deutschen. Nach Angaben einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Oktober hat eine Mehrheit der Deutschen in der wichtigen Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren eine negative Sicht zu Israel. In starkem Gegensatz zu den Erkenntnissen der Bertelsmann-Stiftung stellte eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung, dass 81% der Israelis sich engere Beziehungen zu Deutschland wünschen.

Wie kann man dieses Auseinandergehen erklären? Zvi Rex, ein israelischer Psychoanalyst, merkte bekanntlich mit stechendem Sarkasmus an: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals vergeben.“ Pathologische Holocaust-Schuldgefühle spielen zwar bei der negativen Sicht auf Israel immer noch eine Rolle, aber der jungen Generation ist auch eine radikal pazifistische Kultur eingeprägt worden. Viele junge Deutsche können Israels Verteidigungskriege gegen tödlich antisemitische Terrororganisationen wie die Hamas, die Hisbollah und den Islamischen Jihad für sich schlicht nicht als gültig annehmen. Für eine beträchtliche Zahl junger Deutscher scheint es schmerzhaft zu sein den deutschen Wahlspruch „Nie wieder Auschwitz“ über die eigenen geografischen Grenzen hinaus auf den jüdischen Staat auszuweiten.

Eine zusätzliche Erklärung für abschätzige Ansichten gegenüber Israel sind die reumütigen neuen Generationen, die, wie der Schriftsteller Wolfgang Pohrt es beschrieb, als Israels Bewährungshelfer dienen, um zu verhindern, „dass ihre Opfer rückfällig werden“. Einfach gesagt: Ein große Zahl der Deutschen hat das Gefühl, sie hätten die Verbrechen des Holocaust durchgearbeitet und sind jetzt in der Position den Israelis Lektionen über die Notwendigkeit von Frieden zu diktieren.

Deutsche antiisraelische Verstimmung in allen sozialen Schichten der Bundesrepublik erreicht Höchststände, wenn Israel seine Sicherheitsinteressen unabhängig von Aufrufen deutscher Politiker zur Zurückhaltung verfolgt. Solche Gefühle erreichten letztes Jahr um die Operation Fels in der Brandung einen Höhepunkt. Der deutsch-jüdische Historiker Michael Wolffsohn sagte dem Tagesspiegel am Sonntag, dass er von den Diskussionen über Israel verunsichert ist, weil sie „eine zunehmende Distanziertheit, Aggressivität und Gehässigkeit“ zeigt.

Während der Operation Fels in der Brandung organisierte die Solid Ruhr der Partei Die Linke einen pro-palästinensische Demonstration, bei der Aktivisten Flaschen und Steine auf pro-israelische Protestierende warfen. Einige Demonstranten brüllten „Brennt, Scheißjuden!“ Die LINKE ist die größte Oppositionspartie im Bundestag. Fairerweise drängte der Solid-Zweig der Berliner LINKE die Solid Ruhr in Nordrhein-Westfalen das antiisraelische Hassfest abzusagen.

Der wachsende Drang Israel Zucht und Strafe aufzuzwingen, hat einen großen Teil der linkslastigen deutschen Zivilgesellschaft durchdrungen. Rudolf Dressler, von 2000 bis 2005 Botschafter der SPD-geführten Regierung in Israel – forderte Anfang Mai „den Handel mit Israel zu reduzieren“, um die Regierung Netanyahu unter Druck zu setzen im Friedensprozess Zugeständnisse zu machen. Dressler betrachtet sich zweifellos als Freund Israels und würde jede Kontinuität zwischen Naziboykotten jüdischer Geschäfte und Forderungen nach Wirtschaftssanktionen gegen den jüdischen Staat zurückweisen.

In der Badische Zeitung, einer Zeitung, die das Simon Wiesenthal Center 2013 auf die Liste der antisemitischen/antiisraelischen Verunglimpfungen Äußernden setzte, drängte Inge Günther, Reporterin der Frankfurter Rundschau, darauf, dass Produkte aus den umstrittenen Gebieten als eine Form der Siedlungsaktivität gekennzeichnet werden. Günther berichtete als Korrespondentin über die Feiern zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen und schrieb, dass die Welt Israel klar machen muss, dass es einen Preis zu zahlen hat.

Was regelmäßig übersehen ist: Der Beginn der Kampagne zur Markierung israelischer Produkte ist in Neonazi-Eingaben bei der Stadt Schwerin aus dem Jahr 2012 zu finden. Es ist unklar, ob Günther sich bewusst war, dass ihr Mittel zur Bestrafung Israels eine Neonazi-Rechtshandlung der örtlichen NPD widerspiegelt.

Ein Test für die junge Generation der Deutschen wird ihre Haltung gegenüber der Bewegung Boykott, D-Investition und Sanktionen gegen Israel sein. Werden junge Deutsche Parallelen zur ersten Phase des Holocaust erkennen, nämlich Wirtschaftsmaßnahmen gegen Juden? Lewis schrieb: „Es kann keinen Zweifel geben, dass eine der wichtigsten Quellen der Unterstützung Israels die Zeit nach dem Sturz Hitlers Schuld war, wobei das Wort im modernen Sinne eher als psychologischer Zustand denn als rechtliche Tatsache gemeint ist.“

Viele deutsche Kommentierende, einschließlich des WELT-Kolumnisten Henryk M. Broder, haben angemerkt, dass die deutsch-israelischen Beziehungen nicht auf der Grundlage von Schuld gedeihen können, ob sie nun pathologisch oder reuevoll ist. Die Umarmung der Freiheit, Israels Kern des Sicherheitsinteresses, demokratische Werte – und ja: eine hippe israelische Jugendkultur – können jungen Deutschen helfen ihre negativen Gefühle gegenüber Israel zu überwinden.

Der Historiker Wolffsohn, der in der israelischen Armee diente, beschrieb die deutsch-israelische Beziehung als „seltsame Freunde“ Vielleicht werden junge Deutsche – in größerem Stil – Israelis und den jüdischen Staat irgendwann in der Zukunft als Freunde betrachten.

Wenn das IKRK das Gefühl hat, es müsse sich dafür entschuldigen die Wahrheit zu sagen

Evelyn Gordon, 12. Mai 2015 (ursprünglich auf Commentary veröffentlicht)

Es ist nicht schwer Beispiele für zweierlei Maß gegenüber Israel zu finden. COMMENTARY hat erst aus den letzten zwei Tagen zwei Beispiele aus der akademischen Welt und dem Sport veröffentlicht. Doch es ist es wert zu wiederholen, dass solche Vorfälle nicht durch die fanatischen Israelhasser möglich gemacht werden, die eine kleine Minderheit bleiben, sondern von all den „guten“ Menschen, die es besser wissen, aber zu eingeschüchtert sind den Mund aufzumachen. Nirgendwo ist das offenkundiger als in der sogenannten Menschenrechts-Gemeinschaft. Und Beweisstück A ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Jacques de Maio, der die Delegation des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz in „Israel und den besetzten Gebieten“ leitet.

Das IKRK hat seinen Teil an Israelhassern hervorgebracht, aber De Maio gehört gewiss nicht dazu. Er erkennt nicht nur, dass Israel nicht der Große Satan ist, als der es allgemein von „Menschenrechts“-Aktivisten dargestellt wird, er ist sogar bereit, das gelegentlich zu sagen – was ihn weit mutiger macht als viele seiner Kollegen. Doch selbst dieses mutiger als der Durchschnitt-Mitglied der Menschenrechtsgemeinschaft ist derart eingeschüchtert, dass wann immer er etwas Positives über Israel sagt, er das Gefühl hat sich entschuldigen zu müssen. Und so erhält man erstaunliche Äußerungen wie diesen Tweet vom letzten November: „Es mag provokant erscheinen, aber ich würde behaupten, dass humanitärer Zugang in Israel und den besetzten Gebieten vergleichsweise außerordentlich gut ist.“

Der Verstand stutzt nur. Es ist „provokant“ die schlichte Tatsache zu äußern, dass Israel, wie jede westliche Demokratie, humanitären Hilfsgruppen uneingeschränkten Zugang gewährt? In seinem nächsten Tweet fügte De Maio hinzu: „Ich kann mich keines anderen Kontextes erinnern, wo wir weltweit operieren, bei dem wir Zugang für humanitäre Organisationen haben, der so gut ist wie hier.“ Aber wenn das die Wahrheit ist, warum sollte es „provokant“ sein das zu sagen? Sollte es nicht genauso natürlich sein, dass Menschenrechtsorganisationen Länder loben, dass sie ihren Zugang ermöglichen, wie es ist sie zu kritisieren, wenn sie das nicht tun?

Aber natürlich ist es das, wenn es um Israel geht, nicht so. Immerhin sind die lautesten Stimmen in der „Menschenrechts“-Gemeinschaft, zu der De Maio gehört, Leute wie Human Rights Watch-Direktor Ken Roth, der bekanntlich Israel letzten Monat dafür kritisierte, dass es das größte medizinische Team der Welt – 30 Prozent allen medizinischen Auslands-Personals – nach Nepal schickte, um den Opfern des Erdbebens zu helfen. In einer Welt, in der „Menschenrechts-Aktivisten“ Israel sogar dafür niedermachen, dass es humanitäre Hilfe bietet – obwohl Roth noch erklären muss, wie seiner Meinung nach die Welt ein besserer Ort wäre, wenn Israel das unterließe – ist es eindeutig nicht selbstverständlich es wegen der Ermöglichung von humanitärem Zugang zu loben. Also entschuldigt sich De Maio dafür, dass er die Wahrheit sagt. Und unzählige seiner weniger mutigen Kollegen entscheiden sich den einfacheren Weg zu gehen und gar nichts zu sagen.

Israel ist auch nicht der einzige, der den Preis für ihr Schweigen zahl – etwas Weiteres, das De Maio recht gut begreift. „Warum gibt es so viel mehr Konzentration auf Israel als auf Syrien [und] andere Orte, wo so viele Zivilisten mehr sterben?“, forderte er im Dezember. „In anderen andauernden Kriegen sterben mehr Zivilisten in einer Woche als in israelischen Kriegen in einem ganzen Jahr.“ Doch sogar der mutiger als der Durchschnitt-De Maio äußerte sich so bei einer Konferenz in Israel, dem einen Ort, wo es relativ „sicher“ ist solche Dinge zu sagen. Und Unzählige seiner weniger mutigen Kollegen werden es überhaupt nie sagen.

So werden alle Hilfsappelle von Menschen weltweit, die tatsächlich humanitäre Hilfe brauchen – in Syrien und „anderen Orten, wo viele Zivilisten mehr sterben“ – weiterhin ungehört bleiben, weil die einzigen „Menschenrechts“-Aktivisten, die ihre Stimmen erheben, diejenigen sind, die von Israel besessen sind. Die anderen sind zu sehr damit beschäftigt einmal mehr zu beweisen, dass alles, was nötig ist, damit das Böse triumphiert, dass gute Menschen nichts tun.

Experten für internationales Recht loben Israels Handeln im Gaza-Krieg

Elder of Ziyon, 26. April 2015

Aus Just Security:

Eine juristische und operationelle Bewertung der Zielauswahlpraxis Israels

Michael Schmitt und John Merriam

Israel hat sich lange geweigert seine Zielfindungsmethoden oder gar einige seiner bestimmten Haltungen zum Recht in bewaffneten Konflikten (Law of Armed Conflict – LOAC) öffentlich offenzulegen; es fürchtete, dies zu tun würde seinen Feinden einen operationellen Vorteil bieten und von oft kritischen Gesprächspartnern unter Staaten und der internationalen Menschenrechtsgemeinschaft ausgenutzt. Das könnte sich ändern. Kurz nach der Beendigung der offenen Feindseligkeiten lud die IDF uns nach Israel ein, um ihre Zielfindungspraktiken und die Anwendung der LOAC zu untersuchen. Wir besuchten eine Operationszentrum der IDF (die Gaza-Division) und beobachteten, wie sie ihre Zellen ins Visier nimmt; begutachteten die Zielfindungs-Prozeduren sowohl der Bodentruppen als auch der Luftwaffe; studierten die Organisation, das Training und die Methodologie der Obersten Militärstaatsanwaltschaft; besuchten einen Angriffstunnel der Hamas; untersuchten Kampfszenen, einschließlich der hier veröffentlichten Filmmaterial; und interviewten IDF-Offiziere – sowohl die juristischen Berater als auch die führenden Offiziere – auf vielen Kommandoebenen.

Unser Ziel war es nicht den gerade beendeten Feldzug (Operation Fels in der Brandung) zu bewerten, sondern uns eingehend damit zu befassen, wie die IDF Zielfindung in allgemeiner Form aus der Perspektive der Einzelpersonen betreibt, die die echte Erfahrung damit haben Ziele ins Visier zu nehmen und Fachkenntnisse in den LOAC besitzen. Die Ergebnisse der Recherche werden in zwei zusammenhängenden Texten veröffentlicht werden, einem für ein militärisches Publikum, der andere für ein akademisches juristisches Magazin.

Vereinfacht gesagt sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass die Haltung der IDF zum Recht der Zielfindung weitgehend denen des US-Militärs folgt. Darüber hinaus bleibt der israelische Ansatz da, wo er abweicht, innerhalb des Bereichs allgemein akzeptierter staatlicher Praxis. Der IDF dient eine Gruppe hoch kompetenter und gut ausgebildeter Rechtsberater, die mit einem bemerkenswerten Grad an Autonomie agiert und ihre Operationen unterliegen ausgiebiger juristischer Beobachtung. Es gibt zwar natürlich israelische juristische Positionen, die kontrovers sein können, aber wir stellten fest, dass ihre Vorgehensweise an die Zielfindung mit dem Recht übereinstimmt und in vielen Fällen wert ist nachgeahmt zu werden.

Michael Schmitt ist Charles H. Stockton-Professor für internationales Recht und Direktor des Stockton Center for the Study of International Law am US Naval War College.

John Merriam ist ein Anwalt der US Army, der aktuell als Associate Director des Stockton Center am US Naval War College dient.

Die beiden großen Abhandlungen selbst sind auch interessant. Zum Beispiel:

Wenn Zivilisten von einem Angriff betroffen sein könnten und es militärisch machbar ist, unternimmt die IDF umfangreiche Maßnahmen sie zu warnen.69 Einige davon, so der Abwurf von Flugblättern und allgemeine Ankündigungen an die Zivilbevölkerung, sind in Konflikten üblich. Sie kündigen typischerweise an, dass ein bestimmter Bereich angegriffen wird und weisen die Bevölkerung an wohin sie gehen soll, um dessen Auswirkungen zu entgehen. In vielen Fällen kontaktiert die IDF Oberhäupter der Viertel und fordert sie auf die Zivilisten anzuspornen den Bereich zu verlassen. Die IDF übermittelt auch exakte Warnungen vor bestimmten Angriffen. Wie unten beschrieben gehören dazu direkte Telefonanrufe an Zivilisten im Zielgebiet und sogenanntes „Anklopfen auf dem Dach“. Menschenrechtsorganisationen kritisieren beide diese Technik während der jüngsten israelischen Operation im Gazastreifen, gleichwohl finden die Autoren diese Kritik nicht gut begründet.70

Fußnote 70 verweist auf Human Rights Watch und Amnesty International, was praktisch heißt, dass deren Verständnis des internationalen Rechts mangelhaft ist.

Zum Schluss:

Obwohl Israels Positionen zu den Prinzipien und Regeln und Prinzipien des LOAC bezüglich der Zielfindung eher orthodox sind, hat das einzigartige operationelle Umfeld, in der es sich befindet, klare Auswirkungen auf Interpretation und Anwendung. Als Beispiel angesichts der Neigung der Feinde Israels menschliche Schutzschilde zu benutzen ist es nicht überraschend, dass Israel die Haltung eingenommen hat, dass Einzelpersonen, die freiwillig auf diese Weise handeln, als direkte Teilnehmer an Feindseligkeiten zu betrachten sind. Angesichts der ständigen Versäumnis seiner Feinde sich von der Zivilbevölkerung zu unterscheiden ist es gleichermaßen nicht überraschend, dass Israel das Prinzip der Angemessenheit bezüglich der Zielfindung begrüßt hat. Am vielleicht bemerkenswertesten ist der hohe Wert, den Israel auf die Sicherheit seiner Soldaten und seiner Zivilbevölkerung legt. Obwohl es nicht möglich ist, das zu quantifizieren, haben diese Anliegen zweifellos die Sicht der israelischen Kommandeure beeinflusst, wenn sie militärische Operationen planen und ausführen, Perspektiven, die oft bei der Anwendung von LOAC-Konzepten wie der Verhältnismäßigkeit ins Spiel kommen.

Nach Meinung der Autoren formt der Gebrauch von Lawfare durch Israels Feinde ähnlich – ob bewusst oder nicht – Israels Interpretation und Anwendung der LOAC. Insbesondere hat Israel einen inklusiven Ansatz zum Anreicht auf geschützten Status übernommen, besonders den Status von Zivilisten. Zu Beispielen gehört Israels Haltung zu Zweifeln, sein Umgang mit unfreiwilligen Schutzschilden wie Zivilisten, die nicht direkt an Kämpfen teilnehmen und seiner Ansicht, dass Einzelpersonen, die Warnungen ignorieren, ihren zivilen Status behalten. Obwohl diese Haltungen für einen Staat, der sich Feinden gegenüber sieht, die geschützten Status für militärische und andere Gewinne ausbeuten, gegen die Intuition zu stehen scheinen, passen solche Haltungen gut, um dem entgegenzuwirken, dass der Feind sich auf Lawfare verlässt. Diesbezüglich verbessern Israels LOAC-Interpretationen eher seine Position auf operationeller und strategischer Ebene, trotz aller taktischen Verluste. In die gleiche Richtung geht, dass die IDF in ihren Verfahrensweisen in vielen Fällen Einschränkungen aufbürdet, die über die Anforderungen der LOAC weit hinaus gehen.

Israels Handeln war nach jeder zurechnungsfähigen Interpretation des Rechts für bewaffnete Konflikte völlig rechtmäßig. Amnesty und HRW verdrehen das internationale Recht auf eine Weise, die es jeder modernen Armee unmöglich macht zu kämpfen.

Sie steckten sie in eine Gaskammer

Paula R. Stern, PaulaSays, 16. Mai 2014

Wie viele Israelis arbeite ich in der Hi-Tech-Welt. Immer mehr gibt es immer weniger Cyber-Grenzen. In Minuten überbrücken wir die Kluft tausender Kilometer, um uns mit jemandem in Indien, Island, den USA oder Deutschland hinzusetzen und plaudern.

Als der Hi-Tech-Boom 2001 platzte, entließ eine Firma in Israel fast ihr gesamtes Personal … und stellte mich ein. Seitdem arbeite ich dort. Irgendwann kauften sie eine Firma in den USA, die Ähnliches machte; durch den Zusammenschluss hofften sie die technologischen Angebote der neuen, größeren Firma auszubauen und zu bereichern. Ich wurde damit beauftragt an ihren Dokumentationen zu arbeiten und fügte das meinem bestehenden Verantwortungsbereich hinzu. Wenn nötig, holte ich zusätzliche Hilfe; ansonsten bin ich ihr Dokumentationsteam. Etwas später kauften sie eine Firma in Island, eine weitere in den USA und eine in Deutschland.

Meine Schwiegermutter war ein Teenager, als die Nazis in ihre kleine Stadt an der Grenze zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei kamen. Zuerst nahmen sie ihren ältesten Bruder und seine frisch angetraute Frau mit. Dann kamen sie wieder und holten den Rest. Sie ermordeten ihre Großeltern, Onkel und Tanten. Sie ermordeten ihren Vater, ihre Mutter, eine jüngere Schwester und einen zweiten Bruder.

Sie steckten sie und ihre Schwester in eine Gaskammer und schlossen die Tür… Sekunden müssen wie eine Ewigkeit erschienen sein, als sie dort nackt im Dunkeln standen. Und dann … öffneten die Nazi-Wächter die Tür, weil sie ein paar weitere Frauen für einen Arbeitstrupp brauchten und sie und ihre Schwester wurden herausgezogen. Die Zurückgebliebenen wurden Teil der sechs Millionen.

Wenn High-Tech-Firmen fusionieren, muss man die Stärken jeder der Firmen evaluieren. Was wird wo gemacht – und muss es zweimal gemacht werden? Offenbar bin ich die einsame technische Autorin und treffe daher nicht nur mit israelischen Ingenieuren zusammen, sondern mit Teams in weit entfernten Ländern. Das ist eigentlich ziemlich cool. Ich gehe in einen von drei Videokonferenz-Räumen, betrete einen gemeinsamen Tagungsraum und habe ein Treffen mit jemandem in einer anderen Zeitzone. Wir sitzen überall in der Welt, wie Menschen früher an einem Tisch saßen. Keine Verzögerungen, keine Unterbrechungen.

Er kann seinen Bildschirm teilen, damit ich sehen kann, woran er arbeitet; ich kann meinen teilen. Wir hören, wir sehen, wir reden. Wir planen die Woche, diskutieren über die Firma, welche Dokumente benötigt werden, den Gesamtfluss der Informationen und die ständige Notwendigkeit die Kommunikation zwischen den Abteilungen Entwicklung und Dokumentation zu verbessern. Manchmal sprechen wir über einen anstehenden Feiertag, wenn der eine oder andere nicht da sein wird. Je mehr er mit seinem angenehmen und ruhigen deutschen Akzent spricht, desto mehr denkt ein Gehirn auf Hebräisch. Ich zwinge mich nur Englisch zu sprechen – das ist ganz schön seltsam, weil Englisch die Sprache meiner Geburt ist, aber nicht die meines Herzens. Ich kann Dinge in Englisch ausdrücken, die mir auf Hebräisch nicht gelingen, einfach weil Englisch meine Muttersprache bleibt. Doch in diesen Momenten, wenn ich merke, das Hebräisch einfach nicht nutzbar ist, ist es Hebräisch, das meinen Verstand füllt.

Sie steckten sie in eine Gaskammer; diese sanfte Frau, die nie jemandem weh getan hatte. Und als sie aus dem Krieg kam, kam sie zurück, um eine Schwester und einen Bruder und einen Cousin vorzufinden, der ihr Ehemann wurde. Ein paar weitere Cousins kamen wieder – eine junge Generation, der die Grundlagen gestohlen worden waren. Sie waren eine Gruppe junger Leute – höchstens in ihren frühen Zwanzigern, aber sie waren alles, was ihnen an Familie geblieben war. Er kaufte ein Haus, in dem sie alle leben konnten; und als sie sagte, es sei an der Zeit, dass sie weiterzieht und Arbeit findet, stellte er sie an, damit sie sein großes Haus putzte und warnte dann in aller Stille jeden davor nur ja keine Schweinerei anzurichten, damit sie nicht so schwer arbeiten musste. Sie zogen nach Amerika, weil es das einzige Land war, das ihnen allen Visa gab; und sie brachten ihre vier Kinder auf die Welt. Und wenn diese, wie sie, ein wenig vernarbt waren, dann war es nicht ihre Schuld. Wie konnte sie keine Narben haben? Wie konnten sie keine Narben haben?

Er ist sehr höflich, sehr intelligent, sehr praktisch veranlagt und sehr sensibel, was die Bedürfnisse der Firma angeht. Es ist ein Vergnügen mit jemandem zu arbeiten, der wertschätzt, was ich mache und den Nutzen davon erkennt. Technisches Schreiben ist eine exakte Fertigkeit. Fehler und Unstimmigkeiten verwirren den Nutzer. Er schätzt das, wohingegen die meisten es als etwas extrem und absurd ansehen.

Darüber hinaus schätzt er das Wissen, das ich auf diesem Gebiet im Verlauf der letzen zwei Jahrzehnte angesammelt habe. Ich frage nach einem Upgrade und habe das Gefühl erklären zu müssen, warum der Kauf der neuesten Version eines Software-Entwicklungswerkzeugs meine Arbeit einfacher und effektiver machen wird. Innerhalb von Minuten sorgt er dafür, dass der Kauf genehmigt wird. Er ist für einen technischen Schreiber ein Traum mit ihm zu arbeiten und er spricht mit einem deutschen Akzent.

Es ist 70 Jahre her… 70 Jahre, seit sie sie in die Gaskammer steckten. Sie starb vor 19 Jahren. Sie erlebte, dass sie meine drei Kinder sehen und im Arm halten konnte; meine jüngste Tochter hat ihren Namen, ihre Grazie und sogar ihre Augen. Meine Tochter, alle meine Kinder, leben in einer Welt, die enorm weit von der entfernt ist, in die meine Schwiegermutter geboren wurde. Niemals, nicht in einer Million Jahre, könnte ein Hitler heute tun, was damals getan wurde. Nicht, weil er es nicht versuchen würde, sondern weil wir ihn nicht lassen würden. Die Stärke unserer Armee, unserer Söhne, steht, fliegt, bewacht und befährt das Meer für uns alle.

All die Jahre unserer Ehe habe ich nichts „Made in Germany“ gekauft. Die Leute sagen, ich bestrafe die Falschen; dass das heutige Deutschland nichts falsch machte. Sie haben recht … aber ich auch. Solange meine Schweigermutter lebte, brachte ich nichts aus Deutschland in mein Haus. Wie hätte ich das tun können? Hätte ich einen deutschen Ofen gekauft? Der Gedanke macht mich krank.

Sie steckten sie in eine Gaskammer; ermordeten fast alle, die sie liebte. Sie gab ihren Kindern ihre Namen, wo ihr das möglich war. Ich nannte meinen ersten Sohn nach ihrem älteren Bruder; meinen zweiten Sohn nach dem jüngeren Bruder meines Schwiegervaters, der auch ermordet wurde.

Warum sollte das heutige Deutschland verantwortlich gemacht werden? Zweifelsohne sollte man es nicht tun. Warum sollten sie für die Wunden Narben erhalten, die ihre Großeltern und Urgroßeltern zufügten?

Ah, hier ist endlich die Frage. Warum sollten sie Narben bekommen? Meine Kinder wissen, woher ihre Namen kommen; wissen, was ihrer Großmutter angetan wurde. Wir reden noch nicht von vielen Generationen zurückliegenden Verwandten – wir reden von ihrer Großmutter. Mein Mann kannte die Liebe von Großeltern nie, weil die Nazis alle vier ermordeten, lange bevor er geboren wurde.

Und dieser Mann, den ich jede Woche treffe, spricht mit demselben Akzent. Und in dieser Welt, die so weit von meiner Arbeit entfernt ist, kann ich zugeben, dass es für mich schwierig ist. Schwierig seinen Akzent zu hören. Es ist nicht sein Fehler; aber meiner ist es auch nicht.

Eine der israelischen Managerinnen flog zu einem Treffen nach Deutschland. Während freundlicher Diskussionen fragte einer der Deutschen sie, was Israel im Gazastreifen macht und sagte, es sei falsch, dass Israel dort Konzentrationslager schafft. Ich fragte sie, was sie antwortete, während in mir die Wut aufstieg. Sie sagte nichts, ignorierte den Kommentar. Ich wäre nie in der Lage gewesen solche Zurückhaltung zu zeigen.

Konzentrationslager im Gazastreifen? Nein, nicht mal annähernd. Niemand steckt Palästinenser in Gaskammern, wie meine Schwiegermutter hineingesteckt wurde. Und niemand bezahlte meinen Schwiegervater und meine Schwiegermutter für die Knochenarbeit, die zu tun sie gezwungen wurden. Man musste Sklave der Nazis sein oder sterben. Palästinenser, die für Israelis arbeiten, werden bezahlt und viele leben wie Könige in großen Häusern, haben feine Autos und mehrere Telefone am Gürtel.

Meine Schwiegermutter lebte von Zuteilungen, die sie kaum am Leben hielten; palästinensische Geschäfte sind voller Bonbons, Fleisch, Gemüse und mehr.

Wenn jemand in den Nazi-Todeslagern krank wurde, musste er weiter arbeiten und seine Krankheit verbergen, besonders die Jungen. Palästinenser, die fortschrittliche medizinische Hilfe brauchen, kommen oft zur Behandlung in israelische Krankenhäuser, besonders die Jungen.

So gehe ich jede Woche in mein Treffen und frage mich, ob das die Woche sein wird, in der mein Herz sich losreißt und fragt – warst du derjenige, der den Gazastreifen mit einem deutschen KZ gleichsetzte? War dein Großvater der Nazi, der den Großvater meines Mannes ermordete? Hast du Narben durch das, was deine Nation tat, wie meine sie von dem hat, was ihr angetan wurde? Wenn mein Mann Narben hat und meine Kinder Narben haben, warum solltest du nicht auch Narben haben?

Es ist letztlich so wie mit dem großen rosa Elefanten im Raum: Wir beenden unser Meeting, wünschen einander alles Gute. Wir lächeln, echtes Lächeln, wenn wir einander grüßen oder lachen über die jüngsten Veränderungen in der Firma. Ich mag ihn wirklich und vielleicht, wenn er nach Israel kommt, biete ich ihm an ihn herumzuführen und ihm einige der erstaunlichen Dinge zu zeigen, die wir aufgebaut haben; und während unserer Treffen höre ich seinen Worten zu und nicht seinem Akzent.

Sie steckten sie in eine Gaskammer; ermordeten fast alle, die sie liebte.